Inhaltsangabe
Zwischen wilden Wäldern und heißen Flirts …
Valentine French ist in New York als schlagfertige Dating-Kolumnistin bekannt, doch Val hat genug von geschniegelten Großstadtmännern mit perfekt gestyltem Bart und Designer-Sneakern. Wo sind die echten Kerle geblieben? Stark, rau, männlich?
Kurzerhand reist sie nach Alaska – dorthin, wo Männer angeblich Grizzlys mit bloßen Händen bezwingen und das Verhältnis von Männern zu Frauen fünfzehn zu eins beträgt. Plötzlich ist Val der heißeste Single in einer Kleinstadt voller sexy Holzfäller, und ihre Kolumnen schreiben sich fast von selbst. Blöd nur, dass sie vor lauter Laptop kaum bemerkt, dass ihr eigener Mr. Right direkt vor ihr steht …
Sheriff Logan Burke hält nicht viel von Großstadtprinzessinnen. Erst recht nichts von oberflächlichen Spielchen. Doch hinter Vals scharfer Zunge erkennt er eine Frau, die sich nach echter Liebe sehnt, auch wenn sie es selbst noch nicht weiß. Während sie bei Bier und Flirts über Männer philosophiert, weiß Logan längst: Wenn Val bereit ist, ihre Prada-Taschen und Luxus-Cocktails hinter sich zu lassen, könnte sie bei ihm genau das finden, wonach sie wirklich sucht: sein Herz.
Denn manchmal muss man sich eben erst in die Wildnis verirren, um die große Liebe zu finden.
Eine heiße Smalltown-Romance von New York Times Bestsellerautorin Sawyer Bennett.
Leseprobe
Valentine
Heiliger Bimbam.
Wenn nur die Hälfte der Kerle aus Alaska auch nur halb so großartig ist wie Chief Burke – oder Logan, wie ich ihn nennen soll –, dann bin ich mehr als bereit für diesen Trip. Er trägt das dunkle, fast schon schwarze Haar deutlich länger, als ich es von anderen Männern gewohnt bin. Ein paar Locken hängen über seine Ohren, und es endet in einem struppigen Durcheinander in seinem Nacken. Ein dunkler Bart umrahmt sein Gesicht. Was ich aber mit Sicherheit sagen kann: Diese dunklen, kurzen Augenbrauen sorgen dafür, dass seine blauen Augen in dem Nachmittagslicht vielversprechend strahlen.
Ich muss gestehen, dass ich Jeremy innerlich verflucht habe, als die Fähre am Dock angelegt hat, und mir klar wurde, dass es hier keine Möglichkeit gibt, an den Ort zu kommen, den er mir empfohlen hat. War es mutig oder dumm gewesen, ihn diesen Trip für mich planen zu lassen? Ich bin nicht sicher, ob sein Lächeln aufrichtig oder leicht spöttisch war, als er mir offenbarte, dass er den perfekten Ort für mich gefunden hat, um die letzte Bastion richtiger Männer zu erleben. Um ehrlich zu sein, bin ich mir auch absolut unsicher, ob das hier eine gute Idee ist, aber Jeremy hat mir hierfür den Weg geebnet und ich werde ihn gehen – ins Glück oder eben nicht. Es wird sich zeigen, ob ich ihn schlussendlich dafür töten werde … oder umarmen.
Falls am Ende alles schiefläuft, kann ich auch einfach wieder mit der Fähre zum Flughafen fahren und Alaska verlassen. Angesichts der kaum vorhandenen Fortbewegungsmittel müsste ich zwar eventuell meine fünf Louis Vuitton-Koffer zurücklassen und im schlimmsten Falle zu Fuß zurück nach Ketchikan laufen, aber darum kümmere ich mich, wenn es so weit ist.
Ich weiß, dass wir East Merritt erreicht haben müssen, als die Geschwindigkeitsbeschränkung der zweispurigen Straße, die links von der Küste und rechts von Wald gesäumt wird, plötzlich auf vierzig Kilometer pro Stunde sinkt, und wir uns in Richtung Osten bewegen. Auf beiden Seiten der Straße befinden sich nun Holzhäuser und Gehsteige, und zu unserer Linken entdecke ich ein kleines Hafenareal mit Docks.
„Willkommen in East Merritt“, sagt Logan, während er den Truck langsam die Hauptstraße entlanglenkt, die – wie ich an einer kleinen Kreuzung erfahre – auch Hauptstraße heißt.
„Es ist … idyllisch“, bemerke ich und hoffe, dass das nicht beleidigend klingt. Die meisten Häuser sind weiß, hellblau oder grün gestrichen, manche auch in einem goldenen Braunton.
Rechts von der kleinen Stadt erhebt sich ein Berg und einige Gebäude – sie wirken wie Wohnunterkünfte – liegen entlang der sich hinaufwindenden Serpentinen. Die meisten sind ein- oder zweistöckig, quadratisch, haben ein dezentes Satteldach und sind komplett aus Holz gefertigt. Sie sind in blassen Farben oder in Holztönen gestrichen gehalten. Irgendwie wirkt alles – abgesehen von den hübschen Farben – ziemlich eintönig.
Logan bremst ab, und ich bemerke, dass wir an einem Stoppschild angehalten haben. Es ist das erste Mal, dass wir seit der Abfahrt in Ketchikan anhalten. Nachdem Logan sichergestellt hat, dass wir im Moment tatsächlich das einzige Fahrzeug hier sind, fährt er weiter. Es ist beinahe sieben Uhr abends, und einige Menschen schlendern über die Gehsteige. Ich stelle mit großem Interesse fest, dass es sich hauptsächlich um Männer handelt. Alle von ihnen wirken groß und stämmig, und Flanellhemden scheinen hier wirklich der letzte Schrei zu sein.
Auch wenn es schon fast sieben ist, steht die Sonne so tief, wie es an der Ostküste bereits am frühen Nachmittag der Fall wäre. Hier wird die Sonne tatsächlich erst gegen halb zehn Uhr abends untergehen, und ich frage mich, wie schwer es sein wird, sich daran zu gewöhnen. Jeremy hat mich freundlicherweise schon vorgewarnt, dass die Sonne gegen drei Uhr morgens aufgeht, also bin ich zumindest mit einer Schlafmaske bewaffnet hier aufgetaucht.
Logan fährt noch einen Block weiter, bevor er den Wagen parallel zum Gehsteig neben einem Holzschild mit der Aufschrift Billiott’s Boarding House parkt.
Es ist nicht das erste Mal seit meiner Ankunft, dass meine Alarmglocken schrillen. „Ich dachte, das hier wäre ein Bed and Breakfast?“
Logan kichert, während er den Motor abstellt. „Tja, es gibt Betten und Sarah serviert Frühstück, also …“
Ich ziehe Sassy enger an meine Brust und öffne dann die Wagentür. Beim Aussteigen fällt mir auf, dass es sich hier nicht um das zauberhafte, dreistöckige Haus im viktorianischen Stil handelt, welches ich mir bei der Reservierung von Jeremy vorgestellt hatte.
Ich habe bisher noch nie ein Bed and Breakfast gesehen, das so aussieht wie dieses hier. Es ist ein schlichtes, großes, viereckiges Gebäude mit weißen Wänden und einer einfachen Veranda ohne Geländer. Es gab nicht einmal ein Vordach, welches Besucher bei ihrer Ankunft an der Tür vor dem Regen schützen könnte. Das Einzige, was dem Ort einen kleinen Hauch von Charme verleiht, sind die beiden ramponierten Schaukelstühle rechts von der Eingangstür.
Ich springe aus Logans Truck und schlage die Autotür hinter mir zu. Er geht vorne um seinen Wagen herum und stellt sich neben mich, während ich alles in mich aufnehme.
„Nicht das, was Sie erwartet haben?“, mutmaßt er.
„Ähm, nein … ich meine, doch … ich meine, es ist nicht das, was ich erwartet habe, aber es ist … ähm … reizend“, stammle ich.
Logan lacht laut auf, rauscht an mir vorbei, und ich bin sicher, dass er mich durchschaut. Ich beuge mich nach unten, um Sassy abzusetzen, die sofort losläuft, um auf dem kleinen Fleckchen Gras im Vorgarten zu pinkeln. Dann spaziert sie näher an das Haus heran und beginnt, alles abzuschnüffeln.
Ich erschrecke, als einer meiner Koffer auf dem Gehsteig landet, und drehe mich zu Logan um, der gerade einen weiteren von der Ladefläche seines Trucks zieht. Als er diesen ebenfalls mit Schwung abstellt, zucke ich erneut zusammen und hoffe, dass das Leder unversehrt bleibt.
„Sie sollten ihren Hund an die Leine nehmen“, bemerkt Logan beiläufig, während er das dritte Gepäckstück ablädt.
„Oh“, murmle ich, während ich darüber nachdenke, ob ich eine Leine eingepackt habe. Ich meine … in New York geht eine Hundesitterin mit ihr Gassi. Und ansonsten ist sie bei mir im Apartment und weicht mir nicht von der Seite. „Gibt es hierzu eine Verordnung der Stadt oder etwas in diese Richtung?“
Wieder fängt Logan an zu lachen, dieses Mal schüttelt er belustigt den Kopf. Er zieht einen weiteren meiner Koffer von der Ladefläche des Trucks und stellt ihn ab. „Keine Verordnung. Aber wenn Sie ihn nicht in der Nähe behalten, wird ihn wahrscheinlich ein Bär erwischen.“
„Ein Bär?“, stoße ich geschockt aus. Unverzüglich drehe ich mich zu meinem Hund und rufe nach ihr: „Sassy … komm her!“
Sassy beachtet mich nicht, rennt um das Haus herum, und ich bin sicher, dass dort ein Bär wartet. Ich blicke verzweifelt zu Logan, der gerade meinen letzten Koffer am Gehsteig abstellt. Beunruhigt blicke ich wieder zu der Ecke des Hauses, hinter der Sassy verschwunden ist. Eigentlich will ich ihr nachlaufen, aber falls dort tatsächlich ein Bär wartet, wäre ich wahrscheinlich die ansprechendere Beute und mein kleines, eineinhalb Kilo schweres Hündchen lediglich die Vorspeise.
„Könnten Sie …“, stammle ich, während ich zur Hinterseite des Hauses deute. „Könnten Sie sie bitte für mich holen?“
Logan wirft seinen Kopf in den Nacken und beginnt, lauthals zu lachen. Als er mir wieder seine Aufmerksamkeit schenkt, strahlen seine blauen Augen so vergnügt und intensiv, dass mein Gesicht rot anläuft. Er findet mich definitiv absolut lächerlich, und obwohl das nicht oft passiert, ist mein Ego ein kleines bisschen angeknackst.
„Vergessen Sie es“, fauche ich ihn an, bevor ich entschlossen einen Fuß auf den Rasen setzte, um meinen eigensinnigen Hund zu verfolgen, während ich flehend zu Gott bete, dass dort hinten nicht wirklich ein Bär auf mich wartet. Unglücklicherweise sinke ich mit meinem Zehn-Zentimeter-Absatz geradewegs ein. Bevor ich mich befreien kann, um den nächsten ungeschickten Schritt zu setzen, damit ich meinem Hund zu Hilfe eilen kann, legt Logan seine Hand auf meinen Arm. Sein Griff ist sachte, aber fest.
„Ich hole sie“, sagt er mit einem sanften Brummen, und es klingt so sexy, dass es in meinem Höschen kribbelt. „Sie gehen inzwischen nach oben und klopfen an die Tür, damit Sarah weiß, dass Sie angekommen sind.“
Ich nicke, und er zieht seine Hand zurück. Irgendwie kann ich mich nicht bewegen, aber dennoch starre ich ihm schamlos hinterher. Sein Gang ist locker, beschwingt und anmutig, obwohl er so groß ist. Dann verschwindet er hinter dem Haus.
Als er fort ist, schicke ich noch ein Stoßgebet zum Himmel, damit er und Sassy vor den Bären sicher sind. Ich nehme mir ein weiteres Mal vor, Jeremy zur Schnecke zu machen, weil er mich an einen Ort geschickt hat, an dem mein Hund gefressen werden könnte.
Nachdem ich wieder zurück auf den Gehsteig gestiegen bin, mache ich mich auf den Weg zur Vordertür. Ich bin überrascht, als ich sehe, dass sie mittlerweile offen steht, und eine Frau im Türrahmen lehnt. Sie ist nicht dick, aber auch nicht richtig schlank. Ich würde sagen, sie ist … ähm … stämmig. Ja, das ist es. Sie trägt eine Jeans, ein blau-schwarzes Flanellhemd mit hochgerollten Ärmeln, und ihre blonden Haare mit grauen Strähnen hat sie zu einem Pferdeschwanz gebunden. Die Frau trägt kein Make-up, doch sie blickt mich aus freundlichen Augen an. Wenn ich schätzen müsste, würde ich aufgrund der deutlich sichtbaren Fältchen in ihrem gebräunten Gesicht davon ausgehen, dass sie mindestens Anfang sechzig ist. Sie sieht so tough aus, als könne sie, wenn nötig, einen Bären zu Boden ringen.
„Sie müssen Ms. French sein“, ruft sie mir entgegen und winkt mich zu sich.
Ich drehe mich um und greife nach einem meiner Koffer, die zum Glück alle Rollen haben, aber sie ruft mir zu: „Lassen Sie sie ruhig dort. Logan wird sie hereinbringen.“
Ich lasse mein Gepäck also stehen und denke mir, dass es gleichsam komisch und doch irgendwie richtig cool ist, dass der Polizeichef mir eine Mitfahrgelegenheit angeboten hat, jetzt gerade meinen Hund rettet und auch noch meine Koffer ins Haus tragen wird. Ob wohl etwas Trinkgeld angebracht wäre?
Während ich den kurzen betonierten Weg zur vorderen Veranda entlanggehe, fühle ich mich für den Moment sicher. Sarah empfängt mich mit einem herzlichen Lächeln im Gesicht.
Als ich bei ihr an der Vordertür ankomme, streckt sie mir ihre Hand hin und ich ergreife sie. Sie schüttelt energisch meinen Arm und für einen kurzen Moment habe ich sogar Angst, dass sie mir mit ihrem starken Händedruck die Schulter auskugeln wird. Aber ihre braunen Augen strahlen mich einladend und warm an, als sie sagt: „Es ist schön, Sie kennenzulernen. Ich freue mich richtig darauf, eine weitere Frau hier zu haben.“
„Eine weitere Frau?“, frage ich neugierig, während sie einen Schritt nach hinten macht und mich ins Haus bittet. Sie schließt die Tür hinter uns und antwortet: „Na ja, die meisten meiner Gäste sind Männer auf der Suche nach Arbeit hier in der Region. Sobald sie eine fixe Stelle gefunden haben, ziehen sie in eine der Herbergen der Arbeitgeber und somit weiter.“
„Oh“, erwidere ich, während ich mich in dem Raum umsehe, der wie ein gewöhnliches Wohnzimmer aussieht. Nun gut, wie ein Wohnzimmer, das ich mir in einem Haushalt in Alaska vorstellen würde. Große, stabile Sofas aus Hartholz mit verblassten Überwürfen mit blauen, grünen und goldenen Mustern, die ihre besten Jahre wohl hinter sich haben. Eine dunkelgrüne Couch mit Wollbezug und schwere Möbel aus Kiefernholz. Die Wände sind holzvertäfelt und über dem Kaminsims hängt wahrhaftig ein Elchschädel.
Sarah scheint zu bemerken, dass ich ihn anstarre und verkündet stolz: „Es ist schon fast vierzehn Jahre her, dass ich den erlegt habe.“
„Ähm … das ist … ähm … erstaunlich“, sage ich zögerlich auf der Suche nach dem passenden Kompliment, da ich mir absolut nicht vorstellen kann, irgendein Tier zu erlegen. Ich lebe nicht vegan, ich esse gern Fleisch, aber keinesfalls möchte ich selbst töten oder irgendetwas darüber wissen.
Sarah kichert und geht Richtung Treppe. „Kommen Sie, gehen wir nach oben. Ihr Zimmer ist fertig.“
Ich folge ihr über die knarrenden Stufen in den ersten Stock, wo uns ein langer Flur erwartet, von dem beidseitig je zwei Türen abgehen und eine am Ende des Flurs direkt vor uns. Alle Türen sind geschlossen. Sie führt mich zur ersten Tür auf der rechten Seite, aber bevor sie sie öffnet, deutet Sarah auf die anderen Türen. „Ihnen gegenüber wohnt Mike. Er ist neu hier. Versucht, eine Anstellung als Angel-Guide zu bekommen. Neben ihm ist Rusty, und gegenüber von Rusty wohnt Portman. Die beiden sind Holzfäller.“
Bevor ich überhaupt antworten kann – oder auch nur darüber nachdenken, dass ich mir das Stockwerk mit drei Männern teile –, steckt Sarah den Schlüssel ins Schloss und öffnet die Tür.
Der ein oder andere Hinweis hat mich schon bei der Ankunft ahnen lassen, dass das hier nicht wie im Ritz sein würde, und das Innere des Hauses hat auch absolut nichts an dieser Annahme geändert. Auf der einen Seite des Zimmers steht ein Doppelbett mit einem Kopfteil aus Vollholz, auf der anderen ein Kleiderschrank. Ein geflochtener Wollteppich bedeckt beinahe den gesamten, abgenutzten Dielenboden. Es gibt ein Nachtschränkchen mit einer kleinen Lampe und ein Fenster ohne Vorhänge, aber mit einem Kunststoffrollo, das etwas von dem Licht abschirmt, das von draußen hereinkommt.
Sarah reicht mir den Schlüssel und sagt: „Ich wechsle Ihre Bettwäsche einmal pro Woche, falls Sie Ihre Klamotten waschen möchten, gibt es in Ketchikan eine Münzwäscherei. Das Frühstück ist bei uns einfach gehalten, wird aber ab sechs Uhr morgens serviert. Mittagessen gibt es keines, aber um sechs Uhr abends Abendessen. Das haben Sie heute verpasst, und da hier einige hungrige Jungs leben, kann ich Ihnen nicht einmal Reste anbieten. Sie können aber im The Wounded Caribou etwas zu essen bekommen – das liegt ein paar Blocks die Hauptstraße entlang.“
Mein Magen beginnt in dem Moment zu knurren, in dem Sie erwähnt, dass ich das Abendessen verpasst habe, während mein Gehirn zu verarbeiten versucht, dass ich um sechs Uhr morgens aufstehen soll, wenn ich noch etwas vom Frühstück erwischen möchte. Aber ich werde damit klarkommen. Ich sehe es einfach als Abenteuer – um mich davon abzuhalten, Jeremy zu töten, wenn ich wieder zurück in New York bin.
Dann nehme ich den Schlüssel entgegen und schenke Sarah ein dankbares Lächeln.
„Es sieht schön aus“, lobe ich sie. „Aber gibt es in diesem Zimmer kein dazugehöriges Bad?“ Jedes Bed and Breakfast, in dem ich bisher gewesen bin, hatte für jedes Zimmer ein eigenes Badezimmer … zumindest das einzige, in dem ich bisher übernachtet habe – bei einem Wochenendtrip nach Vermont mit diesem heißen Neurochirurgen, der sich in jeder freien Sekunde, in der wir keinen Sex hatten, nur über Operationen am Gehirn unterhalten wollte.
Sarah lacht mich nicht aus, also scheint meine Frage nicht gänzlich abwegig zu sein, aber sie antwortet sehr sachlich: „Das Badezimmer finden Sie hinter der Tür am Ende des Flurs. Die Jungs duschen normalerweise, wenn sie von der Arbeit nach Hause kommen, es sollte am Morgen also Ihnen ganz allein gehören. Leider ist das Schloss vor einer Weile kaputtgegangen, und ich bin noch nicht dazugekommen, es reparieren zu lassen, aber ich habe den Jungs beim Frühstück schon gesagt, dass heute eine Lady anreist, und sie klopfen müssen, bevor sie das Bad betreten.“
Ich schlucke schwer und weiß nicht genau, was ich davon halten soll. Einerseits klingt die Aussicht auf muskulöse, heiße Männer in meinem Badezimmer auf eine anrüchige Art und Weise ziemlich ansprechend, andererseits bin ich in Sachen Privatsphäre im Badezimmer ziemlich anspruchsvoll. Ich brauche richtig viel Platz, um meine ganzen Cremes, Lotionen und mein Make-up ausbreiten zu können. Wie soll ich mir bitte ein Badezimmer mit drei Naturburschen teilen?
Bevor ich mir diese Frage selbst beantworten kann, dreht sich Sarah um und verlässt mein Zimmer. Ich folge ihr die Treppe hinunter und bemerke sofort Logan, der unten mit meinem Hund wartet, welcher sofort vor Aufregung mit dem Schwanz wedelt, als er mich sieht. Alle meine fünf Koffer stehen neben ihnen im Foyer.
Als ich das Erdgeschoss erreiche, übergibt er mir Sassy.
„Danke Ihnen vielmals“, sage ich, während ich mich an ihren weichen Hals schmiege.
„Kein Ding“, entgegnet er freundlich, bevor er Sarah zunickt. „Alles okay bei dir, Sarah?“
„Bestens, Logan“, antwortet sie fröhlich. „Letzte Woche hat mich die Gicht in meinem rechten Fuß ein bisschen geplagt, aber ich bin schon wieder auf dem Weg der Besserung.“
„Du solltest besser mal bei Doc vorbeischauen. Du weißt, dass es Medikamente gibt, die dir helfen könnten?“
Sarah verdreht die Augen und wendet sich dann mit einem Augenzwinkern mir zu. „Ihr jungen Leute denkt immer, dass Medikamente alles heilen. Dabei braucht es dafür nur ein wenig Apfelessig.“
Mein Blick wandert von Sarah zu Logan, der mit einem Lächeln den Kopf schüttelt. Dann deutet er mit dem Kinn auf Sassy. „Sie sollten sie zukünftig besser an der Leine halten, wenn Sie draußen sind.“
Ich nicke, muss aber dann zur Sicherheit doch nachfragen: „Sind … ähm … sind Bären hier verbreitet?“
Sarah schnaubt. „Wir sind hier in Alaska, Liebes.“
Logan schenkt mir erneut ein Lächeln, dieses Mal, um mich zu beruhigen. „Die Bären haben vor Ihnen mehr Angst als Sie vor den Bären, üblicherweise kommen sie also nicht in Ihre Nähe. Aber ihr Hund ist ein anderes Thema.“
„Okay“, antworte ich mit belegter Stimme. Mein Puls steigt immer weiter an, wenn ich nur daran denke, dass Sassy gefressen werden könnte. „Gibt es hier eine Tierhandlung, in der ich eine Leine kaufen könnte?“
Sarah lacht herzlich. „Wir sind hier in der Gegend nicht so fortschrittlich. Aber ich sollte hinten im Schuppen noch ein dünnes Seil haben. Ich werde Ihnen dabei helfen, daraus eine Leine zu basteln.“
„Das wäre wirklich reizend“, erwidere ich mit schwacher Stimme, weil ich langsam realisiere, wie weit außerhalb meiner Komfortzone ich mich begeben habe.
„Nun gut, genießen Sie Ihren Aufenthalt, Ms. French“, sagt Logan sehr förmlich. Bevor ich darauf bestehen kann, dass er mich Valley nennen soll – wie mich die meisten meiner Freunde nennen –, nickt er Sarah zu. „Gute Nacht, Sarah. Wir sehen uns.“
„Gute Nacht, Logan“, antwortet Sarah freundlich, und dann ist er weg.
„Süßer Hund“, bemerkt Sarah.
„Danke, dass ich sie mitbringen durfte.“ Als Jeremy angeboten hatte, den Trip für mich zu planen, gab es meinerseits nur eine richtige Bedingung: Ich wollte Sassy mitnehmen. Wenn ich tatsächlich für mehrere Wochen hier bleiben sollte, würde ich es nicht so lange ohne sie aushalten. Rückblickend hätte ich wohl auch darauf bestehen sollen, dass er mich in einem Ritz-Carlton unterbringt – wo sie, ganz nebenbei gesagt, Hunde herzlich willkommen heißen –, aber es war wohl mein eigener Fehler, seine Pläne nicht sorgfältig genug zu prüfen.
„Also, was sind deine Absichten, Liebes?“, fragt Sarah, während sie ins Wohnzimmer spaziert und sich auf dem Ecksofa niederlässt. Sie drückt die Fußstütze nach oben und lehnt sich mit einem zufriedenen Seufzen zurück.
Da es so aussieht, als hätte sie Lust auf eine Unterhaltung, folge ich ihr und pflanze meinen Hintern auf eines der Sofas. Die Polster sind so dick, dass sie mich beinahe einsaugen, während ich Sassy auf meinem Schoß balanciere. „Meine Absichten?“, frage ich und versuche, es mir gemütlich zu machen.
„Was verschlägt ein Mädchen wie dich an einen so rauen Ort wie diesen hier?“
„Oh, na ja, ich mache einfach nur Urlaub“, antworte ich ausweichend. Ich habe nicht vor, irgendjemandem davon zu erzählen, dass ich vorhabe, die hiesige Datingszene zu testen, um hoffentlich ein paar verdammt geniale Blogartikel über meine Abenteuer schreiben zu können. Ich habe diesbezüglich zwei Hypothesen: Entweder werde ich herausfinden, dass die Männer aus New York mit den harten Burschen von hier nicht ansatzweise mithalten können …, oder ich merke, dass ich absolut dankbar für sie sein sollte. So oder so – es wird Spaß machen, es herauszufinden.
Sarah schüttelt den Kopf und blickt mich scharfsinnig an. „Nein. Da steckt eine Story dahinter.“
„Eine Story?“, frage ich, während meine Gedanken kreisen. Ich hätte nicht gedacht, dass jemand einen normalen Urlaub hinterfragen würde, aber irgendwie dämmert mir langsam, dass es nicht wirklich ein normales Urlaubsziel für eine Frau wie mich zu sein scheint.
„Eine Story“, wiederholt sie. „Wie ich bereits gesagt habe … Frauen wie Sie machen keinen Urlaub in einer Gegend wie dieser.“
Und tief in meinem Inneren weiß ich, dass sie recht hat. Wenn die hübscheste Unterkunft für mich und mein Louis Vuitton-Gepäck Billiott’s Boarding House ist, wo ich mir mit einem Angel-Guide und zwei Holzfällern das Badezimmer teilen und ständig auf der Hut sein muss, damit mein Hund nicht gefressen wird …, dann bin ich zweifellos fehl am Platz.
Also sage ich einfach das Erste, was mir in den Sinn kommt. „Ich muss über eine schlimme Trennung hinwegkommen.“
Sarahs Blick wird sanft. „Oh, Liebes.“
„Ja … wir sind einige Jahre lang miteinander ausgegangen, aber er hat einfach nie um meine Hand angehalten, und dann … tja, dann habe ich den Grund dafür herausgefunden. Er hatte eine andere Frau in einem anderen Bundesstaat. Oder besser gesagt eine andere Familie. Er war verheiratet.“
Es schüttelt mich innerlich, weil ich ihr so eine faustdicke Lüge auftische, aber gleichzeitig bin ich fast ein bisschen stolz auf mich selbst und die erfundenen Einzelheiten. Immerhin sollte meine Geschichte mitleiderregend genug klingen, um eine Flucht an diesen gottverlassenen Ort zu erklären.
„Männer sind Scheißkerle“, antwortet Sarah hasserfüllt.
Ich nicke. „Ja, absolute Scheißkerle.“
„Also wolltest du einfach nur weit weg“, schlussfolgert sie. Der Hass auf Männer scheint uns verbunden zu haben, weil sie mich plötzlich duzt.
Ich nicke erneut.
„Um dein gebrochenes Herz in der atemberaubenden Landschaft der Wildnis Alaskas heilen zu lassen“, fügt sie hinzu.
Und, ja … das klingt gut. Also nicke ich wieder. Sassy legt ihr Köpfchen auf meinem Bein ab und schläft ein.
„Was du jetzt für die Seele brauchst, ist unverbindlicher Sex“, verkündet sie. Ich beginne schon, wie aus Gewohnheit zu nicken, als ihre Worte zu mir durchdringen.
„Was?“, stoße ich hervor, bevor ich den Kopf schüttle. „Nein.“
Ich schließe Sex mit dem richtigen Kerl nicht aus, aber ich möchte auf keinen Fall, dass Sarah denkt, es wäre das, was ich brauche. Das geht nur mich etwas an – mich ganz allein und nur unter den richtigen Umständen.
„Tja, Liebes, aber für den Fall: Falls du unverbindlichen Sex möchtest, musst du einfach nur die Hauptstraße entlangspazieren. Vertrau mir, ein hübsches Mädchen wie du findet dort im Nullkommanichts eine Gelegenheit.“
Innerlich lächle ich. Richtige Männer scheinen einer Frau hier quasi in den Schoß zu fallen.
Logan
„Weißt du schon, was du willst?“, fragt Ted, während er mir den leeren Bierkrug abnimmt und ihn wieder füllt.
„Ich nehme eine Portion Wildeintopf und eine Ofenkartoffel“, antworte ich, ohne auch nur einen Blick in eine der Karten zu werfen, die seitlich in einer Halterung stecken, in der auch die Salz- und Pfefferstreuer stehen. Entlang der langen Bartheke aus Kiefernholz stehen einige davon gleichmäßig verteilt.
Ich muss Ted auch nicht sagen, was ich auf meiner Ofenkartoffel haben möchte. Das The Wounded Caribou gehört Ted, seit ich hier als Polizeichef angefangen habe, und ich habe seither wirklich oft hier gegessen. Das liegt hauptsächlich daran, dass ich kein großer Koch bin, aber auch an dem Umstand, dass ich als einziger Vollzeitordnungshüter in dieser Stadt höllisch lange Arbeitstage habe. Demnach ist es angenehm, einfach hierherzukommen, zu essen, ein Bier zu trinken und ein bisschen zu entspannen. Glücklicherweise ist das Essen bei Ted hervorragend.
„Kommt sofort“, sagt er, bevor er den vollen Krug vor mir abstellt und sich dann zur Küche umdreht, um meine Bestellung weiterzugeben.
Das The Wounded Caribou ist gleichermaßen eine Bar wie ein Restaurant. Irgendwie ist beides hier ein und dasselbe. Das Gebäude ist niedrig, gedrungen und vollkommen rechtwinklig. Die Bar läuft an einer der Seiten entlang, dahinter befindet sich die Küche. Im restlichen Bereich stehen in langen Reihen zweieinhalb Meter lange Tische mit Holzbänken. Wenn es hier drin zu voll wird, sitzen alle zusammen an den Tischen, auch wenn es sechs Nischen entlang der vorderen Fensterreihe gibt. Im östlichen Teil des Gebäudes liegen die Herren- und Damentoiletten, im westlichen Teil befinden sich eine Jukebox, ein Billardtisch und eine kleine Bühne, wo Deke Mott Samstagabend sein Banjo spielt.
Die Wände sind holzvertäfelt, die Böden aus zerkratzten Kiefernbrettern, und die Luft ist immer erfüllt vom Duft guten Essens. Außer wenn man mal zu nahe neben einem der Fischer sitzt, die nach der Arbeit auf ein schnelles Bier vorbeischauen, dann riecht es beizeiten auch nach Fisch. An den meisten Abenden sind die Kunden entspannt, ab und zu aber auch rauflustig. Woran das liegt? Womöglich an der Jahreszeit oder an der Mondphase. Trotz allem ist das The Wounded Caribou ein wirklich toller Ort, um die Abende zu verbringen. Wenn ich als Polizeichef meine Marke abnehme und hier mein Bier trinke, bin ich einfach nur ein normaler Einwohner von East Merritt.
Ted bringt mir mein Abendessen, und ich verputze es im Eiltempo restlos, bevor ich mir noch ein letztes Bier gönne.
„Heilige verdammte Scheiße“, sagt Monte Plume auf dem Hocker rechts von mir. Er spricht es ziemlich übertrieben aus, es klingt eher wie Heiligeeeee verdammteeeee Scheiiiiiße.
Ich wende den Kopf, um ihn anzusehen, aber er hat sich zur Gänze umgedreht, den Blick auf die Eingangstür gerichtet. Mir fällt auf, dass auch alle anderen Männer verstummt sind und zum Eingang starren.
Ich drehe mich auf meinem Stuhl um, da die Tür links hinter mir liegt, und sehe sofort, was den Männern die Sprache verschlagen hat.
Valentine French betritt gerade die Bar.
Und ich schwöre beim verdammten Gott, ich kann nicht glauben, dass sie in diesem Aufzug hier auftaucht. Von dem bisherigen Versuch, modisch, aber doch irgendwie an die Gegebenheiten von Alaska angepasst gekleidet zu sein, ist absolut nichts mehr zu sehen. Jetzt sieht sie nur noch vollkommen lächerlich aus.
Großartig und nobel. Sündhaft sexy.
Aber absolut und vollkommen lächerlich für Alaska.
Sie trägt einen engen schwarzen Rock, der kurz über ihren Knien endet und sich eng an ihren Körper schmiegt. An einer Seite befindet sich ein Schlitz, der bei jedem ihrer Schritte einen verlockenden Blick auf ihren Oberschenkel erlaubt. Dazu trägt sie schwarze Stiefel mit spitzen, mindestens zehn Zentimeter hohen Absätzen. Und obwohl sie einen Pullover trägt – was angesichts der überdurchschnittlich kalten Sommernächte hier in Alaska prinzipiell eine gute Idee ist –, sieht er nicht gerade warm aus. Stattdessen wirkt er dünn und hauchzart. Der tiefe V-Ausschnitt offenbart ein unbeschreibliches Dekolleté. Ihr dunkles rotbraunes Haar trägt sie offen und wellig. Ich bin mir sicher, dass jeder einzelne Mann in diesem Raum gerade einen Ständer hat.
Frauen sind in East Merritt ziemliche Mangelware.
Frauen wie Valentine French sind hier in der Gegend definitiv eine vom Aussterben bedrohte Spezies.
Sie stolziert durch das Restaurant, schenkt einigen der Männer ein offenes Lächeln.
Valentine ist clever und gerissen genug, um genau zu wissen, dass sie gerade alle Männer hier im Raum um den Finger gewickelt hat. Ich könnte schwören, ein paar der Kerle sind richtiggehend hypnotisiert von ihrem Hüftschwung auf dem Weg zur Bar.
Ihr Blick wandert die ganze Länge der Bar entlang, um einen freien Hocker zu finden. Ich muss ein lautes Auflachen unterdrücken, weil Jerry Bond drei Hocker links von mir seinen Rücken geraderichtet und gleichzeitig seinen Bauch einzieht. Als Valentines Blick auf mich fällt, und sie mich merklich wiedererkennt, wird ihr Lächeln breiter.
„Tja, hallo, Chief“, begrüßt sie mich herzlich, während sie auf den Platz direkt links von mir deutet. „Ist hier noch frei?“
Ich nicke und grinse sie an. „Er gehört ganz Ihnen.“
Valentine gleitet auf den gepolsterten Sitz und schafft es, dabei elegant ein Bein über das andere zu schlagen. Das sorgt jedoch dafür, dass der Schlitz an der Seite ihres Rockes bis zur Mitte ihres Oberschenkels offen steht. Ich kann nicht widerstehen. Ich linse kurz hinunter, schaue dann aber schnell wieder hoch, während sie ihren Hocker näher an mich heranrückt und ihre Ellbogen auf die Bar legt.
Als sie ihre Arme überkreuzt, wird ihr Dekolleté noch tiefer … nehme ich an.
Ich weigere mich, meinen Blick dorthin wandern zu lassen.
„Sarah meint, dass man hier richtig gutes Essen bekommt“, erklärt sie. „Und da ich das Abendessen in der Unterkunft verpasst habe, bin ich nun hier gelandet.“
„Ja, dann sind Sie wohl hier gelandet“, stimme ich zu und deute mit meinem Kinn dann auf Ted, den ich im Augenwinkel am anderen Ende der Bar wahrnehme. „Das ist Ted Dawson, der Besitzer des The Wounded Caribou.“
Ted kommt näher, sein Blick ist neugierig auf die wundersame Ms. French gerichtet. Er ist neunundfünfzig, also geschätzt dreißig Jahre älter als Valentine, aber das wird ihn nicht davon abhalten, sie anzubaggern – keinen der alleinstehenden Jungs hier wird ein Altersunterschied davon abhalten. Valentine schüttelt seine Hand, und mit einer ausladenden Geste und gekünstelten Bewegungen zieht er ihren Arm über die Bar und lehnt sich nach vorne, um einen Kuss auf ihre Fingerknöchel zu hauchen. „Es ist eine Ehre, Sie in meiner Bar zu begrüßen, Ms. French.“
„Nun, danke schön, der Herr“, antwortet sie mit einem herzlichen Lächeln, während sie ihre Hand zurückzieht.
„Darf es etwas zu trinken oder auch etwas zu essen sein heute Abend?“, fragt Ted, lehnt sich mit seinen Ellbogen an die Bar und himmelt Valentine wie ein liebeskranker Welpe an.
„Beides. Ich hätte gern ein Glas Rotwein – welchen auch immer sie empfehlen – und die Speisekarte.“
Ich beuge mich nach vorne, ziehe eine der Karten aus der Halterung und reiche sie ihr. Ted richtet sich auf, nimmt eilig eine Flasche Rotwein vom Regal und öffnet sie, während er Valentine gierig beäugt. Sie ignoriert ihn und studiert die Speisekarte. Ich nehme einen Schluck von meinem Bier und mir fällt auf, dass es immer noch ungewöhnlich ruhig ist im Restaurant. Mein Blick schweift durch den Raum, und so gut wie jeder Kerl starrt immer noch Valentine an – vornehmlich ihren Hintern, der den Hocker neben mir besetzt. Einige der Jungs tuscheln miteinander und ich könnte wetten, dass sie sich großspurig ausmalen, auf welche Art und Weise sie im Fall der Fälle dafür sorgen würden, dass Ms. French ihretwegen den Mond anheult. Alles nichts als heiße Luft.
Ich liebe meine Stadt und ihre Einwohner, aber die Männer sind ein grober und ungezogener Haufen – ohne gute Frauen, die den Jungs mal den Kopf ein bisschen zurechtrücken würden. Es ist nicht so, als gäbe es hier gar keine Frauen, aber viele sind es nicht. Von den ungefähr dreißig Personen hier im Restaurant sind – abgesehen von Valentine – nur zwei weiblich, und die beiden stammen nicht von hier. Wahrscheinlich kommen sie aus Ketchikan und sind heute in East Merritt, um ein bisschen Spaß zu haben. Obwohl die beiden Frauen richtig hübsch sind, sorgen Valentines strahlende Schönheit und die Aufmerksamkeit, die ihr zuteilwird, dafür, dass die beiden regelrecht grün anlaufen vor Neid.
„Was können Sie empfehlen?“, höre ich Valentine fragen. Ich drehe mich zu ihr, weil ich nicht sicher bin, ob sie mit mir oder mit Ted spricht.
Es stellt sich heraus, dass sie Ted gefragt hat, der ihr gerade ein Glas Rotwein einschenkt – ich bin es jedoch, der ihr antwortet. „Den Wildeintopf. Ist definitiv das beste Gericht auf der Karte, aber Sie können bei keinem davon etwas falsch machen.“
„Danke, Kumpel“, bedankt sich Ted freundlich, während er das Weinglas in Valentins Richtung schiebt. Er scheint merklich berührt von meiner Lobeshymne auf sein Essen. Dann sagt er zu Valentine: „Ich würde für Ihr erstes Mal in meinem Restaurant auch zu dem Eintopf raten. Und vielleicht einen gemischten Salat dazu, wenn Sie möchten.“
„Wildeintopf?“, fragt Valentine mit ehrlichem Interesse, während sie wieder auf die Karte blickt und sie genauer durchsieht.
„Karibu“, präzisiere ich. Ob sie der Gedanke an Wildfleisch abschrecken wird?
Stattdessen hebt sie ihren Blick und ihre Augen strahlen begeistert. „Oh, ich bin so ein Foodie. Ich liebe es, neue Dinge zu probieren.“
„Darf es sonst noch etwas sein, Darling?“, fragt Ted charmant.
„Auf jeden Fall ein Salat mit einem Gorgonzoladressing“, antwortet sie, während sie die Speisekarte schließt und sie wieder in die Halterung mit den Salz- und Pfefferstreuern steckt.
„Kommt sofort.“ Mit einem Augenzwinkern verschwindet er in der Küche.
„Ein netter Kerl“, stellt Valentine fest und trinkt dann einen Schluck von ihrem Wein. Ein genussvolles Stöhnen entweicht ihr, bevor sie das Glas wieder auf der Bar abstellt. Es ist eine ganze Weile her, dass ich das Stöhnen von einer Frau gehört habe – sei es wegen des Weins oder meiner Bemühungen. Ich spüre, wie sich mein Schwanz in meiner Hose bewegt. Nicht weiter verwunderlich – sie ist höllisch sexy. Kein Kerl hier im Raum würde dieses Geräusch nicht in seiner Hose spüren.
Jetzt ist sie hier, sitzt neben mir und sieht aus, als wäre sie einem Hochglanzmagazin entsprungen. Und wie großartig sie duftet … es spricht nichts dagegen, das einfach zu genießen.
„Ich bin Monte Plume“, höre ich von rechts, während sich Monte nach vorne lehnt und seinen Arm an mir vorbeistreckt, um Valentine seine Hand zu reichen. Sie lächelt ihn an, dann schütteln sie sich genau vor meiner Brust die Hände.
„Valentine French“, stellt sie sich selbst vor. „Aber meine Freunde nennen mich Valley … oder einfach Val.“
Was zur Hölle? Mir hat sie noch nicht angeboten, sie Valley zu nennen. Oder Val.
„Dein nächster Drink geht auf mich, Val“, antwortet Monte, während er ihre Hand einfach nicht loslässt.
„Du bist ein Schatz“, antwortet sie flirtend. Montes Brust wird ein bisschen breiter.
Daraufhin schließe ich meine Hände um ihre Handgelenke und ziehe sie sanft auseinander. „Wenn es euch nichts ausmacht, würde ich hier gern mein Bier trinken.“
„Sorry, Chief“, grummelt Monte, während er sich wieder auf seinem Platz zurücklehnt. Er murmelt mir aus seinem Mundwinkel etwas zu – es soll wohl nur für meine Ohren bestimmt sein, aber dafür ist es definitiv zu laut. „Aber Logan, verdammt … einfach verdammt.“
Valentine – da ich ja augenscheinlich nicht dazu eingeladen bin, sie Valley oder Val zu nennen – entweicht ein klingendes Lachen. Als ich sie anblicke, nippt sie mit vor Freude strahlenden Augen an ihrem Wein. Sie genießt diese Aufmerksamkeit merklich.
Zu meiner Überraschung stellt sie jedoch ihr Weinglas ab und blickt mich an. „Danke, dass Sie meinen Hund vorhin gerettet haben.“
„Ich habe sie nur zurückgebracht, nicht gerettet“, sage ich mit einem Lachen.
„Und dafür, dass Sie mir an den Docks aus der Patsche geholfen haben. Und mein Gepäck hergebracht haben.“
„Tja, das war etwas arbeitsintensiver“, antworte ich grinsend. „Aber es war mir ein Vergnügen.“
„Ihr Essen ist fertig“, sagt Ted, als er wieder an den Tresen tritt und eine Schüssel mit dampfendem, heißem und grandios duftendem Karibueintopf vor ihr abstellt. Zarte Fleischstücke, Möhren, Zwiebeln und Kartoffeln. Er stellt den Salat neben die Schüssel, aber Valentine scheint es gar nicht wahrzunehmen, sondern zieht den Eintopf näher zu sich heran. Sie beugt sich nach vorne, und als sie den Duft einsaugt, stöhnt sie nicht, doch lässt ein genussvolles Summen hören. Was definitiv nicht weniger sexy ist.
„Riecht köstlich“, sagt sie wohlwollend. Sie taucht ihren Löffel ein, bläst ein paar Mal in den Eintopf – was dafür sorgt, dass Ted auf absolut unangebrachte Art und Weise auf ihre Lippen starrt –, und probiert dann. „O mein Gott … es schmeckt fantastisch.“
In Teds Blick erkenne ich einen sündigen Glanz, dann stützt er sich mit seinen Ellbogen wieder auf die Bar und beugt sich zu Valentine vor. „Wollen Sie morgen mit mir ausgehen? Ich lade Sie zu einem schicken, romantischen Abendessen in Ketchikan ein.“
Valentine scheinen die Avancen kein bisschen aus der Fassung zu bringen. Ich nehme an, dass Frauen, die so schön sind wie sie, am laufenden Band um Dates gebeten werden.
Sie legt ihren Löffel nieder und lächelt Ted freundlich an. „Das ist wirklich ein liebes Angebot, aber der Altersunterschied ist möglicherweise doch ein bisschen zu groß für mich.“
Ted hebt seine Augenbrauen, als käme das überraschend für ihn. „Ich bin erst fünfundvierzig und war früher professioneller Baseballspieler, stehe also finanziell wirklich gut da.“
„Ted“, sage ich mit einem warnenden Unterton.
Sein Blick schießt kurz zu mir, dann wieder zu Valentine. „In Ordnung. Fünfzig.“
„Ted“, grummle ich in gespielter Verzweiflung.
„Okay, okay“, sagt er, stößt sich von der Bar ab und hebt grinsend seine Hände hoch. „Na schön. Ich bin fünfundfünfzig. Ist das zu alt für dich, Darling?“ Der Altersunterschied scheint Ted zum Du übergehen zu lassen.
Valentine antwortet ihm in einer wirklich herzlichen und liebevollen Tonlage. „Ich fürchte schon.“
„Zum Glück“, murmle ich. „Ted geht schon auf die Sechzig zu.“
Ted stößt ein gutmütiges Lachen aus, schüttelt den Kopf und zeigt dann vorwurfsvoll mit dem Finger auf mich. „Du bist ein Arschloch, Logan.“
„Bin ich nicht“, widerspreche ich, bevor ich noch einen Schluck von meinem Bier nehme.
„Also, Ted“, unterbricht uns Valentine, während sie ihren Löffel wieder in die Hand nimmt. „Wie kommt es, dass ein professioneller Baseballspieler der Eigentümer des The Wounded Caribou in East Merritt, Alaska wird?“
„Das ist eine coole Geschichte“, sage ich und drehe mich ein wenig auf meinem Hocker, um mich Valentine mehr zuzuwenden, während sie isst und Ted zuhört. Das hat auch den wunderbaren Nebeneffekt, dass ich Monte abschirme, der sich immer weiter nach vorne lehnt, um Valentine von meiner anderen Seite aus anzustarren.
„Ich war im Urlaub hier, zum Jagen“, beginnt Ted seine Geschichte, während er sich wieder an die Bar lehnt und seine Hände verschränkt. „Es war 1985 und ich spielte damals für die Kansas City Royals, wir hatten gerade die World Series gewonnen.“
„Wow“, wirft Valentine sichtlich beeindruckt ein, während sie den Eintopf löffelt. Der Salat steht immer noch unberührt neben ihr.
Ted zuckt mit den Schultern. „Auf jeden Fall wollte ich diesen Erfolg mit ein paar Jungs feiern, bei einem gemeinsamen Ausflug in die Wildnis. Und dann habe ich mich einfach in Alaska verliebt. Ich meine, ich habe mich wirklich verliebt.“
Valentine nickt. „Das kann ich verstehen. Ich bin erst seit ein paar Stunden hier, aber was ich bisher gesehen habe, übersteigt meine Vorstellungskraft als New Yorkerin.“
Hm. Sie ist aus New York. Das hätte ich mir denken können.
„Na ja“, fährt Ted fort. „Es traf mich wie aus dem Nichts …, dass ich kein Baseball mehr spielen wollte. Ich hatte über zehn Jahre gespielt und mehr Geld, als ich mir je erträumt hätte. Ich hatte es einfach satt.“
„Und dann war da noch das Thema mit deinen Ex-Frauen“, füge ich hinzu, damit er diesen Teil der Geschichte nicht einfach auslässt.
Teds Lippen kräuseln sich vor lauter Missmut und seine Augen funkeln verärgert, während er weitererzählt: „In den zehn Jahren als aktiver Spieler war ich dreimal verheiratet. Und alle drei waren nur hinter meinem Geld her. Davon hatte ich einfach genug. Also beschloss ich, mit meinem kleinen Vermögen hier raus in die Wildnis zu ziehen.“
„Unglaublich“, murmelt Valentine. „Die meisten professionellen Sportler schaffen nicht den Absprung, bevor sie völlig ruiniert sind. Du bist wirklich ein Vorbild.“
Sie scheint zu wissen, wovon sie spricht. Ich kann es in ihrer Stimme hören, und muss einfach fragen: „Haben Sie schon viele professionelle Sportler gedatet?“
Sie dreht sich ein bisschen, um mir ihre Aufmerksamkeit zu schenken, und grinst mich dann schelmisch an. „Zwei. Einer spielte für die Yankees, aber er war ein wehleidiger Dreckskerl, und der andere war Eishockeyspieler bei den Rangers. Er war nett und alles, aber er hatte irgendwie einen Napoleonkomplex.“
„Warten Sie einen Moment“, sage ich verwirrt. „Sind Eishockeyspieler nicht immer groß? Warum sollte er dann einen Napoleonkomplex haben?“
Valentine kichert. „Na ja, es scheiterte nicht an der Körpergröße …, wenn Sie wissen, was ich meine.“
Ted bricht in schallendes Gelächter aus, und ich stimme ein.
„Und wie kam es dazu, dass du diesen Laden eröffnet hast?“, fragt Valentine nach einem weiteren Löffel von ihrem Karibueintopf.
Ted grinst und ich spüre schon, wie sich ein Lächeln auf mein Gesicht zu schleichen beginnt. Ich weiß, dass ich bald laut loslachen werde. Diese Geschichte ist grandios. Nicht umsonst wird es in der Bar plötzlich richtig ruhig, weil viele der Jungs ihre Ohren spitzen – obwohl sie diese Story gefühlt schon eine Million Mal gehört haben.
„Als ich nach East Merrit gezogen bin, habe ich mir eine nette Blockhütte gebaut. Ich habe die Zeit damit verbracht, angeln und jagen zu lernen, und all diese Aktivitäten an der frischen Luft auszuprobieren. Der Trip, der mich das erste Mal hierherbrachte, war ehrlich gesagt meine erste Jagderfahrung. Wir hatten damals einen Guide, der uns alles beigebracht und gezeigt hat. Auf jeden Fall zog ich hierher, als die Jagdsaison gerade begonnen hatte. Ich schwor mir selbst, dass ich der beste Jäger der Gegend werden würde – und wollte mich den ganzen Winter lang nur von meiner eigenen Beute ernähren.“
Ich bemerke, wie sich Valentines Nase ein wenig kräuselt. Sie scheint eine Schwäche für die Tiere zu haben, die sie selbst gerade isst – und das finde ich irgendwie niedlich.
„Also bin ich eines Morgens allein los und habe ein Karibu entdeckt. Es stand nah genug, um es perfekt ins Visier zu nehmen. Ich wusste, dass es erledigt wäre, sobald ich den Abzug drücken würde.“
Valentine gibt einen wimmernden Laut von sich, aber Ted ist zu sehr in seine Story versunken, um das zu bemerken.
„Die Kugel traf das Karibu …, aber nicht ins Herz, wohin ich gezielt hatte, sondern ziemlich weit daneben … also eher treffsicher ins Hinterteil. Woher ich das wusste? Es wirbelte herum und lief dann panisch los. Die Jagd war eröffnet.“
„Du hast es verfolgt?“, fragt Valentine, während sie die Schüssel von sich wegschiebt.
„Bis mitten in die Stadt“, sagt er stolz. „Aber als das Karibu die Hauptstraße erreichte, hinkte und humpelte es wegen der Kugel in seinem Hintern schon ziemlich.“
„Oh“, stößt Valentine hervor, und legt sich die Hand aufs Herz. Ihr Blick wird sanft, und man kann das Mitleid für das Karibu in ihren Augen sehen.
„Tja, da stand ich also, der großartige Jäger, und stellte mir vor, wie voll mein Gefrierschrank mit diesem prächtigen Bock sein würde“, erzählt Ted voller Begeisterung. Doch wie jedes Mal, wenn er diese Geschichte erzählt, folgt nun der düstere Teil. „Aber dann drehte sich das erschöpfte und blutende Karibu um, kam mitten auf der Hauptstraße auf mich zu, und starrte mich nieder.“
„Starrte dich nieder?“ Valentine schnappt nach Luft.
Ted nickt. „Starrte mich nieder. Es stand erhobenen Hauptes da und blickte mir todernst in die Augen, so als würde es mir die Erlaubnis geben, es niederzustrecken.“
In der Bar ist es mucksmäuschenstill, so gut wie alle hören jetzt zu.
Das ist der Moment, in dem Ted dramatisch wird. „Valley, Darling … ich meine das wirklich ernst. Es war so, als würde mir dieses Tier eine Botschaft übermitteln. Ich kann es nicht beschreiben, aber in diesem Moment war ich einfach überwältigt vor Abscheu mir selbst gegenüber. Diesem Tier das Leben zu nehmen, war für mich undenkbar. Möglicherweise war dieses Karibu mein Seelentier oder irgendetwas in diese Richtung. Also senkte ich mein Gewehr und entsandte es in die Freiheit.“
Ich kann mir ein Kichern nicht verkneifen. Valentine wirft mir einen neugierigen Blick zu. „Nimmt er mich auf den Arm?“
Ich schüttle den Kopf. „Er nimmt dich definitiv nicht auf den Arm. Aber der beste Teil der Geschichte kommt erst noch: Ted hat sich so schlecht gefühlt, dass er tatsächlich dafür bezahlt hat, dass ein Tierarzt das Karibu sucht und es verarztet.“
„Das hast du getan?“, fragt Valentine mit strahlenden Augen und hörbarer Anerkennung in der Stimme. Vielleicht ist der Altersunterschied nun doch kein so großes Thema mehr.
Ted nickt. „Nenn mich einen Dummkopf oder was auch immer, aber ja … ich habe dafür gesorgt, dass seine Wunde versorgt wird. Ich habe keine Ahnung, was danach aus dem Karibu geworden ist, aber trotzdem war das meine letzte Jagd.“
„Und deswegen hast du deine Bar The Wounded Caribou genannt“, merkt Valentine an. „Ich liebe es.“
„Ja, dieses verdammte Tier war wirklich etwas Besonderes“, gesteht Ted.
„Aber du servierst Karibu“, entgegnet Valentine und zieht ihre Augenbrauen verwirrt hoch.
„Ja, schon“, bestätigt Ted, als wäre es nicht ungewöhnlich. „Ist ein beliebtes Nahrungsmittel hier. Und Karibueintopf ist nun mal der beste.“
Valentine lacht – und alle Männer mit ihr –, aber ich merke, dass sie ihren Eintopf nicht fertiggegessen hat und stattdessen den Salat näher heranzieht. Ich hebe meinen Bierkrug, um die letzten Tropfen zu leeren, und stelle ihn dann wieder auf der Bar ab.
„Darfs noch eins sein?“, fragt Ted.
„Nein“, sage ich, während ich aufstehe und mein Portemonnaie aus der hinteren Hosentasche hole. Ich ziehe einen Zwanziger und einen Zehner heraus und werfe die beiden Scheine auf den Tresen. Das dürfte für mein Essen und meine Bier reichen … und auch noch für ein gutes Trinkgeld für Ted.
Valentine dreht sich auf ihrem Stuhl herum und schenkt mir ein Lächeln. „Es hat mich gefreut, Sie wiederzusehen.“
„Ebenso“, antworte ich, ziehe meine Fleecejacke von der Lehne meines Hockers, und hänge sie über ihren. „Ich nehme an, Sie sind zu Fuß hergekommen. Es wird beim Zurücklaufen nicht mehr warm genug sein mit den Klamotten, die Sie tragen. Sie sollten sich eine solche Jacke besorgen, die Nächte hier sind wirklich kalt.“
„Oh, das kann ich nicht annehmen“, sagt Valentine.
Ich winke ab. „Das ist ein Befehl des Polizeichefs. Es geht immerhin auf meine Kappe, wenn hier draußen eine Touristin erfriert.“
Ted lacht und Valentine kichert.
„Okay, na dann“, sagt sie und nickt mir dankbar zu. „Ich werde es mir merken. Sie bekommen die Jacke morgen zurück.“
Ich ziehe meinen Hut, winke Ted noch einmal zu und verlasse das The Wounded Caribou. Wie viele dieser Kerle Valentine heute wohl noch um ein Date bitten werden, bevor sie nach Hause geht?
Und wird sie eine der Einladungen annehmen?













