Jäger der Schatten

Erhältlich u. a. bei:*

*Als Amazon- und Thalia-Partner verdienen wir an qualifizierten Verkäufen.

Originaltitel: –
Übersetzung: –
Location: –
Buchtyp: Roman
Veröffentlichung: 04/2026
Preis eBook: 7,99 € (D)
Preis Print: 16,90 € (D)
ISBN eBook: 978-3-86495-834-2
ISBN Print: 978-3-86495-833-5
Inhaltsangabe

Er jagt im Schatten verborgen verlorene Seelen, doch sie kann ihn sehen …

Seit ihrer Kindheit sieht Gabriella die Schatten zwischen den Welten – lautlose Gestalten, die kein anderer Mensch wahrnimmt. Jäger aus der Grauen Welt, die Verdammte aufspüren und zurück in die Dunkelheit bringen.

Einer von ihnen beobachtet Gabriella schon seit Jahren.

Darran ist ein Jäger: gefühllos, unsterblich und dem Willen seines Herrschers unterworfen. Gefühle sind ihm verboten, Nähe zu Menschen ebenfalls. Doch als Gabriella durch ihn hindurchläuft, geschieht das Unmögliche – der Jäger beginnt zu fühlen.

Als Wesen aus der Grauen Welt Jagd auf Gabriella machen, gerät Darran zwischen zwei Welten. Um sie zu retten, müsste er alles verraten, wofür er geschaffen wurde.

Denn wenn die Mörder Gabriella finden, bevor Darran sie beschützen kann, wird niemand ihr Schicksal aufhalten.

Kaum hatte Markus die Wohnung verlassen, stand auch schon Darran vor Gabriella, Nase an Nase. Gabriella starrte für einen Atemzug in seine wütenden braunen Augen, dann drehte sie auf dem Absatz ihrer Hausschlappen um und ging hocherhobenen Hauptes ins Wohnzimmer.
Er folgte ihr langsamer und blieb in der Tür stehen. Sein Gesicht war kalt, nur die Augen funkelten unvermindert zornig.
„Was ist denn?“, fragte sie, als sie den durchdringenden Blick nicht länger ignorieren konnte.
„Das war gefährlich.“
„Er hat mir nichts getan, oder?“
„Er hat dich geküsst.“ Seine Stimme klang gepresst.
„Stell dir vor, das haben auch schon andere.“ Die Hand hatte ihr davor noch nie jemand geküsst, so, als wäre sie etwas Besonderes, eine Dame. Sie hatte sie ihm entreißen wollen, aber er hatte sie zu fest gehalten. Sie war zuerst erschrocken gewesen, aber dann, als sie begriffen hatte, was er wollte, war sie erschüttert gewesen von der Fülle an Gefühlen, die dabei über sein Gesicht gezogen waren wie schnelle Schatten.
Sie wollte jetzt nicht mit Darran streiten. Sie wollte allein sein, um nachdenken zu können. Über Darran. Über Markus. Über sich selbst. Und über ihren Vater. Darrans Blick hatte etwas in ihr gelöst, ausgelöst, ihr bewusst gemacht. Und der Handkuss – er hatte tatsächlich mit den Lippen ihre Hand berührt! – war verwirrend gewesen. Da war etwas an Markus, das sie berührte, andernfalls hätte sie ihn nie in ihre Wohnung gebeten. Seltsam.
„Mir wäre es lieber, du gingst jetzt.“ Gabriella wollte sich wegdrehen, aber da war Darran schon bei ihr. Seine Hand schnellte vor, wie um sie zu packen. Obwohl er durch sie hindurchgriff, fühlte sie die Berührung in ihrem ganzen Körper. Allerdings nicht wie das sinnliche Prickeln, wenn er sie wie unabsichtlich streichelte oder beiläufig berührte, sondern wie ein schmerzhafter elektrischer Schlag.
Er trat sofort einen Schritt zurück, als er ihr Zusammenzucken bemerkte, aber das dumpfe Glühen in seinen Augen blieb.
„Es gefällt mir nicht, wenn er dich so berührt. Er soll dich nicht angreifen! Sag ihm das! Sonst tu ich es.“
Gabriella begriff. Er war eifersüchtig. Er konnte sie ja nicht berühren! Und das war etwas, das er – das wurde ihr in diesem Moment klar – mehr als andere wollte. Und sie? Was hätte sie darum gegeben, seine Lippen auf ihrer Hand zu fühlen. Auf ihrer Hand, auf ihrer Wange.
„Das kannst du ja nicht einmal“, sagte sie müde. „Was bist du? Was wirklich? Weshalb kannst du dich durch Wände bewegen?“
Er schüttelte den Kopf.
„Hattest du je einen Körper?“ In ihr stieg ein grauenvoller Verdacht auf. Was war, wenn diese Wesen Menschen wie Darran töteten und dann als Geister auf die Pirsch schickten, als körperlose, gefühllose, innerlich leere Zombies? Aber Darran war kein Zombie. Er hatte Gefühle, Gedanken. Sie zeigten sich in seiner Mimik, in seinen Worten, Gesten. Und sie konnte sie fühlen.
Ein gequälter Ausdruck huschte über sein Gesicht. „Ich weiß es nicht, Gabriella.“
Sie deutete mit zitternder Hand auf ihre Stirn. „Weiß ich denn, ob du überhaupt real bist? „Vielleicht lebst du nur in meiner Einbildung? Vielleicht bin ich schizophren?“
„Unsinn! Das bist du nicht!“ Darrans Zorn fiel angesichts ihrer Verwirrung in sich zusammen. Er hatte sie nicht erschrecken wollen, er war nur wütend gewesen, hatte das zerrende Gefühl in seinem Leib kaum mehr ertragen. Er trat einen Schritt näher. „Und ich kann es beweisen. Lass mich dich noch einmal berühren.“
Sie hatte sich abgewandt, drehte sich jetzt jedoch nach ihm um. „Wozu denn? Wofür soll das gut sein?“
Wofür? Weil er Angst hatte, sie zu verlieren. Weil er ihr beweisen wollte, wie real er wirklich war, auch ohne Körper. Weil er es kaum ertragen konnte, ihr so nahe zu sein, sie gelegentlich zu streifen, zu berühren, ohne ständig noch mehr davon zu wollen und zu bekommen, und er sich, seit er sie wiedergetroffen hatte, noch hundertfach intensiver als davor fragte, wie es wäre, sie abermals völlig zu spüren. Nicht nur aus zwei Schritten Entfernung, nicht nur eine kurze Berührung der Hand, ein Streifen seiner Lippen auf ihrer Wange, das noch viele Erdenstunden später in ihm nachhallte, sondern vollkommen. Und so, dass sie diesen Menschen vergaß!
„Es fühlt sich jedes Mal sonderbar an“, erwiderte er achselzuckend und darauf bedacht, nichts von seinen verwirrenden Gefühlen zu verraten, die zwischen brennender Sehnsucht nach Gabriella und glühendem Groll auf diesen Mann, der ihr die Hand geküsst hatte, schwankten. „Ich möchte diese Empfindung studieren.“
Sie sagte nichts. Ihr Schweigen dauerte unerträglich lange. Es zerrte an seinen Nerven, schmerzte in seinem Körper und ließ seine Hände und sein Herz gleichermaßen zittern. Er blieb halb abgewandt stehen. Wenn sie nichts sagte, es ihm nicht erlaubte, dann würde er in den nächsten Minuten gehen. Sie einfach stehen lassen und nie zurückkommen. Sie vergessen. Noch während er dies dachte, wusste er, dass er dazu nicht fähig sein würde.
Als er es endlich wagte, sie anzublicken, waren ihre Augen groß. „Weshalb hat sich dein Gesicht gerötet?“, wiederholte sie die Frage, die er ihr vor nicht allzu langer Zeit gestellt hatte.
Gerötet? Verärgert zog er die Augenbrauen zusammen. Welch ein Unsinn. Er hatte dieses Phänomen schon beobachtet, aber Jäger wurden nicht rot wie ein Mensch. Aber Jäger gaben sich auch keine Namen. Sie interessierten sich nicht für die Welt um sie herum. Sie taten lediglich das, wofür sie geschaffen worden waren – sie jagten auf Befehl des Grauen Herrn.
Und schon gar nicht entwickelten sie Gefühle für Menschen. Für eine Frau.
War er früher nicht besser dran gewesen – ohne Gedanken, ohne Gefühle? Keine Fragen. Keine Verwirrung. Keine Gabriella, die durch seine Gedanken und seinen Körper flutete wie ein ständiger Strom von Wärme, Liebe und Sehnsucht. Er lächelte, sich dessen nur halb bewusst, auf sie hinab. Ihre Augen hatten die Eigenschaft, ihn anzuziehen und nicht mehr loszulassen, bis er meinte, darin zu versinken. Wie reich sein Leben durch sie geworden war. Wie glücklich. Und wie fremd zugleich.
Ihre Miene drückte nichts aus. Selbst ihre Augen waren stumm, als würde sie sich hinter einem Vorhang verbergen.
Und dann sagte er es. „Ich möchte dich in meinen Armen halten. Wie ein Mann eine Frau hält und liebt.“
Ein Zittern lief bei Darrans Worten durch Gabriellas Körper. Ja, das wollte sie auch. Der Gedanke hatte sich schon vor längerer Zeit in ihr festgesetzt, sie hätte ihn jedoch nie ausgesprochen oder gar versucht, ihn wahr werden zu lassen. Zumindest nicht in seiner Gegenwart. Was sie dachte, fühlte, fantasierte, ehe sie einschlief, war ganz allein ihre Sache.
Sie musterte ihn verstohlen, während sie sich, mit vor Verlegenheit heißen Wangen, abwandte und nicht vorhandene Krümel vom Tisch fegte. Darran war schlank, aber alles andere als schmächtig, und wenn er nicht gerade gedankenlos bis zu den Knien in den Boden einsank, war er einen Kopf größer als sie. Im Grunde war es ein Körper, an den man sich gut hätte anlehnen können, um sich in die Arme nehmen und halten zu lassen. Sollte sie? Aber was passierte dann mit ihr? Bisher hatte sie diese Träume in ihrer eigenen Gedankenwelt verborgen und nur ganz heimlich herausgelassen. Sie war ihm nie so nahegekommen wie an diesem Tag, als er sie auf die Wangen geküsst und umarmt hatte, und er hatte es auch nie wieder versucht; es war, als würden sie beide den zu engen Kontakt scheuen.
Darran nahm ihr die Entscheidung ab. Er machte einen schnellen Schritt auf sie zu und schloss die Arme um sie, als würde er sie tatsächlich halten wollen. Die Flut seiner Gefühle überschwemmte sie wie Hitze- und Kältewellen.
Erschrocken wich sie zurück und nahm ein unerträgliches Verlangen nach mehr mit sich. Nach etwas, das Körper und Seele gleichsam berührte. Etwas, das ihr bisher keiner ihrer bisherigen Liebhaber hatte schenken können. Und etwas, das sie in der Zurückgezogenheit ihres Schlafzimmers in ihrer Fantasie schon mehrmals mit Darran erlebt hatte, halb fürchtend, er würde sie dabei beobachten.
Sein Blick schien in sie zu dringen, ohne dass sie sich dagegen wehren konnte. Sie versuchte ein Lächeln und wusste, dass es misslang. Sie wollte etwas sagen, ihn fragen, ob er empfand wie sie. Und wie er sich das alles vorstellte.
Und dann erloschen alle Fragen. Als Darran dieses Mal näher kam, blieb sie – äußerlich ruhig – stehen. Ihr Herz aber schlug heftig, ihr Atem ging rasch und schien zu wenig zu sein. Ihr wurde schwindlig. Sein Blick heftete sich mit einem angespannten Ausdruck auf ihr Gesicht, als er unendlich langsam seine Hand hob, bis seine Fingerspitzen ihr Gesicht berührten. Wieder dieses Prickeln. Dieses Mal zuckte jedoch keiner von ihnen zurück.
Er fuhr sachte über ihre Wange. Sie fühlte ein angenehmes, erregendes Kitzeln, als er mit seinen Fingerspitzen die Konturen ihres Gesichts nachzeichnete, ihre Wangenknochen entlangfuhr, ihr Kinn … ihre Lippen. Er lächelte. Es stand ihm gut, machte sein etwas kantiges Gesicht weicher und jünger.
Er stand so nahe, dass Gabriella kaum zu atmen wagte. Wie ein Liebender vor der Frau, die er begehrte. Gabriella rührte sich nicht, als er die Hände hob und die Konturen ihrer Schultern und Arme nachzeichnete. Er löste damit Unbeschreibliches in ihr aus. Prickelnde Wärme glitt über ihre Haut, sank tiefer, erreichte Körperstellen, die er niemals wirklich berühren konnte und … würde.
Er beugte den Kopf, bis seine Lippen ihre Stirn fast – oder ganz – berührten. Ihr Gesicht wurde heiß. Bei einem Menschen hätte sie jetzt seine Lippen gefühlt, seinen Atem, bei ihm war es nur ein elektrisierender Hauch. Seine Lippen glitten über ihre Wangen
Sie wusste nicht, wie lange sie so gestanden hatten, ehe er sich langsam und fast widerwillig von ihr löste. Die Leere um sie herum tat weh. Die Welt war auf einmal kalt und trostlos.
Der Drang, ihn wieder zu berühren, in diese Wärme und dieses Begehren zurückzukehren, wurde fast übermächtig. Und da wusste sie, dass sie alles wollte, was sie von ihm bekommen konnte. „Bleib bei mir. Bleib heute Nacht bei mir.“
Wäre er ein Mensch gewesen, hätte sie ihn jetzt bei der Hand gepackt und ihn ins Schlafzimmer gezogen. So jedoch berührte sie nur seine Hand und machte einen kleinen Schritt von ihm weg, bis die Berührung fast verschwand. Er ließ es nicht zu, sondern folgte ihr, sodass ihre Hände nie den Kontakt verloren. Sie war noch zu scheu, um sich vor ihm zu entkleiden, deshalb huschte sie ins Bad und zog ihr Nachthemd über, während er im Schlafzimmer auf sie wartete. Dann legte sie sich ins Bett und er glitt neben sie. Ein Schatten und doch so völlig real, dass er jede Faser ihres Körpers lebendig machte.
Darran studierte ihr Gesicht, als wollte er es sich für alle Zeiten einprägen. „Du duftest so herrlich.“
Gabriella lächelte ungläubig. Sie fühlte sich wie eine Blüte. „Du kannst mich riechen?“
Sein Lächeln verstärkte sich. „Nicht wie ihr, und ich gäbe viel darum, diese Erfahrung machen zu können. Nein, es ist deine Ausstrahlung, deine Gefühle. Ihr Menschen sagt manchmal Aura dazu. Wir nennen es Odem. Es wird stärker, wenn ich dich berühre.“ Wie um seine Worte zu unterstreichen, fuhr er mit seinen Fingerspitzen die Konturen ihrer Wangen nach. „Du bist für mich wie ein Wunder“, flüsterte er. „Seit dem Moment, an dem ich dich das erste Mal gesehen habe.“
„Im Bad?“, neckte sie ihn, halb entzückt, halb verlegen.
Sein leises Lachen zog eine warme, sinnliche Spur über ihren Körper. Dann wurde er ernst. „Ihr Menschen habt einen Ausdruck für das, was ich empfinde. Zumindest glaube ich, dass er zutrifft, denn ich kann mich nicht erinnern, ihn je benutzt oder entsprechend empfunden zu haben. Liebe. Ich liebe dich, Gabriella.“
Gabriella hob die Hand und legte sie an seine Wange, bis sie das Knistern fühlte, das über ihre Haut tanzte. Er legte seine darüber, als wolle er sie halten. Sie beugte sich vor – und wie zuvor Darran sie geküsst hatte, so berührte sie nun mit den Lippen seine Stirn, seine Wange, seine Nase, sein Kinn. Kleine Küsse, die sie und ihn verbrannten.
Es war ihr nicht genug. Bei Weitem nicht. Aber wie schlief man mit einem Schemen? Offenbar wollte er es ebenfalls herausfinden, denn er sagte: „Ich möchte dich um noch mehr bitten.“ Seine Stimme klang heiser.
„Ja?“
„Ich möchte dich noch einmal umarmen. Nicht wie vorhin, als ich dich so erschreckt habe, sondern … sanfter.“
Es war ihr, als berührte er allein schon mit seinen Fingerspitzen ihren ganzen Körper bis in ihr innerstes Wesen. Und sie wollte mehr davon. Sie wollte wissen, wie es war, ihn völlig zu spüren. Sie nickte, atemlos.
„Wenn es unangenehm wird, sag es sofort.“
Unangenehm? Sie sehnte sich mit jeder Faser ihres Körpers danach! Als er sich ihr näherte, hielt sie ihn jedoch auf. „Warte!“ Nun zögerte sie nicht mehr, sondern setzte sich auf, zog das Nachthemd über ihren Kopf und warf es neben das Bett. Sie legte sich neben ihn, halb seitlich, einen sehr verlegenen Ausdruck im Gesicht. „Kannst du dich auch ausziehen?“
Er schüttelte langsam den Kopf.
Dann musste es eben so gehen.
Sie spürte, dass er schneller atmete, auch wenn sie seinen Atem nicht fühlen konnte. Ein erwartungsvolles Zittern lief durch ihren Körper. Damals war sie irrtümlich durch ihn hindurchgelaufen. Jetzt würde sie es bewusst erleben. Und jetzt war sie auch kein kleines Mädchen mehr.
Er kam sehr, sehr nahe, bis ihre Körper teilweise ineinander glitten, miteinander verschmolzen. Seine Arme legten sich um sie, wie um sie an sich zu ziehen und zu halten. Ein sehr intensiver Ausdruck lag auf seinem Gesicht, es war wie von einem leisen Schmerz verzerrt, von Verwirrung und zugleich Freude.
In dem Moment, als ihr Körper mit seinem eins wurde, versank alles um Gabriella. Sie schloss die Augen und gab sich ihren Empfindungen hin. Sie fühlte sich geborgen und erregt zugleich. Wärme durchströmte sie, ein Gefühl von Nähe, von Sehnsucht. Und dann – nichts hatte sie darauf vorbereitet, nicht einmal das Streicheln, nicht die Berührung seiner Lippen an ihrer Wange – ein plötzliches, heißes Aufflammen von Verlangen, das nicht von ihr allein stammte, sondern auch von ihm. Der Wunsch nach noch mehr Intimität. Sie hörte sein Flüstern, ein tiefes Aufseufzen, fast wie ein Stöhnen. Es war ihr, als berührte er ihren ganzen Körper, bis in ihr Innerstes.
Darran war es, als würde sein Herz stocken, als Gabriella ohne weitere Vorwarnung ihr Nachtkleid über den Kopf zog. Sie jetzt vollkommen hüllenlos vor sich zu sehen, raubte ihm schier den Atem. Und er war außerstande, dasselbe zu tun. Sein Körper war weitaus weniger real als ihrer, auch wenn er im Moment innerlich zitterte und brannte wie jeder andere Mann. Ein Hunger erwachte, stärker als alles, was er je gefühlt hatte.
Ein Hunger, der nur teilweise gestillt werden konnte, weil er nicht wie andere Männer mit ihr zusammen sein konnte. Er war nur ein Schemen. Vielleicht hatte er nie einen Körper besessen. War je ein Mann so glücklich und unglücklich zugleich gewesen? Er sah sich am Ziel seines Sehnens, hatte die Frau, die er begehrte, vor sich liegen. Nackt. Und musste doch auf alles verzichten, was er bei anderen schon beobachtet hatte.
Aber eines konnte er tun. Er beugte sich über sie, berührte ihre Lippen, glaubte sie fast zu fühlen, dann ließ er seine Lippen weiter hinabgleiten, über ihren Hals, zu ihren Brüsten. Sie beobachtete ihn aus halb geschlossenen Augen, während ihre Finger zart über seine Konturen streiften.
Ihre Brüste. Sanft geschwungene Hügel mit dunklen Höfen. Sie atmete schneller, als er seine Lippen über ihre Brustwarze gleiten ließ, bog sich ihm und seinen streichelnden Händen sogar entgegen. Fasziniert sah er, wie sich die Warze erhärtete, aufstellte. Er konnte ihr mehr geben, als er geahnt hatte.
„Was spürst du?“
„Dich“, flüsterte sie. „Es ist, als würden heiße Ströme über meine Haut wandern, wenn du mich berührst.
„Ist es auch mit den anderen so?“
Sie schüttelte den Kopf, schluckte, weil sein Finger neugierig über ihren Bauch wanderte, den Nabel erkundete. „Nicht halb so schön. Da war es nur … Sex.“
Ihre Erregung übertrug sich auf geheimnisvolle Weise auf ihn, aber was hätte er in diesem Moment dafür getan, um wie sie einen Körper zu besitzen. Ihr Odem machte ihn schwindlig. Er hatte sich verändert, eine Intensität angenommen, die ihn selbst glühen ließ. Sein Finger wanderte von ihrem Nabel tiefer, bis zu ihren Schenkeln und jenem Dreieck aus gekraustem Haar, das jenes Geheimnis hütete, zu dem es selbst seinen wesenlosen Körper zog. Seine Finger glitten zwischen ihre Schenkel, er sah, wie sie sich unter der Berührung wand, und dann – hätte er wie sie einen Leib besessen, so hätte ihm nun der Atem gestockt – öffnete sie ihre Beine. Für ihn. Verwundert sah er, dass seine Finger zitterten, als er seine Hand dazwischen legte. Zögernd legte sich ihre Hand auf seine, teilte die Schamlippen und bot ihm alles dar. Er senkte den Kopf und küsste sie, ließ seine Lippen über ihre zarte Haut wandern. Wenn es ihm nur möglich wäre, sie wirklich zu riechen – sie zu schmecken – wie wäre es wohl? Seine Zunge glitt über die feuchten Falten, die sie ihm unter schwerem Atem präsentierte. Er war sich sicher, ihr Geschmack wäre fantastisch, eine berauschende Mischung aus Würze und Süße. Hingebungsvoll liebkoste er sie und beobachtete jede Regung auf ihrem geröteten Gesicht. Jedes Streicheln seiner Zunge, jede fordernde, wenn auch schemenhafte Berührung seiner Lippen um ihre Klitoris ließ Gabriellas Atem schneller gehen. Wenn er sie bloß schmecken könnte! Er spürte ihre Hitze, auch wenn er selbst keine Wärme besaß. Während er sie mit dem Mund liebkoste, ließ er seine Hände wandern, strich über ihre Schenkel und suchte die Öffnung ihres zarten Geschlechts. Seine Fingerspitzen umfuhren sie suchend, fordernd. Er sah die Lust in ihren Augen. Er wusste, dass sie sich danach sehnte, dass er tief in sie eindrang, erst mit einem, dann mit einem zweiten Finger. Er wollte es selbst, wollte fühlen, wie sie sich eng und heiß um ihn zusammenzog, während er den Akt imitierte, den er so oft schon bei anderen gesehen hatte. Doch für den Moment – vielleicht für immer – war er dazu verdammt, ihr auf diese Weise Erlösung zu schenken. Seine Zunge umkreiste nun ihr gesamtes Geschlecht, getrieben von einer Lust, die er nie würde befriedigen können. Doch gleichzeitig übertrug sich ihre Lust auf ihn. Er fühlte sich berauscht. Empfand sie das Gleiche? Seine Lippen saugten intensiver, seine Finger kreisten schneller. Gabriella stöhnte auf, ihre Hand vergrub sich in seinem Haar – oder zumindest glaubte er, den Druck ihrer Finger zu spüren –, während sich ihre andere Hand in den Laken vergrub. Ihr gesamter Körper bäumte sich ihm entgegen, ihre Beine zitterten, und ein feiner Glanz aus Schweiß überzog ihre Haut. Darran hielt ihren Blick fest, während seine Finger nun schneller über sie rieben und sein Daumen stark, aber zärtlich auf ihre Klitoris presste. Mit dem Kopf wanderte er höher, seine Lippen umschlossen erst die eine, dann die andere Brustwarze, sogen sie tief ein und verwöhnten sie mit derselben Intensität wie zuvor ihren Schoß. Gabriella wand sich unter ihm und versteifte sich dann plötzlich. Ein letztes Aufbäumen, bevor sie zuckend und keuchend zum Höhepunkt kam. Immer noch schwer atmend streckte sie die Hand aus und legte sie an seine Wange, als wollte sie sicherstellen, dass er wirklich da war.
Er schloss die Augen und lehnte sich ihr entgegen, als würde er seine Wange in ihre Handfläche schmiegen. Leise, zärtliche Wellen wanderten über ihre Hand und empor. „Ich wünschte, ich könnte dich im Arm halten“, murmelte er.
Sie lächelte müde und zufrieden, als er neben sie glitt. „Das war auch so schon nicht schlecht.“ Sie schloss die Augen und legte den Kopf nahe zu seinem.
„Erzähl mir etwas.“
Darran blickte fragend auf sie herab.
„Wo lebst du, wenn du nicht gerade neben mir im Bett liegst?“ Jetzt hatte ihre Stimme wieder diesen neckenden Tonfall, den er so an ihr mochte.
Er war über diese Frage überrascht. Oder vielmehr darüber, dass er im Gegensatz zu früher eine Antwort darauf hatte. „Ich … existiere einfach.“ Bis zu jenem Moment, in dem das kleine Mädchen durch ihn hindurchgelaufen war, hatte er tatsächlich nur existiert. Er versuchte, sich zu erinnern. Aber da war nichts. Nur graue Schleier. Er war an einem anderen Ort gewesen. Unwichtig wo. In einer formlosen, gleichgültigen Zwischenwelt, ohne Gedanken, ohne Fragen, bis der Ruf des Grauen Herrn ihn wieder auf die Jagd geschickt hatte. Dann hatte er Städte und Dörfer betreten, war durch Wälder gestreift, bis er mit der Beute zurückkehrte, um wieder in Stumpfsinn zu verfallen.
Ab dann, plötzlich, hatte er ein Ziel gehabt: Gabriella wiederzufinden. Und aus diesem Ziel war das Studium der Menschen geworden. Er war nie wieder in der formlosen Welt gelandet, ohne Gedanken, ohne Fragen, ohne Gefühl. Er war durch die Welt gereist, hatte die Menschen beobachtet und ihre Welt betrachtet. Und nun hatte sich abermals etwas verändert. Seine gesamte Existenz konzentrierte sich auf einen einzigen Menschen: auf Gabriella.
Als Gabriella einschlief, war es Darran, als würde sie einen Teil ihres Zaubers mit in ihren Schlaf nehmen. Darran spürte seinen Körper plötzlich stärker. Auf eine neue, fremde Art. Er hatte das Gefühl von Kälte. Von Beengtheit. Es war wie ein kalter Wind, der ihn erfasste und ihn frösteln ließ. Und dann war es, als würde eine unsichtbare Hand ihn packen und von Gabriella fortziehen. Strabo? Die Nebelwesen?
Er zog sich etwas von der schlafenden Gabriella zurück, um keines dieser Gefühle unbedacht auf sie zu übertragen, und erinnerte sich an Julians Warnung.
Und dann bemerkte er sie: eine fremde Gegenwart. Sie war so unangenehm, dass sie sich in seine Gedanken mischte. Voller Hass. Er lauschte. Nein, es war keiner von Amisaya. Es war ein Mensch. Oder?
Er glitt aus dem Bett und zum Fenster hinüber. Dort unten standen zwei Menschen. Eine Frau und zwei Männer. Sie gingen die dunkle Straße entlang, in die Richtung, in der der nun verlassene Markt lag.
Mit einem Gedanken konnte er neben ihnen sein. Der Gedanke wurde jedoch von Gabriella abgefangen, deren Erwachen er mehr fühlte als sah. Er war neben ihr, ehe sie noch die Augen ganz geöffnet hatte.
„Darran?“
Ihre Stimme klang verschlafen und sogar ängstlich. Er berührte sie, erlaubte sich das sinnliche Gefühl der Berührung ihrer Lippen mit seinen. Sie lächelte. Und er war glücklich.

Mona Vara
Mona Vara schrieb jahrelang erfolgreich erotische Liebesromane. Das  Wichtigste beim Schreiben war für sie, Figuren zum Leben zu erwecken [...]
Mona Vara
Mona Vara schrieb jahrelang erfolgreich erotische Liebesromane. Das  Wichtigste beim Schreiben war für sie, Figuren zum Leben zu erwecken [...]

Ähnliche Produkte

Neu erschienen

Nach oben scrollen