Inhaltsangabe
Zwischen Leder und Mistelzweig findet Noell das, was sie nie für möglich hielt – Liebe, Familie und ein Zuhause.
Mehrere Generationen der Knight-Familie leben schon in Rockwood, Tennessee. Jamison „Grizz“ Knight, Präsident des Knight Warriors MC, führt den Club mit Herz und Härte – seit dem Tod seines Vaters ist er für seine Familie und die Stadt da.
Grizz ist nicht auf der Suche nach einer festen Beziehung, daher ist er überrascht von den Gefühlen, die eine Stadtbewohnerin in ihm weckt.
Für Noell dagegen fühlt sich dieses Weihnachtsfest leer an. Erst hat sie ihre Eltern verloren, und nun steht auch noch ihr geliebter Buchladen vor dem Aus. Als ihre Großmutter ihr ein altes Familiengeheimnis offenbart, ändert sich alles: Noell erbt ein Geschäftshaus im fernen Rockwood – und eine zweite Chance.
Bis sie Grizz begegnet. Er ist rau, gefährlich, unwiderstehlich.
Und plötzlich weiß Noell: Vielleicht ist Rockwood nicht nur ihr neues Zuhause, sondern auch der Ort, an dem ihr Herz endlich ankommt.
Leseprobe
Noell
Ich schaue auf meine Uhr und bemerke, dass es Zeit für meinen Anruf bei Grandma ist. Ich hatte ihr versprochen, ihr davon zu erzählen, wie ich mich einlebe. Das Telefon klingelt nur einmal, bevor sie abnimmt. Ich kichere, weil ich weiß, dass sie neben dem Telefon gewartet hat.
„Hallo, Liebes“, begrüßt sie mich.
„Hallo, Grandma.“
„Du klingst ja richtig munter heute. Wie läuft es dort unten bei dir?“
„Richtig gut. Alle, die ich bisher getroffen habe, waren sehr nett und hilfsbereit“, erzähle ich begeistert. „Ich glaube, du hattest recht, Rockwood ist der perfekte Ort für mich. Und der Laden wird fantastisch werden, wenn ich erst alles eingerichtet und an seinen Platz gestellt habe.“
„Ich freue mich so für dich, Noell. Jetzt geh und ruh dich aus. Du hast einen anstrengenden Tag vor dir.“
„In Ordnung, Grandma. Ich hab dich lieb, und ich rufe dich morgen wieder an.“
„Ich hab dich auch lieb, mein süßes Mädchen. Bis morgen.“
Ich sitze oben auf dem Balkon meiner kleinen Wohnung und gönne mir eine Tasse heiße Schokolade mit Marshmallows. Die Sonne ist mittlerweile untergegangen. Die Luft ist kalt und klar, und ich genieße, eingekuschelt in eine Decke, die Stille der leeren Straßen der Stadt. Es ist kurz nach zweiundzwanzig Uhr, und ich bin zu aufgeregt, um schlafen zu können. Alles, woran ich denken kann, ist die Eröffnung meines Ladens. Doch dann werde ich von dem dröhnenden Geräusch von Motorrädern aus meinen Gedanken gerissen. Als ich die Straße zu meiner Rechten hinunterschaue, entdecke ich die Scheinwerfer von drei Motorrädern. Sie fahren nebeneinanderher, beherrschen die Straße, als sie vorbeirasen und Staub und Blätter aufwirbeln. Sobald das Echo der Motorräder nicht mehr zu hören ist und ihre Rücklichter in der Nacht verblassen, gehe ich hinein, um mich hinzulegen.
Nach einigem Hin- und Herwälzen gebe ich es jedoch schnell auf, an Schlaf denken zu wollen, und begebe mich mit Mr. Claws im Schlepptau nach unten, um mit dem Auspacken zu beginnen. Ich reiße die erste Kiste vor mir auf, und mein Gesicht erhellt sich sofort bei dem, was ich darin finde – Weihnachtsbeleuchtung. Ich hole mein Handy aus der Tasche meiner Schlafshorts, rufe meine Weihnachtsplaylist auf und drücke auf Play.
Grizz
Ich cruise die Straße entlang. Es ist fast zweiundzwanzig Uhr, und ich bin mit meinen Brüdern auf dem Weg zum Stripclub. Nach diesem beschissenen Tag und noch immer erschüttert von den Neuigkeiten, die ich von diesem Anwalt erhalten habe, muss ich mich dringend entspannen, ein paar Bier trinken und mich bis zum Anschlag in einer Pussy versenken. Ginger arbeitet heute an der Stange, und ich weiß, sie wird mir dabei helfen, meine aufgestaute Aggression loszuwerden.
Als wir an dem Gebäude vorbeikommen, das eigentlich dem Club gehören sollte, kocht die Wut in meinem Bauch erneut hoch. Ich weiß nicht, was zum Teufel sich George dabei gedacht hat. Ich erhasche einen Blick auf eine einsame Gestalt, die auf dem Balkon sitzt. Das muss der neue Besitzer sein. Oder eher Besitzerin, denn die schattenhafte Gestalt scheint die einer Frau zu sein. Ich fliege auf meiner Maschine an ihr vorbei und weigere mich, einen weiteren Gedanken an sie oder den Laden zu verschwenden.
Ich biege auf den Parkplatz des Clubs ein, parke mein Motorrad hinter dem Gebäude, und meine Brüder, Skinner und Smokey, tun es mir gleich. Doch anstatt abzusteigen, bleibe ich auf meinem Motorrad sitzen, denn ich bekomme die geheimnisvolle Frau nicht aus meinem Kopf. Etwas in mir sagt mir, ich soll zurückfahren.
Verdammt. Was zum Teufel ist los mit mir?
„Kommst du mit rein, Prez?“, fragt Skinner, als er von seinem Motorrad steigt.
„Ich komme gleich nach. Ich muss noch was erledigen.“ Mit einem Nicken gehen Skinner und Smokey nach drinnen. Ich bin dankbar, dass sie keine Fragen stellen. Um ehrlich zu sein, weiß ich selbst nicht, was zur Hölle ich hier tue. Ich lasse den Club in einer Staubwolke hinter mir zurück und fahre los – zurück in die Richtung, aus der ich gekommen bin.
Ich parke auf der Straße vor meinem Ziel und stelle den Motor ab. Das Erste, was mir auffällt, ist die dröhnende Weihnachtsmusik. Als Zweites sehe ich, dass durch das große Schaufenster Licht scheint, und eine Katze sitzt auf der Fensterbank. Ich hämmere gegen die Eingangstür, erhalte aber keine Antwort. Wahrscheinlich, weil die Frau durch die laute Musik überhaupt nichts anderes hören kann. Als ich den Türknauf drehe, sehe ich rot, denn das verfluchte Ding öffnet sich einfach mit einem Klicken.
Rockwood ist eine ziemlich sichere Stadt, hauptsächlich, weil The Knights dafür sorgen. Dennoch ist sie eine Frau, die allein in einer Stadt lebt, über die sie rein gar nichts weiß. Ich stürme hinein, fest entschlossen, ihr einen Vortrag über Sicherheit zu halten, als der Anblick vor mir mich beinahe in die Knie zwingt, und alle vernünftigen Gedanken verflüchtigen sich aus meinem Kopf. Vor mir steht in rot-weiß gestreiften kniehohen Strümpfen, roten seidenen Pyjama-Shorts – die ihren verführerischen Hintern kaum bedecken – und einem dazu passenden Spaghettiträger-Top die schönste Frau, die ich je gesehen habe. Sie ist sündhaft sexy und kann nicht größer sein als ein Meter dreiundsiebzig. Ihre Haare sind lang und schwarz und fallen über ihre schlanke Taille. Um die Sache noch schlimmer zu machen, schwingt sie ihren Hintern zu irgendeinem Song, in dem eine Frau All I Want For Christmas singt.
Fuck, verdammt!
Mein Schwanz droht, jeden Moment meine Jeans zu sprengen. Es scheint, dass alles, was mein Schwanz zu Weihnachten will, ist, sich in der Frau vor mir zu versenken.
Mehrere Sekunden vergehen, und die Göttin, von der ich meine Augen nicht abwenden kann, hat meine Ankunft noch immer nicht bemerkt. Ich beobachte, wie sie auf einen wackligen Hocker steigt und eine bunte Lichterkette über dem Torbogen in der Mitte des Raumes aufhängt. Ich erahne den Unfall, noch bevor er passiert, und mache drei große Schritte in Richtung meiner Frau.
Meiner Frau? Wo zum Teufel kam das denn her?
Ich fange sie genau in dem Moment in meinen Armen auf, als der scheiß Hocker unter ihr nachgibt. Mit meinem Mädchen in den Armen gehe ich zum Tresen, wo ich ihr Handy entdecke, und tippe auf das Display, wodurch die Musik verstummt. Mir entgeht nicht, dass ich für diese Frau ein Fremder bin, und dennoch wehrt sie sich nicht dagegen, in meinen Armen zu sein. Tatsächlich spüre ich sogar, wie sich ihr Körper an meinen schmiegt – als gehöre sie dorthin. Ich würde lügen, wenn ich behaupten würde, dass mir das nicht gefällt.
„Was zum Teufel denkst du, was du da tust, Frau?“, knurre ich und streiche die langen dunklen Locken aus ihrem Gesicht, wodurch die verführerischsten blauen Augen zum Vorschein kommen. „Fuck“, murmle ich, und meine geheimnisvolle Frau kichert. In diesem Moment bemerke ich, dass der Träger ihres Tops von ihrer Schulter gerutscht ist und den oberen Teil ihrer linken Brust entblößt. Als mein Mädchen bemerkt, dass mein Blick von ihrem Gesicht zu ihren Brüsten gewandert ist, errötet sie. Ich lecke mir über die Unterlippe und stelle mir vor, wie ich ihre volle Brust in meinen Mund nehme. Als würde sie wissen, in welche Richtung meine Gedanken abgeschweift sind, stockt ihr der Atem. Und ich kann meinen Blick nicht von den sich durch ihr seidenes Top abzeichnenden harten Brustwarzen abwenden, die danach betteln, berührt zu werden.
Ich bin so was von erledigt.
Wortlos stelle ich die zierliche Frau auf ihre Füße, streiche mit meiner rauen, schwieligen Hand ihren Arm hinauf und schiebe den Träger ihres Tops zurück an seinen Platz. Es kostet mich jedes Quäntchen Selbstbeherrschung, sie nicht hochzuheben, ihr die Shorts vom Leib zu reißen und mein Gesicht zwischen ihren Beinen zu vergraben. Ich will diese Frau für mich beanspruchen und sie zu der meinen machen.
„Wie heißt du?“, frage ich, wobei der zornige Tonfall von eben vollkommen verschwunden ist.
„Noell Johnson.“
Leise und etwas rau. Sogar ihre Stimme ist berauschend.
„Ich habe über Männer wie dich gelesen“, merkt Noell völlig unvermittelt an und verwirrt mich damit.
„Was?“
Sie zeigt auf das Präsidenten-Abzeichen auf meiner Kutte. „Du gehörst einem Motorradclub an, oder?“
„Woher weißt du davon?“
„Aus Büchern.“ Sie beißt sich auf die Unterlippe.
„Soweit ich weiß, Babe, wurde ich noch nie in irgendeinem Buch erwähnt. Keine Ahnung, wie du etwas über mich gelesen haben könntest.“
„Na ja, nicht direkt über dich, aber ich habe in Büchern über Männer wie dich gelesen.“
Obwohl mir klar ist, dass dieser Abend gerade eine echt seltsame Wendung genommen hat, führe ich dieses verrückte Gespräch fort, weil ich so ziemlich alles tun würde, damit diese Frau weiter mit mir redet. „Und was für Bücher liest du so, Schätzchen?“ Ich beuge mich näher zu ihr, was ihr Gesicht knallrot anlaufen lässt. Ich habe so eine Ahnung, was mein ungezogenes Mädchen gerne liest. „Sei nicht schüchtern, Babe.“ Ich beobachte, wie Noell von einem Fuß auf den anderen tritt, bevor sie antwortet.
„Ähm … vergiss es einfach.“
Einen Moment lang schweigen wir beide. Ich atme Noells süßen Kakaoduft ein, und sie lässt gedankenverloren eine Hand an meiner Kutte auf und ab gleiten, als würde sie mich streicheln. Als mir bewusst wird, dass diese Frau mich auf irgendeine Weise verzaubert hat, reiße ich mich aus meiner Benommenheit, trete einen Schritt zurück und bringe Noell durch mein abruptes Zurückweichen ins Stolpern.
Das bin nicht ich. Ich benehme mich nicht wie ein verliebter Welpe. Ich verliere nicht den Verstand wegen einer verflucht sexy Frau, die sich wie eine ungezogene Version von Ms. Claus kleidet und nach heißem Kakao duftet. Ohne ein weiteres Wort drehe ich mich auf dem Absatz um und gehe zur Tür hinaus.
Als ich wieder beim Club ankomme, marschiere ich hinein, pflanze meinen Hintern auf den Barhocker neben Skinner und gebe Star, unserer Barfrau, ein Zeichen, mir ein Bier zu bringen.
„Was ist dir denn über die Leber gelaufen, Prez?“, erkundigt sich Skinner.
Ich stürze die Hälfte meines Bieres hinunter, ehe ich zu meinem Bruder sehe. „Hab die neue Ladenbesitzerin kennengelernt.“ Ich muss es nicht weiter ausführen, mein Bruder weiß auch so, wovon ich spreche.
Mit einem breiten Grinsen, das beinahe von Ohr zu Ohr reicht, sagt Skinner etwas, das mich dazu bringt, ihm ins Gesicht schlagen zu wollen. „Ahh … du hast die reizende Noell kennengelernt. Unsere sexy neue Buchladenbesitzerin.“
Ich packe ihn an seiner Kutte, drücke Skinner gegen die Bar und komme ihm so nah, dass unsere Nasenspitzen sich beinahe berühren. „Woher zum Teufel kennst du Noell?“
„Entspann dich, Prez“, sagt er und schüttelt mich ab. „Sie war heute im Baumarkt. Wir haben uns ein bisschen unterhalten.“
Sobald ich mich wieder zurück auf meinen Platz setze, schiebt Skinner einen letzten Seitenhieb hinterher. „Ich hab vielleicht ein bisschen geflirtet.“











