Twisted with Chaos (Cash Bar)

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Teil der Serie: 12
Originaltitel: Twisted with Chaos: Notorious Devils (Cash Bar Book 5)
Übersetzung: Svenja Ohlsen
Location: Kanada
Buchtyp: Roman
Veröffentlichung: 06/2026
Preis eBook: 7,99 € (D)
Preis Print: 16,90 € (D)
ISBN eBook: 978-3-86495-832-8
ISBN Print: 978-3-86495-831-1
Inhaltsangabe

Roxanne hat ihr ganzes Leben in ihrem eigenen Kopf verbracht – niemals wirklich allein. Stimmen, Gedanken und Impulse treiben sie immer wieder an den Rand der Kontrolle.

Als die Notorious Devils an der Nachbartür klopfen, übernimmt genau dieser Teil von ihr das Kommando. Der Teil, der sich nach Freiheit sehnt, der keine Angst vor Risiken hat. Ohne lange nachzudenken, lässt sie sich auf das Abenteuer ein und folgt ihnen.

Houston ist frisch in den Notorious Devils MC aufgenommen worden. Die unberechenbare Roxanne fasziniert ihn sofort – ein wildes Glühwürmchen, das hell aufleuchtet und alles um sich herum in Brand setzen könnte.

Eine Nacht reicht, um alles zu verändern. Houston sieht mehr von ihr, als er je hätte sehen sollen, hinter die Fassade und hinter das Chaos. Danach versucht er Abstand zu halten, denn er weiß nicht, ob er bereit ist für alles, was Roxanne mit sich bringt.

Zwei verletzte Seelen, verbunden durch etwas, das keiner von beiden leugnen kann. Verloren. Verraten. Einsam.

Wenn zwei Menschen wie Roxanne und Houston aufeinandertreffen, gibt es nur zwei Möglichkeiten: Sie zerstören sich gegenseitig – oder sie retten einander.

Inklusive der Bonus-Kurzgeschichte „Spiked with Desire (Juliet & Dice)“. 

Houston

Ich lehne mit dem Rücken an der Seite des Backsteingebäudes, den Blick nach rechts gerichtet, während die Leute vorbeigehen. Ich verstecke mich in einer dunklen Gasse, super klischeehaft, ich weiß. Es ist mir egal. Ich bin ein Mann auf einer Mission, und diese Mission heißt Roxanne.
Sie arbeitet in dieser verdammten Spelunke. Der Gedanke, dass sie da drin herumläuft und diesen Arschlöchern Bier serviert, lässt mich erschaudern. Es war mir egal, dass sie in der Cash Bar gekellnert hat. Meine Brüder und ich waren schließlich immer dort. Sie war in Sicherheit. Hier? Hier ist sie nicht sicher, nicht einmal ansatzweise. Sie hat kein Auto, keine Möglichkeit zu fliehen, wenn etwas schiefgeht, und jeder könnte ihr nach Hause folgen.
Ich höre das Lachen einer Frau und das Klackern von High Heels auf dem Bürgersteig. Schritte nähern sich. Ich drehe den Kopf leicht zur Seite und mir stockt der Atem, als ich sie sehe. Sie ist schlank, verdammt viel dünner als zuvor, ihr Haar ist etwas kürzer und wirkt heller im Licht der Straßenlaterne, aber verdammt, sie ist es und sie sieht umwerfend aus.
Ich packe sie nicht, presse sie nicht gegen die Mauer und ficke sie nicht in dieser Gasse, wie ich es gern tun würde. Stattdessen bleibe ich im Schatten verborgen und beobachte sie. An ihrer Seite steht ein kleines, kurviges Mädchen, sie lachen über etwas, doch ich habe nur Augen für meine Frau, meine Firefly.
Sie verschwinden in der Bar, und ich hole tief Luft. Ich schließe die Augen und lasse meinen Kopf gegen die Mauer fallen. Sie ist hier. Mein Puls beginnt sich langsam zu beruhigen. So schnell wie er gerade noch war, hätte es mich nicht überrascht, wenn ich einen Herzinfarkt bekommen hätte.
Sobald ich mich etwas gefasst habe, drücke ich mich von der Wand ab und schlüpfe in die Bar. Ich bleibe direkt am Eingang stehen und beobachte, wie sie die Tische bedient. Als sie sich umdreht und zur Theke geht, vermutlich um eine Bestellung aufzugeben, husche ich in die dunkelste Ecke der Bar.
Ich warte darauf, dass sie einen neuen Kunden in ihrem Bereich bemerkt. Sie enttäuscht mich nicht. Meine Roxanne ist verdammt auf Zack. Sie schaut mir nicht ins Gesicht, sondern richtet den Blick auf meine Stiefel, während sie auf mich zukommt. Ich bezweifle, dass sie mich überhaupt erkannt hat.
Ich beiße mir auf die Lippe, mein Herz beginnt wieder zu rasen. Für einen kurzen Moment schließe ich die Augen und atme tief ein. Dann steht sie vor mir. Ich kann sie riechen, trotz des Biergeruchs und des Gestanks, der uns umgibt. Meine Roxanne, Vanille und Lavendel, meine Firefly.
„Was kann ich für dich tun?“, fragt sie mit leichtem texanischem Dialekt.
Ich öffne die Augen, hebe den Blick zu ihr und weiß in dem Moment, dass sie mich erkannt hat. Ihr Atem stockt, sie schnappt nach Luft und wankt zurück. Ich rechne fest damit, dass sie sich umdreht und die Flucht ergreift, aber das tut sie nicht. Sie steht wie angewurzelt da, wir starren uns an.
„Ein Coors Light-Bier“, bestelle ich mit rauer Stimme.
Tränen steigen ihr in die Augen, doch sie rinnen nicht über ihre Wangen. Sie blinzelt ein paarmal, um sie zurückzuhalten, ihre Brust hebt und senkt sich unter ihren schweren Atemzügen. „Coors Light ist das Einzige, was du hier bekommst, Tanner.“ Ihre Stimme bebt, ihr Versuch, stark zu sein, wird von ihren rohen Emotionen vereitelt.
„Das bezweifle ich, Firefly“, schnaube ich.
Ihr Kopf zuckt, sie kneift die Augen zusammen, und ich sehe, wie ein Feuer tief in ihrem Inneren entfacht wird. Ich beobachte sie und warte darauf, dass sie ihm nachgibt, doch zu meiner Enttäuschung passiert das nicht. Sie holt tief Luft und macht einen Schritt zurück. Wortlos dreht sie sich um, und ich schaue ihr auf den Hintern, während sie zurück zur Bar geht.
Als sie zurückkommt, brennt das Feuer immer noch in ihren Augen. Sie ist sauer. Sie knallt mein Bier auf den Tisch und sagt kein Wort mehr. Das ist okay. Emotionen sind mir lieber als kalte Gleichgültigkeit. Mit Wut kann ich umgehen, damit komme ich klar. Gleichgültigkeit wäre schwieriger in Verlangen und Liebe umzuwandeln. Wut bewegt sich auf dem schmalen Grat zwischen Liebe und Hass. Diese Herausforderung nehme ich gern an.
Den Rest des Abends versucht sie, mich zu ignorieren, doch ich vereitle ihren Plan. Ich bleibe an meinem Tisch in der Ecke sitzen und winke sie immer wieder herbei, um Bier, Erdnüsse oder Wasser zu bestellen. Ich lasse sie die ganze Nacht bis zur Schließung für mich hin und her rennen.
Gegen halb zwei Uhr morgens ruft der Barkeeper die letzte Runde aus. Ich hebe die Hand und winke Roxanne erneut herbei. Ich beobachte, wie sie vor Zorn mit dem Fuß aufstampft, bevor sie auf mich zustürmt. Als sie vor mir steht, stemmt sie die Fäuste in die Hüften.
„Was ist denn jetzt schon wieder?“, faucht sie.
„Ich möchte nur die Rechnung, Firefly“, antworte ich schmunzelnd.
Mit zu Schlitzen verengten Augen dreht sie sich um und eilt zum Tresen. Der Barkeeper blickt zwischen ihr und mir hin und her. Sie unterhalten sich kurz, dann schüttelt sie den Kopf, und er reicht ihr die Rechnung. Ich starre ihn an, beobachte ihn und warte darauf, dass er etwas sagt oder tut, doch nichts passiert. Tatsächlich hält er meinem Blick nicht einmal dreißig Sekunden lang stand, ehe er sich abwendet und beginnt, die Theke abzuwischen.
„Hier“, sagt Roxanne und knallt die Rechnung mitten auf den Tisch. Ich strecke die Hand nach ihr aus und umfasse ihr Handgelenk, um sie daran zu hindern, mir wieder davonzulaufen. „Houston“, flüstert sie, während ihr Blick von meiner Hand zu meinem Gesicht wandert.
„Wir müssen reden. Vorher werde ich nicht gehen, wir können das also hier, draußen oder bei dir erledigen.“
Ihr Blick wandert durch den Raum und dann wieder zu mir zurück. „Nach der Arbeit. Die Straße hoch gibt es ein Diner, das die ganze Nacht geöffnet hat.“
Ich hole etwas Geld aus meiner Hosentasche, lasse ihren Arm los und werfe die Scheine auf den Tisch, ohne auch nur auf die Rechnung zu schauen. Ich habe nur drei Bier bestellt, die Nüsse und das Wasser waren umsonst. Sie kann das üppige Trinkgeld behalten, verdammt, von mir aus kann sie mein ganzes Geld haben.
Ich verlasse die Bar, ohne mich umzusehen. Ich werde draußen auf sie warten, und wenn sie versuchen sollte, sich davonzuschleichen, werde ich sie wieder einfangen, was sie nicht glücklich machen dürfte. Doch wir werden uns unterhalten, und am Ende wird sie auf dem Rücksitz meines Motorrads sitzen. Ich habe diese Scheiße satt. Das ist mein letzter verzweifelter Versuch, meine Frau nach Hause zu bringen.

Roxanne

„Wer war das?“, zischt Melodie, während ich meine Kasse zähle. Ich schüttle den Kopf, meine Hände zittern, aber nicht wegen meiner Medikamente, sondern vor Nervosität.
„Houston“, gestehe ich.
Sie schnappt nach Luft, aber ich habe keine Zeit, mit ihr darüber zu reden. Er wartet draußen, und ich muss unbedingt verhindern, dass sie ihn sieht. Sie darf vor allem seine Kutte nicht zu Gesicht bekommen. Ich habe das Gefühl, oder vielmehr die starke Vermutung, dass sie genau weiß, wer die Notorious Devils sind. Ich weiß nicht, ob sie mit ihm klarkommen oder total ausflippen würde.
„Du gehst doch nicht mit ihm mit, oder? Wie hat er dich gefunden?“
Ich atme tief durch, ziehe die Schürze aus und hänge sie an den Haken hinter der Bar. Über die Schulter werfe ich ihr ein Lächeln zu. „Er will nur reden. Wir gehen runter ins Diner. Zumindest bekomme ich eine kostenlose Mahlzeit, wenn schon sonst nichts dabei herauskommt, und vielleicht eine Möglichkeit mit der ganzen Geschichte abzuschließen.“
„Ich traue dem Braten nicht“, erwidert sie.
Melodie ist trotz ihrer Vergangenheit ein guter Mensch. Sie sorgt sich um mich, und ich würde an ihrer Stelle genau dasselbe sagen. Deshalb weiß ich, dass sie es gut meint. Ich lege die Finger um ihren Unterarm und drücke ihn sachte.
„Mir wird nichts passieren. Wir essen nur etwas im Diner, danach gehe ich nach Hause, versprochen.“
Sie sieht mir eindringlich in die Augen, und ich wende den Blick nicht ab. Schließlich nickt sie und tritt einen Schritt zurück. Meine Hand gleitet von ihrem Unterarm.
„Wenn er dir auch nur ein Haar krümmt, bringe ich ihn um“, verkündet sie.
Ich schüttle den Kopf. „Das würde er niemals tun, nicht in einer Million Jahren.“
Sie sagt nichts weiter, sondern wendet sich von mir ab und verlässt die Bar. Ich nehme meine Handtasche, hänge mir den Riemen über die Schulter und folge ihr. Doch sie läuft nach links und ich nach rechts. Houston lehnt an einer Mauer, seine Augen sind auf Melodie gerichtet, und er sieht nachdenklich aus.
„Sie ist meine Mitbewohnerin“, erkläre ich. Er dreht ruckartig den Kopf und sieht mich an.
„Achso?“, ist alles, was er antwortet.
Schweigend brechen wir auf. Ich bin zu nervös, um etwas zu sagen, also warte ich. Wir bekommen sofort einen Platz. Das Diner ist voller Betrunkener mit großem Hunger. Wir setzen uns und studieren die klebrigen, in Plastik eingeschweißten Speisekarten.
Ich bestelle Wasser, Houston ein Glas Milch, außerdem ordern wir beide noch etwas zu essen. Ich achte nicht darauf, was er bestellt, ich bin zu fasziniert von der Tatsache, dass er um zwei Uhr morgens ein Glas Milch trinken will.
„Milch?“, platzt es schließlich aus mir heraus.
Er gluckst. „Ja, ich trinke jeden Abend vor dem Schlafengehen Milch. Ich bin nicht sicher, ob sie mich besser schlafen lässt, wahrscheinlich nicht, da ich nicht wirklich viel penne.“
Ich strecke die Hand nach ihm aus und berühre mit einem Finger seinen Handrücken. „Du schläfst nicht?“, frage ich mit sanfter Stimme.
Er sieht mir in die Augen, und ich sehe die deutlichen Spuren des Schlafmangels in seinem Gesicht. Seine Augen sind eingefallen, darunter zeichnen sich dunkle Ringe ab. Er hat auch ein paar Falten mehr, als ich in Erinnerung habe, aber leider macht ihn das nicht weniger attraktiv, sondern für mich nur noch sexyer.
„Vor allem, seit du weg bist“, brummt er. „Ich vermisse es verdammt noch mal, Zeit mit dir zu verbringen.“
Ich ziehe die Hand zurück, schlucke und schaue auf meinen Schoß, bevor ich den Blick wieder auf ihn richte. „Ich habe dir gesagt, dass dieser Teil unserer Beziehung vorbei ist, Tanner. Es ist vorbei. Ich gehe nicht zurück zur Cash Bar, zum Clubhaus, oder sonst wohin. Ich bleibe hier“, sage ich und versuche, entschlossen zu klingen, was mir jedoch eindeutig nicht gelingt.
Er sieht mir in die Augen, zwinkert mir zu und grinst dann. „Firefly, du glaubst doch selbst kein Wort von dem Mist, den du gerade von dir gegeben hast, das sehe ich dir an.“
„Es spielt keine Rolle, ob ich es glaube oder nicht, das sind die Fakten.“ Ich verschränke die Arme vor der Brust.
Houston schüttelt den Kopf und ein leises Lachen entweicht seinen Lippen. „Du gehörst zu mir, Roxie. Das hier ist nicht der richtige Ort für dich, du gehörst zu deiner Familie.“
Zum zweiten Mal an diesem Abend füllen sich meine Augen mit Tränen. Diesmal kann ich sie nicht zurückhalten. Sie laufen mir über die Wangen, und ich versuche nicht einmal, sie wegzuwischen.
„Ich werde niemals eine Familie haben, Tanner. Deshalb kann ich nicht zurück.“ Meine Lippen zittern bei diesen Worten.
Houston greift über den Tisch, legt die Hand um meinen Nacken und durchbohrt mich regelrecht mit seinem wilden und unnachgiebigen Blick. Er sieht wütend, verletzt und entschlossen zugleich aus. Er wirkt nun durch und durch wie ein harter Kerl, der die Devils-Kutte trägt, nicht wie der sanfte Mann, der mich Nacht für Nacht gehalten hat, der mich gefickt hat, wenn ich es brauchte, der mich wild und frei sein ließ.
„Hör auf mit diesem Quatsch, Roxanne. Ich will das nicht noch einmal hören. Niemand interessiert sich dafür, ob du schwanger werden kannst oder nicht, ich schon gar nicht. Ich will nur dich. Carson und Axe sind deine Familie, und es würde sie umbringen zu hören, was du gerade gesagt hast.“
Ich schüttle den Kopf, meine Haare fliegen mir um das Gesicht, Tränen laufen mir über die Wangen. „Das kann niemals funktionieren, niemals. Ich kann dich nicht an mich binden, nicht mit dem, was in mir schlummert.“ Es ist mir egal, ob wir eine Szene machen. Ich habe in meinem Leben schon deutlich mehr Drama veranstaltet, das hier ist nichts dagegen.
Houston schnaubt. „Verdammte Scheiße, Firefly. Du willst also nicht, dass ich die beste Bindung eingehe, die ich mir vorstellen kann? Du willst nicht, dass ich mich an die Frau binde, die die Dämonen beruhigt, die in mir lauern? Du willst nicht, dass ich mich an die spektakulärste Frau binde, die ich je kennengelernt habe?“
Seine Worte sind süß, viel zu lieb für jemanden wie mich. Auch sein Blick ist zu intensiv, ich senke den Blick und flüstere: „Tanner, ich werde nie gesund werden. So bin ich nun einmal. Ich könnte jederzeit wieder in eine Abwärtsspirale geraten. Ich könnte aufhören, meine Medikamente zu nehmen, alles Mögliche könnte passieren.“
„Ich könnte morgen bei einem Einsatz erschossen werden“, faucht er. Ich sehe ihm in die Augen und schnappe nach Luft. „Wir könnten jeden Moment sterben, Roxanne. Warum solltest du mich auch nur eine Sekunde länger von dir fernhalten? Du bist unglaublich toll und wunderschön obendrein. Hör auf, so verdammt egoistisch zu sein.“
Ich reiße den Kopf zurück und versuche, mich aus seinem Griff zu befreien, aber er umklammert nur noch fester meinen Nacken. „Egoistisch? Glaubst du, ich will dich nicht? Glaubst du, ich will den besten Mann, der je in mein Leben getreten ist, von mir stoßen? Ist es das, was du denkst?“, schreie ich.
Er grinst. „Da ist ja meine Firefly, jetzt kommen wir der Sache endlich näher.“
„Tanner“, zische ich.
„Roxanne, du tust mir keinen Gefallen, indem du hier lebst und vorgibst, glücklich zu sein. Du machst Carson und mich damit verdammt unglücklich. Du bist egoistisch, wir lieben dich, wir wollen dich zu Hause haben.“
„Ihr kennt mich nicht gut genug, um mich zu lieben.“
Houston schüttelt den Kopf. „Man steht das, was wir erlebt haben, nicht durch, wenn man keine Liebe füreinander empfindet. Sie mag noch nicht weltbewegend sein, aber das kommt noch. Ich weiß, dass ich dich an meiner Seite haben will, in meinem Bett und als meine verfluchte Old Lady.“
„Ich kann nicht.“
Unsere Blicke treffen sich, und er nickt kurz. „Ich hatte vor, dich heute Abend nach Hause zu bringen. Dafür bist du offenbar noch nicht bereit. Ich gebe dir vierzehn Tage Zeit. Heute Nacht bleibe ich hier, um dich daran zu erinnern, was du verpasst, wenn du hier in Calgary hockst und schmollst. Morgen früh fahre ich nach Hause. Aber ich komme wieder.“

Houston

Auf dem Weg zu ihrer Wohnung sagt Roxanne kein Wort. Ich mustere unsere Umgebung. Diese Gegend ist nicht sicher genug, nicht für meine Frau. Tatsächlich ist sie einzig und allein in meinem Bett mit mir an ihrer Seite sicher.
„Du musst leise sein, meine Mitbewohnerin schläft schon“, mahnt sie, als sie nach der Türklinke ihres Wohnhauses greift.
Ich trete einen Schritt näher, lege die Hand auf ihren Rücken und senke das Kinn, um auf sie hinabzuschauen. „Firefly, du musst dich entspannen. Ich bin es doch nur.“
„Das ist ja das Problem. Du bist es, Tanner. Du, der du nicht hier sein solltest. Du, von dem ich wusste, dass ich dir nicht widerstehen könnte, wenn ich dich jemals wiedersehen würde. Du, den ich mehr liebe als mich selbst. Du.“
Ich berühre ihre Lippen mit meinen und bringe sie zum Schweigen. Ihre Worte erfüllen mich und lassen mich gleichzeitig innerlich zusammenbrechen. Ich fülle ihren Mund mit meiner Zunge und küsse sie. Ich stöhne bei ihrem Geschmack, schließe die Augen und erinnere mich daran, wie sie sich um meinen Schwanz schmiegt.
Langsam unterbreche ich den Kuss und schaue in ihre hübschen braunen Augen. Sie haben die Farbe von warmem Kakao, warum mir das vorher nie aufgefallen ist, weiß ich nicht. Ich umfasse ihr Kinn und streiche mit dem Daumen über ihre weichen Lippen.
„Lass uns reingehen“, brumme ich.
Sie nickt, und ich trete einen Schritt zurück. Langsam folge ich ihr die Treppe hinauf und dann einen langen Flur entlang. Stirnrunzelnd stelle ich fest, dass jede zweite Deckenlampe kaputt ist. Roxanne führt mich zum Ende des Flurs, dem dunkelsten Teil, und steckt ihren Schlüssel ins Schloss.
Mit einer einfachen Drehung und einem Ruck öffnet sie die Tür und geht hinein. Ich bräuchte ungefähr zwei Sekunden, um in diese Wohnung einzubrechen, vielleicht sogar weniger. Das Schloss ist verdammt schäbig, und ich werde nicht zulassen, dass sie hierbleibt, nicht noch eine Nacht, geschweige denn die vierzehn Tage, die ich ihr versprochen habe.
Ich hole mein Handy aus der Tasche und schicke Snake eine SMS. Ich bitte ihn, einen Prospect für Roxie zu schicken, der sie beschützt, bis sie wieder nach Hause zieht. Er antwortet nicht sofort, was ich auch nicht erwartet habe. Wahrscheinlich liegt er neben seiner Frau und schläft.
Ich trete durch die Tür, schließe sie hinter mir ab und wende mich dann Roxanne zu. Sie mustert das kleine Wohnzimmer und die Küche, vermutlich hält sie nach ihrer Mitbewohnerin Ausschau.
Ohne ein Wort gehe ich auf sie zu und streife mit meinen Lippen über ihre. „Lass uns ins Bett gehen, Firefly“, sage ich mit rauer Stimme an ihrem Mund. Ich spüre, wie ihre Lippen zittern und ihr Atem in einem Seufzer entweicht.
Roxanne wendet sich von mir ab, kommt aber nicht weit. Ich bin direkt hinter ihr, drücke die Brust gegen ihren Rücken, umschließe ihre Hüfte mit beiden Händen und reibe mich bei jedem ihrer Schritte an ihr. Als wir endlich in ihrem Schlafzimmer sind, schließe ich auch diese Tür hinter mir ab.
Mein Mund findet die Seite ihres Halses, ich koste ihre Haut und kann ein Stöhnen nicht unterdrücken. Das habe ich vermisst, diesen Geschmack, ihren Duft und das Gefühl ihres Körpers an meinem. Ich gleite mit meiner Hand von ihrer Hüfte zum Bund ihrer Jeans, öffne den Knopf und ziehe langsam den Reißverschluss herunter.
Sie schnappt nach Luft, als ich meine Finger unter ihr Höschen gleiten lasse. Roxanne legt ihre Finger um meinen Nacken, während ich weiter ihren Hals lecke, sauge und küsse. Ich stöhne, als ich ihre feuchte Mitte berühre.
„Ich habe dich vermisst“, gesteht sie atemlos.
Ich kann nur grunzen. Würde ich sprechen, würde ich ihr irgendwelchen Weichei-Blödsinn erzählen, den ich lieber für mich behalte. Ich habe heute Abend genug von meinen Gefühlen preisgegeben. Jetzt muss sie etwas für uns tun. Der Ball liegt sozusagen bei ihr. Ich bin ihr entgegengekommen, doch wenn sie mich wieder wegstößt, komme ich nicht zurück. Ich sage es ganz offen. Sie weiß, was ich will, und ich werde es ihr heute Abend zeigen, danach liegt es an ihr.

Hayley Faiman
Als Einzelkind musste Hayley Faiman sich mit sich selbst beschäftigen. Im Alter von sechs Jahren begann sie, Geschichten zu schreiben, und hörte nie wirklich damit auf. Die gebürtige Kalifornierin lernte ihren heutigen Ehemann im Alter von sechzehn Jahren kennen und heiratete ihn mit zwanzig Jahren im Jahr 2004. [...]
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