Blood Dragon: Drachenschwingen

Erschienen: 08/2014
Serie: Blood Dragon
Teil der Serie: 2

Genre: Fantasy Romance, Soft-SM / BDSM
Zusätzlich: Dominanz & Unterwerfung, Vanilla

Location: Wales, Rumänien, Karpaten

Seitenanzahl: 308 (Übergröße)

Buchtrailer: Ansehen

Erhältlich als:
paperback & ebook

ISBN:
Print: 978-3-86495-096-4
ebook: 978-3-86495-097-1

Preis:
Print: 14,90 €[D]
ebook: 6,99 €[D]

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Blood Dragon: Drachenschwingen


Inhaltsangabe

Eine mysteriöse drachenartige Kreatur fällt Jean Torbin in Wales an und tötet sie beinahe. Als sie zwischen Leben und Tod schwebt, erscheint Ragnar Radu Dracul in ihren Träumen. Jean weiß nach ihrer Genesung nur eines: Sie muss in die Karpaten, um den alten Legenden über Drachen und Vampire auf den Grund zu gehen!
In Rumänien trifft sie auf den Mann, den sie für eine reine Ausgeburt ihrer Träume gehalten hat. Allerdings findet sie heraus, dass Ragnar kein Mensch ist. Doch da ist es bereits längst zu spät. Jean verfällt dem geheimnisvollen Ragnar, der mehr von ihr einfordert als ihr Herz.
Ein dramatischer Kampf um ihre Liebe und das Leben der letzten Drachen beginnt, während die Grenzen zwischen Freund und Feind immer mehr verwischen …

Linda Mignanis Fortsetzung von Kira Maedas Roman "Blood Dragon 1: Drachennacht".

Über die Autorin

Linda Mignani wurde in Kirkcaldy (Schottland) geboren und lebt glücklich verheiratet im Ruhrgebiet. Schreiben und Malen zählen zu ihren Leidenschaften und beides hat erstaunlich viel gemeinsam. Frauenuntypisch besitzt sie nur eine Handtasche aber unzählige Turnschuhe und noch mehr Wanderschuhe, die...

Weitere Teile der Blood Dragon Serie

Leseprobe

Eine halbe Stunde später saß sie in einem kuscheligen Morgenmantel vor dem offenen Kamin. Sie hatte das bereitgelegte Holz nur anzuzünden brauchen. Der Nudelauflauf schmeckte köstlich und sie genoss den kalten Weißwein, den sie sich dazu aufgemacht hatte. Ein unerwarteter Stich Einsamkeit überkam sie, den sie entschlossen zurückdrängte. Alles war genau so, wie sie es wollte!
Na klar, Jean. Das ist dein Traum, einsam und allein zu bleiben, bis du so alt bist, dass dich keiner mehr will. Deine Bestrafung, dass James dich als so unerträglich empfand, dass er einfach abgehauen ist, ohne nur einmal zurückzublicken. Du aus Misstrauen bis...

...ans Ende deiner Tage niemanden mehr an dich heranlässt, weil er dich ausgenutzt und bestohlen hat und du deiner eigenen Urteilskraft misstraust.
Und diese Tage konnten schneller über einen hereinbrechen, als man es dachte. Jean war dem Tod von der Schippe gesprungen und sie war nicht mehr die Jean, die sie gekannt hatte. Yarana! Wie aus dem Nichts drängte sich der Name an die Oberfläche ihres Bewusstseins, auch, dass Yarana in den Karpaten gelebt hatte - das prangte deutlich in den seltsamen Erinnerungsfetzen. Vielleicht sollte sie die Friedhöfe abklappern, um einen Anhaltspunkt zu finden. Was war mit dieser Frau geschehen, die Jeans Gehirn zum Teil erobert hatte? War das überhaupt möglich? Das alles war zu verworren. Ihre Gedanken, Erlebnisse und Erinnerungen erschienen wahnhaft. War sie dabei, den Verstand zu verlieren? Jean leerte das Weinglas mit einem Schluck. Sie war nicht verrückt! In Wales hatte ein Monster sie in einer Kirche angefallen, die nichts mit dem Christentum gemein hatte. Die Bestie hatte Jean getötet und als sie erwacht war, bewohnte sie ihren Körper nicht mehr allein. Und als würde das nicht reichen, hatte sie das Gefühl, dass die fremde Person in ihr verblasste. Außerdem verspürte sie den Drang, den Kerl aus ihren Träumen zu suchen.
Jean schenkte sich nach. Niemandem durfte sie davon erzählen. Es hörte sich sogar in den eigenen Ohren ganz und gar wahnsinnig an. Ihr entwich ein hysterisches Prusten. Was, wenn das, was in Wales über sie hergefallen war, sie bis nach Rumänien verfolgt hatte? Sollte sie nicht lieber nach London zurückkehren? In die Sicherheit einer lauten, überbevölkerten Stadt ohne tiefe Wälder, Schluchten und Berge, die Jean mit ihrer Schönheit und Wildheit Tränen der Ehrfurcht in die Augen trieben? Das Land der Drachen verlassen und zurück in ein Leben, an dem Geld verdienen an erster Stelle stand? Auch in einer Großstadt konnte man einsam sein, vielleicht einsamer als in der herrlichen Natur.
Sie tastete nach den Waffen, die sie unter dem Sofakissen versteckt hatte. Diesmal würde sie sich zu wehren wissen.
Nein, sie konnte nicht entfliehen. Denn wenn sie nach London flüchtete, würde der Ruf der Karpaten sie fortwährend locken. Sie gehörte in dieses ungezügelte Land voller Mythen, Legenden und Gefahren. Hier fühlte sie sich so lebendig wie noch niemals zuvor. Und sollte sie an diesem Ort sterben, dann war es ihr Schicksal. Sie hatte dem Tod bereits ins Antlitz gestarrt, während ein Teil von ihr sich wünschte, sie wäre nicht erwacht. Und das machte sie unglaublich wütend. Nein, so eine armselige Person war sie nicht. Satt, halb betrunken und ein wenig unsicher auf den Beinen, erhob sie sich. Eines fehlte in dem Ferienhaus: ein Fernseher. Ohne ihn fühlte sie sich wahrlich abgeschnitten vom Rest der Welt. Irgendwie ein herrliches Gefühl. Sie legte sich in das weiche Bett und diese Nacht schlief sie traumlos. Es wunderte sie nicht, denn sie war zu Hause angekommen.

Die eisige Luft, die seinen überhitzten Körper umfloss, streichelte Ragnar, bis sie den Tumult in seinem Verstand besänftigte. Jean Torbin! Er hatte die kurze Nachricht über ihren Unfall im Internet entdeckt: Wanderin überlebt wie durch ein Wunder Angriff eines wilden Tieres. Was sich zuerst wie eine reißerische Falschmeldung gelesen hatte, hatte sich als wahr erwiesen, im Gegensatz zu der angeblichen Alienentführung in Ungarn, den gefakten Werwolfangriffen in Deutschland und den Geistersichtungen in Frankreich. Jean wurde in Wales attackiert und ihre Genesung war ein Mysterium. Ragnar hatte einer Krankenschwester auf dem Parkplatz aufgelauert und ein wenig Nachdruck angewandt, bis sie ihm erzählt hatte, dass Jean behauptet hätte, sie wäre von einem Wesen halb Mensch, halb Drache angegriffen worden. Auch dass ihre Verletzungen so schwer gewesen waren, dass sie hätte sterben müssen. Aber sie lebte!
Ob sie Yarana war? Auf leisen Schwingen segelte er durch die Nacht. In seiner Drachenform spürte er jeden Windhauch, jeden Regentropfen, jeden Atemzug intensiver als seine menschliche Seite es jemals könnte. Er war ein Geschöpf der Nacht, doch er liebte ebenso den Tag. Eine Windbö trug ihn höher und er ließ sich treiben, bewegte nur die Flügel, wenn es sein musste. Ragnar aktivierte all seine Sinne. Irgendwo in den Abgründen der Karpaten erwachte eine Macht, die sie ins Verderben stürzen könnte. Sie alle spürten es und in den letzten Tagen hatten sie eine Menge Drachen kontaktiert. Die Drachen hatten sich jahrzehntelang im Hintergrund gehalten, um keine Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Sie waren müde, allerdings konnten sie sich diesen Luxus nun nicht mehr leisten. Er hörte den entfernten Schrei von einem seiner Brüder. Vlad und Mircea flogen jede Nacht Patrouille, jedoch hatten sie bis jetzt nichts Brauchbares gefunden, gerochen oder gespürt.
Fuck! Sie begannen ihrerseits, ihre Anhänger um sich zu sammeln. Doch viele begegneten vor allem Vlad mit verständlichem Misstrauen, weigerten sich, ihn als Sire anzuerkennen. Ihnen stand ein langer, mühseliger Weg bevor. Denn nur geeint würden sie gegen diese Bedrohungen bestehen können. Sie kämpften nicht nur gegen diese unsichtbare Macht, sondern auch gegen die fanatischen Drachenhasser. Der Junge, der in der Höhle seinen schrecklichen Tod gefunden hatte, war nicht der Einzige gewesen, der zu Tode gefoltert worden war, das hatten sie inzwischen herausgefunden. Im Moment konzentrierten sie ihre Anstrengungen auf das Hotel und die Ratten, die aus einem stinkenden Müllberg gekrochen kamen, blind vor Hass und offen für Fanatismus.
Das Hotel, das ihnen Hänsel genannt hatte, lag in Borsec, einer der wenigen Städte in der Umgebung. Sie hatten sich entschieden, das Gebäude erst einmal nur zu beobachten. Diese Aufgabe hatte Gerard übernommen, dabei herausgefunden, dass eine Zusammenkunft bevorstand. Er war ein Mensch und stammte einer Familie ab, die den Drachensöhnen bereits in der vierten Generation treu ergeben war. Die Drachensöhne würden zum geeigneten Zeitpunkt zuschlagen. Vielleicht sollten sie ihrerseits ein Exempel statuieren und sich ebenso grausam verhalten wie diese Menschen, die die Bezeichnung nicht verdienten.
Ragnar flog tiefer, ließ sich dicht über die Berggipfel treiben und dann durchfuhr es ihn wie ein Schlag, als er sie spürte. Yarana!
Ragnar ließ sich fallen, bis er beinahe das Dach des Ferienhauses streifte, das sie für Jean Torbin erbaut und an sie vermietet hatten. Sie war es! Im Krankenhaus hatte er mehrere Male vor ihrer Tür gestanden, doch nichts gespürt außer Hoffnung. Elisa hatte ihm erklärt, dass es normal sei, dass er Yarana nicht wahrnehmen konnte, weil sich ihre Essenz erst mit der Zeit in Jean ausbreiten würde. Er war so verzweifelt gewesen, dass er es Mircea überlassen hatte, ihr eine Falle in Form des Angebotes für ein Ferienhaus zu stellen.
Sie hatten damit gerechnet, dass Jean die unstillbare Sehnsucht spüren musste, in die Karpaten zu reisen, falls wirklich etwas von Yarana in ihr steckte. Der Krankenschwester nach gönnte sich Jean eine Auszeit und war daher in Wales gewesen. Ragnar unterdrückte den Reiz, auf der Grasfläche hinter dem Haus zu landen und in das weiß gestrichene Holzhaus zu stürzen. Er wusste nicht, wie viel von Yarana in Jean war. Es bestand durchaus die Möglichkeit, dass sie ihn nicht erkannte, ihn für einen Eindringling hielt. Sie hatte genug durchgemacht, da brauchte er nicht nackt in ihrem Schlafzimmer zu stehen, um sie erneut zu Tode zu erschrecken. Zu dumm, dass eine Verwandlung nicht einschließlich der Kleidung vonstattenging. Elisa hatte ihm untersagt, sie vom Bahnhof abzuholen, hatte gemeint, dass es falsch wäre, sie auf der Stelle mit Ragnar zu konfrontieren, dass es ihrem fragilen Verstand schaden könnte, nach allem, was sie erlitten hatte.
Um seinen Verstand sorgte Elisa sich in diesem Fall anscheinend nicht. Sie hatte ihn angefunkelt und ihm förmlich verboten, gegen ihre Wünsche zu handeln. Es war eigentlich witzig, wenn man bedachte, wie klein und schwach der Lockenkopf im Gegensatz zu ihm war. Allerdings standen ihr Wille und ihr Zorn dem einer Drachenkriegerin nicht nach. Elisa vermochte zwar nicht, ihm den Kopf von den Schultern zu reißen, doch ihre spitze Zunge war beinahe ebenso tödlich. Zudem wusste sie, dass die Brüder, selbst Vlad, ihr niemals etwas tun würden und sie glücklich sehen wollten. Auf die Schwangerschaft von Elisa hatte Yarana mit offener Eifersucht reagiert. Ragnar hatte sie mehr als einmal dabei erwischt, wie sie Elisa mit reiner Missgunst ansah, auch mit einer stillen Wut.
Er riss sich von Yarana los und konzentrierte sich auf Jean und dann spürte er es – dieses warme Gefühl aus seinen Träumen. Es verführte ihn mit seiner Reinheit, Helligkeit und traf ihn mit der Wucht eines Schnellzuges. Mircea und er hatten versucht herauszufinden, was oder wer Jean angegriffen hatte, doch selbst der genaue Ort blieb ein Rätsel.
Sollte er ihr morgen zufällig über den Weg laufen? Wenn sie mitten im einsamen Gebirge auf ihn traf, könnte ihr erstes Zusammentreffen ebenso desaströs enden. Wenn sie von ihm geträumt hatte, so wie es Elisa vermutete …
Er schnaubte, sodass der Atem in einer Wolke aus seinen Nüstern stieg. Er vermutete es nicht, er wusste es. Außerdem würde er sie sofort in die Arme reißen, ihr die Kleidung vom Leib zerren wollen, um sie zu spüren, zu küssen und zu ficken, sie als sein zu markieren. Denn er war ein Drache und das war es, was sie taten. Drachen teilten ihre Frauen nicht, sie eroberten und verführten sie, bis sie sich vor Lust keuchend unter ihnen rekelten, jeden anderen Mann vergaßen, sie nur noch ihre Gefährten rochen, schmeckten, spürten, in jeder Faser ihrer Körper und ihrer Seelen. Das war schon immer so gewesen und selbst die Zivilisation änderte kaum etwas daran. Heutzutage gingen sie nur auf den ersten Blick subtiler vor, doch das Ergebnis war dasselbe – eine Frau, die sich ihnen hingab und ihnen ihr Blut und ihre Lust schenkte.
Ragnar konnte nicht länger widerstehen, er landete auf der Rasenfläche, die genau aus diesem Grund angelegt worden war. Seine Haut brannte heiß, sobald er sich in einen Menschen verwandelte. Das tat sie immer für ein paar Sekunden, die ihm bei seinen allerersten Wandlungen wie Stunden erschienen waren. Längst nahm er den Schmerz kaum noch wahr, es war wie ein heißes Flirren, das über seinen Körper surrte.
Verflucht! Er hatte eine Erektion wegen ihres Geruchs, der Erinnerungen, die sie bei ihm weckte! Der Drache reagierte auf den Reiz und er hatte die letzten Wochen enthaltsam gelebt. Wenn sie jetzt aus dem halb geöffneten Fenster blickte …
Doch nichts bewegte sich in dem Haus. Yarana … Jean schlief tief und fest. Er musste sich angewöhnen, sie als Jean anzusehen. Vielleicht hatte sie gar keine Erinnerungen mehr an ihn. Der dämliche Schattendrache war sehr ausweichend gewesen, was das anbelangte. Für eine Sekunde spielte er mit dem Gedanken, sich in ihr Schlafzimmer zu schleichen, ihr über das Haar zu streichen, sodass er ihren Duft mit sich nehmen konnte. Ragnar konnte allerdings dem Drang, sie wenigstens einmal zu sehen, nicht länger widerstehen. Er schlich zu dem Schlafzimmerfenster. Doch alles, was er durch den Spalt der Gardinen sah, waren dunkle Haare, die über dem Kopfkissen ausgebreitet lagen. Ragnar zog sich in den Wald zurück, bewachte sie in der Tiefe der Nacht. Erst im Morgengrauen verwandelte er sich in den Drachen und flog zum Landhaus, während seine Gefühle für sie ihn schier verrückt machten.
Elisa erwartete ihn auf der rückwärtigen Terrasse. Sie errötete noch immer süß, angesichts seines nackten Zustandes, und reichte ihm einen Morgenmantel.
„Du solltest wegen deiner Verfassung im Bett liegen, dich von Mircea verwöhnen lassen und nicht auf mich lauern.“ Seine Worte waren nur halb neckend gemeint. Seine hochschwangere Schwägerin sollte sich ausruhen und nicht draußen in der Kälte auf ihn warten, aus dem einzigen Grund, ihn mit Fragen zu durchlöchern.
„Ich konnte nicht schlafen. Hast du sie gesehen?“, platzte es aus ihr heraus.
„Nur ihre Haare. Sie sind dunkel.“
„Dunkel? Interessant. Du bist aber nicht in ihr Schlafzimmer gestürzt oder hast gar deine Drachenschnauze gegen das Fenster gepresst?“
Es war nicht seine Drachenschnauze gewesen, sondern seine menschliche Nasenspitze.
„Vergiss nicht, was wir besprochen haben!“, ermahnte sie ihn, während sie die weitläufige Küche, angrenzend zur Terrasse, betraten. Besprochen? Sie hatte ihm Befehle erteilt, ihm mit Konsequenzen gedroht, falls er anders handelte. Wenn er ehrlich war, wollte er nicht herausfinden, was diese Konsequenzen darstellten. Elisa hatte Tee zubereitet, irgendeine seltsam riechende Kräutermischung. Doch für ihn standen Kaffee und Rührei mit Schinken bereit. Eigentlich verspürte er im Moment keine Lust darauf, die Elisa-Inquisition, gekleidet in einen saphirblauen Morgenmantel samt Kapuze, zu ertragen, allerdings ließ sie ihm keine Wahl. Sie würde ihn bis in sein Schlafzimmer verfolgen, wahrscheinlich die Kapuze überziehen und wie Meister Yoda ominöse Weisheiten von sich geben. Außerdem hatte er einen rasenden Hunger. Seufzend nahm er an dem dunklen Holztisch Platz und schaufelte sich Rührei und Brot in den Mund. Sie gewährte ihm drei Minuten, ehe sie weiterbohrte.
„Du darfst dich nicht vor ihr aufbauen, sie keinesfalls in die Ecke drängen, ihr womöglich auf den Po schlagen, so wie du es andauernd bei den weiblichen Bediensteten machst. Du kannst froh sein, dass sie alle so fasziniert von dir sind, sonst würde dir eine Anzeige wegen sexueller Belästigung drohen. Und was du sonst noch so mit ihnen anstellst, also, wenn nur die Hälfte davon wahr ist …“
Ragnar stopfte ihr ein Stück Toast in den Mund. Sie kaute schnell und schluckte den Bissen hinunter, ehe er es schaffte, zwei Atemzüge zu nehmen. Oh Schattendrache! Das hier schien länger zu dauern. Resigniert trank er mehrere Schlucke Kaffee.
„Denk dran, selbst ich weiß nicht, wie viel Yarana in ihr steckt. Sie ist bestimmt verschreckt, ängstlich und hat Panik vor großen Männern. Wenn du ihr gegenüberstehst, halte einen Sicherheitsabstand ein. Sieh ihr nicht ständig in die Augen und bitte reiß ihr nicht die Kleider vom Leib, um sie auf der Stelle als dein Eigentum zu markieren, indem du … du sie … sie nimmst, mit deinen Zähnen und deinem … weiteren harten Körperteil.“
Brüllendes Gelächter erschallte von der Küchentür und Vlad schlenderte in die Küche, ganz der Prinz des ewigen Eises, der er war. Ragnar konnte sich nicht daran erinnern, wann sein Bruder das letzte Mal dermaßen amüsiert gelacht hatte. Normalerweise deutete sein Lachen auf alles andere hin als auf Humor. Bekam die kühle Hülle Risse? Elisa zuckte nicht einmal zusammen, als er sich hinter sie stellte, ihren Kopf sanft zurückbog und ihre Stirn federleicht mit seinen Lippen berührte. Seine Schwägerin vertraute ihm bedingungslos. Ragnar konnte nur hoffen, dass Dracula ihr Vertrauen verdiente. Der Spitzname passte zu Vlad. Er selbst war weit davon entfernt, die gleiche Zuversicht ihm gegenüber zu spüren. Mircea schritt in diesem Moment in die Küche und seine blauen Augen gaben nicht preis, was er dachte. Ragnar rechnete es ihm hoch an, dass er sich nicht augenblicklich auf Vlad stürzte, dass er es überhaupt ertragen konnte, dass Vlad Elisa berührte. Anscheinend hatte der Lockenkopf ihm ins Gewissen geredet. Mircea schoss nicht einmal virtuelle Todespfeile auf den einst verhassten Bruder ab. Vielleicht war Mircea auf eine Weise ebenso erleichtert wie Ragnar, dass Vlad zu ihnen zurückgekehrt war, sogar da sie nicht wussten, auf welcher Seite er wirklich stand. Er könnte sie alle täuschen, da machte er sich nichts vor.
Mircea setzte sich neben seine Frau und zog ihre Hand an seine Lippen. „Du hast kaum geschlafen, Dragana.“
Vlad rollte angesichts der Liebkosung mit den Augen. „Und, kleiner Bruder, hast du deine Angebetete besichtigt?“ Er biss in ein warmes Brötchen. „Man kann nur hoffen, dass du mehr Glück hast als ich. Vielleicht zieht der Yarana-Klon meine Wenigkeit dir vor, steht auf blond anstatt auf brünett.“
„Ich schwöre dir, Vlad, wenn du ihr zu nahe kommst …“ Sobald er merkte, dass er seine Hände zu Fäusten ballte, entspannte Ragnar sie mit Mühe.
„Was dann? Sperrt ihr mich erneut für Jahrhunderte in eine Höhle, ohne auch nur einen Gedanken an mich zu verschwenden? Das wird nicht passieren. Eher stürze ich mich von der nächsten Klippe.“ Vlad stürmte aus der Küche und zurück blieb ein unheilvolles Schweigen, eine Stille, die auf sie niederpresste wie ein öliger dichter Nebel.
In Mirceas Augen sah er die gleiche Schuld, die er fühlte. Doch das Schicksal hatte ihnen eine erneute Möglichkeit gegeben, die sie nicht ungenutzt lassen durften. Es bestand eine Chance, dass sie Wiedergutmachung an Vlad leisten konnten und so auch an sich selbst. Elisa fasste nach ihren Händen und drückte sie. „Alles, was geschah und geschieht, hat Gründe. Vlad ist erstarkt zurückgekehrt und über diese Stärke würde er ohne die Gefangenschaft nicht verfügen. Die Gefahr, die in den Bergen lauert und sekündlich heranreift, wird eure ganze Kraft beanspruchen. Falls ihr versagt, sind wir alle verloren. Die Welt, wie wir sie kennen, wird untergehen und die Menschheit versklavt. So viel habe ich gesehen.“
Ragnar starrte Yoda an und fragte sich, warum sie nicht die Kapuze aufsetzte, um der geheimnisvollen Aura Nachdruck zu verleihen. Elisa konnte zwar nicht Gedanken lesen, doch der harte Tritt gegen sein Schienenbein verriet ihm, dass sie dennoch ahnte, was er gedacht hatte.
Süßes Biest!
„Aua“, sagte er mit heller Stimme, was Mircea ein amüsiertes Schnauben entlockte.
Sie lächelte ihn wie eine mit Zuckerstreuseln bedeckte dämonische Version ihrer selbst an.
„Weißt du nicht, was da auf uns zukommt?“, fragte Ragnar, obwohl er die Antwort kannte.
„Nein.“ Elisa wirkte traurig. „In dieser Hinsicht sind die Bilder, die ich sehe, wie eines dieser grässlichen abstrakten Gemälde ohne Sinn und Verstand, in die man alles Mögliche hineindeuten kann, sofern man sich etwas Mühe gibt. Es tut mir leid“, flüsterte sie.
Ihre Erschöpfung war deutlich spürbar. Mircea umfasste ihre Schultern. „Ich würde dir verbieten, dich mit diesen Visionen zu beschäftigen, wenn ich nur wüsste, wie ich dich daran hindern könnte, dich derart zu quälen. Du brauchst Ruhe, die du auch unserem Kind versagst.“ Mircea spielte die Mutterkarte aus, allerdings durchschaute Elisa seine Absichten und warf ihm einen Blick zu, der einem das Fleisch von den Knochen lösen konnte. Doch dann wurde ihr Ausdruck weich. „Unseren Kindern“, wisperte sie so leise, dass Ragnar zuerst glaubte, er hätte sich verhört. „Es sind Zwillinge, ein Junge und ein Mädchen.“ Und sie brach in Tränen aus. Diese Stimmungsschwankungen suchten sie ständig heim. Mircea stand ihnen ebenso hilflos gegenüber wie Ragnar. Da köpfte er lieber ein paar Arschlöcher, als sich mit einer aufgelösten schwangeren Elisa auseinanderzusetzen. Dennoch stand sein Grinsen dem von Mircea nicht nach. Zwillinge!
„Seit wann weißt du das?“, knurrte Mircea völlig entzückt.
„Von Anfang an. Ich habe Sorin verboten, es dir zu sagen“, säuselte sie, sodass Ragnar argwöhnte, dass sie ihre Tränen einsetzte, um ihren Ehemann um ihre kleinen süßen Finger zu wickeln. Mircea traf über Elisas Kopf hinweg seinen Blick. Ragnar hob die Schultern an. Diesen Kampf musste Mircea allein bestreiten. Es war eine Schlacht, die er nicht gewinnen konnte, egal, was er sich überlegte.
„Sorin!“, brummte Mircea.
„Er kann nichts dafür. Ich habe ihn erpresst“, schnurrte Elisa.
Womit? Doch das behielt sie für sich, während ihr ganz und gar nicht charmantes Grinsen auf Unangenehmes hindeutete.
Ragnar verließ die Küche und überließ den Liebenden das Feld. Er brauchte unbedingt ein wenig Schlaf, um sich für Jean zu rüsten. In diesem erschöpften Zustand war es zu gefährlich, ihr zufällig über den Weg zu laufen. Er musste Herr seiner Sinne sein, sonst könnte ihr Aufeinandertreffen in einer Katastrophe enden.
Du musst undominant, vertrauenerweckend, nicht bedrohlich, charmant, kuschelig und harmlos wirken. Kein Werdrache, sondern ein Stofftierdrache, ein plüschiges Tier, das Jean gerne mit in ihr Bett nimmt. Du kannst ihr immer noch zeigen, mit was genau sie es zu tun hat, sollte sie nicht mehr wissen, wer du bist. Erst dann machst du sie mit all deinen überraschenden Fähigkeiten bekannt. Sie wird dir vom Fleck weg verfallen, so wie viele Frauen vor ihr.
Und er war ihr bereits jetzt verfallen, auch wenn es ihn irgendwie erzürnte, dass das Schicksal ihn manipulierte. Shit! Das war Ragnars letzter Gedanke, ehe er einschlief.

Die Nacht war herrlich gewesen. Jean hatte geschlafen, als hätte sie mit einem der Klitschkobrüder geboxt und er hätte sie ausgeknockt. Schlaf vermochte Wunden zu heilen. Sie fühlte sich wie neugeboren, als sie nach einer kurzen Dusche und einem Glas Orangesaft zu der Wanderung aufbrach. Sie hatte sich ein Sandwich gemacht, das sie bei der ersten Rast essen wollte. In diesem Moment erschienen all die negativen Erlebnisse viel leichter. Sie müsste sich nur ein paarmal schütteln und sie würden von ihr fliegen. Jean musste nur aufpassen, dass sie nicht erneut auf ihr landeten. Während sie den steilen Pfad hinaufkeuchte, dachte sie an den sexy Kerl mit den Bernsteinaugen, zu dem sie sich so schrecklich hingezogen fühlte.
Vielleicht sollte sie ihn heute Abend in Form des wasserdichten Vibrators mit in die Badewanne nehmen. Sie hatte schon so lange keinen Orgasmus mehr gehabt, dass sie befürchtete, sie würde keine zehn Sekunden durchhalten. Aber das war egal, wozu konnten Frauen mehrere Male hintereinander kommen? Und die Maxipackung Batterien garantierte, dass das Sextoy sie so oft zufriedenstellte, wie sie es wünschte. Zudem hatte das Ding verschiedene Stufen, sodass es einen prickelnden Genuss versprach. Was hatte sie nur für unanständige Gedanken? Sie holte tief Luft und ihr Blick schweifte umher.
Sie blickte hinauf zu dem imposanten dunkelroten Landhaus mit den vier weißen Türmen und Fensterläden, welches über das Plateau wachte, das sie an ein kleines Tal erinnerte. Die Eigentümer mussten unglaublich reich sein. Ob sie die Vermieterin – oder waren es gar Vermieter – aufsuchen sollte? Es war sowieso eigenartig, dass sie auf dieses Ferienhaus aufmerksam geworden war. Ein Angebot hatte am Whiteboard auf ihrer Station des Krankenhauses in Wales zwischen Verkaufsanzeigen gehangen. Es hatte sie angezogen wie das Licht eine Motte und sie hoffte, sie würde sich in diesem wilden Land nicht die Flügel verbrennen oder gleich in Flammen aufgehen. Sie hatte die E-Mail-Adresse kontaktiert und zwei Tage später den Mietvertrag für vier Monate unterschrieben, mit der Option auf Verlängerung, obwohl sie insgeheim bei dem günstigen Preis mit einer Bruchbude gerechnet hatte. Doch zu stark war das Bedürfnis gewesen, nach Rumänien zu reisen. Sie hatte die Schlüssel für das Haus und die des dazugehörigen Geländewagens am Schalter des kleinen Bahnhofs abgeholt. Neugierig war sie ja schon, wer die überaus großzügigen Vermieter waren.
Wenigstens sah das Landhaus, auch wenn es majestätisch war, nicht wie die zerfallene zugige Burg von Dracula aus, der darin Jungfrauen gefangen hielt, um sie auszusaugen und zu verführen. Sie kicherte wegen ihrer abstrusen Vorstellungen, froh, dass sie wieder lachen konnte. Instinktiv fasste sie an ihren makellosen Hals. Seltsamerweise waren hier keine Narben zurückgeblieben, sodass sie daran zweifelte, dass die Bestie sie wirklich in den Hals gebissen hatte. Aber selbst wenn es in den Karpaten einen Dracula gab, eine Jungfrau war sie schon lange nicht mehr. Das Problem war gelöst – sie passte nicht in sein Beuteschema. Und was auch immer sie in Wales angefallen hatte, war ihr bestimmt nicht in die Karpaten gefolgt. Es war so friedlich an diesem Ort! Sie würde nie verstehen, warum so viele Menschen sich den ganzen Tag mit Krach beschallten. Diese Ruhe war magisch, ließ sie ruhiger atmen und besänftigte ihren Herzschlag. Sie konnte sich dem Einfluss nicht widersetzen und gab sich der Stille hin. Bald würden die Laubbäume, die den Weg säumten, ihre ersten Knospen bekommen. Der Frühling stand in den Startlöchern. Fast vier Monate lag der Angriff zurück. Sie hatte Weihnachten und Neujahr im Krankenhaus verbracht. Wenigstens war sie nicht allein gewesen. Die Schwestern hatten sich aufopfernd um sie gekümmert. Vier Monate – und alles hatte sich in ihrem Leben verändert.
Sie bog um eine Biegung des gewundenen Pfades und verharrte in der Bewegung. Vor ihr auf dem Weg saß ein Eichhörnchen und starrte sie an, ohne sich auch nur einen Millimeter zu rühren. Seltsam! Waren die Karpaten so einsam, dass die Tiere keinerlei Angst vor Menschen verspürten, weil so noch nie eine schlechte Erfahrung gemacht hatten? Auf einmal machte das zierliche Tier einen Satz, sprang gegen ihre Hose, lief daran hoch und setzte sich auf ihre Schulter. Oh Gott! Was, wenn es tollwütig war, sie biss? Doch es schnupperte an ihrem Haar, das sie zu einem Zopf gebunden hatte, während sie so stocksteif verharrte, als würde ein Bär über ihr aufragen. Dann lachte sie, weil es seine Nase an ihren Hals presste und seine Barthaare sie kitzelten.
Nuss?
Jean, das hast du jetzt nicht gehört! Ignoriere es!
Hunger!
Erst jetzt bemerkte sie, dass sie nicht allein mit dem grauen Eichhörnchen war. Eine eigentlich nachtaktive Eule saß neben ihr auf einem niedrigen Ast, starrte Jean an, als versuchte sie, ihr etwas mitzuteilen. Oder wollte der Vogel sich auf das hungrige Eichhörnchen stürzen? Und was war mit den beiden Rehen, die sie plötzlich gegen den Rücken stupsten, als wäre sie eine Disney-Prinzessin, und ihr einen gewaltigen Schrecken einjagten, sie daher laut und gellend schrie, sodass die Tiere davonstoben? Sie beugte sich nach vorn, stützte die Handflächen auf ihre Oberschenkel, während sie nach einer logischen Erklärung suchte. Wahrscheinlich wurden die Tiere von ihren Vermietern gefüttert und sie waren zahm wie Haustiere. Das musste es sein! Es gab keine Stimmen von sprechenden Eichhörnchen, die sie in ihrem Kopf hörte. Sie war einfach nur anfällig nach all den schrecklichen Erlebnissen. Und die Stille und Weite war doch nicht die richtige Therapie für sie.
Unsinn! Jetzt reiß dich zusammen! Das waren nur kleine harmlose Tiere, keine Bären oder Wölfe. Und wenn es nächstes Mal ein Wolf ist, der dich beschnuppern will? Wölfe sind schreckhaft! Es wäre ein Wunder, falls du einen siehst.
Beherzt richtete Jean sich auf und folgte dem steilen Pfad. Hin und wieder blieb sie stehen, atmete die klare Luft ein und lauschte. Alles, was sie hörte, war das Wispern der Blätter und ab und zu das Plätschern eines Baches, durchzogen von Vogelgezwitscher. Sie hatte für heute keine lange Wanderung geplant, denn sie wurde schnell müde und musste ihre Kondition langsam aufbauen. Die ganze Zeit über beschlich sie das Gefühl, dass jemand sie beobachtete.
Jean bemerkte ein feines Prickeln in ihrem Nacken, ein Ziehen in ihrem Magen und beschloss, auf dem kleinen Plateau, das nach der nächsten Kurve folgte, das Sandwich zu essen und anschließend denselben Weg zurückzunehmen. Für heute hatte sie genügend Aufregungen erlebt. Sie drehte sich einmal im Kreis, doch es war nichts zu sehen oder zu hören, was auf eine Bedrohung hindeutete. Offensichtlich steckte ihr der Angriff mehr in den Knochen, als sie es zugeben wollte. Sie weigerte sich, dass diese Erfahrung, so schrecklich sie auch gewesen war, sie für ihr restliches Dasein in die Knie zwang. Dies war ihre Auszeit, wahrscheinlich die einzige, die sie sich in ihrem Leben leisten konnte, solange sie noch jung genug war, um sie zu genießen.
Schnaufend bog sie um die Kurve und dort erwartete sie nicht nur ein Wolf, sondern einen Meter dahinter stand ein Bär, der sich gerade auf die Hinterbeine stellte. Sie starrten sich gegenseitig an. Nach der Schrecksekunde wirbelte sie auf dem Absatz herum und rannte den Weg hinab, während sie sich einbildete, den heißen Atem des Bärs an ihrem Nacken und die Zähne des gar nicht schreckhaften Wolfes in ihrer Wade zu spüren. Es war ihr egal, dass man nicht vor wilden Tieren davonrennen sollte, sie alles falsch machte und Laute aus ihrer Kehle kamen, die die Stille der Berge schrill und hysterisch durchschnitten. Und das eingeklappte Messer in ihrer Jackentasche erschien ihr wie ein Zahnstocher.

Ragnar schlich durch das Unterholz, das den geschlängelten Pfad säumte. Er schlich sich nur so dicht an Jean heran, wie er es wagte, ohne sie genau sehen zu können. Das hob er sich für gleich auf, sobald sie das Plateau erreichte. Er schmunzelte noch immer über den Zwischenfall mit dem Eichhörnchen und den Rehen, auch wenn er beinahe zu ihrer Rettung herangeeilt wäre. Sie roch gut, ganz anders als Yarana. Sie trug kein Parfum, sondern ihr Duft erinnerte ihn an einen bunten sonnigen Herbstwald. Mann, zum Glück konnte Vlad nicht seine Gedanken lesen. Er würde ihn bis zum Ende seiner Tage aufziehen. Ragnar schalt sich selbst für den Vergleich, den er zog. Er durfte sie nicht mit der Frau gleichsetzen, die er geliebt hatte. Sie war Jean! Es bestand die Möglichkeit, dass sie ihn grässlich fand oder hässlich, auf Buchhaltertypen stand und nicht auf einen großen muskulösen Kerl, der sich in einen Albtraum mit Fangzähnen und Flügeln verwandelte und mehr in ihren Körper schlug als seinen Schwanz.
Er zuckte zusammen, denn urplötzlich durchschnitten ihre Schreie die Stille. Aus den Augenwinkeln sah er, wie sie kreischend und wild mit den Armen rudernd an ihm vorbeirannte, ohne offensichtlich auch nur einen Gedanken daran zu verschwenden, dass sie stürzen könnte. Sie hörte sich wie eine außer Kontrolle geratene Heulboje an. Bis auf die Waldbewohner spürte Ragnar keine Lebewesen. Er setzte gerade an, sie zu verfolgen, sie davon abzuhalten, sich das Genick zu brechen, da bemerkte er den Wolf und den Bär, die sie verfolgten. Er sprang auf den Pfad und schnitt ihnen den Weg ab. Tiere fühlten sich von der Tierflüsterin angezogen, suchten instinktiv ihre Nähe, vergaßen dabei offensichtlich, dass sie sich nicht mochten. Der Wolf ergriff sofort die Flucht, doch der Bär wollte sich von ihm nicht aufhalten lassen.
Ragnar verfluchte die Enge des Pfades, die es ihm unmöglich machte, sich zu verwandeln. Er bleckte die Zähne und seine Fingernägel verwandelten sich in Klauen. Der Bär ragte vor ihm auf, verharrte drohend, während er mit sich haderte, ob er Ragnar angreifen sollte. Er wollte das Tier nicht verletzen, atmete daher erleichtert auf, als der Bär sich auf seine Vorderpfoten fallen ließ und sich langsam zurückzog.
Seine Erleichterung währte nur eine Sekunde, da er hörte, dass Jean stürzte, diesmal vor Schmerz aufschrie. Sie rappelte sich sogleich wieder auf. Ragnar vergaß seine Vorsätze und raste hinter ihr her. Er ließ sich sogar dazu hinreißen, ihren Namen zu rufen. Doch selbst wenn sie ihn wahrnahm, drang es nicht zu ihr durch. Wahrscheinlich krachte die Erinnerung des Angriffs in Wales mit Gewalt auf Jean und sie rannte um ihr Leben, würde gleich im Ferienhaus zusammenbrechen.
Das wäre die perfekte Gelegenheit, das zitternde Bündel in seine Arme zu ziehen, herauszufinden, ob sie ihn erkannte. Aber wenigstens könnte er sich als ihr Retter aufspielen. Sie war unglaublich schnell und er sah noch, wie sie sich mit der Tür abmühte. Er rief erneut ihren Namen, doch sie hatte es inzwischen geschafft, den Schlüssel ins Schloss zu stecken. Zwei Sekunden später knallte die Tür hinter ihr zu.
Ragnar zögerte keinen Augenblick. Er würde sich als ihr Vermieter zu erkennen geben, der sie völlig aufgelöst in das Haus hatte rennen sehen. Er hatte sich Sorgen gemacht und daher den Ersatzschlüssel benutzt. Ragnar entriegelte die Tür und strengte seine Ohren an. Jean war im Schlafzimmer. Er hörte ihr Wimmern, ihr hysterisches Stammeln. Die perfekte Gelegenheit, sich als Ritter ohne Pferd und Rüstung aufzuspielen.
Sollte er erneut ihren Namen rufen? Oder würde er sie damit stärker erschrecken? Er riskierte es.
„Jean? Hier ist Ihr Vermieter.“ Das Schluchzen stoppte schlagartig und es war totenstill. Mist! Sie musste vor Angst beinahe den Verstand verlieren und war wahrscheinlich bewusstlos geworden.
Ragnar stürzte in das Schlafzimmer, doch von Jean war nichts zu sehen. Er stand an der Fußseite des Bettes, wirbelte herum, als er ein Geräusch aus dem Kleiderschrank hörte. Sie sprang wie ein Irrwisch aus dem Möbel. Jeans panikerfüllter Blick traf seinen. Es war jedoch nicht das Einzige, was auf ihn prallte. In der Hand hielt sie ein seltsam aussehendes Ding. Im nächsten Moment schlugen sich kleine Widerhaken durch den Stoff seines T-Shirts und ein unglaublicher Schmerz packte ihn, ehe er rückwärts auf das Bett fiel, geschüttelt von Krämpfen, die ihm jegliche Kontrolle über seine Muskeln beraubten. Und das Biest schockte ihn nicht nur einmal, um sicherzugehen, tat sie es mehrmals. Dann wurde alles dunkel.

Jean ließ den Auslöser des Tasers los, nachdem sie das Arschloch mehrere Male geschockt hatte, bis er endlich still lag. Oh Gott! Es war der Kerl aus ihren seltsamen Träumen und seine Pupillen hatten genau wie die des Angreifers aus Wales ausgesehen, während sie ihn außer Gefecht gesetzt hatte. Sie waren geschlitzt wie bei einem Reptil, auch wenn seine Augen nicht rot, sondern golden geschimmert hatten.
Er musste ihr den ganzen Morgen über gefolgt sein. Sie hatte es sich nicht eingebildet, dass jemand ihr nachstellte. Durch ihren rasenden Herzschlag und ihr hysterisches Weinen hatte sie nicht verstanden, was er gerufen hatte. Aber das war jetzt egal. Diesmal war sie vorbereitet gewesen. Nie wieder würde sie wie ein Lamm angefallen werden, das sich nicht wehren konnte. Was sollte sie tun? Wenn sie ihn liegen ließ und mit dem Wagen Hilfe holte, könnte er in der Zwischenzeit entkommen. Man könnte sie für verrückt halten und davon hatte sie dank der Vorfälle in Wales weiß Gott genug erlitten. Schließlich war sie eine Fremde für ihre Vermieter. Falls sie in diesem Zustand bei ihnen auftauchte und etwas von Drachen, telepathischen Eichhörnchen, zahmen Bären und Wölfen stammelte, würden sie Jean berechtigterweise nicht glauben.
Fessle ihn!
Sie rannte ins Bad, schnappte sich den Gürtel ihres Bademantels, von Angst erfüllt, dass er in der Zwischenzeit aufwachen könnte. Und ihr Herz! Das schlug so heftig, dass es bis unter ihre Schädeldecke donnerte. Der Kerl war riesig, gekleidet in Schwarz, und mit ihren winzigen einhundertundsechzig Zentimetern reichte sie ihm gerade bis zum Brustkorb. In ihren Träumen hatte er kleiner ausgesehen. Da konnte sie ihn auf den Mund küssen, ohne sich auf die Zehenspitzen stellen zu müssen.
War er wirklich nur ein Mensch? Oder was anderes? Vielleicht verbarg die Kleidung reptilienhafte Schuppen, und Reißzähne zierten seinen Schlund. Am besten stopfte sie ihm etwas in den Rachen, sodass er sie nicht beißen konnte. Besser vorsichtig als blöd! Verflucht! Sie zitterte am ganzen Körper, als hätte sie sich selbst einen Schuss mit dem Elektroschocker verpasst. Sie musste sich beruhigen, sonst würde sie einen Fehler machen. Zum Glück war er auf das Bett gefallen. Jean drapierte ein Ende des Gürtels um sein rechtes Handgelenk und zog den Knoten so fest, wie sie es schaffte. Dann führte sie ihn um das gepolsterte Brett des Kopfteils herum und beeilte sich, sein linkes Gelenk zu umwickeln. Diese Muskeln! Sie starrte auf seine Unterarme.
Was sollte sie mit seinen Beinen machen? Hektisch zog sie zwei Strumpfhosen aus der Schublade der Kommode. Sie wickelte jeweils eine um seine Fußknöchel und fixierte sie an den Pfosten, auf denen das Bettgestell stand. Erst jetzt traute Jean sich, die Elektroden zu lösen. Sie biss sich auf die Unterlippe, denn sie hatten sich in seine Haut gebohrt. Und wenn sie überreagiert hatte? Nein, welcher normale Mann drang einfach in ein Schlafzimmer ein und hatte Echsenpupillen? Und wieso hatte sie von ihm geträumt? Sie würde die Wahrheit aus ihm herauskitzeln und danach Hilfe holen.
Doch war sie in der Lage, ihn zu foltern? Sie konnte nicht einmal eine Schnecke töten. Wie sollte sie das anstellen? Und ihr aktiver Verstand offerierte ihr eine weitere Möglichkeit. Vielleicht war er der Angreifer aus Wales und ihr Gehirn hatte ihr die seltsamen Fantasien suggeriert. Es musste einfach so sein, denn sie war sich immer sicherer, dass sie ihn nicht nur aus ihren Träumen kannte. Aber war er ihr von Wales in die Karpaten gefolgt oder hatte er sie an diesen Ort gelockt? Sie öffnete den Reißverschluss ihrer Jacke und warf diese auf einen der beiden Sessel, da ihr der Schweiß aus allen Poren brach. Wie sollte sie ihn foltern, um ihn zu einem Geständnis zu bewegen? Sie wusste es nicht. Sollte sie ihn mit dem Klappmesser bedrohen? Gott, nein!
War er etwa der Vermieter und nicht Elisa Jäger, die es vielleicht gar nicht gab? Das Zimmer begann sich um sie zu drehen. Sie brauchte Zucker. Jean rannte hinüber in den Küchenbereich und holte eine von den kleinen Colaflaschen aus dem Kühlschrank. Ihre Hände zitterten dermaßen, dass sie es kaum schaffte, den Drehverschluss zu lösen. Nach ein paar Schlucken fühlte sie sich ruhiger. Sie atmete mehrere Male tief ein und aus und das Zittern ließ nach, bis sie ihn stöhnen hörte. Verdammt! Er wachte bereits auf, ein klares Indiz, dass er nicht nur ein Mensch war, so irrsinnig sich das auch anhörte.
Jean wusste es besser. Sie durfte keine Schwäche zeigen. Resolut lief sie zurück ins Schlafzimmer und fand ihn bewusstlos vor. Ob sie ihm die Kleidung vom Leib schneiden sollte, um sich davon zu überzeugen, was er war? Plötzlich krachte die Erinnerung auf sie, sodass sie beinahe zu Boden ging. Sie schaffte es gerade eben, sich auf den Sessel fallen zu lassen, der am Fenster stand. Schuppen, eine gespaltene Zunge und klauenbewehrte Hände. Auf seiner Wirbelsäule waren spitze Erhebungen gewesen. Und … Nein, daran durfte sie nicht denken. Irgendwann würde sie sich diesem stinkenden Erlebnis stellen, doch noch war sie nicht bereit dazu. Jean nahm einen Kleiderbügel aus dem Schrank und presste ihn gegen seine Seite. Er bewegte sich nicht.
Falls er Reißzähne hatte, wären diese am gefährlichsten. Sie musste das als Erstes ausschalten. Jean platzierte den Haken des Holzbügels unter seiner Oberlippe und schob sie nach oben. Das, was sie von den Zähnen erkennen konnte, war normal, makellos und unglaublich weiß. Anscheinend hatte er ein Vermögen beim Zahnarzt gelassen. Dennoch … er könnte jetzt ein harmloses Gebiss haben und es bei Bedarf ausfahren. Sie musste vorbereitet sein. Was sollte sie ihm nur in den Mund stopfen?
Jean kramte in der obersten Schublade der Kommode herum und zog eines ihrer Baumwollhöschen hervor. Das musste reichen. Dann nahm sie noch ein Kreuz und eine kleine Flasche, die zwischen ihrer Unterwäsche lagen, stellte alles auf den Nachttisch.
Ihr entwich ein hysterisches Kichern, als ihr die Absurdität ihrer Handlungen bewusst wurde. Jean lief zurück in den Küchenbereich und in der dritten Schublade fand sie eine Schere. Jetzt war sie mit allem gerüstet, um die Bestie zu entlarven. Oder war sie völlig verrückt geworden? Nein, sie musste Gewissheit haben. Sie setzte die Schere an dem Bund des T-Shirts an und trennte den Stoff durch, bis er auseinanderklaffte. Welcher Mann rannte außerdem bei dem Wetter nur in einem T-Shirt in der Natur herum? Sie hatte selbst in der Polarfleecejacke anfänglich gefröstelt. Ihr Gefangener strahlte eine unglaubliche Hitze aus. Und das Tattoo! Auf seiner rechten Seite schlängelte sich ein Drache seinen Oberkörper entlang. Diese Detailtreue war beeindruckend! Ein Meisterwerk, gestochen in menschlich aussehende Haut, und das lebendig wirkende Farbspiel erinnerte sie an die eigene Tätowierung. Ein schwarzer Körper mit goldenen Iriden zierte ihn.
Jean konnte nicht länger widerstehen. Mit den Fingerspitzen fuhr sie die Kontur nach. Wie heiß er war! Ob Fieber ihn plagte? In diesem Moment schlug er die Augen auf und sie sprang zurück. Sobald er seinen Blick an ihren fesselte, riss er ihr den Boden unter den Füßen fort, denn sie war sich sicher, dass sie bereits unzählige Male in diese Augen geschaut hatte.

Was zur Hölle! Der schnuckelige Baywatch-Hobbit hatte ihn außer Gefecht gesetzt, mit einem verfluchten Taser! Der Schattendrache wollte ihn wohl verarschen! Sie war gut zwanzig Zentimeter kleiner als Yarana, mit Kurven, die ihm den Mund wässrig machten, und hellgrünen Augen, die ihn ängstlich, aber auch entschlossen anstarrten. Er öffnete den Mund, um zu reden, und sie unterbrach es, indem sie nach vorn schnellte, ihm etwas zwischen die Lippen stopfte. Und das Biest hatte ihn gefesselt! Mit Strumpfhosen und einem Frotteegürtel, wie er soeben erbost feststellte. Wie konnte sie es wagen, ihn, einen der Drachensöhne, derart zu überrumpeln? Ihn dermaßen respektlos zu behandeln! Das war peinlich! Erniedrigend! Demütigend! Er zerrte an der Fixierung. Sie schnappte sich eine Sprühflasche, sprühte ihm Wasser ins Gesicht und presste ein silbernes Kreuz auf seine Stirn. Dann wich sie zurück, rechnete offensichtlich damit, dass er in Flammen aufgehen würde. Hilflos! Von wegen! Die Kleine war alles andere als hilflos. Das durfte doch nicht wahr sein. Wenn seine Brüder oder überhaupt ein Drache jemals davon erfahren würden …
Obendrein war sie gerade dabei gewesen, ihn auszuziehen. Ob sie auch vor seiner Jeans nicht haltgemacht hätte? Sie hatte seine Beine gespreizt und die Knoten des Frotteegürtels so fest angezogen, dass sie in die Haut seiner Handgelenke schnitten. Jean näherte sich ihm, als befürchtete sie, dass er sie trotz der Fesseln anfallen könnte.
Und wie recht sie damit hatte! Schwer atmend stand sie inzwischen über ihn gebeugt, sodass er geradewegs in ihr langärmliges Shirt starren konnte. Sie mochte klein sein, aber ihre Brüste, die waren es nicht. Das würde sie ihm büßen! Ehe sie auf die Idee kam, ihm die Schere in den Brustkorb zu jagen, aktivierte er seine Drachenkräfte, spannte die Muskeln an und befreite sich von den Fesseln. Er riss sich den Stoff aus dem Mund, der sich als einer ihrer Slips entpuppte. Argh!
Ihr entwich ein erschrecktes Quieken und sie wollte aus dem Raum stürmen, doch er sprang mit einem Satz aus dem Bett, ganz das Raubtier, das er war, umschlang sie mit einem Arm an der Taille und warf ihren kleinen sexy Körper auf die Matratze. Er war auf ihr, ehe sie schreien konnte, presste ihre Handgelenke über ihrem Kopf auf die Bettdecke und nahm ihr die Schere fort. Für einen Sekundenbruchteil erstarrte sie, bevor sie versuchte, ihn abzuwerfen, ihn zu beißen.
„Runter von mir, du Monster!“ Ihre Stimme überschlug sich.
Monster! Wer hatte hier wen feige angegriffen?
„Hör auf damit, Jean. Ich werde dir nichts tun.“ Sie zu siezen wäre jetzt ein wenig unangebracht. Himmel, sie roch so gut. „Bitte, Soare.“ Er benutzte das rumänische Wort für Sonne, denn das war sie. Lebendig, sprühend und sie erinnerte ihn an die wilde Natur seiner Heimat, die Sonne brauchte, um zu überleben, so wie er Jean brauchte, um seinen Verstand zu behalten. Nur der Gedanke, dass etwas von Yaranas Seele überlebt hatte, hatte ihn vor den Schatten bewahrt, die auf ihn lauerten, drohten, ihn ebenso zu überwältigen, wie sie es bei Vlad getan hatten. Jean zu halten glich einem Sonnenaufgang, obwohl sie weder äußerlich noch innerlich die geringste Ähnlichkeit mit der Frau hatte, die er einst geliebt hatte. Und doch kannte er sie – jeden Zentimeter ihres Leibes. Die Schatten zogen sich zurück. Ragnar würde sie so gern küssen, sie schmecken, sie überall berühren. Verflucht, diese Brüste. Weich und überaus verführerisch lockten sie ihn. Er wusste genau, wie dieser pralle, knackige Arsch aussehen würde, wenn sie vor ihm auf allen vieren kniete, während er sie von hinten fickte. Er wurde hart und die Angst in ihrem Blick wich Empörung, aber auch Verwunderung.
„Soare?“, fragte sie verdutzt. „Das habe ich schon einmal gehört. In meinen Träumen.“ Sie holte zitternd Luft. „Ich kenne dich“, wisperte sie, behielt allerdings ihre Bemühungen bei, ihn abzuwerfen. Als ob sie das könnte - er wog mindestens doppelt so viel wie sie. Jedoch wurde sie langsam schwächer.
„Hör auf dich zu winden. Das Einzige, was du damit erreichst, Jean, ist, dass ich dich ficken will.“ Er konnte nichts dagegen tun. Sie auf diese Weise zu halten, während sie sich so verführerisch rekelte, war zu viel für ihn. Die Gefühle für sie, die er nicht hatte wahrhaben wollen, rangen ihn nieder. Ihr Name stolperte ihm noch etwas ungelenk über die Zunge. Er wählte seine Worte mit Absicht so rüde, denn seine Beherrschung hing an einem seidenen Faden. Es erfüllte seinen Zweck. Sie hielt still und er führte ihre Arme zusammen, um ihre zierlichen Handgelenke mit einer Hand zu umklammern. Er gab dem Drang nach und strich ihr die verschwitzten Haare aus der Stirn. „Ich möchte dir nicht wehtun, Soare. Aber wenn du nicht mit dieser sinnlosen Gegenwehr aufhörst, werde ich dich an das Bett fesseln, damit wir reden können.“
„Ich kenne dich“, murmelte sie erneut. Er konnte es ihr nicht verdenken, weil er dasselbe fühlte.
Mit den Fingerspitzen folgte er der Kontur ihrer Wange. Ihre Haut war so weich.
„Bitte tu mir nicht an, was er mir angetan hat.“ Ihre hellgrünen Augen berührten mit ihrer Ausdrucksstärke seine Seele, obwohl er sich nicht sicher war, ob er eine besaß. Ihre Gegenwehr erlosch, als wäre ein Orkan über brennende Kerzen hinweggefegt. Sie schmiegte ihr Gesicht gegen seine Handfläche. Es fühlte sich so verflucht gut an! Erst jetzt merkte er, wie sehr er sich nach Zärtlichkeit sehnte und er es vermisst hatte, Yarana zu liebkosen, die sich stets aus seinen Armen befreit hatte, sobald der Akt vorüber war, der den Namen nicht verdiente. Anscheinend übernahm ihr Körper die Kontrolle über Jeans Verstand. Sie erinnerte sich an seine Berührungen. Er sollte es nicht ausnutzen, aber Ragnar wollte sich nicht beherrschen. Nicht nur der Drache in ihm verzehrte sich nach Jean.