Inhaltsangabe
Kace Elliott ist nicht nur Eishockeyprofi – er hat auch einen hohen IQ und arbeitet inkognito an Forschungsprojekten im Bereich der angewandten Physik. Er verliebt sich in seine Forschungspartnerin. Doch sie hat keine Ahnung, wer er wirklich ist. Und je näher sie sich kommen, desto schwieriger wird es für ihn, seine zwei Welten voneinander zu trennen.
Auf dem Eis bin ich Kace Elliott – Goalie der Pittsburgh Titans und fest entschlossen, mich in den Playoffs zu beweisen. Abseits davon bin ich der Wissenschaftler William. Beide Seiten sind echt, sollen sich aber nicht überschneiden.
Bis Dr. Laurel Kent in mein Leben tritt.
Laurel ist brillant, prinzipientreu und lebt in einer Welt, in der Ehrlichkeit alles bedeutet. Sie kennt mich online als William – als ihren intellektuellen Gegenpart, den Mann, der ihre Leidenschaft für Daten und nächtelange Zusammenarbeit teilt. William entspricht genau ihrem Typ, Sportler hingegen ganz und gar nicht.
Als sie mich im echten Leben als Kace kennenlernt, entscheide ich mich bewusst dafür, ihr genau den Mann zu zeigen, mit dem sie eigentlich nie ausgehen wollte. Sie bekommt den Titans-Goalie – und das komplette Chaos der Playoffs gleich dazu.
Doch dann wird es kompliziert: Ich treffe die folgenschwere Entscheidung, ihr nicht zu sagen, dass Kace und William ein und dieselbe Person sind. Wie durch ein Wunder gibt Laurel Kace eine Chance – und unsere gemeinsame Zeit wird mehr, als ich je zu hoffen gewagt hätte. Je näher wir uns kommen, desto seltener spricht sie von William. Ich rede mir ein, dass ich ihr die Wahrheit sagen werde, sobald der richtige Zeitpunkt gekommen ist. Sobald ich ihr beweisen kann, dass ich mehr bin als das Bild, das sie von mir hat.
Mit dem steigenden Druck der Playoffs wird die Grenze zwischen meinen beiden Leben immer brüchiger. Als Laurel erkennt, wie eng meine Welten miteinander verwoben sind, muss ich mich der Frage stellen, welchen Preis es hat, wenn man von jemandem verlangt, nur einen Teil von sich zu lieben.
Denn ein Sieg auf dem Eis bedeutet nichts, wenn ich die Frau verliere, die mich dazu gebracht hat, mein Leben nicht länger in zwei Hälften teilen zu wollen.
Das große Finale der Pittsburgh Titans von New York-Times-Bestsellerautorin Sawyer Bennett.
Leseprobe
Kace
Ich habe schon Schlagschüsse gehalten, die mir den Kopf hätten wegblasen können, und in Eisstadien gespielt, in denen es so laut war, dass die Banden wackelten. Aber ich habe nie das Gefühl gehabt, mich vor Nervosität übergeben zu müssen.
Anscheinend ist meine Grenze erreicht, wenn ich vor einem eleganten Restaurant stehe und auf eine Frau warte.
Ich gehe auf dem Bürgersteig vor dem Lokal, in dem wir uns verabredet haben, auf und ab, die Hände in den Jackentaschen. Warmes Licht strömt durch die große Glasfront, und ich sehe Paare, die im Schein flackernder Kerzen auf ihren Tischen ein intimes Abendessen genießen.
Ich habe diesen Ort ausgewählt, weil er eher für gutes Essen als für schicke Gäste bekannt ist. Er ist ein Geheimtipp in Lawrenceville, wo ich ganz normal zu Abend essen kann, ohne ständig als Torwart erkannt zu werden, dessen Gesicht seit einem Monat auf den Sportseiten zu sehen ist.
Normalerweise.
Heute Abend jedoch fühle ich mich, als trüge ich meinen Name als Neonleuchtschrift auf der Stirn.
Ich bleibe stehen, fahre mir mit der Hand durch die Haare und schaue erneut auf mein Handy, obwohl ich weiß, dass die letzte Nachricht immer noch dieselbe ist.
Ich freue mich darauf.
Das war die letzte Nachricht, die sie mir geschickt hat, nachdem wir die Verabredung getroffen haben.
Ich lese sie noch einmal, als könnten sich die Buchstaben zu „Tut mir leid, ich kann nicht, das ist seltsam, vergiss es“ umordnen.
Doch zum Glück tun sie das nicht.
Ich stecke das Handy weg, seufzte tief und beobachte, wie mein Atem in der kühlen Abendluft zu Nebel wird, voller Dankbarkeit für die ganze Sache mit Laurel. Ich bin in einer Bar aufgetaucht, habe mich in eine Speeddating-Runde eingeklinkt und bin mit einer einzigen Bewertungskarte in der Tasche und einem Date mit einer Frau, die ich wirklich begehre, wieder gegangen.
Doch mit der Dankbarkeit kommt auch Angst, und die dreht mir den Magen um. Nicht, weil ich nicht hier sein möchte, sondern weil ich genau weiß, wie viel schiefgehen kann.
Ich spiele schließlich zwei verschiedene Männer.
Laurel kennt nur die eine Hälfte der Gleichung. Allerdings nicht die, die hier steht und sich fühlt, als hätte sie in der Butler Street eine Existenzkrise.
Ich reibe mit dem Daumen über die Naht meiner Gesäßtasche, in der meine Brieftasche steckt. Die gefaltete Bewertungskarte liegt zu Hause auf der Kommode, aber mir ist, als könnte ich sie immer noch spüren. Ich habe ganz genau den Moment in Erinnerung, als ich sie nahm – wie sich Laurels Augen weiteten, weil ihr plötzlich klar war, dass ich damit weggehen würde. Ich erinnere mich an das kleine, widerwillige Lächeln, das mir sagte, dass sie exakt das wollte.
Heute Abend sollte ich ihr die Wahrheit sagen.
Man muss kein Genie sein, um zu wissen, dass es keine gute Idee ist, eine Frau zu belügen, die man mag.
Das ist mir auch durchaus klar.
Ich könnte da reingehen, mich ihr gegenüber hinsetzen und sagen: „Ich erzählen Ihnen mal eine lustige Geschichte … Ihr Forschungsassistent William und Ihr Date Kace? Das ist ein und derselbe Typ.“
Ein sauberer Schnitt. Aber möglicherweise eine unschöne Reaktion.
Mein Gehirn liefert mir sofort den Rest dieser Szene. Ich sehe vor mir, wie sich ihre Miene verschließt, nicht nur wegen der Lüge, sondern auch aus ethischen Gründen.
Sie würde die ganze Sache logisch durchdenken.
Ich bin ihr Forschungsassistent bei einem gemeinsamen Projekt. Sie ist die Forschungsleiterin. Ich bin unter einem anderen Namen zu ihrem Speeddating-Event erschienen und habe sie gefragt, ob sie mit mir ausgeht, obwohl ich ihr technisch gesehen immer noch unterstellt bin.
Sie würde das als Verstoß gegen die Arbeitsethik bezeichnen.
Als Konflikt.
Laurel würde das Gefühl haben, ich hätte die Sicherheit des Labors ausgenutzt, um eine persönliche Beziehung zu erreichen. Sie wäre sauer, dass ich nicht von Anfang an offen und ehrlich war. Der Gedanke, dass sie mich jemals anschaut und sich fragt, ob sie mir beruflich vertrauen kann, lastet schwerer auf meinem Magen als jeder Schlag, den ich jemals abbekommen habe.
Doch da ist noch etwas anderes.
Im Augenblick mag sie William mehr als Kace. Daran habe ich keinen Zweifel, denn sie kennt ihn viel besser. Sie hat alles mit der Seite von mir gemeinsam, die William ist, und er wäre ihre sichere Wahl.
Sie sagt zwar, dass sie Sportler hasst, aber so einfach ist das nicht. Ich kenne sie gut genug, um zu wissen, dass sie keine „Stars“ mag, also Menschen, die im Rampenlicht stehen. Sie zieht besonnene Denker Männern vor, die ihr Leben nach Adrenalinschüben ausrichten. Wenn sie sagt, sie verabscheut Sportler, dann meint sie Typen, die Menschenmengen und Unvorhersehbarkeit lieben. Sie findet Leute unattraktiv, deren Ego ihr Dasein bestimmt und die der Kitzel des Wettbewerbs antreibt.
All diese Dinge sind Teil meiner Kace-Seite.
Zunächst muss ich also dafür sorgen, dass sie die andere Hälfte von mir schätzen lernt, dann kann ich ihr die ganze Wahrheit sagen.
Sie muss lernen, Kace um Kaces willen zu mögen. Ich möchte, dass sie mich in einer Bar voller Menschen als das sieht, was sie so wenig mag – Sportler –, und sich trotzdem für mich entscheidet.
Damit ich ihr beweisen kann, dass die Schublade, in die sie Typen wie mich steckt, nicht so klar definiert ist, wie sie denkt.
Du kannst dich irren, Laurel, und trotzdem in Ordnung sein.
Dieser Gedanke beruhigt mich. Ich tue das nicht, um sie zu verwirren, sondern weil mir klar ist, dass sie nie aus ihrer Blase herauskommen muss, solange ich für sie William bleibe. Wenn sie mit mir als Kace zurechtkommt, wird es ihr später leichter fallen, die Wahrheit zu verkraften. Ich weiß, das kann funktionieren.
Zumindest rede ich mir das ein.
Ich schaue wieder auf mein Handy. 18:59 Uhr. Ich drehe mich zur Tür um. Mein Herz pocht, als stünde ich kurz vor einem Infarkt, und in diesem Augenblick hält ein Uber am Straßenrand. Laurel steigt aus, und mir stockt der Atem. Ich mag sie wegen ihrer Klugheit so sehr, aber verdammt, sie ist auch umwerfend schön.
Sie trägt einen schlichten schwarzen Mantel mit Gürtel, dunkle Jeans und kniehohe Stiefel. Ihr blondes Haar fällt heute Abend in lockeren Wellen über ihre Schultern, anders als beim Speeddating-Event, und sie hat ihre Brille auf.
Ist das ihre Rüstung? Eine subtile Erinnerung daran, dass ihr Verstand ihre größte Waffe ist, eine Tatsache, die ich nicht zu vergessen wage?
Sie bleibt auf dem Gehsteig stehen, um die Autotür zu schließen und ihre Tasche zurechtzurücken, und ich beobachte, wie sie das Restaurant mustert. Ihr Blick huscht zum Schild, zum Fenster, schließlich hinunter auf den Bürgersteig, als würde sie prüfen, ob es sicher ist, weiterzugehen.
Dort sieht sie mich, und unsere Blicke treffen sich.
Es gibt eine Sekunde Verzögerung, in der ihr Gehirn das Bild des Mannes vor ihr zu erfassen scheint. Sie lächelt. Zuerst nur ein leises Lächeln, dann wird es breiter, als könnte sie nicht anders.
Ja. Ich bin erledigt.
„Hey“, begrüße ich sie, trete vor und öffne ihr die Tür zum Restaurant.
„Hallo.“ Ihre Stimme klingt ein wenig atemlos, als hätte sie das Wort überrascht.
„Hi“, sage ich und zucke innerlich zusammen.
Wirklich eloquent, Elliott.
Laurel lächelt und geht an mir vorbei ins Restaurant, umweht vom schwachen Duft ihres Shampoos. Ich bemerke, wie die Dame am Empfang mich zweimal ansieht, als sie mich erkennt, aber sie ist professionell genug, um sich schnell wieder zu fassen.
„Ein Tisch für zwei?“, fragt sie.
„Ich habe reserviert auf Elliott“, entgegne ich.
Sie schaut auf das Tablet auf dem Podium. „Natürlich, Mr. Elliott.“ Sie nickt Richtung Garderobe. „Soll ich Ihre Mäntel aufhängen?“
Ich helfe Laurel aus dem Mantel – ihre Schulter streift für den Bruchteil einer Sekunde meine Brust, und mein Puls beschleunigt sich. Dann ziehe ich meine Jacke aus, reiche beide Kleidungsstücke der Empfangsdame und nehme die Garderobenmarke entgegen.
Laurel streicht sich eine lose Haarsträhne hinters Ohr, ihre Finger streifen dabei sanft ihren Kiefer. Sie wirkt nicht nervös, sondern eher konzentriert. Präsent. Als würde sie den Raum, den Geräuschpegel und den Weg zum Ausgang katalogisieren – typisch Laurel, die alle Variablen abwägt, ehe sie sich entscheidet.
Ich bleibe in ihrer Nähe, aber nicht zu dicht. Nah genug, um ihre Wärme zu spüren, aber weit genug entfernt, damit sie nicht den Eindruck hat, ich würde ihr zu nahe kommen.
Die Empfangsdame führt uns zu einem kleinen Tisch an der Seitenwand, nicht genau in der Mitte, aber auch nicht völlig versteckt. Ich mache mir eine geistige Notiz, beim nächsten Mal – falls es eines gibt – jemanden zu bestechen, um einen Ecktisch zu bekommen.
Höflich ziehe ich Laurels Stuhl zurück, und sie schenkt mir ein kurzes, fast selbstbewusstes Lächeln, als sie sich setzt. Ich setze mich ihr gegenüber, und wir nehmen die Speisekarten entgegen.
„Also“, sage ich und lege die Speisekarte weg, ohne einen Blick darauf zu werfen, „wir haben es geschafft. Ganz ohne rätselhaften Speeddating-Algorithmus.“
Sie lacht leise und streicht mit den Fingern über den Rand ihrer Serviette. „Das bedeutet wohl, dass wir uns auf unser eigenes Denkvermögen verlassen müssen. Beunruhigend.“
Aus der Nähe betrachtet sind ihre Augen noch intensiver – dunkelblau mit kleinen Sprenkeln, die das Licht einfangen. Es ist offensichtlich, dass sie sich weiterhin mentale Notizen über alles macht … den Tisch, die Beleuchtung, mich.
Besonders über mich.
Ich kann praktisch sehen, wie sie das, was sie sieht, mit ihrer internen Liste von K.-o.-Kriterien abgleicht.
Arrogant? Nein. Selbstsicher? Offenbar. Trottel? Hoffentlich nicht. Sportler? Auf jeden Fall.
Ich räuspere mich. „Es freut mich, dass Sie zugesagt haben. Ich weiß, dies ist wahrscheinlich nicht Ihre bevorzugte Sonntagabendbeschäftigung … ein Abendessen mit einem Profisportler.“
Sie mustert mich einen Augenblick lang und verzieht den Mund. „Das ist definitiv nicht mein Ding.“ Ein kleines Lächeln umspielt ihre Lippen. „Aber ich versuche, aus festgefahrenen Gewohnheiten auszubrechen. Deswegen bin ich hier.“
„Das steht Ihnen gut“, sage ich leichthin.
„Was?“
„Flexibilität. Es sieht nicht einmal aus, als täte es besonders weh.“
Laurel schnaubt. „Warten Sie es ab.“
Die Anspannung in meinen Schultern lässt ein wenig nach. Super. Scherze machen ist mein Spezialgebiet. Darin bin ich gut.
Der Ober kommt, um unsere Getränkebestellung aufzunehmen. Laurel möchte ein Glas Weißwein, ich ordere Mineralwasser, was mir einen fragenden Blick einbringt.
„Diese Woche steht ein wichtiges Spiel an“, erkläre ich. „Die guten Sachen hebe ich mir für die Nebensaison auf.“
„Sie trinken nur dann?“, fragt sie und zieht eine Augenbraue hoch.
„Ich trinke auch während der Saison, aber normalerweise nicht während der Play-offs.“
Sie nickt und presst belustigt die Lippen zusammen. „Ich gebe es nur ungern zu, aber ich habe keine Ahnung von Eishockey. Ich weiß nicht mal, was Play-offs sind.“
„Kein Problem. Viele Leute wissen das nicht“, antworte ich lachend. „Die Play-offs sind eine Reihe von Spielen, die zum Finale führen. Am Mittwoch starten wir in die zweite Runde gegen die Detroit Cardinals.“
„Wie viele Spiele umfasst eine Runde?“
Ich erkläre ihr, dass es maximal sieben sind und wie die Verteilung von Heim- und Auswärtsspielen ist. Dann füge ich hinzu, dass wir gerade Boston in der ersten Runde in vier Spielen besiegt haben.
„Also waren die ersten beiden Spiele zu Hause und dann zwei auswärts?“, vergewissert sie sich.
„Ja … wir hatten Heimvorteil, genau wie gegen Detroit.“
„Haben die Titans eine Chance, die Meisterschaft zu gewinnen?“, fragt sie und stützt ihr Kinn auf ihre Hand.
Ich versuche zu ignorieren, dass das Kerzenlicht sie noch schöner macht, selbst wenn es sich in ihrer Brille spiegelt. Statt einer direkten Antwort gebe ich ihr einen Überblick über das Team, einschließlich meiner neuen Position als Stammtorwart.
Sie stellt nachdenklich Fragen und nutzt dabei ihren Verstand, der es liebt zu lernen, und zwischendurch schauen wir uns die Speisekarte an. Unsere Getränke kommen, dann das Brot, das wir beide ignorieren, und schließlich geben wir unsere Bestellung auf, während wir uns im Kerzenschein über Eishockey unterhalten.
Doch genug von mir …
„Erzählen Sie mir etwas über sich“, sage ich und lasse die Frage bewusst offen und vage. Ich weiß schon einiges über sie, aber ich möchte sehen, was sie selbst für das Wichtigste hält.
„Beruflich bin ich Assistenzprofessorin an der Uni Pittsburgh.“
Ich versuche, erstaunt zu wirken. „Wirklich? Sie können doch nicht älter als fünfundzwanzig sein. Haben Sie Ihre Kindheit komplett übersprungen oder nur im Schnelldurchlauf durchgezogen?“
„Das ist ein bisschen dramatisch“, wehrt sie lachend ab und spielt mit dem Stiel ihres Glases. „Aber ich bin neunundzwanzig und war einfach irgendwie … richtig gut in der Schule.“
„Ja, so klingt es.“
„Ich habe an der Carnegie Mellon studiert“, fährt sie fort. „Mein Hauptfach war Physik. Ich habe an einigen Sommerforschungsprogrammen teilgenommen, früh veröffentlicht und dann direkt an der University of Chicago promoviert.“
„In Chicago. Kalt dort.“
Laurel nickt. „Windig. Fabelhaft. Reizüberflutend. Ich habe es geliebt und wollte mich gleichzeitig die ganze Zeit unter meinem Bett verkriechen.“
„Das klingt gesund.“
„Überaus.“ Ihr Lächeln verrutscht. „Nach der Promotion bin ich noch eine Weile als Postdoktorandin geblieben. Doch dann hat man mir eine Stelle an der Pitt angeboten, und ich musste nicht lange überlegen, da dies meine Heimatstadt ist. Also kam ich wieder zurück, und jetzt bin ich hier.“
„Ein Mädchen aus der Gegend“, staune ich, denn das wusste ich nicht. So viel William und Laurel in den letzten Monaten auch geplaudert haben, darüber haben wir nie geredet. „Erzählen Sie mir von Ihrer Familie.“
Sie lehnt sich zurück und überlegt, wo sie anfangen soll. „Meine Familie stammt aus McKeesport. Mein Vater ist Gewerkschafter und arbeitet in einer Fabrik. Meine Mutter hat schon viele verschiedene Jobs gehabt – in der Schulkantine, im Einzelhandel, wo immer sie eine Stelle gefunden hat. Sie sind sehr gediegene, bodenständige Menschen. Gewissenhaft, praktisch veranlagt. Mein Vater kann mit Gaffer-Tape und einem Gebet alles reparieren.“
Die Bewunderung, mit der sie das sagt, berührt mich zutiefst. Auch ich habe ein extrem gutes Verhältnis zu meinen Eltern.
„Aber Sie waren nicht wie sie“, sage ich sanft.
Sie zuckt leicht die Achseln und senkt kurz den Blick. „Nein, ich war … anders. Ich mochte Zahlen und Muster und fragte nach Begründungen für Dinge, die niemanden sonst interessierten.“
„Ich wette, sie sind stolz auf Sie.“
Laurel lacht leise und nickt, die Anspannung lässt nach. „Sehr sogar, doch ich glaube, sie haben nie wirklich verstanden, was ich tue. Das begreifen sie immer noch nicht. Sie kamen zu den Preisverleihungen in der Highschool und applaudierten an den richtigen Stellen, aber wenn es um die Dinge geht, die mir wichtig sind, sprechen wir nicht dieselbe Sprache.“ Ihr Blick wird für einen Moment weich, als würde sie in Erinnerungen schwelgen, dann reißt sie sich zusammen. „Sie wohnen nur fünfundzwanzig Minuten entfernt, und ich sehe sie selten. Ich habe deswegen Gewissensbisse, aber es ist schwer, mein Leben mit ihrem Bedürfnis, mich bei allen Sonntagsessen dabei zu haben, in Einklang zu bringen.“
Die Art, wie sie bei diesen Worten den Mund verzieht, sagt mir, dass Gewissensbisse für sie nichts Alltägliches sind.
Ich beuge mich leicht zu ihr vor. „Klingt, als würden sie Sie sehr lieben, auch wenn sie Sie nicht ganz verstehen.“
Sie hebt den Blick und sieht mir in die Augen. Ein verblüffter Ausdruck huscht über ihr Gesicht, vielleicht, weil ich keinen Witz gemacht oder das Thema gewechselt habe. „Das stimmt“, sagt sie. „Ich weiß, dass ich privilegiert bin, was meine Eltern angeht, und das macht es umso schlimmer, wenn ich sie enttäusche.“
„Sie enttäuschen sie nicht, indem Sie so sind, wie Sie sind“, beruhige ich sie. „Sie sind lediglich ein anderes Modell.“
Laurels Lippen zucken. „Ein anderes Modell“, wiederholt sie. „Das ist eine sehr physikermäßige Art, es auszudrücken.“
Ich möchte über den Witz lachen, weil ich genau verstehe, wie Modellierung mit Physik zusammenhängt, aber sie darf nicht wissen, dass Kace das durchschaut.
Zum Glück kommt in diesem Augenblick unser Essen, was uns eine kurze Pause verschafft. Sie trinkt einen Schluck Wein und schließt für eine Sekunde die Augen, als würde sie den kleinen, vertrauten Genuss auskosten. Ich habe Angst, dass sie mich nach meinen Lebensumständen fragen könnte, und ich möchte darüber nicht lügen.
Ich will nicht, dass sie erfährt, dass meine Mutter, Dr. Evelyn Hartwell Elliott, Physikprofessorin in Harvard ist und mein Vater dort Assistenztrainer der Unimannschaft. Deshalb liebe ich Physik und Eishockey und bin in beiden Bereichen so gut.
Das darf sie noch nicht wissen, also muss ich sie am Sprechen halten.
„Können Sie mir ein bisschen darüber erzählen, was Sie an der Pitt tun?“
„Klar“, sagt sie, und ihre Augen leuchten vor Begeisterung. Gott sei Dank versucht sie nicht, es für den dummen Sportler zu vereinfachen. „Ich arbeite an einem Forschungsprojekt zu stressreaktiven Polymergittern, das bereits lief, als ich in die Abteilung kam. Es ist eine Zusammenarbeit zwischen der Pitt und dem MIT. Wir stellen reale Proben her – tatsächliche Materialien, die wir biegen, dehnen und Belastungstests unterziehen können. Das MIT übernimmt die komplexen Berechnungen … die Simulationen, die vorhersagen, wie sich diese Materialien unter verschiedenen Bedingungen verhalten werden.“
Mein Magen macht einen kleinen, heimtückischen Sprung. Sie redet jetzt über meinen Teil des Projekts.
„Der Fakultätsleiter an der Pitt sollte das Projekt eigentlich bis zum Ende begleiten“, fährt sie fort, ohne etwas zu bemerken, „aber er hat unerwartet ein Sabbatjahr genommen. Mein Fachbereichsleiter hat gefragt, ob ich bereit wäre, das Projekt zu übernehmen, da meine Arbeit damit zusammenhängt.“ Sie zuckt die Achseln. „Ich fühlte mich geschmeichelt und hatte gleichzeitig ein bisschen Angst.“
Ich schlucke. Das ist etwas, was ich nicht über diese Frau wusste, die ich immer für so selbstsicher gehalten habe. „Wovor?“
„Vor den Modellierungsdateien“, gibt sie zu. „Als ich zum ersten Mal den Code des Remote-Assistenten – William – gesehen habe, dachte ich, sie hätten mir aus Versehen ein Fragment einer komplexen außerirdischen Sprache geschickt. Der Code war … elegant. Dicht. Außerordentlich gut.“
Ich presse die Lippen zusammen, um das Geräusch zu unterdrücken, das mir entweichen will.
„William hat also die Messlatte hoch gelegt“, sage ich, um sie zu provozieren.
„Ärgerlich hoch.“ In ihre Stimme schleicht sich Bewunderung ein, die die scharfen Kanten ihrer Worte glättet. „Sobald ich mich aber an seinen Stil gewöhnt hatte, war es, als hätte ich ein zusätzliches Gehirn, das parallel zu meinem arbeitet. Er sieht Muster, die ich nicht sehe, und umgekehrt.“
Keine Ahnung, warum mich dieser Satz wie ein Schlag trifft. Das sollte er nicht. Sie spricht von mir, verflucht noch mal. Aber wenn ich höre, wie sie William beschreibt, mit Respekt und Zuneigung, fühle ich mich etwas unwohl.
Ich schwenke das Mineralwasser in meinem Glas herum und setze ein leichtes Lächeln auf. „Klingt nach einem tollen Mann“, kommentiere ich leichthin. „Sollte ich eifersüchtig sein?“
Ihr Blick trifft meinen, ihre Augen sind für den Bruchteil einer Sekunde weit aufgerissen, bevor sich ihr Gesichtsausdruck ein wenig verschließt.
„Nein“, beruhigt sie mich schnell. Ein bisschen zu schnell. „Er ist einfach … super in dem, was er tut. Aber meine Bewunderung ist rein beruflich.“
Sie glättet ihre Serviette, als wollte sie ihre Geständnisse ausbügeln. „Ich habe ihn noch nie persönlich getroffen“, fügt sie hinzu. „Obwohl er hier in Pittsburgh lebt, eignet sich diese Art von Arbeit für Homeoffice, und wir kommunizieren nur über das E-Mail- oder Chat-System der Universität. Diese Assistenzstellen sind in der Regel befristet. Solche Leute kommen und gehen. Ich werde vielleicht noch ein paar Monate mit ihm zusammenarbeiten und ihm in dieser Zeit nie begegnen. Es ist nicht …“ Sie verstummt und umfasst den Stiel ihres Glases mit den Fingern. „Es ist nichts.“
Ich neige den Kopf und mustere sie. Ihre Worte sind reserviert, aber die Art, wie sie zuvor seinen – meinen – Namen ausgesprochen hat, war es nicht. Darin lag Wärme.
Sogar Vertrauen.
Und ich sitze ihr gegenüber und bin wie ein verdammter Idiot eifersüchtig auf mich selbst.
„Hey“, sagt eine leise Stimme, als wüsste der Sprecher, dass er stört, könnte aber nicht anders. Ich drehe mich um und sehe einen Mann mittleren Alters vor mir. „Entschuldigen Sie. Ich bin ein Riesenfan von Ihnen. Sie haben in dieser Saison eine unglaubliche Leistung im Tor der Titans gezeigt, seit Sie McGinn abgelöst haben.“
Ich setze mein öffentliches Lächeln auf, das sagt, dass ich mich freue, in diesem Restaurant zu sein, aber auch leicht allergisch darauf reagiere, wenn man mich erkennt, während ich versuche, mein Leben zu leben. „Vielen Dank. Das weiß ich sehr zu schätzen.“
Sein Blick huscht zu Laurel, und er scheint sich an seine Kinderstube zu erinnern. „Entschuldigen Sie, ich wollte Ihr Date nicht stören.“
Ich werfe ihr einen Blick zu. Sie hat die Augen weit aufgerissen, und ihre Finger, die das Weinglas umklammern, sind weiß.
„Ein schnelles Foto?“, fragt er. „Ich verspreche, dass ich Sie beide dann in Ruhe lasse.“
Ich könnte es ihm abschlagen. Es wäre nicht das erste Mal. Aber da ist dieser Ausdruck in seinen Augen – der Junge, der mit seinem Dad Spiele angesehen hat, der für Tickets gespart hat, der vielleicht auch in dieser Saison etwas Gutes gebraucht hat.
„Klar“, sage ich und schiebe meinen Stuhl zurück. „Das können wir schnell einschieben.“
Er reicht sein Handy dem Ober, der mit der eifrigen Effizienz eines Menschen aufgetaucht ist, der diese Geschichte später unbedingt erzählen will. Wir machen das Foto, und ich klopfe dem Fan auf die Schulter.
„Vielen Dank“, sagt er. „Alles Gute für das Spiel gegen Detroit am Mittwoch.“
„Ich danke Ihnen, Mann.“
Er zieht sich vor Glück strahlend zurück. Der Kellner bleibt gerade lange genug stehen, um anzumerken: „Unser Koch ist auch ein großer Fan. Er würde Ihnen gerne eine Vorspeise auf Kosten des Hauses schicken, wenn das in Ordnung ist.“
Ich werfe Laurel einen Blick zu, die ihn mit ausdruckslosem Gesicht erwidert. „Das ist sehr nett“, antworte ich. „Herzlichen Dank.“
Der Ober strahlt und verschwindet in Richtung Küche.
Ich setze mich langsam wieder, wobei der Stuhl ein wenig über den Boden kratzt. Die Blase, in der wir uns befunden haben – eine kleine, ruhige Globule aus Kerzenlicht und Nähe – fühlt sich jetzt dünner an. Alle Augen sind auf uns gerichtet, und wir wissen es beide.
„Tut mir leid“, flüstere ich. „Ich habe versucht, einen Ort auszuwählen, wo man mich nicht erkennt.“
Sie schluckt und starrt auf den Tisch zwischen uns. „Es ist nicht Ihre Schuld. Es liegt an Ihrem Job.“
Ich schaue ihr ins Gesicht. „Alles in Ordnung?“
Sie seufzt – es klingt fast wie ein Lachen, aber nicht ganz. „Daran muss ich mich noch gewöhnen.“
„Anpassungsfähig, Sie erinnern sich?“, versuche ich, uns wieder auf sichereres Terrain zu bringen.
Ihre Lippen zucken. „Ja. Richtig.“
Eine Minute später kommt die angekündigte Vorspeise, ein wunderschön auf den Tellern arrangiertes Gericht mit Burrata und geröstetem Gemüse. Der Kellner stellt es ab, als brächte er den Göttern eine Opfergabe dar, und wünscht uns guten Appetit.
Laurel nimmt ihre Gabel in die Hand, zögert und sieht mich an. „Ist das immer so?“
„Nein“, antworte ich. „Aber häufig.“ Ich spiele mit dem Rand meiner Serviette. „Heimspiele sind besonders schlimm. Die Leute kennen unsere Lieblingslokale und campen dort. Meist stört mich das nicht. Die Fans sind begeistert, und ich verstehe das, vor allem angesichts unserer guten Leistungen. Ich war als Kind auch so.“
Sie lächelt voller Wertschätzung für den kleinen Jungen in dem Mann, der gerade um ein Foto von mir gebeten hat.
Ich zucke die Achseln. „Manchmal würde ich meine Stockhand für eine Stunde verkaufen, in der mich niemand angafft. Ich habe noch nicht herausgefunden, wie ich das bewerkstelligen kann, ohne in den Wald zu ziehen.“
Sie mustert mich nachdenklich. „Das klingt nach viel Aufmerksamkeit.“
„Ja, aber genau darum geht es“, entgegne ich ironisch. „Dauernde Aufmerksamkeit. Die Liga liebt das.“
„Lieben Sie es auch?“
Fieberhaft überlege ich, wie viel ich ihr verraten soll.
„Ich liebe Eishockey“, sage ich langsam. „Das Eis, die Spielstrategien, die Art und Weise, wie man einen Spielzug drei Schritte im Voraus spüren kann, wenn man aufmerksam ist. Ich liebe meine Mannschaftskameraden. Die Umkleide. Den Lärm, wenn die Zuschauer bei Heimspielen hinter uns stehen.“
Mit den Fingern klopfe ich einen langsamen Rhythmus neben meinem Glas, meine Gedanken wandern zu dem Ort, an den sie immer schweifen, wenn ich mich auf das beschränke, was mir wirklich wichtig ist. „Aber der ganze Rest?“ Ich schüttle den Kopf. „Die Kameras, die Fragen, der dauernde Leistungsdruck? Wenn ich das, was ich tue, vor zwanzigtausend gesichtslosen Geistern tun könnte, würde ich es tun. Die Fans machen es schwerer.“
Sie beugt sich leicht vor, den Ellbogen auf den Tisch gestützt. „Warum tun Sie es dann?“
Weil das Eisstadion der einzige Ort ist, an dem mein Gehirn zur Ruhe kommt.
Weil meine Eltern mal gesagt haben, wenn ich es nicht wenigstens versuchen würde, würde ich mich für immer fragen, wie es wohl gewesen wäre.
Weil ich Dinge mag, die mich umbringen könnten, wenn sie auf mich zurasen, solange ich sie stattdessen umlenken kann.
Ich schlucke und gebe ihr eine möglichst ehrliche Antwort. „Eishockey bietet mir einen Ort, an dem ich all dem Lärm entgehen kann. Wenn ich spiele, steht die Zeit still, und das Einzige, was zählt, sind Schusswinkel und Schlägerpositionen. Es gibt keine Vergangenheit, keine Zukunft. Nur den Puck und diesen Augenblick.“
Ihr Blick wird sanfter. „Das klingt ganz wunderbar.“
„Ja.“ Ich lächle. „Bis jemand nicht aufpasst und ich vulkanisierten Gummi ins Gesicht bekomme.“
Sie lacht, und die Atmosphäre um uns herum verändert sich, ähnelt wieder der vor der Unterbrechung.
Wir stürzen uns auf die Vorspeise und dann auf unsere Hauptgänge, als der Kellner sie serviert. Laurel erzählt mir mehr über das Projekt – dass es darum geht, die Rekonfigurationsschwellen zu optimieren, und wie das frühe Belastungsfenster, das wir anstreben, eine bahnbrechende Veränderung für den Aufprallschutz in Helmen und Prothesen bedeuten könnte.
Ich muss mich dumm stellen und Fragen äußern, deren Antworten ich bereits kenne.
„Sie wissen für eine Frau, die zugibt, dass sie Sport meidet, viel über Kopfverletzungen“, necke ich sie.
„Helme sind nicht nur im Sport nützlich“, antwortet sie. „Auch auf dem Bau, in der Industrie, im Transportwesen und auf der Straße. Überall dort, wo fragile menschliche Köpfe mit der Welt kollidieren.“
„Fragil“, protestiere ich. „Das können Sie so nicht sagen. Mein Kopf hat schon ganz schön viel aushalten müssen.“
„Aber Sie sind noch am Leben“, sagt sie trocken. „Das ist der Unterschied zwischen empirisch und absolut. Vielleicht retten meine Materialien Sie eines Tages.“
Der Rest des Abendessens verläuft mit derselben fremdartigen Leichtigkeit – kleine Momente der Stille, die sich nicht unangenehm anfühlen, Ausbrüche von Gelächter, die uns beide überraschen, winzige persönliche Details, die wir wie Schmuggelware austauschen.
Sie erzählt mir, wie sie einmal fast ihren Heimflug verpasst hätte, weil sie vor dem Einsteigen einen Datensatz nicht schließen konnte. Ich berichte ihr, wie ich meinen ersten Profi-Schläger für einen guten Zweck verlost und es sofort bereut habe, weil ich ihn perfekt getapt hatte.
Schließlich räumt der Kellner die Teller ab; die Kerzen sind fast heruntergebrannt. Der Raum leert sich, Gäste schlendern zu zweit oder zu viert zur Tür.
„Möchten Sie ein Dessert?“, fragt der Ober.
Ich werfe Laurel einen Blick zu.
Sie zögert, schüttelt dann aber den Kopf. „Nein, lieber nicht. Ich muss heute Abend noch etwas arbeiten.“
Ich begleiche die Rechnung, während Laurel ein Uber bestellt. Wir warten an der Garderobe, bis ihr Auto eintrifft. Als wir ins Freie treten, wird mir klar, dass ich es schade finde, dass unser Abend zu Ende ist.
„Danke für das Abendessen“, sagt Laurel. „Das war … unerwartet angenehm.“
„Wow“, antworte ich. „Ein großes Lob!“
Sie verdreht die Augen, aber ohne jede Verärgerung. „Sie wissen, was ich meine. Ich dachte, ich würde den Abend damit verbringen, mir die Geschichten eines sehr lauten, sehr selbstverliebten Egomanen anzuhören.“
„Stattdessen aber haben Sie …“
„Einen relativ normalen Menschen kennengelernt“, ergänzt sie. „Der im Fernsehen vermutlich ein sehr lauter, sehr schillernder Egomane ist, obwohl ich dafür noch keine Beweise habe.“
„Nur an Spieltagen“, protestiere ich.
Sie steckt sich eine Haarsträhne hinters Ohr und wirkt plötzlich unsicher, was sie mit ihren Händen machen soll. Ich schiebe meine in die Manteltaschen, damit ich nicht nach ihr greife.
„Ich will ein zweites Date.“ Keine geschickte Einleitung, keine Strategie. Nur diese Aussage, die zwischen uns im schwachen Licht der Straßenlaternen hängt.
Keine Überlegung, ob ich sie als Kace um ein Date bitten oder mich als William outen sollte – ich bin immer noch überzeugt, dass sie ihren Forschungsassistenten lieber mag.
Laurel schaut auf den rissigen Bürgersteig und dann wieder mich an. Ich kann förmlich sehen, wie sie abwägt – Pro- und Kontra-Listen, alte Regeln, neue Gefühle.
„Es ist viel“, flüstert sie. „Ihr Leben. Die ganze Aufmerksamkeit. All das Reisen.“
„Ja, ich weiß“, sage ich. „Ich kann nicht so tun, als wäre dem nicht so. Aber ich möchte Sie trotzdem unbedingt wiedersehen.“
Laurel schluckt, und ihre Kehle bewegt sich. „Sie sind sehr direkt.“
„Ich bin Torwart“, antworte ich. „Von daher analysiere ich Probleme und versuche, sie daran zu hindern, an mir vorbeizukommen. Ich möchte keine Gelegenheit verpassen, nur weil ich zu feige war, zu fragen.“
Sie verzieht den Mund zu einem leichten Lächeln. Dann schaut sie kurz an mir vorbei, um nach Beobachtern Ausschau halten, ehe ihr Blick wieder zu mir zurückkehrt.
„Noch ein Date“, stimmt sie zu. „Mal schauen, wie es sich anfühlt, wenn es nicht mehr neu ist.“
Ich nicke, und eine Welle der Erleichterung bringt mich fast aus dem Gleichgewicht. „In Ordnung.“
Sie nickt auch leicht und steigt dann in ihr Uber. „Gute Nacht, Kace.“
„Gute Nacht.“
Ich beobachte, wie die Rücklichter des Autos aufleuchten, das sie davonfährt. Erst als sie um die Ecke gebogen ist, atme ich aus.
Noch ein Date.
Eigentlich sollte sich das nicht wie der Beginn von etwas Großem anfühlen, aber das tut es.
Ich schlage den Kragen gegen die Kälte hoch und gehe den Bürgersteig entlang zu meinem Parkplatz. Meine Gedanken überschlagen sich – Gedanken an ihr Lachen, ihre Augen, die Art, wie sie über William gesprochen hat, ohne zu merken, dass sie über mich geredet hat.
Sie vertraut längst einer Version von mir ihre Arbeit und ihre Ideen an. Jetzt kann ich nur hoffen, dass sie die andere in den Rest ihres Lebens lässt – und dass es nicht beide zerstört, unsere Arbeits- und unsere private Beziehung, wenn sie herausfindet, dass Kace und William ein und derselbe Mann sind.















