Inhaltsangabe
Eigentlich wollte ich zu meinem dreißigsten Geburtstag nur ein bisschen Aufregung. Vielleicht ein Date. Vielleicht einen Drink zu viel. Vielleicht einfach einmal nicht früh ins Bett mit Strickzeug und Netflix.
Stattdessen bekam ich:
Drei Hockeyspieler.
Eine sehr fragwürdige Geburtstagsidee.
Die wildeste Nacht meines Lebens.
Es begann als harmloser Flirt zwischen den Bücherregalen – ein heißer College-Eishockeyspieler in Trainingsklamotten, ein gemeinsames Dinner und schließlich der Vorschlag für einen leidenschaftlichen Dreier. Dann stieß noch ein weiterer Mitbewohner dazu – Wortspiel unbeabsichtigt. Und plötzlich war ich nicht mehr die brave Bibliothekarin, sondern die Hauptfigur in einer Fantasie, die ich mir selbst nie hätte ausmalen können.
Am nächsten Morgen rannte ich schneller davon als eine Olympia-Sprinterin.
Ich vergrub die Erinnerung tief. Sehr tief.
Bis zwei rosa Linien auf einem Schwangerschaftstest alles wieder an die Oberfläche holten.
Jetzt stehe ich vor dem größten Chaos meines Lebens:
Drei unfassbar attraktive Männer.
Ein Baby auf dem Weg.
Die Frage, wer von ihnen der Vater ist – und warum ich sie eigentlich alle als Vater will.
Während wir auf die Ergebnisse eines Gentests warten, lerne ich, dass Liebe nicht in Schubladen passt – und dass unausgesprochene Gefühle zwischen zweien der Männer alles komplizierter machen, als ich je gedacht hätte. Dass Familie manchmal anders aussieht. Und dass drei Pucks und ein Baby vielleicht genau das Spiel sind, das ich gewinnen sollte.
Drei Männer. Eine Frau. Ein Baby. Und ein Herz, das sich nicht entscheiden will.
Eine spicy, humorvolle MMFM-Reverse-Harem-Romance von New York Times-Bestsellerautorin Katie Ashley über Lust, Liebe und die Erkenntnis, dass das Leben manchmal genau dann perfekt wird, wenn es komplett aus dem Ruder läuft.
Leseprobe
Theo
Ich zog die Tür vom The Dive auf und ließ meinen Blick durch den Raum schweifen. Gray hatte mir eine Nachricht geschickt, dass sie in einer der runden Nischen im hinteren Bereich saßen. Ein kurzer Blick zur Bühne zeigte mir, dass Bennett und die Band noch nicht aufgetreten waren. Sobald ich Grayson entdeckt hatte, begab ich mich in das Gewühl der Paare, die zu Musik aus der Konserve tanzten.
Ich bewegte mich durch die Menschenmenge, und mein Herzschlag beschleunigte sich, je näher ich Grayson und Vivian kam. Es waren nicht die Nerven, denn ich wurde nie nervös in der Gegenwart von Frauen. Nein, es war pures Adrenalin, das durch mich hindurchpulsierte. Ich hatte den Fick im Visier.
Als ich ihre Nische erreichte, starrte Vivian überrascht zu mir auf, während Grayson mir ein verschwörerisches Lächeln schenkte. Es war Showtime.
Mit dem besten überraschten Gesichtsausdruck, zu dem ich fähig war, fragte ich: „Mann, Gray, was zum Teufel machst du denn hier?“
Gray sprang sofort von seinem Sitz auf und begrüßte mich auf diese klassische Männerart mit halber Umarmung und Fistbump. „Du weißt doch, dass ich niemals eine von Bens Aufführungen verpassen würde.“ Er zog die Augenbrauen hoch. „Und was ist mit dir?“
„Das Gleiche.“
Vivians Blick huschte neugierig zwischen uns hin und her. Ich schenkte ihr mein bestes Höschen-schmelzendes Grinsen und hielt ihr meine Hand hin. „Hey, ich bin Graysons Mitbewohner, Theo.“
Sie lächelte, als sie meine Hand schüttelte. „Ich bin Vivian. Freut mich, dich kennenzulernen.“
„Oh, du bist Vivian.“ Ich wackelte mit den Augenbrauen. „Ich habe viel über dich gehört.“
Sie senkte den Kopf, und ihre Wangen färbten sich rosa. Verdammt, das war sexy. Unwillkürlich stellte ich mir vor, wie ihre Arschbacken aussehen würden, wenn sie von meinen Händen rosa gefärbt wären.
Grayson stieß sie spielerisch an. „Ich verspreche, was ich ihm erzählt habe, war gut.“
„Das hoffe ich.“
Ich hob drei Finger. „Pfadfinderehrenwort.“
Vivian lachte. „In Anbetracht der Tatsache, dass wir uns gerade erst kennengelernt haben, bin ich überrascht, dass es überhaupt etwas zu erzählen gibt.“
„Nur, dass du hinreißend, unglaublich sexy und äußerst intelligent bist“, erwiderte ich.
Als Vivian bei meinen Komplimenten erneut errötete, kämpfte ich gegen den Drang an, mir eine der Speisekarten zu schnappen, um damit meine halbsteife Erektion zu verdecken. Stattdessen fragte ich: „Kann ich mich zu euch setzen?“
Grayson spielte seine Rolle und sah Vivian mit hochgezogenen Augenbrauen an. „Das musst du Viv fragen.“
„Bitte setz dich zu uns“, sagte sie mit einem Lächeln.
Ich schenkte ihr mein bestes Komm-und-fick-mich-Grinsen. „Danke.“
Nachdem sie näher zu Gray gerutscht war, glitt ich auf den Sitz. „Das ist gemütlich“, bemerkte sie, während sie nervös an ihrer Speisekarte herumfummelte.
Ich legte einen Arm über die Rückenlehne der Sitzbank und lehnte mich näher zu ihr. „Als Teamkollegen und Mitbewohner teilen Gray und ich vieles miteinander.“
Ich hätte schwören können, dass bei meiner Anspielung in ihren Augen Verlangen aufblitzte, aber sie verbarg es schnell. Sie ließ ihren Blick zwischen uns hin und her wandern. „Wie lange kennt ihr euch schon?“
„Seit dem ersten Jahr“, antwortete Gray.
Sie wandte ihren Kopf zu mir. „Du musst der Goalie sein.“
„Das stimmt.“
Mit einem Grinsen sagte sie: „Deshalb kamst du mir nicht bekannt vor. Du warst unter deiner ganzen Torwartausrüstung begraben.“
Ich lachte. „Gray hat mir erzählt, dass du von deinem Vater zu einigen unserer Spiele geschleppt wurdest. Das ist so cool, dass er ein ehemaliger Verteidiger ist.“
Vivians dunkle Augen weiteten sich, ehe sie zu Grayson hinübersah. „Du hast wirklich über mich gesprochen.“
Er schenkte ihr diesen verlegenen Blick, der ihn für mich wie einen totalen Idioten aussehen ließ, aber Frauen zum Schmelzen brachte. „Tut mir leid. Ich konnte einfach nicht aufhören, über dich zu reden.“
Innerlich verdrehte ich die Augen, als Vivian Gray ein liebevolles Lächeln schenkte. „Kauf mir einfach einen Drink und alles ist vergeben“, erwiderte sie.
„Mit Vergnügen. Und was möchte mein wunderschönes Mädchen?“
„Ein Wodka Cranberry reicht.“
Er nickte mir zu. „Willst du etwas?“
„Ein Bud vom Fass.“
Bevor er aus der Nische glitt, küsste er Vivian auf die Wange. „Bin gleich wieder da.“
„Okay“, sagte sie atemlos.
Nachdem wir Grayson nachgeschaut hatten, wie er sich entfernte, zog Vivian ihre Augenbrauen hoch. „Sag mir eines …“
„Alles“, antwortete ich mit einem Augenzwinkern.
„Warum bist du wirklich hier?“
Ich riss die Augen auf. „Wie bitte?“
Sie warf ihre langen Haare über die Schulter, und mir stieg das süß duftende Aroma ihres Shampoos in die Nase. „Wir beide wissen, dass du uns heute Abend nicht einfach zufällig getroffen hast.“
„Ich habe dir gesagt, dass …“
„Dass Bennett singen würde.“
„Ganz genau.“
Sie verschränkte die Arme vor ihrer üppigen Brust und verkündete: „Das ist Schwachsinn.“
Verdammt noch mal. Das Mäuschen hatte Krallen. Ich rückte noch näher an sie heran und fragte: „Warum glaubst du denn, bin ich hier?“
„Um Graysons Flügelmann zu sein.“
Ich runzelte die Stirn, da ich damit nicht gerechnet hatte. „Warum zum Teufel sollte Gray einen Flügelmann brauchen?“
Ihr Blick fiel auf ihren Schoß, wo ihre Finger an einer Serviette zupften. „Weil er Zweifel hat, mich auszuführen.“
„Das ist Unsinn. Grayson macht sich eher Sorgen, dass du außerhalb seiner Liga spielst.“
Vivians Augen weiteten sich, als sie heftig den Kopf schüttelte. „Das tue ich nicht. Wenn überhaupt, dann spielt er nicht in meiner Liga“, protestierte sie.
Ich legte den Kopf schief und betrachtete sie neugierig. „Du magst ihn.“
Ihre Wangen färbten sich purpurrot, als sie die Serviette zerriss, weil sie sie so stark verdreht hatte. „Ich kenne ihn nicht wirklich.“
„Du magst ihn“, beharrte ich.
„Okay, vielleicht tue ich das“, murmelte sie.
„Gut. Denn ich weiß mit Sicherheit, dass Grayson dich mag.“ Ich warf ihr einen vielsagenden Blick zu. „Sehr sogar.“
Vivians Augenbrauen zogen sich zusammen. „Also hat er keine Zweifel?“
„Verdammt, nein. Er ist voll dabei.“
„Warum bist du dann hier?“
Ich warf meinen Kopf lachend zurück. „Wie ich schon sagte. Um Bennett zu sehen.“
Ihre dunkelgrünen Augen verengten sich. „Ich glaube dir noch immer nicht.“
Das Lächeln verschwand langsam von meinen Lippen. Ich starrte sie eindringlich an und erwiderte: „Vielleicht wollte ich mit eigenen Augen sehen, ob die Frau, von der Grayson geschwärmt hat, wirklich existiert.“
Das klang zwar wie eine Anmache, entsprach aber der Wahrheit. Es war eine Sache, sie in Social-Media-Posts zu sehen, aber es war etwas ganz anderes, sie direkt vor mir zu haben. Ihren Duft und den ihres Shampoos zu riechen, ihr Erröten zu beobachten und der Einzige zu sein, dem sie ihr Lächeln schenkte.
Meine Worte bewirkten etwas bei Vivian. Ihre Brust hob und senkte sich hektisch, und sie starrte mich ungläubig an. „Du wolltest mich treffen.“
„Ja, das wollte ich.“
„Und Grayson war damit einverstanden?“
„Warum sollte er nicht damit einverstanden sein? Es ist nichts Unrechtes daran, die Verabredung meines Mitbewohners zu treffen.“
„Ähm, natürlich nicht“, murmelte sie, und Hitze kroch in ihre Wangen.
Grayson kehrte zurück. Bei seinem Anblick, wie er die Getränke hantierte, schnappte Vivian nach Luft, bevor sie sich vorbeugte, um ihm zu helfen. „Schon okay. Ich komme klar.“ Mit einem Zwinkern fügte er hinzu: „Mach dir keine Sorgen um mich. Ich bin damit aufgewachsen, Gläser und Teller zu balancieren, als ich im Restaurant meiner Eltern gearbeitet habe.“
Sie nahm einen winzigen Schluck von ihrem Getränk und fragte: „Was für eine Art Restaurant?“
„Ein Irish Pub.“
Ihre Augen leuchteten auf. „Das ist nicht dein Ernst?“
Ich wies mit meinem Kinn in Graysons Richtung und sagte neckend: „Sieht er nicht aus wie ein feiner irischer Bursche?“
Vivian lachte, und Grayson bedachte sie mit einem frechen Grinsen. Nachdem sie einige der längeren Haarsträhnen aus Grays Gesicht gestrichen hatte, verkündete Vivian: „Ich glaube, ich sehe tatsächlich einige rote Strähnen in deinem Haar.“
„Die Großeltern meines Vaters kamen damals über Ellis Island. Es ist heutzutage schwer, uns zu erkennen. Ich meine, Collins ist kein offensichtlich irischer Nachname wie zum Beispiel Fitzpatrick oder O’Malley“, erklärte Grayson.
Vivian wandte ihre Aufmerksamkeit mir zu. „Ich glaube nicht, dass ich deinen Nachnamen kenne.“
Ich grinste. „Es ist Novak.“
„Russisch?“, vermutete sie.
„Eigentlich Tschechisch.“
Sie schnippte mit den Fingern. „Ich wusste, dass es osteuropäisch ist. Es stammen so viele Eishockeyspieler aus dieser Region.“
Überrascht sah ich sie an. „Für eine Frau, die sagt, dass sie Eishockey nicht mag, weißt du ziemlich viel darüber.“
Sie grinste. „Das ist die Schuld meines Vaters. Ich bin damit aufgewachsen, dass der Fernseher im Erdgeschoss während der Eishockeysaison monopolisiert wurde. Nachdem wir mit Spielerstatistiken gequält wurden, flüchteten meine Schwestern und ich ins Schlafzimmer meiner Eltern und schauten dort fern.“
„Theo hat auch einen tschechischen Vornamen“, sagte Grayson.
„Wirklich?“, fragte Vivian.
„Es ist Teodor nach meinem Großvater“, antwortete ich.
„Ah, die tschechische Version von Theodore“, sagte sie.
Ich nickte. „Gott sei Dank haben mich meine Eltern immer Theo genannt.“
Vivian lächelte. „Theo passt zu dir.“
Ich neigte meinen Kopf. „Dein Name passt auch zu dir.“
Sie rümpfte die Nase. „Ich habe meinen Namen noch nie gemocht. Ich wollte immer einen angesagten Namen wie Madison haben.“
„Du könntest niemals eine Madison sein“, sinnierte ich.
„Und warum nicht?“, verlangte Vivian zu wissen.
„Weil du eine alte Seele bist, die einen alten Namen braucht.“
Mit einem Schnauben schnappte sie sich ihr Getränk. Sie stürzte den Rest des Alkohols hinunter und warf mir einen Fick-dich-und-stirb-Blick zu. Verdammt, ich konnte es kaum erwarten, dieses Temperament im Schlafzimmer zu erleben.
Nachdem sie sich die Lippen mit einer Serviette abgewischt hatte, sagte Vivian: „Danke, dass du mich wieder daran erinnerst, dass ich älter werde. Als ob ich nicht nächste Woche Geburtstag hätte.“
„Ernsthaft?“, wollte ich wissen.
„Ja, ernsthaft.“ Sie warf mir einen weiteren finsteren Blick zu. „Bevor du die Frechheit besitzt zu fragen, ich werde dreißig.“
Ich verdrehte die Augen. „Du tust so, als würdest du demnächst eine Gehhilfe und Erwachsenenwindeln brauchen.“
„Nun, ich bin eine alte Seele“, fauchte sie.
Ich schaute über ihre Schulter hinweg zu Grayson, der aussah, als würde er einen Schlaganfall erleiden angesichts Vivians offensichtlicher Feindseligkeit mir gegenüber. Er musste sich verdammt noch mal entspannen.
Ich rutschte näher zu Vivian und nahm ihre Hand in meine. „Das war als Kompliment gemeint. Du bist den Madisons dieser Welt haushoch überlegen. Nur sehr wenige Frauen da draußen sind schön und sexy und gleichzeitig unglaublich klug. Ganz zu schweigen davon, dass sie zufällige Fakten über Eishockey kennen.“
Sie sah mir intensiv in die Augen. Zu jeder anderen Zeit wäre dies der Moment gewesen, in dem ich mich vorbeugte und sie küsste. Ich brannte darauf, es zu tun. Alles in ihrem Blick sagte mir, dass sie mich nicht aufhalten würde. Hinterher würde sie mich wahrscheinlich ohrfeigen, sobald ihr klar wurde, dass sie mich geküsst hatte, während Grayson neben ihr saß.
„Was möchtest du zu deinem Geburtstag, Vivian?“, fragte ich.
Mit einem Achselzucken sagte sie: „Nichts.“
„Ach komm schon, nicht einmal ein paar hochwertige Knäuel Wolle?“, neckte Grayson sie.
Sie schlug ihm spielerisch auf den Arm. „Du hast meine sozialen Medien gestalkt.“
„Wie könnte ich nicht?“, erwiderte er mit einem Grinsen.
„Was wünschst du dir zu deinem Geburtstag?“
„Was ich mir wirklich wünsche, ist der Meistertitel bei den NCAA Frozen Four Championships.“
Vivian zog die Augenbrauen zusammen. „Aber ich dachte, ihr habt in den vergangenen beiden Jahren den ersten Platz belegt?“
„Das war in unserer Region. Aber es gibt insgesamt vier Regionen. Ich möchte der Beste von allen sein.“
Sie grinste. „Dann hoffe ich, dass du genau das bekommst, was du dir wünschst.“
„Vielleicht könntest du mir einen Glücksüberzieher für meinen Schläger stricken?“, schlug Grayson neckend vor.
Vivian strich mit ihrem Daumen an seiner Kieferlinie entlang. „Das würde ich liebend gerne tun.“ Sie sah Grayson sekundenlang in die Augen, ehe sie ihre Hand von seinem Gesicht nahm. Dann wandte sie sich mir zu und fragte: „Und was würdest du dir zu deinem nächsten Geburtstag wünschen?“
Es gab so viele Gründe, nicht zu sagen, was ich dachte. Es war zu früh am Abend. Sie hatte mich noch nicht gut genug kennengelernt. Sie hatte erst einen Drink gehabt, keinen zweiten, also war sie noch nicht in dieser angenehm beschwipsten Stimmung.
Aber wie auf dem Eis musste man Chancen trotz der Risiken nutzen.
Ich lehnte mich näher zu ihr, mein Atem streifte über ihr Ohr. Als ich Graysons Blick über ihre Schulter hinweg begegnete, weiteten sich seine Augen, bevor er den Kopf schüttelte. „Tu es nicht“, formte er lautlos mit den Lippen.
Aber ich ignorierte ihn. „Ich will hören, wie du meinen Namen schreist, wenn du kommst.“
Vivian zuckte zurück und starrte mich mit einer Mischung aus Entsetzen und Ungläubigkeit an. „W-wie bitte?“
Ich griff nach meinem Bierglas und grinste sie über den Rand hinweg an. „Du hast mich gehört.“
Ihre dunklen Augen verengten sich. „Du … du … Bastard!“
Mit einem Achselzucken entgegnete ich: „Wo liegt das Problem?“
„Ich denke eher, es sind Probleme. Wie kannst du es wagen, so mit mir zu reden? Aber was noch schlimmer ist, wie konntest du das sagen, wenn ich mit Grayson verabredet bin? Er ist dein Teamkollege und Mitbewohner – dein bester Freund. Wie konntest du ihn so hintergehen? Und das, während er verdammt noch mal direkt hier sitzt!“
Ich wies mit dem Kinn in Graysons Richtung und erwiderte: „Ich bin mir ziemlich sicher, dass er nicht beleidigt wäre, wenn du ihn jetzt fragen würdest, denn es würde ihm nichts ausmachen, dich zu teilen.“
Vivian blinzelte mich an, bevor sie langsam den Kopf drehte, um Grayson ungläubig anzusehen. „Du willst mich teilen?“, fragte sie mit gedämpfter Stimme.
Als Grayson ihr einen entschuldigenden Blick zuwarf, schnappte Vivian entsetzt nach Luft. Er hob beide Hände. „Es tut mir leid, Vivian, aber ja, das möchte ich. Aber nur, wenn du einverstanden bist. Ich würde niemals, absolut niemals etwas tun, das dir unangenehm ist.“
Vivians Kinnlade klappte herunter. „Du willst, dass ich mit Theo schlafe?“
Grayson schüttelte den Kopf. „Ich möchte, dass du mit Theo und mir schläfst.“
Sie rieb sich die Schläfe. „Ist das nicht das, was ich gesagt habe?“
„Ich möchte nicht, dass du ohne mich mit Theo schläfst“, erwiderte er.
Während sie seine Worte verarbeitete, starrte sie Grayson mit weit aufgerissenen Augen an. Nach ein paar Augenblicken entfuhr ihren Lippen ein entsetzter Aufschrei. „Du willst, dass wir drei …“ Sie schluckte schwer. „G-Gleichzeitig?“
„Ja.“
„Lass mich raus.“
„Vivian, lass uns das erklären“, flehte Grayson.
Sie legte ihre Hände auf Graysons Brust und stieß ihn hart von sich. „Lass. Mich. Raus!“, wiederholte sie.
Mit einem resignierten Seufzer rutschte Grayson aus der Sitzecke. Vivian warf die zerfetzte Serviette auf den Tisch, ehe sie in Rekordgeschwindigkeit über die Sitzbank glitt.
„Es tut mir leid, wenn wir dich beleidigt haben“, sagte Grayson. Diesmal war sein Dackelblick echt.
Ich legte meine Arme auf die Rückenlehne der Sitzbank und schüttelte den Kopf. „Sie ist nicht beleidigt.“ Als Vivian herumwirbelte, verengte ich meine Augen zu Schlitzen. „Sie hat Angst.“
Vivian funkelte mich an. „Du weißt überhaupt nichts über mich.“
„Gib es zu: Du langweilst dich zu Tode. Mehr als alles andere auf der Welt willst du etwas Spontanes tun. Etwas Verrücktes.“ Ich leckte mir über die Lippen. „Etwas Gefährliches und vielleicht ein bisschen Beschämendes.“
Ein Schauer durchlief sie. „Du irrst dich.“
„Ich habe noch nie so sehr recht gehabt, und wenn du das erkennst, werden wir warten.“
„Fick dich!“, fauchte sie, bevor sie auf dem Absatz kehrtmachte und durch die Menge sprintete.
Mit einem Stöhnen ließ sich Grayson zurück auf die Sitzbank fallen. „Wir sind so was von am Arsch.“
Ich kippte den Rest meines Biers hinunter. „Vertrau mir. Alles ist gut.“
Er blickte zu mir hoch. „Willst du mich verarschen? Hast du etwa nicht mitbekommen, wie Vivian gerade hier rausgestürmt ist?“
„Sie wird zurückkommen“, erwiderte ich.
Er schüttelte den Kopf. „Was zum Teufel hast du dir dabei gedacht, zu sagen, dass du sie ficken willst?“
„Es ist die Wahrheit.“
„Weißt du was, du Genie? Es war zu früh für die verdammte Wahrheit.“
„Hol uns noch was zu trinken“, sagte ich.
„Damit wir uns wegen unserer Niederlage volllaufen lassen können?“, schlug Grayson vor.
„Nein, damit wir etwas zu trinken haben, während wir darauf warten, dass sie zurückkommt.“ Als ich seinen ungläubigen Blick sah, erklärte ich: „Vertrau mir. Sie kommt zurück.“
„Wie auch immer“, brummte er.
Gerade als er sich aus der Nische schwang, tauchte Vivian aus der Menge auf. Sie richtete einen Finger auf uns und sagte: „Ich hoffe doch sehr, dass ihr zwei nicht erwartet, dass ich beim ersten Date einen Dreier mit euch habe.“
Vivian
Als ich mich durch die wimmelnde Menge drückte und schob, dröhnten Theos Worte lauter in meinem Kopf als die House-Musik.
„Ich will hören, wie du meinen Namen schreist, wenn du kommst.“
Weißglühende Wut durchfuhr meinen Körper, während Scham in mir aufstieg. Wie konnte Theo es wagen, mir vorzuschlagen, einen Dreier mit Grayson und ihm zu haben? Diese unglaubliche Dreistigkeit. Und das Gleiche galt für Grayson, was das betraf. Für was für eine Frau hielten sie mich?
Ich meine, ich wollte niemanden verurteilen, aber offensichtlich nahmen nur lüsterne Frauen an Dreiern teil, oder? Und obwohl ich nicht prüde war, war ich ganz gewiss keine lüsterne Frau.
Nicht nur hielten sie mich für eine potenzielle Schlampe, ich war auch noch eine frustrierte und ängstliche.
Und noch einmal hörte ich Theos Stimme über dem dröhnenden Bass.
„Gib es zu: Du langweilst dich zu Tode. Mehr als alles andere auf der Welt willst du etwas Spontanes tun. Etwas Verrücktes.“
Mit einem frustrierten Schnauben schlängelte ich mich an zwei halb bekleideten Studentinnen vorbei. Wie konnte ausgerechnet jemand wie Theo meine Ängste und Wünsche kennen? Er war erst ein paar Jahre über dem gesetzlichen Mindestalter, ab dem man Alkohol legal zu kaufen bekam. Abgesehen davon war er nur ein College-Eishockeyspieler.
Ein College-Eishockeyspieler, der direkt durch meine Fassade hindurchgesehen hatte.
Ich war gelangweilt. Ich wollte etwas Spontanes und Verrücktes.
Mein Blick fiel auf den Ausgang, und ein Bild meines Vision Boards blitzte vor meinen Augen auf, auf dem das Wort „leben“ in Neon leuchtete. Abrupt hielt ich inne, sodass meine Absätze rutschend auf dem Boden zum Stehen kamen, als die Erkenntnis mich wie eine Tonne Ziegelsteine traf.
Es war ein Zeichen.
Wie die Menschen der Tudor-Ära, über die ich schrieb, glaubte ich an Zeichen. Im Laufe der Jahre hatte ich nach ihnen gesucht, um große Entscheidungen zu treffen. Ich hatte sogar die Stelle an der Southeastern wegen eines Zeichens angenommen.
Ich hatte Angebote von zwei anderen Universitäten erhalten, als das von Southeastern auf meinem Handydisplay aufploppte. Ich schaute gerade Das Dschungelbuch mit meiner Nichte und meinem Neffen, und Baghira sprach auf dem Bildschirm. Ich hatte nach Luft geschnappt, weil das Maskottchen von Southeastern ein Panther war.
Manche Leute hätten das sicher als Zufall betrachtet oder gedacht, ich wäre verrückt, aber ich war davon überzeugt, dass es ein Zeichen war. Die Tatsache, dass meine Eltern und mein Bruder in der Nähe der Universität wohnten, war das Sahnehäubchen.
Und die Vision, die ich von meinem Vision Board hatte, war wieder ein Zeichen.
Wenn ich durch diese Tür ging, würde ich meine Chance zu leben verpassen.
Langsam drehte ich mich wieder um. Als ich einen vorsichtigen Schritt nach vorn machte, schrie eine Stimme in meinem Kopf: Vivian Elizabeth Whitlock, du ziehst doch nicht ernsthaft in Erwägung, an einem Dreier mit zwei College-Eishockeyspielern teilzunehmen?
An meiner Lippe knabbernd, wägte ich den moralischen und ethischen Aspekt dieser Sache ab. Ich war nie das gewesen, was man sexuell abenteuerlustig nennen würde. Ich meine, ich konnte meine Partner, die ich über die Jahre hinweg gehabt hatte, noch immer an beiden Händen abzählen. Aber man könnte argumentieren, dass es für alles ein erstes Mal gab. Ich meine, ich war nie prüde gewesen, was Sex anging. Worüber sollte ich also die Nase rümpfen?
Wir waren nur drei Erwachsene, die einvernehmlich an einer sexuellen Begegnung teilnahmen. Wir taten niemandem weh.
„Ich mache das“, murmelte ich leise vor mich hin und schlug entschlossen den Weg zurück zu den Jungs ein.
Gerade als ich Graysons und Theos Nische erreichte, tauchte Grayson vor mir auf. Sein niedergeschlagener Gesichtsausdruck hellte sich auf, und in seinen Augen stand fassungslose Überraschung. Als ich meinen Blick zu Theo schweifen ließ, betrachtete dieser mich triumphierend.
Mit dem Finger auf sie deutend, sagte ich: „Ich hoffe doch sehr, dass ihr zwei nicht erwartet, dass ich beim ersten Date einen Dreier mit euch habe.“
Graysons Augenbrauen schossen hoch bis zu seinem Haaransatz. „Verdammt, du meinst das ernst?“
Ich reckte mein Kinn in die Höhe. „Das tue ich.“
Theos Augen glitzerten vor Lust, als er sich in der Nische nach vorn lehnte und praktisch schnurrte: „Braves Mädchen.“
Heilige. Scheiße. Meine Knie zitterten leicht, nicht nur wegen der Worte, sondern auch wegen der Art und Weise, wie sie vorgebracht wurden. Herrgott, wie konnte dieser jüngere Mann so ein Prachtkerl sein? Als ob er meine Gedanken lesen könnte, zwinkerte Theo mir zu.
Ich löste meinen Blick von seinem, bevor mein Tanga vollständig in Flammen aufging, und wandte meine Aufmerksamkeit Grayson zu. Im Gegensatz zu seinem sexbesessenen Teamkollegen starrte er mich mit einem albernen, liebenswerten Grinsen an. „Ich kann nicht glauben, dass du zurückgekommen bist.“
Mit einem nervösen Lachen erwiderte ich: „Dann sind wir schon zu zweit.“
„Ich wusste, dass du zurückkommen würdest“, sagte Theo mit einer lächerlich tiefen Stimme. Als ich meinen Blick ihm zuwandte, verschränkte er mit einem selbstgefälligen Grinsen die Arme vor seiner breiten Brust. „Habe ich dir nicht gesagt, dass sie zurückkommen würde, Gray?“
Grayson nickte. „Das hat er wirklich. Ich dachte, er redet Mist, aber hier bist du.“
Meine Hände in die Hüften stemmend, entgegnete ich: „Wie konntest du dir da so sicher sein?“
Theos selbstgefälliges Grinsen vertiefte sich. „Wegen dem, was ich in deinen Augen gesehen habe.“
„Lass mich raten. Geilheit?“, fragte ich genervt.
Grayson schnaubte, doch Theo schüttelte den Kopf. „Sehnsucht.“
Ich erwiderte seinen hypnotischen Blick, und ein Schauer der Erwartung kroch meinen Rücken hinauf. Wie war es möglich, dass er jemanden, den er gerade erst kennengelernt hatte, so klar sehen konnte? Die meisten Männer, mit denen ich ausging, hatten selbst nach drei oder vier Verabredungen keinen blassen Schimmer, was meine Wünsche und Bedürfnisse waren. Manche sahen mich niemals wirklich.
Ich schenkte Theo ein neckisches Lächeln. „Auch wenn es dir sicher zu Kopf steigen und dein Ego anschwellen lassen wird, du hast recht.“
„In deiner Gegenwart zu sein, lässt bei mir etwas ganz anderes anschwellen als mein Ego“, scherzte Grayson und wackelte mit den Augenbrauen.
Mir entkam ein leises Lachen, und Theo stöhnte. „Im Ernst, Gray?“
„Viv schätzt meine Anspielung. Nicht wahr?“
„Ich bin mir nicht sicher, was das über mich aussagt, aber ja“, erwiderte ich grinsend.
Theo schnaubte verächtlich. „Wie zum Teufel hat er eine Frau wie dich mit solchen Sprüchen rumgekriegt?“
„Weil er bei mir keine Sprüche verwendet hat.“ Ich streckte eine Hand aus, um Graysons Haar zu zerzausen. „Er war aufrichtig und charmant.“
Grayson strahlte bei meinem Lob. „Ich bin ein totaler Zimtschneckentyp, oder?“
Ich warf den Kopf lachend zurück. „Ja, das bist du.“
Grayson stieß Theo spielerisch an. „Hab ich dir doch gesagt.“
Bevor Theo antworten konnte, kehrte unsere Kellnerin zurück, um unsere Essensbestellungen aufzunehmen. Nachdem ich einen Burger und Pommes bestellt hatte, sagte ich zu den Jungs: „Ich muss kurz auf die Toilette.“
„Sie sind rechts von der Bühne im hinteren Bereich“, informierte mich Theo, als er der Kellnerin die Speisekarten reichte.
„Danke.“
Wieder bahnte ich mir einen Weg durch die Menge. Diesmal waren meine Gefühle nicht so durcheinander wie zuvor. Natürlich spürte ich noch immer die Nervosität wegen des bevorstehenden Dreiers in mir. Und ich wusste, dass die so schnell nicht verschwinden würde. Es gab keinen Grund, zwei jungen Männern, die ich gerade erst kennengelernt hatte, zu vertrauen, aber ich tat es. Irgendetwas sagte mir, dass Grayson und Theo mich gut behandeln würden.
Nach meinem kurzen Stopp auf der Damentoilette, eilte ich durch die Tür zurück auf den Gang, nur um direkt gegen eine Wand aus harten Muskeln zu laufen. „Uff“, murmelte ich überrascht.
Ich ließ meinen Blick an dem Besitzer der eben erwähnten Muskeln hinaufwandern und schluckte schwer. Wie meine beiden Dates, die am Tisch auf mich warteten, war er umwerfend. Aber die Ähnlichkeiten endeten nicht bei der Größe. Er war auch wahnsinnig gut aussehend, genau wie Grayson und Theo. Seine kastanienbraunen Augen passten zu dem Haar, das unter seiner verkehrt herum aufgesetzten Atlanta-Braves-Baseballkappe hervorlugte.
Im Ernst, es war, als hätte ich heute Abend den Hauptgewinn gezogen, wenn es um Begegnungen mit hinreißenden jüngeren Männern ging.
Der Fremde schenkte mir ein Lächeln und entblößte dabei zwei perfekte Reihen perlweißer Zähne. „Immer mit der Ruhe, Süße. Wo brennt’s denn?“
Heiliger Bimbam, was für ein Südstaaten-Akzent. Es kam nicht oft vor, dass ich einen Dialekt wie seinen hörte, der nicht von einem Schauspieler in einem Film stammte. Das verunsicherte mich nur noch mehr.
Als mir bewusst wurde, dass ich ihn mit weit aufgerissenen Augen und offenem Mund angestarrt hatte, erhitzten sich meine Wangen vor Verlegenheit. Hinzu kam noch, dass mein Körper eng an seinen gedrückt war, was die Erniedrigung komplett machte.
Ich versuchte, mich loszureißen, doch es gelang mir nicht. Stirnrunzelnd ließ ich meinen Blick zu der Stelle wandern, an der ich festhing. Gerade als ich dachte, es könnte nicht schlimmer werden, musste ich feststellen, dass ich irgendwie an ihm festklebte.
Zum ersten Mal wurde mir bewusst, dass es nicht nur sein harter Körper war, gegen den ich gelaufen war. Die Saiten der Gitarre, die er umgeschnallt hatte, hatten sich irgendwie im Stoff meines Kleides verfangen.
Ich gestikulierte auf die Verbindung zwischen uns und sagte: „O nein! Es tut mir so leid.“
Mit einem Zwinkern erwiderte er: „Das muss es nicht. Es passiert nicht jeden Tag, dass ich mit einer bezaubernden Lady zusammentreffe.“
Sein Kompliment ließ erneut eine warme Röte in meine Wangen steigen. „D-Danke“, stammelte ich wie eine Teenagerin. Herrgott, Viv, reiß dich zusammen und benimm dich wie die erwachsene Frau, die du bist!
Ich versuchte, den verfangenen Stoff von den Saiten zu lösen, und verzog das Gesicht. „Ich fürchte, ich werde deine Gitarre beschädigen.“
„Und ich mache mir Sorgen, dass ich dein hübsches Kleid ruinieren könnte.“
Als ich meinen Kopf ruckartig hob und ihn ansah, zwinkerte er mir zu. Ich schüttelte den Kopf und erwiderte: „Mein Kleid ist das Letzte, woran du denken solltest. Ich meine, ich bin mir ziemlich sicher, dass du für deine Gitarre mehr bezahlt hast als ich für dieses Kleidungsstück.“
„Was für ein Gentleman wäre ich, wenn ich dein Outfit ruinieren würde?“
„Wahrscheinlich wie viele Männer, mit denen ich unglücklicherweise zu tun gehabt habe“, gab ich zu. Moment, hatte ich das wirklich gerade vor einem Fremden gesagt? Mein Mund ging heute ernsthaft mit mir durch.
Zu meiner Überraschung verschwand das Lächeln von seinem Gesicht. „Eine wunderschöne Lady wie du sollte sich nicht mit so vielen Arschlöchern umgeben.“
„Wem sagst du das“, sinnierte ich und fummelte weiter an dem Stoff herum.
Als der Stoff endlich nachgab, atmete ich erleichtert aus. „Nochmals, es tut mir leid.“
„Wie ich schon gesagt habe, eine Entschuldigung ist nicht nötig. Ich bin genauso schuld wie du, da ich nicht aufgepasst habe.“
„Vielleicht überlegst du dir das noch einmal, nachdem du deine Gitarre überprüft hast.“
Er neigte das Instrument zur Seite. Nachdem er es einen Moment lang begutachtet hatte, fuhr er mit den Fingern über die Saiten. „Klingt gut für mich.“
Erleichtert atmete ich aus. „Das freut mich.“
„Mich auch.“
„Nun, ich wünsche dir noch einen schönen Abend.“ Als ich mich umdrehte und weggehen wollte, hielt er mich auf. „Warte mal. Gehst du auf die Southeastern?“
Ich verengte meine Augen zu Schlitzen und konnte nicht anders, als zu fragen: „Das kann nicht dein Ernst sein?“
Er runzelte die Stirn. „Doch, das meine ich ernst. Warum?“
Als mir klar wurde, dass er mich nicht anmachte, entwich mir ein nervöses Lachen. „Tut mir leid. Ich dachte, du würdest mich auf den Arm nehmen.“
„Warum?“
„Ich bin dort, aber nicht als Studentin. Ich arbeite dort in der Bibliothek.“
Er schnippte mit den Fingern. „Stimmt.“
„Irgendwie kann ich mir nicht vorstellen, dass ein Typ mit einer Gitarre viel Zeit in der Bibliothek verbringt“, neckte ich ihn.
Er zeigte mir wieder sein strahlendes Lächeln. „Ich bin sehr lernbegierig.“
„Ein Mann mit vielen Talenten.“
Er streckte stolz die Brust heraus und erwiderte: „Das hoffe ich doch.“
Gerade als ich meine Hand ausstreckte, kam ein Typ den schmalen Flur heruntergestürmt. „Alter, wo zum Teufel warst du? Wir haben überall nach dir gesucht.“
„Tut mir leid, Mann. Ich habe mich nur unterhalten.“
Der Typ schüttelte den Kopf und begann dann, meinen charmanten Südstaatler weiter den Flur hinunterzuzerren. „Tut mir leid! Ich muss los!“
„Ist schon okay.“
„War schön, dich getroffen zu haben!“, rief er.
Ich lachte. „Ganz meinerseits.“
Ich schüttelte den Kopf und machte mich dann auf den Rückweg zu den Jungs. Als ich zum Tisch zurückkehrte, wartete ein weiterer Cranberry Wodka auf mich. Ich zog fragend die Augenbrauen hoch, und Theo erklärte: „Wir haben uns die Freiheit genommen, dir noch einen Drink zu bestellen.“
„Ich habe bereits Ja gesagt, ihr müsst mich also nicht abfüllen“, neckte ich.
„Wir haben für alle noch etwas zu trinken bestellt“, erwiderte Theo.
Grayson zwinkerte mir zu. „Ich brauchte auf jeden Fall noch einen, um mich von all den Fantasien abzukühlen, die ich von uns dreien habe.“
Ein Bild von den beiden, wie sie vor mir knieten, blitzte in meinem Kopf auf und ließ meine Knie weich werden, sodass ich wenig schmeichelhaft auf die Sitzbank plumpste. Mit trockenem Mund griff ich schnell nach meinem Drink. Ich nahm zwei tiefe Schlucke und blickte zwischen den beiden hin und her.
„Tut ihr beide …“
Reiß dich zusammen, Viv. Wie kannst du möglicherweise an einem Dreier teilnehmen, wenn du nicht darüber reden kannst?
Ich straffte meine Schultern, ehe ich fragte: „Teilt ihr euch oft Frauen?“
„Nur während der Eishockeysaison.“
Offensichtlich musste ich verwirrt dreingeschaut haben, denn Theo führte weiter aus: „Es hat mit unserem Aberglauben zu tun.“
Ich blinzelte ihn überrascht an. „Ihr habt ein Dreier-bezogenes Eishockeyritual?“
„Verdammt, ja“, antwortete Grayson. Dann klärte er mich über Theos und seine außerschulischen, eishockeysaisonspezifischen Aktivitäten auf.
„Das ist … interessant“, merkte ich an, als er fertig war.
„Lass mich raten. Du denkst, wir sind verrückt“, neckte Grayson.
Ich schüttelte den Kopf. „Nein. Ich verstehe es.“ Ich dachte an meine Vision von vorhin. „Ich bin jemand, der an Zeichen glaubt.“
„Also hast du auch einen kleinen Aberglauben, der dich betrifft?“, fragte Theo.
„Ja, den hab ich. Ich meine, es ist nur wegen der Zeichen und einem Vision Board, dass ich heute Abend überhaupt hier sitze.“
Die Augen der Jungs weiteten sich, als ich ihnen erzählte, was ich erlebt hatte. „Heilige Scheiße, das ist unglaublich“, bemerkte Grayson, und Theo nickte.
„Das denke ich auch.“
Wir wurden von dem Kreischen eines Mikrofons und einem Grölen unterbrochen, das über die Menge hinwegfegte. „Guten Abend, allerseits“, dröhnte eine vertraut klingende Stimme aus den Lautsprechern.
Theo deutete zur Bühne. „Das da ist unser Mitbewohner, von dem wir dir erzählt haben.“
Ich blickte auf und schnappte nach Luft. Mein Südstaaten-Charmeur von vorhin stand auf der Bühne.












