Beautiful Trauma

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Teil der Serie: 5
Originaltitel: Beautiful Trauma: A Dark Mafia Romance (The Irish Rogues Book 5)
Übersetzung: Sandra Martin
Location: –
Buchtyp: Roman
Veröffentlichung: 12/2025
Preis eBook: 7,99 € (D)
Preis Print: 16,90 € (D)
ISBN eBook: 978-3-86495-810-6
ISBN Print: 978-3-86495-809-0
Inhaltsangabe

KELLAN
Ich war nie wie meine Brüder. In einer Welt, die von Gewalt und Blut regiert wird, war ich derjenige, der dem Herzen folgte. Mein Mitgefühl war schon immer meine Schwäche – so auch in der Nacht, als eine atemberaubende Blondine in meinem Club Hilfe benötigte. Es war nicht nur ihre Schönheit, die mich fesselte. Es war ihre Verletzlichkeit, die den Beschützer in mir weckte.
Doch die Verführung, die darauf folgte, war nichts als ein Spiel. Ein Spiel, das ich verlor.
Trotz ihres Verrats konnte ich sie und unsere gemeinsame Nacht nicht vergessen. Als ich erfahre, dass sie in Gefahr schwebt, bleibt mir keine Wahl: Ich muss sie retten. Egal, was es kostet.
Doch dieser Preis könnte alles zerstören – nicht nur mich, sondern auch meine Familie.

MILA
Als Tochter der Neben-Familie eines Bratva-Pahkans wurde ich mein Leben lang behandelt, als wäre ich zweitklassig. Meine Schönheit war war eine Waffe, die mein Vater für seine Geschäfte einsetzte.
Sein neuester Auftrag: Schleiche dich in die irische Mafia ein und verführe einen der Kavanaugh-Brüder.
Ich hatte nicht mit einem strahlenden Held mit sanfter Stimme, dem Körper eines Sünders und gütigen Augen gerechnet. Und schon gar nicht damit, dass ich ihn mögen würde oder dass ein so sanftes Herz in seiner Brust schlägt.
Doch kaum verliebe ich mich in Kellan, reißt das Schicksal uns auseinander.
Um mich zu schützen, wird er in einen Krieg ziehen. Aber eine Liebe, die aus Lügen und Gewalt geboren wurde, überlebt nicht immer – vor allem, wenn die Wahrheit mit aller Macht zurückschlägt.
Und diesmal wird sie ihr Ziel nicht verfehlen.

Im explosiven fünften Band dieser düster-verführerischen Mafia-Romanreihe werden Blutsbande gebrochen, Loyalitäten verraten – und nur eine Liebe, geboren aus Verrat und Leidenschaft, könnte stark genug sein, den Sturm zu überleben.

Kellan

Nachdem ich lange Zeit auf den Bildschirm meines Laptops gestarrt hatte, verschwamm mir die Sicht. Also stand ich auf und rieb mir die tränenden Augen. Sobald ich wieder klar sehen konnte, warf ich einen flüchtigen Blick auf die Uhr und stellte fest, dass es Zeit für meine erste Runde des Abends war. Obwohl wir im Club über ausgezeichnetes Sicherheitspersonal verfügten, lief alles besser, wenn die Mitarbeiter wussten, dass der Besitzer anwesend war.
Ich öffnete die Tür und erblickte Thomas, einen der Leibwächter unserer Familie, der draußen im Flur auf mich wartete.
„Guten Abend, Kellan.“
Im Gegensatz zu Andrew arbeitete Thomas bereits seit einigen Jahre für uns und wusste, dass er mich nicht mit „Sir“ ansprechen sollte. „Guten Abend, Thomas. Wie ist die Stimmung heute Abend?“, fragte ich mit einem Lächeln.
Für gewöhnlich schätzten wir zuerst die Atmosphäre im Club ein, bevor wir unsere Runden drehten. An manchen Abenden waren die Gäste bereits beim ersten Rundgang außer Rand und Band. „Die Stimmung ist entspannt“, erklärte er in seiner für ihn typischen stoischen Art.
„Das freut mich zu hören.“
Ich ging den Flur entlang und Thomas folgte mir. Als ich den Gästebereich betrat, konnte ich die energiegeladene Atmosphäre deutlich spüren. Der Bass unseres erstklassigen DJs dröhnte durch mich hindurch, während der Geruch von Schweiß, aufdringlichem Eau de Cologne und süßem Parfüm die Luft erfüllte.
Ich ließ den Blick über die Menge schweifen. Während ich auf den VIP-Bereich zusteuerte, kreuzte eine atemberaubende Brünette meinen Weg. Da ich täglich von schönen und sinnlichen Frauen umgeben war, hätte ich immun gegen ihre Erscheinung sein müssen, doch das war ich nicht.
Tatsächlich geriet ich ins Stocken, als ich sie von Kopf bis Fuß musterte. Ihr dunkles Haar wallte über ihre Schultern. Sie trug ein enges, trägerloses Kleid, das ihr üppiges Dekolleté zur Schau stellte. Es reichte bis zur Mitte der Oberschenkel und betonte ihre fantastischen Beine.
Als ich den neugierigen Ausdruck in ihren Augen sah, durchlief mich ein Schauer. Vielleicht war es ein Klischee, aber in dem Moment, in dem unsere Blicke sich trafen, veränderte sich etwas in mir.
Etwas erwachte, das seit Reagans Verrat in meinem Inneren geschlummert hatte. Es war geradezu beunruhigend.
Ein einladendes Lächeln umspielte ihre vollen, roten Lippen. „Hey Sexy, hast du Lust zu tanzen?“
Ich war noch immer wie betäubt und reagierte mit den üblichen Worten: „Danke. Aber ich muss arbeiten.“
Als sie die Lippen zu einem Schmollmund verzog, meldete sich der verdorbene Mistkerl in mir zu Wort und ich stellte mir unwillkürlich vor, wie diese Lippen sich um meinen Schwanz schlangen. „Diesen Spruch habe ich bisher noch nicht gehört.“
„Ich kann dir versichern, dass es kein Spruch ist. Ich arbeite wirklich.“
Zu meiner Überraschung streckte sie die Hände aus und umfasste meine Oberarme. Ich spannte automatisch die Muskeln an. Sie drückte meinen Bizeps und fragte: „Lass mich raten. Du bist Türsteher?“
Obwohl ich es hätte lassen sollen, beschloss ich mitzuspielen. Grinsend antwortete ich: „Falsch.“
„Barkeeper?“
„Dann hätte ich weniger Kleidung am Leib.“
Was zum Teufel? Hatte ich das wirklich gerade gesagt? Normalerweise brauchte ich zuerst ein oder zwei Drinks oder zumindest ein erstes Date, bevor ich derart direkt war. Scheinbar eiferte ich heute Abend jedoch meinem Bruder nach und hielt mich mit den sexuellen Anspielungen nicht zurück.
Offenbar hatte ihr meine Antwort gefallen, denn ihre dunklen Augen blitzten auf und sie stieß ein sinnliches Kichern aus. „Das ist wohl wahr.“ Sie legte den Kopf schief und tippte sich nachdenklich ans Kinn. „Stripper?“
Ich verschränkte die Arme vor der Brust und entgegnete: „So ein Club ist das nicht.“
„Schade“, sinnierte sie.
„Das würdest du vielleicht anders sehen, wenn du mich tanzen sehen würdest.“
Ein verschmitzter Ausdruck blitzte in ihren dunklen Augen auf. „Ich glaube nicht, dass mich deine Tanzkünste interessieren würden, wenn ich dich erst einmal nackt gesehen hätte.“
Verdammt. Eigentlich hatte ich keine Vorliebe für Frauen, die derart direkt waren. Es gefiel mir besser, wenn ich mich anstrengen musste, um sie zu erobern. „Aye. Du bist ziemlich dreist, nicht wahr?“
Sie kicherte. „Ich liebe deinen britischen Akzent.“
„Genau genommen ist er irisch.“
Sie errötete verlegen. „Ach herrje, entschuldige.“
„Schon gut.“
„Du hast meine Frage noch nicht beantwortet.“
„Welche?“
Sie warf ihr welliges kastanienbraunes Haar zurück. „In welcher Stellung bist du tätig?“
Offenbar brachte sie eine draufgängerische Seite in mir zum Vorschein, denn ich antwortete: „Oh, ich bin in vielen Stellungen bewandert.“
Sie versetzte mir einen spielerischen Klaps auf die Brust. „Du ungezogener Junge.“
Obwohl ihre kesse Art mich eigentlich hätte anheizen sollen, ließen mich ihre tadelnden Worte leicht zurückweichen und ich schaltete einen Gang zurück. „Du hast recht. Das bin ich. Die Wahrheit ist, dass ich Miteigentümer dieses Clubs bin.“
„Ah, das ergibt Sinn.“
„Wirklich?“
Sie nickte. „Das passt zu deiner selbstbewussten Art.“
Da ich von all meinen Brüdern am wenigsten Selbstbewusstsein ausstrahlte, blinzelte ich sie überrascht an. Während mir auch weiterhin der Mut schwand, sagte ich: „Wenn du es sagst.“
Das Brünette streckte mir ihre Hand entgegen. „Ich bin Mya.“
„Kellan.“
Bevor sie meine Hand schütteln konnte, riss sie panisch die Augen auf. Sie zog ihre Hand zurück und schnappte nach Luft. „Nein, nein, nein.“
„Ist alles in Ordnung?“
Sie schüttelte den Kopf. „Ich kann nicht glauben, dass er mir hierher gefolgt ist.“
Ich warf einen Blick über die Schulter. Ein Mann, der aussah, als sei er mit Steroiden vollgepumpt, kam wutentbrannt auf uns zu. Sein Zorn schien sich ausschließlich gegen Mya zu richten, was meinen Beschützerinstinkt weckte.
Ich wandte mich wieder ihr zu und fragte: „Kennst du ihn?”
„Das ist mein Ex-Freund, Anthony.“ Ein Schauer lief ihr sichtlich über den Rücken. „Ich sollte ihn wohl eher meinen Stalker nennen, denn er taucht überall auf, egal, wohin ich gehe.“
Ich schenkte ihr ein beruhigendes Lächeln. „Keine Sorge. Du bist hier sicher.“
„Du kennst ihn nicht“, keuchte sie.
„Und du kennst mich nicht“, entgegnete ich.
Als ich die Hände zu Fäusten ballte, riss sie die Augen auf. Ich drehte mich um, um Anthony am Weitergehen zu hindern, doch er wich mir aus. Bevor ich ihn aufhalten konnte, packte er Mya am Arm und sie schrie auf.
„Was zum Teufel hast du hier mit diesem Kerl zu suchen?“, blaffte Anthony.
Ich wirbelte herum und knurrte: „Lass sie sofort los.“
Er starrte mich durchdringend an. „Halt die Klappe. Das geht dich nichts an.“
„Da sie dich nicht sehen will, würde ich sagen, dass sie dich auch nichts angeht.“
Der Kerl trat einen Schritt auf mich zu und zog Mya mit sich. „Ich sage es dir noch ein letztes Mal. Kümmere dich um deine eigenen Angelegenheiten und verschwinde.“
Ich baute mich vor ihm auf. „Da du in meinem Club stehst und einen meiner Gäste angreifst, ist das eine meiner Angelegenheiten.“
Er blähte herausfordernd die Nasenflügel. „Und was willst du dagegen tun?“
„Ich werde dich noch einmal bitten, sie loszulassen.“
Ein grausames Lachen entfuhr ihm. „Und wenn ich es nicht tue?“
„Dann werde ich dich entfernen und festnehmen lassen.“
„Du bist ein verdammtes Weichei, wenn du deine Männer für dich kämpfen lässt.“
Mit der Bemerkung untergrub er meine Männlichkeit und brachte mich zum Explodieren.
Als Kind hatte mein Vater mich ständig herabgewürdigt, weil ich sanfter und weniger gewalttätig als meine Brüder war. Er hatte mich regelmäßig gedemütigt und ging sogar so weit, mir zu sagen, dass ich zu nichts nutze und eine Schande für die Männer der Familie sei. Hin und wieder stellte er sogar meine Herkunft infrage, denn er bezweifelte, dass ich die Frucht seiner Lenden sein konnte.
Meistens schaffte ich es, nicht auf die Impulse zu reagieren, die die Erinnerungen in mir wachriefen. Vor allem, wenn ich mich an einem öffentlichen Ort befand. Aber heute Abend konnte ich mein Temperament nicht im Zaum halten.
Ich stürzte mich auf ihn und packte ihn am Hals. „Wie kannst du es wagen, in meinem Club Hand an eine Frau zu legen!“, knurrte ich.
Ich festigte meinen Griff um seine Kehle, woraufhin ihm die Augen aus dem Kopf traten. Er ließ Mya los, die sofort zurücktaumelte. Als ich jedoch nicht von ihm abließ, krächzte er flehentlich: „Ich … habe … die … Schlampe … gehen … lassen.“
Langsam schüttelte ich den Kopf. „Du bist zu weit gegangen, Anthony.“
Der trotzige Ausdruck in seinem Gesicht wich einer unbändigen Angst. Mit den Fingernägeln kratzte er über meine Hände, die nach wie vor seinen Hals umschlossen. Als er sie in meine Haut grub, stieg mir ein metallischer Geruch in die Nase.
Mya legte eine Hand an meinen Arm. „Bitte lass ihn los.“
Langsam wandte ich ihr mein Gesicht zu. „Er hat dir gerade wehgetan. Und da er keine Hemmungen hatte, vor aller Augen Hand an dich zu legen, kann ich mir vorstellen, dass er zuvor schon gewalttätig geworden ist. Ganz zu schweigen davon, dass er dir nachstellt.“
„Das mag zwar stimmen, aber er ist es nicht wert.“ Sie drückte meinen Arm und flehte mich an: „Lass ihn einfach gehen.“
Als ich den verängstigten Ausdruck in ihren Augen sah, schüttelte ich den Kopf. „Ich werde nicht zulassen, dass er dir jemals wieder wehtut.“
Als Anthony zu wimmern begann, wandte ich mich ihm wieder zu. Mit einem manischen Lächeln sagte ich: „Keine Sorge, ich werde dich nicht umbringen.“
Ich stieß ihn von mir und verpasste ihm einen rechten Kinnhaken. Während er zurücktaumelte, rammte ich ihm meine Faust in den Bauch. Ein qualvolles Stöhnen entrang sich seiner Kehle. Ich wirbelte herum und versetzte ihm vier oder fünf Schläge in die Nieren.
Als er sich vor Schmerzen krümmte, schlug ich ihm auf die Nase, sodass Blut über meine Fingerknöchel und meine Hände spritzte.
„Sir, nicht!“, warnte Thomas hinter mir.
Ich ignorierte ihn und schlug weiter auf Anthony ein. Als Thomas versuchte, mich an der Taille zu packen, stieß ich ihn von mir.
Unbeeindruckt baute er sich zwischen Anthony und mir auf. Er griff mich an den Schultern und schrie: „Kellan, hören Sie auf!“
Irgendwie drangen seine Worte zu mir durch. Ich erstarrte und bemerkte, dass die Musik zwar weiterlief, die Leute um uns herum aber aufgehört hatten zu tanzen und mich sowohl neugierig als auch entsetzt anstarrten.
„Schafft ihn verdammt noch mal hier raus.“
„Ja, Sir“, antwortete Thomas.
Offenbar hatte mein Verhalten ihn erschüttert, da er mich mit „Sir“ angesprochen hatte. Aber ich hatte jetzt keine Zeit, mir darüber Gedanken zu machen.
Ich wirbelte zu Mya herum, die in sich zusammengesunken war. Als ich einen Schritt auf sie zuging, schrak sie zurück und riss vor Angst die Augen auf. „Es ist alles in Ordnung. Du bist in Sicherheit.“
Ich streckte die Hände nach ihr aus, um sie zu stützen, und bemerkte, dass meine Finger blutverschmiert waren. Sofort zog ich sie zurück. „Geht es dir gut?“, fragte ich.
Die grelle Clubbeleuchtung ließ ihr blasses Gesicht aufleuchten. „Ich … ich …“
Im nächsten Moment verdrehte sie ihre Augen, bis nur noch das Weiße zu sehen war, und ich machte einen Satz nach vorn, um sie aufzufangen, bevor sie ohnmächtig zu Boden gehen konnte. Ich hob sie hoch und wandte mich der neugierigen Menge zu.
„Lasst uns durch!“, brüllte ich und setzte mich in Bewegung.
Da die Leute gesehen hatten, wie ich Anthony verprügelt hatte, stoben sie zu allen Seiten davon. Als ich an der Bar vorbeieilte, rief ich: „Bring mir etwas Eiswasser und eine Kanne Tee.“
„Wird gemacht, Boss“, antwortete einer der Barkeeper.
Ich ging den Flur entlang zu meinem Büro, öffnete die Tür und schloss sie mit einem Tritt. Mya gab keinen Ton von sich, als ich sie zur Couch trug. Nachdem ich sie auf das schwarze Leder gebettet hatte, ging ich neben ihr in die Hocke.
Als ich die Angst in ihren Augen sah, schüttelte ich den Kopf. „Inzwischen solltest du erkannt haben, dass ich dir nichts antun werde.“
„Das weiß ich“, flüsterte sie.
„Warum hast du dann solche Angst vor mir?“
Sie schluckte schwer. „Du hast ihn gewürgt … und geschlagen.“
„Das stimmt.“
Mit zitternder Stimme sagte sie: „Das hat mir Angst gemacht. Du hast mir Angst gemacht.“
„Es tut mir leid, dass du das mitansehen musstest.“
Sie runzelte die Stirn. „Aber es tut dir nicht leid, dass du ihm wehgetan hast.“
„Nein, das tut mir nicht leid.“
Mya sah mich fragend an. „Du hast ihm um meinetwillen wehgetan?“, wollte sie mit ungläubigem Tonfall wissen.
„Aye, das ist richtig.“
„Warum?“
Ich blinzelte sie verwirrt an. „Wie meinst du das?“
„Warum solltest du dich meinetwegen in Gefahr begeben?“
„Wie sollte ich es nicht tun?“
„Die meisten Männer hätten sich nicht für mich geprügelt.“
„Dann sind sie keine richtigen Männer.“ Ein rauer Seufzer entfuhr meinen Lippen. „Echte Männer beschützen diejenigen, die sich nicht selbst schützen können. Auf keinen Fall sollten sie andere emotional und körperlich misshandeln.“
„Leider habe ich andere Erfahrungen gemacht“, antwortete sie bedauernd.
„Ich auch.“ Als sie mich neugierig ansah, fuhr ich mir mit der Hand durchs Haar. „Mein Vater war ein Monster. Er hat nicht nur meine Brüder und mich geschlagen, sondern auch meine Mutter und meine Schwester.“
Als diese quälenden Erinnerungen in mir hochkamen, entfuhr mir ein freudloses Lachen. „Wie alle Männer, die Frauen schlagen, war mein Vater ein Feigling. Sobald meine älteren Brüder groß genug waren, hinderten sie ihn daran, meiner Mutter und meiner Schwester wehzutun.“
„Und du hast das Gleiche getan, als du alt genug warst“, stellte sie fest, als würde sie mich bereits kennen.
Ich nickte. „Zum Glück zog er mit meinen drei ältesten Brüdern nach Boston, während meine Mutter und meine Schwester mit unserem jüngsten Bruder und mir in Irland blieben.“
Als mir klar wurde, wie viel ich ihr gerade erzählt hatte, sprang ich auf. Von Reue und Verlegenheit gepackt fuhr ich mir mit der Hand übers Gesicht.
„Tu das nicht“, sagte Mya leise.
„Was soll ich nicht tun?“
„Dich selbst dafür tadeln, dass du mir so persönliche Details offenbart hast.“
„Das ist leichter gesagt als getan.“
„Ich könnte für gleiche Bedingungen sorgen.“
„Wie?“
Sie setzte sich auf, beugte sich vor und ergriff meine Hand. „Anthony war nicht der erste Mann, der mir wehgetan hat.“ Sie neigte den Kopf zur Seite und fragte: „Aber das hast du bereits geahnt, nicht wahr?“
„Ja.“
Ein bedauernder Seufzer entfuhr ihr. „Mein Vater ist auch ein Monster. Ich war ihm schon immer ein Dorn im Auge, noch mehr als meine Schwestern. Mein Bruder behauptet, das liege daran, dass ich ihn provoziert habe. Und das ist richtig. Ich habe stets gegen ihn aufbegehrt.“
Ich schenkte ihr ein Grinsen. „Das überrascht mich nicht.“
Sie erwiderte mein Lächeln. „Es ist wahrscheinlich etwas überraschend, dass jemand, der so unbeugsam ist wie ich, sich auf jemanden wie Anthony eingelassen hat.“
„Menschen tragen oft Masken, um zu verbergen, wer sie wirklich sind. Es hat wahrscheinlich eine Weile gedauert, bis er sein wahres Ich gezeigt hat.“
„Das stimmt“, flüsterte sie.
„Die Freundin meines Bruders hat gerade etwas Ähnliches durchgemacht. Ihr Ex-Freund wurde auch zu einem Stalker. Sie ist ebenfalls eine starke Frau, genau wie du.“
„Ich kann nachvollziehen, wie sie leidet.“
„Du musst dir keine Sorgen um sie machen. Mein Bruder hat sich um ihren Ex gekümmert.“
„So wie du dich um Anthony gekümmert hast?“
Im Gegensatz zu Dare hatte ich Anthony nicht aufgehängt, ausgiebig gefoltert und ihn anschließend getötet. Aber das konnte ich Mya nicht erzählen. Sie hätte sofort die Flucht ergriffen.
„Ganz genau.“
„Dann hat er ein gutes Herz, genau wie sein Bruder.“
Mit einem Lächeln antwortete ich: „Dare würde sagen, dass ich derjenige mit dem guten Herzen bin, nicht er.“
Als ein verblüffter Ausdruck in ihren Augen aufblitzte, runzelte ich die Stirn. „Schockiert dich mein Geständnis etwa?“
„Äh, nein, äh, ganz und gar nicht.“ Mit einem verlegenen Blick fügte sie hinzu: „Der Name deines Bruders hat mich nur überrascht.“
Ich lachte. „Das ist sein Spitzname. Sein richtiger Name ist Darragh.“
„Oh, das ergibt Sinn.“
Ein Klopfen ertönte an der Tür. „Sir?“
„Herein.“
Die Tür schwang auf und eine Kellnerin kam mit einem Tablett herein, auf dem meine Bestellung stand. „Danke“, sagte ich und nahm das Tablett entgegen.
„Gern geschehen“, antwortete sie, bevor sie wieder hinauseilte.
Ich stellte das Tablett auf dem Couchtisch ab. Als ich Mya eine Tasse Tee einschenken wollte, erstarrte ich beim Anblick meiner blutverschmierten Hände.
„Ich sollte mich wirklich waschen.“
„Okay.“
„Kommst du zurecht?“
Sie schenkte mir ein beruhigendes Lächeln. „Ja, mach dir keine Sorgen.“
Ich nickte und wollte mich umdrehen, um ins Badezimmer zu gehen, doch dann hielt ich inne. Als Mya mich erwartungsvoll ansah, brachte ich meine Unsicherheit zum Ausdruck. „Du wirst doch nicht gehen, oder?“
Als sie nichts erwiderte, fügte ich hinzu: „Ich meine, du hast jedes Recht, dich von mir fernzuhalten. Ich habe gerade deinen Ex verprügelt und dir einige dunkle Geheimnisse anvertraut. An deiner Stelle würde ich sofort Reißaus nehmen.“
„Nein, das würdest du nicht“, antwortete sie mit gedämpfter Stimme.
Ich zog die Augenbrauen in die Höhe. „Wirklich nicht?“
Sie schüttelte den Kopf. „Nur ein Feigling würde das Weite suchen. Und du bist vieles, Kellan, aber kein Feigling.“
Ich ging neben ihr auf die Knie. „Da irrst du dich, Mya. Denn ich habe gerade schreckliche Angst.“
„Wirklich?“
„Ich bin eine Komplikation, die du sicher nicht brauchen kannst.“
„So sehe ich dich nicht.“
„Das liegt daran, dass du mich und meine Welt nicht kennst.“ Ich zuckte zusammen, als mir die Worte über die Lippen kamen. „Ich meine, mein Leben ist kompliziert.“
„Meins auch, wie du zweifellos weißt.“
„Wenn ich auch nur einen Funken Ehre hätte, würde ich dir sagen, dass du gehen sollst, aber das will ich nicht. Ich will, dass du bleibst, damit ich dich kennenlernen kann. Und ich habe schreckliche Angst, dass ich vielleicht nie wieder jemanden finden werde, für den ich solche Gefühle hege, wenn du jetzt gehst.“
Sie blinzelte mich ungläubig an. „Ich kämpfe gerade gegen den Drang an, dich zu kneifen, weil ich nicht glauben kann, dass ein Mann wie du wirklich existiert.“
Ich ergriff ihre Hand und legte sie an meine Brust. Um die Stimmung aufzulockern, ließ ich sie über meine Brustmuskeln zu meiner Brustwarze gleiten. „Nur zu.“
Ein Lachen kam ihr über die Lippen, bevor sie mir schmerzhaft in die Brustwarze kniff. „Du bist echt.“
„Meistens bin ich ein echter Idiot.“
„Das bezweifle ich.“ Sie ließ ihre Hand über meine Brust an meinen Hals hinaufgleiten und legte sie schließlich an meine Wange. „Deshalb werde ich bleiben, um dich besser kennenzulernen.“
Erleichterung durchflutete mich. „Ich bin so verdammt froh, das zu hören.“
„Gut. Jetzt geh dich waschen.“
„Ja, Ma’am“, sagte ich und stand auf. „Mach es dir bequem. Du solltest wahrscheinlich etwas Wasser trinken.“
„Das werde ich.“
Mit einem Lächeln drehte ich mich um und ging ins Badezimmer.

 

Mila

Als Kellan ins Badezimmer ging, um zu duschen, versuchte ich, die Geschehnisse zu verarbeiten. Ich hatte das Gefühl, in einer Achterbahn zu sitzen, in der meine Gefühle völlig außer Kontrolle geraten waren.
Es wäre untertrieben, zu behaupten, dass es mich erschüttert hatte, was auf der Tanzfläche geschehen war. Kellans ungezügeltes Temperament war zutiefst beunruhigend.
Die Informationen, die Dima über Kellan eingeholt hatte, waren eindeutig falsch. Er war genauso brutal wie der Rest der Männer in unserer Welt.
Das einzig Wahre an seinen Recherchen war, dass Kellan Frauen beschützen wollte. Das hatte er zweifellos bewiesen, als er für mich in die Bresche gesprungen war. Angesichts dessen, was seine Mutter und seine Schwester hatten ertragen müssen, war das nicht verwunderlich.
Dima hatte jedoch unterschätzt, wie weit dieser Beschützerinstinkt Kellan treiben würde, und Anton zahlte jetzt den Preis dafür.
Ich war so verwirrt, dass ich einen Moment brauchte, um wieder einen klaren Kopf zu bekommen und erneut in meine Rolle zu schlüpfen. Es war mir nicht schwergefallen, eine beginnende Ohnmacht vorzutäuschen. Auch meine Angst vor Kellan war nicht gespielt gewesen. Bei ihm hatte sich so plötzlich ein Schalter umgelegt, dass er mich an die Männer der Bratva erinnert hatte.
Aber nachdem er sich in seinem Büro um mich gekümmert hatte, war ich eher fasziniert als angewidert. Sein Verhalten sprach mein Trauma an. Außer Dima hatte noch nie ein Mann für mich gekämpft. Weder innerhalb der Bratva noch außerhalb.
Aus diesem Grund fühlte ich mich nicht nur körperlich, sondern auch emotional zu Kellan hingezogen. Genau wie er wollte auch ich ihn besser kennenlernen. Angesichts der Tatsache, dass ich eine Mission auszuführen hatte, war das absolut töricht. Schließlich hätte unser Zusammensein ein Ende, sobald ich ihm ein Beruhigungsmittel unter die Haut spritzte. Also, was hätte es für einen Sinn?
Trotz all der Komplikationen wollte ich noch ein wenig Zeit mit ihm verbringen. Wenn ich am Ende des Abends nur körperliche Intimität von ihm bekommen würde, würde ich das gern in Kauf nehmen. So sehr sehnte ich mich nach Zuneigung.
Als ich hörte, wie das Wasser im Badezimmer aufgedreht wurde, sagte ich mit gedämpfter Stimme: „Du hast gehört, was mit dem Ex-Freund von Dares Freundin passiert ist. Halten wir uns trotzdem an den Plan?“
„Auf jeden Fall. Vater will so viele Informationen wie möglich sammeln, bevor wir ihn zur Rede stellen.“
„Okay, ich kümmere mich darum. Ich trenne jetzt die Verbindung.“
„Bist du sicher?“
„Ja. Du hast mit Anton alle Hände voll zu tun.“ Ich verzog das Gesicht und fragte: „Wie geht es ihm?“
„Sie haben ihn auf der Straße abgeladen. Nachdem wir ihn aufgelesen hatten, habe ich ihn so gut wie möglich verarztet und ihm Morphium gegen die Schmerzen gespritzt. Sobald wir wieder in Philly sind, bringe ich ihn ins Krankenhaus.“
„Es tut mir leid.“
„Du musst dich nicht entschuldigen. Es kann vorkommen, dass ein Plan schiefgeht.“
Ich zuckte zusammen. „Mein Gott, mehr ist das für dich nicht? Nur ein vermasselter Plan?“
Dima grunzte. „Er gehört zur Bratva, Mila. Er kennt die Risiken.“
„Wie du meinst.“
„Halt dich einfach an deinen Teil des Plans.“
„Das werde ich.“ Bei dem Gedanken an Kellan, der nackt unter der Dusche stand, sagte ich: „Vielleicht solltest du Anton nach Hause fliegen. Du kannst später zurückkommen und mich abholen.“
„Ich soll dich allein auf feindlichem Territorium zurücklassen? Bist du verrückt?“
Während ich weiter meinen Fantasien nachhing, schüttelte ich den Kopf. „Es ist wirklich nicht nötig, dass du bleibst.“
„Auf keinen Fall. Das steht nicht zur Debatte.“
Ich verdrehte die Augen, weil mein überheblicher Bruder mir einen Strich durch die Rechnung machte. „Dann mach es dir bequem, denn ich werde mir Zeit lassen.“
Es folgte eine kurze Pause am anderen Ende der Leitung. „Mila, was hast du …“
Ich riss den Ohrhörer heraus und steckte ihn schnell in meine Handtasche. Dann stand ich auf, denn ich wollte mir die Geräte ansehen, die ich mit den Spionagechips versehen sollte. Kellan hatte sein Handy mit ins Badezimmer genommen, aber ich konnte mich mit den Computern vertraut machen.
Ich bemerkte den Laptop und einen großen PC auf dem Schreibtisch. Zum Glück hatte Dima mir Computerchips mitgegeben. Hätte ich nicht vorgehabt, mich noch ein wenig zu vergnügen, hätte ich sie bereits angebracht. Dann hätte ich Kellan betäubt, sobald er aus der Dusche gekommen wäre.
Mein Blick wanderte vom Schreibtisch zu den raumhohen Bücherregalen aus Mahagoni an der Wand. Darin waren große Wälzer aufgereiht, darunter Gesetzbücher, Finanztexte und PR-Literatur. Aber dort standen auch gebundene Ausgaben von Klassikern. Nur wenige der mir bekannten Bratva-Männer lasen etwas anderes als die klassischen russischen Autoren wie Dostojewski und Tolstoi. Wenn sie überhaupt je ein Buch zur Hand nahmen.
Während ich die Regale betrachtete, stachen mir besonders die gerahmten Bilder ins Auge. Ich nahm an, dass es sich dabei um Aufnahmen von Trinkgelagen mit spärlich bekleideten Frauen handelte. Bilder wie die im Arbeitszimmer meines Vaters, die Faina zu ignorieren pflegte.
Als ich jedoch näher trat, sah ich, dass dem nicht so war.
Stattdessen zeigten die Fotos Momente brüderlicher Liebe. Verehrung für ihre Ehefrauen. Und absolute Hingabe und Stolz gegenüber ihren Kindern.
Das war nicht nur beunruhigend, sondern sorgte auch dafür, dass ich ein schlechtes Gewissen bekam, weil ich dabei war, die Kavanaughs zu hintergehen. Allein anhand ihrer Bücherregale konnte ich erkennen, dass sie sich von meinem Vater und seinen Brüdern unterschieden. Ich hatte die Hoffnung, dass meine Brüder den Kreislauf des Traumas eines Tages durchbrechen und die Regale in ihren Büros mit Fotos von lächelnden Ehefrauen und süßen Kindern füllen würden.
Als Kellan in der Tür erschien, wandte ich mich ihm zu. Er trug ein weißes Hemd, das er weder zugeknöpft noch in die Hose gesteckt hatte. Mein Mund war plötzlich wie ausgetrocknet. Kellan hatte bekleidet umwerfend ausgesehen, aber nichts hätte mich auf den Anblick seines Waschbrettbauchs vorbereiten können.
Er runzelte die Stirn. „Ist alles in Ordnung?“
Ich räusperte mich und krächzte: „Ja, warum?“
„Du warst so still. Ich hatte schon Angst, du hättest mich sitzen lassen.“
Kopfschüttelnd erwiderte ich: „Ich stehe zu meinem Wort.“
„Das freut mich zu hören.“
Ich deutete auf die Regale. „Ich habe nur deine Sammlungen bewundert.“
Er grinste, während er sein Hemd zuknöpfte. „Lass mich raten. Du hättest keine Bücher im Regal eines Clubbesitzers erwartet.“
Mir entfuhr ein nervöses Kichern, das sich völlig fremd anfühlte. „Zugegeben, ich bin ein wenig überrascht.“ Ich rümpfte die Nase. „Die Männer in meiner Familie sind nicht gerade eifrige Leser.“
„Eine der vielen wunderbaren Eigenschaften, die unsere Mutter uns vermittelt hat, war die Liebe zur Literatur. Ich glaube, in einem anderen Leben wäre sie Englischlehrerin geworden.“
Obwohl ich genau wusste, was er meinte, sah ich ihn fragend an. „In einem anderen Leben?“
Kellan trat unbehaglich von einem Fuß auf den anderen. „Oh, ich meinte damit, dass sie jung geheiratet und schon früh eine Familie gegründet hat.“
„Wie alt war sie denn?“
„Achtzehn.“
„Das ist jung. Meine Schwester ist neunzehn, und ich kann sie mir nicht als Ehefrau vorstellen.“
„Mein kleiner Bruder ist genauso alt, und mir fällt es genauso schwer, mir auszumalen, wie er vor den Altar tritt“, bemerkte er mit einem Lächeln.
Ich deutete auf die Fotos. „Gehören all diese Kinder zu deiner Familie?“
Ein aufrichtiges Lächeln erhellte Kellans Gesicht. „Ja, das sind meine Neffen und meine Nichte.“
„Sie sind alle wunderschön.“
„Da muss ich dir zustimmen.“
„Verrätst du mir, wie sie heißen?“
„Willst du das wirklich wissen?“
„Natürlich.“
„In Ordnung.“
Er kam näher, und ein erregender Schauer durchfuhr mich, als mir sein berauschender Duft in die Nase stieg. Und die Wärme, die er ausstrahlte, versengte meine entblößten Arme.
„Das ist Julianna. Sie ist vier. Die Zwillinge Declan und Donnovan sind achtzehn Monate alt. Sie sind die Kinder meines ältesten Bruders Callum.“
Ich versuchte, mir nichts anmerken zu lassen, als er den Anführer ihres Clans erwähnte. Dima hatte mich über jedes einzelne Mitglied des Kavanaugh-Regimes informiert. Ich wusste, dass Callum eine arrangierte Ehe mit einer Italienerin eingegangen war, die sich jedoch zu einer Liebesheirat entwickelt hatte.
Kellan deutete auf das nächste Foto, auf dem zwei kleine Jungen abgebildet waren, die in die Kamera grinsten. „Dario ist drei und Matteo ist fast ein Jahr alt. Sie sind die Söhne meiner Schwester Maeve.“
„Wie bei Callums Kindern scheint auch in ihren Adern ein wenig italienisches Blut zu fließen“, merkte ich an.
Kellan lachte. „Gut erkannt. Callums Frau Caterina ist Italienerin. Und Maeve hat sich in Caterinas Bruder Raphael verliebt.“
„Dann sind die Kinder doppelte Cousins ersten Grades?“
Kellan nickte. „Ich würde ja sagen, in unserer Familie bleiben wir gern unter uns, doch das würde nach Inzest klingen.“
Ich lachte. „Da hast du recht.“
Als Nächstes zeigte er auf ein Bild von einem kleinen Jungen in einem aufwendigen Taufkleid. „Und dieser kleine Kerl ist Rian. Er ist der Sohn meines Bruders Quinn und ist gerade einmal zwei Monate alt.“
„Er ist so süß.“
Ein Schatten huschte über Kellans Gesicht. „Er tritt in große Fußstapfen. Er wurde nach einem unserer Cousins benannt, der wie ein Bruder für uns gewesen war.“
Er wandte sich mir zu und zwang sich zu einem freudigen Gesichtsausdruck. „Es fehlt noch ein Foto, dann sind alle Kinder komplett.“
Ich wurde von Neugierde gepackt. „Wer hat sonst noch ein Baby bekommen?“
Kellan lachte leise. „Mein Bruder Dare. Aber seine Tochter wurde bereits vor drei Jahren geboren.“ Als ich ihn schockiert ansah, erklärte er: „Er hat erst kürzlich erfahren, dass er Vater ist.“
„Das muss eine ziemliche Überraschung gewesen sein“, murmelte ich, in der Hoffnung, dass er mir noch mehr erzählen würde.
„Das war es in der Tat. Abgesehen von seiner großen Liebe als Teenager ist Ava wirklich die Liebe seines Lebens. Da sie wieder in sein Leben getreten ist, würde er Berge versetzen, um mit ihr zusammen zu sein. Vor allem, da er jetzt Vater ist.“
In diesem Moment wünschte ich mir, ich hätte meinen Ohrhörer nicht herausgenommen. Diese Informationen waren genau das, wonach wir gesucht hatten. Nachdem seine Ex-Freundin mit seinem Kind in die Stadt zurückgekehrt war, wunderte es mich nicht, dass er Annika und meinen Vater ignoriert hatte. Es sah ganz so aus, als würde er seinen Teil des Vertrags nicht einhalten.
„Das klingt, als hätte er die wahre Liebe gefunden.“
„Das hat er.“ Kellan schüttelte grinsend den Kopf. „In gewisser Weise ist es eine Art karmische Vergeltung, denn Dare wollte nie Kinder. Jetzt hat er eine Tochter, die ihn für sein sündhaftes Verhalten gegenüber der Frauenwelt büßen lassen wird.“
„Aber ist er jetzt glücklich darüber, Vater zu sein?“
„Er ist vernarrt in seine Tochter“, antwortete Kellan.
„Das freut mich für ihn.“
Kellan nickte, doch seine Miene wurde ernst. „Eines Tages werden die Fotos meiner Kinder in diesen Regalen stehen.“
„Du willst Kinder?“
„Einen ganzen Stall voll.“
Ich verdrehte die Augen. „Das sagen alle Männer, weil sie sie weder großziehen noch gebären müssen.“
„Das gilt nicht für mich. Ich habe vor, meine Kinder selbst großzuziehen.“
Ich neigte den Kopf zur Seite. „Das ist zwar wunderbar, aber du bist trotzdem nicht derjenige, dessen Vagina bei der Geburt ruiniert wird.“
Kellan warf den Kopf in den Nacken und lachte. „Da hast du recht.“ Er sah mich fragend an. „Und was ist mit dir?“
„Willst du wissen, ob ich mir wünsche, dass meine Vagina bei der Geburt ruiniert wird?“
„Es gibt auch andere Möglichkeiten, eine Vagina zu ruinieren.“
Ich lachte. „Fürs Erste bevorzuge ich die ‚anderen‘ Möglichkeiten.“ Ich warf einen Blick auf die Bilder. „Aber irgendwann in ferner Zukunft könnte ich mir vorstellen, meine Vagina auch auf weniger angenehme Art zu ruinieren. Allerdings bin ich mir nicht sicher, ob ich verheiratet sein will, wenn ich Kinder bekomme.“
Kellan bedachte mich mit einem überraschten Blick. „Du willst nicht heiraten?“
„Die meisten verheirateten Paare, die ich kenne, lieben sich nicht. Ich möchte eine Liebesbeziehung mit dem Mann, mit dem ich einmal Kinder haben werde.“
„Ich verstehe, was du meinst. Bevor Callum und Quinn geheiratet haben, war ich mir nicht einmal sicher, ob eine Ehe auf Liebe basieren kann. Zumindest nicht die Ehen, die in meiner Familie geschlossen werden.“ Er warf mir einen verlegenen Blick zu. „Ich muss gestehen, dass ich neidisch auf meine Geschwister bin, weil sie Liebe und Ehe miteinander vereint haben.“
„Dafür musst du dich nicht schämen.“
„Doch, wenn ich mich eigentlich nur darum scheren sollte, mit wem ich heute Nacht schlafen werde.“
Ich grinste. „Nun, eine Nacht voller Leidenschaft ist auch nicht zu verachten. Solange der Sex gut ist.“
Kellan lachte. „Ja, ich bin ein Fan von gutem Sex.“
Ich sah ihn neugierig an. „Was macht Sex für dich gut?“
Ich wusste, dass ich ihn mit der Frage überrascht hatte, denn seine Wangen liefen rot an, und er kratzte sich den Nacken. Ich musste ein Lächeln unterdrücken, da er im Gegensatz zu vorhin alles andere als selbstbewusst wirkte.
Um ihn nicht noch mehr in Verlegenheit zu bringen, sagte ich: „Für mich ist das Wichtigste, dass ich komme.“
Kellan wirkte nachdenklich. „Da das für einen Mann so gut wie selbstverständlich ist, ist für mich das Reizvollste, wenn eine Frau vor Lust schreit und stöhnt.“
„Du magst also lautstarke Frauen?“
Er nickte. „Je lauter, desto besser.“
„Dann haben wir etwas gemeinsam, denn auch ich mag lautstarke Partner.“
„Was wünschst du dir von ihnen?“
„Ich will, dass sie wimmern, wenn ich ihren Schwanz lutsche, oder stöhnen, wenn sie tief in mich eindringen.“
Ich sah Kellans Adamsapfel auf und ab hüpfen, als er schwer schluckte. Während er auf meine Lippen starrte, antwortete er: „Ich verstehe.“
Für einen Moment schien er wie in Trance, dann schüttelte er mehrmals den Kopf. „Äh, wie wäre es, wenn ich uns etwas zu essen bestelle?“
Dachte er ernsthaft ans Essen, während die Luft um uns herum vor sexueller Spannung nur so knisterte? „Warum?“, wollte ich wissen.
„Ich dachte, du hast vielleicht Hunger.“
Oh, ich hatte in der Tat Hunger. Aber nach Essen war mir nicht zumute. Ich legte den Kopf schief. „Hast du Hunger?“
Etwas Dunkles blitzte in Kellans Augen auf. „Ich bin am Verhungern.“
Ich leckte mir die Lippen. „Ich auch.“
Kaum hatte ich die Worte ausgesprochen, stürzte sich Kellan auf mich und presste seine Lippen auf meine.
Ich schlang meine Arme um ihn und schob meine Finger in sein blondes Haar. Obwohl ich mich dicht an ihn schmiegte, schien ich ihm nicht nah genug zu sein. Ich wollte mehr von ihm. Seinen Mund. Seine Zunge. Seine Haut an meiner.
Kellan packte meinen Oberschenkel, hob mein Bein an und schlang es um seine Hüfte. Als er seine Erektion an meinem Unterleib rieb, stöhnten wir beide auf. Er packte meinen Hintern mit einer Hand und schob das Becken vor, wobei er mich mit dem Rücken gegen das Bücherregal drückte. Mit jedem kraftvollen Stoß klapperten die Bilderrahmen hinter mir.
Er zog den Kopf zurück, dann beugte er sich vor und begann, meinen Hals zu liebkosen. Als er seine Lippen über mein Schlüsselbein gleiten ließ, entfuhr mir ein Wimmern.
Plötzlich hob Kellan den Kopf und hielt inne. Er sah mich durchdringend an und murmelte mit rauer Stimme: „Sag mir, dass du es willst.“
Heftig keuchend antwortete ich: „Ja, ich will es.“ Ich schluckte schwer und fügte hinzu: „Ich will dich. Sehr sogar.“
„Ich auch.“ Dann wich das lüsterne Funkeln in seinen Augen einem reuevollen Ausdruck. „Aber ich sollte es nicht tun.“
„Warum nicht?“
„Weil du heute Abend wegen Anthony schon genug durchgemacht hast.“
„Glaub mir. Ich verschwende gerade keinen einzigen Gedanken an ihn.“ Mit beiden Händen umfasste ich Kellans Gesicht. „Hör mir gut zu. Im Moment wünsche ich mir nichts sehnlicher, als dass du mich fickst.“
Er stöhnte. „Diese Worte aus deinem Mund sind Musik in meinen Ohren.“
Mit einem Grinsen sagte ich: „Jetzt habe ich dich schon zum Stöhnen gebracht, dabei bist du noch nicht einmal in mir.“
Das sexy Lächeln, das über seine Lippen huschte, ließ mich erschauern. „Stets zu Diensten, Ma’am.“
„Dann sollten wir uns der Kleider entledigen und zur Sache kommen.“
„Mit Vergnügen.“

Katie Ashley
Katie Ashley ist eine New York Times- und USA Today-Bestsellerautorin und lebt in der Nähe von Atlanta, Georgia. Zusammen mit ihrer Tochter Olivia ist sie Frauchen von Belle und Elsa, zwei Hunden, die sie aus dem Tierschutz übernommen hat. Katie Ashley ist süchtig nach Pinterest, der TV-Serie „Golden Girls“, Shakespeare, Harry Potter und Star Wars.
Katie Ashley
Katie Ashley ist eine New York Times- und USA Today-Bestsellerautorin und lebt in der Nähe von Atlanta, Georgia. Zusammen mit ihrer Tochter Olivia ist sie Frauchen von Belle und Elsa, zwei Hunden, die sie aus dem Tierschutz übernommen hat. Katie Ashley ist süchtig nach Pinterest, der TV-Serie „Golden Girls“, Shakespeare, Harry Potter und Star Wars.

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