Carolina Cold Fury-Team: Hawke

Originaltitel: Hawke: A Cold Fury Hockey Novel (Carolina Cold Fury Hockey Book 5)
Übersetzer: Oliver Hoffmann

Erschienen: 03/2024
Serie: Carolina Cold Fury-Team

Genre: Sport Romance

Location: USA, Carolina, Raleigh


Erhältlich als:
paperback & ebook

ISBN:
Print: 978-3-86495-686-7
ebook: 978-3-86495-687-4

Preis:
Print: 16,90 €[D]
ebook: 6,99 €[D]

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Carolina Cold Fury-Team: Hawke


Inhaltsangabe

Abseits des Eises genießt der Elite-Verteidiger Hawke Therrien jede Menge Alkohol und lässt keine Party aus. Warum auch nicht? Er hat sich aus den unteren Ligen hochgearbeitet und ist ein Star geworden. Das Einzige, was Hawke vermisst, ist der gepiercte, tätowierte Freigeist, der ihm das Herz gebrochen hat, ohne ihm auch nur eine Erklärung zu geben. Als Vale sieben Jahre später wieder in sein Leben tritt, ist sie kaum wiederzuerkennen - nur der Blick aus ihren Augen, der sich wie ein Schlag in die Magengrube anfühlt, ist geblieben. 

Vale Campbell ist nicht mehr dasselbe Mädchen, das sie mit zwanzig war. So verrückt sie auch nach Hawke war, ihre Leichtfertigkeit und ihr unkontrollierter Alkoholkonsum machten ihr immer größere Angst. Sie musste mit sich ins Reine kommen, und das wäre mit Hawke an ihrer Seite niemals möglich gewesen. Ihn zu verlassen war das Schwerste, was Vale je tun musste - bis heute. Denn sie liebt Hawke immer noch über alles. Und wenn es ihm jemals möglich sein könnte, ihr zu verzeihen, hätten sie vielleicht sogar eine gemeinsame Zukunft.

Über die Autorin

Seit ihrem Debütroman im Jahr 2013 hat Sawyer Bennett zahlreiche Bücher von New Adult bis Erotic Romance veröffentlicht und es wiederholt auf die Bestsellerlisten der New York Times und USA Today geschafft.
Sawyer nutzt ihre Erfahrungen als ehemalige Strafverteidigerin in...

Weitere Teile der Carolina Cold Fury-Team Serie

Leseprobe

„Also dann ... wir haben ein paar neue Mitglieder im Team. Gebt mir einen Moment, um sie vorzustellen.“
Pretore liest eine alphabetische Liste vor, die vor ihm liegt. Nur drei Namen kommen vor meinem,dem letzten auf der Liste..
„Hawke Therrien.“ Er lässt den Blick über die Reihen schweifen, bis er mich sieht.
Mit hochgerecktem Kinn erhebe ich mich und stecke meine Hände in die Hosentaschen, während er meine Vorstellung abliest.
„Ihr kennt Hawke. Er hat die letzten sieben Jahre bei den Titans gespielt. Stammt ursprünglich aus Toronto. Kam mit sechzehn Jahren zu den Cape Breton Oilers. Die Titans haben ihn...

...in der dritten Runde gedraftet. Abstecher in die Minor League, dann in den letzten fünf Jahren in der ersten Reihe. Hat zweimal die James-Norris-Trophy für den besten Verteidiger gewonnen.“
Sein Blick schweift zu mir und er bellt: „Habe ich irgendetwas vergessen?“
Ich kann es mir nicht verkneifen. „Ja. Mein Lieblingsbier ist Molson und ich kann einen Zauberwürfel in ungefähr siebenundzwanzig Minuten lösen. Ich bin ein verfluchtes Genie.“
Der ganze Raum bricht in Gelächter aus, und der Trainer lacht mit, ehe er mir mit einem Nicken bedeutet, mich wieder zu setzen. Ich lasse mich auf meinen Platz fallen, dankbar, nicht mehr im Rampenlicht zu stehen, und Garrett klopft mir auf die Schulter. „Ich bin froh, dass du hier bist, Kumpel.“
„Ich auch“, antworte ich aufrichtig, denn ich habe ein wirklich gutes Gefühl für dieses Jahr.
„Wir haben auch einen Neuzugang in unserem Trainerstab“, sagt Coach Pretore und mein Blick wandert wieder zu ihm hinüber. Dann gefriert mir fast das Blut in den Adern, denn er fügt hinzu: „Heißt alle Vale Campbell im Team willkommen.“
In der ersten Reihe steht eine Person auf, die ich beim Eintreten nicht bemerkt habe. Sie dreht sich um, und es ist wie ein Schlag in die Magengrube, als unsere Blicke sich treffen. Genau wie beim letzten Mal ist da absolut nichts. Nicht die geringste Spur von Wiedererkennen, Zorn oder Desinteresse. Sie starrt mich nur kurz an und sieht dann weg, schaut sich flüchtig um, bevor sie sich wieder setzt.
„Vale ist die neue Assistentin unseres Athletiktrainers. Sie kommt aus Columbus, Ohio, zu uns, wo sie die letzten zwei Jahre als Assistentin des AT der Buckeyes gearbeitet hat. Ihre Wurzeln liegen allerdings im Eishockey, denn ihr Vater war jahrelang Cheftrainer der Cape Breton Oilers.“
Pretore hält inne, denn plötzlich dämmert es ihm. Sein Blick fällt auf mich und er fragt: „Therrien … kennt ihr beide einander vielleicht?“
Ein kurzer Blick auf Vale zeigt mir, dass sie auf seine Frage hin in ihrem Sitz zusammengesunken ist.
Unsagbar peinlich.
„Ja“, erwidere ich und huste leicht. „Ich kenne Vale.“
„Ausgezeichnet“, entgegnet Pretore, ohne meine Anspannung zu bemerken, und schaut dann wieder auf das Papier vor ihm. „Vale hat beste Referenzen. Sie ist zertifizierte Sporttherapeutin und hat eine Zertifizierung als Kraft- und Konditionstrainingsspezialistin, also Männer … macht euch darauf gefasst, dass sie euch in den Arsch tritt. Sie hat einen Bachelor in Kinesiologie von der Penn State University und hat dort auch ihren Master in Sportmedizin gemacht. Ursprünglich stammt sie aus Sydney …“
Ich blende Pretore aus.
Verdammt … das war wie eine Rückblende in die Vergangenheit. Ich habe seit vielen Jahren nicht mehr an Vale gedacht. Nein, das stimmt nicht ganz. Ich hatte ab und zu ein paar schmutzige Träume von ihr, aber ich habe seit Jahren nicht mehr wirklich an sie gedacht oder daran, was wir hatten. Das habe ich mir aus dem Kopf geschlagen, als ich vor sieben Jahren ihr Haus verlassen habe. Wie versprochen habe ich Vale an dem Abend angerufen, nachdem ich in Pittsburgh gelandet war.
Wie ich vermutet hatte, ging sie nicht ans Handy. Sie hat nicht zurückgerufen. Hat nicht auf meine SMS geantwortet.
Ich brauchte drei Tage und einen Bauch voller Wut und Zorn, bevor ich sie aus meinen Gedanken verbannte. Die Wut hat mich aufgefressen, der Schmerz war fast unerträglich. Also war es für mich einfacher, sie aus meinem Leben zu streichen, sonst würde ich mich heute noch im Elend suhlen.
Als ich nach Pittsburgh kam, blieb ich sporadisch mit Oliver in Kontakt, und er erzählte mir ab und zu aus freien Stücken von ihr, aber das Letzte, was ich hörte, war, dass sie in Sydney lebte. Doch dann haben Oliver und ich uns auseinandergelebt, und das ist leider alles meine Schuld, weil ich ein verdammt schlechter Freund bin, ich habe einfach den Kontakt zu meiner Vergangenheit auf Cape Breton verloren.
Ich habe mich wörtlich und im übertragenen Sinne ins Spiel gestürzt und Profi-Eishockey gelebt, gegessen und geatmet. Dabei habe ich neue Freunde gefunden – meine Mannschaftskameraden. Wenn ich in den Ferien nach Hause fuhr, ging es nicht zurück nach Cape Breton, um Oliver und seine Familie zu sehen, sondern nach Toronto, um meine Familie zu besuchen. In meiner Freizeit habe ich viel gefeiert und herumgefickt … sehr viel. Alten Freunden und verlorenen Beziehungen nachzutrauern, war nicht mein Ding. Ich kam über Vale hinweg und machte weiter.
Nicht in einer Million Jahren hätte ich gedacht, dass wir einander je wieder über den Weg laufen würden, und wie die heiße Flamme der Wut beweist, die gerade in meinem Bauch brodelt, bin ich wohl immer noch ein bisschen sauer auf sie.
Ich kann es nicht leugnen … sie ist nach wie vor ein verdammter Knaller, allerdings anders als bei unserer letzten Begegnung. Kein Piercing in ihrem Gesicht. Ihr schwarzes Haar ist lang wie damals, aber es fällt stilvoll und glatt bis auf die Schultern. Sie ist konservativ gekleidet, mit einer kakifarbenen Hose und einem schwarzen Cold-Fury-Poloshirt.
Ihr Körper ist immer noch der Hammer, das habe ich bemerkt, während sie aufstand – und diese Augen … ich konnte ihre kristallene Klarheit von hier oben sehen. Verdammt sexy, aber als sie mich ansahen … kein bisschen Wärme im Blick.
Mein Gott … ich kann mir nicht vorstellen, was die glühende Leidenschaft und Liebe in ihr in einen gottverdammten Eisberg verwandeln konnte. Das ist immer noch das größte Rätsel, vor dem ich je stehen werde.
„Da gibt es eine Geschichte“, flüstert Garrett, wobei er den Kopf zu mir neigt.
Coach Pretore ist mit Vales Lobhudelei fertig und geht jetzt unseren Trainingsplan durch, den wir alle bereits per E-Mail bekommen haben.
Ich zucke zusammen und sehe ihn an. „Was für eine?“
„Du und die neue AT“, antwortet er mit einem wissenden Blick.
„Nee, Mann“, leugne ich schnell. „Sie ist nur ein Mädchen, das ich mal kannte.“
„Verdammter Lügner“, erwidert Garrett mit Nachdruck. „Als sie dich ansah, war die Luft so dick, dass man sie mit einem Messer hätte schneiden können. Ich will Details.“
Pretore rettet mich, indem er endet: „Das war’s, Männer. Eure Ausrüstung ist in euren Spinden. Ihr habt zwanzig Minuten, um euch umzuziehen, euch hübsch zu machen und für das Mannschaftsfoto aufs Eis zu gehen.“
Ich stehe abrupt auf, aber ich höre Garrett lachen, als er Alex zuflüstert: „Da gibt es definitiv eine Geschichte.“
Ich ignoriere ihn und gehe zum Ausgang. Doch ich kann mich nicht beherrschen, mein Blick wandert sofort zu Vale, die sich von ihrem Stuhl erhebt und dem Rest des Trainerstabs aus der Tür folgt. Kein Blick in meine Richtung, und verdammt … das macht mich wütend. Sie hat unsere Beziehung beendet, und sie kann mir nicht einmal die Höflichkeit erweisen, Hallo zu sagen?
Scheiß Frauen.
Ich werde mich heute Abend auf jeden Fall besaufen. Hauptsache, ich kann sie wieder aus meinen Gedanken verbannen.


Vale

„Komm da runter, Vale“, sagt Hawke schroff und streckt die Hand aus.
„Warum denn? Hast du Angst, ich könnte fallen?“, frage ich mit einem betrunkenen Grinsen. Ich strecke die Arme aus, um das Gleichgewicht zu halten, und mache einen weiteren waghalsigen Schritt auf der rauen Steinmauer, die den Sydney River säumt. Ein leichtes Schwanken und ich richte mich auf, aber mir entgeht nicht das frustrierte Grunzen, das Hawke ausstößt.
„Wenn du hineinfällst, möchte ich nicht hinterherspringen müssen“, antwortet er, während er neben mir geht, die Füße fest auf dem Weg neben der Mauer.
„Du bist ein guter Schwimmer“, kontere ich selbstbewusst, obwohl meine Worte etwas undeutlich herauskommen. Wir haben beschlossen, uns ein Glas Bourbon zu teilen, aber ich habe ein paar Schlucke mehr davon abbekommen als Hawke. Außerdem wiegt er fast vierzig Kilo mehr als ich. Ich bin definitiv betrunken, während er wahrscheinlich nur einen leichten Schwips hat.
Umso besser, dann kann er hinterherspringen, wenn ich falle.
„Ich will aber nicht nass werden“, brummt er, doch ich höre es an seiner Stimme.
Er ist besorgt.
„Okay, lass mich nur eine Pirouette drehen, um meine Ballettkünste zu zeigen …“
„Herrgott, Vale“, bellt Hawke und packt mein Handgelenk. Nach einem kräftigen Ruck stürze ich tatsächlich von der Mauer, aber nicht in Richtung Fluss. Stattdessen falle ich in Hawkes starke Arme. „Du spinnst echt.“
„Tue ich nicht“, hauche ich, während meine Brüste gegen seine Brust prallen und sein Atem über mein Gesicht streicht.
„Doch“, murmelt er und schaut auf mich herab.
Es ist dunkel, aber ich sehe den Halbmond, der sich in seinen Augen spiegelt. Obwohl er ganz hellblaue Iriden hat, sind sie dunkel vor Alkohol und Frustration und auch ein wenig vor Lust. Ich schlinge die Arme um seinen Hals und lege den Kopf in den Nacken, um in den schwarzen Himmel zu schauen. Dann lächle ich die Sterne an und sie lächeln zurück, kurz bevor ich mein Gesicht wieder ihm zuwende.
Ich dachte immer, ich wäre ein Freigeist. Mein Vater ließ mir – innerhalb gewisser Grenzen – viele Freiheiten, denn was kann ein verwitweter Vater anderes tun, als sich um seine einzige Tochter zu kümmern und ihr jeden Wunsch zu erfüllen?
Aber bis ich Hawke traf, fristete ich eigentlich nur mein Dasein. Ich brachte jeden Tag hinter mich, einen Schritt nach dem anderen, und schloss nachts die Augen, ohne wirklich zu wissen, wozu ich all das tat.
Jetzt rast mein Blut ständig, wenn wir zusammen sind, und ich fühle mich, als stünde ich kurz davor, die Welt zu erobern.
Ich glaube, das ist Liebe.
„Du würdest mir also nicht in den Fluss nachspringen, weil du nicht nass werden willst?“, frage ich neckisch und streiche mit den Fingern durch das lange Haar in seinem Nacken.
„Ich will nicht, dass du dir das Genick brichst“, sagt er mit einem Grinsen und beugt sich dann vor, um seine Lippen genau auf eben dieses Genick zu setzen. Er streicht mit einem Kuss über meine Haut, und ein Schauer läuft mir über den Rücken. „Was für ein schöner Hals.“
„Spaßverderber“, murre ich halbherzig, denn eigentlich ist das viel amüsanter, als im Dunkeln über eine unebene Mauer zu laufen, nachdem ich Jack getrunken habe.
„Ich habe eine Idee für etwas, das Spaß macht“, antwortet er bedrohlich und ein weiterer Schauer folgt dem ersten. Diesen Tonfall kenne ich. Ich höre ihn gern, besonders, seit er mich vor vier Monaten an meinem achtzehnten Geburtstag entjungfert hat.
„Ach ja?“, flüstere ich, während ich die Finger tiefer in seinem Haar vergrabe und dann fest zupacke. Ich ziehe ein wenig, sodass er das Gesicht hebt und unsere Blicke sich begegnen. „Nämlich?“
„Lass uns zurück in unsere Wohnung gehen“, erwidert er schroff.
Ich bin nur zwei Wochen nach meinem achtzehnten Geburtstag bei ihm eingezogen, sehr zur Missbilligung meines Vaters.
„Willst du mit mir schlafen?“, necke ich und genieße meine neue sexuelle Freiheit, jetzt, wo ich erwachsen bin. Hawke hat aus Respekt vor meinem Vater ungeduldig gewartet, bis ich volljährig war. Ich hätte es schon früher getan, aber Hawke war ein Romantiker und wollte es zu einem besonderen Ding an meinem Geburtstag machen.
„Nein“, entgegnet er mit einem dunklen Lachen. „Ich will dich ficken.“
„Böser Junge.“
„Das bin ich“, brummt er und packt meine Handgelenke, um meine Hände wegzuziehen. „Komm.“
Er schafft es, mich zwei Schritte mitzuzerren, ehe ich mich wehre. „Warte.“
Hawke dreht sich zu mir um und mir stockt der Atem.
Absolute Gier in seinem Gesicht.
Nach mir.
Nach Liebe.
Immer nach Liebe.
„Was?“ Er ist ungeduldig.
Ich schaue mich um … erst links, dann rechts. Es ist dunkel hier … abgelegen. Niemand in der Nähe.
„Du könntest mich einfach hier ficken“, schlage ich kokett vor und klimpere sogar mit den Wimpern. Dann fällt mir ein, dass das bei dieser Dunkelheit wenig bringt.
Ein leises Knurren dringt aus Hawkes Brust und er zerrt an meiner Hand. „Man könnte uns erwischen.“
„Ja und?“, provoziere ich ihn, während ich meine Hand losreiße und nach dem Saum meines T-Shirts greife. „Kennst du einen Schwanz, kennst du alle.“ Ich starre ihn einen Augenblick lang an, dann ziehe ich mir das T-Shirt über den Kopf und werfe es über die Steinmauer.
Er ist steif vor Anspannung und schaut sich unsicher um. Ich nutze die Gelegenheit, um meine Tennisschuhe auszuziehen und den Reißverschluss meiner Jeans zu öffnen. Er dreht den Kopf wieder zu mir und beobachtet mich wachsam.
„Komm schon, Baby“, dränge ich leise. „Zieh dich endlich aus.“
Er schaut sich noch einmal um, aber dann trifft er eine Entscheidung und entspannt seine Schultern. Hawke zieht sein Hemd aus, kommt auf mich zu und murmelt: „Verdammte Spinnerin.“
„Aber du liebst mich“, behaupte ich, während ich meinen BH öffne.
„Viel zu sehr, verdammt“, stimmt er zu.

Mein Wecker schrillt und ich haue darauf. Im dritten Anlauf gelingt es mir, ihn zum Schweigen zu bringen und ein Auge zu öffnen, was mir bestätigt, dass es wirklich fünf Uhr morgens ist. Ich reibe mir übers Gesicht und versuche, den Nebel meines Traums abzuschütteln.
Vermaledeiter Hawke.
Natürlich musste ich von ihm träumen – war ja klar.
Ein Traum über die glorreichen Tage meiner Jugend, die erst sieben Jahre zurückliegen. Hocherhobenen Hauptes durch die Gegend laufen, mit leuchtenden Augen, weil jeder Moment die Chance auf unvergleichlichen Spaß bot. Lachen, scherzen und saufen. Ich habe jede freie Minute mit Hawke verbracht, weil wir jung und so ineinander verliebt waren, dass wir kaum etwas anderes gesehen haben. Aber in sieben Jahren hat sich mein Leben so drastisch verändert, dass ich nur noch ein Schatten der Person bin, die ich damals war – und darüber denke ich seit gestern nach.
Seit der Teambesprechung.
Es war für mich keine Überraschung, dass er dort war. Nicht in dem Maße, wie es augenscheinlich ihn schockiert hat. Ich konnte es an seinem Gesichtsausdruck ablesen, als ich mich umdrehte, um den Blick über das Eishockeyteam schweifen zu lassen, das auf mich herabstarrte. Lange bevor ich ihn in den Besprechungsraum schlendern sah, war mir klar, dass er mich dort zum ersten Mal wiedersehen würde. Ich habe keinen Zweifel daran, dass Hawke nie über meinen Aufenthaltsort informiert war, aber das kann ich umgekehrt nicht von mir behaupten. Natürlich wusste ich, dass er jetzt bei den Cold Fury spielt, also war ich einigermaßen darauf vorbereitet. Aber nur, weil ich über alles Bescheid weiß, was in der Eishockeywelt vor sich geht. Der Sport ist meine Leidenschaft und war es schon immer, auch weil ich Dave Campbells Tochter bin. Ich interessiere mich sehr für Eishockey und weiß alles über die „Q“, die Western Hockey League und die Ontario Hockey League, und das sind nur die kanadischen Junior Leagues. Darüber hinaus kenne ich alle amerikanischen Junior Leagues und verfolge die NHL mit Argusaugen. Das tue ich nicht nur, weil ich mit Eishockey aufgewachsen bin, sondern weil ich jetzt in diesem Sport arbeiten möchte. Ich habe mich von den Junior Leagues bis hinauf zu den Spitzenmannschaften beworben. Meine Zeit im College-Football war mir kein Anliegen, sie entstand aus einem Mangel an Chancen, aber hier bin ich nun. Ganz oben, einfach durch den einen entscheidenden Anruf meines Vaters bei Brian Brannon, seinem alten College-Kumpel. Schon war ich Mitarbeiterin der Cold Fury.
Es war eine grausame Fügung des Schicksals, dass ich dem Team zur gleichen Zeit beitrat wie Hawke. Genauso wie die Tatsache, dass ich ausgerechnet zu Cold Fury kam – und glauben Sie mir, wenn ich sage, dass ich dringend umziehen musste.
Seufzend schwinge ich die Beine aus dem Bett, schnappe mir mein iPhone und trenne es vom Ladegerät.
Gestern Abend um 21:45 Uhr ist eine SMS von Todd angekommen, und ich zucke leicht zusammen, als ich sie jetzt lese. Habe auf deinen Anruf gewartet. Nehme an, du bist eingeschlafen. Vermisse dich.
Mist. Ich war gestern Abend nach dem Fitnessstudio so am Ende, dass ich völlig vergessen habe, ihn anzurufen. Ich erinnere mich, dass ich geduscht, ein schnelles Sandwich gegessen und mich dann aufs Bett gelegt habe, um ein paar Minuten die Augen zuzumachen.
Ich schicke Todd eine kurze Antwort. Tut mir so leid. Ich war erschöpft. Bin auf dem Weg zum Fitnessstudio, rufe aber später an. Küsschen
Todd wird das verstehen. Das ist einer der Gründe, warum ich ihn so bewundere.
Er versteht mich einfach, und das tun nicht mehr viele Menschen.

„Scheiße, Alter … das tut verdammt weh“, höre ich Kip Sutherland knurren, als Goose ein weiteres Stück Kinesio-Tape von seinem Rücken reißt.
„Nicht meine Schuld, dass du einen haarigen Rücken hast“, sagt der mit einem trockenen Blick.
Ich drehe den Kopf, um die beiden zu betrachten, und ja … Kip hat einen haarigen Rücken. Er ist Verteidiger in der Third Line bei Cold Fury und kam gerade mit Krämpfen im unteren Rückenbereich vom Eis. Goose ist der andere stellvertretende Athletiktrainer. Ich habe keine Ahnung, wie er wirklich heißt, aber es ist ja auch mein erster Arbeitstag, also muss ich noch viel lernen. Sein richtiger Name ist im Moment wohl mein geringstes Problem.
Ich beuge mich wieder über den Laptop vor mir. Er steht auf einem Behandlungstisch. Ich befasse mich mit dem Handbuch für das Cold-Fury-Athletiktrainingsprogramm. Unser Cheftrainer Bruce Duvall hat mir den Laptop gegeben und vorgeschlagen, ich solle mich einfach irgendwo hinsetzen und es lesen. Ich habe kein Büro, und ich vermute, das liegt daran, dass die Cold Fury nicht aktiv nach einem weiteren Trainer gesucht haben, als ich das Stellenangebot erhielt. Bruce sagte, ich könne mir einen Schreibtisch mit Goose teilen, aber ein Blick auf die mit Ordnern und Krankenblättern bedeckte Arbeitsfläche genügte, um zu entscheiden, dass es einfacher sein würde, mich in unserem großen Trainingsraum einzurichten. Das Training läuft schon seit dreißig Minuten, also sind alle Männer – außer Kip mit seinem haarigen Rücken – draußen, und hier drinnen ist es totenstill.
R-a-a-tsch.
„Scheiße“, ächzt Kip. „Wie viele Streifen noch?“
Ich grinse vor mich hin und lese erneut den ersten Absatz des Kapitels mit dem Titel „Medizinische Diagramme“.
„Drei, du Weichei“, sagt Goose lachend. „Dann legen wir dich in ein Eisbad.“
„Ich brauche auch was für meinen Kopf“, klagt Kip.
„Warum? Hast du einen Treffer abbekommen?“, fragt Goose.
„Nein, Kumpel. Ich war gestern Abend nach der Party beim Coach mit ein paar Jungs unterwegs und habe einen Scheißkater. Dieser verdammte Therrien, Mann … er kann saufen wie ein Loch, und ich habe mich fast umgebracht, um mit ihm mitzuhalten.“
Typisch.
Hawke feiert immer noch heftig, aber das entspricht seinem Ruf in der Liga. Hart spielen, hart feiern. Bestimmt hat er sich das sogar irgendwo tätowieren lassen.
Ich zwinge mich, dem Gespräch der beiden nicht weiter zu lauschen, und versuche, den Inhalt des Textes auf dem Bildschirm vor mir aufzunehmen. Neben mir auf dem gepolsterten Tisch mit Vinylbezug liegt ein Notizblock, aber ich habe mir noch nichts aufgeschrieben. Der Stoff ist unkompliziert und entspricht ziemlich genau der Art und Weise, wie die Dinge bei meiner letzten Stelle liefen. Trotzdem will ich sicherstellen, dass ich alles richtig mache, denn ich muss diesen Job unbedingt behalten, und seien wir ehrlich: Man braucht mich hier nicht wirklich, also muss ich auffallen und Goose überstrahlen, um meine Position nicht zu verlieren.
Das Klopfen an der Tür lenkt mich nicht so sehr von meiner Lektüre ab, aber die Stimme, die verkündet: „Hey Mann … ich muss mein Knie bandagieren“ tut es, und ich hebe ruckartig den Kopf.
Hawke steht in voller Montur, jedoch ohne Helm in der offenen Tür, seine Stirn ist schweißnass und sein langes Haar klebt an seinen Schläfen. Er starrt Goose an, und ich nutze den Moment, um mein klopfendes Herz zu beruhigen, das in dem Augenblick zu rasen begann, als ich ihn sah.
Verdammt … warum muss der Mann so verflucht attraktiv sein?
Ich habe ihn erst vor ein paar Stunden in meinem frühmorgendlichen Traum gesehen, und die Erinnerung an das, was wir hatten, verblasst im Vergleich zu ihm höchstpersönlich und aus nächster Nähe. Dunkelbraunes Haar, nach wie vor lang. Es fällt in schweren Locken bis knapp über die Schultern, und seine blauen Augen liegen tief unter dunklen, scharf konturierten Brauen. Das Einzige, was an diesem Mann sieben Jahre später anders ist, ist, dass er jetzt einen Bart trägt. Obwohl die Play-offs noch lange nicht in Sicht sind, gefiel Hawke der Look offenbar und er beschloss, ihn zu behalten. Der Bart ist voll, aber gut gestutzt, dunkel mit ein paar etwas helleren Strähnen darin.
Ich muss sagen … er steht ihm, denn er betont seine hohen Wangenknochen und sein kantiges Kinn.
Hawke ist perfekt, und ich muss ihn einfach anschauen. Er hat mich ohnehin keines Blickes gewürdigt, und obwohl das mit uns schon seit Jahren vorbei ist, kann ich nicht behaupten, dass es unangenehm ist, ihn so anzustarren. Welche Frau, die bei Verstand ist, täte das nicht?
„Das hier dauert noch ein paar Minuten“, sagt Goose gutmütig, während er ein weiteres Stück Klebeband von Kips unterem Rücken abzieht. Kip quittiert das mit einem dramatischen Stöhnen. „Dann muss ich ihn in ein Eisbad legen.“
„Warum kann sie das nicht tun?“, fragt Hawke und sein Blick gleitet träge zu mir herüber.
Ich erstarre und richte mich auf, weil ich mich beim Lesen über den Laptop gebeugt hatte. Mein Herz rast, als ich registriere, dass Hawke mich sehr wohl bemerkt hat.
Er starrt mich mit strahlend blauen Augen an, doch ich kann seinen Blick nicht deuten. Es gab eine Zeit, da konnte er allein mit diesen Augen mit mir kommunizieren. Ich konnte seine Wünsche und Bedürfnisse aus seinem Blick ablesen. Zorn und Liebe. Sorgen und Glück. Ich konnte sogar erkennen, ob er Hunger auf ein Steak oder Hühnchen hatte, wenn er mich ansah.
Jetzt sagt sein Blick mir nichts. Nicht einmal eine Andeutung von Freude über meine Anwesenheit oder gar Neugier auf mich.
Ich frage mich, was er empfindet, denn wir haben uns nicht im Guten getrennt. Tatsächlich haben wir uns unter sehr schlechten Bedingungen getrennt. Ich habe ihn ausgeschlossen und mich geweigert, ihn wissen zu lassen, was ich denke.
Natürlich hatte ich selbst mit Sorgen, Verlust, Schuldgefühlen und Wut zu kämpfen, sodass ich mich damals im Recht gefühlt habe.
Aber jetzt?
Ich bin nicht sicher, ob ich alles richtig gemacht habe, doch ich kann die Vergangenheit nicht ändern. Damals war ich ein Spielball meiner Gefühle und konnte nicht anders handeln.
„Vale liest noch das Handbuch“, antwortet Goose. „Ich kann mich in ein paar Minuten um dich kümmern.“
„Oder sie tut es jetzt“, schlägt Hawke in einem fast herrischen Ton vor. „Ich muss zurück aufs Eis.“
„Wie du willst.“ Goose zuckt die Achseln. „Wenn sie es vermasselt, dann beschwer dich nicht bei mir.“
Ich zucke zusammen und sehe Goose an. Warum sagt das Arschloch so etwas?
„Wenn sie es vermasselt, ist es einzig und allein ihre Schuld“, stellt Hawke klar und ich drehe mich zu ihm um. Er hat ein provozierendes Funkeln in den Augen, und in diesem Moment wird mir klar, dass ich den leeren, desinteressierten Blick, den er mir vorhin zugeworfen hat, viel lieber mochte. Dieser Blick sagt mir, dass er immer noch bittere Gefühle für mich hegt, und das ist eine unnötige Komplikation, die ich in meinem Leben gerade nicht gebrauchen kann.
Seufzend neige ich den Kopf zum Tisch neben dem, auf dem der Laptop steht. „Schlittschuhe, Socken, Schienbeinschoner und Hose ausziehen.“
Hawke stapft auf mich zu, seine Schlittschuhschützer klappern stumpf auf dem Industriefliesenboden. „Tiefschutz auch?“, fragt er ohne eine Spur von Humor.
„Nein“, sage ich kühl. Ich nehme ein Handtuch und werfe es ihm zu, ehe ich mich dem Vorratsschrank zuwende. „Du kannst das über deinen Schoß legen.“
Er ist nur noch einen halben Meter entfernt, als er das Handtuch auffängt und so leise, dass ich es kaum höre, brummt: „Warum? Kennst du einen Schwanz, kennst du alle.“
Ich erstarre mit der Hand am Schrankgriff und eine plötzliche Welle von Sehnsucht und Schwermut überrollt mich. Dazu Wut über das, was wir hatten und was mir noch so frisch aus meinem Traum von ihm und mir und dieser blöden Steinmauer am Sydney River in Erinnerung ist. Ich habe mich in all den Jahren immer gefragt, was wohl passiert wäre, wenn die Dinge nur ein klein wenig anders gelaufen wären, und tue es jetzt erst recht, wo er nur ein paar Meter von mir entfernt steht.
„Vale?“, flüstert Hawke und ich schrecke auf.
Ich öffne den Schrank, hole Tape, Mull und Pflaster heraus und schließe ihn mit der Schulter. Dann drehe ich mich zu ihm um, straffe die Schultern und setze einen neutralen Gesichtsausdruck auf. Ich neige den Kopf in Richtung Tisch. „Lass uns loslegen, Therrien. Ich dachte, du willst zurück aufs Eis?“
Sein Blick huscht zwischen meinen Augen hin und her, an seinem Kiefer zuckt ein Muskel. Er mustert mich, scheint noch etwas sagen zu wollen, aber dann bückt er sich wortlos und schnürt seine Schlittschuhe auf.
Ich atme tief ein und seufze leise.
Das kann ja heiter werden.

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