Federzirkel: Feuernächte

Erschienen: 10/2015
Serie: Federzirkel
Teil der Serie: 8

Genre: Soft-SM / BDSM

Location: England

Seitenanzahl: 336


Erhältlich als:
paperback & ebook

ISBN:
Print: 978-3-86495-185-5
ebook: 978-3-86495-186-2

Preis:
Print: 12,90 €[D]
ebook: 6,99 €[D]

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Federzirkel: Feuernächte


Inhaltsangabe

Rebecca Morgan hat ein Problem – sie peppt ihr Leben mit einem imaginären dominanten Liebhaber auf, um den Heiratskandidaten zu entgehen, die ihre Brüder für sie aussuchen. Doch ihr Lügengeflecht zieht sich immer enger um sie zusammen, und eines Abends in einer Bar droht das Kartenhaus einzustürzen.
In ihrer Verzweiflung fleht sie einen Fremden an, sich in dieser Nacht und für die nächsten Wochen, als ihren Verlobten auszugeben. Was sie nicht ahnt, ist, dass Gordon Maxwell ein Master im Sadasia ist. Und an ihm ist nichts imaginär.
Gordon hilft Rebecca zwar aus ihrer Notlage, aber er stellt Bedingungen. Sie muss sich ihm hingeben, wenn er es verlangt. Rebecca lässt sich auf seine Forderungen ein, obwohl sie nicht weiß, was sie erwartet. In den feurigen Nächten verfällt sie dem erfahrenen Master, der ihr zeigt, was wahre Demut bedeutet.
Längst ist ihr Arrangement für Rebecca keines mehr. Doch sieht Gordon das genauso?

Über die Autorin

Linda Mignani wurde in Kirkcaldy (Schottland) geboren und lebt glücklich verheiratet im Ruhrgebiet. Schreiben und Malen zählen zu ihren Leidenschaften und beides hat erstaunlich viel gemeinsam. Frauenuntypisch besitzt sie nur eine Handtasche aber unzählige Turnschuhe und noch mehr Wanderschuhe, die...

Weitere Teile der Federzirkel Serie

Leseprobe

Rebecca hüpfte auf den Barhocker und unterdrückte ein Schmunzeln, weil der Typ neben Antonia in ihren Ausschnitt starrte, als würde er dort einen Goldfund vermuten. Ein perlendes Lachen lenkte Rebeccas Aufmerksamkeit auf eine Gruppe, die um einen der Tische saß.
Oh!
Die Kerle waren es wert, genauer betrachtet zu werden. Zwei waren offensichtlich Brüder mit dunklen Haaren, auf die das Attribut Black Irish passte. Irgendwo hatte sie die beiden schon mal gesehen, ebenso den blonden Mann. Bloß wo? Sie war sich sicher, dass es kein persönliches Treffen gewesen war. Ertappt riss sie den Blick von ihnen. Selbst wenn die Hotties...

...ohne Begleitung wären, dürfte Rebecca nicht mit ihnen flirten, sie als verlobte Frau. Und ihre Begleiterinnen waren unübersehbar fest mit ihnen liiert, so vertrauensvoll, wie sie beieinandersaßen. Das merkte man ihnen an, auch durch die gegenseitigen Berührungen, wie die Männer sie anfassten an den Händen, Oberarmen, Wangen und Hälsen. Beneidenswert!
Erleichtert bemerkte sie, dass der Barkeeper die Getränke vor ihnen abstellte. Rebecca hoffte, dass der Alkohol ihre Nerven und ihr schlechtes Gewissen beruhigen würde.
Mel berührte sie am Arm. „Dein Bruder Charles hat mich vorhin angerufen und mir ein paar merkwürdige Fragen gestellt.“
Rebecca verschluckte sich an dem Cocktail und ihr lief ein eisiges Prickeln über die Wirbelsäule.
„Er hat gefragt, ob ich G schon mal gesehen hätte, wenigstens auf einem Foto oder ob ich jemals mit ihm gesprochen hätte, auch was ich über ihn weiß. Dabei ist mir aufgefallen, dass es nicht besonders ergiebig ist.“
Jetzt nur nicht die Nerven verlieren! Rebecca zuckte mit den Schultern. „Und? Ich habe euch doch gesagt, dass ich noch nicht so viel von ihm erzählen möchte, weil ich mich Hals über Kopf in ihn verliebt habe.“
Mel grinste sie scheinheilig an, hob ihr Glas und sie trank einen langen Schluck, wobei sie mit Antonia einen bedeutungsvollen Blick austauschte. „Charles meinte, dass er, James und Hugh sich um dich sorgen würden und dass sie Angst hätten, dass du einen Rückfall erleiden könntest.“
„Rückfall? Wovon sprichst du?“
Misstrauen breitete sich sowohl in Antonias Augen als auch in Mels aus. „Du hättest als Kind imaginäre Freunde erfunden und musstest psychiatrisch behandelt werden.“
Rebecca ballte die Hände zu Fäusten, weil sie daran dachte, wie ihre Mum sie als Achtjährige zum Psychiater geschleppt hatte, da sie sich zunächst in eine Fantasiewelt rettete, um den ständigen Streitereien ihrer Eltern zu entkommen. Danach war ihr Dad an einem Herzinfarkt gestorben. Von dem Zeitpunkt an war Rebecca ihrer Mum und ihren Brüdern ausgeliefert gewesen. Welches Kind hätte sich keine Wunschfreunde erschaffen, wenn ihm keine Gelegenheit gegeben wurde, sich echte zu suchen.
„Stimmt das?“
Rebecca fühlte sich als säße sie auf einer Anklagebank und der Galgen um ihren Hals war in diesem Moment so eng, dass die Bar sich langsam um sie drehte. Auf einmal beschlich sie das Gefühl, dass ihre Brüder ihre Freundinnen nicht das erste Mal kontaktiert hatten. Vielleicht hatten sie es längst geschafft, sie auf ihre Seite zu ziehen, um ihren Plan erfolgreich zu beenden, indem sie Rebecca mit einem Mann verheirateten, der sie allmählich zermürbte. Oder hatten sie weitaus Schlimmeres vor? Sie brauchte ein paar Augenblicke für sich allein, um sich zu beruhigen, denn inzwischen steigerte sich die Geschwindigkeit des gefühlten Karussells.
„Ich muss mal eben für kleine Mädchen. Hab vorhin zu viel Tee getrunken.“ Im Waschraum würde sie sich eine passende Antwort ausdenken. Aber was sollte sie ihnen bloß wegen G erzählen?
„Soll ich mitkommen?“, fragte Antonia.
Rebecca winkte ab. „Ich bin groß genug, um den Weg allein zu finden.“ Sie sprang von dem Hocker und aus den Augenwinkeln sah sie ihre Brüder, die gerade zur Tür hereinkamen. War das hier eine Falle?
Scheiße!
Sie achtete nicht darauf, wohin sie lief, prallte geradewegs gegen einen harten Körper und wäre gestürzt, wenn er sie nicht an den Schultern festgehalten hätte.
„Sachte, Kätzchen.“ Sein schottischer Akzent war wie ein Wind, der über hüfthohes Gras in den Highlands fächelte. Sie starrte zu ihm hoch, während er sie noch immer hielt, sein Griff warm und beruhigend. Braunes strubbliges Haar und blaue Augen, die sie an einen Sommertag in Glencoe erinnerten. Alles um sie herum verblasste, verstummte, wurde in ein Vakuum gezogen, bis nur er und sie übrigblieben. Sein Geruch schlängelte sich in ihr Bewusstsein und auch er erinnerte sie an einen heißen Sommertag, als die ersten Tropfen eines heftigen Gewitters niedergingen.
„Rebecca“, hörte sie James rufen, sodass sein tadelnder Tonfall sie aus dem tranceartigen Zustand riss.
„Bitte hilf mir und spiel mit. Bitte.“ Der Galgen war kurz davor, sie zu erwürgen, also setzte sie alles auf eine Karte. Jetzt war sowieso alles egal. Sie warf dem Schotten die Arme um den Hals und er ließ es zu, dass sie seinen Kopf herunterzog, sodass sie ihn auf den Mund küssen konnte. Es war ein züchtiger Kuss und doch kribbelten ihre Lippen. Das Gefühl breitete sich anschließend über ihren Körper aus und es musste allein der verrückten Situation geschuldet sein, in der sie sich befand. Nicht ER verursachte das Flattern in ihrem Magen, diese angenehme Wärme, die sich hinter ihrem Brustbein ausbreitete, sondern es rührte von ihrer Beschämung, die sie dazu trieb ihre aussichtslose Lage entweder zu beenden oder sich ihr zu stellen. Verzweifelte Menschen benahmen sich nicht normal und sie war ein grell leuchtendes Beispiel dafür. Und wenn er sie jetzt angeekelt wegstoßen würde, würde sie wirklich wie eine Wahnsinnige wirken und ihren Brüdern damit weiter in die Hände spielte.
Allerdings drückte der heiße Schotte ihre Schultern ein wenig fester, sodass sie erneut in den Abgründen seiner Ausstrahlung eintauchte. Belustigt funkelten seine Augen auf sie herab, ehe er ihr zuzwinkerte und ihr kaum vernehmlich zunickte. Vor Erleichterung blieb ihr die Luft weg. Er ließ sie los und doch ließ er sie nicht allein. Oder irrte sie sich und würde gleich der Volltrottel des Jahrhunderts sein?
„James. Was machst du denn hier? Was für ein Zufall.“ Sie fasste nach der Hand des Schotten und spürte die Schwielen auf seiner Handfläche. Verführerisch lockte sie die Fantasie, wie er damit über ihren nackten Rücken streichelte, der Rundung ihres Hinterns folgte und … Ihr Bruder stand inzwischen direkt vor ihr und seine Mimik verhieß nichts Gutes. Der Schotte machte keine Anstalten, ihre Hand loszulassen, stattdessen verschlang er seine Finger mit ihren.
„Darf ich dir G vorstellen, meinen Verlobten, und das ist James, mein ältester Bruder.“
Bitte, bitte, bitte. Lass mich nicht im Stich.
Ihr Retter drückte ihre Hand, ehe er ihr den Arm um die Schultern legte, was bei ihm sehr besitzergreifend wirkte. Er beließ es nicht dabei, sondern streichelte ihre nackte Haut über der Ausschnittkante ihres Shirts. Die Berührung war unglaublich sinnlich, sodass sie unter einer Gänsehaut erschauerte, sie sich wünschte, er würde ihre Nippel zupfen, die sich deutlich unter ihrer dünnen Kleidung abmalten.
„James, nett dich endlich kennenzulernen. Meine Verlobte hat mir schon viel von dir erzählt“, sagte er mit einem Hauch von Belustigung und etwas anderem, das sie nicht deuten konnte.
James sah aus, als würde er einem Geist gegenüberstehen, einem verflucht gutaussehenden großen Geist, um es auf den Punkt zu bringen. Ihr Retter reichte James die Hand.
„Nur sie nennt mich G. Ich heiße Gordon Maxwell. Aber das weißt du bestimmt.“
Sein Name fing mit G an, das musste eine Schicksalsfügung sein oder hatte er ihn erfunden, damit er sie nicht enttarnte? Er festigte seinen Arm, sodass sie überdeutlich die von ihm ausgehende Wärme und Kraft spürte. Er gehörte offensichtlich zu der Gruppe, die sie vorhin angestarrt hatte und alle starrten jetzt wiederum sie an, denn Gordon und sie standen direkt neben ihrem Tisch.
Die Intensität der Black Irish Brüder erweckte in Rebecca den Wunsch, auf den Jupiter zu flüchten.
„Wenn du uns einen Augenblick entschuldigen würdest. Ich muss was mit meiner Süßen besprechen. Allein.“ Gordon setzte sich in Bewegung und ihr blieb nichts anderes übrig, als ihn zu begleiten, da er sie nicht losließ. Sie konnte sich nicht davon abhalten, über ihre Schulter zu sehen und James hatte offensichtlich seine Blasiertheit kurzfristig verloren. Sein Mund stand offen und er wirkte, als hätte ihn der Schlag getroffen. Womöglich hatte Rebecca die Pläne ihrer Brüder für den heutigen Abend gründlich durchkreuzt.
Was hatte sie nur getan? Sie wollte sterben, jetzt sofort. Erst in diesen Sekunden sickerte die Erkenntnis richtig durch, was sie mit ihrem Flehen in Gang gesetzt hatte.
Er brachte sie hinaus und führte sie zu einem SUV. Anscheinend hatte der Wagen eine dieser neuen Schließvorrichtungen, die sich automatisch öffneten, wenn der Besitzer sich dem Fahrzeug mit dem Schlüssel näherte, der genau genommen kein Schlüssel mehr war. Ihr panischer Verstand befasste sich mit diesen albernen Kleinigkeiten, damit sie nicht in Hysterie verfiel. Er riss die Beifahrertür auf, und ehe sie sich versah, bugsierte er sie auf den Sitz und seine Handfläche auf ihren Lendenwirbeln war ein glasklares Indiz, dass er nicht nur kräftig aussah, sondern es auch war. Wer könnte es ihm verdenken, sollte er stinkwütend auf sie sein? Sekunden später saß er neben ihr, schüchterte sie mit seiner Präsenz dermaßen ein, dass sie nicht wusste, wohin sie sehen sollte. Gebannt schaute sie nach vorne, als würde die dunkle regnerische Nacht sie retten. Als wäre es möglich, sich vor sich selbst zu retten!
„Darf ich wenigstens erfahren, wie meine Verlobte heißt?“, fragte er in einem Tonfall, der so ausgewogen war, dass es ihre Sinne torpedierte.
„Rebecca Morgan“, wisperte sie.
„Es ist ein bisschen spät, um sich wie eine verschüchterte Maus zu benehmen. Sieh mich an, Kätzchen.“
Alles, nur das nicht. Gordon schaltete die Innenbeleuchtung ein. „Tu, was ich dir sage, oder ich gehe ohne dich zurück, und das war die kürzeste Verlobung in der Geschichte.“ Obwohl er nicht die Stimme erhob, verfehlte diese betont ruhige Lautstärke nicht seine Wirkung. Nicht nur dieser Umstand zwang sie dazu, sich ihm zuzudrehen, es war ebenso die Art und Weise, wie er neben ihr saß, als wäre er es gewohnt, Befehle zu erteilen, die nicht einfach daher geplappert waren. Gordon erwartete ihren Gehorsam, und falls sie seine Order missachtete, musste sie mit den Konsequenzen zurechtkommen. Er war nicht nur ein Mann der Worte, sondern auch der Taten. Seine Körpersprache sandte deutliche Signale aus. Warum war sie ausgerechnet gegen ein derart gefährliches Exemplar gerannt? Gordon war nicht wie die Männer, mit denen sie es gewöhnlich zu tun hatte. Seine Haltung drückte Selbstachtung aus, ließ sie ahnen, dass er eine tiefe Verbundenheit zu den Menschen hatte, auf die er sich einließ. Dabei konnte er es sich leisten, wählerisch zu sein. Er hatte sie in der Hand, das wusste er ebenso wie sie. Gordon starrte ihr direkt in die Augen und jetzt wusste sie, wie sich eine Maus fühlte, wenn ihr urplötzlich ein Wolf gegenüberstand. Sie spürte, dass ihre Hände zitterten und sie musste sich beherrschen, um nicht nach dem Türgriff zu tasten, hinauszuspringen und durch die eiskalte Nacht zu rennen, bis sie genügend Abstand zwischen Gordon und sich gebracht hatte. Aber so weit würde sie nicht rennen können, falls er die Verfolgung aufnahm.
Als hätte er ihre Gedanken gelesen, hörte sie ein Klicken. Und jetzt grinste er wirklich wie ein Wolf. „Ich habe keine Lust, dir im Regen nachzujagen. Wir bleiben solange hier sitzen, bis ich entschieden habe, was ich mit dir machen soll, Rebecca Morgan. Manchmal ist eine Kindersicherung ein vernünftiges Mittel der Wahl, um bei erwachsenen Menschen kindisches Verhalten zu unterbinden.“
Hätte sie nicht bereits Puddingbeine gehabt, hätte ihr Name in diesem schottischen Akzent das Werk mit Bravour vollbracht. Aus dem Augenwinkel sah sie, dass er den Arm hob, um ihr mit dem Handrücken über die Wange zu streicheln. Die Berührung war unglaublich sanft und irgendwie intim, beruhigend, aber zur selben Zeit verwandelte es die Geschwindigkeit ihres Blutes in einen gurgelnden Strom.
Was für einen Unsinn sie in die nett gemeinte Geste hineininterpretierte, die auf ihrer Haut als ein angenehmes Gefühl verblieb, ganz so, als hätte sie ungeschützt in einem Eisregen gestanden und jemand würde eine flauschige Decke über ihre Schultern legen.

Was für eine unglaublich weiche Haut Rebecca hatte. Von dem Moment an, als sie gegen ihn geprallt war und sie ihn panisch aus haselnussbraunen Augen angestarrt hatte, wollte er ihre Wange berühren, um herauszufinden, ob sie so samtig war, wie sie aussah. Seine Neugierde auf sie war allerdings in dem Augenblick richtig erwacht, als ihr Bruder sie angesehen hatte mit einem Ausdruck, der Gordon auch jetzt nicht gefiel. Pures Entsetzen, Angst, Verzweiflung und Resignation waren über ihr Antlitz gehuscht, als sie sich Gordon zugedreht hatte. Er wusste selbst nicht, warum er sie nicht einfach losgelassen und ihr Flehen ignoriert hatte. Aber all seine Instinkte und sein Interesse entflammten von einer Sekunde zur nächsten. Außerdem war er noch nie jemand gewesen, der einer Lady in Nöten eine helfende Hand verwehrte. Und wie sexy sich ihr nachgiebiger Leib angefühlt hatte, als sie gegen ihn geprallt war.
Helle Strähnen zierten das dunkelblonde schulterlange Haar seiner Verlobten und seine Finger gierten danach, sich in der glänzenden Masse zu vergraben.
„Es tut mir leid.“ Sie schluckte mehrere Male und ihre Nervosität war körperlich spürbar, dazu musste er nicht ihre deutlich zitternden Hände berücksichtigen, oder wie gehetzt sie atmete. Sie hatte keine Angst vor ihm, sondern vor dem, was sie getan hatte und den daraus resultierenden Folgen. Wenn sie allerdings wüsste, mit wem sie es zu tun hatte, dass er ein Mann war, der sich durchzusetzen wusste und dabei nicht davor zurückschreckte, einen prallen Popo zu versohlen, um seinen Interessen Nachdruck zu verleihen, dann wäre ihre Furcht von einer ganz anderen Natur.
„Ist dein Name wirklich Gordon?“
Eine berechtigte Frage, wenn er bedachte dass sie einen G erfunden hatte. Was für ein seltsamer Zufall!
„Ja, das ist mein richtiger Name.“ Aus einem Impuls heraus fasste er nach ihrer rechten Hand und hielt sie fest. Berührungen waren immer ein gutes Mittel um eine Sub zu beruhigen und es verfehlte auch bei Rebecca nicht die Wirkung.
„Mir scheint, dass du dich in eine ausweglose Situation manövriert hast und keinen anderen Ausweg sahst, als einen Fremden um Hilfe anzuflehen. Ist dem nicht so?“
Sie schwieg ein paar Sekunden, ehe sie den Mut aufbrachte, um zu antworten. „Ja.“
„Ein bisschen mehr musst du mir schon verraten, falls ich dir wirklich helfen soll.“ Gordon merkte ihr an, dass sie nicht wusste, wo sie beginnen sollte. „Du hast Angst vor deinem Bruder. Warum ist das so?“
Zunächst wollte sie es abstreiten, das war ihr deutlich anzusehen, doch wenn sie seine Hilfe einforderte, gab er sich nicht mit weniger als der Wahrheit zufrieden. Sie lächelte ihn an und es war das traurigste Lächeln, das er seit langem gesehen hatte.
„Brüder. Es sind drei. Hugh und Charles sind auch gerade im Trendy aufgetaucht.“
Waren diese ihrer Schwester überfürsorglich gegenüber und schossen über das Ziel hinaus? Oder steckte mehr dahinter?
„Ich kann doch nicht einem Fremden meine Sorgen aufbürden.“
„Dann kann ich dir nicht helfen, Rebecca. So funktioniert das nicht.“
Sie rang mit sich und nach einigen tiefen Atemzügen leckte sie sich die Lippen.
„Eigentlich dreht sich alles um das Testament meiner Mutter. Es geht um Geld.“
Natürlich ging es um Geld!
Gordon ließ es zu, dass sie den Blick abwandte, weil er spürte, dass er sie verunsicherte. Sie hatte noch nie Erfahrung mit einem dominanten Mann gemacht, da war er sich sicher. Nach und nach blubberte die Geschichte aus ihr heraus und er verstand ihre Sorgen. Da war etwas an ihrem Bruder, das ihm ganz und gar nicht gefiel. Auch verurteilte er sie nicht wegen ihrer Notlüge, die nach und nach immer größer geworden war, sodass die Konsequenzen daraus sie förmlich überrollten. Als Master verabscheute er Lügen, aber es gab Situationen im Leben, die keinen Raum für die Wahrheit ließen. Manchmal gab es gute Gründe, das Falsche zu tun, sogar für Unehrlichkeit.
„Ich weiß, dass es feige und dumm war, was ich getan habe und es ist auch durch nichts zu entschuldigen.“ Inzwischen sah sie ihm direkt in die Augen und da war etwas an ihr, das ihn reizte, obwohl er nicht benennen konnte, was es war. Allerdings würde er gerne herausfinden, wieso er es zuließ, dass sie neben ihm in seinem SUV saß, anstatt sie höflich zu bitten auszusteigen, ehe ihre Probleme zu seinen wurden.
„Wenn ich dich richtig verstehe, brauchst du für die nächsten sechs Monate einen Mann an deiner Seite, der sich für deinen zukünftigen Gatten ausgibt und dir deine Brüder vom Hals hält.“
„Ja. Nicht nur das …“ Erneut diese Resignation in ihrem Blick. „Ich könnte damit auch diese Lüge aus der Welt schaffen, ohne allen vor den Kopf zu stoßen, die mir vertrauen.“
Sie litt sehr unter ihrer Lüge und nahm sie nicht leichtfertig hin. Sechs Monate waren eine ausreichende Zeit, um sie zu entschlüsseln. Zudem gestand er sich ein, dass er eine Abwechslung vom Alltagstrott brauchte, die ihn aus den trüben Gedanken riss, welche ihn in den letzten Wochen immer häufiger anfielen. Das Sadasia reichte dazu nicht mehr. Und eine verrückte Idee machte ihm die zufällige Begegnung mit ihr verflucht schmackhaft. Vielleicht war es das Dämlichste, was er jemals getan hatte, doch Gordon beschloss, ihr zu helfen. Allerdings würde seine Kooperation sie etwas kosten. Und was es genau war, würde sie nicht sofort erkennen. Er war ehrlich genug zuzugeben, dass ihr Unwissen sowie ihre Unerfahrenheit ihn stark reizten. Sie hatte nicht die geringste Ahnung, dass sie neben einem dominanten Mann saß, der seine sexuelle Erfüllung auch in dem Schmerz seiner Partnerin fand. Der es liebte, seine Handfläche auf den Arsch seiner Geliebten prasseln zu lassen, bis ihre Wangen tränenüberströmt und ihre Pussy ebenso nass war.
„Wenn ich mich dazu bereit erkläre, mich als dein imaginärer G auszugeben, erwarte ich eine Gegenleistung von dir.“
Sie sah ihn an, als hätte er ihr Glasscherben in den Mund gestopft.
„Kein Geld, Kätzchen. Ich will dich, deinen Körper, dass du dich auf mich einlässt, wie du es noch bei keinem anderen Mann getan hast.“
Rebecca ahnte nicht, was genau er von ihr wollte, und sie sprach das Erste aus, was ihr in den Sinn kam. „Du willst Sex? Mit mir?“
Sex, traf es nicht einmal annähernd, aber die Vorstellung, mit ihm ins Bett zu steigen, widerte sie nicht an. Im Gegenteil. Unbewusst griff sie in ihr Haar und wickelte sich eine Strähne um den Zeigefinger. Außerdem leckte sie sich über die Lippen.
„Den auch. Ich will dich, Rebecca.“
„Wie eine … Hure?“
Wenn sie seine Sub wäre, hätte er ihr für diese Äußerung den Arsch versohlt. Er umfasste ihr Kinn, hart genug, sodass er ihre ungeteilte Aufmerksamkeit erlangte. „Ich sage das nur einmal, Rebecca. Würdige weder dich noch mich jemals wieder auf eine derartige Weise herab.“
„Aber …“
„Aber? Was?“
„Was willst du denn dann von mir?“
„Falls du mutig genug bist, wirst du es herausfinden.“ Er drückte auf den Knopf der Kindersicherung. „Du kannst jetzt gehen und wir vergessen das Ganze oder du bleibst und wir kehren als Paar zurück ins Trendy. Solltest du dich für die zweite Möglichkeit entscheiden, kommst du morgen Abend zu mir und wir beginnen unser Arrangement. Dann zeige ich dir, was ich von dir erwarte.“
Nie im Leben hätte er damit gerechnet, dass dieser Abend eine derartig überraschende Wendung nehmen könnte.
Sie machte keine Anstalten, aus dem Wagen zu verschwinden. Der Regen prasselte auf die Karosserie, und wenn die Situation nicht so verrückt wäre, wäre die Stimmung romantisch, genau richtig für Verliebte.
„Okay“, wisperte sie und schloss kurz die Lider, als würde es ihr Kraft geben.
„Dann soll es so sein, Kätzchen.“
„Aber da ist noch was, Gordon.“
Sie lief rot an und leckte sich über die Unterlippe. „Ich … ich habe meinen Freundinnen erzählt, dass du auf Fesselspielchen im Schlafzimmer stehst und im Bett dominant bist. Du weißt schon, so wie bei Shades of Grey.“ Sie rieb über ihre Stirn. „Ist es ein Problem für dich, dich vor Mel und Antonia so zu benehmen?“ Sie lachte hysterisch. „Das ist so peinlich.“
Gordon starrte in den Regen hinaus und es war nur seiner Erfahrung zu verdanken, dass ihm seine Mimik nicht entgleiste.
Schicksal, was hast du dir denn dabei gedacht?
„Keine Sorge, das bekomme ich hin, Kätzchen. Jetzt kläre mich kurz über deine Freundinnen und deine Brüder auf, sodass wir den Abend ohne Blessuren überstehen. Morgen kannst du mir dann eine ausführliche schriftliche Zusammenfassung mitbringen.“
Die verzweifelte Kleine hatte keine Ahnung, was für ein Bündnis sie einging. Ein schlechtes Gewissen verspürte er deswegen nicht. Auf einmal erschien der Tag heller, die Nacht schöner und das Leben besser. Er hatte sich nach einer Herausforderung gesehnt und anscheinend gab ihm das Schicksal eine, die es in sich hatte.
Shades of Grey! Gordon presste die Lippen aufeinander, um nicht laut zu lachen.