Tell me Lies

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Teil der Serie: 6
Originaltitel: Tell me Lies: A Dark Mafia Romance (The Irish Rogues Book 6)
Übersetzung: Sandra Martin
Location: USA, New York
Buchtyp: Roman
Veröffentlichung: 09/2026
Preis eBook: 8,99 € (D)
Preis Print: 17,90 € (D)
ISBN eBook: 978-3-86495-872-4
ISBN Print: 978-3-86495-871-7
Inhaltsangabe

Eine verbotene Liebe. Eine arrangierte Ehe. Ein Opfer, das sie für immer aneinanderbindet – und ein Geheimnis, das alles zerstören könnte.

LEANDRO

In dem Moment, als ich Drea Caruso kennenlernte, wusste ich, dass sie mein Untergang sein würde. Das Problem war nur: Sie war nie für mich bestimmt. Sie war meinem Bruder versprochen – eine arrangierte Ehe, die unsere Familien vereinen sollte.

Ich hielt Abstand. Zumindest versuchte ich es. Ich ignorierte den Blick, mit dem sie mich ansah, als gäbe es im Raum keinen anderen Mann. Doch Drea ließ sich nicht vergessen.

Der Tag der Hochzeit änderte alles. Mein Bruder entschied sich für eine andere Frau, und das Chaos brach aus. Also trat ich an seine Stelle. Ich redete mir ein, ich täte es für meine Familie. Aus Loyalität. Doch die Wahrheit war eine andere: Ich wollte sie. Mehr als alles andere auf dieser Welt.

Jetzt ist Drea meine Frau. Meine größte Versuchung. Und die eine Frau, bei der ich es mir nicht leisten kann, die Kontrolle zu verlieren.

DREA

Leandro Neretti war mein zukünftiger Schwager – der Mann, den ich niemals hätte beachten, geschweige denn begehren dürfen. Doch von Anfang an war er derjenige, der mich wirklich sah. Derjenige, dem etwas an mir lag, als es sonst niemandem tat.

Mein Leben gehörte nie mir selbst. Gefangen in einer arrangierten Ehe und unter einem Vater, der bedingungslosen Gehorsam verlangte. Ein einziger Fehler kostete einen Mann das Leben und ließ mich mit einem Geheimnis zurück, das niemals ans Licht kommen darf.

Als ich schließlich vor dem Altar stand, wartete dort nicht sein Bruder auf mich, sondern Leo. Und irgendwie wurde aus dem Mann, den ich niemals hätte lieben dürfen, der Einzige, den ich nie wieder loslassen konnte.

Doch meine Zukunft war von Anfang an auf Lügen aufgebaut. Und je stärker unsere Ehe wird, desto bedrohlicher wächst das Geheimnis, das alles zum Einsturz bringen könnte.

Im packenden sechsten Band dieser düster-verführerischen Mafia-Romanreihe von New York Times-Bestsellerautorin Katie Ashley werden Ehre und Familienpflicht auf eine tödliche Probe gestellt – und nur eine Liebe, die niemals hätte entstehen dürfen, könnte das Netz aus Lügen und Geheimnissen durchbrechen.

Leo

Ich warf einen Blick in den Spiegel und strich mir die langen Haarsträhnen aus dem Gesicht. In den letzten Monaten war so viel passiert, dass für einen Friseurbesuch keine Zeit gewesen war. Das Gleiche galt für den Bart, den ich mir hatte stehen lassen.
Rafe hatte irgendwann behauptet, ich würde versuchen, wie er auszusehen. Ich hatte nur erwidert, dass ich ohnehin den Großteil seiner Arbeit für ihn erledigte, also könne ich ihm auch optisch nacheifern.
Das hatte ihn im Nu zum Schweigen gebracht. Doch es war die Wahrheit. Da ihre Romanze zwangsläufig einmal zu einem Ende kommen musste, drückte Rafe sich, so oft er konnte, vor der Arbeit, um stattdessen Zeit mit Maeve zu verbringen.
Obwohl ich ihn deswegen aufzog, machte mir die Mehrarbeit nichts aus. Erstens war er mein Bruder, und ich würde für ihn sterben – im Vergleich dazu war die zusätzliche Belastung unbedeutend.
Zweitens linderte es ein wenig die Schuldgefühle, die mich plagten, weil ich auf seine Verlobte stand.
Letztlich musste ich weniger an Drea denken, wenn ich beschäftigt war.
Egal, wie sehr ich mich auch bemühte, sie aus meinem Kopf zu verbannen, es gelang mir einfach nicht. Für einen Mann wie mich grenzte es an Wahnsinn, dass eine Frau, mit der ich nie geschlafen hatte, so viel Macht über mich hatte. Im Grunde hatte ich kaum ein Wort mit ihr gewechselt. Das Schlimmste daran war, dass ich weder mit Rafe noch mit Gianni darüber reden konnte.
Ich sank schließlich sogar so tief, Caterina um Rat zu fragen. Obwohl sie vor ihrem Klostereintritt kaum Erfahrung gesammelt hatte, war sie eine Frau und verstand die weibliche Gefühlswelt. Ganz zu schweigen davon, dass sie mit Callum überglücklich und bereits im vierten Monat schwanger war.
Natürlich hatte ich ihr verschwiegen, dass sich dieses Liebesdreieck um Drea, Rafe und mich drehte. Als ich ihr das Problem geschildert hatte, seufzte sie. „Im Ernst, Leo? Du bist doch nur so besessen von dieser Frau, weil du sie nicht haben kannst.“
„Autsch, Kitty Cat. Zieh die Krallen wieder ein.“
Statt sich bei mir zu entschuldigen, verdrehte sie die Augen. „Tut mir leid, wenn die Wahrheit wehtut. Vielleicht hätte ich sagen sollen, dass dich das Karma endlich richtig gefickt hat.“
Ich schnaubte. „Wie konntest du mit diesem losen Mundwerk und dieser Einstellung fast Nonne werden?“
„Ich meine es ernst, Leo. Männer wie du, Rafe und Gianni jagen mir Angst ein, wenn ich daran denke, was meine zukünftige Tochter einmal durchmachen muss.“
„Da wir gerade von dem Baby sprechen: Bist du dir sicher, dass deine Reaktionen momentan nicht einfach nur hormonell bedingt sind?“, neckte ich sie.
Sie verengte ihre dunklen Augen. „Dir ist doch hoffentlich klar, dass ich immer noch ziemlich flink bin und dir eine ordentliche Abreibung verpassen kann?“
Ich hob abwehrend die Hände. „Okay, okay, Kitty Cat.“
„Eins will ich dir noch mit auf den Weg geben.“
„O Mann. Das kann ja heiter werden.“
„Du bist es gewohnt, dass die Frauen sich dir an den Hals werfen. Und diese Frau hat es nicht getan.“ Als ich protestieren wollte, gebot sie mir mit einer Handbewegung Einhalt. „Sie hat bestenfalls mit dir geflirtet, bis ihr klar wurde, dass du mit ihrem Freund befreundet bist.“
Das war die Geschichte, die ich ihr aufgetischt hatte. In dieser Version war Drea die Freundin eines sehr guten Kumpels.
„Du und dein Ego müsst das endlich hinter euch lassen.“
Ich schüttelte den Kopf. „Ich hätte mich wohl lieber an Talia wenden sollen, statt dich um Rat zu fragen.“
Sie lachte. „Sie hat dich genauso durchschaut wie ich. Wahrscheinlich sogar noch besser, da sie dich großgezogen hat.“
Das Vibrieren meines Handys riss mich aus den Gedanken. Ein Blick auf das Display verriet mir, dass ich eine Nachricht von Gianni erhalten hatte: Lucky Charm ist in Position.
Seine Anspielung auf Maeve entlockte mir ein Schnauben. Heute war Rafes Geburtstag, und wir hatten ihn überredet, den Abend im Inferno zu verbringen. Er war von dieser Idee allerdings nicht allzu begeistert gewesen. Er war fest davon überzeugt, dass Maeve erst morgen aus Irland einfliegen würde. In Wahrheit wollte sie ihn im Club überraschen. Sie hatte mich letzte Woche angerufen und um Hilfe gebeten, und ich hatte natürlich sofort zugesagt.
Nachdem ich sie heute vom Flughafen abgeholt hatte, hatte ich sie in einer unserer Wohnungen untergebracht. Bei Gianni oder mir konnte sie nicht bleiben, da sie dort Gefahr lief, Rafe über den Weg zu laufen. Gianni sollte sie abholen, zum Club bringen und dann hierherkommen, um mit Rafe und mir zu fahren.

Ich: Treffen mit dem Geburtstagskind in 5.

Gianni: Okay.

Angesichts meiner Schwärmerei für Drea hätte ich Maeve eigentlich hassen müssen. Sie war immerhin die Frau, die Rafes und Dreas Glück im Weg stand. Doch obwohl ich mich redlich bemühte, Maeve nicht zu mögen, gelang es mir einfach nicht.
Sie hatte Rafe nach dem Tod unseres Vaters wieder Frieden geschenkt. Obwohl wir alle drei unseren Teil zu seiner Folter beigetragen hatten, war es Rafe gewesen, der ihm schließlich den Garaus gemacht hatte, indem er ihm die Kehle durchgeschnitten hatte. Ganz gleich, wie sehr der Mistkerl es auch verdient hatte, Rafe war am Boden zerstört gewesen. Und Maeve war für ihn da gewesen, auf eine Weise, wie Gianni, Caterina oder ich es niemals gekonnt hätten.
Was auch immer an dem Tag, an dem wir Vater getötet hatten, zwischen den beiden vorgefallen war, hatte Rafes Gefühle für sie gefestigt. Damals hatte er beschlossen, dass er mit Maeve zusammen sein wollte, ungeachtet seines Vertrags mit Drea.
Ich fuhr mit dem Fahrstuhl nach unten, um Rafe und Gianni in der Empfangshalle zu treffen. „Siehst gut aus, Bruder“, sagte ich zu Rafe.
„Danke. Ihr beide habt euch aber auch herausgeputzt.“
Da Milos heute Abend freihatte, wurden wir von Giannis Leibwächter Emiliano und zwei Teilzeitkräften beschützt, deren Namen ich noch nicht kannte. Als wir an der Rückseite des Clubs vorfuhren, umrahmte ein Ballonbogen den Personaleingang. „Im Ernst?“, fragte Rafe mit einem Grinsen.
Ich zwinkerte ihm zu. „Die Kellnerinnen haben es vielleicht ein wenig übertrieben.“
Gianni schnaubte. „Da stimme ich zu. Vor allem, wenn ich mir die Kreditkartenabrechnung vom Partydekorationsladen anschaue.“
Als wir den Club betraten, stolperten wir in eine ausgelassene Party. Gelbe und rote Luftballons in allen Formen und Größen hingen in den Ecken. Die Farben waren eine subtile Anspielung auf die sizilianische Flagge.
Über dem Hauptbalkon zum VIP-Bereich hing ein riesiges Banner mit der Aufschrift Happy Birthday Raphael.
Unsere Managerin Carissa reichte ihm ein riesiges Stück Schokoladenkuchen und ein Glas Champagner. „Alles Gute zum Geburtstag, Boss!“, rief sie, um die laute Musik zu übertönen.
Ich beugte mich zu Rafe hinüber und flüsterte ihm ins Ohr: „Hör zu, G und ich haben ein Geburtstagsgeschenk für dich in deinem Büro.“
„Ihr müsst mir doch nichts schenken.“
„Komm schon, Mann. Du bist nicht nur unser Bruder, sondern unser Capo. Dieses Jahr hast du einiges mit uns durchgemacht“, entgegnete ich.
„Das bedeutet mir viel“, antwortete Rafe mit einem aufrichtigen Lächeln.
„Also, komm schon.“
Rafe folgte mir in den Personalbereich. Kurz bevor wir sein Büro erreichten, tat ich so, als würde ich einen Anruf erhalten. Um glaubwürdig zu erscheinen, verzog ich entnervt das Gesicht. „Ich muss den Anruf annehmen. Geh du schon mal rein und schau dir dein Geschenk an.“
Rafe nickte und verschwand in seinem Büro. Er würde ausrasten, wenn er begriff, was für ein Geschenk auf ihn wartete. Da ich wusste, dass Maeve eine große Führung durch den Club wollte, beschloss ich, vor seiner Tür zu warten, um Rafes Gesichtsausdruck zu sehen, wenn er herauskam. Mir war klar, dass die beiden übereinander herfallen würden, aber wahrscheinlich erst, wenn sie im Sin waren.
Nach ein paar Minuten wurde die Tür geöffnet. Beim Anblick von Rafes Gesichtsausdruck hellte sich meine Miene augenblicklich auf. „Ist die Überraschung gelungen?“
„Allerdings.“
Mein Blick fiel auf Maeve, die nur mit sexy Reizwäsche bekleidet war. Bevor ich mich bremsen konnte, riss ich die Augen auf. „Heilige Scheiße“, murmelte ich leise.
Rafe warf mir einen finsteren Blick zu. „Du kannst dich wieder einkriegen. Obwohl andere sie heute Abend sicher begaffen werden, wirst du keiner von ihnen sein.“
Ich zwinkerte ihm zu. „Das ist wirklich schade.“
Mit einem Brummen drängte er sich an mir vorbei und führte Maeve zum Personaleingang des Lust. Ich lachte glucksend, als er Maeve vor sich herschob, damit ich ihren Hintern nicht begaffen konnte.
Ich hätte zu gern einen Hintern angestarrt, der ihm gehörte. Allerdings war es nicht der von Maeve.
Ich stieß ein frustriertes Schnauben aus und beschloss, mir etwas zu trinken zu holen. Als ich den Personalbereich verließ, ließ ich den Blick gelangweilt über die Menge auf der Tanzfläche schweifen. Plötzlich entdeckte ich eine absolute Augenweide. „Hallo, Lady in Red“, murmelte ich vor mich hin, während ich ihre sinnlichen Bewegungen beobachtete.
Sie hatte einen Körper, der wie geschaffen für die Sünde war. Ihre prallen Brüste drückten gegen den hauchdünnen, transparenten Stoff ihres Kleides. Beim Anblick ihrer wohlgeformten Pobacken stellte ich mir vor, wie ich ihr den Hintern versohlte und ihre Haut rot glänzte.
Obwohl eine Maske ihr Gesicht verbarg, sah ich an der Art, wie der Stoff sich über ihre Wangenknochen legte, dass sie bildschön war. Der einzige unbedeckte Teil ihres Gesichts waren ihre vollen, blutrot geschminkten Lippen. Ich malte mir aus, wie sie damit heiß und eng meinen Schwanz umschloss.
So sehr sie mich auch erregte, im Grunde wollte ich mir gar nicht erst die Mühe machen, sie anzusprechen. Sie war nicht Drea. Jedes Abenteuer mit ihr wäre bloß ein schwacher, vorübergehender Trost.
Doch dann ließ sie ihre Hände über ihren Körper gleiten und knetete ihre Brüste. Bei diesem Anblick war ich verloren. Ich schob all die Gründe, warum ich mich ihr nicht nähern sollte, beiseite und bahnte mir einen Weg durch die Menge zu ihr.
Ich ließ eine Hand über ihre Hüfte gleiten und hielt knapp unterhalb ihres Bauchnabels inne. Sie reagierte, indem sie ihren Hintern gegen meinen Schritt presste. Mir entfuhr ein lustvolles Stöhnen. Während sie sich weiter an mir rieb, schwoll mein Schwanz langsam an. Ich schlang meine freie Hand um ihren Nacken. Auf meinen sanften Druck hin beugte sie sich vor, stützte die Hände auf ihre Oberschenkel und ließ die Hüfte kreisen.
Ich begann, meinen Schaft an ihren Pobacken zu reiben. Mit der Hand, die eben noch an ihrer Taille geruht hatte, wanderte ich hinauf zu ihrer Brust. Ihr Stöhnen war trotz des dröhnenden Basses zu hören. Als ich durch den Stoff ihres Kleides in ihre steife Knospe kniff, warf sie den Kopf in den Nacken und schrie lustvoll auf.
Ich richtete sie auf, sodass ihr Rücken an meinem Oberkörper lag. Dann beugte ich mich vor und strich mit den Zähnen über ihren Hals. Als sie erzitterte, biss ich fest genug in ihre geschmeidige Haut, um Spuren zu hinterlassen.
Während ich mich leckend und saugend zu ihrem Ohr vorarbeitete, knetete ich weiter ihre Brust. Ich presste meine Lippen an ihre Ohrmuschel. „Ich werde dich so heftig kommen lassen, dass du Sterne siehst“, keuchte ich.
Sie erstarrte schlagartig. „Du willst, dass ich dich ficke. Nicht wahr, Schönheit?“
Ein Schauer durchlief sie, bevor sie sich ruckartig von mir löste. Sie wirbelte herum und starrte mich so durchdringend an, als wolle sie sich meine Gesichtszüge einprägen.
Ich legte den Kopf schief. „Ich weiß, dass dein Höschen klatschnass ist, Lady in Red. Also behaupte ja nicht, du würdest mich nicht genauso wollen wie ich dich.“
Mit einem entsetzten Aufschrei riss sie sich die Maske vom Gesicht.
Jedes Molekül in meinem Körper erstarrte, als ich erkannte, dass Drea vor mir stand.
Drea

O Scheiße.
Ich war kurz davor zu explodieren, dabei hatte der geheimnisvolle Fremde mich noch nicht einmal wirklich berührt. Das Gefühl seines steinharten Schafts an meinem Hintern, während er mit den Fingern meine Brustwarze reizte, hatte mich so sehr erregt, dass mein Tanga nun vollkommen durchnässt war.
Im nächsten Moment dröhnte seine tiefe Stimme in meinem Ohr und schien bis in mein Innerstes vorzudringen.
Ich kannte diese Stimme.
O Scheiße.
Bisher hatte ich sie zwar nur ein paarmal vernommen, doch ich würde sie überall wiedererkennen. Weil ich wusste, wem sie gehörte.
Leandro.
Ich wirbelte herum und starrte ihn an. Er sah nicht ganz so aus, wie ich ihn in Erinnerung hatte. Seine Haare waren länger – fast wie die von Rafe –, und sein pechschwarzer Bart hatte eben noch an meinem Nacken gekratzt.
Aber es war Leo.
Mit einem übermütigen Grinsen legte er den Kopf schief. „Ich weiß, dass dein Höschen klatschnass ist, Lady in Red. Also behaupte ja nicht, du würdest mich nicht genauso wollen wie ich dich.“
O Scheiße, o Scheiße, o Scheiße.
Mein zukünftiger Schwager hätte mich fast zum Höhepunkt gebracht.
Er hatte seine Hand an meine Brust gelegt.
Er hatte seinen harten Schwanz an meinem Hintern gerieben.
Und mit seinen Zähnen hatte er zweifellos Spuren an meinem Hals hinterlassen.
Ein entsetzter Schrei entfuhr mir, als ich mir die Maske vom Gesicht riss. Sobald unsere Blicke sich trafen, erstarb sein Grinsen schlagartig.
„O Scheiße“, murmelte Leo, während ihm die Farbe aus seinem gebräunten Gesicht wich.
Ich weiß nicht genau, wie lange wir einfach nur dastanden und uns anstarrten – sichtlich gequält von dem, was gerade geschehen war. Plötzlich packte Leo meine Hand und zerrte mich von der Tanzfläche. Zu verblüfft, um mich zu wehren, folgte ich ihm. Sobald er mich in ein Büro gezogen hatte, schlug er die Tür zu.
Und schloss sie ab.
Als er mich diesmal ansah, fühlte ich mich entblößt und ungeschützt. Ich schlang meine Arme um meinen Körper, um mich irgendwie zu bedecken. Nach einem quälenden Moment des Schweigens flüsterte ich: „Sag doch etwas.“
„Was zum Teufel machst du hier, Drea?“
Mit der Frage hatte ich zwar gerechnet, aber ganz sicher nicht mit seinem herablassenden Tonfall. Ich deutete auf mein Kleid und blaffte: „Ist das nicht offensichtlich?“
Leo verdrehte die Augen. „Du weißt, was ich meine.“
„Lass mich raten“, entgegnete ich. „Du willst wissen, was ich in New York zu suchen habe.“
„Ja. Ganz genau.“
„Es geht dich zwar nichts an, aber ich bin wegen meiner Anprobe hier.“
Er runzelte die Stirn. „Deiner was?“
„Meiner Hochzeitskleid-Anprobe.“
Leo verzog das Gesicht und fuhr sich mit der Hand durchs Haar. „Und dann? Hast du beschlossen, deinem Verlobten hinterherzuspionieren, während du in der Stadt bist?“
„Nicht ganz.“
Er verschränkte die Arme vor der Brust. „Erzähl mir bloß nicht, dass du rein zufällig hier gelandet bist.“
„Natürlich nicht. Das war alles die Idee meiner Cousine Bianca.“
„Wie praktisch.“
„Hör zu, ich wollte in einen Club tanzen gehen, aber ich hatte ganz sicher nicht vor, hierherzukommen.“
„Wo ist Bianca?“
Ich zuckte mit den Achseln. „Wahrscheinlich mit irgendeinem Typen beschäftigt.“
„So wie du es gerade vorhattest“, murmelte er.
Als ich den vorwurfsvollen Unterton in seiner Stimme hörte, riss ich die Augen auf. „Wage es ja nicht, über mich zu urteilen!“
„Du bist verlobt“, entgegnete er.
„Oh, das ist mir vollkommen bewusst. Und mir ist auch bewusst, wie mein Verlobter seine Zeit verbringt.“ Ich legte den Kopf schief. „Oder besser gesagt: mit wem.“
Leo wurde blass. „Du hast die beiden gesehen?“
Ich nickte. „Es ist schön, endlich ein Gesicht mit dem Namen verbinden zu können.“
„Seit wann weißt du es?“
„Seit der Beerdigung deines Vaters, als alle über die beiden getuschelt haben.“
Leo verzog das Gesicht und fuhr sich erneut durch die Haare. „Herrgott.“
„Also ja, ich bin eine verlobte Frau, die kurz davorsteht, einen Mann zu heiraten, der mich niemals so ansehen wird, wie er sie ansieht.“
Es war eine Sache, die Wahrheit über Rafe im Stillen zu ertragen. Sie laut auszusprechen, drehte mir jedoch den Magen um. Als mir die Galle in die Kehle schoss, presste ich die Hand auf den Mund und blickte mich panisch im Raum um. Zu meiner Überraschung packte Leo meine andere Hand, zog mich quer durch das Büro und stieß die Tür zum Badezimmer auf. Ich schaffte es gerade noch bis zur Toilette, bevor ich mich übergab.
Als der Würgereiz verebbt war, wischte ich mir mit der Hand über den Mund. „Vielleicht waren die vier Gläser Wodka doch keine gute Idee“, mutmaßte ich.
Leo antwortete nicht. Stattdessen holte er einen Waschlappen aus dem Schrank, drehte den Wasserhahn auf und hielt ihn unter den kalten Strahl. Nachdem er ihn ausgewrungen hatte, ging er neben mir in die Hocke.
Zu meinem völligen Entsetzen begann er, mir sanft mit dem weichen Frotteetuch über das Gesicht zu streichen. Nach einem Moment der Stille sagte Leo schließlich: „Ich hätte nicht gedacht, dass dir Rafe etwas bedeutet.“
„Das tut er nicht.“
Er sah mich verblüfft an. „Nichts für ungut, aber deine Reaktion lässt etwas anderes vermuten.“
Ich schüttelte den Kopf. „Ich freue mich für Rafe.“ Als Leo mich skeptisch beäugte, hob ich abwehrend die Hände. „Ich schwöre es.“
„Warum dann die Tränen? Warum musstest du dich übergeben?“
Ein Lachen entfuhr mir. „Unabhängig davon, was ich nicht für Rafe empfinde, tut es trotzdem weh, jemanden so glücklich und verliebt zu sehen. Besonders wenn man weiß, dass einem die wahre Liebe wegen einer arrangierten Ehe für immer verwehrt bleiben wird.“
Leo stieß den Atem aus. „Die Wahrheit ist, dass Rafe und Maeve gehörig am Arsch sind. Sie haben sich aufeinander eingelassen, obwohl ihnen von Anfang an klar war, dass ihre gemeinsame Zeit begrenzt ist.“
„Warum kann er nach unserer Hochzeit nicht mit ihr zusammen sein?“
Bei meiner Bemerkung klappte Leo die Kinnlade herunter. „Verdammt, du bist wirklich eine Traumbraut, was?“
„Rafe und ich haben uns an dem Tag geeinigt, an dem wir den Ehevertrag unterzeichnet haben.“
„Er hat mir davon erzählt. Aber ich dachte, er tischt mir nur Blödsinn auf, um zu rechtfertigen, dass er dich mit Maeve betrügt.“
Mein Herz machte einen Satz. „Es hat dich gestört, dass er mich betrügt?“
Für einen flüchtigen Augenblick erstarrte Leo wie ein Reh im Scheinwerferlicht. Nachdem er sich wieder gefangen hatte, sagte er: „Na ja, äh, ja, das hat es.“
„Das ist wirklich anständig von dir. Aurelio würde sich einen Dreck darum scheren, wenn Antonio seine zukünftige Braut betrügen würde.“
„Das liegt daran, dass ich ein Mann mit Prinzipien bin“, antwortete Leo mit einem Grinsen.
„Ach wirklich?“
„O ja. Ich bin bekannt für mein gutes Aussehen und mein weiches Herz.“
„Ich bin mir ziemlich sicher, dass die Männer, die du tötest, diese Meinung nicht teilen.“
Leo zuckte nur mit den Schultern, richtete sich auf und warf den Waschlappen ins Waschbecken. „Es ist, wie es ist.“
„Apropos Prinzipien: Ich glaube, du hast noch nicht die Frage beantwortet, warum Rafe und Maeve nach meiner Hochzeit nicht zusammen sein können.“
„Erstens studiert sie in Dublin“, erklärte er. „Zweitens könnte eine Fernbeziehung funktionieren, wenn sie nur ein unbedeutender Fick wäre. Aber genau wie du ist Maeve eine Clanprinzessin. Ihre Brüder würden niemals zulassen, dass sie wie eine einfache Geliebte behandelt wird.“
„Verdammt, das ist wirklich traurig.“
Leo grinste mich an. „Wie schon gesagt, du bist wirklich eine Traumbraut.“
„Es ist nicht nur das.“ Ich schluckte einen Kloß im Hals hinunter. „Ich weiß, wie es ist, jemanden zu lieben, mit dem man nicht zusammen sein kann.“
„Klingt pikant“, erwiderte Leo mit einem Augenzwinkern.
Überraschenderweise entfuhr mir ein Lachen. „Wenn man bedenkt, wie verboten es war, war es durchaus ein wenig pikant.“
„Verboten? War er jemand von außerhalb der Famiglia?“
„Genau genommen war er einer unserer Soldaten.“
Leo zuckte zusammen. „Ich wette, Edoardo war alles andere als begeistert.“
Ich sah Marcos schönes Gesicht vor mir. Als ich daran dachte, wie entstellt es durch den Schuss gewesen war, flüsterte ich: „Das kann man wohl sagen.“
Leos Miene verfinsterte sich schlagartig. „Was ist passiert?“
„Mein Vater hat ihm direkt vor meinen Augen in den Hinterkopf geschossen.“
Entsetzen blitzte in Leos dunklen Iriden auf. „Mein Gott, Drea.“
Mir schnürte sich die Kehle zu, doch ich presste hervor: „Schon okay. Ich meine, es ist bereits ein Jahr her.“
„Nenn mich verrückt, aber ich glaube nicht, dass man über so ein so schreckliches Erlebnis einfach so hinwegkommt.“
Ich starrte ihn überrascht an. „Nein. Wahrscheinlich nicht.“
Er beugte sich vor und wischte mir eine Träne von der Wange. „Es tut mir so leid.“
„Danke.“ Ich legte den Kopf schräg und sah ihn forschend an. „Und was ist mit dir?“
„Du meinst, ob ich schon mal verliebt war?“
Ich nickte. „Ja.“
Mit einem Grinsen zeigte Leo auf sein Gesicht. „Wie könnte jemand mit so einem schönen Gesicht nicht schon viele, viele Male verliebt gewesen sein?“
„Ich habe von Liebe gesprochen, nicht von Lust.“
„Ich auch“, entgegnete er herausfordernd.
„Wie auch immer“, murmelte ich.
„Ich meine es ernst.“
Ich verschränkte die Arme vor der Brust. „Also schön, Mr. Ernst, wie hieß sie?“
„Du vergisst, dass ich von vielen, vielen Malen gesprochen habe.“
„Dann nenn mir Namen.“
Leo verschränkte ebenfalls die Arme vor der Brust. „Serefina Tororigi. Wir waren in der Highschool zusammen.“
„Das ist eine.“
„Angelina Aiello. Sie hat mir während des Studiums das Herz gebrochen, als sie mich mit einem Milliardär betrogen hat.“
„Als hättest du kein Geld“, spottete ich.
Leo schnaubte. „Nicht so viel wie er.“
„Und die anderen?“
„Den größten Kummer hat mir Sadie Kimball bereitet.“
„Eine Außenstehende?“
Leo nickte. „Und die Tochter eines Pfarrers.“
Ich blinzelte ihn ungläubig an. „Du hattest es wohl darauf angelegt, zu scheitern, was?“
„Wem sagst du das. Es hat sechs Monate gehalten, bis sie herausfand, wer ich wirklich bin.“
„Hatte sie deinen Namen vorher nie gegoogelt?“
Ein verlegener Ausdruck huschte über sein Gesicht. „Ich hatte ihr ein Pseudonym genannt.“
„Mann, du warst wohl hin und weg.“
Er zuckte mit den Schultern. „Ist es nicht genau das, was die Liebe mit einem macht?“
Ich musste an Marco denken und nickte. „Sie macht dich leichtsinnig und verrückt.“
„Das kannst du laut sagen“, stimmte Leo mit tiefer Stimme zu.
Unsere Blicke trafen sich. In seinen Augen lag eine Intensität, die mir einen Schauer über den Rücken jagte. Nach einem langen Moment des Schweigens schüttelte Leo den Kopf. „Komm schon. Ich bringe dich von hier weg, bevor Rafe dich sieht und durchdreht.“
„Wie wütend wäre er, wenn er es herausfände?“
„Was genau meinst du? Dass du in seinem Club aufgekreuzt bist oder dass wir beide auf der Tanzfläche praktisch miteinander gevögelt haben?“
Bei der Anspielung auf das, was zwischen uns geschehen war, stieg mir die Schamesröte in die Wangen. Ich schlug mir die Hände vors Gesicht. „Das musstest du ja unbedingt erwähnen, nicht wahr?“
„Was glaubst du? Wie lange hätten wir um die Sache herumtanzen können?“
„Für immer.“
„Unmöglich.“
Ich spähte zwischen meinen Fingern hervor. „Können wir nicht einfach so tun, als sei nichts passiert?“
„Aber es ist doch passiert.“
Ich ließ die Hände in meinen Schoß sinken. „Glaub mir, das ist mir bewusst.“
„Hör mal. Wenn man es nüchtern betrachtet, muss sich keiner von uns beiden für irgendetwas schämen.“
„Das ist doch ein Scherz, oder?“
„Ich habe dich schließlich nie angebaggert, Drea. Ich wäre auf keinen Fall auf dich zugegangen, wenn ich gewusst hätte, wer du bist.“
Vielleicht hatte er recht. „Und ich hätte mich auf keinen Fall von dir auf diese Weise berühren lassen, wenn ich gewusst hätte, dass du es bist.“
„Wir sagen einfach, dass es sich um ein Missverständnis gehandelt hat.“
Bei dem Gedanken, dass Rafe erfahren könnte, was ich mit seinem Bruder getan hatte, lief es mir eiskalt den Rücken hinunter. „Nein! Er darf nichts davon wissen.“
„Ich habe keine Geheimnisse vor meinem Bruder“, protestierte Leo.
„Das hier ist nicht dasselbe wie irgendwelche Unterweltgeschäfte“, widersprach ich.
„Ich werde Rafes Vertrauen nicht missbrauchen, indem ich ihn belüge.“
Natürlich musste ich ausgerechnet an einen Mafioso mit einem Gewissen geraten. Ich hob beschwichtigend die Hände. „Selbst wenn ich Rafe völlig egal bin, glaube ich, dass das, was zwischen uns passiert ist, ihn hart treffen wird. Weil es um dich geht.“
Bisher wusste ich zwar nur sehr wenig über Rafe, doch es war offensichtlich, was er für seine Brüder empfand. Bei der Beerdigung seines Vaters hatten sie eine geschlossene Front gebildet.
Als Leo weiterhin zögerte, drängte ich: „Verstehst du es denn nicht? Ich könnte nicht damit leben, wenn ich einen Keil zwischen euch treiben würde.“ Gequält starrte ich auf meine Hände hinunter und brachte mit erstickter Stimme hervor: „Ich darf ihm keinen weiteren Grund geben, mich zu hassen.“
„Rafe hasst dich nicht“, widersprach Leo.
„Ich halte ihn von der Frau fern, die er liebt.“
„Das ist nicht deine Schuld. Es sind diese verdammten, archaischen Mafiaregeln.“
Tief im Inneren wusste ich, dass er recht hatte. Wären Rafe und ich in einer anderen Welt aufgewachsen, hätte er mit Maeve zusammen sein können und ich hätte mein Glück mit Marco gefunden.
Doch das waren wir nicht.
„Bitte, Leo. Versprich mir, dass du es Rafe nicht erzählst.“
Als er die Kiefermuskeln an- und wieder entspannte, stieß ich ein Seufzen aus. „Ich weiß, dass ich viel von dir verlange. Vor allem, weil wir uns kaum kennen.“
Mit einem sarkastischen Lächeln antwortete er: „Wir kennen uns besser als die meisten Schwäger und Schwägerinnen.“
Erneut stieg mir die Hitze in die Wangen. „Leo, bitte.“
„Entschuldige. Humor war für mich schon immer eine Art Selbstschutz.“
„Bei mir ist es Sarkasmus“, erwiderte ich mit einem Lächeln.
Nach einem Moment des Schweigens nickte Leo. „Also gut. Ich werde ihm nichts erzählen.“
Ich atmete erleichtert auf. „Danke.“
„Aber nur unter einer Bedingung.“
Als ich den ernsten Unterton in seiner Stimme hörte, musste ich schlucken. „Äh, okay.“
„Es muss unter uns bleiben. Ich will nicht, dass es über die Gerüchteküche irgendwie doch zu Rafe durchdringt.“
„Das wird mir nicht schwerfallen.“ Ich rümpfte die Nase. „Ich würde sterben, wenn jemand herausfände, dass ich … nun ja, mit meinem zukünftigen Schwager auf Tuchfühlung gegangen bin.“
Leo legte sich theatralisch eine Hand auf die Brust: „Deine Abscheu kränkt mich zutiefst.“
Ich verdrehte die Augen. „Es geht nicht um dich. Es geht darum, wer du bist.“
Er seufzte. „Ich werde versuchen, mir das einzureden.“
„Du bist echt eine Nervensäge.“
Leo lachte. „Das habe ich schon öfter gehört.“ Er streckte mir die Hand entgegen. Als ich sie skeptisch musterte, fügte er hinzu: „Ein rein platonisches Angebot. Es dient lediglich dazu, dir vom Boden aufzuhelfen und dich sicher nach draußen zu begleiten.“
Ohne zu zögern, ergriff ich seine Hand.

Katie Ashley
Katie Ashley ist eine New York Times- und USA Today-Bestsellerautorin und lebt in der Nähe von Atlanta, Georgia. Zusammen mit ihrer Tochter Olivia ist sie Frauchen von Belle und Elsa, zwei Hunden, die sie aus dem Tierschutz übernommen hat. Katie Ashley ist süchtig nach Pinterest, der TV-Serie „Golden Girls“, Shakespeare, Harry Potter und Star Wars.
Katie Ashley
Katie Ashley ist eine New York Times- und USA Today-Bestsellerautorin und lebt in der Nähe von Atlanta, Georgia. Zusammen mit ihrer Tochter Olivia ist sie Frauchen von Belle und Elsa, zwei Hunden, die sie aus dem Tierschutz übernommen hat. Katie Ashley ist süchtig nach Pinterest, der TV-Serie „Golden Girls“, Shakespeare, Harry Potter und Star Wars.

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