Mixed with Trouble

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Teil der Serie: 13
Originaltitel: Mixed with Trouble (Cash Bar #6)
Übersetzung: Svenja Ohlsen
Location: Kanada
Buchtyp: Roman
Veröffentlichung: 07/2026
Preis eBook: 7,99 € (D)
Preis Print: 16,90€ (D)
ISBN eBook: 978-3-86495-861-8
ISBN Print: 978-3-86495-860-1
Inhaltsangabe

LEA

Lea wurde in das Leben der Notorious Devils hineingeboren – als Tochter eines Verräters.

Schon mit vierzehn Jahren verlor sie ihr Herz. Vielleicht sogar noch früher. Seitdem ist sie fest entschlossen, zu der Frau zu werden, die er lieben könnte. Auch wenn sie tief in ihrem Innersten weiß, dass sie ihn niemals haben darf.

Als ihr Leben plötzlich aus den Fugen gerät, bleibt ihr nur eine Möglichkeit: Sie bittet die Devils um Hilfe. Und wendet sich ausgerechnet an den einen Mann, den sie niemals um Rettung hätte bitten dürfen.

BABY

Für Baby war die Beziehung zu Lea immer rein platonisch. Auch wenn niemand im Club ihre besondere Verbindung je verstanden hat, wollte er sie stets nur beschützen. Als fünf Jahre nach ihrem Wechsel auf ein Internat plötzlich sein Telefon klingelt, zögert er keine Sekunde. Er hat ihr schließlich immer versprochen, an ihrer Seite zu stehen.

Doch das Mädchen von damals existiert nicht mehr. Aus dem wilden Kind ist eine wunderschöne, ungezähmte Frau geworden – und Baby kann nicht länger leugnen, was sie in ihm auslöst. Er will sie für sich. Auch wenn er weiß, dass es falsch ist. Auch wenn er ihr niemals alles geben kann.

Im leidenschaftlichen dreizehnten Band der Notorious Devils MC-Reihe von Bestsellerautorin Hayley Faiman werden alte Versprechen, verbotene Gefühle und gefährliche Loyalitäten auf die Probe gestellt – und nur eine Liebe, die über Jahre im Verborgenen gewachsen ist, könnte stark genug sein, allen Regeln zu trotzen.

Enthält außerdem die Bonus-Kurzgeschichte „Shot with Freedom“.

Lea

Das Letzte, was ich nach einem langen Arbeitstag gebrauchen kann, ist Carters unerbittlicher Griff um meinen Oberarm, während er mich zu seinem Auto zerrt. Ich wehre mich jedoch nicht. Er will, dass ich seinen Chef kennenlerne, und vielleicht, nur vielleicht, kann das hier, was auch immer das ist, dadurch enden.
Sobald ich im Auto sitze, lege ich meinen Sicherheitsgurt an und klicke ihn ein, gerade als Carter sich auf den Fahrersitz gleiten lässt. Er startet den Motor und dreht sich dann zu mir. Ich halte den Atem an und schaue ihn nicht an, während ich darauf warte, dass er spricht.
„Was auch immer er will, du tust es. Hast du mich verstanden?“, brüllt er beinahe.
Ich drehe den Kopf und schaue zu ihm hinüber. Dieses lodernde Feuer brennt hell in seinen Augen, und ich beschließe, dass ich genug habe. Heute Abend, sobald ich ihn los bin, rufe ich im Clubhaus an. Ich werde betteln, flehen und um Hilfe winseln. Ich muss nur herausfinden, was genau er und seine Gruppe wollen und wer sie sind. Dann bin ich fertig. Ich haue ab, und es ist mir egal, was das über mich aussagt. Im Moment geht es um Selbsterhaltung. Ich werde nicht Carters Fickpuppe sein. Ich hole mir die Kontrolle zurück.
Carter parkt das Auto, sein Auftreten ändert sich leicht – statt wütend wirkt er nun ungewöhnlich ruhig. Ich beschließe, nicht darauf zu warten, dass er mir die Tür öffnet, ziehe am Griff und steige langsam aus.
Er taucht neben mir auf, seine Hand gleitet um meine Taille. Ich möchte meinen Rock und mein Shirt herunterziehen. Er hat mir nicht erlaubt, meine Goldie’s-Uniform auszuziehen, und ich hasse es, sie außerhalb des Clubs zu tragen – eigentlich glaube ich nicht, dass ich das jemals getan habe.
„Du wirst dich benehmen, wenn du ihn triffst. Komm nicht auf dumme Gedanken.“
Meine Schritte stocken, und ich werfe einen Blick auf sein Profil. „Habe ich das jemals getan?“, frage ich.
Sein Mundwinkel zuckt, er bleibt stehen und dreht sich zu mir um. Er fasst mich fester an der Taille und dreht mich so, dass wir uns gegenüberstehen, nur wenige Zentimeter voneinander entfernt. Langsam gleitet er mit seiner Hand an mir hoch und umfasst meine nackte Brust unter dem knappen Shirt.
„Mit benehmen meine ich, dass du tust, was er will. Wenn er deinen Körper will, gibst du dich ihm hin. Ich weiß, dass du es gern mit allen möglichen Männern treibst, und obwohl ich es verboten habe, mache ich für ihn eine Ausnahme.“
Ein Schauer des Ekels durchläuft mich, und Gänsehaut breitet sich auf meiner Haut aus. Er missversteht den Grund dafür, ein träges Lächeln spielt um seine Lippen.
„Du bist so eine verdammte Schlampe, Lea. Ich sollte dich verkaufen, du würdest mir ein Vermögen einbringen. Du bist nicht nur eine Schlampe, du stehst auch noch auf Schmerzen. Verdammt, du würdest mich reich machen, Babe.“
„Carter“, wimmere ich, unfähig, etwas anderes zu sagen.
Er redet von Menschenhandel, und das ist etwas, von dem ich mit Sicherheit weiß, dass die Devils sich daran nicht beteiligen würden. Vor allem, da sie eine Art Sex-Sekte zerstört haben, als ich jünger war.
Carter neigt seinen Kopf, seine Lippen streifen meine, während er meine Brust noch fester drückt. Ich stoße einen leisen Schrei aus, den er verschluckt. Dann löst er sich von mir.
„Es macht dir Angst, in ein Leben als Sexsklavin verkauft zu werden. Das sollte es nicht, du lässt dich regelmäßig benutzen. Der Ort, an dem du aufgewachsen bist, lebt davon, dass Frauen die Beine für sie spreizen, das sollte für dich doch dazugehören. Ich hätte gedacht, dass dir die Vorstellung gefällt.“ Er zuckt mit den Schultern.
Dieser Mann ist böse. Verdammt böse, und ich habe ihn in mein Leben gelassen, in meinen Körper und aus Gründen, die mir selbst unverständlich sind, in meinen Kopf.
Ohne ein weiteres Wort legt er seine Hand wieder um meinen Oberarm und zerrt mich durch das Hotel. Kein einziger Gast schaut in meine Richtung. Es müsste ihnen doch auffallen, dass meine Titten halb aus meinem Shirt hervorschauen und mein Arsch nur spärlich von meinem knappen Rock bedeckt wird. Ich sehe aus wie eine billige Hure. Er schubst mich in den Aufzug, ich sehe zu, wie er den Knopf für das Penthouse drückt, und dann schließen sich die Türen. Wir schweigen, während der Aufzug nach oben fährt.
„Ich würde gern sehen, wie weit du gehst, um nicht als Hure verkauft zu werden. Ich glaube, das werden wir tun: sehen, was du bereit bist zu opfern. Die Idee gefällt mir“, murmelt Carter vor sich hin.
Ich starre auf meine Füße, während ich mir Millionen Möglichkeiten vorstelle, wie ich ihn umbringen könnte – und das werde ich eines Tages.
Das verspreche ich mir hoch und heilig.
Der Aufzug gibt einen Ton von sich, und Carters Griff wird wieder fester, als er mich aus der Kabine und zu einer Doppeltür zerrt. Er klopft nicht an, sondern greift einfach nach vorne und drückt die Klinke nach unten.
Der Raum ist wunderschön; wäre ich nicht gegen meinen Willen hier und hätte ich keine Angst, würde ich vielleicht all die kleinen Details um mich herum bewundern, aber stattdessen konzentrieren sich meine Gedanken und mein Blick auf eine einzige Person – den Mann, der vor mir sitzt.
Carters Boss ist gar nicht sein Chef. Er ist sein Vater. Das sehe ich sofort. Er sieht aus wie eine zwanzig Jahre ältere Version des Mannes, der meinen Arm festhält. Seine Augen tragen dieselbe Boshaftigkeit in sich, dasselbe Feuer und denselben Zorn.
Das ist tatsächlich der Mann, der Carter gezeugt hat, der hier direkt vor mir sitzt, in einem dreiteiligen Anzug, sein graumeliertes Haar nach hinten gekämmt, und auch ansonsten makellos.
„Carter. Lass das arme Mädchen los. Herrgott, Junge“, brüllt er.
Carters Hand gleitet sofort von meinem Arm, und ich versuche, den Schmerz wegzureiben.
„Komm her, Lea“, fordert mich sein Vater auf.
Mir ist bewusst, dass er versucht, mich in Sicherheit zu wiegen. Doch ich spiele das Spiel mit und trete zu ihm.
Ich lasse mich neben ihm auf die Couch sinken, halte seinem Blick stand und beschließe, Carter zu ignorieren. Das wird ihn wahrscheinlich wütend machen, aber im Moment muss meine Aufmerksamkeit seinem Vater gelten.
„Sag mal, Mädchen, geht es dir gut?“, fragt er mit sanfter Stimme.
„Ja.“ Ich nicke.
Sein Blick wandert von Carter zu mir. Er neigt den Kopf, sein Blick gleitet über mein Goldie’s-Top und verweilt dort etwas länger, als mir lieb ist.
„Du lässt deine Frau in einem Stripclub arbeiten?“, fragt er an Carter gewandt.
„Sie ist Kellnerin, nichts weiter“, antwortet er, als ginge es ihn nichts an, was es ja auch nicht tut, nicht wirklich.
„Eine Kellnerin, die sich wie eine Hure kleidet. Ich hoffe, du hast nicht vor, sie zu behalten.“
Carter schnaubt. „Nicht mehr lange. Ihr Zweck ist fast erfüllt, dann ist es mir egal, was mit ihr passiert.“
Seine Worte zerreißen mir leider das Herz. Eigentlich will ich Carter gar nicht. Aber zu hören, wie er über mich redet, als wäre ich ein Nichts – das tut weh. Der Mistkerl ist in meinem Kopf, er hat sich dort eingenistet, und ich will, dass er verschwindet.
„Gut“, sagt er, als wäre ich nicht im Raum und könnte sie nicht hören.
Die Arschlöcher.
Er wirft mir einen kurzen Blick zu, sein charmantes Lächeln taucht wieder auf, als hätte er mich nicht gerade beleidigt.
„Ich muss mich mit Snake treffen.“
„Das hat Carter schon erwähnt. Warum?“
Seine Augen verengen sich bei meiner Frage. Offensichtlich ist er nicht begeistert davon, dass ich ein Gehirn im Kopf und die Fähigkeit habe, seine Aussagen zu hinterfragen.
„Das ist Männersache, geht dich nichts an. Aber ich brauche ihn hier. Du kannst das doch organisieren, oder?“, will er von mir wissen.
Ich frage ihn fast schon wieder warum, halte mich aber zurück. „Er war noch nie hier. Ich bin mir nicht sicher, ob ich ihn überreden könnte, zehn Stunden für ein Treffen zu fahren, vor allem ohne Erklärung, worum es dabei geht“, gebe ich schlagfertig zurück.
Carters Vater atmet tief durch die Nase ein und wieder aus, und versucht, seine Fassung zu bewahren. Ich bin mir sicher, dass er kurz davor ist, mir eine zu knallen oder so. Ich bleibe standhaft, innerlich zittere ich, aber nach außen hin setze ich eine falsche Tapferkeit auf und schicke gleichzeitig Stoßgebete gen Himmel.
„Sag ihm, dass Phillippe Martel Senior sich gern mit ihm treffen würde. Er wird verstehen, worauf ich mich beziehe.“
Ich öffne den Mund, um weitere Fragen zu stellen, doch ich schließe die Lippen wieder, als er die Hand hebt. „Carter“, bellt er, während er aufsteht.
„Vater.“
„Ich will sie, sobald sie das Treffen arrangiert hat. Sie wird bei mir wohnen, bis ihr Club eintrifft.“
„Vater?“ Eine Frage liegt ihm auf der Zunge, doch der strenge Blick seines Vaters bringt ihn zum Schweigen und lässt mich gleichzeitig vor Angst erschauern.
Ohne eine Antwort zu geben, dreht er sich um und geht davon, sodass wir allein im Wohnzimmer zurückbleiben. „Ruf ihn an, sofort“, knurrt Carter mich an.
„Ich will nicht hierbleiben“, flüstere ich.
Carters Hand schießt blitzschnell hervor und trifft meine Wange. Der Schlag ist hart, so hart, dass er mich zu Boden schleudert. Der Teppichboden ist weich unter meinen Knien, als ich lande, und ich lege sofort meine Hand an meine Wange, während mir die Tränen in die Augen steigen, als ich zu ihm aufschaue.
„Ich rufe ihn an“, wimmere ich.
„Sofort“, fordert er.
Mit dem Handy in der Hand durchsuche ich meine Kontakte. Doch es ist nicht Snakes Nummer, die ich wähle. Stattdessen rufe ich bei mir zu Hause an. Ich habe diese Nummer gestern Abend als Snake eingespeichert, nur für den Fall, dass er mich zwingt, ihn vor seinen Augen anzurufen. Ich weiß nicht, was mich dazu gebracht hat, aber ich bin froh darüber. Ich hinterlasse mir selbst eine Nachricht und beobachte dabei Carters Gesichtsausdruck.
„Er wird zurückrufen, lass uns nach Hause fahren“, beschließt er. Ich nicke und stehe langsam auf. Er hilft mir nicht, er wirft mir keinen zweiten Blick zu, als er aus der schicken Suite hinausgeht. Ich eile ihm hinterher, in dem Wunsch, so schnell wie möglich von hier wegzukommen.
Die Fahrt nach Hause verläuft schweigend, und ich bin dankbar dafür. Ich erwarte, dass Carter zu sich nach Hause fährt, doch stattdessen hält er vor meinem Haus. Er lässt den Motor laufen, als wir vor dem Gebäude stehen, und ich versuche, meine Aufregung zu unterdrücken.
„Ich muss dringend jemanden ficken, und dein Anblick macht mich heute Abend krank. Geh rein, schließ dich ein und warte, bis Snake dich zurückruft. Schreib mir, sobald er das tut. Wir sehen uns morgen früh.“
Ich versuche, nicht zu erleichtert zu wirken. Ein ganzer Abend für mich allein, gerade jetzt, wo ich so viel über Carter und seinen Vater herausgefunden habe. Er streckt die Hand aus und legt sie um mein Handgelenk, bevor ich aus dem Auto steigen kann.
„Wenn du rumvögelst, oder wenn du mich verarschst, bring ich dich um, Lea. Ich werde dich nicht nur an den Meistbietenden verkaufen, ich werde dich verdammt noch mal verstümmeln“, warnt er.
Ich presse die Lippen zusammen und nicke einmal. „Warum bist du so wütend auf mich?“, wage ich zu fragen.
Er zieht mich ein Stück näher zu sich heran, Schmerz schießt durch meinen Arm bei seiner groben Behandlung, aber ich unterdrücke einen Aufschrei. Seine Nase gleitet an meiner entlang.
„Du solltest nur ein Auftrag sein. Du bist zu mehr geworden, und das macht mich verdammt wütend.“
„Carter“, krächze ich und hebe meine Hand, um seine Wange zu umfassen.
Ich versuche, überhaupt nichts zu fühlen, vor allem nichts für ihn, aber in diesem Moment wirkt er so verletzlich, dass ich ihn noch ein kleines bisschen näher an mich heranlasse. Ich bin solch eine Närrin.
„Ich wollte nur noch ein bisschen mehr Zeit mit dir. Jetzt ist alles im Arsch. Beweg deinen Hintern nach oben und hau bloß nicht ab. Ich habe jemanden, der dich im Auge behält“, warnt er erneut und lässt meinen Arm los. Ich tue, was er verlangt, mit Vergnügen. Fast hätte ich Mitleid mit ihm, doch dann pocht der Schmerz in meiner Wange und ich komme wieder zur Vernunft. Ich will zusehen, wie er und sein Vater verbrennen.
Sobald ich in meiner Wohnung bin, schließe ich mich ein, renne ins Badezimmer und lege auch dort den Riegel vor. Ich drehe das Wasser am Waschbecken auf – ich bin mir nicht sicher, ob er meine Wohnung verwanzt hat oder nicht, doch ich habe auch nicht vor, es herauszufinden.
Ich scrolle durch meine Kontakte auf meinem Handy und komme an Snakes echter Nummer vorbei, unsicher, ob ich ihn kontaktieren soll oder nicht. Dann erinnere ich mich daran, dass Baby hier war. Vielleicht ist er es immer noch. Es sind erst ein paar Tage vergangen. Mit dem Daumen drücke ich auf seinen Namen und schließe für einen Moment die Augen.
„Lea?“, ertönt Babys Stimme.
Sie klingt rauer als vor sechs Jahren, als ich gegangen bin, heiserer.
„Ich glaube, ich stecke in Schwierigkeiten.“

Baby

„Ich glaube, ich stecke in Schwierigkeiten.“
Diese Worte lassen mir einen Schauer über den Rücken laufen. Ja, kein Scheiß, will ich schon antworten, doch ich tue es nicht.
„Erzähl mir, was los ist“, fordere ich sie stattdessen auf.
Ich warte einen Moment, mein Herz beginnt zu rasen, als die Frau neben mir sich regt. Sie richtet sich leicht auf, aber ich halte meine Hand hoch, um sie zum Schweigen zu bringen. Sie gehorcht und presst die Lippen zusammen, während ich darauf warte, dass Lea antwortet.
„Ich kann nicht reden, nicht in meiner Wohnung, nicht am Telefon. Bist du noch in der Stadt?“, fragt sie flehend.
„Bin ich nicht. Aber ich werde zu dir fahren.“
Sie macht ein Geräusch tief in der Kehle. Irgendetwas stimmt nicht, und ich weiß, dass es mit diesem Arschloch zu tun hat, das ich aus ihrer Wohnung habe gehen sehen.
„Bleib in der Wohnung, geh nicht weg.“
Ohne ihr die Gelegenheit zu geben, noch etwas zu sagen, beende ich das Gespräch. Ich scrolle durch meine Kontakte und finde Snakes Namen. Ich drücke auf Anrufen und warte darauf, dass er abhebt. Es ist spät, er liegt wahrscheinlich schon im Bett, aber verdammt, das kann nicht warten.
„Was zum Teufel?“, knurrt er.
„Hast du jemanden in Alberta, dem du vertrauen kannst, der ein Auge auf Lea hat, bis ich da bin?“, frage ich.
„Was?“, bellt er und klingt dabei viel wacher als noch vor wenigen Augenblicken.
Ich räuspere mich. „Lea hat angerufen und gesagt, sie steckt in Schwierigkeiten. Ich hatte da ebenfalls so ein Bauchgefühl, als ich dort war, Prez. Ich muss zu ihr, aber ich will, dass sie beschützt wird, bis ich da bin“, erkläre ich.
Es folgt eine Pause, dann höre ich ihn knurren. „Sie ist Skinners Tochter, vergiss das bloß nicht. Fahr, ich kümmere mich um Martel und deine Schlampe hier.“
„Erledigst du das komplett?“, frage ich hoffnungsvoll.
Er lacht. „So schnell geht das auch wieder nicht. Ich habe in drei Tagen ein Treffen mit dem Generalgouverneur, ich erwarte, dass du bis dahin zurück bist. Glaub bloß nicht, dass du dem ganzen Mist mit Chardonnay entkommen wirst. Willst du außerdem nicht selbst derjenige sein, der ihr die Lektion erteilt und ihren Gesichtsausdruck sieht?“, will er mit einem Lächeln in der Stimme wissen.
„Ja, verdammt ja“, stimme ich zu. „Ich schnappe mir Lea, bringe sie zurück, und dann kümmern wir uns um den Scheiß, in den sie sich da oben reingeritten hat.“
„Kann ja nicht so schlimm sein. Vielleicht ein mieser Freund. Wir könnten einen Prospect hinschicken, der sich um ihn kümmert. Ich habe da oben einen Kontakt, ich ruf ihn an, damit er auf ihre Bude aufpasst, bis du da bist.“
Ich nicke zustimmend, als ob er mich sehen könnte. Dann beende ich das Gespräch, schlüpfe aus dem Bett und mache mich bereit zum Aufbruch. Das Mädchen in meinem Bett rollt sich auf den Rücken. Aus großen Augen blickt sie zu mir herüber, fast erwartungsvoll. „Du musst gehen, Babe“, brumme ich.
Sie setzt sich auf, ohne sich die Mühe zu machen, ihre Titten mit dem Laken zu bedecken. Dann spreizt sie ihre Schenkel und bietet mir einen ungehinderten Blick auf ihre Pussy. Sie ist rosa und geschwollen vom kürzlichen Ficken. Ich lecke mir bei diesem Anblick die Lippen, mein Schwanz zuckt.
„Du lässt mich hier allein zurück?“
Ich hebe den Kopf und sehe ihr in die Augen. Ich habe ganz vergessen, dass sie kein reguläres Clubmädchen ist. Sie ist heute Abend nur mit ein paar Freunden zu einer Party gekommen. Nicht allzu oft öffnen wir das Clubhaus für die Öffentlichkeit, aber heute Abend war so eine Gelegenheit.
Sie ist jünger, als ich es normalerweise mag, Anfang zwanzig, aber sie war mehr als bereit, mit mir auf mein Zimmer zu kommen. Ich mache einen Schritt nach vorne, strecke meine Hand aus und lege meine Handfläche auf ihre Wange.
„Wir hatten Spaß, Babe, aber ich habe noch etwas zu erledigen, und du kannst nicht hier sein, wenn ich zurückkomme“, erkläre ich mit leiser, ruhiger Stimme.
„Warum? Willst du nicht mehr?“, fragt sie und zieht einen Schmollmund.
Mit einem resignierten Grinsen wird mir klar, dass ich anscheinend einen bestimmten Typ Frau anziehe. Sie erinnert mich ein bisschen zu sehr an Chardonnay. Ich lasse meine Hand sinken, fahre mir mit den Fingern durch die Haare und mustere ihren nackten Körper. Sie ist heiß, aber ich habe schon Dutzende heißer Frauen gefickt, sie ist nichts Besonderes.
„Raus, Süße“, belle ich.
Sie kneift die Augen zusammen, schließt die Beine und rutscht vom Bett. Dann beugt sie sich vor, um ihre Sachen zu schnappen. „Du bist ein Arschloch“, zischt sie.
Ich lache leise und erkenne Chardonnay in ihrer ganzen Art wieder. „Das weiß ich, ich habe zu Hause eine Frau, die mir das jeden verdammten Tag sagt“, stelle ich fest.
Ihre Lippen öffnen sich, und ihre Augen weiten sich. „Du bist mit jemandem zusammen?“
Ich beuge mich vor und neige den Kopf zur Seite. „Ja, so läuft das in dieser Welt.“
„Scheiß auf dich.“ Sie stampft mit dem Fuß auf, zieht sich ihre Klamotten über und rennt zur Tür hinaus.
Ich mache mir nicht die Mühe, ihr zu sagen, dass die meisten Typen mit festen Freundinnen treu sind. Diese Schlampe war auf der Suche nach einem wilden Ritt. Doch dann will sie das Spiel nicht zu Ende spielen, sondern jedem Schwanz, den sie erwischt, gleich eine Leine umlegen.
Scheiß drauf.
Ich eile unter die Dusche, spüle schnell den Pussygeruch ab und ziehe mir dann saubere Klamotten an. Ich mache mir nicht die Mühe, Chardonnay anzurufen. Es ist mir wirklich egal, ob sie weiß, dass ich weg bin, oder nicht. Bald wird sie nichts weiter als eine ferne Erinnerung sein.
Ich jogge zu meinem Motorrad, starte den Motor und brause vom Parkplatz des Clubhauses, wobei ich der Schlampe zuwinke, die gerade mein Bett verlassen hat. Ich bleibe nicht stehen, um zu sehen, ob sie mir den Stinkefinger zeigt, obwohl ich mir vorstellen kann, dass sie es tut.
Mit einem Blick auf die Uhr nehme ich mir vor, es in weniger als zehn Stunden zu Lea zu schaffen. Ihr Hilferuf lässt mein Herz pochen, und mein Magen zieht sich zusammen. Da ist etwas im Gange, und ich bin mir nicht so sicher, ob es sich dabei nur um das Arschloch handelt, mit dem sie sich trifft.

Lea

Ich schlafe nicht. Ich kann nicht. Nachdem ich Baby angerufen habe, dusche ich, ziehe mir Jogginghose und einen Hoodie an und laufe dann auf und ab. Ich fühle mich schmutzig, mein Gesicht pocht und ich will einfach nur nach Hause. Ich will meine Familie sehen und weit weg von hier sein.
Es ist mir egal, ob mich das schwach macht. Es macht mir nichts aus, schwach zu sein, wenn das bedeutet, dass ich weit weg von Carter und seinem Vater bin.
Jede Stunde schaue ich aus dem Fenster. Beim ersten Mal war niemand da. Beim zweiten Mal sah ich einen Mann im Schatten, der mit dem Rücken an das Gebäude gegenüber gelehnt stand. Jedes Mal, wenn ich zum Fenster gehe, um nach ihm zu sehen, scheint er sich keinen Zentimeter bewegt zu haben.
Mein Handy klingelt in meiner Hand, und ich zucke zusammen. Mein Herz rast, während mein Daumen über den Bildschirm gleitet.
„Hallo?“, frage ich mit zitternder Stimme.
„Ich bin auf halber Strecke, Tiny“, teilt er mir mit.
Tiny.
Es kommt mir vor, als wäre es hundert Jahre her, seit er mich so genannt hat. Ich dachte, ich würde diesen Spitznamen als Erwachsene hassen, doch er hat etwas Tröstliches.
„Okay, Baby“, krächze ich.
„Bleib drinnen“, befiehlt er, bevor er auflegt.
Ich lasse den Mann auf der anderen Straßenseite nicht aus den Augen, bis die Sonne aufgeht. Er sieht kein einziges Mal zu mir hoch, soweit ich das erkennen kann. Ich frage mich, wer er ist, warum er dort steht, und wer ihn dorthin beordert hat. Ich warte. Die Stunden kommen mir wie Tage vor. Ich hoffe, dass Baby bald hier sein wird.
Mit einem weiteren Blick auf mein Handy und einem tiefen Seufzer wird mir klar, dass er noch mindestens zwei Stunden entfernt ist. Ich hebe den Blick zur Straße und mir läuft es kalt den Rücken hinunter, als ich Carter entdecke.
Er trägt dieselben Klamotten wie gestern Abend, sie sind zerknittert, und er wirkt zerzaust. Ich weiß, dass er getan hat, was er angekündigt hatte. Ich bin nicht einmal wütend oder traurig, dass er zu einer anderen gegangen ist, mir tut das Mädchen sogar leid. Der Mann an der Wand macht einen Schritt nach vorne, als er Carter sieht, doch er geht nicht auf ihn zu. Stattdessen beobachte ich, wie er sein Handy ans Ohr hält.
Sein Mund bewegt sich, während er spricht. Doch ich kann kein Lippenlesen, also habe ich keine Möglichkeit zu wissen, was er sagt oder mit wem er spricht. Ich hoffe nur, dass er Baby angerufen hat.
Das Klopfen an meiner Wohnungstür lässt mich zusammenzucken. Ich stecke mein Handy in die Kängurutasche meines Hoodies und beeile mich, die Tür zu öffnen. Mit einem letzten Blick durch den Türspion und einem tiefen Atemzug öffne ich Carter die Tür.
Er stolziert herein, als würde er hier wohnen. Es macht mir nichts aus. Hoffentlich ist das meine letzte Begegnung mit diesem Arschloch. Ich sehe zu, wie er zum Kühlschrank geht und nach einer Flasche Wasser greift.
Er dreht den Verschluss auf und hat die Frechheit, ihn auf den Boden zu werfen, ehe er den Inhalt hinunterstürzt. Dann wirft er auch die Flasche zu Boden und rülpst.
„Räum den Mist weg“, brüllt er und sieht mich an.
Ich beiße die Zähne zusammen und beschließe, keine große Sache daraus zu machen. Ich erinnere mich einfach immer wieder daran, dass Baby auf dem Weg ist, dass er bald hier sein wird, und ich dann fliehen kann.
Scheiß auf Carter Martel.
Ich hebe die Flasche samt Verschluss auf und werfe sie in den Mülleimer, während er ins Badezimmer geht. Ich werfe erneut einen Blick auf mein Handy und bin überrascht zu sehen, dass es noch eine Stunde dauert, bis Baby hier sein sollte.
Ich atme tief ein, lasse die Luft seufzend wieder raus und mache mich daran, meine ohnehin schon makellose Wohnung aufzuräumen. Irgendetwas muss ich schließlich tun, um mich von Carter abzulenken.
Ein paar Augenblicke später kommt er aus dem Bad, nur mit einem Handtuch um die Hüften gewickelt. Er sieht erfrischt und verjüngt aus, doch das mindert den Hass nicht, den ich für ihn empfinde. Er ist ein verabscheuungswürdiger Mensch, und ich kann es kaum erwarten, dass er seine gerechte Strafe bekommt.
Er lächelt liebenswürdig, seine Blicke wandern über meinen Körper. Er scheint regelrecht durch meine weite Jogginghose und den Hoodie hindurchzusehen, direkt in mich hinein. Die Art, wie er mich anstarrt, gibt mir fast das Gefühl, schmutzig zu sein.
„Jetzt, wo ich den Geschmack der Pussy der anderen Schlampe abgewaschen habe, komm, und gib mir einen Kuss.“ Er lacht.
Bei seinen Worten erstarre ich. Er ist widerlich. Ich kann nicht glauben, dass ich mich von seinem guten Aussehen in diese Lage locken ließ. Ich habe einfach meine Beine gespreizt und ihn in mein Leben gelassen. Ich hatte keine Ahnung. Wir waren monatelang zusammen, und nie hätte ich gedacht, dass er so eklig und grausam sein könnte.
„Nein, danke“, flüstere ich und hebe meine Hand, um meine immer noch schmerzende Wange zu berühren.
„Komm schon, Lea. Ich war wütend. Du verstehst nicht, unter welchem Druck ich stehe“, erklärt er lahm.
Ich beiße mir auf die Innenseite der Wange, um ihn nicht anzuschreien. Nur noch eine Stunde. Das sage ich mir immer wieder, während ich auf ihn zugehe und meine Lippen auf seine drücke. Sobald ich vor ihm stehe, legt er einen Arm um meinen Rücken und zieht mich fester an sich.
Carter leckt mir über die Lippen, und ich habe keine andere Wahl, als mich ihm zu öffnen. Ich weiß, dass es diese Situation nur zehnmal schlimmer machen würde, wenn ich es nicht täte. Zum Glück wandern seine Lippen von meinem Mund meinen Hals hinunter bis zu meiner Halsbeuge.
„Warum musst du dich wie eine verdammte Nonne anziehen, hm?“, knurrt er an meiner Haut.
„Ich habe gerade geduscht und das eben angezogen. Ich habe schlecht geschlafen und den Rest des Vormittags damit verbracht, mich nach der langen Nacht auf der Arbeit und allem anderen, was passiert ist, einfach zu entspannen“, erkläre ich.
„Geh und zieh dich um. Mein Vater will dich vielleicht ficken, doch erst sollst du mich befriedigen, ehe er dich anfasst“, grunzt er.
Bei seinen Worten überkommt mich ein Gefühl des Ekels. Ich beschließe, mich einfach umzuziehen, gehe zurück in mein Schlafzimmer und suche nach etwas zum Anziehen. Ich werde nichts Aufreizendes tragen. Bald werde ich auf dem Sozius eines Motorrads sitzen.
Ich ziehe meine Jogginghose aus, finde eine Jeans und ziehe sie mir über. Ich stecke mein Handy in die Gesäßtasche, schnappe mir ein weißes Tanktop und ziehe es an, nachdem ich meinen Hoodie abgestreift habe.
In der Hoffnung, dass das sexy genug für ihn ist, beschließe ich, keinen BH zu tragen. Ich will darauf vorbereitet sein, so schnell es geht, die Flucht ergreifen zu können.
Ehe ich ins Wohnzimmer zurückkehre, schlüpfe ich in weiße Turnschuhe und atme zum millionsten Mal tief durch.
Carter trägt wieder seinen Anzug. Er wirkt nicht mehr ganz so zerknittert wie zuvor. Sein Blick gleitet über meinen Körper, verweilt auf meinen Brüsten, und seine Lippen verziehen sich zu einem Grinsen.
„Braves Mädchen“, murmelt er. Ich öffne den Mund, gerade als es an der Haustür klopft. „Was zum Teufel?“, zischt er.
Mein Herz beginnt schneller zu schlagen. Es rast, als sich die Tür öffnet und Baby höchstpersönlich hereinkommt. Er sieht mich an, mustert mich, und sein Blick bleibt auf meiner Wange haften. Ich kann förmlich sehen, wie die Wut in ihm hochkocht.
Carter öffnet den Mund, kommt aber nicht mehr dazu, etwas zu sagen, ehe er zu Boden fällt. Sofort bildet sich eine Blutlache auf seinem zerknitterten weißen Hemd. Ich sehe Baby an.
„Komm verdammt noch mal her“, fordert er.
Ich zögere nicht. Tatsächlich renne ich auf ihn zu. Er beugt sich leicht vor und hebt mich hoch. Ich schlinge meine Arme um seine Schultern und meine Beine um seine Hüften. Er drückt mein Gesicht an seinen Hals, während er mich die vier Stockwerke hinunter und direkt zu seinem Motorrad trägt.
„Mach ihre Wohnung sauber“, befiehlt er, während er mich auf die Beine stellt.
Ich klettere auf den Rücksitz seines Motorrads, schlinge meine Arme um seine Taille und drücke mich eng an ihn. Der Motor heult auf. Ich schließe endlich die Augen und atme zum ersten Mal seit einer Woche wieder frei.
Baby hat mich abgeholt. Baby ist da.
Ich bin schwach. Ich habe ihn gebraucht. Keine Spur mehr von der unabhängigen Frau, die ich so gern sein wollte. Ich hätte keine weitere Woche in den Händen von Carter und seinem Vater überstanden.
Baby hat mich gerettet, und es ist mir scheißegal, was das über mich aussagt. Ich brauchte ihn. Ich brauchte den Ritter in schwarzem Leder auf seinem Motorrad. Ich habe ihn und die Devils immer gebraucht.

Baby

Lea presst sich fester an mich, als ich erwartet habe, und doch ist es ein willkommenes Gefühl. Mein Schwanz drückt gegen den Reißverschluss meiner Jeans. Ihre Brüste, die sie fest an meinen Rücken schmiegt, helfen mir in meiner misslichen Lage überhaupt nicht. Allerdings kann ich es nicht über mich bringen, mich wegen meiner Anziehung zu ihr schuldig zu fühlen. Sie ist ganz sicher nicht mehr das Mädchen, das sie einmal war.
Wir fahren aus der Stadt hinaus in Richtung Heimat. Als wir auf halbem Weg nach Regina sind, halte ich am ersten Motel an, das ich finden kann. Wir sind mitten im Nirgendwo, aber es gibt eine kleine Stadt mit einer Absteige, einer Bar und einem billigen Imbiss. Hier können wir genauso gut wie an jedem anderen Ort die Nacht verbringen.
Ich fahre auf den Parkplatz des Motels, steige von meinem Motorrad und wende mich Lea zu. Der Anblick ihrer verletzten Wange lässt eine weitere Welle der Wut durch meinen Körper strömen. Ich kenne die Umstände, die zu dieser Wunde geführt haben, nicht, und es ist mir auch egal.
Dieser Mistkerl hat sie geschlagen, und das war Grund genug, ihn umzubringen. Ich bin mir sicher, sobald ich die Details erfahre, werde ich ihn noch einmal töten wollen.
„Bleib hier, ich besorge uns ein Zimmer.“
Lea nickt, ihre Augen suchen meine, und ihre Lippen verziehen sich zu einem teuflisch anmutenden Grinsen. Sie will nicht hierbleiben, und ich frage mich sogleich, was für ein Unheil sich in ihrem Kopf zusammenbraut.
„Bleib verdammt noch mal hier“, befehle ich erneut.
Sie hebt nur ihre Hand in einer unverbindlichen Geste, und ich kann das Knurren nicht unterdrücken, das mir aus der Kehle bricht. Ich drehe ihr den Rücken zu und gehe zur Rezeption des Motels, um uns ein Zimmer für die Nacht zu besorgen.
Der Mann hinter dem Tresen hebt nicht einmal den Blick von seinem Computerbildschirm, als ich auf ihn zugehe.
„Ich brauche ein Zimmer“, sage ich. Er nennt mir den Preis für die Nacht und zählt dann die Extras auf.
„Eine zusätzliche Gebühr für Handtücher und saubere Bettwäsche. Mehr, wenn du Kabelfernsehen willst“, verkündet er, immer noch wie festgeklebt an seinem Bildschirm.
Ich schnaube. Verdammt, dieser Laden ist eine richtige Absteige. Ich ziehe fünfundzwanzig Dollar aus der Tasche und werfe sie vor ihn hin. Ohne auch nur einmal aufzublicken, greift er hinter sich nach einem Schlüssel und wirft ihn mir zu.
Er zeigt auf einen Schrank in der Ecke der Rezeption.
„Handtücher und Bettwäsche sind da drin.“
Ich gehe zum Schrank, öffne ihn und erwarte, lauter weiße Handtücher und Laken vorzufinden, doch stattdessen herrscht hier ein buntes Sammelsurium. Als wären diese Sachen aus den Wohnungen von Leuten mitgenommen worden, vielleicht von Flohmärkten. Scheiß drauf. Ich habe schon notdürftiger geschlafen.
Ich schnappe mir zwei Handtücher und ein gefaltetes Set passender Bettwäsche, halte den Schlüssel fest in der Hand und gehe nach draußen. Ich hebe den Blick zu meinem Bike und runzele die Stirn, als ich bemerke, dass Lea nicht da ist.
Ich eile zum Zimmer, stecke den Schlüssel ins Schloss, schließe auf und schmeiße den Kram in meinen Händen aufs Bett, bevor ich mich auf die Suche nach ihr mache.
Aus dem Augenwinkel sehe ich das blinkende Neonlicht der Bar. Scheiße. Ich drehe mich um und gehe zügig auf den Eingang zu. Ich drücke die Tür auf, trete ein und lasse meinen Blick durch den Raum schweifen.
Es dauert nicht lange, bis ich Lea unter den Einheimischen entdecke. Die Bar sieht fast wie eine exakte Kopie der Cash Bar aus. Sie ist schlicht, der Boden und die Theke sind durch jahrelangen Gebrauch abgenutzt. Hinten steht ein Billardtisch, an einer Wand hängt eine Dartscheibe, und eine alte Jukebox spielt noch ältere Country-Musik.
Lea wirkt wie ein verdammter Leuchtturm an diesem Ort. Vor allem, da das kleine Miststück auf einem Tisch steht und ihre Hüften im Takt der Musik wiegt. Ihre Brustwarzen sind hart unter ihrem dünnen weißen Top und verbergen verdammt noch mal nichts vor den Blicken der Dutzend Männer im Raum, die alle ihre ganze Aufmerksamkeit einzig und allein auf sie richten.
Ich balle meine Hände an meiner Seite zu Fäusten und beschließe, sie ihr Ding machen zu lassen, zumindest für den Moment. Ihr Blick trifft meinen, und ich beobachte, wie sich ihre Lippen langsam zu einem kleinen Lächeln verziehen. Ihr gefällt, was sie tut, was auch immer sie damit bezwecken will.
Ich schüttle den Kopf, gehe zur Bar hinüber und lehne mich rücklings gegen die zerkratzte Theke, die Ellbogen hinter mir abgestützt.
„Kann ich dir helfen?“, fragt eine Männerstimme.
„Molson.“
Ein paar Augenblicke später steht ein Molson-Bier neben mir. Ich nehme es, führe die Flasche an meine Lippen und lasse Lea keine Sekunde aus den Augen. Auch ihr Blick bleibt auf mir haften, und trotz der Röte auf ihrer Wange bietet sie einen verdammt schönen Anblick.
Sie ist wild auf eine Art, die ich mir nie hätte vorstellen können. Langsam hebt sie die Arme über den Kopf, ihre Brüste wölben sich, während sie den Rücken durchstreckt, und ein paar Zentimeter ihres glatten Bauches zum Vorschein kommen.
Sie ist zu jung.
Ich sollte sie nicht so ansehen, wie ich es tue. Mein Schwanz sollte nicht hart unter dem Denim meiner Jeans sein. Lea leckt sich die Lippen, während sie langsam vom Tisch herunterklettert, sobald der Song zu Ende ist.
Ein paar Männer versuchen, sie aufzuhalten, aber sie ignoriert sie, ihre Augen sind nur auf mich gerichtet. Genau das macht meinen Schwanz so hart, dass ich damit verdammte Nägel einschlagen könnte. Alle hier wollen sie. Doch sie können sie nicht haben, denn sie gehört mir.
Dann erinnere ich mich daran, dass sie immer schon nur Augen für mich hatte, und zwar nur für mich. Wann immer ich irgendwo einen Raum betrat, war ihr Blick auf mich geheftet. Ich habe es früher als jugendliche Schwärmerei abgetan. Jetzt frage ich mich, ob es mehr war. Ob sie schon immer dazu bestimmt war, mir zu gehören.
Lea rutscht neben mich und beugt sich weit über die Bar. Mein Blick huscht durch den Raum und jeder einzelne Mann hat seine Augen auf ihren Arsch geheftet. Ich grinse, wechsle mein Bier in die andere Hand und gleite langsam mit meiner Handfläche über ihren Hintern. Dann umfasse ich ihn fester.
Ein paar der Kerle haben den Anstand, ihren Blick abzuwenden, sobald ich mein Revier markiert habe. Andere wiederum tun das nicht. Sie haben offensichtlich mehr in der Hose oder vielleicht sind sie einfach betrunkener als die anderen.
Ein Schnapsglas wird vor ihr abgestellt, und sie hebt es schnell an den Mund, neigt den Kopf nach hinten und lässt die Flüssigkeit in ihren Mund laufen. Dann bestellt sie noch einen.
„Hast du ein Problem damit, Anweisungen zu befolgen?“, frage ich und durchbreche damit die Stille zwischen uns.
Sie nimmt ein weiteres volles Schnapsglas vom Barmann entgegen, ihr Blick wandert zu mir, und ich beobachte, wie sie auch diesen Kurzen hinunterkippt. Sie knallt das Glas auf den Tresen und leckt sich mit der Zunge die restliche Flüssigkeit von den Lippen.
„Ich brauchte einen Drink“, erklärt sie.
„Du solltest deinen Arsch in dieses Motelzimmer bewegen und endlich mal schlafen.“
Lea schüttelt den Kopf und lehnt sich leicht an mich. Der Geruch von Alkohol strömt aus ihrem Atem. Ich sollte das nicht mögen, aber gemischt mit ihrem süßen Duft ist es ein verdammtes Aphrodisiakum. Sie hebt ihre Hand und legt ihre Handfläche auf die Mitte meiner Brust.
„Wenn ich in dieses Zimmer gehe, schlafe ich nicht“, säuselt sie.
„Du suchst verdammt noch mal Ärger“, grunze ich.
Lea beißt sich auf die Unterlippe und schüttelt den Kopf.
„Hast du es noch nicht kapiert, Baby?“
Ich warte einen Moment, bis sie weiterredet, und als sie es tut, bin ich versucht, sie genau hier, genau jetzt, mitten in dieser Bar zu nehmen, ohne mich um irgendetwas zu scheren.
„Ich bedeute Ärger.“

 

Hayley Faiman
Als Einzelkind musste Hayley Faiman sich mit sich selbst beschäftigen. Im Alter von sechs Jahren begann sie, Geschichten zu schreiben, und hörte nie wirklich damit auf. Die gebürtige Kalifornierin lernte ihren heutigen Ehemann im Alter von sechzehn Jahren kennen und heiratete ihn mit zwanzig Jahren im Jahr 2004. [...]
Hayley Faiman
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