Blended with Pain (Cash Bar)

Erhältlich u. a. bei:*

*Als Amazon- und Thalia-Partner verdienen wir an qualifizierten Verkäufen.

Teil der Serie: 11
Originaltitel: Blended with Pain: Notorious Devils (Cash Bar Book 4)
Übersetzung: Svenja Ohlsen
Location: Kanada
Buchtyp: Roman
Veröffentlichung: 03/2026
Preis eBook: 7,99 € (D)
Preis Print: 16,90 € (D)
ISBN eBook: 978-3-86495-830-4
ISBN Print: 978-3-86495-829-8
Inhaltsangabe

Carson ist eine Mutter ohne eigene Kinder. Stattdessen hat sie Axe großgezogen als wäre er ihr eigener Sohn. Er ist ihre Verantwortung und ihr Lebensinhalt. Sie würde kein anderes Leben führen wollen, auch wenn es nicht dem entspricht, wie sie es sich einst ausgemalt hat.

Tagsüber arbeitet sie als Kellnerin in einem Diner in einer texanischen Kleinstadt. Alleinerziehend und unauffällig, denn sie versteckt sie sich – mitten in der Öffentlichkeit.

Keys ist für seine kanadischen Brüder ein Rätsel. Frisch zu ihnen gewechselt von den Notorious Devils in North Dakota, übernimmt er nun als Technik-Experte eine neue Rolle im Club. Verantwortung war bisher nicht sein Ding. Sein Leben ist eine einzige große Party ohne Bindungen, Regeln und Verpflichtungen.

Bis er ein Diner in Texas betritt.
Er erkennt sie sofort wieder: Das Mädchen aus seiner Vergangenheit. Und doch ist sie nicht mehr dieselbe, denn sie ist erwachsen geworden.
Carson hütet ein Geheimnis. Eines, das in Keys große Wut entfacht. Und Besitzansprüche. Er hat sie einmal gehen lassen, aber das wird er kein zweites Mal tun.

Nicht jetzt.
Nicht, da er die Wahrheit kennt.
Nicht, da er beschlossen hat, Carsen für sich zu behalten.

Teil 11 der düsteren und leidenschaftlichen Reihe rund um den Notorious Devils MC von Hayley Faiman.

Keys

„Es in die Luft jagen?“, fragt Baby. Ich beobachte, wie er sich mit der Hand über das Gesicht fährt. „Bruder, all diese Frauen und Kinder …“ Er verstummt, und wir sehen, wie ein Mann eine Frau und ein Kind aus einem der Häuser auf ein Feld führt.
Wir beobachten alles schweigend. Der Mann hebt seinen Arm. Er hält etwas in der Hand, und dann spritzt überall Blut. Die Frau fällt zu Boden. Das Kind bewegt sich nicht, gibt keinen Laut von sich. Es hält seinen Kopf gesenkt und blickt vermutlich für einige Sekunden auf seine tote Mutter. Wir sind mitten im Nirgendwo und erwarten, das Kind schreien zu hören, doch das tut es nicht.
Der Mann wendet sich vom leblosen Körper der Frau ab und geht davon. Das Kind folgt ihm, ohne sich nach der Frau umzusehen. Wir sehen, wie es tatsächlich über ihren Körper hinwegsteigt und dem Mann hinterherläuft.
„All diese Frauen und Kinder“, knurrt Houston.
Ich schüttle den Kopf. Mein Bauchgefühl sagt mir, dass sie nicht alle verloren sein können. Schon zuvor haben wir diese Frauen und Kinder in Notunterkünfte im Norden gebracht. Könnten wir das hier nicht auch tun? Könnten wir nicht irgendwie versuchen, sie zu retten? Wir haben diesmal weder die Zeit noch die nötigen Leute dafür. Verdammt. Fish hat auch unseren Transporter mit der gesamten Ausrüstung mitgenommen.
„Fish hat uns reingelegt“, murre ich. „Das sollte doch angeblich so einfach sein, rein und raus. Diese Basis sollte auch viel kleiner sein, als sie ist.“
Houston grunzt, während Baby sich räuspert. „Ich kann diese Kinder nicht alle töten. Es ist mir egal, ob sie alle einer Gehirnwäsche unterzogen wurden. Ich kann es nicht tun.“
Ich nicke. „Ich auch nicht“, stimme ich zu. „Was auch immer wir tun, wir müssen es bis zum Ende des Tages erledigen. Morgen verlassen wir die Stadt. Das ist Snakes Befehl.“
„Lasst uns fahren, wir kommen um zwei Uhr morgens wieder. Dann schleichen wir uns hier rein“, schlägt Baby vor und zeigt auf den Zaun direkt vor uns. Bislang scheint dieser Teil des Geländes nicht besonders stark bewacht zu sein, ähnlich wie es in Kanada war.
Ich räuspere mich und hebe mein Kinn. „Wenn es so ist wie in Kanada, sind die Kinder irgendwo zusammen in einem sicheren Gebäude. Wir holen so viele wie möglich. Wir mieten einen Transporter in der Stadt und bringen so viele wie möglich nach Austin. Wir setzen sie bei einer Feuerwache oder so ab und verschwinden dann aus der Stadt“, schlage ich vor.
„Scheiße, ich hoffe, wir bringen uns bei diesem Mist nicht um“, mault Houston.
Ich grinse. „Das werden wir nicht, wir sind wie verdammte Katzen, wir haben neun Leben. Jetzt besorgen wir uns alles, was wir brauchen, um diesen Laden anzuzünden. Verteilt euch, holt nichts davon hier in der Stadt. Ich habe heute Nachmittag etwas zu erledigen, morgen kümmern wir uns um diese Anlage. Wir treffen uns um Mitternacht wieder im Motel, bevor wir losziehen.“
Baby runzelt die Stirn, als er mich ansieht. „Was könntest du hier schon zu erledigen haben?“, fragt er.
Ich erwäge, es zu verheimlichen, aber ich habe nichts zu verbergen, nicht vor ihnen. Sie sind jetzt meine Brüder. Außerdem, wenn das, was ich für das Ergebnis des heutigen Tages halte, tatsächlich eintritt, werden wir morgen auf der Heimfahrt zusätzliche Gesellschaft haben.
„Das Mädchen im Restaurant“, sage ich und räuspere mich erneut. „Ihre Schwester, meine Ex, ist gestorben. Ich habe ein bisschen nachgeforscht, weil ich wusste, dass sie etwas zu verbergen hatte. Sie hat ein Kind, das mir verdammt ähnlich sieht. Ich werde mal schauen, was da los ist.“
Houstons Augen weiten sich, und Baby stößt einen zischenden Fluch aus. „Sollen wir mitkommen als Verstärkung?“, fragt Baby.
Ich schüttle den Kopf, balle meine Hand zur Faust und stemme sie in meine Hüfte. „Nee, geht ihr und kümmert euch um die Feuerkraft. Ich kümmere mich um Carson.“
Wir trennen uns mit dem Versprechen, uns um Mitternacht im Motel zu treffen. Wir lassen das tote Mädchen auf dem Feld und das Gelände zurück und machen uns auf den einstündigen Weg in die Stadt. An einer Kreuzung biegt Baby ab, während Houston und ich weiter in Richtung Marble Falls fahren.
Ich winke ihm zum Abschied, als ich die Abzweigung zu der Straße hinter dem Café finde, in der Carson wohnt, wie sie gesagt hat. Ich hebe meine Hand, winke Houston mit zwei Fingern zu und steuere mein Bike die Straße hinunter. Sobald ich hinter dem Restaurant bin, fahre ich über den Parkplatz und dann über die Straße, bis ich an der Stelle bin, an der Carsons Haus sein müsste.
Die Häuser hier sind älter und klein, aber ihre Gärten sind groß und weitläufig. Es ist eine schöne Gegend, malerisch und ruhig. Ich zähle, bis ich zum dritten Haus auf der linken Seite komme, dann biege ich in die Kiesauffahrt ein. Vielleicht sollte ich nicht direkt vor der Haustür parken, aber ich bin nicht wirklich jemand, der sich um solche Feinheiten schert.
Ich klappe den Ständer meines Motorrads herunter, stelle den Motor ab und schaue mich schnell um. Auf der benachbarten Veranda steht eine kurvige dunkelhaarige Frau mit einer Flasche in der Hand, die mich ansieht. Ich winke ihr kurz zu, und ich könnte schwören, dass sie ihre Augen zu Schlitzen verengt und mich unverwandt anstarrt.
Als ich vor Carsons Haus stehe, klopfe ich an. Sofort höre ich die Stimme eines kleinen Jungen aus dem Inneren, und mein Herzschlag beschleunigt sich. Die Tür schwingt auf, und ich blicke in Augen, die aussehen wie meine eigenen.
„Axe, ich habe dir gesagt, du sollst ohne mich nicht an die Tür gehen“, hallt Carsons Stimme aus dem Haus, und sie erscheint hinter dem blonden, blauäugigen Jungen.
Ich kann meinen Blick nicht von ihm abwenden. Er gehört zu mir.
Das weiß ich, ohne zu fragen.
„Hallo, Sir“, begrüßt mich eine kleine Stimme mit einem leichten texanischen Akzent.
Carson räuspert sich, und erst dann hebe ich meinen Blick zu ihr. Tränen laufen ihr über die Wangen, und sie nickt, während ihre vollen Lippen zittern. Das ist die einzige Bestätigung, die ich brauche. Dieser Junge gehört zu mir. Aber wie zum Teufel?

Carson

Er weiß es, sobald er Axe ansieht. Er weiß, dass er sein Vater ist. Ohne ein Wort zu sagen, drückt er die Haustür auf, und ich schließe sie hinter ihm. Axe schaut von mir zu ihm, dann wieder zu mir, bevor er zu mir rennt und seine Arme um meine Beine schlingt.
„Es tut mir leid, Ace. Es tut mir so leid“, flüstere ich.
Er setzt sich auf mein kleines blaues Sofa, das ich von Roxie geerbt habe, als sie nebenan mit Tim zusammengezogen ist. Ace lässt das Sofa winzig erscheinen. Er lässt meine gesamte Einzimmerwohnung mikroskopisch klein erscheinen. Er füllt sie vollständig aus. Seine Emotionen lassen mich beinahe ersticken.
„CarCar?“, fragt Axe. Er neigt den Kopf nach hinten und schaut zu mir hoch.
„Ähm“, erwidere ich und weiß nicht, was ich sagen soll.
Axe hat offensichtlich Fragen. Er weiß, dass er irgendwo einen Vater hat. Er weiß, dass seine Mutter im Himmel bei den Engeln ist. Er weiß, dass ich seine Tante bin. Was er nicht weiß, ist, wer der Mann da vor ihm ist. Ich weiß nicht, wie ich es ihm erklären soll.
„Hey, kleiner Mann“, sagt Ace mit sanfter Stimme und löst damit die Spannung.
Axe neigt den Kopf zur Seite und macht einen Schritt von meinen Beinen weg. „Hey“, flüstert er.
„Weißt du, wer ich bin?“, fragt Ace mit vor Emotionen heiserer Stimme.
Mein Herz zerbricht in tausend Stücke. Er sollte genau wissen, wer Ace ist. Er hätte die ganze Zeit bei ihm sein sollen, aber zuerst hat meine verdammte Schwester es verhindert, dann ich und meine Schwächen. Ich wusste nicht, was ich tun sollte. Ich war dumm – ich bin dumm. Ich hätte das schon vor langer Zeit in Ordnung bringen sollen.
„Bist du mein Vater?“, fragt er.
Ace schaut auf und holt tief Luft. Dann richtet er seinen Blick wieder auf Axe. „Das bin ich, Kumpel“, krächzt er.
Axe zögert keine Sekunde länger. Er rennt von mir weg und springt in seine Arme. Ace legt seine riesigen Hände um ihn. Er zieht ihn an sich, und ich sehe, wie er sein Gesicht an Axe’ Hals vergräbt, tief einatmet und den Duft seines kleinen Jungen in sich aufnimmt.
Tränen steigen mir in die Augen, und ein Schluchzen entweicht meiner Kehle. Es ist der schönste Anblick, den ich je gesehen habe. Vater und Sohn, endlich vereint, so, wie es immer hätte sein sollen.
„Ace“, hauche ich, unsicher, was ich sonst noch sagen soll. Aber ich habe das Bedürfnis, die ohrenbetäubende Stille zu durchbrechen.
„Wir reden, wenn er eingeschlafen ist, Carson“, sagt er knapp.
Ich senke meinen Kopf und fühle mich traurig, besiegt, niedergeschlagen. Aber ich habe es verdient, ich habe seine Wut verdient. Ich gehe ein paar Schritte zurück, drücke meinen Rücken gegen die Wand und beobachte die beiden. Ace spricht leise mit Axe, fragt ihn, was ihn interessiert, und da blüht Axe auf. Er öffnet sich seinem Vater und holt all seine kleinen 99-Cent-Matchbox-Autos hervor, die ich ihm im Laufe der Jahre gekauft habe. Das sind seine Lieblingsspielzeuge, und zum Glück kann ich mir jedes Mal, wenn ich zu Walmart gehe, eines leisten.
Nachdem ich die zwei etwa eine Stunde lang beobachtet habe, beschließe ich, mich in die kleine Küche zu begeben, um das Abendessen zuzubereiten. Ich wusste nicht, wann Ace auftauchen würde, also habe ich dafür gesorgt, dass genug Essen für mindestens eine Mahlzeit für uns drei im Haus ist.
Ich mache mich an die Arbeit und hole ein paar Zutaten heraus. Ich habe mich für Tacos mit frischen Tortillas aus dem örtlichen Supermarkt entschieden. Das ist eines der Dinge, die ich an Texas liebe: Das Essen ist fantastisch. Ich nehme das Rinderhackfleisch aus dem Kühlschrank, gebe es in die Pfanne und brate es mit Gewürzen an.
Sobald das Fleisch brutzelt, schneide ich die Tomate, die Zwiebel und die Avocado klein. Eine Sache, an die ich mich bei Ace erinnere, ist seine Vorliebe für Avocados – Axe hat sie von seinem Vater geerbt. Als Nächstes reibe ich den Käse und lege dann alle Zutaten auf einen Teller, wobei ich sie schön anrichte.
Ich klappe den kleinen Küchentisch auf, ebenfalls ein Erbstück von Roxie. Langsam gehe ich zurück ins Wohnzimmer. Ace sitzt mit gekreuzten Beinen auf dem Boden und unterhält sich leise mit Axe. Sie lächeln sich an, und dann kichert Axe und wirft seine Arme um Ace’ Hals.
„Es ist Zeit zum Abendessen“, rufe ich.
Beide erstarren und drehen sich dann zu mir um. „Schon?“, fragt Ace.
Ich nicke. „Ja, Axe geht gegen sieben ins Bett. Er isst früh. Tut mir leid, du musst nichts essen, wenn du nicht willst, es gibt allerdings genug.“
Beide stehen auf, und Axe rennt zum Tisch, nimmt seinen üblichen Platz ein und wackelt vor Aufregung auf seinem Stuhl hin und her.
„Tacos“, bemerkt Ace.
„Mit Avocados“, verkündet Axe.
„Ja“, sagt Ace mit rauer Stimme, während er sich hinsetzt.
Ich beiße mir auf die Lippe und schaue vom Kühlschrank zu Ace. „Ich habe kein Bier. Ich habe nur Milch und Wasser.“
„Wasser, Babe“, antwortet er.
Ich nicke, nehme zwei Gläser und einen Plastikbecher aus dem Schrank, fülle unsere Gläser mit Wasser, gieße eine kleine Menge Milch in den Plastikbecher und bringe alles zum Tisch. Langsam lasse ich mich auf meinen Stuhl sinken und schaue vom Essen zu Axe hinüber. Er macht sich seinen Taco, flüstert vor sich hin und streckt dabei konzentriert seine kleine Zunge heraus.
„Lass uns essen, Carson, wir reden später“, wiederholt Ace.
Ich atme aus, nicke und greife nach meiner eigenen frischen Tortilla. Sobald meine beiden Tacos fertig sind, nehme ich einen in die Hand und knabbere am Ende herum. Ich kann nicht anders, als Ace dabei zuzusehen, wie er seinen eigenen Taco zubereitet. Er beginnt mit vier Tortillas, und meine Augen werden groß, als er den Großteil des Fleisches daraufgibt und dann alle möglichen Toppings hinzufügt, darunter auch Avocados.
Ich glaube, ich habe nicht genug Fleisch für diese Mahlzeit eingeplant. Ich fühle mich schuldig und mein Magen dreht sich um bei dem Gedanken, dass ich nicht genug zu essen gemacht habe. Ich hoffe, er denkt nicht, dass ich Axe nicht versorgen kann oder dass ich mich nicht gut um ihn kümmere. Ich habe so hart gearbeitet, um ihm ein gutes Leben zu ermöglichen.
„Scheiße.“ Ich schrecke hoch, und seine Augen werden groß. „Ich meine, verdammt. Äh, ich meine, das ist wirklich gut, Carson“, stammelt er.
Axe bemerkt es nicht, er ist zu sehr damit beschäftigt, zu stöhnen, während er einen Bissen nach dem anderen in seinen Mund schiebt.
„Danke, Ace.“
„Keys“, grunzt er.
Ich runzele die Stirn bei seinen Worten.
„Keys ist mein Straßenname. Ich bin in einem Motorradclub. Niemand kennt mehr meinen richtigen Namen“, erklärt er mit einem Schulterzucken.
„Oh“, stoße ich aus und stecke mir eine Haarsträhne hinter das Ohr. „Soll ich dich jetzt so nennen?“
Jetzt ist er an der Reihe, die Stirn zu runzeln, und er reibt sich das Kinn. „Vielleicht. Nein. Ich weiß es nicht. Ich mag es, wie du meinen Namen aussprichst“, gibt er zu.
Meine Wangen werden heiß, und ich spüre, wie mich das Verlangen überkommt, das ich immer verspürt habe, wenn er in der Nähe war. Er war immer Sadies Freund, aber seit ich ihn kennengelernt habe, finde ich ihn heiß. Ich kann meinen Körper nicht davon abhalten, auf ihn zu reagieren. Keine Frau könnte das.
Ace zwinkert mir zu und nimmt einen weiteren großen Bissen. Zum Glück erwähnt er weder mein gerötetes Gesicht noch unsere offensichtliche Anziehungskraft. Wir verbringen die nächste Stunde damit, zu essen und zu plaudern, hauptsächlich über Axe. Er ist der Mittelpunkt unserer Unterhaltung, und das gefällt mir. Ich habe Angst davor, was passieren wird, wenn Axe ins Bett geht, aber im Moment versuche ich, nicht darüber nachzudenken, während ich ein echtes Familienessen genieße – das erste Familienessen, das ich jemals wirklich hatte.

 

Ich räume die Küche auf und bringe Axe ins Bett. Bevor er einschläft, verlangt er von Ace eine Gutenachtgeschichte. Ace kommt dieser Bitte gern nach, also bleibe ich in der Tür stehen und beobachte, wie ein Vater seinem Sohn zum ersten Mal eine Gutenachtgeschichte vorliest.
Axe’ Augen werden schwer. Sein Tag war viel aufregender, als er es sich jemals hätte vorstellen können. Erst als er eingeschlafen ist, steht Ace auf. Er dreht sich zu mir um, geht leise aus dem Schlafzimmer und schließt die Tür, bis sie nur noch einen Spalt offen ist.
Ace’ Augen treffen meine, und sie sind voller Wut. „Raus“, knurrt er.
Ich beobachte, wie er zu meiner Hintertür stapft, ohne zu zögern hindurchgeht und in den Garten tritt. Ich atme tief ein, langsam aus und folge ihm dann. Als ich draußen in der Hitze der texanischen Abendluft stehe, schaue ich zu Roxannes Haus hinüber. Ich sehe, dass ihr Verandalicht an ist, und entdecke sie dann, wie sie in ihrem Schaukelstuhl sitzt. Sie beobachtet uns. Bei diesem Anblick muss ich fast lächeln.
„Was zum Teufel, Carson?“, fragt Ace mit unheimlich kühler und ruhiger Stimme.
Ich drücke meinen Zeh in den Staub und sehe zu, wie sich die Erde unter meinen Füßen zu bewegen scheint. Ich weiß nicht, was ich sagen soll. Nichts, was mir einfällt, würde diese Situation wieder in Ordnung bringen. Vielleicht werde ich endlich von der Schuld befreit, die mich seit fast fünf Jahren quält.
„Er gehört mir, und du hast mir nie davon erzählt“, sagt er mit rauer Stimme.
Als ich meinen Blick zu ihm hebe, füllen sich meine Augen mit Tränen.
„Ich habe Sadie angefleht, dich anzurufen, dir wenigstens zu sagen, dass sie schwanger ist“, flüstere ich. „Sie hat sich geweigert. Als er geboren wurde, habe ich sie erneut angefleht. Sie sagte mir, es sei egal. Ich wusste, dass es wichtig war, ich wusste, dass du es wissen wolltest. Als er einen Monat alt war, starb sie an einer Überdosis Meth. Ich habe sie gefunden. Axe schrie in seinem Bettchen, und sie war tot. Ich wusste nicht, was ich tun sollte.“
Ace knurrt, kommt auf mich zu und sieht auf mich herab. Er wirkt riesig, einschüchternd, furchterregend, als er mich mit purer Wut im Gesicht anstarrt. Wenn Menschen Feuer speien könnten, würde er das jetzt tun, mich komplett einhüllen und mich zu einem verdammten Häufchen Asche verbrennen.
„Es ist vier Jahre her, seit sie gegangen ist, Carson“, knurrt er.
Ich zucke vor seiner Wut zurück, und er muss denken, dass ich weglaufen will, denn er packt mich mit beiden Händen fest an den Oberarmen und schüttelt mich heftig. Meine Lippen zittern, und ich versuche, zu sprechen, ihm zu sagen, dass ich einmal angerufen habe, aber es kommt nicht schnell genug heraus. Ich möchte ihm von dem Mädchen erzählen, das ihn Baby genannt hat, davon, dass ich dachte, er hätte sich weiterentwickelt, aber er schüttelt mich immer heftiger, sodass mein Kopf wie bei einer Stoffpuppe hin und her schlägt.
„Hey, lass sie los“, schreit Roxie von ihrer Terrasse aus.
Ace greift fester nach meinen Armen, und ich wimmere. „Halt die Klappe, Schlampe“, brüllt er.
Roxanne macht einen Schritt zurück, dann stürmt sie auf uns zu. Gott sei Dank sind die Häuser alt und die Gärten offen. Obwohl ich mir nicht sicher bin, ob Roxanne es mit dem Berg von einem Mann aufnehmen kann, der Ace ist.
„Ace, du tust mir weh“, sage ich und versuche, ihn davon abzuhalten, Roxanne oder mir etwas anzutun.
Seine Aufmerksamkeit richtet sich wieder auf mich, doch er lässt meine Arme nicht los. Mit steinhartem Blick starrt er mich an und lässt mich vor Angst erschauern. „Du hattest vier verdammte Jahre Zeit, Carson. Was ist deine verfluchte Entschuldigung für diese Scheiße?“, fragt er mit zusammengebissenen Zähnen.
„Ich habe keine Entschuldigung, keine. Ich habe nur versucht, zu überleben, Ace. Ich war neunzehn, verängstigt und allein mit einem Neugeborenen“, stammle ich unter Tränen. Was bringt es, ihm alles zu erzählen? Es wird weder seinen Schmerz noch seine Wut lindern.
Roxanne greift nach seinem Arm und versucht, ihn von mir wegzuziehen. Es funktioniert nicht, er ist zu wütend, zu stark. Er lässt meinen Arm los, nur um seine Hand auf ihre Brust zu drücken und sie wegzustoßen. Sie stolpert zurück, aber er stößt sie nicht so stark, dass sie hinfällt.
„Pack seine Sachen und deine auch. Wir fahren morgen früh los“, knurrt er.
Dann stößt er mich weg. Leider ist er nicht so sanft zu mir wie zu Roxanne, und ich lande auf meinem Hintern, die Beine vor mir ausgestreckt.
Roxanne hockt sich innerhalb von Sekunden neben mich. „Du weißt nicht alles, Ace. Wenn du das tätest, wärst du vielleicht nicht so ein verdammter Arsch“, spuckt sie aus.
Er schüttelt den Kopf, ballt die Faust und stemmt sie in seine Hüfte. „Ich muss nicht alles wissen, du Miststück. Ich weiß nur, dass Carson wusste, wo sie mich finden und wie sie mich erreichen kann, und dass sie es nicht getan hat. Ich weiß nur, dass sie mir mein Kind vier verdammte Jahre lang vorenthalten hat. Pack deine verfluchten Sachen und sei um acht Uhr morgens bereit, dann fahren wir.“
„Wohin?“, frage ich.
Ace sieht auf mich herab, und ein Grinsen huscht über seine Lippen. „Kanada.“
Ich wiederhole das Wort in meinem Kopf, und als er vorbeigehen will, greife ich nach seinem Knöchel. „Wir haben keine Pässe, und ich kann nicht einfach für unbestimmte Zeit in ein anderes Land gehen. Ich habe einen Job, ich habe Verpflichtungen.“ Ich weiß bereits, dass ich die Miete niemals bezahlen kann, ohne jeden Tag zu arbeiten, denn Geld erscheint nicht einfach wie von Zauberhand auf meinem Girokonto.
Er lacht bitter und spuckt dann auf den Boden. Ich halte den Atem an, als er sich leicht vorbeugt. „Du arbeitest in einem verdammten Diner. Du hast Mietschulden und sonst keine weiteren Verpflichtungen.“ Er schaut zu Roxanne und dann zu mir. „Du kommst nicht zurück. Pack, was du willst, in dein Auto. Alles andere kann verrotten.“
Er geht davon, ohne sich noch einmal nach uns umzusehen. Ich bleibe auf dem Boden im Dreck sitzen und weine. Roxanne setzt sich neben mich, legt ihre Arme um mich und hält mich fest, während ich schluchze „Ich wünschte, ich hätte mehr helfen können“, flüstert sie nach ein paar Minuten.
Ich schüttle den Kopf. „Es ist alles meine Schuld. Er hat recht, ich hätte es ihm schon vor all den Jahren sagen sollen.“
Sie drückt mich fest an sich. „Er hatte keinen Grund, dich zu packen und so zu schubsen, Carson. Keinen, egal, wie wütend er ist“, sagt sie mit zusammengebissenen Zähnen.
Ich nicke. „Ich habe ihm sein Kind vier Jahre lang vorenthalten, Roxie. Ich glaube, er wusste gar nicht, was er tat. Er ist wütend, verbittert und einfach nur stinksauer. Und er hat jedes Recht dazu.“
„Gehst du mit ihm?“, fragt sie.
Ich zucke mit den Schultern. Meine Antwort ist klar, ich habe mich entschieden, aber mein Mund ist noch nicht bereit, es auszusprechen. „Ich werde um halb acht mit meiner Tasche bei dir sein“, erwidert sie.
Ich beobachte sie, wie sie dasteht, greife nach ihrer ausgestreckten Hand, und sie hilft mir auf. „Was redest du da?“
Sie schnaubt. „Tim fickt jede versaute Schlampe in der Stadt. Ich habe ihm gesagt, dass ich ihn heute Abend zu Hause brauche, und er hat mir mitgeteilt, ich solle mich verpissen. Ich bin fertig mit ihm. Ich finde, Kanada klingt verdammt gut.“ Sie zwinkert mir zu.
Ich schaue ihr mit offenem Mund nach, wie sie mit wiegenden Hüften davongeht. „Roxie“, rufe ich ihr hinterher. Sie dreht sich um und schaut mich über die Schulter hinweg an. „Das kann ich nicht von dir verlangen. Ich weiß nicht, was mich erwartet, wenn ich hier weggehe. Ich weiß nicht, was passieren wird“, flüstere ich.
Ihr Lächeln breitet sich über ihr ganzes Gesicht aus, und sie zwinkert mir zu. „Es ist Zeit für eine Veränderung.“ Sie zuckt mit den Schultern und eilt davon.
Ich gehe nicht direkt hinein, sondern zu dem kleinen Stuhl, den ich neben dem Haus stehen habe, und setze mich hin. Ich schaue hinauf in den weiten Himmel von Texas. Ich bin dankbar, dass ich zwar in einer Stadt lebe, aber nicht in der Großstadt, und dass ich all die Sterne sehen kann, die den Himmel übersäen.
„Verdammt, Sadie, warum?“, fluche ich leise. „Warum hast du es ihm nicht gesagt? Warum habe ich es ihm nicht mitgeteilt? Warum tut das alles so verdammt weh? Ich habe Angst, verflucht große Angst, große Schwester.“
Sadie antwortet nicht – natürlich würde sie das selbst dann nicht tun, wenn sie noch am Leben wäre. Sie würde sagen: „Das ist bloß ein Spiel, Miststück“ und zu ihrem nächsten Abenteuer davonlaufen. Zum nächsten Kerl, zum nächsten Rausch.
Wie auch immer, sie würde mit einem Lächeln im Gesicht einfach auf die Welt scheißen.
„Verflucht“, zische ich. Ich schließe die Augen und atme tief ein. „Scheiße.“

Keys

Ich lasse Axe in seinem Bett zurück und Carson auf ihrem Arsch sitzend im Garten. Mein Herz schmerzt, während ich auf meiner Maschine davonbrause. Ich verspüre den Wunsch, zu bleiben, mich zu vergewissern, dass es ihr gut geht, mich dafür zu entschuldigen, dass ich ein Arschloch war. Aber je weiter ich von ihnen wegfahre, desto wütender werde ich.
Sie hat mir mein Kind vorenthalten, meinen verdammten Sohn.
Meinen.
Scheiß drauf.
Ich muss nicht nett zu ihr sein, egal, wie sexy sie ist. Egal, wie knackig ihr Arsch ist, und obwohl ihre Titten aussehen, als würden sie perfekt in meine Handflächen passen. Egal, wie sexy ihre verdammten Lippen sind oder wie fantastisch sie um meinen Schwanz passen würden. Ich bin immer noch stinksauer auf sie.
Am Motel angekommen, stelle ich den Motor meines Bikes aus und steige ab. Ich schaue mich um und bemerke, dass die anderen beiden schon da sind, also jogge ich zu unserem Zimmer. Als ich die Tür mit der Schlüsselkarte öffne, schauen beide zu mir auf.
„Er gehört zu dir, oder?“, fragt Houston.
„Er ist von mir, ja.“
Baby nickt. „Was passiert jetzt?“
„Carson kommt mit uns nach Kanada und bringt mein Kind mit.“
Baby runzelt die Stirn und fährt sich mit der Hand durch sein kurzes Haar. „Carson?“, fragt er und zieht eine Augenbraue hoch. Als ich keine weitere Erklärung abgebe, fährt er fort: „Was passiert dann mit ihr? Nachdem sie ihn am Clubhaus abgesetzt hat?“
Ich grinse. „Sie bleibt.“
„Bruder, bist du dir sicher, dass du das machen willst? Das ist eine verdammt heikle Angelegenheit, die du da anpackst. Die Schwester deiner Ex-Freundin und dein Kind? Du weißt, dass Snake nicht begeistert sein wird, wenn du eine Frau mitbringst, die nicht zu dir gehört.“
„Sie kann in dem Wohnwagen hinter der Bar wohnen. Verdammt, sie kann sogar in der Bar arbeiten, das ist mir völlig egal. Die haben sowieso in letzter Zeit alle Hände voll zu tun“, schieße ich zurück.
Baby schüttelt den Kopf, presst die Lippen zusammen, sagt aber nichts. Wir verbringen die nächsten paar Stunden damit, unseren Plan für die Ranch durchzugehen, alle Gespräche über Carson und Axe werden eingestellt. Houston holt ein Stück Papier heraus und zeichnet eine grobe Karte des Geländes, dann markiert er mit einem Kreis die Stelle, an der er die Kinder vermutet.
„Was passiert, wenn wir sie beim ersten Stürmen nicht finden?“, fragt Baby, nachdem wir besprochen haben, wie viel Zeit wir haben und wie schnell wir das verdammte Ding niederbrennen müssen.
Ich schüttle den Kopf. „Wir dürfen nicht erwischt werden, Baby. Wir sind hier ganz allein. Das sollte eigentlich ein schneller Einsatz werden. Andere Crews werden uns in den Anlagen in Montana und South Dakota helfen, aber das hier liegt ganz bei uns. Es wäre ein schwerer Schlag, aber wenn wir sie nicht herausholen können …“ Ich lasse meinen Satz unvollendet.
Der Gedanke daran macht mich krank. Die Vorstellung, Frauen und Kinder zu töten, vor allem aber Kinder, dreht mir den Magen um. Ich hoffe, dass es nicht so weit kommt. Ich weiß, dass wir drei uns einig sind, dass das das Letzte ist, was wir wollen.
„Hast du den Van?“, frage ich Houston.
Er hebt sein Kinn, die Stimmung im Raum ist gedrückt. „Roger, Bruder“, bestätigt er.
Gemeinsam sammeln wir alles ein, was wir brauchen, und laden es in den Van. Ein gemieteter Wagen, nur für diesen Anlass, da Fish mit dem SUV des Clubs abgehauen ist. Zu dritt machen wir uns auf den Weg zum Gelände, Houston fährt.
Die gesamte Fahrt verläuft schweigend. Meine Gedanken kreisen um Carson und Axe, darum, was die Zukunft für uns bereithält. Vielleicht sollte ich sie nicht zwingen, mit uns zurückzukommen. Aber ehrlich gesagt, ich habe keine Ahnung, wie man sich um ein Kind kümmert, und sie war sein ganzes Leben lang Axe’ einzige Bezugsperson. Ich will es nicht zugeben, aber ich brauche sie.
Houston fährt den Van rückwärts an unseren Aussichtspunkt von heute Morgen heran und stellt dann den Motor ab.
„Bist du sicher, dass diese Seite nicht überwacht wird?“, fragt Baby mich.
Ich hebe mein Kinn. „Ich bin mir sicher“, sage ich und greife nach der Bolzenschere. Wir werden ein Loch in den Zaun schneiden und dann versuchen, so unbemerkt wie möglich zu der Gebäudegruppe zu gelangen, von der wir glauben, dass die Kinder dort festgehalten werden.
Langsam und leise schleichen wir zum Zaun hinüber. Es dauert nicht lange, bis ich ein Loch hineingeschnitten habe, das groß genug ist, um hindurchzukriechen. Wir drei ziehen unsere Waffen, während wir über das Feld gehen. Als der Wind in unsere Richtung weht, steigt uns ein fieser Geruch in die Nase, und ich muss fast würgen.
„Sie ist noch hier“, flüstert Houston, während sein Blick auf den Boden vor ihm gerichtet ist.
Wir bleiben alle stehen und schauen auf die arme Frau hinunter, deren Ermordung wir mit angesehen haben. Wer auch immer dieser Mann war, er hat sie einfach hier liegen lassen, damit sie verrottet. Ich senke den Kopf, um ihr meinen Respekt zu zollen, während Houston etwas vor sich hin flüstert, wahrscheinlich eine Art Gebet.
„Ich werde kein schlechtes Gewissen haben, wenn ich diese Arschlöcher abknalle, das ist verdammt sicher“, knurrt er, als er sich wieder zu uns umdreht.
Ich schnaube. „Ich auch nicht“, stimme ich zu.
Wir wenden uns der Gebäudegruppe zu und beeilen uns. Ich muss meinen Sohn nach Hause bringen, dorthin, wo er hingehört. Dann muss ich mir überlegen, was ich mit Carson anstelle. Ich weiß, was mein Schwanz mit ihr machen will, aber was danach kommt, weiß ich noch nicht.

Hayley Faiman
Als Einzelkind musste Hayley Faiman sich mit sich selbst beschäftigen. Im Alter von sechs Jahren begann sie, Geschichten zu schreiben, und hörte nie wirklich damit auf. Die gebürtige Kalifornierin lernte ihren heutigen Ehemann im Alter von sechzehn Jahren kennen und heiratete ihn mit zwanzig Jahren im Jahr 2004. [...]
Hayley Faiman
Als Einzelkind musste Hayley Faiman sich mit sich selbst beschäftigen. Im Alter von sechs Jahren begann sie, Geschichten zu schreiben, und hörte nie wirklich damit auf. Die gebürtige Kalifornierin lernte ihren heutigen Ehemann im Alter von sechzehn Jahren kennen und heiratete ihn mit zwanzig Jahren im Jahr 2004. [...]

Ähnliche Produkte

Neu erschienen

Nach oben scrollen