Tigerlilie
von Ivy Paul

Erschienen: 12/2011

Genre: Historical Romance
Zusätzlich: Dominanz & Unterwerfung, Vanilla

Location: China

Seitenanzahl: 200


Erhältlich als:
paperback & ebook

ISBN:
Print: 978-3-86495-014-8
ebook: 978-3-86495-015-5

Preis:
Print: 14,90 €[D]
ebook: 6,99 €[D]

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Tigerlilie


Inhaltsangabe

Nach dem Tod ihrer Eltern bleibt Anna Drysdale mittellos zurück und so hofft sie auf die Unterstützung ihres Stiefonkels Christopher Drysdale. Dieser stellt sich als attraktiver Halbchinese heraus, der nicht nur reich ist, sondern auch einen denkbar schlechten Ruf hat.
Obwohl Anna sich vom ersten Moment unwiderstehlich von dem dominanten Christopher angezogen fühlt, nimmt sie nur aus gesellschaftlichen Gründen sein Angebot an, gegen Geld seine Gemahlin zu spielen. In Christophers Armen erlebt sie die Erfüllung nie gekannter Sehnsüchte.
Dennoch bleibt ihr Christopher ein Rätsel - nächtliche Besuche von Straßendirnen, Konkubinen und Gerüchte über Opiumschmuggel wecken Annas Zweifel ...

Über die Autorin

Ivy Paul wurde 1975 in der schönen Patrizierstadt Augsburg geboren und lebt dort mit ihrer Familie.
Neben ihrer großen Leidenschaft dem Schreiben begeistert sie sich fürs Seife sieden, dem Anrühren duftender Cremes und der veganen Ernährung. Sie schätzt Whiskey, die...

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Leseprobe

Als der Kutscher endlich vor dem großen Stadthaus im exklusiven Londoner Stadtteil Mayfair hielt, verrauchte Annas Wut allmählich. Erste Zweifel nagten an ihr.
Sie gab dem Droschkenfahrer das Geld, und noch ehe sie es sich anders überlegen konnte, ließ er seine Peitsche knallen und brauste davon.
Anna seufzte und starrte auf das vornehme Gebäude. Es war größer und eleganter als das ihres Stiefvaters. Genau die Art Haus, mit dem ein Mann mit einer Arroganz so groß wie ein Walfisch vor aller Welt mit seinem Reichtum protzen würde.
Die Eingangstür öffnete sich, ohne dass Anna sich bewusst geworden war, dass sie...

...darauf zugelaufen war. Das dunkle, schwarzäugige Gesicht, das sie anstarrte, war ihr vertraut. Long Tian strahlte über beide Backen, als er sie erkannte. „Anna Drysdale, seien große Ehre! Treten ein! Treten ein in nichtswürdige Hütte meines edlen Herrn!“
Anna zögerte, und Long Tian öffnete die Tür ein Stück weiter.
Er winkte. „Kommen, edle Dame! Drysdale-laoye werden haben große Glück, wenn sehen Anna Drysdale!“
Er führte Anna durch die Eingangshalle in den Salon und hieß sie zu warten.
Anna sah sich neugierig um. Der Raum war im Stil der Chinoiserie eingerichtet. Die Wände zierten asiatische Landschaften, Drachen und Gebäude. Auf dem Boden lag ein riesiger Teppich mit filigranem Muster, und Anna wagte nicht, ihn zu betreten, weshalb sie um den Läufer herum zu der eleganten Chaiselongue ging und sich setzte. Sie faltete ihre Hände, legte sie in den Schoß und wartete geduldig, dass Christopher sie empfangen würde.
Die Tür öffnete sich, und eine junge Dienerin trat ein. Sie musste Chinesin sein. Sie tippelte über den Teppich, und wegen ihres Ganges konnte Anna nicht umhin, auf ihre Füße zu starren. Lady Suffolks Bemerkung auf der Soiree kam ihr in den Sinn, wonach man chinesischen Frauen die Füße abschnitt. Das Mädchen besaß eindeutig Füße, wenn sie auch in spitzen Schuhen verborgen waren, deren kunstvolle Stickerei Anna beeindruckte. Ihr Blick wanderte hoch. Das Kleid der Dienerin war ebenfalls fremdartig. Ein gerader Schnitt, zwar körperbetont, doch locker die Figur umspielend und mit einem kurzen Stehkragen.
Das Rot stand dem Mädchen hervorragend und stach von ihrem feinen schwarzen Haar ab. Dichte Strähnen hingen ihr in die rechte Gesichtshälfte, sodass Anna nur die linke Seite erkennen konnte. Ihre Augen waren gesenkt. Sie stellte das Tablett, das sie hereingebracht hatte, auf das kleine Tischchen neben der Chaiselongue und warf sich dann vor Annas Füßen flach auf den Boden.
Einen Moment lang starrte Anna verwirrt auf die liegende Chinesin.
Von der Tür erklang Christophers Stimme.
„Das ist ihre Art, dir ihre Ehrerbietung zu zeigen.“ Er trat in den Raum und redete das Mädchen auf Chinesisch an. Darauf erhob sie sich und verließ mit gesenktem Kopf das Zimmer.
Christopher trug ein asiatisches Gewand. Der glatte, glänzende Stoff ließ Anna vermuten, dass es sich um Seide handelte. Als ihr Stiefonkel näher kam, erkannte sie die feinen Stickereien auf der Kleidung. Seine Füße steckten in weichen Pantoffeln, die so bequem aussahen, dass Anna beinahe ein sehnsüchtiger Seufzer entfuhr.
Sie rief sich zur Ordnung und konzentrierte sich auf Christophers Gesicht. Seine Miene blieb unbewegt, und nicht einmal in seinen Augen war zu lesen, was er dachte.
„Bist du wieder wohlauf?“
Anna blinzelte fragend.
„Du hast Ellesmere Manor so überstürzt verlassen, Eleanor und Lady Sheldon waren in Sorge.“
„Ich konnte nicht bleiben“, erklärte Anna lahm.
„Tee?“
„Oh, ja, sehr gerne.“ Sie streckte ihre Hand nach der Kanne auf dem Tisch vor ihr aus.
„Nein, lass mich das machen.“ Christopher schenkte ihnen beiden Tee ein und reichte Anna ihre Tasse.
Der Tee besaß einen bläulichen Schimmer, und der Geruch, den das Gebräu verströmte, war ihr nicht fremd.
„Grüner Tee?“ Sie sah Christopher an.
Er lächelte dünn und nickte. „Einer der Vorteile, wenn man im Haus eines gelbhäutigen Barbaren bewirtet wird.“ Seine Stimme klang spöttisch.
Anna runzelte die Stirn und ließ ihre Tasse sinken.
„Dein Ton gefällt mir nicht“, entgegnete sie.
Christopher zuckte mit den Schultern.
„Ist es das, was du von dir denkst?“ Er hielt sich für einen heidnischen Barbaren? In Anna keimte Mitgefühl auf. Sie kannte den ton und die Borniertheit einiger seiner Mitglieder. Sie legte ihren Kopf schief und musterte Christopher nachdenklich. Vielleicht war er doch ein netter Mann.
„Du wirst zugeben, dass du nicht hier wärst, wäre ich nicht so reich.“
Diese Unterstellung war ein Schlag in Annas Magengrube. Sie erhob sich mit aller Grazie, die sie aufbringen konnte.
„Ich weiß nicht, was ich mir dachte.“ Ihre Stimme klang so kalt, wie sie sich in diesem Moment fühlte. „Ich habe für eine Weile tatsächlich geglaubt, wir hätten Gemeinsamkeiten.“
Sie machte sich diesmal nicht die Mühe, das Betreten des Teppichs zu vermeiden. Vielleicht hatte der ton recht. Vielleicht war Christopher ein asiatischer Wilder, unfähig, sich britischen Verhaltensweisen anzupassen. Und seinen Ruf hatte er gewiss nicht ohne Grund erhalten.
Sie steuerte zielstrebig auf die Tür zu, wurde aber eines Widerstands gewahr. Etwas zog an ihrem Rock. Sie sah hinunter und erkannte Christophers Hand in den Falten ihres Kleides.
„Lass los“, grollte sie.
Sie zerrte an ihrem Ausgehrock, und als Christopher nicht nachgab, stemmte sie sich mit aller Kraft dagegen.
Das Reißen des Stoffes dröhnte in Annas Ohren. Entsetzt starrte sie auf ihre Hüfte, an der sich die Naht verabschiedete. Das Unterteil fiel einem Wasserfall gleich zu Boden.
Zornig schüttelte Anna die Stoffbahnen ab und stieg aus dem Rock. Sie drehte sich um und sah sich Christopher gegenüber. Seine Arme umschlossen sie. Sie kämpfte gegen seinen Griff an.
„Lass mich gehen!“ Verbissen rang sie nach Freiheit.
„Nicht, bevor du mir gesagt hast, warum du gekommen bist!“ Unerbittlich hielt er Anna fest.
Erregung schoss durch Annas Körper. Zwischen ihren Beinen pochte die Lust in überraschender Heftigkeit.
„Ich wollte das wilde Tier in seinem goldenen Käfig begaffen!“, schnappte sie und versuchte, ihre Gefühle zu überspielen. Sie sah das Glitzern in Christophers Augen und erkannte, dass er sie durchschaute.

Ehe Christopher so recht wusste, was er tat, war er aufgestanden und zog die heftig um sich schlagende Anna in seine Arme. Plötzlich erschien ihm nichts reizvoller, als die kleine Wildkatze zu zähmen.
Christophers Lippen pressten sich auf die ihren. Seine Hände hielten nach wie vor ihre Arme und ihren Oberkörper fest, sodass all ihre Versuche, sich zu befreien, an seiner ihr überlegenen Kraft scheiterten.
„Wage es nicht, mich zu beißen“, flüsterte er an ihrem Mund.
Prompt schlugen sich Annas Zähne in seine Unterlippe.
Christopher zuckte zurück. Der Schmerz sauste bis in seinen Hinterkopf, und auf seiner Zunge schmeckte er Blut. Annas Blick war wild, und ihr Brustkorb hob und senkte sich hektisch.
Christopher leckte sich über seine Lippen, und Annas Augen weiteten sich. Er genoss die Furcht und die Ungewissheit in ihrem Gesicht, die ihm verrieten, dass sie sich gegen Bestrafung und Schmerz wappnete.
Er lächelte Anna an, und ihre Reaktion erzählte ihm, dass sie sich auf das Schlimmste vorbereitete. Einen kurzen Augenblick lang dachte er daran, sie hier, im Salon auf dem Teppich, zu nehmen. Doch er entschied, dass sie für ihren aggressiven Angriff auf ihn ein paar Schreckmomente mehr verdient hatte.
Er packte sie, warf sie über seine Schulter und stiefelte mit wilder Entschlossenheit in den Gang und die Treppe hinauf.
Anna schrie gellend.

Anna zappelte vergeblich auf Christophers Schulter. Ihn zu beißen war die natürliche Reaktion auf seine Arroganz zu glauben, sie mit männlicher Kraft beeindrucken zu können. Tatsächlich schüchterte seine Dominanz sie nicht ein. Im Gegenteil, heiße Lust mischte sich in ihren Zorn, und je mehr sie sich wehrte und je weniger Erfolg sie hatte, umso erregter wurde sie. Und genau diese Reaktion führte absurderweise dazu, dass sie vehementer gegen Christopher ankämpfte. Sie beabsichtigte zu gehen, zurück in die Sicherheit des elterlichen Hauses, und zu vergessen, was sie in diesen Minuten im Salon mit Christopher über sich herausgefunden hatte. Dass es sie mit Lust erfüllte, wenn er sie festhielt, seinen Körper nur umso fester an sie presste, je mehr sie aufbegehrte. So als fühlte er, dass es sie genau danach verlangte.
Sie wollte nicht erfahren, was passieren würde, wenn Christopher sie dorthin verfrachtet hatte, wo er sie offensichtlich zu haben begehrte.
Sie wünschte sich ihre Unwissenheit zurück. Seine Hand lag auf ihrem Po, und der feste Griff war ihr nicht unangenehm, wie sie mit Scham erkannte. Die Hitze zwischen ihren Schenkeln brannte förmlich auf ihrer Haut.
Sie kämpfte erneut gegen Christopher an, wand sich und zappelte. Trommelte auf seinen Rücken und begann schließlich zu kreischen.
Ungerührt stieg Christopher die Treppen hinauf.
„Sei ruhig, Anna, niemand wird dir helfen.“
„Oh“, fauchte sie erbost. „Long Tian mag mich. Er lässt nicht zu, dass du mir Gewalt antust!“
Christopher schob sie sich in eine sichere Stellung zurecht, ohne seine Schritte zu verlangsamen. „Long Tian ist mein Diener. Er wird gar nichts tun!“
„Dann deine Dienerin!“, knirschte Anna.
„Willst du das wirklich? Ich kann deine Lust riechen!“
Anna keuchte empört. Das war nicht sein Ernst, oder? Die Hitze in ihrem Kopf verstärkte sich. Konnte man das tatsächlich riechen?
Sie wollte Christopher nicht die Genugtuung geben, recht zu behalten, und so schrie sie aus vollem Halse nach Long Tian. Sie kreischte noch immer, als Christopher sie in seinem Schlafgemach auf sein Bett warf. Anna keuchte und rang nach Luft. Einen Moment drehte sich alles in ihrem Kopf, und das Blut rauschte in ihren Ohren.
Diese Gelegenheit nutzte Christopher aus und verschloss die Zimmertür.
Er zog den Schlüssel ab.
Anna stürzte sich auf ihn. Er wehrte sie lachend ab und ging zum Fenster. Noch bevor Anna seinen Arm packen konnte, ließ er den Schlüssel hinausfallen.
Fassungslos starrte sie ihn an.
„Was hast du getan?“
Er grinste diabolisch und näherte sich Anna einen Schritt. Sie wich um dieselbe Distanz zurück und beobachtete ihn mit der Faszination eines Kaninchens, das von einer Kobra hypnotisiert wurde.
Christopher knöpfte sein Oberteil auf. Anna hatte noch nie einen nackten Oberkörper bei Tageslicht gesehen, und Christophers war jeden Blickes wert. Muskelstränge modellierten den Brustkorb und zogen sich waschbrettartig über die Bauchdecke fort. Breite Schultern und durchtrainierte Arme bezeugten, dass Anna körperlich nie den Hauch einer Chance gegen ihn haben würde.
Anna wich einen weiteren Schritt zurück.
„Ich werde schreien“, versprach sie ihm mit wilder Entschlossenheit.
Christopher nickte. „Auf jeden Fall!“ Das amüsierte Zucken um seine Lippen passte so gar nicht zu der bedrohlichen Aussage.
Anna räusperte sich.
Christopher näherte sich ihr mit der Langsamkeit einer jagenden Raubkatze. Seine Finger öffneten den Verschluss seiner Hose, die auf seine Knöchel hinabrutschte. Er schüttelte Hosenbeine und Schuhe ab.
„Ich werde mich wehren!“ Anna biss sich auf die Lippen.
„Oh, darauf hoffe ich.“ Christophers Stimme klang verführerisch-lockend. „Glaubst du, ich habe nicht gemerkt, wie du mich ansiehst, wenn du meinst, ich merke es nicht? In dir wütet die Begierde.“
Anna stieß gegen die Bettkante. Sie schluckte nervös. Ihr innerer Aufruhr erreichte seinen Höhepunkt. Sie war sich nicht sicher, ob sie nicht jeden Moment in Ohnmacht fallen würde. Aber da gab es dieses Brennen, diese Hitze, die durch ihren Körper wallte und ihr das Gefühl gab, lebendiger zu sein als jemals zuvor. In Christophers Augen blitzte die Lust. „Ich weiß, wie sehr es dich erregt, mir ausgeliefert zu sein. Wie dich die Leidenschaft erfüllt, wenn ich dich beherrsche. Deine Lust wecke, deine Begierde zum Kochen bringe.“
Christopher kam näher, und Anna war gefangen zwischen ihm und dem Bett. Sie warf sich herum und versuchte, über die Matratze zu krabbeln. Doch er packte sie an den Beinen und zog sie zu sich. Sie fiel in die Kissen, hörte das Reißen von Stoff und fühlte einen Luftzug über ihre Rückseite streichen.
Dann hockte Christopher über ihr. Er entfernte die Überreste ihrer Kleider mühelos, obwohl Anna sich verbissen wehrte. Schließlich drehte er sie auf den Rücken und betrachtete ihren nackten Körper.
Sein forschender Blick lähmte Anna. Er musterte sie mit derselben Intensität, die seine ganze Persönlichkeit ausmachte - so intensiv als berührten seine Hände ihre Haut. Überall, wo sein Blick sie traf, kribbelte ihre Haut.Das Blut pochte in ihren Wangenknochen und in ihrer Vulva. Unter seiner Betrachtung richteten sich ihre Brustwarzen auf.
Ein Lächeln flog über sein Gesicht, und Anna erinnerte sich, dass sie ihm Widerstand angedroht hatte.