Autorin

Carmen Rosales

Carmen Rosales ist Bestsellerautorin für Dark Romance und Latinx-Romane. Wenn sie nicht schreibt, verbringt die hingebungsvolle Mutter ihre Zeit am liebsten mit ihrer Familie und den Menschen, die ihr am Herzen liegen.


Gods of Westlake Prep


Einzelromane

Interview mit Carmen Rosales

Ich glaube, mich fasziniert, wie sich Menschen entwickeln, wenn sie in einer Welt mit eigenen Regeln leben. Egal ob in einer Mafiafamilie, an einer Eliteuniversität, innerhalb von Gangs oder einer Geheimgesellschaft, meist gibt es eine Hierarchie und einen Loyalitätskodex, der Konsequenzen nach sich zieht, wenn man gegen ihn verstößt. Die Figuren können nicht einfach gehen, sobald es unangenehm wird.
Diese Settings geben mir außerdem die Möglichkeit, mich mit Macht auseinanderzusetzen. Wer hat sie? Wer glaubt, sie zu haben? Was passiert, wenn jemand, der bisher immer alles kontrolliert hat, auf den einen Menschen trifft, den er nicht kontrollieren kann?
Ich liebe es, Figuren in Situationen zu bringen, in denen Begehren, Loyalität, das eigene Überleben und Moral miteinander in Konflikt geraten. Welten, in denen ganz eigene Regeln bestehen, verstärken das alles. Liebe wird gefährlicher, Verrat wird persönlicher, und jede Entscheidung hat Konsequenzen.
Und als Dark Romance Autorin kann ich dabei eine meiner Lieblingsfragen stellen: Was passiert, wenn der Mensch, der eigentlich eine Gefahr darstellen sollte, zu dem Menschen wird, bei dem du dich am sichersten fühlst?

Ich liebe es, in meinen Romanen Männer zu erschaffen, die allen außer der Frau, die sie lieben, Angst machen.
Mich faszinieren Figuren, die kaum moralische Grenzen kennen, aber plötzlich einen einzigen, absoluten Schwachpunkt entwickeln. Diese Männer mögen mächtig, gefährlich, besitzergreifend oder sogar skrupellos sein, doch auf einmal gibt es diese eine Frau, die ihnen mehr als alles andere auf der Welt bedeutet.
Meine Helden werden nicht zwangsläufig zu guten Männern, nur weil sie sich verlieben. Manchmal bleiben sie moralisch verwerfliche Männer, die sich einfach einer einzigen Frau vollkommen verschreiben.
Das finde ich viel interessanter.
Was Obsession angeht, erlaubt mir die Fiktion, Dinge auszuloten, die ich im echten Leben nicht unbedingt romantisch finden würde. Das ist ein Teil des Reizes von Dark Romance. Die Leserin weiß, dass sie das Buch jederzeit zuklappen kann.
Für mich muss sich diese Obsession allerdings weiterhin auf die Heldin als Person beziehen. Aber wenn er ihre Persönlichkeit vollständig auslöschen, ihre Individualität zerstören oder sie auf etwas reduzieren will, das er besitzt, statt auf jemanden, den er begehrt, verliert diese Dynamik für mich ihren Reiz.
Ich möchte, dass er von ihr besessen ist – einschließlich der Seiten an ihr, die er nicht kontrollieren kann.

Ich glaube nicht unbedingt, dass Liebe immer auf Anhieb entsteht, aber Anziehung kann das durchaus.
Du kannst einen Raum betreten, jemanden ansehen und sofort neugierig auf diesen Menschen werden. Manchmal verstehst du selbst nicht einmal, weshalb. Da ist einfach etwas an dieser Person, das deine Aufmerksamkeit auf sich zieht.
Ich liebe es, genau dort anzusetzen.
Bei meinen Figuren wird aus dieser ersten Anziehung oft Faszination, und aus Faszination wird Obsession. Die Beziehung selbst muss sich trotzdem erst entwickeln. Sie müssen die Schwächen, Geheimnisse, Grenzen und dunklen Seiten des anderen kennenlernen.
Das, was unmittelbar entsteht, ist also nicht unbedingt ein „Ich liebe dich“. Es ist eher ein „Warum kann ich nicht aufhören, an dich zu denken?“. Für mich ist das glaubwürdig, weil Menschen nicht immer rational sind, wenn es um Anziehung geht. Manchmal begreift dein Verstand erst viel später, was dein Körper sofort wahrgenommen hat.

Weil dich ein „Beinahe“ manchmal stärker verfolgen kann als etwas, das du tatsächlich hattest.
In einer klassischen Second Chance Romance wissen die Figuren, was ihre Beziehung einmal war. Sie haben einander geliebt, dann ist etwas passiert, dass sie auseinandergebracht hat, und nun müssen sie entscheiden, ob sie diese Beziehung wieder aufbauen können.
Eine unvollendete Beziehung bringt eine andere Art von Spannung mit sich. Es gibt kein richtiges Ende, weil es nie wirklich einen Anfang gab.
Stattdessen bleiben Fragen.
Was wäre passiert? Hast du dasselbe gefühlt wie ich? Warum hast du dich nicht für mich entschieden? Was wäre gewesen, wenn wir keine Angst gehabt hätten, nicht stur oder unreif gewesen wären oder uns einfach in einer anderen Lebensphase befunden hätten?
Ich liebe diese emotionale Spannung, weil beide Figuren völlig unterschiedliche Versionen derselben Vergangenheit mit sich herumtragen können. Wenn sie sich wiederbegegnen, müssen sie sich nicht nur miteinander auseinandersetzen, sondern auch mit all den Möglichkeiten, die sie sich über die Jahre ausgemalt haben.
„Manchmal ist der Mensch, mit dem du nie zusammen warst, derjenige, den du am schwersten vergessen kannst.“
Das ist ein Satz aus „Er liebt mich nicht“ bzw. „Er liebt mich“, der sehr treffend ist.

Extrem wichtig.
Stärke bedeutet nicht, dass meine Heldin immer die richtige Entscheidung trifft. Tatsächlich möchte ich das gar nicht. Auch echte Frauen treffen manchmal furchtbare Entscheidungen. Wir werden emotional. Wir werden stur. Wir begehren Menschen, die wir vermutlich nicht begehren sollten. Wir bleiben, obwohl wir gehen sollten, und manchmal gehen wir, obwohl wir bleiben wollen.
Selbstbestimmung bedeutet für mich, dass sie diese Entscheidungen selbst treffen darf.
Ich stelle dominanten Männern ganz bewusst willensstarke Frauen gegenüber, weil ich nicht möchte, dass die Beziehung nur deshalb funktioniert, weil er ihre Persönlichkeit unterdrückt. Ich will Reibung. Ich will, dass sie ihn herausfordert. Ich will, dass er erkennt: Nur weil er sie will, darf er noch lange nicht bestimmen, wie sie sich entwickelt.
Manchmal verlieren meine Heldinnen. Manchmal gehen sie Kompromisse ein. Manchmal treffen sie spektakulär schlechte Entscheidungen. Aber sie gestalten ihre eigenen Geschichten trotzdem mit.
Für mich bedeutet weibliche Stärke nicht Perfektion. Sie bedeutet, eine eigene Stimme zu haben – selbst wenn das, was diese Stimme sagt, kompliziert oder unbequem ist.

Mein kultureller Hintergrund fließt ganz selbstverständlich in mein Schreiben ein, weil er mitprägt, wie ich Menschen, Familien, Beziehungen und die Welt um mich herum wahrnehme.
Manchmal zeigt sich dieser Einfluss ganz offensichtlich in der Herkunft, der Familie, der Sprache, dem Essen oder den Traditionen einer Figur. Manchmal ist er viel subtiler. Er kann sich in familiären Dynamiken, Erwartungen, Loyalität, Humor, der Art, wie Menschen streiten, oder sogar darin zeigen, wie sie ihre Zuneigung ausdrücken.
Ich setze mich nicht hin und denke: „Ich muss daraus eine multikulturelle Geschichte machen.“ Ich schreibe die Welt so, wie ich sie kenne, und Vielfalt gehört ganz selbstverständlich zu dieser Welt.
Das ist tatsächlich einer der Gründe, warum ich mich so freue, dass nun auch deutsche LeserInnen meine Bücher kennenlernen. Ich möchte nicht, dass sie das Gefühl haben, meine Bücher anders betrachten zu müssen, nur weil ich eine Autorin mit lateinamerikanischen Wurzeln bin. Ich bin eine Romance Autorin, die ihre eigenen Erfahrungen und ihre kulturelle Perspektive in die Geschichten einbringt, die sie erzählt.
Diese Dinge sind Teil meiner Stimme, aber sie bestimmen nicht die Grenzen dessen, worüber ich schreiben darf.

Pole Fitness hat meine Wahrnehmung von Stärke verändert, weil es zeigt, dass Stärke schön und gleichzeitig feminin und sinnlich sein kann.
Es ist körperlich unglaublich anspruchsvoll. Du hebst dein eigenes Körpergewicht, kontrollierst Bewegungen, wirst beweglicher, lernst Techniken und machst Dinge, die dir anfangs unmöglich erscheinen. Und irgendwann schafft dein Körper sie dann tatsächlich.
Aber am meisten liebe ich daran, dass Stärke und Sinnlichkeit nicht als Gegensätze betrachtet werden.
Eine Frau kann gleichzeitig kraftvoll und sinnlich sein. Sie kann High Heels tragen, sich wunderschön bewegen, sich sexy fühlen und trotzdem eine unglaubliche körperliche Kraft besitzen. Das eine schmälert das andere nicht.
Das beeinflusst definitiv, wie ich über meine Heldinnen denke.
Ich glaube nicht, dass eine starke weibliche Figur Weiblichkeit oder sexuelle Selbstbestimmung ablehnen muss, um ihre Stärke zu beweisen. Sie kann verletzlich, sexuell selbstbestimmt, feminin, wütend, selbstbewusst, unsicher und kraftvoll sein. All das kann in ein und derselben Frau existieren.
Pole Fitness erinnert mich daran, dass Selbstvertrauen nicht unbedingt bedeutet, jede Seite an sich selbst in jedem einzelnen Moment zu lieben. Manchmal entsteht Selbstvertrauen dadurch, dass du entdeckst, wozu du fähig bist.
Ich glaube, dieser Gedanke findet sich in vielen meiner Heldinnen wieder: Sie kennen ihre eigene Stärke nicht immer schon zu Beginn der Geschichte. Manchmal entdecken sie sie erst im Laufe der Handlung.

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