Inhaltsangabe
Matteo „Lucky“ Branson hat eigentlich alles: eine steile Hockeykarriere, eine riesige Fangemeinde und genau den Charme, der auf TikTok mühelos Trends setzt. Als gut gelaunter Linksaußen der Pittsburgh Titans hat er sich ein Image aus Aberglauben, Selbstbewusstsein und einer ordentlichen Portion Show aufgebaut. Doch als ihn eine virale Dating-Challenge ausgerechnet mit einer Frau zusammenbringt, der sein Ruhm vollkommen egal ist, muss Lucky feststellen, dass sich nicht jedes Spiel nach Plan spielen lässt.
Man nennt mich Lucky aus gutem Grund. Meine Großmutter ist überzeugt, dass ich bei meiner Geburt mit einem Fluch belegt wurde – und trotzdem werde ich seitdem jeden Tag aufs Neue vom Schicksal geküsst. Ich habe meinen Glücksbringer, mein Kleeblatt-Tattoo und mehr schräge Rituale, als ich zählen kann. Bisher hat es funktioniert. Das Leben läuft. Hockey, Reichweite, Spaß – ich gleite ziemlich entspannt durchs Leben.
Bis ich Winifred „Winnie“ Shaw treffe. Sie ist klug, direkt und zum Brüllen witzig. Ihr TikTok-Account ist fast so groß wie meiner und ihre Dating-Challenge geht gerade viral. Die Idee: Dreißig Tage daten, um zu beweisen, dass auch eine ganz normale Frau einen richtig guten Mann abbekommen kann. Ich bin der Erste, der zusagt. Ein Date, eine Nacht, dann zieht sie weiter.
Denkste.
In dem Moment, in dem sie mich augenrollend anblickt, bin ich verloren.
Sie hält mich für einen überbewerteten Sportler mit hübschem Gesicht und einer Portion Glück. Ich aber sehe sie: selbstbewusst, kurvig, elektrisierend – und ich will nicht nur ein zweites Date. Ich will jedes einzelne danach.
Ich habe mich immer darauf verlassen, dass das Glück mich schon dorthin bringt, wo ich sein soll. Aber diesmal? Bin ich bereit, darum für mein Glück kämpfen.
Leseprobe
Winnie
Ich komme ganze fünfzehn Minuten zu früh zur Schule. Das könnte ein Zeichen für die Apokalypse sein. Der Himmel ist in dieses verwaschene Grau gehüllt, das im März fast ständig über Pittsburgh hängt. Diese Farbe und Feuchtigkeit verraten eine launische Stimmung, als könnte sich der Himmel nicht entscheiden, ob es schütten oder ob er die Menschen mit einem stetigen Nieselregen belästigen soll. Während ich auf den kleinen Mitarbeiterparkplatz hinter der Schule fahre, tun meine Scheibenwischer träge ihren Dienst und die Reifen knirschen über die Reste des Schnees aus der vergangenen Woche.
Auf der anderen Seite des Parkplatzes, an der Hauptzufahrt, herrscht reges Treiben. Die Türen von Minivans und SUVs öffnen sich, Rucksäcke sind halb geschlossen, kleine Menschen huschen mit flatternden Jacken und ungeschnürten Turnschuhen davon. Ich muss über das ganze Chaos schmunzeln. Obwohl es manchmal einfach … viel ist, ist es doch der Inbegriff des Grundes, aus dem ich es liebe, Fünfjährige auf die Schule vorzubereiten. Eltern rufen ihren Kindern noch einmal zu, sie sollen an ihre Lunchboxen denken. Ich sehe, wie Mr. Martin, der die dritte Klasse unterrichtet, einen Ball auffängt, der vom Völkerball-Match auf dem Spielplatz angeflogen kommt.
Die Bloomfield Elementary ist nicht gerade pinterestwürdig. Die Backsteinfassade ist ausgebleicht, in den Blumenbeeten liegt noch der Mulch vom letzten Herbst, und der Zaun des Spielplatzes neigt sich leicht, als würden die Kinder in der Pause regelmäßig mit einem Rammbock dagegen stoßen. Aber es ist unsere Schule. Sie ist warm, unvergesslich und voller Erinnerungen, die nach Buntstiften duften. Heute bin ich ausnahmsweise einmal früh genug da, um zu sehen, wie die Schule zum Leben erwacht.
Ich habe meinen Kaffee und meine Umhängetasche voller Bastelpapier für ein Kunstprojekt dabei, und eine mentale Checkliste läuft mit Hochgeschwindigkeit ab: Pinnwand auf den neuesten Stand bringen. Bären zählen. Herausfinden, wer immer wieder Kulleraugen auf die Mathematik-Lernhilfen klebt, und anstatt die Schuldigen zu tadeln, werde ich ihre Kreativität loben.
Vielleicht – nur vielleicht – versuche ich, mich nicht zu sehr darauf zu fixieren, dass ein Eishockeyprofi diese Woche zwei TikTok-Beiträge über mich gemacht hat.
Gestern Abend habe ich seinen Stitch gesehen. Ich brauchte keine Hinweise von meinen Freunden darauf, die ihn gesehen hatten, denn obwohl ich Branson hatte abblitzen lassen, hatte ich mich gefragt, ob er tatsächlich aufgeben würde. Offen gestanden hatte ich damit gerechnet. Warum sollte ein Mann wie er seine Zeit mit meinem sozialen Experiment verschwenden? Er hat nichts zu beweisen, was mich auf dunklere Gedanken brachte.
Vielleicht macht er sich über mich lustig. Vielleicht wird er das zu einer Art Futter für seinen eigenen TikTok-Kanal machen. Die Vorstellung macht mich unruhig, und je mehr ich mich damit befasse, desto mehr muss ich davon ausgehen, dass genau das der Fall ist.
Sein Stitch war schließlich nicht besonders eindrucksvoll.
„Ich kann durchschnittlich sein. Ich glaube außerdem, du unterschätzt die Bedeutung von Snacks erheblich. Ich wette, ich kann dich umstimmen.“
Keine Ahnung, ob das eine Aufforderung war, nicht so engstirnig zu sein, oder vielleicht ein Versprechen, dass er mir genau das zeigen würde. Jedenfalls läuft sein Stitch in meinem Kopf wie ein verfluchter Ohrwurm in Dauerschleife ab.
Sein Grinsen. Dieser lächerliche Gesichtsausdruck. Die hoffnungslos charmanten Art, als würde er sich bereits vorstellen, wie wir auf einer Picknickdecke sitzen, Doritos teilen und einander peinliche Kindheitserlebnisse erzählen.
Als ich heute Morgen aufgewacht bin, habe ich mir geschworen, es mir nicht mehr anzusehen.
Doch ich bin willensschwach und habe es mir dreimal angeschaut, während Buttermilk mich missbilligend anstarrte. Ich konnte seinem Blick nicht standhalten, der sagte: Mädchen … du bist dumm.
Die Kommentare haben mir auch nicht geholfen. Meine Follower und Leute, die mir nicht mal folgen, waren eindeutig dafür, dass ich mit ihm ausgehe. Klar, es gab gelegentlich böse Kommentare, dass er weit außerhalb meiner Liga sei, aber die habe ich ignoriert. Ich habe früh gelernt, dass man sich ein dickes Fell zulegen muss, wenn man sich der Öffentlichkeit präsentiert.
Außerdem … haben sie nicht unrecht. Er ist komplett außerhalb meiner Liga.
Um den Gedanken an Branson zu verdrängen, habe ich mir eine Reihe anderer Nachrichten von Männern angesehen, die sich mit mir verabreden wollten. Sie waren zwar sehr süß, aber ihre Nachrichten waren alle unglaublich durchschnittlich. Dennoch habe ich eine Direktnachricht an zwei von ihnen geschickt, von denen ich dachte, dass sie zumindest das Potenzial für ein Kaffee-Date hätten,.
Ich gehe über den Lehrerparkplatz, den Kopf voller wirrer Gedanken über Kindergärten und heiße Sportler. Obwohl ich nicht an Manifestation oder Zufälle glaube, habe ich fast eine außerkörperliche Erfahrung, als ein großer Mann hinter einem ramponierten Toyota Corolla mit verbeultem Kotflügel und einem „No thoughts, just vibes”-Aufkleber auf der Stoßstange hervortritt.
Der Hüne ist unverkennbar Lucky Branson, und ich widerstehe dem Drang, mir die Augen zu reiben, weil ich denke, dass ich vielleicht Dinge sehe, die nicht da sind.
Er trägt verwaschene Jeans, einen Hoodie mit ausgefransten Ärmeln und Turnschuhe, die eindeutig schon bessere Tage gesehen haben. Vor mir steht kein schicker Sportmillionär. Er ist ungekämmt, hat eine Brille mit Drahtgestell auf der Nase und hält eine braune Papiertüte in der Hand, die verdächtig nach einem Bologna-Sandwich und einer Packung Fruit Gushers aussieht.
Ich erstarre, meine Hand fährt an meine Kehle. „O Gott.“
„Hey“, sagt er und lächelt, als würden wir einander ständig auf dem Schulparkplatz begegnen. „Ich hoffe, das ist nicht übergriffig.“
Ich starre ihn lediglich an. „Du stehst vor meinem Arbeitsplatz.“
„Also … fast übergriffig.“ Er neigt den Kopf und schneidet eine Grimasse. „Du hast recht.“
Irgendetwas an dieser Geste, diesem Tonfall, beruhigt mich auf bizarre Weise. „Was tust du hier?“
„Ich zeige dir, wie aggressiv durchschnittlich ich sein kann.“ Er hält die braune Papiertüte hoch. „Ich habe Snacks mitgebracht.“
Verwirrt schaue ich abwechselnd ihn und sein Auto an. „Du bist mit einem Corolla zu meiner Schule gefahren.“
„Scharfsinnig beobachtet“, lobt er.
„Das ist so … durchschnittlich.“ Ich hebe eine Augenbraue, eine Geste, die er sich redlich verdient hat. „Aber es wirkt inszeniert.“
„Ertappt. Ich habe mir den Wagen vom Sohn unseres Zeugwarts ausgeliehen“, antwortet er stolz. „Genau wie diesen Hoodie, der nach Axe riecht. Ist das insgesamt ein bisschen zu viel?“
Ich blinzle.
Lucky verlagert sein Gewicht, als wäre er plötzlich nicht mehr sicher, ob es eine gute Idee war, so hier aufzutauchen, und ich kann das sehr gut nachempfinden. Ich fühle mich ständig so, aber ich lasse mich davon nicht aufhalten.
Allerdings bezweifle ich auch ernsthaft, dass es ihn von irgendetwas abhalten würde.
„Ich weiß, das ist seltsam, und ich hätte wahrscheinlich einfach ein weiteres Video schicken sollen, aber ich dachte: Warum nicht persönlich für mein Anliegen eintreten?“
„Dein Anliegen?“
„Dass du mit mir ausgehen sollst.“
„Augenblick mal“, sage ich und hebe die Hand. „Wie hast du mich gefunden? Das ist ja fast schon Stalking.“
Lucky zieht sein Kinn ein und runzelt die Stirn, als hätte ich gerade etwas Dummes gesagt. „Du sagst in deinen TikTok-Beiträgen, wo du arbeitest. In mehreren Videos geht es darum, dass du Erzieherin bist.“
„Okay, kein Stalking“, gebe ich zu. Ich habe diese Information öffentlich gemacht, weil viele meiner Inhalte lustige Geschichten über die Kinder aus meiner Gruppe enthalten.
„Ich habe all deine Videos gesehen“, bekennt er.
„Das wiederum ist definitiv Stalking“, beschuldige ich ihn mit ausgestrecktem Finger, aber ich würde niemals zugeben, dass ich mich ein wenig geschmeichelt fühle. Dann fällt mein Blick auf ein schwarzes Lederband, das um seinen Hals hängt und sein Schlüsselbein umrahmt. „Ist das … eine Hasenpfote da an deiner Halskette?“
Lucky zuckt zusammen und reibt sie geistesabwesend. „Ja … wow. Ich habe viele deiner Videos gesehen, und du hast einen Hasen. Das muss unsensibel rüberkommen.“
„Nicht für mich“, kontere ich trocken. „Aber Buttermilk wäre vermutlich beleidigt. Im Ernst, warum bist du hier?“
„Wie gesagt … um dich umzustimmen. Geh mitmir aus. Ich denke, du wirst Ja sagen, da du gerade angedeutet hast, ich könnte Buttermilk treffen.“
Ich seufze frustriert aus, schaue zu den Kindern hinüber und dann wieder zu ihm. „Das wäre reine Zeitverschwendung. Ich bin überhaupt nicht dein Typ.“
Das scheint ihn zu verblüffen. „Nicht mein Typ?“
Ich nicke und winke ab. „Du bist du. Verifiziert. Viral. Mit markantem Kinn, durchtrainierten Bauchmuskeln und Offshore-Konten, um deinen Reichtum zu verstecken. Warum solltest du dir so viel Mühe für jemanden geben, der nur durchschnittlich ist? Du solltest mit einem Supermodel oder einem Popstar oder so ausgehen.“
Er wartet einen Moment, ehe er antwortet, und sieht mir dabei fest in die Augen. „Weil ich dich überhaupt nicht für durchschnittlich halte.“
Ich erstarre und mustere ihn misstrauisch. Das klang ehrlich, aber … nein. Auf keinen Fall glaubt er das. Das muss ein Scherz gewesen sein. Er tut das nur, damit er später ein TikTok-Video darüber drehen kann, um Klicks zu generieren.
Lucky tritt näher, und das frühe Morgenlicht lässt mich leichte Bartstoppeln an seinem Kinn erkennen. „Hör zu … WinnieTheNotWild … Du bist klug und witzig, und ich glaube, dein bester Freund ist ein Hase, was so ziemlich das Gegenteil von durchschnittlich ist. Manchmal nimmst du Videos in unordentlichen Zimmern auf und entschuldigst dich nicht dafür. Du redest über Dinge, die andere nicht laut aussprechen würden, und schaffst es irgendwie, dass es sich wie eine Umarmung anfühlt. Auch das ist nicht durchschnittlich. Es ist ziemlich außergewöhnlich.“
Mir stockt der Atem. Er klingt so authentisch, dass es mir das Herz bricht. Kein Mann hat jemals so freundliche Dinge über mich gesagt.
„Und ja, technisch gesehen bin ich auch nicht durchschnittlich“, fügt er hinzu und hält die Tüte hoch. „Aber ich denke, die Tatsache, dass ich Snacks mitbringe, macht das wett. Ich vergesse, wo ich meine Schlüssel hingelegt habe. Einmal musste ich während eines Pixar-Films weinen. Meine Familie ist auch nicht perfekt. Ich hatte eine alleinerziehende Mutter. Mein Vater hat sich vor meiner Geburt aus dem Staub gemacht. Ich musste vieles selbst herausfinden. Vielleicht hast du das nicht gemeint, als du von durchschnittlich gesprochen hast, aber ich verspreche dir, dass ich nicht so überlebensgroß bin, wie du denkst.“
Ich drücke eine Hand auf meinen Bauch, weil er wieder flattert. Warum zum Teufel tut er mir das an?
Lucky zuckt verlegen die Achseln. „Also dachte ich mir, was kann es schon schaden, dich um eine Chance zu bitten? Ein Date. Als Teil deines Experiments. Wenn es eine Katastrophe wird, hast du wenigstens neuen Stoff.“
Ich muss lachen, ehe ich mich zurückhalten kann, und meine Skepsis gegenüber den Absichten dieses Mannes verflüchtigt sich. Zwar mag ich ein Magnet für schreckliche Dates sein, aber ich kann Menschen gut einschätzen. Dieser Typ scheint es draufzuhaben, und außerdem … habe ich seine Inhalte genauso intensiv verfolgt wie er meine. Seine nette, unbekümmerte Art wirkt nicht aufgesetzt. Ich habe auch Artikel über ihn gelesen und mir Videointerviews angesehen. Wenn man seine Rolle als Eishockeyprofi einmal beiseitelässt, ist er durch und durch Lucky Branson.
Er grinst. „War das ein Ja-Lachen oder ein ‚Bitte-rufen-Sie-den-Sicherheitsdienst‘-Lachen?“
Ich seufze und greife mit beiden Händen nach dem Riemen meiner Umhängetasche. „Eher ein ‚Was-zum-Teufel-ist-hier-los‘-Lachen.“
Lucky hebt die Papiertüte wieder hoch. „Da ist ein Becher Pudding drin.“
Ich stöhne auf. „Welche Geschmacksrichtung?“
„Buttertoffee.“
„Scheiße“, brumme ich. Das ist meine Lieblingssorte. Ich weiß, dass ich in meinen TikToks bereits mehrere davon gegessen habe.
„Außerdem eine Packung Saft.“
Davon habe ich definitiv schon genug getrunken. „Du gibst wirklich alles, was?“
Er zuckt die Achseln. „Ohne Fleiß kein Preis.“
Ich mustere ihn lange und wäge meine Optionen ab. So wie er da steht, grinsend, gelassen, ein wenig hoffnungsvoll, wird mir klar … ich hasse es irgendwie, wie charmant er ist. Andererseits auch wieder nicht.
Ja, ich halte ihn für einen wirklich netten Kerl, doch wir passen einfach nicht zusammen. Allerdings würde er eine gute Versuchsperson für mein Experiment abgeben. Ich beschließe, alle Vorsicht in den Wind zu schlagen.
„Na gut“, sage ich und versuche, ganz ruhig zu klingen. „Ein Date.“
Er strahlt.
„Aber wenn du mit einer Wurstplatte auftauchst und das als Snacks bezeichnest, schwöre ich bei Gott …“
Er hebt die Hände. „Großes Pfadfinderehrenwort. Kein roher Schinken, der wie Rosen gefaltet ist. Wo soll ich dich abholen? Wie wäre es mit 19 Uhr?“
Ich schüttle entschlossen den Kopf. „Tut mir leid … ich gebe meine Privatadresse nicht bei einem ersten Date preis. Du könntest ein Mörder oder so etwas sein.“
„Ich bin eine Person des öffentlichen Lebens“, ruft er mit einem schiefen Grinsen. „Die ganze Welt weiß, dass ich ein Date mit dir haben möchte. Wenn man dich heute Nacht tot auffindet, bin ich der Hauptverdächtige, und ich bin nicht bereit, meine Karriere zu riskieren, nur um meine mörderischen Gelüste zu befriedigen.“
Mit unterdrücktem Grinsen schaue ich ihn schief an. „Hast du schon mal jemanden umgebracht?“
Lucky hebt die Hand zum Pfadfinderehrenwortzeichen und schüttelt den Kopf. „Nein, ich schwöre es.“
Ich starre ihn noch einen Augenblick lang an, dann gehe ich rückwärts auf die Schultüren zu. „Gut, ich schicke dir meine Nummer per PM. Schreib mir später, dann besprechen wir, wann und wo das Date stattfinden soll.“
„Geht klar, Ms. NotSoWild.“
„Ich heiße Shaw“, sage ich, während ich mich von ihm abwende.
„Winnie Shaw“, sagt er, als genösse er den Klang des Namens auf seiner Zunge. „Gefällt mir.“
Ich drehe mich nicht um, doch ich höre, wie er hinter mir etwas summt, das verdächtig nach einem Triumphlied klingt. Natürlich werde ich ihm nicht zeigen, dass er mich mehr amüsiert als jeder andere zuvor, aber ich kann mir ein Lächeln nicht verkneifen.
Lucky
Mit meinem aufgemotzten Chevy Tahoe, der mehr kostet als manche Einsteigerimmobilie, biege ich in Winnies Straße ein. Er ist nachtschwarz, hat getönte Scheiben, maßgefertigte Ledersitze mit Baseballnähten und Räder, die glänzen, als hätten Engel sie gewachst.
Er ist elegant und teuer, aber es ist eben nur ein Tahoe. Ein Fahrzeug, das viele durchschnittliche Amerikaner fahren. Ich bleibe in meiner „Durchschnittsmann“-Spur.
Im Vergleich zu den Autos der anderen Jungs im Team – Ferraris, Lambos, in Penns Fall ein Aston-Martin-Oldtimer – bin ich praktisch ein Billig-Typ.
Ich parke am Straßenrand und sehe mich um, als ich aussteige. Das Haus befindet sich in einer etwas abgelegenen, von Bäumen gesäumten Straße am Rande von Squirrel Hill: nah genug am Zentrum dieses Viertels, um von seinen Charme zu profitieren, aber weit genug davon entfernt, um tatsächlich erschwinglich zu sein. Üblicherweise ist diese Gegend recht teuer, doch diese Straße wirkt wie eine versteckte Nische, in der die Immobiliengötter vergessen haben, die Preise zu aktualisieren.
Winnies Haus ist ein kleiner Bungalow im Craftsman-Stil mit einer ausgedehnten Veranda, zusammengewürfelten Blumentöpfen und einem Windspiel in Form einer Sonne, das aussieht, als würde es die schönste Musik machen.
Es passt zu dem, was ich bisher über sie erfahren habe – online und in der kurzen Zeit, die wir heute Morgen miteinander verbracht haben. Kurios, warmherzig, ein bisschen ausgefallen.
Ich atme tief durch und gehe zur Tür. Sie öffnet sie, noch ehe ich klopfen kann.
„Hey“, begrüßt sie mich mit klarer Stimme, aber sichtlich nervös.
Ich muss sagen … sie sieht unbeschreiblich gut aus. Sie trägt Jeans, Stiefel und einen grünen Strickpullover, der ihre Kurven an den richtigen Stellen betont und ihre Augen wie den Frühling strahlen lässt. Ihr Haar reicht knapp über ihre Schultern, ist locker gestuft und weder wirklich lockig noch ganz glatt. Es fällt wie vom Wind verweht. Ich stelle fest, dass sie Make-up trägt, aber nur minimal. Es betont ihre Gesichtszüge – volle Lippen, hohe Wangenknochen und … nun ja … diese Augen.
„Hey“, entgegne ich. „Bist du bereit für dein durch und durch durchschnittliches Date?“
Sie mustert den Tahoe. „Der ist aber nicht gerade durchschnittlich.“
„Inwiefern?“, frage ich und deute mit dem Arm auf den SUV. „Das ist ein Chevy. Das Herzstück Amerikas und so.“
Sie hebt eine Braue und nickt. „Er hat Sonderfelgen und rote Bremssättel.“
„Wow“, staune ich mit einem anerkennenden Brummen und greife mir an die Brust. „Du kennst dich mit Autos aus.“
Winnie lächelt selbstzufrieden, ehe sie auf die Veranda tritt. „Mein ältester Bruder Eli interessiert sich dafür. Von ihm habe ich ein paar Dinge aufgeschnappt.“
„Nun, ich würde sagen, im Vergleich zu den Fahrzeugen einiger meiner Teamkollegen ist mein SUV praktisch ein Minivan für Fußballmütter.“
Sie lacht unbeschwert. Nachdem sie die Tür abgeschlossen hat, biete ich ihr meinen Arm an. „Meine Dame.“
Winnie schnaubt auf eine sehr undamenhafte Art und Weise, legt aber dennoch die Hand auf meinen Arm. „Ich glaube, ich bereue das hier schon jetzt.“
„Zu spät“, sage ich, während wir über den Bürgersteig zu meinem Tahoe gehen. „Du hast ein TikTok-Versprechen gegeben, und ich habe noch mehr Snacks mitgebracht.“
Sie bleibt abrupt stehen. „Du hast Snacks mitgebracht?“
„Liegen im Handschuhfach. Gushers und Peanut M&Ms.“
Sie reißt die Augen auf. „Das sind Snacks der Extraklasse.“
Ich öffne ihr die Tür, und sie nutzt das Trittbrett, um sich auf den Beifahrersitz zu setzen. „Klar. Man kann mir vieles nachsagen, aber bei der Snackauswahl mache ich keine Kompromisse.“
Während ich auf der Fahrerseite einsteige, bemerke ich, dass Winnie die maßgefertigte Lederausstattung, die Fiberglasverkleidung und die Nähte der Sitze begutachtet.
„Ich dachte mir, das Auto wäre ein guter Kompromiss“, erkläre ich und lasse den Motor an. „Es hat allerdings Sitzheizung.“
Sie lächelt. „Mein zehn Jahre alter Honda auch. Na und?“
„Genau“, sage ich mit einem Augenzwinkern, als wir losfahren.
„Wohin geht’s?“
„Ich dachte, wir fangen ganz locker an. Erst gehen wir in ein legeres Restaurant und essen die besten Burger der Stadt. Danach gehen wir Candlepin-Bowling spielen.“
„Candlepin?“, fragt sie und wendet sich mir ein wenig zu.
„Die Pins sind dünner. Die Kugeln sind kleiner. Es ist ungewohnt und reizvoll. Sehr durchschnittliche Vibes für ein erstes Date.“
„Das klingt in der Tat durchschnittlich“, bestätigt sie. „Einverstanden.“
Wir sind schon auf halbem Weg zum Burgerladen, als sie endlich die Frage stellt, auf die ich gehofft habe.
„Also … wirst du dieses Date auf TikTok posten?“
„Ich weiß noch nicht. Sollen wir?“
Sie zuckt die Achseln. „Ich bin mir auch nicht sicher. Letztlich habe ich diese Herausforderung für meine Follower ins Leben gerufen, damit sie mich auf meiner Reise begleiten können. Ich hatte mir vorgestellt, am Ende jedes Dates eine Zusammenfassung zu geben. Aber da du auf der Plattform bekannt bist, ist das für dich ja nichts Ungewöhnliches.“
„Wenn du einverstanden bist, bin ich es auch“, sage ich. Dann kommt mir eine Idee. „Wie wäre es – wollen wir uns nach dem Date zusammensetzen und gemeinsam allen erzählen, wie es gelaufen ist?“
Sie wendet mir den Kopf zu, ihre Augen leuchten im Scheinwerferlicht und funkeln vor Interesse. „Keine schlechte Idee.“
„Wir können während des Dates ein Video aufnehmen, wenn du möchtest“, schlage ich vor. „Ich weiß, dass das für die meisten Leute seltsam wäre, aber für zwei Elite-TikToker wie uns ist das ganz normal.“ Winnie lacht, und ich liebe den vollen Klang. „Aber lass uns vereinbaren, dass wir keine komischen Schnitte machen und keine Clips, die zu sehr auf Sexappeal setzen, es sei denn, du möchtest eine Zeitlupenaufnahme von mir beim Bowling. Damit wäre ich einverstanden, und ich würde vielleicht sogar meine Unterarmmuskeln für dich spielen lassen.“
„Oh, bitte nicht“, seufzt sie dramatisch. „Kein Armmuskel-Porno. Ich bin mir nicht sicher, ob sich meine Zuschauer je davon erholen würden.“
Wir lachen, und ich werfe ihr einen kurzen Seitenblick zu. „Warum machst du das?“
„TikTok?“
Ich nicke.
„Angefangen habe ich rein aus Spaß. In erster Linie, um mich über schlechte Dates zu beschweren. Doch dann … hat es ein Eigenleben entwickelt. Die Leute mochten es, dass ich so ungefiltert bin. Ich habe erkannt, wie selten Authentizität ist. Aber … mir fällt das nicht schwer, also habe ich weitergemacht. Ich hatte keine Ahnung, dass man damit Geld verdienen kann. Wie ist es mit dir?“
Nach einem Blick in den Rückspiegel wechsle ich die Spur. „Ich habe auch aus Spaß damit angefangen. Geschichten aus der Umkleidekabine, die Jungs necken, dumme Snack-Rezensionen. Eines Tages habe ich zu einem Song von Taylor Swift lippensynchron gesungen, und der Algorithmus hat mich für heiß und witzig erklärt.“
„Du bist ja auch lustig“, sagt sie leise und räuspert sich. „Vielleicht sogar heiß, aber lassen wir das.“
„Zu spät. Du hast es laut gesagt.“
Sie stößt mich dem Arm an, und wir lachen beide.
Ich biege auf den Parkplatz eines Retro-Diners ein, das nicht weit von ihrem Zuhause entfernt ist. Neonreklamen. Oldtimer. Kellner auf Rollschuhen.
„Warst du schon mal hier?“, frage ich. Ich vermute es.
„Nur etwa hundert Mal. Meine Eltern haben meine Brüder und mich immer hierher mitgenommen.“ An ihrer Begeisterung merke ich, dass es eine gute Wahl war. „Allerdings habe ich schon lange nicht mehr hier gegessen.“
Zwanzig Minuten später sitzen wir in einer Retro-Nische, die von Neonlicht und Lichterketten beleuchtet ist, teilen uns einen Korb Curly Fries und trinken Rootbeer-Floats.
Winnie taucht eine Pommes mit chirurgischer Präzision in ihr Ketchup. „Sprechen wir über Erwartungen. Du suchst nichts Festes, oder?“
Ich lache leise und ziehe eine Pommes durch ihren Ketchup. „Du machst keine Gefangenen, oder?“ Ich werfe ihr einen Blick zu, während sie an ihrem Float nippt und auf meine Antwort wartet. Ihre vollen Lippen lenken mich etwas ab, weil sie, um ehrlich zu sein, absolut küssenswert sind. „Definiere fest“, sage ich.
„Du weißt schon … Heirat, Hypotheken, gemeinsame Costco-Mitgliedschaften.“
Ich täusche einen Schauer vor. „Gott, nein! Ich komme mit meinem aktuellen Kabelpaket kaum klar.“
Sie schnaubt und verschluckt sich beinahe an ihrem Getränk. „Sehr gut. Ich finde es super, wenn erste Dates mit der klaren Erkenntnis beginnen, dass wir emotional unterentwickelt sind.“
„Ich bevorzuge den Begriff ‚selektiv erwachsen‘. Beispielsweise mache ich meine Steuererklärung selbst, aber ich habe geweint, als ich meine AirPods verloren habe.“
Das bringt sie zum Lachen, und ihre Augen funkeln vor Vergnügen. Sie findet mich offenbar wirklich witzig, und ich liebe es, Menschen ein gutes Gefühl zu geben.
Wir finden schnell einen lockeren Rhythmus. Sie fragt nach dem Team, und ich frage sie, wie sie mit all den kleinen Menschen in der Schule zurechtkommt. Wir sind uns einig, dass Gruppenchats eine Plage für die Menschheit sind und dass Rosenkohl grässlich ist, egal wie sehr man ihn anbrät und mit Balsamico übergießt.
Als sie sich schließlich soweit entspannt hat, dass sie ihr Kinn in die Hand stützt und mich einfach nur ansieht, trifft es mich wie ein Schlag. Da ist ein Funke!
Kein Blitz, kein Feuer – aber etwas Kleines, Heißes, das in meiner Brust summt.
Das Abendessen ist genau so, wie ein erstes Date sein sollte – keine peinlichen Gesprächspausen, kein unbeholfener Small Talk. Wir essen Burger, und ich erfahre, dass sie Mayonnaise hasst, Quizspiele liebt und eine irrationale Angst vor Schaufensterpuppen hat.
Sie erfährt, dass ich am Ende von Findet Dorie geweint habe und dass meine Mutter mir immer noch Essensreste mit nach Hause gibt, wenn ich sie in Boston besuche, obwohl ich ihr sage, dass es schwierig ist, sie im Flugzeug zu transportieren.
„Erzähle mir mehr über deine Familie“, sagt sie schließlich.
„Meine Mutter ist eine richtig coole Socke.“
„Wie heißt sie?“, fragt sie, und ich finde es toll, dass sie derart ins Detail gehen will. Namen sind etwas sehr Persönliches, und das zeigt, dass sie mich besser verstehen will.
„Ihr Name ist Rosa DeLuca. Sie ist Italienerin, was bedeutet, dass sie leidenschaftlich liebt und keinen Quatsch duldet. Die Jungs nennen sie Mama Branson.“
Ihr Blick wird sanfter. „Was ist mit deinem Vater?“
„Er hat uns vor meiner Geburt verlassen. Das Einzige, was ich von ihm habe, ist sein Nachname. Meine Mutter hat mich und meine ältere Schwester Daniela alleine großgezogen. Sie hatte zwei Jobs, hat nie ein Training verpasst und ruft mich immer noch jeden Sonntag und etwa ein Dutzend Mal zwischendurch an.“
„Sie klingt wunderbar“, sagt Winnie mit einem tiefen Seufzer.
„Meine Mutter hat mich zu dem Mann gemacht, der ich bin“, antworte ich voller Stolz. Das sage ich Ma auch ständig.
„Hat sie dich wirklich Lucky genannt?“
„Aber nein. Leider hat sie sich für einen guten italienischen Namen entschieden … ich heiße Matteo. Die meisten meiner Verwandten und meine Freunde nennen mich Matty.“
„Woher kommt dann Lucky?“
„Ich bin an einem Freitag, den 13., während eines Gewitters auf die Welt gekommen, und meine Nonna schwor, ich sei verflucht. Es war dramatisch – sie sagte meiner Mutter, ich würde überall, wo ich hinginge, Chaos verursachen. Aber irgendwie lief alles immer gut. Lauter so kleine, dumme Dinge. Ich stolperte auf dem Bürgersteig und fiel direkt in einen Laubhaufen, anstatt mir den Kopf zu stoßen. Auf Parkplätzen fand ich Geld. Gleich bei meinem ersten Eishockeyspiel durfte ich auf der Zamboni mitfahren. Einfach merkwürdige Dinge, die wir als Glück betrachteten.“
„Deswegen Lucky.“
Ich nicke. „Nonna nannte mich ihr piccolo fortunato – ihr ‚kleines Glückskind‘. Sie sagte, ich hätte das Schicksal dazu gebracht, mich zu segnen, statt mich zu verfluchen. Fortan war ich für alle nur noch Lucky. Ich habe noch immer jede Menge Glück. Beim Eishockey ist das besonders ausgeprägt. Meine Karriere übertrifft alles, was ich mir hätte wünschen können.“
„Ja, aber ich denke, das liegt eher an deinem Talent und deiner harten Arbeit als an Glück“, bemerkt sie und wartet nicht auf meine Bestätigung. „Wie soll ich dich nennen?“
Ich zucke die Achseln. „Ist mir egal. Hast du einen Vorschlag?“
Sie denkt nach und wirft einen kurzen Blick auf mein Vierblättriges-Kleeblatt-Tattoo. „Lucky gefällt mir. Das passt zu deiner Persönlichkeit.“
„Na dann.“ Ich grinse. „Was ist mit deiner Familie?“
Sie lacht, als wäre das, was jetzt kommt, gutes Material für einen Stand-up-Auftritt. „Ich habe das komplette Sitcom-Paket. Eltern, zwei Brüder, Familienessen jeden Sonntag. Chaotisch, aber gut.“
„Klingt super. Das haben wir offensichtlich gemeinsam – Familie ist uns wichtig.“
„Das ist sie“, stimmt sie mir lächelnd zu. „Obwohl mein Bruder mal eine ganze Dose Zuckerguss gegessen und in meine Schuhe gekotzt hat, also …“
„Geschwisterliebe“, erkläre ich feierlich. „Unübertrefflich.“
Sie lacht, und ich ertappe mich dabei, wie ich sie wieder anstarre. Winnie ist witzig, intelligent und verdammt scharfsinnig, und ja, ich möchte mich erneut mit ihr verabreden.
Doch das sage ich ihr nicht. Zumindest noch nicht.
Wir fahren zur Bowlingbahn und tauschen unsere Schuhe gegen hässliche Leihschnürschuhe. Zum Glück ist der Laden ziemlich leer, typisch Donnerstagabend. Ein paar Leute erkennen mich, sie flüstern ihm Vorbeigehen, halten jedoch Abstand. Dafür bin ich dankbar, denn ich will an diesem Abend mit Winnie ein ganz normaler Typ sein, und nichts zerstört Normalität schneller, als wenn Fans um Autogramme und Fotos bitten.
Ich zeige ihr, wie man die winzige Candlepin-Kugel hält, sie besteht jedoch auf „Oma-Bowling“.
„Diese Technik bringt dir nichts“, erkläre ich ihr.
Sie lässt die Kugel mit beiden Händen losrollen und schafft einen Strike.
Mir fehlen die Worte.
„Jetzt gibst du aber an“, sage ich, während sie die Fäuste in die Luft reckt, als hätte sie olympisches Gold gewonnen.
„Ich habe meinen Höhepunkt erreicht“, behauptet sie feierlich. „Von nun an geht es nur noch steil bergab.“
Wir bestreiten drei komplette Spiele. Sie gewinnt zwei davon, ich eins, und mein Ego ist nur leicht angekratzt.
Als wir wieder im Tahoe sitzen und ich sie nach Hause fahre, ist mir sonnenklar, dass dies eines der besten Dates war, die ich je hatte.
Zugegeben, die meisten meiner Dates fanden in der Absicht statt, im Bett der Frau zu landen, doch keines davon ist mit heute Abend zu vergleichen.
Ich weiß nicht, ob ich je so viel gelacht habe wie mit ihr. Sie haut blitzschnell bissige Antworten raus, und ihr Humor ist knochentrocken, genau mein Stil, aber sie ist auch unglaublich klug. Ich habe die ganze Zeit nach dieser „durchschnittlichen“ Aura gesucht, die sie zu haben glaubt, fühle mich am Ende des Abends allerdings nur noch mehr von ihr angezogen.
Auf der Fahrt zu ihr nach Hause quatschen wir ununterbrochen. Ich halte vor ihrem Haus an, und sie springt aus dem Auto und kommt auf die Fahrerseite herüber. Ohne zu fragen, nehme ich ihre Hand und lege sie in meine Armbeuge, genau wie beim Verlassen des Restaurants.
Sie lacht und drückt liebevoll meinen Arm.
Auf ihrer Veranda angekommen, zieht sie ihr Handy aus der Handtasche und fragt: „Bereit für ein TikTok?“
Ich breite die Arme aus und grinse sie verschmitzt an. „Wann bin ich das nicht?“
Winnie stellt ihr Handy auf einen kleinen Blumentopf am Geländer der Veranda. Die Lampe neben der Tür wirft einen sanften Schein, während sie den Winkel einstellt. „So. Ein Take. Keine Filter. Nur Vibes.“
„Sollen wir es einmal proben?“, frage ich und bleibe oben auf der Treppe stehen.
Sie schnaubt. „Soll das ein Witz sein? Du bist doch der König der Spontaneität. Ich erwarte, dass du das auch zeigst.“
Ich klatsche in die Hände, richte mich auf und trete dicht an sie heran. „Los geht’s.“
Winnie drückt auf Aufnahme, und wir starren beide in die Kamera. Dann dreht sie sich zu mir um und sagt: „Du bist tatsächlich mit einem schwarzen, aufgemotzten Tahoe vorgefahren und hast versucht, mich davon zu überzeugen, dass du durchschnittlich bist.“
Ich hebe einen Finger. „Es ist immerhin kein Ferrari und kein Lambo. Nach den Maßstäben eines Profisportlers bin ich praktisch ein bankrotter Vertretungslehrer.“
Winnie verzieht das Gesicht. „Du hast Designer-Sneaker getragen und mir die Autotür geöffnet, als würden wir bei der Met Gala eintreffen.“
„Aber ich habe Snacks für unterwegs mitgebracht“, antworte ich. „Das beweist mein Engagement.“
Winnie schmunzelt und schaut direkt in die Kamera. „Nur damit das klar ist: Das ist das erste Date in meiner ‚Finde-einen-anständigen-Mann‘-Challenge.“
„Hallo!“ Ich winke. „Okay, ich bin der nicht ganz so durchschnittliche Curveball, aber ich könnte mich zum Homerun entwickeln.“
Sie blinzelt mich an. „Ich bin mir noch nicht mal sicher, ob du überhaupt zählst.“
„Das war brutal.“
Sie wendet sich wieder dem Handy zu. „Wie auch immer, das Date war … überraschend amüsant.“
Ich nicke und lege den Arm locker und liebevoll um ihre Schultern. Entgegen meiner Erwartung versteift sie sich nicht. „Sie ist nicht schreiend davongerannt, nicht mal, nachdem ich zugegeben habe, dass ich ein zusammenpassendes Kofferset besitze und meinen Myers-Briggs-Typ kenne.“
„ENTP“, ergänzt sie mit gespielter Ernsthaftigkeit in die Kamera.
„Serienmörder“, korrigiere ich trocken.
„Aber im Ernst … wir hatten viel Spaß, und ich möchte Lucky für einen tollen Abend danken. Ich habe kein einziges Mal daran gedacht, aus dem Badezimmerfenster zu fliehen.“
„Geht mir genauso“, pflichte ich ihr bei. „Jeder Mann, der behauptet, Winnie sei erfrischend durchschnittlich, verdient ein Dating-Verbot – und wahrscheinlich ein paar Ohrfeigen von jemandes Großmutter.“
„Vielen Dank, mein Herr“, sagt Winnie, löst sich von mir und macht einen Knicks.
Ich mache eine pathetische Verbeugung. „Von Herzen gern, meine Dame.“
Als ich mich wieder aufrichte, greift Winnie nach dem Handy, um die Aufnahme zu beenden, aber ich halte sie zurück und frage: „Wann gehen wir das nächste Mal zusammen aus?“
Sie erstarrt mit ausgestreckter Hand und dreht langsam den Kopf zu mir. „Das nächste Mal?“
„Ja … es ist doch klar, dass wir beide eine tolle Zeit hatten. Warum also wiederholen wir das nicht?“
Ihr Blick huscht zwischen mir und der Handykamera hin und her. „Nun, weil … das hier ein Experiment ist und ich Daten vergleichen muss, was bedeutet, dass ich mich auch mit anderen Männern treffen muss. Ich hatte nicht vor, mich mit jemandem ein zweites Mal zu treffen. Das Ganze sollte eigentlich eher locker sein.“
Ich hebe eine Augenbraue. „Du wirst dich mit anderen Männern verabreden?“
Winnie nickt. „Ich denke, das muss ich. Um Daten zu erheben.“
„Ah, die Herzensbrecher im Dienste der Wissenschaft.“ Ich wende mich der Kamera zu, zwinkere dem Publikum zu und fixiere sie dann mit meinem verführerischsten Blick. „Ich finde es kurzsichtig, kein zweites Date in Betracht zu ziehen.“
Das verblüfft sie. Sie blinzelt. „Findest du?“
„Ich finde, wir hatten Spaß, und ja, ich bin nicht durchschnittlich. Aber das bist du auch nicht.“
Sie kneift die Augen zusammen. „Ich bin total durchschnittlich, und du bist ein Eishockey-Gott.“
„Das stimmt. Ich bin ein Eishockey-Gott. Aber du sprichst vor der Kamera mit einem Hasen, trinkst schon am Vormittag drei verschiedene Sorten Tee und wurdest in einem Supermarkt wegen eines Videos über dein gescheitertes Hinge-Date mit dem Ghost-Emoji-Typen erkannt. Du bist nicht durchschnittlich, sondern elektrisierend.“
Sie dreht sich wieder zur Handykamera um. „Er hat elektrisierend gesagt. Ihr habt das alle gehört, oder?“
„Sage mir, dass ich mich irre“, fordere ich sie heraus.
Doch das tut sie nicht. Sie lächelt mich nur auf eine Art an, die mir das Gefühl gibt, ich hätte vielleicht einen Etappensieg errungen.
Dann schaut sie ein letztes Mal in die Handykamera. „Also, Zusammenfassung: Ein Date ist vorbei. Viele weitere stehen noch aus. Dieses hier war nicht schlecht.“
Sie stoppt die Aufnahme und steckt ihr Handy ein. „Du hast mich überrumpelt“, wirft sie mir vor, aber ohne jeden Zorn. Tatsächlich zucken ihre vollen Lippen, als sie versucht, ein Lächeln zu unterdrücken.
„Ja.“ Ich nicke ernsthaft. „Außerdem empfinde ich den Status ‚nicht schlecht‘ als Ehre und wiederhole freundlich meine Bitte um ein weiteres Date.“
Sie neigt den Kopf und presst neugierig die Lippen zusammen. „Findest du mich wirklich elektrisierend?“
„Statistisch gesehen, ja. Emotional? Möglicherweise.“
Sie lächelt wieder – nur angedeutet, aber echt – und wendet sich ihrer Tür zu. „Gute Nacht, Lucky Branson.“
„Wann gehen wir das nächste Mal aus?“, dränge ich.
„Gute Nacht, Lucky“, wiederholt sie und steckt den Schlüssel ins Schloss.
Kurz entschlossen strecke ich die Hand aus, greife nach ihrem Handgelenk und drehe sie sanft zu mir um, sodass sie mich ansieht. Sie stößt einen kleinen überraschten Laut aus.
„Ich habe keinen Gutenachtkuss bekommen“, sage ich und ziehe sie näher heran.
„Oh … du … ich bin mir nicht sicher …“
Ihr Stottern ist bezaubernd, aber ich ignoriere es komplett. Ich lege die Hand in ihren Nacken, beuge mich vor, streife ihre Lippen mit meinen und fühle mich siegreich, denn sie seufzt schmelzend.
Als ich mich zurückziehe, drücke ich ihren Nacken und frage: „Möchtest du ein zweites Date mit mir?“
Ihre Augen sind halb geöffnet, glasig, doch sie nickt. „Ja … gern.“
Lächelnd ziehe ich mich von ihr zurück. „Dann gute Nacht, Winnie Shaw.“
Sie flüstert etwas und verschwindet im Haus.
Auf dem Weg zum Tahoe grinse ich wie ein Irrer.














