Everest

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Teil der Serie: 18
Originaltitel: Everest (Kings of Retribution MC Montana, #11)
Übersetzung: Jazz Winter
Location: USA, Montana
Buchtyp: Roman
Veröffentlichung: 01/2026
Preis eBook: 7,99 € (D)
Preis Print: 16,90 € (D)
ISBN eBook: 978-3-86495-814-4
ISBN Print: 978-3-86495-813-7
Inhaltsangabe

Kallum „Everest“ Mercer wurde als Mitglied des Kings of Retribution MC im Feuer geschmiedet. Er führt Kriege, beerdigt seine Feinde reuelos und Gewalt ist ein fester Bestandteil seiner Welt. Bis eine Frau ihn aus der Fassung bringt.

London Monroe ist brillant und mutig. Tagsüber eine erfolgreiche Strafverteidigerin, die sich an die Regeln hält – zumindest meistens. Doch hinter ihren schicken Anzügen und scharfen Worten verbirgt sie ein Doppelleben. Eines, das niemand entdecken darf. Schon gar nicht Everest.

Ihre Chemie knistert bei jedem Blick. Ihre Wortgefechte sind so scharf wie das Verlangen, das beide nicht aussprechen wollen.
Sie stößt ihn von sich weg. Er lässt sie gewähren … noch.

Eine einzige Nacht verändert alles – die Spannung entflammt, und es gibt kein Zurück mehr.

Doch gerade als Everest endlich das bekommt, wonach er sich gesehnt hat, wird London von Männern entführt, die für einen mächtigen Feind arbeiten. Everest ist bereit, die Welt niederzubrennen, um sie nach Hause zu holen – denn London ist seine einzige Schwäche.

Liebe war nie Teil des Plans, doch nun ist sie das Einzige, für das es sich zu sterben lohnt.

Teil 18 rund um den Kings of Retribution MC der USA-Today-Bestsellerautorinnen Sandy Alvarez & Crystal Daniels.

London

Ich stehe vor dem Ganzkörperspiegel in meinem Schlafzimmer und mache mich für einen Mädels-Abend fertig. Nachdem ich meine Freundinnen in den letzten Wochen wegen der Arbeit im Stich gelassen habe, plagen mich Gewissenbisse. Deshalb habe ich Promise heute Morgen angerufen und gefragt, ob sie heute Abend etwas unternehmen möchte. Anschließend habe ich aufgelegt und mit Sadie und Ruby telefoniert, die beide ebenfalls Lust auf einen gemeinsamen Abend haben.
Ich schlüpfe in einen dunkelgrünen Minirock und kombiniere ihn mit einem cremefarbenen Body und passenden cremefarbenen Lederstiefeln. Anschließend kämme ich mir mein schwarzes Haar und lasse es mir über die Schultern fallen. Mein Make-up halte ich mit einer dünnen Schicht Mascara dezent und schminke mir die Lippen mit einem kräftigen dunkelroten Lippenstift. Heute habe ich vor, meine Sorgen zu vergessen und mich auf einen unvergesslichen Abend mit meinen Mädels zu konzentrieren.
Sobald ich mir meine Handtasche schnappe und durch die Tür gehe, spüre ich unweigerlich ein Kribbeln der Aufregung, denn kaum hatte ich Promise vorgeschlagen, ins Twisted Throttle zu gehen, schweiften meine Gedanken sofort zu Everest. Everest ist einer der Brüder, also Mitglied der Kings of Retribution. Er verbringt die meisten Nächte in der Bar des Clubs und fungiert dort als einer der Türsteher. Außerdem wohnt er in dem Apartment direkt über der Bar.
Natürlich bin ich überglücklich meine Freundinnen wiederzusehen, aber ich würde lügen, wenn ich behaupte, dass ich mich nicht ebenso darüber freue, diesen Berg von einem Mann zu sehen. Über die Jahre haben Everest und ich immer wieder geflirtet und herumgeplänkelt, auch wenn es oft einseitig war. Im Grunde mache ich ihm gern das Leben schwer. Das liegt nun einmal in meiner Natur. Auch wenn alle denken, ich mache nur Witze, bin ich in Wirklichkeit total in diesen Kerl verknallt.
Ich bin lediglich zu feige, deswegen ernsthaft etwas zu unternehmen. Hauptsächlich, weil Everest, obwohl freundlich und ab und zu mit einer guten Retourkutsche auf Lager, nach außen hin keinerlei Anzeichen von Interesse erkennen lässt.
Als ich in der Bar ankomme, entdecke ich meine Freundinnen an einem Tisch ganz hinten sitzend. Ich sehe, wie alle drei regelrecht strahlen, sobald sie mich bemerken. Gott, ich liebe meine Mädels. Als ich mich durch die Menge schlängele, winke ich Nova hinter der Bar freundlich zu, was er mit einem Kinnheben quittiert. In der Sekunde, als ich die Bar beteten habe, habe ich natürlich Everest am Ende der Bar stehen sehen, der seine Arme vor der breiten Brust verschränkt hat. Ich achte darauf, ihm nicht zu viel Aufmerksamkeit zu schenken, obwohl ich seinen Blick auf mir spüren kann. Es fällt mir schwer, denn jedes Mal, sobald ich in der Nähe dieses Mannes bin, breitet sich ein Prickeln auf meiner Haut aus. Ich kann mich nur mit Mühe beherrschen, nicht über meine eigenen Füße zu stolpern, während ich auf meine Freundinnen zugehe. Mein Vorsatz scheitert, ehe ich den Tisch erreiche, und wie eine Motte vom Licht angezogen, drehe ich meinen Kopf und blicke ihm direkt in die Augen. Und weil ich nicht anders kann, zwinkere ich ihm zu. Vielleicht bilde ich mir das ja nur ein, aber ich könnte schwören, dass sich seine Mundwinkel bei meiner koketten Geste leicht heben. Ansonsten bleibt sein Gesichtsausdruck eine Maske der Gleichgültigkeit.
Die Interaktion dauert nur Sekunden, ehe ich meine Aufmerksamkeit wieder Promise, Ruby und Sadie widme, die sich alle von ihren Sitzen erheben, um mich mit enthusiastischen Umarmungen zu begrüßen.
„Schön, dich zu sehen!“, sagt Sadie. „Mir kommt es wie eine Ewigkeit vor.“
„Na, so lange nun auch nicht“, erwidere ich und lache.
„Nein, aber wenn man den ganzen Tag mit Fünfjährigen abhängt, kommen einem ein paar Wochen wie Monate vor.“ Ruby kichert. Und obwohl meine Freundinnen es scherzhaft meinen, fühle ich mich schuldig, sie vernachlässigt zu haben.
Lachen und das Klirren von Gläsern erfüllen die Bar. Ich setze mich neben Promise. „Heute ist der Laden wirklich voll“, stelle ich fest.
„Ladys!“ Nova bringt uns persönlich unsere Biere und stellt sie auf dem Tisch ab, ehe er einen Arm um Promise legt, sie von ihrem Stuhl zieht und ihr einen Kuss gibt, den die meisten Leute eher hinter verschlossenen Türen teilen würden. Allerdings habe ich eins über die Männer dieses MCs gelernt: Sie halten sich nicht an irgendwelche Regeln und scheren sich einen Scheiß darum, was andere Leute denken. Aber ich freue mich für meine Freundin. Ich liebe es, sie so glücklich zu sehen und bewundere, wie Nova sie behandelt. Wenn ich die beiden zusammen sehe, überkommt mich jedes Mal ein Gefühl der Melancholie. Im Laufe der Jahre hatte ich ein paar Beziehungen, doch nichts im Vergleich zu dem, was Promise und Nova teilen. Ich weiß nicht, wie es ist, einen Mann zu haben, der jeden Tag dazu nutzt, seine Frau glücklich zu machen, und dafür zu sorgen, dass sie sich umsorgt und beschützt fühlt, koste es, was es wolle. Während meine Gedanken abschweifen, lasse ich meine Augen auf Wanderschaft gehen. Ich suche wieder einmal den Mann, der mich seit Jahren fasziniert.
Meine Güte, London, du musst dich dringend mal flachlegen lassen, damit du aufhörst, so besessen von diesem Mann zu sein.
Im Laufe des Abends verfallen meine Mädels und ich in unsere übliche Routine, uns zu betrinken. Unser Gelächter hallt durch die Bar und zieht einige Male die Aufmerksamkeit männlicher Verehrer auf sich, die in der Hoffnung auf einen Flirt an unseren Tisch kommen. Doch auf Novas Anweisung hält Everest Wache, um Annäherungsversuche im Keim zu ersticken. Es ist nicht so, dass Sadie, Ruby und ich die Aufmerksamkeit nicht hin und wieder genießen, allerdings haben wir unsere festen Regeln, wenn es um unsere Mädelsabende geht, und eine davon lautet: Absolut keine Kerle.
Meistens sind wir im Twisted Throttle unter uns, weil die Stammgäste wissen, dass Promise Tabu ist. Allerdings ist New Orleans ein Touristenort, und es kommt nicht selten vor, dass der eine oder andere kleine College-Schnösel in die Schranken gewiesen werden muss.
„Also.“ Sadie lächelt Promise und mich an. „Wie lief es im Büro? Gab es in letzter Zeit spannende Fälle?“
„Ach.“ Ich zucke mit den Schultern. „Bloß die üblichen, lügenden, untreuen Arschloch-Ehemänner.“
Promise grinst. „Lon hat es in letzter Zeit vor Gericht richtig krachen lassen. Seit sie Mr. Davis dazu gebracht hat, vor dem Richter auszurasten, was für ihn zu einer Nacht im Knast geführt hat, haben wir vier neue Mandanten.“
Ich nehme einen Schluck von meinem Bier und schmunzele. „Zwei dieser Mandanten stammen von der Anwaltskanzlei Reeves.“
„Verdammt, London, du bist ein wildes Tier.“ Ruby lacht.
„Ich gebe mir Mühe“, erwidere ich und wische mir das Haar von der Schulter.
„Wie geht es deiner Mom?“ Sadie wechselt das Thema und ihr Tonfall wird ganz sanft.
Ich atme tief durch und spüre die vertraute Mischung aus Trauer und Hoffnung. „Ihr geht es gut. Mom hat gute und schlechte Tage. Wir machen schlichtweg das Beste aus den guten. Ich bin dem Personal von Golden Hills so dankbar, das sich um sie kümmert. Sie sind einfach wunderbar.“
Sadie streckt ihre Hand über den Tisch nach mir aus und drückt meine Finger. „Das ist gut zu hören. Es muss schwer sein.“
Ich nicke und bin dankbar, für die Unterstützung meiner Freundin. „Zu wissen, dass sie in Sicherheit und gut aufgehoben ist, hilft mir sehr“, erwidere ich.
„Wenn du irgendetwas brauchst, du weißt, wir sind für dich da“, versichert Sadie mir. „Selbst wenn es nur zum Reden ist.“
Ich drücke ihre Hand zurück. „Das weiß ich zu schätzen, Baby. Danke.“ Ich wende mich an Ruby. „Wie läuft’s bei dir auf der Arbeit? Wie geht’s den Kindern?“
Ruby strahlt bei meiner Frage. „Sie sind wie immer ganz schön anstrengend.“
Ruby wird, wenn die Zeit gekommen ist, eine fantastische Mutter sein. Sie hat ein Herz aus Gold und liebt Kinder.
„Apropos Kinder: Hat jemand von euch in letzter Zeit mit Vayda gesprochen? Wie geht es dem Baby?“, frage ich.
Promise gerät ins Schwärmen. „Oh mein Gott, er ist ein Engel. Ich war gestern bei Tequila und habe ihr ein paar vorgekochte Mahlzeiten für die Woche vorbeigebracht. Damien ist so ein braves Baby. Sie und Wick sind im siebten Himmel.“
Ich lächle. „Ich freue mich so für die beiden.“
Im Laufe des Abends verlassen wir unseren Tisch und gehen auf die kleine Tanzfläche vor der Bühne. Heute Abend spielt eine lokale Band, und nachdem ich mir etwas Mut angetrunken habe, habe ich Lust zu tanzen. Die Band spielt ein paar rasante Rockballaden, die mich und die Mädels in Bewegung bringen. Wir vier sehen absolut lächerlich dabei aus, doch das ist uns egal. Wir wollen weder einen Tanzwettbewerb gewinnen noch Männer beeindrucken.
Hinter der Bar schüttelt Nova den Kopf und grinst Promise an, die zwar keinerlei Rhythmusgefühl besitzt, es allerdings, nach ihrem breiten Grinsen zu urteilen, weiß und sich nicht darum schert. Mein Blick schweift über die Tanzfläche zur Bühnenecke, wo Everest steht. Seine Augen sind auf mich gerichtet, und er versucht auch nicht, es zu verbergen. Ich kann seinen versteinerten Gesichtsausdruck zwar nicht deuten, aber die Hitze in seinen Augen ist unverkennbar.
„Hört ihr beiden jemals damit auf, so zu tun, als wäre nichts zwischen euch?“ Promise tritt neben mich und stößt mich mit der Hüfte an.
Ich seufze. „Das ist ein Berg, den ich gern besteigen würde.“ Ich reiße meinen Blick von Everest los und schaue meine beste Freundin an. „Immer und immer wieder.“
Promise kichert. „Ich meine es ernst, Lon.“
Ich grinse. „Ich auch.“
Sie schlägt mir auf den Unterarm. „Du weißt, was ich meine. Und ich weiß, dass du ihn magst. Im Übrigen beobachtet er jeden deiner Schritte, seit du heute Abend hier hereingekommen bist. Ich würde sagen, er steht auch auf dich.“
Ich zucke mit den Schultern. Abgesehen von unseren gelegentlichen Flirts hat Everest keinerlei Andeutungen erkennen lassen, dass er auf mich steht. Promise hat recht, ich mag ihn, worauf ich allerdings verzichten kann, ist Zurückweisung. Würde ich versuchen mit ihm irgendetwas anzufangen und er hätte kein Interesse, dann würde das die Dinge ab da wahnsinnig unangenehm machen. Promise wird immer ein Teil der Kings-Familie sein, und weil sie nun einmal meine beste Freundin ist, bin ich es auch. Es gibt demnach keinerlei Möglichkeit, Everest aus dem Weg gehen zu können.
Anstatt ihr die ganze Wahrheit zu sagen, gebe ich nur einen kleinen Teil zu.
„Ich habe einfach zu viel um die Ohren, um über eine Beziehung nachzudenken.“ Ich schaue Promise an. „Ich muss mich jetzt auf meine Mom konzentrieren.“
Promise’ Gesichtsausdruck wird weicher. „Das verstehe ich. Ich möchte meine beste Freundin einfach glücklich sehen, das ist alles.“
Ich erwidere ihr Lächeln. „Ich bin zufrieden.“
„Oh, Lon.“ Sie zieht mich in eine Umarmung und drückt mich.
Wenige Sekunden später spielt die Band ein langsames Stück. Ruby und Sadie eilen auf uns zu. Promise lässt mich los und unterbricht unseren Moment. „Ich liebe diesen Song.“ Sadie seufzt, als wir vier uns zusammendrängen und wieder tanzen.
Ich schließe die Augen, hebe meine Hände über den Kopf und bewege meine Hüften im Takt. Für einen Augenblick kann ich meine Sorgen hinter mir lassen und vergesse, wie sehr mir die Zeit vor dem Tod meines Dads und der Krankheit meiner Mom fehlt. Doch sobald das Lied vorbei ist, kommen all diese Gedanken erneut hoch, und plötzlich habe ich das Gefühl zu ersticken. Der Raum dreht sich, und meine Kehle schnürt sich zu, sodass ich beim nächsten Atemzug röchle. Ich spüre, wie mir der Schweiß über die Schläfen rinnt, während meine Sicht verschwimmt.
Ich schaue zu Promise hinüber, die Sadie umarmt. Die beiden lachen über etwas, das Sadie von sich gegeben hat, aber ich kann ihre Stimmen wegen des Rauschens in meinen Ohren nicht hören. Gerade als ich das Gefühl habe zu stolpern und hinzufallen, schlingt sich ein starker Arm um meine Taille und fängt mich auf. Der Geruch von Kiefer, Leder und Zigaretten erfüllt meine Sinne.
„Alles ist gut“, dröhnt Everests Stimme an meinem Ohr und jagt mir einen Schauer über den Rücken. „Atme, London“, befiehlt er. In diesem Moment bemerke ich, dass ich tatsächlich die Luft angehalten habe.
Das Nächste, woran ich mich erinnern kann, ist, dass Everest mich nach draußen führt. Ich blicke über meine Schulter und sehe die besorgten Mienen von Promise, Sadie und Ruby, während Nova seine Arme ausstreckt und sie festhält. Promise’ Gesichtsausdruck wechselt zu Wut, bis Nova sich zu ihr beugt und ihr etwas ins Ohr flüstert.
Draußen angekommen, weht mir die kühle Nachtluft entgegen, und ich atme den dringend benötigten Sauerstoff ein. Everest hält mit seinen eins fünfundneunzig die Menge auf dem Bürgersteig auf Abstand, wofür ich sehr dankbar bin. Für die Zuschauer bin ich bloß ein weiteres betrunkenes Mädel, dass man anstarren kann.
Ich lehne mich mit dem Rücken gegen die Backsteinmauer und stemme meine Handflächen auf die Oberschenkel. „Ich habe keine Ahnung, was zum Teufel das war, aber danke“, gebe ich stoßweise von mir.
„Panikattacke“, erwidert Everest und hält mir eine eiskalte Flasche Wasser vor die Nase.
Ich frage nicht, wo er die plötzlich hergezaubert hat, sondern wische mir mit dem Handrücken die verschwitzte Stirn ab, nehme die Flasche und leere sie gierig bis zur Hälfte.
„Panikattacke? So was ist mir noch nie passiert. Woher wusstest du das?“
„Trink das Wasser aus“, meint er, ohne auf meine Frage einzugehen.
Zu verängstigt, um zu widersprechen, tue ich, was mir gesagt wurde. Nachdem ich die erste Flasche geleert habe, reicht mir Everest eine weitere. Ich winke ab. „Ich glaube, ich habe genug.“
„Wenn du das hier trinkst, ist alles gut.“ Er drückt mir das Wasser regelrecht in die Hand und lässt mir damit keine andere Wahl. Ich werfe ihm einen genervten Blick zu, doch Everest zeigt sich wie immer davon unbeeindruckt. Ich will die Flasche an meine Lippen führen, als ich bemerke, wie meine Finger zittern.
„Fuck“, zische ich und lehne meinen Kopf gegen die Wand.
„Was ist mit der Tussi los?“, fragt irgend so ein Idiot im Poloshirt, als er auf dem Bürgersteig an mir vorbeigeht und seine Freunde damit zum Lachen bringt.
Normalerweise habe ich für Arschlöcher wie ihn stets eine geistreiche Antwort parat, aber im Moment fehlt mir die Kraft dazu. Ich bin allerdings schockiert, wie schnell sich die große Hand von Everest um die Kehle des Kerls legt und zudrückt. Ich kann beobachten, wie der Typ rot wird. Seine Kumpels sind ebenso verblüfft und tun das einzig Kluge, nämlich zurückzutreten. Ich kann es ihnen nicht verübeln.
Everest trägt seinen Namen zu Recht. Er ist ein Muskelpaket und eins fünfundneunzig groß.
„Wenn du das nächste Mal an einer Lady auf der Straße vorbeigehst, zeig ihr entweder verflucht noch mal Respekt oder geh einfach weiter“, knurrt Everest und sein Gesicht ist vor Wut verzerrt.
Der Kerl kratzt an Everests Hand, während seine Freunde ihn regelrecht anflehen ihn loszulassen. „Er hat es nicht so gemeint, Mann. Wirklich. Kannst du ihn jetzt loslassen?“, fragt einer seiner Kumpels.
„Alles okay, Bruder?“ Nova erscheint neben uns, wirkt gelangweilt, mit einer Kippe im Mund.
Everest schubst den Typ von sich, und er fällt auf den schmutzigen Bürgersteig. Seine Freunde drängen sich um ihn, während er nach Luft schnappt.
„Alles gut. Ich gebe diesem Vollidioten bloß eine Lektion in Sachen Respekt.“ Everest dreht sich wieder zu mir um. „Ich bringe London nach Hause.“
Nova sieht mich an. „Alles klar bei dir, Darlin’?“
Ich lächele ihn schwach an. „Ja.“ Anschließend füge ich hinzu: „Sag den Mädels, dass es mir leidtut, und richte Promise aus, dass ich sie morgen anrufe.“
„Mach’ ich, Darlin’.“ Nova und Everest tauschen einen Blick, ehe Nova wieder in der Bar verschwindet.
Everest packt mich am Ellbogen, um mich zu stützen, und führt mich den Bürgersteig entlang zu meinem Wagen. „Warte.“ Ich versuche stehenzubleiben. „Ich habe meine Handtasche vergessen.“
Everest hebt die andere Hand und hält darin meine kleine Handtasche. Nova muss sie ihm gegeben haben, aber da ich so auf den Austausch zwischen Everest und dem Poloshirt-Kerl konzentriert war, habe ich das wohl nicht mitbekommen. „Weißt du, mir geht es eigentlich schon besser. Ich kann selbst nach Hause fahren.“
Ohne seine Schritte zu verlangsamen, schüttelt Everest den Kopf. „Kommt gar nicht infrage.“
Wir erreichen die Beifahrerseite meines Autos, wo er die Tür für mich öffnet. Sobald ich sitze, beobachte ich, wie er zur Fahrerseite geht und seinen massiven Körper anmutig hinter dem Lenkrad platziert.
Auf der Fahrt zu meinem Apartment gibt es keinerlei Smalltalk, doch überraschenderweise fühlt sich die Stille zwischen uns sogar angenehm an. In mir macht sich bald Erschöpfung breit, und auf einmal fällt es mir schwer, die Augen offen zu halten.
Ich muss wohl eingeschlafen sein, denn plötzlich fühle ich mich, als würde ich schweben, eingehüllt in einen Kokon aus Muskeln, Wärme und diesem vertrauten Geruch von Kiefer und Whiskey. Ich öffne leicht die Augen und murmele: „Ich kann selbst laufen.“
„Ich hab’ dich, Baby.“ Everests Atem streicht mir über das Ohr.
Ich muss wohl träumen, denn ich könnte schwören, dass er mich Baby genannt hat. Ja, definitiv ein Traum. Und weil ich daraus nicht erwachen will, kuschele ich mein Gesicht an Everests Hals und atme seinen Duft ein. „Mmm, du riechst gut“, flüstere ich. In meinem Traum vibriert ein tiefes Grollen an meiner Wange. „Ich liebe es auch, wenn du knurrst. Das ist so heiß.“
„Fuck“, knirscht Everest in meinem Traum.
Ich gähne. „Ich glaube, das würde mir auch gefallen, du Hüne.“
Einige Augenblicke später werde ich in mein Bett gelegt. Kurz schlage ich die Augen auf und sehe Everest an meiner Schlafzimmertür stehen, der mich anstarrt. „Na, wenn das mal nicht gruselig ist.“ Ich grinse ihn träge an.
Everest schüttelt den Kopf.
„Gute Nacht, Everest.“
„Nacht, Baby.“

Crystal Daniels & Sandy Alvarez
Crystal Daniels und Sandy Alvarez sind ein Schwestern-Duo und die USA Today-Bestsellerautorinnen der beliebten "Kings of Retribution MC"-Serie. Seit 2017 hat das Duo zahlreiche Romane veröffentlicht. [...]
Crystal Daniels & Sandy Alvarez
Crystal Daniels und Sandy Alvarez sind ein Schwestern-Duo und die USA Today-Bestsellerautorinnen der beliebten "Kings of Retribution MC"-Serie. Seit 2017 hat das Duo zahlreiche Romane veröffentlicht. [...]

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