Inhaltsangabe
Rafferty Abrams lebt den Traum – Ruhm, Erfolg, jede Menge Spaß mit den Pittsburgh Titans. Doch ein verhängnisvoller One-Night-Stand droht, sein Leben ins Chaos zu stürzen. Und ausgerechnet ein heißer Kuss mit einer Fremden wird zum Wendepunkt …
Als Eishockey-Star kann ich mir einiges erlauben – bis ein One-Night-Stand mich plötzlich wie ein Schatten verfolgt. In einem Supermarkt bleibt mir nur eine Möglichkeit: Ich ziehe eine wunderschöne Fremde in meine Arme und küsse sie so wild, als gehöre sie längst zu mir. Was als Verzweiflungsakt beginnt, entfacht ein Verlangen, das mich mit voller Wucht trifft.
Temperence Martin ist nicht nur die hinreißende Frau im Gang für internationale Spezialitäten – sie ist stark, klug und kämpft darum, ihre Familie zusammenzuhalten. Doch als unsere Lippen aufeinandertreffen, blitzt in ihren Augen etwas auf, das mich süchtig macht. Aus einem inszenierten Spiel wird eine Versuchung, der ich nicht mehr widerstehen kann. Jede Berührung, jeder Blick, jede zufällige Nähe knistert wie ein Stromschlag – und ich will mehr. Viel mehr.
Je näher wir uns kommen, desto klarer wird, dass diese ursprünglich vorgetäuschte Beziehung kein Spiel ist. Keine Ausrede. Keine Show. Ich will Temperence – mit jeder Faser meines Körpers, mit jedem Schlag meines Herzens. Aber meine Vergangenheit lässt uns nicht in Ruhe, und plötzlich steht zwischen uns ein Lügengeflecht, das alles zerstören könnte.
Leseprobe
Rafferty
Ich ziehe mein schweißnasses Trikot aus und genieße das Zittern in den Beinen, das mir sagt, dass ich mich richtig ausgepowert habe. Das Training heute war der Hammer, und der Coach hat uns hart rangenommen – vor allem nach unserem knappen Sieg gegen die Nashville Badgers. Meine Muskeln schmerzen, und ich bin am Verhungern; ein weiteres Zeichen dafür, dass ich für mein Team alles gegeben habe.
In der Umkleidekabine herrscht wie immer ziemlicher Trubel. Dieses Team hat in den letzten zwei Jahren, seit weite Teile der ursprünglichen Mannschaft bei einem Flugzeugunglück ums Leben gekommen sind, eine ungeheure Kameradschaft entwickelt. Obwohl dies meine erste Saison bei den Titans ist, hat mich diese Bruderschaft von Männern, die mit mir das Eis teilen, so selbstverständlich aufgenommen, dass ich mir nicht vorstellen kann, jemals wieder woanders zu spielen.
Das leise Stimmengewirr mischt sich mit Gelächter – die Jungs entspannen sich nach der Anstrengung und freuen sich wie ich über ein weiteres erfolgreiches Training. In dieser Saison läuft bei uns alles wie am Schnürchen, und die Eishockeywelt redet über unser Team. Ich kann mir vorstellen, dass die Quoten bei den Buchmachern, dass wir die Meisterschaft gewinnen, durch die Decke gehen, bei dem Lauf, den wir im Moment haben. Aber niemand von uns achtet auf so etwas. Wir arbeiten jeden Tag mit Blut, Schweiß und Tränen daran, die beste Eishockeymannschaft zu werden, die wir sein können.
Ich lehne mich an meinen Spind, das Handtuch über dem Kopf, und versuche, zu Atem zu kommen. Atlas Karolak, unser zweiter Left Wing, erzählt gerade über einen Moment aus dem Spiel von gestern Abend.
„Ehrlich, Mann, du hättest dein Gesicht sehen sollen!“, lacht er und schlägt North leicht auf die Schulter. North Paquette ist sein Teamkollege und Right Wing. „Ich dachte schon, du würdest den Puck voll auf den Gesichtsschutz kriegen.“
North verdreht die Augen und grinst. „Ja, klar, als ob ich das zulassen würde. Meine Mutter hat immer gesagt, ich hätte ein Gesicht für Kameras, nicht für Nähte.“
Ich lache mit, nehme das Handtuch vom Kopf und werfe ein: „Genau, pass besser auf dein hübsches Lächeln auf. Wir können schließlich nicht alle so rau aussehen wie ich.“
Foster nickt mir zu. „Raff hier hat echt schon genug Narben. Stammen nicht ein paar davon von Kämpfen in der Junior League?“
„Schuldig im Sinne der Anklage“, gebe ich zu und fahre mit der Hand über eine schwache Narbe oberhalb meiner Augenbraue – ein Andenken an eine Schlägerei, die mir neben ein paar Stichen auch eine wirklich erzählenswerte Geschichte eingebracht hat.
Das Lachen wird immer lauter, während wir uns gegenseitig aufziehen, und die lockere Kameradschaft steht im krassen Gegensatz zur angespannten Intensität auf dem Eis. Augenblicke wie diese erinnern mich daran, warum ich diesen Sport liebe, warum ich mich durch jedes harte Training und jedes Spiel quäle. Es geht nicht nur um den Nervenkitzel des Wettkampfs, sondern auch um diese Jungs, um diese Kameradschaft.
Nach einem Eisbad für mein schmerzendes Knie und einer Dusche packe ich langsam meine Sachen zusammen, denn ich bin noch nicht besonders erpicht darauf, loszufahren. Ich liebe die Atmosphäre dieses Ortes und bin lieber hier als daheim.
Als ich den Reißverschluss meiner Sporttasche schließe, summt mein Handy, und eine Erinnerung erscheint.
Einkaufen.
Ungeachtet der Tatsache, dass ich außer ein paar Proteinriegeln, die ich nach einem so intensiven Training auch brauchen werde, so gut wie nichts mehr zu essen habe, fluche ich leise vor mich hin.
Ich hasse Lebensmitteleinkäufe.
Generell gehe ich nicht gern einkaufen, aber in diesem Fall ist es notwendig. Ich mache mir im Kopf eine Einkaufsliste, weil ich nicht der Typ bin, der so etwas aufschreibt, und überlege mir, was ich heute Abend essen will. Eigentlich könnte ich mir etwas Süßes gönnen, das kann ich nach den heute verbrannten Kalorien leicht rechtfertigen. Schokokekse wären genau das Richtige, aber ich werde sie mir wahrscheinlich versagen, wenn ich die Gänge durchstöbere. Ich bin ziemlich sorgfältig darauf bedacht, meinem Körper keinen verarbeiteten Zucker zuzuführen, höchstens zu besonderen Anlässen, und ein wirklich gutes Training zählt nicht als solcher.
In der Spieler-Tiefgarage werfe ich meine Tasche auf den Rücksitz meines Escalade und mache mich auf den Weg zu dem Lebensmittelgeschäft, das meiner Wohnung in North Shore am nächsten liegt. Der Tag neigt sich dem Ende zu, die untergehende Sonne färbt den Himmel orange und violett. Es ist wunderschön, wie auf einer Postkarte, und die Stadtansicht auf der anderen Seite des Flusses ist magisch.
Als ich den Laden betrete, habe ich das Training gedanklich bereits hinter mir gelassen und konzentriere mich auf unser morgiges Heimspiel gegen Seattle Storm. Ich schlendere durch die Gänge und ziehe geistesabwesend Dinge aus den Regalen, weil ich gedanklich schon so bei dem Spiel bin.
Durch den Gang mit den Konserven gelange ich zu den internationalen Lebensmitteln und stoße dort fast mit einer Angestellten zusammen, die gerade die Regale einräumt. Mein Einkaufswagen rammt ihre Palette, und ich fluche halblaut: „Mist! Tut mir leid.“
Sie wendet mir den Kopf zu und schenkt mir ein Lächeln, bei dem sich in ihren Mundwinkeln Grübchen bilden. „Nichts passiert. Das Ding ist hart im Nehmen.“
Die geraden Zähne und die vollen Lippen in dem wahnsinnig hübschen Gesicht machen mich für einen Moment sprachlos. Strahlende grüne Augen vor karamellfarbenem Haar, das zum Pferdeschwanz hochgesteckt ist. Klar, die Uniform des Lebensmittelladens ist in einem grässlichen senfgelben Farbton gehalten und besteht aus etwas, das aussieht wie Polyester, aber sie kann nicht über den tollen Körper der Frau hinwegtäuschen.
Plötzlich sind die Gedanken an das Spiel verflogen, und ich habe große Lust auf thailändisches Essen, obwohl ich noch nie in meinem Leben ein entsprechendes Gericht gekocht habe. Ich schiebe mich an ihr vorbei und schaue mir die Regale direkt daneben an, wo sie immer noch Dosen mit Kokosnussmilch nachfüllt.
Als ich gerade überlege, wie ich sie um Hilfe bitten kann, um ein zwangloses Gespräch zu beginnen, nehme ich aus dem Augenwinkel eine Bewegung wahr.
Von links kommt eine Frau auf mich zu. Sie hat mich fast erreicht.
Tansy Carmichael.
Ihr blondes Haar ist nicht zu übersehen, ihr Gang ist zielstrebig, als sie direkt auf mich zukommt. Panik macht sich in meiner Brust breit.
Diese Frau hat sich vom Ärgernis zum Problem entwickelt – nicht nur, weil ich vor über einem Monat einmal mit ihr geschlafen habe und seitdem versuche, sie abzuschütteln, sondern auch, weil sie Brienne Norcross’ Cousine ist und als Marketingleiterin für die Titans arbeitet.
Ich habe versucht, ihr mein Desinteresse höflich und sanft zu vermitteln, aber das ist mir offenbar nicht gut gelungen. Sie scheint überall aufzutauchen, wo ich hingehe, und ich frage mich, ob ich es mit einer echten Stalkerin zu tun habe.
Natürlich kann ich mich deswegen nicht an die Personalabteilung wenden, denn sie ist, wie gesagt, mit Brienne Norcross verwandt, und die wiederum ist meine Chefin, denn ihr gehören die Pittsburgh Titans.
Blitzschnell treffe ich eine Entscheidung. Ich packe die schöne Verkäuferin und ziehe sie an mich, in der Hoffnung, dass sie mir nicht das Knie in die Eier rammt oder die Polizei ruft. Als ich eine Hand um ihre Taille und die andere in ihren Nacken lege, sehe ich den Schock in ihren grünen Augen aufblitzen, dann lege ich den Mund auf ihren.
Es ist rücksichtslos und impulsiv, aber verzweifelte Zeiten erfordern verzweifelte Maßnahmen.
Sie schnappt nach Luft und versucht, sich von mir zu lösen, aber ich flüstere ihr zu: „Bitte … spielen Sie einfach mit. Sie retten mich vor einer Verrückten.“
Als ich den Kopf hebe, sehe ich, dass in ihren grünen Augen mehr Verwirrung steht als alles andere, aber dann legt sie zu meiner Überraschung die Arme um meinen Hals und erwidert meinen Kuss. Ich bin nicht einmal besonders beeindruckt, dass sie verrückt genug ist, um mitzuspielen, denn verdammt, kann sie küssen! Weiche Lippen, dreiste Zunge.
Ich habe keine andere Wahl, als mich darauf einzulassen, und so kommt es zu einem heftigen Kuss zwischen uns, auf den mein Körper auf peinliche Weise reagiert, aber das ist mir im Moment egal.
„Rafferty, wer ist das bitte?“ Tansys Stimme hat etwas Scharfes, ihr Tonfall durchdringt die träge Glückseligkeit, mit der ich den Mund der Fremden erkunde.
Langsam löse ich mich von der Frau und starre in ihre moosgrünen Augen, die scheinbar amüsiert funkeln. Mein Blick fällt auf das Namensschild auf ihrer Brust, auf dem „Temperance“ steht.
Ich nehme Temperance bei der Hand, drehe mich langsam zu Tansy um und tue, als sei ich überrascht, sie zu sehen.
„Tansy … hi“, sage ich und drücke beruhigend die kleine Hand in meiner. „Was tust du denn hier?“
Sie sieht mich mit ihren kalten blauen Augen an. „Ich habe gefragt, wer diese Frau ist.“
Bevor ich antworten kann, tritt Temperance vor, streckt die freie Hand aus und sagt mit einem höflichen Lächeln: „Hi, ich bin Temperance Martin, aber alle nennen mich Tempe.“
Temp-ie.
Ich liebe diesen Namen.
Tansy ignoriert die Begrüßung, sie hat nur Augen für mich. „Warum hast du sie gerade geküsst?“
Noch ehe ich den Mund öffnen kann, legt Tempe den Arm um meine Taille, lehnt den Kopf an meine Schulter und antwortet: „Na, Rafferty und ich sind zusammen.“
Tansy hebt überrascht die Brauen, und ihre Augen glitzern hämisch, als sie Tempe ansieht. „Ach, tatsächlich? Hat er dir erzählt, dass er kürzlich mit mir geschlafen hat?“
Mein Magen schlägt einen Salto, denn obwohl Tempe ein sehr cooles Mädchen zu sein scheint, dem diese Komödie vielleicht sogar Spaß macht, klingt das unschön. „Das war vor über einem Monat“, stelle ich klar. „Ein einziges Mal.“
Die schöne Frau, die sich Tempe nennt und sich an mich schmiegt, als wäre ich die Liebe ihres Lebens, zuckt nur die Achseln. „Wir hatten uns auf eine Pause geeinigt. Ich habe mir auch gerade die Hörner abgestoßen, um ehrlich zu sein.“ Ich verschlucke mich fast vor Lachen, schaffe es aber, das Bedürfnis zu unterdrücken und keine Miene zu verziehen. „Aber jetzt sind wir wieder zusammen, und zwar fester denn je.“
Ich sehe, dass Tansy mir kein Wort abkauft. Ihr Gesicht ist zu einer Fassade kühler Gelassenheit gefroren. „Wenn du meinst“, krächzt sie und zwinkert mir zu. „Ich glaube dir kein Wort. Du hast mich kommen sehen und dir diese Fremde zum Küssen geschnappt. Ich kenne deine Spielchen, aber die kann man auch zu zweit spielen. Bis demnächst, Rafferty.“
Als Tansy geht, seufze ich tief auf. Tempe lässt mich los und wendet sich wieder den Regalen zu, als wäre es für sie ein ganz normaler, alltäglicher Vorgang, dass ein Fremder sie im Gang mit den internationalen Lebensmitteln anspricht und küsst.
„Danke“, flüstere ich und drehe mich zu ihr um. „Du warst fantastisch, und ich schulde dir etwas.“
Tempe grinst und wirft mir einen Seitenblick zu. „Dienst am Kunden.“ Sie schnappt sich eine Dose, überlegt dann und wendet sich dann wieder mir zu. „Es hat sogar Spaß gemacht.“
Lachend reibe ich mir den Nacken. „Ja, irgendwie schon.“
Ihr Lächeln wird wissend, die Grübchen tauchen auf. „Ein One-Night-Stand mit unschönem Nachspiel?“
„Das kann man sagen“, murmele ich, und mein Gesicht rötet sich vor Verärgerung. „Tansy ist hartnäckig … sehr hartnäckig. Sie stalkt mich fast schon, und als ich gesehen habe, wie sie auf mich zukam, habe ich Panik bekommen und dich in die Sache hineingezogen. Danke übrigens, dass du mir nicht in die Eier getreten hast.“
Sie hebt die Augenbrauen und sieht mich neugierig an. „Du siehst nicht aus wie jemand, der sich retten lassen muss.“
Ich kann mir ein Lachen nicht verkneifen. „Der Schein trügt, denke ich. Aber mal im Ernst, ich danke dir. Wenn ich irgendetwas tun kann, um es wiedergutzumachen …“
Tempe schüttelt den Kopf, ihr goldblonder Pferdeschwanz fliegt hin und her. „Ich trage nur meinen Teil dazu bei, Dramen im Lebensmittelladen zu vermeiden.“
In diesem Moment begreife ich, dass sie wohl nicht weiß, wer ich bin. Sie hat weder etwas in der Richtung angedeutet, noch hat sie so getan, als hätte sie gerade einen Star geküsst. Ich muss zugeben, dass diese Anonymität erfrischend ist. Ich überlege gerade, ob ich sie auf einen Drink einladen soll, als ein Mann um die Ecke kommt, der das gleiche senffarbene Hemd und die gleiche khakifarbene Hose trägt. Auf seinem Namensschild steht „Dale, Associate Manager.“
„Ah, da bist du ja, Tempe. Ich brauche dich an Kasse fünf. Wir haben einen ziemlichen Ansturm, und zwei der Selbstbedienungskassen sind defekt.“
„Natürlich“, sagt sie mit einem dienstbeflissenen Nicken, ehe sie mir die Dose Kokosnussmilch reicht. „Hier, auf der Rückseite steht ein tolles Curryrezept.“
„Oh … ja, ähm, danke für die Hilfe. Ich weiß das sehr zu schätzen.“
Tempe lächelt und geht an Dale vorbei, der sie nur kurz anschaut und seinen Blick dann wieder mir zuwendet. Als er mich erkennt, reißt er die Augen auf. „Oh mein Gott … Sie sind Rafferty Abrams.“
„Der bin ich“, sage ich und reiche ihm die Hand. Seine Handfläche ist schweißnass, und ich widerstehe dem Drang, mir meine am Bein meiner Trainingshose abzuwischen. Dann nicke ich über seine Schulter hinweg in die Richtung, in die Tempe gegangen ist. „Ihre Angestellte … sie war sehr hilfreich. Sie sollten ihren Lohn erhöhen.“
Dale lacht, als wäre das das Absurdeste überhaupt, gibt aber zu: „Ja … Tempe ist eine unserer Besten.“
„Ich lasse Sie mal besser wieder an die Arbeit gehen“, beende ich das Gespräch und lege die Kokosmilch in meinen Einkaufswagen.
Der Manager schüttelt den Kopf, und ich wende mich ab. Ich gehe weiter durch die Gänge, entschlossen, mich in die Schlange an Tempes Kasse einzureihen und sie auf einen Drink einzuladen.
Aber als ich dort ankomme, steht sie an keiner der Kassen.
Ich überlege, ob ich durch den Laden laufen soll, um sie zu suchen, entscheide mich dann aber dagegen. Die letzte Begegnung mit einer Frau – Tansy – hat nicht so gut geendet, und ich habe kein Problem damit, mich für eine Weile zurückzuhalten und mich auf Eishockey zu konzentrieren.