Hard to Resist

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Teil der Serie: 2
Originaltitel: –
Übersetzung: –
Location: USA, Kalifornien, Gilroy
Buchtyp: Roman
Veröffentlichung: Winter 2025/26
Preis eBook: 7,99 € (D)
Preis Print: 16,90 € (D)
ISBN eBook: 978-3-86495-800-7
ISBN Print: 978-3-86495-799-4
Inhaltsangabe

Elizabeth

Manchmal frage ich mich, wie viele Kämpfe ein Mensch verlieren kann, bevor nichts mehr von ihm übrig bleibt.

Ich habe mich aus der Hölle gekämpft und mein altes Leben hinter mir gelassen – und ich werde nie wieder dorthin zurückkehren. An diesen Gedanken klammere ich mich jeden Tag. Doch ein Moment der Leichtsinnigkeit reicht, und meine Vergangenheit holt mich ein: Mein ehemaliger Peiniger Caleb ist zurück. Mächtiger. Besessener. Gefährlicher. Und er weiß genau, wie er mich zwingen kann, mich ihm wieder zu beugen.

Ich weiß, dass ich allein nicht mehr lange durchhalte. Aber Hilfe annehmen? Niemals. Nicht nach allem, was ich erfahren musste.

Dann steht Hunter vor mir: ein Mann aus der gleichen Welt wie Caleb – und trotzdem so anders. Der Mann, der mich sieht, obwohl ich alles tue, um unsichtbar zu bleiben.

Aber was, wenn ich ihn zu nah heranlasse? Verliere ich dann das Einzige, was mir noch geblieben ist – die Kontrolle über mein Herz? Kann ich es mir wirklich leisten, noch einmal alles zu verlieren?

Hunter

Ich bin kein Held. Ich habe schon viele Menschen kämpfen, bluten und fallen gesehen. Und ich erkenne den Blick von jemandem, der kurz davor ist.

Elizabeth tut alles, um mich auf Abstand zu halten, trotzdem zieht sie mich an wie keine Frau vor ihr. Ich weiß, sie hat Geheimnisse. Und ich weiß, dass jemand sie längst im Würgegriff hat. Aber ich schwöre, dass ich jeden aus dem Weg räumen werde, der ihr zu nahe kommt. Vielleicht bin ich genau derjenige, den sie braucht. Sogar wenn ich dabei gegen ein Monster kämpfen muss, das glaubt, sie gehöre ihm.

Mach dich bereit für die nächste explosive Fahrt mit dem Devil’s Wheels MC – Teil 2 der leidenschaftlichen Reihe über verlorene Seelen und dunkle Geheimnisse.

Hunter

Die Tür des Diners schwingt auf, das vertraute Schellen der Glocke darüber kündigt den nächsten Gast an. Aber ich sitze mit dem Rücken zu allem und jedem. Meine Welt besteht gerade nur aus dem dampfenden Becher Kaffee vor mir, der mich mehr anlacht als eine der halb fertigen Skizzen, die ich seit einer Stunde vor mir herschiebe.
Seit dem Unfall habe ich nichts anderes zu tun, als mich überflüssig zu fühlen. Meine Brüder erledigen die Aufträge im Club allein, als wäre ich nur noch eine hübsche Dekoration auf den Partys nach ihrer Rückkehr. Und mein Tattoo-Studio … Ich vertröste die Kunden, telefoniere mich durch die Liste und handele Terminverschiebungen aus. Dabei ist Skizzenzeichnen das Einzige, was ich gerade halbwegs hinkriege. Und selbst das fällt mir schwer, wenn mein Arm vor Schmerzen zu zittern beginnt und ich nicht mal ein beschissenes Blatt richtig festhalten kann.
Ich stütze mich auf den Unterarm, ignoriere das dumpfe Ziehen in meinem Ellenbogen und zeichne eine weitere Linie. Der Leopardenkopf auf dem Papier sieht aus wie jeder andere. Kein Gefühl, kein Leben, nichts, worauf ich stolz sein könnte.
„Hunter?“
Eine sanfte Stimme reißt mich aus meinen Gedanken. Nora steht mit einem Lächeln an meinem Tisch. „Ich habe gerade Frühstück für Harper bestellt, bevor wir uns den neuen Kindergarten anschauen.“
Sie hat ihre Tochter hier in Gilroy angemeldet, um näher bei Finn sein zu können und Harper ein unbeschwertes Leben zu ermöglichen – insofern das möglich ist, solange ihr Vater im Koma liegt. Außerdem können wir Jungs so jederzeit ein Auge auf die beiden haben.
„Setz dich so lange zu mir“, sage ich automatisch und deute mit dem Kinn auf die Lederbank gegenüber.
„Ich habe nur eine Minute. Harper wartet im Auto und hört ein Hörspiel“, erklärt Nora und bleibt stehen. Ihr Blick fällt auf meine Zeichnung. „Das ist schön. Könnte ich so etwas auch bekommen?“
„Für dich zeichne ich etwas Einzigartiges.“ Ich mustere sie kurz. Sie trägt eine Jeans, wie immer, als wollte sie bewusst ihr Tattoo verbergen. Lily hat mir erzählt, dass sie ein Clubtattoo auf ihrem Oberschenkel trägt – der Name des verfluchten Clubs ihres Vaters ist für immer auf ihrer Haut verewigt.
„Zeigst du es mir irgendwann?“, frage ich leichthin und deute mit meinem Stift auf ihren Oberschenkel. Sie erstarrt, und ich schiebe nach: „Nur, damit ich es besser überdecken kann. Nach allem, was ich darüber gehört habe, passt es nicht mehr zu dir. Ich könnte dir ein schönes Cover-up machen.“
Nora entspannt sich ein wenig, ihre Lippen zucken zu einem dankbaren Lächeln. „Vielleicht. Irgendwann.“
„Es wird Zeit, dass du nicht mehr jeden Tag an ihn erinnert wirst“, füge ich hinzu. Mittlerweile ist uns allen klar, dass ihre Anwesenheit bei uns nicht nur eine Übergangslösung ist. Also sollten wir auch die letzten Ketten, die sie an ihren Vater binden, endlich verschwinden lassen. „Du gehörst zu uns, Nora. Wir sind jetzt deine Familie. Dieses Kapitel gehört hoffentlich der Vergangenheit an?“ Auch wenn sie bereits mehrfach bewiesen hat, dass wir ihr vertrauen können, bin ich weiterhin vorsichtig. Finn ist mein bester Freund, und alles, was mit Nora Steeles Vergangenheit zu tun hat, kann ihm und uns gefährlich werden.
Nora nickt langsam, ihre Augen verraten, dass sie genau versteht, was ich zwischen den Zeilen mitschwingen lasse. Dann gleitet ihr Blick über meinen Arm, der leicht zittert, während ich den Stift auf dem Tisch hin und her schiebe. Sie sagt nichts. Niemand im Club spricht es an, solange ich es nicht tue. Die Arbeit und der Club leiden darunter und mein geliebtes Bike ebenfalls. Ich schaffe es nur, kurze Strecken zu fahren, danach lehren mich die Schmerzen, was ich für ein Idiot bin, weil ich nicht einfach Jacks Pick-up-Truck nehme.
Noras Bestellung kommt, und sie verabschiedet sich.
„Warte.“ Ich kritzele schnell etwas auf ein leeres Blatt und reiche es ihr. „Für Harper.“
Eine Karikatur von dem kleinen Wirbelwind in einem Superheldenkostüm mit ihrem Stoffhund an ihrer Seite. Nora sieht es sich an und lacht leise, ein ehrliches Lachen, das in letzter Zeit bei uns allen recht selten geworden ist. Harper hat Glück, so jemanden wie sie als Mutter zu haben. Nora ist unglaublich stark, sie hält alles zusammen, trotz Finns Zustand. Für ihre Tochter und für uns. Sie ist wie ein neues Licht im Club, das uns daran hindert, die Hoffnung zu verlieren.
„Danke, Onkel Riley“, sagt sie schließlich im gespielten Ton ihrer Tochter und wirft mir ein sanftes Lächeln zu, bevor sie mit der Zeichnung in der Hand aus dem Diner verschwindet.
Kurz darauf klingelt die Glocke an der Tür erneut, und ich sehe über die Schulter, um zu prüfen, ob Nora etwas vergessen hat. Doch dann bleibt mir beinahe die Luft weg.
Elizabeth?
Sie trägt eine Sonnenbrille, aber ich erkenne sie sofort.
Ich sitze da, unfähig, mich zu bewegen, während sie hereinkommt. Fuck, was tut sie hier? Und warum sieht sie so aus, als würde sie ein Chaos mit sich bringen, das sie beinahe in die Knie zwingt? Ihre Haare sind zu einem zerzausten Knoten hochgesteckt, und ihre Haltung wirkt erschöpft, als hätte sie kaum geschlafen.
Ich sinke tiefer auf der Bank und greife hastig nach meinen Zeichnungen, um sie zusammenzuraffen. Ich muss hier weg, bevor sie mich sieht. In meinem Kopf schwirren tausend Gedanken, keiner davon ergibt einen klaren Plan, wie ich sie nach ihrem wortlosen Abgang beim letzten Mal für mich gewinnen könnte, und ich will auf keinen Fall die erste Gelegenheit mit ihr allein in den Sand setzen.
Eine der Skizzen rutscht vom Tisch und landet direkt vor ihren Füßen. Natürlich. Perfektes Timing, wie immer. Mein Magen zieht sich zusammen, als sie die Zeichnung aufhebt.
Elizabeth mustert die Skizze. Ein winziges Schmunzeln umspielt ihre Lippen, bevor sie sie mir reicht. „Einhörner und Schmetterlinge liegen dir besser.“
Ist das ein Versuch, mich auf den Arm zu nehmen? Oder eine lockere Bemerkung, um die Spannung zu lösen? Es ist schwer einzuschätzen, was sie wirklich denkt, und das treibt mich beinahe in den Wahnsinn.
Ich reiße ihr das Papier förmlich aus der Hand. „Hi, Doc“, versuche ich, mich halbwegs lässig zu geben, aber ich bin mir sicher, dass mein Tonfall mehr nach nervösem Jungen als nach abgebrühtem Mann klingt. Ich rolle die Zeichnungen zusammen, stehe auf und schiebe sie in die Gesäßtasche meiner Jeans, während Elizabeth sich auf die Bank mir gegenüber sinken lässt.
Passiert das gerade wirklich?
„Ich suche Jack.“
Na klar. Warum sollte sie sonst hier sein? Sicher nicht, um mit mir Small Talk zu halten. Ich setze mich wieder hin und verschränke die Arme vor der Brust. „Er ist nicht in der Stadt.“
Er ist heute zu Marcus gefahren, um ihn zu bitten, gemeinsam an einem Medikament zu arbeiten, das Harper helfen könnte, falls sich die Krankheit wieder bemerkbar macht.
Ich zögere einen Moment, bevor ich hinzufüge: „Er ist mit Lily bei ihrem Vater. Sie ist seine Freundin. Es ist ernst zwischen den beiden.“
„Aha.“ Ein leichtes Grinsen huscht über ihr Gesicht. „Ich weiß, wer Lily ist.“
Verdammt. Den Kommentar hätte ich mir sparen können. Er klang viel zu auffällig, fast wie eine Warnung – oder, schlimmer noch, wie Eifersucht. Und genau das war es, oder?
„Wie geht’s Finn?“, fragt sie.
Herrlich. Der nächste Dolch, der direkt in meine Brust gestoßen wird. Jeden anderen meiner Brüder lässt sie an sich rankommen, aber mich blockt sie jedes verdammte Mal ab.
„Sein Zustand ist unverändert“, brumme ich unzufrieden.
„Das tut mir leid.“ Ihre Stimme klingt tatsächlich mitfühlend, aber sie sieht mich nicht an. Nicht einmal die verdammte Sonnenbrille nimmt sie ab. Kein Augenkontakt. Keine Chance, mit meinem Blick irgendwas zu erreichen – eine meiner stärksten Waffen, wenn es darum geht, Frauenherzen zu erobern. Aber Elizabeth hat mich vollständig entwaffnet.
„Er hat auch eine Freundin. Und ein Kind.“
Scheiße, Hunter, warum sagst du so was?
Die Worte kommen raus, bevor mein Hirn sie stoppen kann. Als würde ich versuchen, sie von jedem anderen Mann fernzuhalten. Unlogisch, völlig absurd – und trotzdem kann ich es nicht rückgängig machen.
Elizabeth hebt die Augenbrauen, dann lächelt sie. Ein süßes, leicht amüsiertes Lächeln, das mich für den Moment vergessen lässt, wie sehr ich mich gerade blamiere.
„Gut zu wissen“, erwidert sie. „Aber du musst mir nicht den Beziehungsstand von jedem deiner Brüder herunterrattern. Ich würde eh nie was mit einem von euch anfangen.“
„Einem von uns?“ Meine Stimme wird automatisch härter. Wut steigt in mir auf, heiß und unerwartet, weil ich nicht mit solch einer abfälligen Bemerkung gerechnet habe. „Was soll das heißen?“
Sie deutet auf meine Tattoos, meine Kutte.
Ah, da haben wir’s endlich. Der Grund, warum sie mich ständig auf Abstand hält. Tja, es gibt Frauen, die total darauf abfahren. Und dann gibt es Frauen wie Elizabeth. Die Sorte, die sich für etwas Besseres hält, nur weil wir nicht in ihre ach so heile Welt passen.
„Bist du dir zu fein für uns, Doc?“, frage ich kühl.
Sie schweigt, senkt den Blick, und ich spüre, wie der Ärger in mir hochkocht.
„Also gut.“ Ich stehe abrupt auf und werfe einen Zwanziger auf den Tisch. „Ich muss los.“ Meine Worte sind knapp, vielleicht etwas zu scharf, aber es ist sinnlos, mit ihr zu reden. Gegen ihre Vorurteile werde ich niemals ankommen. Sie hat längst entschieden, dass ich nicht der Mann bin, den sie in ihrer Welt haben will. Und verdammt, ich werde mich ganz sicher nicht für sie verbiegen. Vielleicht ist es besser, dass ich es bisher nicht ernsthaft bei ihr versucht habe.
Ich hebe die Hand und winke Sue, der Inhaberin des Diners, locker zu.
„Bis zum nächsten Mal, Süßer“, ruft sie fröhlich aus der Ferne zum Abschied.
Ich bin fast an Elizabeths Bank vorbei, als ich plötzlich ihre Finger an meinem Handgelenk spüre. „Bitte geh nicht.“
Ihre Stimme zittert genauso wie ihre Hand. Sie sieht mich nicht an, und doch scheint es sie eine ungeheure Kraft zu kosten, mich zurückzuhalten.
„Ich …“ Sie räuspert sich, als suchte sie nach den richtigen Worten. „Meine Schwester braucht eure Hilfe.“
Ich blicke auf ihre Hand, die noch immer mein Handgelenk umschließt. Verdammt. Ihre warme Berührung durchdringt mich wie ein heißer Blitz, der in mir erneut diese unstillbare Gier nach ihr weckt. In meinem Kopf tauchen Bilder auf, die ich sofort abwehren muss – ihre Hände überall auf meinem Körper, wie sie über mir auf meinem Schoß thront und ich meine Finger in ihre Hüften grabe, um sie zum Höhepunkt zu führen.
Ich reiße meinen Blick von ihr los.
Obwohl die Gedanken in meinem Kopf chaotisch sind, konzentriere ich mich auf das, was sie gerade gesagt hat. „Vielleicht sollte deine Schwester sich besser ein paar von den netten Kerlen zur Hilfe suchen.“ Meine Worte kommen schärfer heraus, als ich beabsichtigt habe, aber ich spüre, wie der Stich durch ihre Vorurteile eine größere Wunde hinterlassen hat, als ich mir eingestehen möchte. Bislang war es mir immer egal, was die Leute über mich dachten, doch bei ihr ist es etwas anderes. Es ärgert mich, dass sie schlecht von mir denkt, obwohl sie keinen blassen Schimmer hat, wer ich wirklich bin. Aber solange sie mich in irgendeine Schublade mit anderem minderwertigen Abschaum steckt, werde ich mich nicht ausnutzen lassen – und meine Brüder werde ich erst recht nicht darum bitten. Keiner von uns verdient es, herablassend behandelt zu werden, nur weil wir uns einem Club angeschlossen haben.
Mein Blick heftet sich wieder auf mein Handgelenk, das Elizabeth noch immer umklammert.
Sie bemerkt es auch. Als wäre sie aus einem Traum erwacht, zieht sie ihre Hand abrupt zurück.
„Scheiße“, murmelt sie, mehr zu sich selbst als zu mir. „Was tue ich hier überhaupt?“
Dann richtet sie den Blick auf mich, nur kurz, bevor sie aufsteht. „Danke, dass du mich daran erinnert hast, was das für eine blöde Idee war.“
Sie dreht sich um und geht.
Ich bleibe stehen wie festgenagelt und starre auf die Tür, die hinter ihr ins Schloss fällt. Alles in mir schreit danach, ihr hinterherzulaufen. Aber ich tue es nicht. Stattdessen atme ich tief ein, und das Einzige, was bleibt, ist der süßliche Geruch ihres Weichspülers, der noch in der Luft hängt.
Ich reibe über mein Handgelenk. Fuck. Ich will mehr von ihr spüren als diese kleine ungewollte Berührung. Aber genau das ist das Problem. Elizabeth ist ein Minenfeld, und ich darf nicht so dumm sein, mitten hindurchzuspazieren.

Nachdem ich mich wieder einigermaßen gefasst habe, trete ich aus dem Diner. Die Geräusche von klirrendem Geschirr und leisen Gesprächen verblassen hinter mir. Der Himmel über mir ist grau, als hätte er sich mit dem Chaos in meinem Kopf abgesprochen.
Elizabeth.
Was hat diese Frau nur an sich, dass sie mich so aus der Fassung bringt?
Abwesend steuere ich auf mein Bike zu. Sehnsüchtig schwinge ich mich auf die Maschine und starte den Motor. Das vertraute Vibrieren beruhigt mich augenblicklich. Ein Moment der inneren Ruhe, den ich dringend brauche. Vielleicht hilft es, einfach loszufahren und die Welt für eine Weile hinter mir zu lassen.
Während ich bereits langsam losrolle, hebe ich den Kopf – und muss abrupt abbremsen, dabei würge ich mein Baby fast ab. „Fuck!“
Direkt vor mir steht Elizabeth. Sie legt ihre Hände auf meinen Lenker, und trotz der Sinnenbrille spüre ich, wie ihr Blick sich tief in meinen bohrt.
„Fuck, Doc! Bist du lebensmüde?“ Ich schaue sie an, halb wütend, halb schockiert, dass sie sich so einfach vor mein Bike stellt.
„Sieht wohl so aus.“ Ihre Stimme bleibt ruhig, aber da ist dieser Unterton – eine Mischung aus Trotz und Herausforderung –, der mich sofort wieder auf die Palme bringt. „Und ich habe es mir noch mal anders überlegt.“
Ein leichtes Grinsen schleicht sich auf meine Lippen. Also ist es doch eher ein Mix aus Entschlossenheit und Verzweiflung, der sie antreibt.
Ich ziehe die Brauen hoch. „Ach ja? Hast du plötzlich doch Lust, mit den bösen Jungs zu spielen?“ Meine Stimme trieft vor Spott, und ich weiß, dass ich trotzig klinge.
„Nicht wirklich.“ Sie lacht trocken und bringt mir mit ihrem erhobenen Kinn den gleichen Trotz entgegen. „Vielleicht habe ich aber auch einfach keine Wahl.“
Ich schüttle den Kopf und schnaube, während ich versuche, ihre Hände von meinem Lenker zu lösen. „Geh zur Seite, Elizabeth“, knurre ich, als sie sich weiterhin eisern an meinem Lenker festklammert. Sie hat keine Ahnung, wie sehr sie meine Selbstbeherrschung gerade auf die Probe stellt. Wir ringen ein paar Sekunden miteinander, eine Hand gegen die andere. Schließlich lasse ich genervt von ihr ab und knurre: „Das ist doch Kinderkacke! Such dir einen Anwalt oder sonst was. Ich bin nicht der Richtige.“
Doch sie reagiert nicht und bleibt weiterhin wie festgenagelt stehen – ihren Kopf gesenkt. Ihr Körper bebt. Für einen Moment denke ich, ich hätte sie zum Weinen gebracht. Bis ich merke, dass sie versucht, ein Kichern zu unterdrücken.
Scheiße, dieses süße Geräusch fährt mir direkt ins Mark.
„Hör zu“, beginnt sie mit gefasster Stimme, und ich bin beeindruckt, wie schnell sie sich wieder gefangen hat und zur Tagesordnung übergehen kann. „Jack schuldet mir was. Also fahr mich zu eurem Clubhaus.“
„Du gibst wohl gern Befehle, was?“, brumme ich. Sie hat wirklich keine Ahnung, wie sehr ich es hasse, wenn mir jemand Vorschriften macht. Aber ihre Sturheit – verdammt, sie beeindruckt mich fast genauso sehr, wie sie mich frustriert. Es ist wie ein Spiel, und obwohl ich weiß, dass ich es nicht spielen sollte, kann ich mich nicht ganz entziehen.
Elizabeth fordert mich erneut heraus, indem sie mich beharrlich, aber schweigsam anstarrt.
„Ich habe keinen Helm für dich“, wende ich gegen ihre Aufforderung ein. „Und ich nehme niemanden ohne Helm mit.“ Ein zufriedenes Grinsen breitet sich auf meinem Gesicht aus. Eine gute Ausrede – dachte ich zumindest.
„Du trägst selbst keinen.“
Verflucht, Punkt für sie.
Ich ziehe meistens keinen Helm an, wenn ich nur in der Stadt unterwegs bin. Heute fällt mir das auf die Füße.
„Na und? Ich will halt keine anderen Leben gefährden.“
Sie lacht leise. Nicht mehr so herzlich und süß wie gerade eben, aber auch nicht so abweisend wie vorher. „Also gut“, sagt sie mit einem hörbaren Seufzen. „Ich wollte im Diner nicht persönlich werden und dich auch nicht beleidigen.“
Ich ziehe eine Augenbraue hoch. Soll das etwas eine Entschuldigung sein? Für meinen Geschmack fließt in ihre Stimme dazu ein Hauch zu wenig Reue ein.
Doch daran, wie sie unruhig von einem aufs andere Bein tritt, erkenne ich, wie viel Überwindung sie diese Worte gekostet haben müssen.
Mehr als ein Brummen bringe ich nicht zustande – und nehme damit ihre Entschuldigung genauso halbherzig an.
Dann hebt sie die Hand an ihre Sonnenbrille und nimmt sie ab.
Ein dunkles Veilchen kommt zum Vorschein.
„Ich habe schon genug mit den bösen Jungs gespielt“, sagt sie leise, fast flüsternd. „Und es waren keine guten Erfahrungen.“
Ich ziehe zischend die Luft ein und schwinge mich von meinem Bike. Mit einem großen Schritt bin ich bei ihr und bringe meine Hände an ihr verletztes Gesicht. Mein Daumen streicht sanft über ihre Wange, während ich ihr blaues Auge und den Riss auf ihrem Wangenknochen genau mustere. „Scheiße, Doc. Das sieht übel aus.“ Meine Stimme ist leiser, die Wut in mir kocht trotzdem unerbittlich hoch, aber nicht mehr ihretwegen. Ich spüre, wie ich meinen Kiefer anspanne. „Weiß Jack davon?“
Sie schüttelt kaum merklich den Kopf.
„Er wird durchdrehen, wenn er davon erfährt. Wer auch immer das war, wird dafür bezahlen“, raune ich, während ich mit dem Daumen über ihren Kiefer streiche. Erst als sie leicht zurückzuckt, merke ich, wie nahe ich ihr gekommen bin.
„Ich brauche keine Hilfe, Hunter.“ Elizabeth zieht sich zurück, als wäre ich derjenige, der sie verletzt hat. Sie presst ihre Lippen zusammen, scheint mit einer Antwort zu ringen.
Ich warte geduldig, aber scheiße, es fühlt sich wie eine halbe Ewigkeit an, bis sie schließlich leise sagt: „Es geht um meine kleine Schwester. Sie studiert nicht weit von hier, aber durch meine Arbeit kann ich nicht weg und ein Auge auf sie haben.“
Ihre Haltung ändert sich, und plötzlich wirkt sie so verletzlich und verzweifelt – und gleichzeitig bereit, sich gegen die ganze Welt zu stellen. Diese Frau ist ein einziges Mysterium.
„Also, nimmst du mich zum Club mit, oder nicht?“ Elizabeth verschränkt erneut die Arme vor der Brust und hebt das Kinn, als würde sie sich auf einen Kampf einstellen. „Ich will dort nicht noch mal alleine auftauchen, damit mich euer Wachhund nicht wieder abwimmeln kann.“
Ich atme tief durch. Sie macht es einem verdammt schwer, ihr zu widersprechen. Im Kopf zähle ich bis drei, ehe ich spreche. „Ich werde später allen sagen, dass du bei uns zukünftig freie Zufahrt hast.“ Meine Stimme ist ruhig, doch innerlich brodelt es. Diese Frau hat eindeutig ein Talent dafür, meinen Stolz wegzufegen, als wäre er nichts. Aber jetzt geht es nicht darum. Sie braucht Hilfe, auch wenn sie das nicht zugeben will, und ich werde verdammt noch mal nicht der Kerl sein, der sie ihrem Schicksal überlässt, egal, wie sie über mich denkt. „Fahr mir einfach hinterher.“
Sie schüttelt entschieden den Kopf. „Ich sagte doch, ich lasse mich nicht noch mal abwimmeln. Du fährst bei mir mit, vorher wirst du mich nicht los.“ Ihre Lippen verziehen sich zu einer starren Linie, und ich weiß, dass ich gegen ihre Entschlossenheit nichts ausrichten kann. Sie zeigt auf einen alten, klapprigen Kombi auf dem Parkplatz. Er ist ein Schrotthaufen auf Rädern, mit verblasstem Lack und einer Beule in der Fahrertür, die aussieht, als hätte jemand kräftig dagegen getreten.
„Du willst, dass ich da einsteige?“ Ich blicke sie entsetzt an. „Keine zehn Pferde kriegen mich da rein.“
Elizabeth hebt eine Augenbraue, und ihre Mundwinkel zucken verdächtig, als würde sie ein Grinsen zurückhalten. Dann tritt sie einen Schritt näher und sieht herausfordernd zu mir hoch.
Ich bin so kurz davor, sie einfach zu packen und mir zu nehmen, wonach sich mein Körper verzehrt. Nur ein Kuss … Nur einmal von ihr kosten, um herauszufinden, ob sie so süß schmeckt, wie ich es mir ausmale.
„F… Fuu…“ Der Rest bleibt mir im Hals stecken, während ich die Zähne so fest zusammenbeiße, dass mein Kiefer schmerzt. Meine Hände sind zu Fäusten geballt, und mein Körper spannt sich bei dem Versuch, nicht die Kontrolle zu verlieren, komplett an. Es ist ein verdammter Machtkampf zwischen uns.
Elizabeth neigt den Kopf und setzt dieses schiefe Grinsen auf, das aussieht, als würde sie ihren Triumph über mich bereits genießen.
„Du treibst mich wirklich in den …“ Ich breche ab, schüttle den Kopf und schiebe die Hände in meine Haare. Am liebsten würde ich irgendwas sagen, das mich aus dieser Situation befreit, aber mir fällt nichts ein, was nicht wie eine Niederlage klingen würde.
Bevor ich endgültig die Beherrschung verliere, stürme ich zurück ins Diner.

Emma Snow
Die gebürtige Berlinerin hat ihre Heimat mittlerweile in Hessen gefunden, wo sie tagsüber in Frankfurt am Main ihren beruflichen Alltag im Büro verbringt. Nach Feierabend tauscht sie die Stadt jedoch gegen das Grün des Odenwaldes und zieht sich in ihr gemütliches Heim zurück, wo sie mit ihrem Mann und zwei Kindern lebt. Die Pendelzeiten und jede freie Minute nutzt sie für ihre große Leidenschaft, das Schreiben. [...]
Emma Snow
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