Sugar Coated Secrets – Besessen von dir

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Teil der Serie: 0
Originaltitel: Sugar Coated Secrets
Übersetzung: Oliver Hoffmann
Location: USA
Buchtyp: Roman
Veröffentlichung: 10/2026
Preis eBook: 8,99 € (D)
Preis Print: 16,90 € (D)
ISBN eBook: 978-3-86495-876-2
ISBN Print: 978-3-86495-875-5
Inhaltsangabe

Manche Geheimnisse sind verdorben. 

Und manchmal töten sie dich, wenn sie ans Licht kommen. 

Während der Highschool war ich unsichtbar. Heimlich hoffte ich, dass Ford Keller – der charismatische Bad Boy, den jeder bewunderte – mich endlich wahrnehmen würde. Als er mich völlig überraschend zum Abschlussball einlud, glaubte ich, mein größter Traum würde wahr werden.

Stattdessen begann die schlimmste Nacht meines Lebens.

Jahre später führe ich die Bäckerei meiner Großmutter in meiner Heimatstadt. Ich lächle. Ich arbeite. Ich tue so, als wäre alles in Ordnung. Doch ich habe nichts vergessen.

Nicht die Lügen.
Nicht den Verrat.
Und schon gar nicht die Geheimnisse, die seit jener Nacht von allen gehütet werden.

Bis Ford zurückkehrt. Erfolgreich, berühmt und unwiderstehlich. Während er versucht, sich einen Platz in meinem Leben zu erkämpfen, beginnt die Vergangenheit ihre Schatten bis in die Gegenwart zu werfen.

In einer Kleinstadt, in der jeder etwas zu verbergen hat, ist niemand unschuldig.

Nicht Ford.
Nicht seine Freunde.
Nicht einmal diejenigen, die vorgeben, mich beschützen zu wollen.

Ich muss endlich herausfinden, was damals wirklich geschehen ist, denn manche Geheimnisse sterben nie.

Eine düstere Small-Town-Romance voller Lügen und ungelöster Geheimnisse – für alle, die obsessive Helden, Second Chances und mörderische Twists lieben.

Dulce

Ich ignoriere die Schmetterlinge in meinem Bauch, die sich bei seinem Anblick regen, während ich auf das iPad starre und so tue, als würde ich ihn nicht erkennen. Dabei ist sein Name auf dem Cover der Sports Illustrated, in Werbespots und auf jedem Sportkanal der Welt zu sehen! Sein Gesicht ist allgegenwärtig, selbst bei alltäglichen Dingen wie Fernsehen, der Nutzung sozialer Medien oder beim flüchtigen Blick auf die Zeitschriften an der Kasse im Supermarkt.
„Ford Keller“, sagt er mit einem Funkeln in seinen himmelblauen Augen.
Meine Finger kribbeln, während ich zu seiner Bestellung scrolle. Es sind natürlich die Schokoladen-Rosinen-Cookies, die ich gebacken habe und die gerade auf dem Gitter hinter mir abkühlen.
„Dauert nur eine Minute.“
Ich drehe mich um, nehme eine Schachtel und Seidenpapier und lege die Cookies sorgfältig in ordentlichen Reihen hinein. Dabei versuche ich, meine bebenden Finger zu beruhigen. Ich seufze leise, mahne mein rasendes Herz zur Ruhe und ignoriere die Erinnerungen an die Nacht, in der ich bereit war, etwas von mir mit ihm zu teilen.
„Dulce?“, fragt er leise. Mein Name kommt über seine Lippen wie eine intime Liebkosung.
Plötzlich habe ich einen Kloß im Hals.
Ich schließe die Schachtel, klebe sie zu und drehe mich um.
„Kann ich Ihnen sonst noch etwas anbieten?“
„Dulce?“, wiederholt er leise.
Meine Finger zittern, während ich seinem Blick ausweiche. Ich reiße die gelbe Kopie der Rechnung ab und lege sie auf die Schachtel.
„Dul…“
„Sie können auch online bestellen“, unterbreche ich ihn. „Wir versenden international.“
„Warum tust du, als würdest du mich nicht erkennen?“
Die Erinnerung kehrt zurück, durchdringend und nachdrücklich. Schweiß perlt mir im Nacken.
Blut rinnt mir zähflüssig die Oberschenkel hinunter. Das Gefühl ist hartnäckig wie ein schwarzer Fleck.
„Warum nicht? Habe ich etwas Erinnerungswürdiges vergessen?“, antworte ich.
Natürlich tue ich nur so, als ob, denn ich könnte ihn niemals vergessen. Aber ich gebe ihm nichts von mir preis, nicht einmal, dass ich ihn selbstverständlich erkannt habe. Nie mehr.
Er hält inne, mustert den Kaffeeautomaten und lässt dann mit gerunzelter Stirn den Blick über die Speisekarte gleiten. „Kann man hier frühstücken?“
„Steht doch da“, sage ich monoton. Mein Gesicht bleibt ausdruckslos.
Er kramt in seiner Tasche und legt eine Handvoll Bargeld ins Trinkgeldglas. „Ab wann?“
„Von acht bis elf Uhr.“
„Täglich?“
„Nur Montag bis Samstag. Sonntags haben wir zu.“
„Ich möchte jede Woche die gleichen Cookies bestellen. Gibt es die Möglichkeit, eine wiederkehrende Bestellung einzurichten?“
„Klar.“ Ich entsperre das iPad und rufe das entsprechende Menü auf, um eine Kalendererinnerung anzulegen. Der Gedanke, dass er in der Nähe sein wird, lässt mein Herz rasen. „Wie viele Cookies?“
„Erst mal fünfzig.“
Ich schlucke.
„Möchten Sie eine Kreditkarte hinterlegen?“
„Ja, aber ich will, dass du mir die Cookies persönlich lieferst.“
„Das geht nicht …“
„Oder ich hole sie jeden Montag zu einer bestimmten Uhrzeit ab.“
Ich will ihn nicht in meinem Umfeld haben, wo ich keine Kontrolle darüber habe, wie lange ich in seiner Nähe sein muss. Wenn ich sie liefere, kann ich sie einfach abgeben und wieder gehen.
„Lieferung geht in Ordnung“, antworte ich knapp und lasse den Blick ins Leere schweifen, als würde es mich nicht stören, dass er zurück ist und mein Leben auf den Kopf stellt.
„Super. Kriege ich eine Nummer, unter der ich dich direkt anrufen kann?“, fragt er hoffnungsvoll.
„Leider gebe ich meine private Nummer nicht an Kunden weiter“, entgegne ich schroff. Die Worte klingen schal. „Sie können hier im Laden anrufen, und falls ich nicht da bin, können Sie eine Nachricht hinterlassen.“ Ich hole das Bargeld aus dem Trinkgeldglas und schiebe es ihm über die Theke hin. „Wir nehmen kein Trinkgeld an, wenn wir geschlossen haben.“
Er verzieht den Mund zu einem ärgerlichen Ausdruck und wirft einen Blick auf das Geld, als wäre es ansteckend, und ich bin mir sicher, er weiß, dass ich lüge.
Ich will keine Almosen. Die ganze Zeit über hat er dieselben Cookies bestellt, die ich ihm an dem Tag gegeben habe, als er mich daheim abgesetzt hat. Die Bestellung lief auf den Namen einer Firma, von der ich dachte, sie hätte ihren Sitz in einer Stadt ein paar Orte weiter. Ein Kurier holte sie jede Woche ab. Immer am selben Tag, immer dieselbe Menge. Er war die ganze Zeit im Ausland – an wen hat er diese Cookies geschickt?
Er seufzt, schnappt sich das Geld und schiebt es in seine Tasche. „Hast du noch die Daten der Kreditkarte, mit der diese Bestellung bezahlt wurde?“
„Ja“, brumme ich, ohne ihn anzusehen. Die Worte rutschen mir fast unhörbar heraus.
Er lächelt, als hätte er bei einem Gewinnspiel ein seltenes Sammlerstück gewonnen. „Sehr gut. Nimm die.“
„Wohin soll ich die Cookies liefern?“, frage ich und versuche, die Neugier in meiner Stimme zu verbergen, während ich auf den Bildschirm tippe, um die Adresse einzugeben. Der Wunsch, zu wissen, wo er untergekommen ist, brennt wie glühende Kohlen in meinem Magen.
Er lächelt, schreibt etwas auf ein leeres Bestellformular und sagt: „Hier sind Nummer und Adresse.“
Ich trage die Handynummer unter einem neuen Kundenprofil mit seinem Namen ein. „Alles klar, erledigt.“
Er nimmt die Schachtel, und ich folge ihm zur Tür. Nachdem ich das Schild auf „Geschlossen“ gedreht habe, öffne ich sie. Sein Blick verweilt einen Moment auf meinem Gesicht. Er beugt sich zu mir. Sein Parfüm, das nach Holz und Bergamotte riecht, umschmeichelt meine Sinne, während er flüstert: „Bis bald, Dulce.“
Ich schließe die Tür und sehe ihm nach, wie er die Straße überquert. Sein Duft liegt noch in der Luft.
Dann weiche ich zurück. Ein banges Schluchzen entweicht meiner Brust. Tränen treten mir in die Augen. Erinnerungen brechen unaufgefordert hervor wie eine jähe, lebhafte Momentaufnahme. Die Badewanne ist voller Blut. Schreie.
Ich drücke die Finger gegen meine Schläfen. Mein Schädel pocht, es raubt mir den Atem. Ich schaue an meinen Beinen hinunter und schließe die Augen. Der Raum dreht sich um mich. Angesichts der plötzlichen Welle unkontrollierbarer Panik ringe ich nach Luft.
„Das ist eine Panikattacke, Dulce“, murmle ich. „Atme …“ Ich lasse einen Schwall Luft durch Mund und Nase entweichen. „Atme.“
Ich wische mir mit dem Handrücken über die Augen und zucke zusammen, als ich ein Klopfen an der Tür höre.
Durch das Schaufenster erkenne ich erleichtert Officer Mays. Seufzend öffne ich die Tür. „Hey“, sage ich.
„Bereit?“, fragt er leise, mit einem jungenhaften Lächeln.
Ich atme ein Mal tief durch. „Ja. Äh … ich brauche noch meine Handtasche und mein Tablet.“ Ich gehe hinter die Theke, um meine Tasche, mein Handy, mein iPad und das dazugehörige Ladegerät zu holen.
„Geht es Ihnen gut, Dulce?“, fragt er besorgt, ohne mich jedoch zu sehr unter Druck zu setzen.
Ich schaue zu seinem gut aussehenden Gesicht auf und versuche, mein rasendes Herz zu beruhigen. „Ja. Ich glaube, ich bin nur etwas müde.“
„Geht es um das vorhin? Um …“
Ich schüttle den Kopf. „Nein, mir geht es gut, Off…“
„Danny“, unterbricht er mich mit einem nervösen Lächeln. „Wollen wir nicht du sagen?“
„Entschuldige, ich bin nicht …“
„Es gibt nichts, wofür du dich entschuldigen müsstest.“ Er schmunzelt. „Es ist echt nicht nötig, dass du mich Officer Mays nennst.“
Danny hat recht. Die Phase haben wir hinter uns. Seit ich Vollzeit in der Bäckerei arbeite, kommt er täglich kurz vor Ladenschluss vorbei, um sich zu vergewissern, dass es mir gut geht.
Er schaut auf die Uhr. „Ich weiß, du hast mir für Freitag Abend zugesagt.“ Danny räuspert sich. „Aber ich dachte, wir könnten vielleicht einen Burger oder so essen gehen.“
„Ich weiß nicht …“
„Du hast noch Zeit, bevor Mary weg muss“, sagt er hoffnungsvoll.
„Es tut mir leid, Danny“, weise ich ihn sanft ab. „Ich muss heim.“
Er nickt und mustert seine Schuhe. „Verstehe.“
Aber das tut er nicht. Niemand tut das. Jede Minute, die ich nicht bei meiner Oma verbringe, werde ich bereuen, wenn sie nicht mehr da ist. Sie ist der einzige Mensch, den ich noch habe. Deshalb bin ich nach wie vor in dieser beschissenen Stadt, wo ich nur meine Großmutter und die Bäckerei habe. Weil mir sonst nichts geblieben ist.

Ford

Ich stelle den Porsche auf den menschenleeren Parkplatz vor dem schäbigen Hotel in der Stadt. Es ist die unauffälligste Übernachtungsmöglichkeit, die ich finden konnte, ohne nach Mooresville fahren zu müssen. Ich habe mich geweigert, bei meinen Eltern unterzukommen. Sie sind nicht glücklich darüber, dass ich weggegangen bin, und ich habe keine Zeit für klärende Gespräche.
Als sich die Schiebetüren öffnen, schlagen mir eisige Luft und der Geruch von Desinfektionsmittel und billigem Lufterfrischer entgegen, als ich die Lobby betrete. Ein großer Unterschied zu dem Luxus, an den ich gewöhnt bin.
Die Frau hinter dem Empfangsschalter ruft: „Willkommen im Ramada“, als ich auf die Rezeption zugehe. „Möchten Sie einchecken?“
„Bitte.“
„Name?“
Ich ziehe die Mütze tiefer ins Gesicht. „Es läuft auf Derek Smith für Ford Keller.“
Ich habe meinen Manager gebeten, eine Reservierung auf seinen Namen vorzunehmen, um mir Zeit zu verschaffen, bis ich ankam, denn ich hatte noch nicht geplant, wo ich hier dauerhaft wohnen würde. Wenn es nicht funktionieren sollte, könnte ich immer noch zurückgehen. Ich könnte mich immer noch auf das nächste Rennen vorbereiten.
Sie schaut auf. „Ja, ich habe ein Einzelzimmer mit einem Kingsize-Bett auf Mr. Keller. Einen Ausweis mit Lichtbild bitte.“
Ich nicke und hoffe, dass sie mich nicht erkennt, als ich ihr meinen Führerschein reiche.
Sie nimmt sich einen Augenblick Zeit, um ihn zu prüfen und sicherzustellen, dass der Name übereinstimmt.
Mit einem verschmitzten Lächeln reicht sie mir meinen Führerschein und eine Schlüsselkarte.
„Brauchen Sie noch was? Zimmerservice-Speisekarten?“ Sie späht über die Theke. „Ich sehe, Sie haben es rechtzeitig zu Sugar Coated Sweets geschafft.“
„Die sind die besten in ganz North Carolina“, lobe ich.
„Stimmt. Es ist allerdings schade um die Großmutter dieses armen Mädchens“, sagt sie brummig. „Sie hat Krebs. Die alte Dame lebt zwar noch, aber ihre Enkelin kümmert sich um sie, wissen Sie? Dulce führt die Bäckerei. Bezahlt ihre Behandlungskosten. Dieses Mädchen wird hier nie rauskommen.“
„Ist sie verheiratet?“, frage ich spontan.
Die Rezeptionistin schüttelt den Kopf. „Nein. Zumindest nicht, dass ich wüsste. Sie ist meist für sich.“ Dann fügt sie wie in Gedanken versunken hinzu: „Die Leute fragen sich allerdings …“
„Was denn?“, hake ich neugierig nach, wobei mir der Schweiß ausbricht, wie oft, wenn es um etwas geht, das mit Dulce zu tun hat.
„Warum sie immer so traurig aussieht.“
„Wenn man weiß, dass man jemanden an Krebs verlieren wird, ist das normal.“
„Ja, das verstehe ich, aber warum sollte man nicht von Menschen umgeben sein wollen?“
Weil du wegen deines Aussehens den größten Teil deines Lebens wie Dreck behandelt wurdest.
„Vielleicht vertraut sie Menschen einfach nicht.“
Sie schnaubt, was sie noch hässlicher macht. „Kann’s ihr nicht verdenken. Ich traue meinem Ehemann nicht, dass er nicht mit der Tankstellenverkäuferin vögelt. Er muss andauernd volltanken oder sich einen Snack an der Tankstelle holen. Wenn ich frage, ob ich mitkommen darf, hat er eine Ausrede. Ich bin hingegangen, wissen Sie, um sie mit eigenen Augen zu sehen, habe etwas gekauft und mit meiner Karte bezahlt. Als ich sie um einen Stift bat, um den Beleg zu unterschreiben, reichte sie mir einen Werbekuli von seiner Firma.“
Sie zupft an dem Pickel an ihrer Lippe herum, den sie mit billigem Concealer zu verdecken versucht hat, wodurch er nun wie eine Warze aussieht, und fragt sich, warum er sie überhaupt stört.
„Ich wünsche Ihnen einen schönen Abend.“
„Wenn Sie irgendetwas brauchen, rufen Sie mich an“, sagt sie und lacht dann.
Wo zum Teufel bin ich nur hingeraten?
Mein Zimmer liegt im dritten Stock, der gleichzeitig auch der oberste ist. Ich gehe den Flur entlang. Der Teppichboden hat bunte Flecken, und der Putz blättert ab. Der Geruch nach Schweißfüßen und Teppichreiniger nimmt zu, je weiter ich komme. Als ich die Zimmertür öffne, überrascht mich der Anblick nicht. Auf dem Bett liegt keine Decke, und die Wandklimaanlage springt mit einem Klappern an. Sie speit Luft aus, die nach Schimmel und abgestandenem Zigarettenrauch riecht, obwohl ein „Rauchen verboten“-Schild an der Wand hängt, das offensichtlich niemand beachtet.
Ein Blick aufs Bett macht klar, dass Schlaf das Letzte ist, was ich hier finden werde. Immer wieder muss ich daran denken, was die Rezeptionistin über Dulce gesagt hat. Dass sie sich nach wie vor um ihre Oma kümmert.
Ich öffne die Schachtel, nehme mir einen Keks und schließe die Augen, weil er genauso gut schmeckt wie beim ersten Mal.
Dann krame ich meine Brieftasche aus der Hosentasche, öffne sie und falte den kleinen Zettel auseinander, den sie mir vor vier Jahren gegeben hat.
Ihre Telefonnummer steht immer noch darauf.

***

Mein Smartphone klingelt zum sechsten Mal. Ich taste blind danach und lehne den Anruf ab. Es ist erst sieben Uhr morgens. Meine Zunge klebt am Gaumen.
Das Handy klingelt erneut, und eine unbekannte Nummer erscheint auf dem Display. Stöhnend nehme ich den Anruf an, in der Annahme, es könnte jemand aus meinem Team sein. Ich möchte nichts lieber, als demjenigen zu sagen, er solle sich verpissen, weil er mich so früh geweckt und daran erinnert hat, wie sehr mir der Rücken nach der Nacht auf dieser schrecklichen Matratze wehtut.
„Hallo“, knurre ich.
„Ist das deine Art, deine Lieblings-Ex zu begrüßen?“
Ich blinzle. Diese nervige Stimme, die sich zu sehr bemüht, sinnlich zu klingen und dabei irgendwo zwischen affektiert und irritierend landet, kenne ich. „Summer.“
„Es ist eine Weile her …“
„Woher zur Hölle hast du meine Nummer?“
„Bist du noch sauer auf mich?“
„Es ist sieben Uhr morgens.“
„Trent hat sie mir gegeben. Sei ihm nicht böse. Du weißt doch, er kann nicht Nein sagen, wenn ich ihn nett um etwas bitte.“
„Ich wette, du hast sehr nett gefragt.“
Sie lacht. „Willst du mal wieder plaudern? Kaffee trinken? Ich wohne mittlerweile in Mooresville, aber du fährst ja gerne Auto, also …“
„Selbst wenn du nebenan wohnen würdest, wäre die Antwort Nein.“
„Ich vermisse dich“, sagt sie leise und fügt hinzu: „Ich werde dich immer vermissen.“
„Wie du in den Klatschblättern nachlesen kannst, habe ich dich nicht vermisst.“
Sie seufzt. „Warum bist du so mürrisch?“
Hmm … mal sehen: Nachdem ich mit dir Schluss gemacht hatte, hast du behauptet, du wärst schwanger, in der Hoffnung, das würde mich davon abhalten, dich zu verlassen. Als das nicht funktionierte, hast du meinen Eltern erzählt, ich hätte dich geschwängert, um mich so zu zwingen, dich zu heiraten. Dann hast du angeblich abgetrieben, dich sechs Wochen später betrunken und vor dem Abschlussball mit Trent gevögelt, um mich eifersüchtig zu machen, damit ich meinen Freund hasse.
„Das bin ich nicht.“
„Warum bist du dann so furchtbar gelaunt? Kann ich irgendetwas für dich tun?“
„Ja, lass mich in Ruhe.“
Ich beende die Verbindung. Lieber würde ich mich betrinken und die Rezeptionistin unten zwischen die Titten ficken, als Summer zu sehen. Wie ich sie kenne, hat sie schon in den sozialen Medien gepostet, dass Ford Keller wieder in Airy ist.
Ich stehe auf, gehe ins Bad und ignoriere den Schimmel unter der Klobrille. Nach dem Pinkeln steige ich in die gelb verfärbte Dusche, die einst einmal weiß war. Der heiße Strahl löst die Verspannungen in meinen schmerzenden Muskeln.
Nach dem Duschen reibe ich mir nur mit einem Handtuch über die Haut. Ich trockne mir die nassen Füße auf dem abgetretenen Teppich ab und setze mich aufs Bett. Dann schaue ich auf die Uhr auf meinem Handy. Ich treffe mich gegen Mittag mit Trent. Die Bäckerei öffnet um acht. Ich habe also Zeit, bei Dulce vorbeizugehen und mir von ihr ein Frühstück servieren zu lassen.

***

Auf dem Parkplatz vor der Bäckerei betrachte ich mich im Rückspiegel. Ich habe mir besonders viel Zeit beim Auswählen meiner Klamotten genommen – weite, dunkle, verwaschene Jeans, ein eng anliegendes weißes Designer-T-Shirt, das an der Taille locker sitzt, weiße Designer-Sneaker und eine schwarz-goldene Pilotenbrille.
Nachdem sie eingetroffen ist und das Schild auf „Geöffnet“ gedreht hat, warte ich zehn Minuten, bevor ich aussteige.
Ich fühle mich, als ginge ich zu meinem ersten Date. Meine Handflächen sind verschwitzt, der Magen dreht sich mir um – und das liegt nicht daran, dass ich Hunger habe. Ich bin zum ersten Mal seit vier Jahren, seit sie damals in mein Auto gestiegen ist, wieder nervös.
Zum Teil war es meine Schuld. Ich hätte früher etwas unternehmen sollen – bevor Summer und ihre Freundinnen Dulce Webster zur Zielscheibe machten. Als Dulce schließlich meine Aufmerksamkeit erregte, war es schon zu spät. Ich war mit Summer zusammen und schloss mich dem Rest meiner Freunde an.
Im Nachhinein redete ich mir immer wieder ein, es wäre das Beste. Dass die Schulzeit nicht ewig dauern würde. Damals dachte ich, wenn ich Dulce in irgendeiner Weise beachten würde, würde ich für sie alles nur noch schlimmer machen. Aber heute bin ich mir da nicht mehr so sicher.
Als ich die Bäckerei betrete, strömt mir der Duft von ofenfrischem Gebäck und Kaffee entgegen. Die große Auslage vor der Theke ist in verschiedenen Rosatönen gehalten und zeigt bunte Torten in diversen Geschmacksrichtungen, einige mit Zuckerstreuseln und verschiedenfarbigen Glasuren. Es duftet süß wie ihre Haut.
Die Tür öffnet sich, und zwei Damen kommen plaudernd herein. Ich gehe zur Theke mit der Kaffeemaschine, bereit, Frühstück zu bestellen, doch in dem Moment, in dem mein Blick auf die junge Frau dahinter fällt, weicht meine Vorfreude einer nagenden Enttäuschung.
„Herzlich willkommen bei Sugar Coated Sweets. Was darf ich Ihnen geben?“, fragt Katie mit ihrer schönsten Stimme.
„Dulce.“
Sie hebt die Augenbrauen, unsicher, wie sie reagieren soll. Dann leuchten ihre Augen auf. „Tut mir leid, aber ich spreche kein Spanisch.“
Daraufhin nehme ich die Sonnenbrille ab. „Ich bin hier, um Dulce zu sehen“, stelle ich klar, obwohl ich an ihrem frechen Blick erkennen kann, dass sie genau weiß, was ich gemeint habe.
„Wie kann ich Ihnen helfen?“, fragt sie abwehrend.
„Sie können Dulce holen, bitte.“
„Ich meine, ich kann sie fragen, ob sie Sie sehen will. Wie heißen Sie?“
Ich hebe eine Braue.
„Schon klar.“ Katie rollt mit den Augen. „Einen Augenblick. Bin gleich wieder da.“
Ich schenke ihr mein bestes falsches Lächeln. „Natürlich.“
Sie seufzt genervt, dreht sich um, drückt die Tür zur Backstube auf und ruft: „Dulce!“
Ein Surren verstummt. „Ja?“
Mein Herz hämmert wie wild in meiner Brust, als ich ihre Stimme höre. „Da will dich jemand sehen.“
„Sag ihm, sein Kaffee ist fertig, und kannst du ihm das geben, was ich heute Morgen gemacht habe?“
Ihm?
„Süße, er ist es nicht. Es ist …“ Sie schaut mich an. „Kannst du mal herkommen? Er macht mich ganz wuschig.“
Mein Lächeln wird breiter. Hoffentlich weiß Dulce Katies Sinn für Humor zu schätzen.
Es ertönt ein lauter Knall, als hätte etwas Metall getroffen, dann kommt Dulce heraus. Mein Herz schmerzt, nachdem es eben noch so schnell geschlagen hat.
„Guten Morgen, Dulce“, sage ich.
Sie verzieht den Mund zu einem missmutigen Ausdruck, und ihr Blick huscht zu Katie und dann zu mir. „Was willst du?“, fragt sie knapp.
Wenn du wüsstest, meine Liebe.
„Ich wollte …“
Das Klingeln der Tür unterbricht mich. Sie schaut über mich hinweg, und ihr Stirnrunzeln verwandelt sich in ein Lächeln. „Oh, hallo.“
„Guten Morgen, Schönheit.“
Ich drehe mich um und stehe Auge in Auge mit dem blöden Cop, der mich gestern angehalten hat. Er hat sie gerade „Schönheit“ genannt. Was zum Teufel …?
Als ich zu Dulce zurückschaue, sehe ich, wie sie sich mit ausdrucksloser Miene die Hände an ihrer hübschen rosa Schürze abwischt, auf der Sugar Coated Sweets eingestickt ist.
„Entschuldige“, sagt sie abweisend zu mir und schenkt dem Arschloch ein strahlendes Lächeln. „Wie geht’s, Danny? Ich brauche nur eine Minute.“
Dulce geht zur Kaffeemaschine, ohne zu fragen, was er will – offensichtlich weiß sie es also. Sie schnappt sich seinen frisch gebrühten Kaffee und fügt Milch und Zucker hinzu. Es nervt mich, dass sie so genau weiß, wie er ihn trinkt.
Am Morgen ist sie noch hübscher. Sie ist ungeschminkt, aber ich entdecke einen Hauch von Lipgloss auf ihren vollen Lippen. Ich kann nicht umhin, ihre figurbetonte Arbeitskleidung zu bemerken, und hasse die Tatsache, dass ihre Aufmerksamkeit diesem Arsch von einem Polizisten gilt.
Der Arsch tritt vor mich und versperrt mir die Sicht auf sie. Er wirft mir einen strengen Blick zu. Dann mustert er die Tattoos, die meine Arme vollständig bedecken, und vergleicht sie mit seinen. Nichts kommt an die filigranen Details der Rennstrecke und des Supersportwagens aus meinem ersten Rennen, an die Totenköpfe und Schattierungen eines berühmten Tattoo-Künstlers heran. Dann mustert er meine Richard-Mille-Armbanduhr, bevor er mich verächtlich ansieht.
Ich erwidere seinen Blick, ohne mich darum zu scheren, dass er Polizist ist. Wenn er mir auch nur den geringsten Grund dazu gibt, werde ich ihm trotzdem in den Arsch treten.
„Bitte sehr.“ Dulce stellt ihm sanft lächelnd seinen Kaffee und das Essen auf die Theke. „Ein Bagel mit Rosinen und Erdbeerfrischkäse und ein mit Sahne gefülltes Gebäck. Ich habe noch ein paar frische Macarons dazu gepackt. Wenn du sie heute nicht isst, während du draußen im Einsatz bist, um uns zu dienen und uns zu beschützen, leg sie nach deiner Schicht in den Kühlschrank, damit sie frisch bleiben.“
„Danke“, antwortet er. „Das hättest du nicht tun müssen, aber ich weiß es zu schätzen.“
Da bin ich mir sicher, du Arschloch. Jetzt bezahl und verschwinde.
Doch ich bin überrascht, als ich sehe, dass sie ihr iPad nicht herausholt und er seine Hand nicht in Richtung seiner Brieftasche bewegt. Verfluchter Schmarotzer.
Ich greife in die Tasche, hole etwa 150 Dollar heraus und gehe um ihn herum, um das Geld in das Trinkgeldglas zu stecken. „Meine Spende zur Unterstützung derer, die ‚dienen und beschützen‘. Für den Fall, dass sie es sich nicht leisten können, ihr Frühstück zu bezahlen.“
„Verdammt“, brummt Katie. „Autorennen sind lukrativ, was?“
„Nur, wenn man gewinnt“, entgegne ich mit einem spöttischen Grinsen, „und das tue ich.“
Die Damen trinken ihren Morgenkaffee. Eine der beiden stößt einen leisen Schrei aus und sagt zur anderen: „Ich habe dir doch gesagt, dass es Ford Keller ist.“
Ich grinse sie an.
Die Blondine rechts neben ihr kräht: „Meine Freundin findet Sie heiß.“ Die andere Frau stößt ihr den Ellbogen in die Rippen. „Das hören Sie sicher oft.“
„Ich kann nie genug davon bekommen“, erwidere ich mit einem charmanten Lächeln.
Dann richte ich meine Aufmerksamkeit wieder auf Danny, das Arschloch, der sich sein Essen und seinen Kaffee vom Tresen schnappt, und sage zu ihm: „Genießen Sie Ihr kostenloses Frühstück.“
Danny errötet, seine Kehle färbt sich violett, und er sieht aus, als wollte er etwas erwidern, beißt sich aber auf die Zunge. Ich bin sicher, dass er Angst hat, mit seiner Antwort seine Chancen bei Dulce zunichtezumachen.
An seinem Kiefer zuckt ein Muskel, während ich ihn finster anstarre. „Ist das da draußen Ihr Porsche?“ Er nickt Richtung Fenster. „Der steht nämlich in zweiter Reihe.“
Wir wissen beide, dass es mein Fahrzeug ist und dass es nicht in zweiter Reihe steht. Er will das draußen klären. Na gut, ich gehe darauf ein.
Ich wende mich an Dulce, die uns zusieht. „Bin gleich wieder da, Dulce.“ Ich senke meinen Blick auf ihre Lippen. „Geh nicht weg.“
Ich öffne die Tür und schenke dem Wichser ein falsches Lächeln. „Nach Ihnen, bitte, Officer.“
Er geht hinaus und bleibt vor seinem Streifenwagen stehen, die Hand an der Waffe. „Was zum Teufel glauben Sie, was Sie da tun?“
„Ich hole mir Frühstück“, entgegne ich mit einem Achselzucken.
„Sie wissen verdammt genau, wovon ich rede.“
Ich grinse. „Nicht wirklich. Ich hole mir nur ein Frühstück, denn ich habe gehört, bei Dulce gibt es das beste.“
Ich sehe, wie seine Augen bei der Erwähnung ihres Namens blitzen. Er ist bis über beide Ohren in sie verliebt. Ich hoffe nur, dass er ihr bisher nicht nähergekommen ist, als an sie zu denken, während er onaniert.
„Was tun Sie hier?“, fragt er.
„Ich stamme von hier. Im Gegensatz zu Ihnen.“
„Na, dann habe ich Neuigkeiten für Sie. Das ist jetzt meine Stadt, nicht mehr Ihre. Vielleicht liegen Ihnen hier ein paar Leute zu Füßen, weil Sie ein Promi sind, aber ich warne Sie. Die Frau da drin? Lassen Sie sie verdammt noch mal in Ruhe.“
„Ist das eine Drohung … Herr Polizist?“, frage ich kühl.
Er schenkt mir ein eisiges Lächeln. „Glauben Sie, ich kann Ihnen das Leben hier nicht schwer machen?“ Er öffnet die Fahrertür des Streifenwagens. „Sie haben einen Bleifuß, Keller. Passen Sie auf, wo Sie hintreten. Ich habe gehört, wie Sie und Ihre Freunde Dulce in der Highschool behandelt haben. Sie haben ihr vier Jahre lang das Leben zur Hölle gemacht. Eigentlich sogar acht Jahre, aber zumindest in den letzten vier war ich für sie da, während Sie außer sich selbst niemandem etwas Gutes getan haben. Es ist Ihnen doch völlig egal, was mit ihr passiert.“
Ich antworte ihm nicht und sehe ihm nach, als er wegfährt. Soll er denken, was er will.
Dann gehe ich wieder hinein.
Dulce Webster gehört mir.

Carmen Rosales
Carmen Rosales ist Bestsellerautorin für Dark Romance und Latinx-Romane. Wenn sie nicht schreibt, verbringt die hingebungsvolle Mutter ihre Zeit am liebsten mit ihrer Familie [...]
Carmen Rosales
Carmen Rosales ist Bestsellerautorin für Dark Romance und Latinx-Romane. Wenn sie nicht schreibt, verbringt die hingebungsvolle Mutter ihre Zeit am liebsten mit ihrer Familie [...]

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