Sweet Sins: Arie der Unterwerfung
von Ivy Paul

Erschienen: 12/2014
Serie: Sweet Sins
Teil der Serie: 1

Genre: Soft-SM / BDSM

Location: Australien

Seitenanzahl: 328

Buchtrailer: Ansehen

Erhältlich als:
paperback & ebook

ISBN:
Print: 978-3-86495-090-2
ebook: 978-3-86495-091-9

Preis:
Print: 12,90 €[D]
ebook: 6,99 €[D]

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Sweet Sins: Arie der Unterwerfung


Inhaltsangabe

Sweet Sins - die Agentur, die erotische Träume wahr werden lässt ...
Die Erotik-Agentur "Sweet Sins" von Renee Maurice bringt anspruchsvolle Menschen zusammen, die ihre geheimsten erotischen Fantasien ausleben wollen. Aus diesem Grund wird die Opernsängerin Kristin Manzetti, der das Image der jungfräulichen Kindfrau anhaftet, Klientin der Agentur. Sie wird an den ebenso attraktiven wie dominanten David vermittelt, der ihre devote Seite, die Kristin unterdrückt hat, fördert und Kristins Unterwerfung fordert.
Kristin hat keine Ahnung, um wen es sich bei ihrem dominanten Verführer handelt: Es ist niemand anderer als der undisziplinierte Rockstar David Larkin.
Fasziniert von der spröden Schönheit Kristins und entschlossen, ihre Grenzen auszuloten, verführt David Kristin zu SM-Spielen. Kristin kann sich im Schutz der Anonymität hingeben.
Doch dann müssen die beiden unerwartet zusammenarbeiten, und ein Reporter erfährt von dem Arrangement mit der Erotik-Agentur …

Über die Autorin

Ivy Paul wurde 1975 in der schönen Patrizierstadt Augsburg geboren und lebt dort mit ihrer Familie.
Neben ihrer großen Leidenschaft dem Schreiben begeistert sie sich fürs Seife sieden, dem Anrühren duftender Cremes und der veganen Ernährung. Sie schätzt Whiskey, die...

Weitere Teile der Sweet Sins Serie

Leseprobe

Kristins Wohnung war eine großzügige Maisonette in Sydneys bester Gegend.
Im Flur ließ sie ihre Schlüssel in eine Bambusschale fallen und glitt mit einem erleichterten Seufzen aus ihren Pumps, ehe sie ihre Handtasche an die Garderobe hängte. Sie liebte das extravagante Teil, das aus einem krummen, glatt polierten und geölten Ast bestand, der statt Haken kleine Aufhänger besaß.
Ein Blick in den Flurspiegel zeigte eine blasse, erschöpft wirkende Frau. Sie verzog das Gesicht. Am liebsten hätte sie sich sofort aufs Sofa gelegt und nichts anderes getan, als in den Fernseher zu starren. Doch sie wusste, dass die kommenden Tage mit...

...den Proben und den Auftritten anstrengend sein würden, also griff sie nach dem Telefon und bestellte sich ein Dinner bei ihrem bevorzugten Lieferservice, obwohl sie keinen Hunger hatte.
Dann lief sie barfuß in ihr Schlafzimmer, schlüpfte aus ihrem Kleid und freute sich über den Luxus, es einfach an Ort und Stelle liegen zu lassen, bevor sie in ihr Bad ging. Die Glätte und Kühle der braunen Fliesen fühlten sich wohltuend an ihren Fußsohlen an. Sie löste ihre Haarklammern, fuhr mit gespreizten Fingern über ihre Kopfhaut und genoss die Entspannung, die sie durchrieselte. Kristin stieg unter den Wasserstrahl, ließ ihn auf ihren Kopf prasseln und schäumte sich ihr Haar mit Minze-Lemongras-Shampoo ein. Der frische Duft weckte ihre Lebensgeister und als sie wenig später aus der begehbaren Dusche kam, hatte sie die Ereignisse des Tages hinter sich gelassen.

Mit einem Tablett, auf dem sie die Köstlichkeiten aus dem Deli in das Wohnzimmer trug, ließ Kristin sich auf dem Sofa nieder. Umgarnt von den Klängen der dramatischen Oper „Tosca“ aß sie die bestellten Gerichte. Sie tauchte eben den Löffel in die Mousse au Chocolat, als das Telefon klingelte.
„Mum“, begrüßte Kristin die Anruferin.
Eine halbe Stunde später legte Kristin auf und sank wie ein Ballon, dem langsam die Luft entwich, in die Sofakissen zurück. Sie starrte aus dem Panoramafenster, ohne den Sonnenuntergang wahrzunehmen. Sie rieb sich die Schläfen. Ihre Mutter meinte es nur gut, sie hatte Geld und Engagement investiert, um Kristin ihren Traum zu erfüllen, und Kristin hatte hart dafür gearbeitet, um ihre Ziele zu erreichen. Verständlich, dass ihre Mutter großen Anteil an Kristins Belangen nahm. Doch die Vorhaltungen, das Crossover-Konzert ruiniere ihren Ruf, waren Unsinn. Kristin konnte mehr als Arien und klassische Stücke interpretieren. Es war der Wunsch ihrer Mutter, sich ausschließlich auf die Klassik zu stützen. Die Klassik bot ihr ein solides Fundament, doch die anderen Sparten der Musik waren nicht weniger reizvoll, das hatte ihr Erik mehrmals versichert. Nur weil sie ein Mal auf einem Crossover-Konzert sang, hieß das nicht, dass sie nie wieder eine Oper singen dürfte, ihre Stimme oder ihren Ruf der Lächerlichkeit preisgab oder irgendwelche sonstigen Nachteile zu fürchten hätte.
Kristin nahm einen Löffel von der Mousse au Chocolat. Das Dessert war perfekt, luftig, vollmundig im Geschmack und doch schmeckte es wie Stroh. Angewidert legte sie den Löffel fort. Im Fernseher spiegelte sich eine gestresst wirkende Frau im weißen Seidenmorgenmantel. Sie mochte diese Person nicht. Ihr Blick fiel auf die Kuckucksuhr. Ein Mitbringsel aus der Schweiz. Zu jeder vollen Stunde sprang ein Kuckuck wie ein Kastenteufel aus einem Türchen und schrie sich die Seele aus der hölzernen Brust.
Das Taxi käme in wenigen Minuten. Bis zu diesem Moment hatte sie nicht einen Gedanken daran verschwendet, David zu besuchen.
Dumm, schalt sie sich. Der Sex mit David war großartig. Warum sollte sie nicht zu ihm gehen? Gerade jetzt verspürte sie das drängende Verlangen, sich an ihn zu verlieren. Zu vergessen, sich Master Davids Lust zu unterwerfen, gefesselt und gezwungen zu Schmerz und Erfüllung. Die Begierde breitete sich warm und schmeichelnd in ihrem Unterleib aus, kroch ihre Wirbelsäule hinauf und hinab zu ihren Schamlippen, wo die Wärme prickelte wie eine Zunge, nachdem sie Brause aufgeleckt hatte.
Kristin zitterte und als sie die Augen schloss, erinnerte sie sich an die festen, dominanten Berührungen, das Selbstbewusstsein, die Stärke, die David ihr vermittelt hatte, das Gefühl, aufgefangen zu werden. Sie schlang ihre Arme um ihren Oberkörper. Es war nicht genug. Sie brauchte den Schmerz, die Hilflosigkeit, die David ihr geben konnte. Die Sicherheit, die darin lag, sich fallen zu lassen. Sich vollständig hinzugeben und für den Augenblick die komplette Selbstaufgabe zu genießen.
Trotz der Verlockungen, die diese Spiele von Dominanz und Unterwerfung, von Schmerz und Lust versprachen, zögerte Kristin.
Vielleicht war sie nicht interessant genug für die Presse, aber David Larkin, der Rocksänger, wäre gewiss von Paparazzi belagert. Damit geriet sie unweigerlich auf die Titelseite jedes existierenden Schundblattes. Was sie damit bei ihrer Mutter auslöste, wusste Kristin ganz genau. Sich mit einem übel beleumdeten Mann, einem Rocker obendrein, einzulassen, war indiskutabel für ihre Mutter.
Sie durfte nicht zulassen, dass ihre Mum sich aufregte. Der Arzt hatte sie ausdrücklich davor gewarnt. Kristin seufzte, um im nächsten Moment rau aufzulachen. Ihre Mutter nahm sogar Tausende Kilometer entfernt Einfluss auf ihr Leben.
Frustriert, zornig und schuldbewusst zugleich, griff sie nach ihrem Handy. Bereits nach dem ersten Klingeln nahm David ab.
„Ich werde nicht kommen!“, blaffte sie in den Hörer und legte auf.
Sekunden später rief David sie zurück. Kristin ging an das Mobiltelefon.
„Ich habe dich nicht verstanden“, erklärte David ruhig.
„Dein Haus wird bestimmt von Paparazzi belagert. Ich kann und will nicht dabei ertappt werden, wie ich dich besuche“, antwortete Kristin ungeduldig.
„Offiziell wohne ich im Hotel. Inoffiziell in einer Penthouse-Wohnung im Herzen Sydneys. Die Adresse, zu der dich der Taxifahrer bringen wird, ist ein wenig außerhalb des Stadtkerns. Niemand lauert im Gebüsch, um dich zu knipsen“, versuchte er Kristin zu beruhigen. „Ich verspreche es dir.“
Kristin zögerte.
„Ich erwarte dich pünktlich.“ Davids Stimme klang neutral und dennoch spürte Kristin seine Anspannung.
„Mal sehen.“ Sie legte auf.
Noch immer fühlte Kristin sich hin- und hergerissen. Wenn ihre Geschäftsbeziehung zu Sweet Sins und ihre spezielle Neigung herauskäme, die sie zu David geführt hatte, wäre die Schlagzeile perfekt. Die Boulevardpresse liebte Derartiges! Zwar waren seit diesen SM-Schmonzetten alle etwas relaxter, was BDSM betraf, doch es war letztendlich nur eine Sache der Interpretation und am Klischee der Stiefel leckenden Lustsklaven bedienten sich die Medien, wenn es ihnen zugutekam. Und die kultivierte Opernsängerin, die sich auf den verruchten Bad Guy einließ, war sowieso einen Artikel in der Klatschspalte wert.
Sie vergrub ihr Gesicht in den Händen. Trotzdem würde sie zu David gehen und seinem Spiel nachgeben. Nicht aus einem Zwang heraus, sondern weil sie das drängende Bedürfnis nach Freiheit verspürte, das ihr dieses Tun verhieß. Weil es ihr Leben war, weil sie endlich unabhängig darüber bestimmen wollte. Obendrein bürgte Sweet Sins für die Diskretion der Klienten. Die Agentur gab es nun schon seit zehn Jahren und noch nie war auch nur ein Wort an die Öffentlichkeit gedrungen!
Kristin rieb sich über das Gesicht und sprang auf. Sie würde bis nach der Abschlussparty jede verdammte Sekunde genießen!
Sie sah erneut auf die Uhr. Sie hatte mittlerweile die ganze Zeit vertrödelt. Sie warf den Morgenmantel auf das Sofa, schlüpfte in ihren schwarzen Regentrenchcoat und in rote High Heels. Zum Nachdenken blieb keine Zeit mehr, denn kaum hatte sie roten Lippenstift aufgetragen, hupte bereits das Taxi.
Als sie Minuten später in den Wagen stieg, begannen ihre Knie auf einmal zu zittern und ihre Handflächen waren schweißnass. Sie wischte sie unauffällig an den Sitzpolstern ab.
In der Fahrerkabine roch es nach Käse, Tomaten und Kräutern. Als Kristin sich vorbeugte, sah sie, dass auf dem Beifahrersitz ein offener Pizzakarton lag. Eine dampfende Pizza mit Schinken und Pilzen ruhte darin und lockte sie mit seltenem Genuss. Kristin schluckte.
Der Fahrer schien ihren sehnsüchtigen Blick zu bemerken und reichte ihr ein Stück der fettigen, duftenden Pizza. Kristin schüttelte den Kopf. Fast Food war tabu. Eine der Regeln, die ihre Mutter aufgestellt hatte und die Kristin all die Jahre befolgt hatte, auch weil sie wusste, dass ihre Mutter recht damit hatte, Fast Food zu meiden.
Sie lächelte dem Taxifahrer zu. „Ich habe gerade gegessen“, erwiderte sie.
Der Mann zuckte mit den Schultern und schob sich die Hälfte des Pizzastücks in den Mund, ehe er den Wagen startete.
„Wohin fahren wir?“, erkundigte sich Kristin, als der Taxifahrer eine Weile gefahren war.
„Soll eine Überraschung sein“, erklärte er kauend.
Ein ungutes Magengrummeln machte sich bemerkbar. Worauf hatte sie sich nur eingelassen? Wenn David sie in einen Käfig sperren wollte? Wer sagte, dass er auf eigenem Terrain nicht den perversen Irren gab?
Kristin ballte ihre Hände zu Fäusten. Ihr wurde übel vor Angst. Sie wickelte sich enger in ihren Mantel und sah aus dem Autofenster, während sie versuchte, sich die Gegend einzuprägen, durch die sie fuhren. Es war Unsinn, auf einmal ängstlich und misstrauisch zu sein. Sie hatte ein ganzes Wochenende mit David verbracht. Er kannte seine Stärke, seine Grenzen und wusste Kristins Tabus einzuhalten. Er würde ihr nichts antun, das sie nicht auch wollte.
„Ist ’ne gute Gegend, in die wir fahren“, beruhigte der Fahrer sie und Kristin sah, dass er sie durch den Rückspiegel beobachtete.
Sie lächelte und der winzige Spiegelausschnitt zeigte ihr die besorgte Miene, die sie zur Schau trug.
„Doch ein Stück Pizza?“, erkundigte er sich. „Nervennahrung.“
Kristin verneinte und lächelte. „ Ich mag nur keine Überraschungen“, behauptete sie und kämpfte für den Bruchteil einer Sekunde mit sich, mit dem Mann zu plaudern. Doch dann entschied sie sich dagegen. Da konnte sie ebenso gut bei den Klatschreportern anrufen und ein umfassendes Geständnis ablegen. Taxifahrer und verärgerte Angestellte waren dankbare Informanten der Schundblätter und obendrein Talente, um Sandkörner zu Wolkenkratzern aufzutürmen.
Kristin starrte erneut aus dem Fenster. Es wurde grüner und ruhiger. Sie gelangten in eine der Sydneyer Villengegenden. Bestimmt hatten sie ihr Ziel bald erreicht. Kristin strich sich nervös über den Trenchcoat und zupfte ihn zurecht. Sie öffnete ihren Mund, um den Taxifahrer zu bitten, sie doch nach Hause zurückzufahren, da bog dieser auf ein vornehmes Grundstück ein.
„Wir sind da, Miss“, verkündete er fast stolz.
Das Haus war einer jener Prachtbauten, denen man den Reichtum bis zur Unanständigkeit von Weitem ansah. Rund um das weitläufige Anwesen waren große Hecken als Sichtschutz gepflanzt worden. Im hinteren Teil konnte Kristin einen Swimmingpool erkennen.
Der Taxifahrer hielt vor der Eingangstreppe und ließ Kristin aussteigen. Kaum hatte sie die Tür zugeschlagen, brauste er davon, als hätte er Angst, sie könnte ihn wegen Entführung anzeigen.
Ihr Herz hämmerte wie wild und ihre Knie zitterten. Sie wusste nicht, ob es klug war, Davids Einladung in sein Haus zu folgen. Vielleicht tat sie etwas unglaublich Dummes, indem sie zu ihm ging. Die Agentur sah vor, dass die Klienten sich ausschließlich in den Örtlichkeiten der Agentur trafen.
Dummerweise spürte Kristin, verschüttet unter ihrer Aufregung und Angst, auch noch Begierde. Als sie sich dessen gewahr wurde, erinnerte sie sich wieder an die Gefühle, die David in ihr hervorzurufen verstand.
„Willst du hier draußen herumstehen oder wagst du dich hinein?“, spottete David freundlich, als er in der offenen Tür erschien.
Einen irrwitzigen Moment lang hatte sie erwartet, er würde sie ebenso nackt empfangen, wie sie zu kommen gezwungen war, doch zu ihrer Erleichterung war er bekleidet. Das weite Hemd war bis zur Brustmitte aufgeknöpft und gewährte Einblicke auf seine sonnengebräunte Brust. Die schwarze Hose aus einem dünnen Stoff wirkte ebenfalls weich und bequem.
Kristins Füße bewegten sich ohne ihr Zutun in seine Richtung. Als ihr das bewusst wurde, hielt sie inne. „Ist es mir denn erlaubt, hereinzukommen?“, fragte sie schnippisch.
David lachte und streckte ihr einladend die Hand entgegen. „Komm herein, Kristin, du bist meine Sub, nicht meine Sklavin“, gab er zurück.
Verwirrt ging sie zu ihm und legte ihre Hand in die seine. Seine Handfläche, vor allem die Fingerkuppen, fühlten sich rau an.
„Die Gitarre ist schuld“, erklärte er und seine grünen Augen funkelten verschmitzt.
„Warum wundert mich das nicht?“, meinte Kristin, froh, dass sie ein Gesprächsthema abseits der Sex-Sache gefunden hatte.
„Rock ’n’ Roll und Gitarre passen einfach gut zusammen“, ging David bereitwillig auf das Thema ein.
„Wie lange spielst du schon?“, wollte sie wissen, während David sie in die Eingangshalle brachte. Der Boden bestand aus silbergrauem Marmor und dazu passenden grau gestrichenen Wänden. Geschickt platzierte Dekogegenstände in Rot bildeten lebendige Farbkleckse. Rechts und links führten weiße Holztreppen nach oben und im ersten Stock gab es eine Galerie. Hinter den Treppen entdeckte Kristin Türen, die in weitere Räume oder Gänge führen mussten. Außerdem stand dort ein Servierwagen mit Sektkübel, Gläsern und einer Schale Erdbeeren.
David riss Kristin aus der Betrachtung ihrer Umgebung. „Gitarre?“, vergewisserte er sich, ehe er überlegte. „Fünfzehn Jahre, aber ich bin nicht wirklich gut. Es reicht, um ein wenig herumzuzupfen, mehr auch nicht. Ich singe lieber, das ist meine Stärke.“
Er trat hinter sie. „Zieh deinen Mantel aus“, forderte er sie auf.
Kristin versteifte sich. Sie schlang ihre Arme um ihren Körper und warf einen Blick über ihre Schulter. David sah sie streng an.
Seine Hände legten sich auf ihre Hüften und sein Atem strich über ihre Ohrmuschel, als er sich über sie beugte. „Meine Sub zu sein bedeutet, dass du dich mir voll und ganz unterwirfst. Du wirst mit deiner Lust und deinem Verlangen mir gehören und ich allein bestimme, ob, wann und wie du Erfüllung erlangst.“
Tränen schossen ihr in die Augen. Sie versuchte, sie zurückzuhalten, doch die Flut war nicht zu dämmen. David zwang sie mit einem Griff an ihre Schultern, sich zu ihm zu drehen, und sah sie an. Ohne ein weiteres Wort zu verlieren, zog er sie an seinen Brustkorb und umarmte sie fest. Schweigend hielt er sie im Arm. Nach dem ersten Überraschungsmoment sank sie an seine Brust, hinein in seine Umarmung.
Das Weinen und Schluchzen wollte nicht enden, Träne um Träne kullerte aus ihren Augen und nässte Davids Hemd merklich ein. Seine Arme umschlangen ihren Oberkörper und sie folgte ihm blind, als er sich rückwärts bewegte und setzte.
Kristin blickte nicht auf, ließ sich von ihm führen und auf seinen Schoß ziehen. Sie verstand nicht, warum sie auf einmal so abgrundtief traurig, haltlos und ängstlich war. Ihr war, als hätte sie sich von einem Hochhaus gestürzt und nun fiel und fiel und fiel sie. Immer tiefer und der Abgrund kam einfach nicht in Sichtweite.
Je länger David sie nur im Arm hielt, ohne zu sprechen, ohne sie in irgendeiner Weise zu bedrängen, umso sicherer fühlte sie sich. Auf einmal schien ihr, als wäre David der Panzer, der sie ummantelte und schützte. Sie spürte, wie sich der Boden näherte, wusste, dass sie jeden Moment aufschlug, doch sie hatte keine Furcht, denn David zog sie enger an sich. So nah, dass sie sein Brustwarzenpiercing an ihrem Busen spürte. Seine Körperwärme drang durch ihre Haut bis zu ihrer Seele vor.
Sie merkte, wie ihr Zittern nachließ, wie Angst und Traurigkeit, diese unerklärliche Verzweiflung kleiner und kleiner wurden, bis sie im Nichts verpufften.
Eine Weile genoss sie die Entspannung und emotionale Wärme, die ihr David bescherte, dann schob sie ihn von sich.
Er musterte sie besorgt und aufmerksam.
Verlegen stand Kristin auf. David blieb auf der Treppe sitzen und wollte keine Anstalten machen, sich zu erheben.
„Fühlst du dich besser?“, fragte er und blickte sie forschend an.
Sie nickte und hob ihre Schultern. Eigentlich hatte sie keine Lust über Dinge zu reden, die sie nicht erklären konnte.
„Was hat dich so aus der Fassung gebracht?“, wollte er wissen.
Kristin schenkte ihm ein Lächeln und zuckte erneut mit den Schultern. „Ich weiß es nicht“, erwiderte sie.
David erhob sich, legte seine Hand auf ihre Wange und strich mit seinem Daumen über ihren Wangenknochen. „Du bist eine so schöne, zarte Frau“, murmelte er. Faszination und Fürsorge lagen in seinem Blick. „Geht es dir jetzt wieder besser?“
„Ja, das war nur ein kleiner Zusammenbruch. Die letzten Wochen waren ein wenig zu aufreibend“, erklärte Kristin und horchte in sich hinein. Egal, was in ihr gegärt hatte, nun fühlte sie sich besser. In ihr herrschte immer noch Chaos, aber sie wollte alles, nur nicht in ihre Wohnung zurück.
„Willst du nach Hause?“, wollte David wissen, so als ahnte er ihre Überlegungen.
„Nein, natürlich nicht“, wehrte Kristin ab.
David fasste ihr Kinn, trat näher und hob ihren Kopf an, ehe er sie auf ihren Mund küsste. Ein süßer, sanfter Kuss, den er behutsam intensivierte. Er berührte sie ansonsten nicht, nur ihre Lippen lagen aufeinander, öffneten sich und dann fanden ihre Zungen sich, um sich liebkosend, streichelnd zu umgarnen. Die Sanftheit dieser Berührungen war betörend, trug die Süße, den Geist der Unendlichkeit in sich und fand doch ein viel zu schnelles Ende.
Leidenschaft stieg in Kristin auf und vielleicht war es genau diese Zärtlichkeit, die sie verführte und den Appetit nach mehr schürte. Den Hunger nach Stärke und Dominanz, in die sie sich fallen lassen konnte. Sie versuchte, dagegen anzukämpfen, doch es hatte keinen Sinn. Sie hatte von der erregenden Macht der Hingabe und der Qual hinreichend gekostet und nun konnte sie nicht aufhören, davon zu träumen, sich danach zu sehnen, von einem Mann genommen und unterworfen zu werden.
Pervers!, höhnte ein Stimmchen in ihrem Kopf. Sie war abartig. Sex, Schmerz, Lust und Unterwerfung gehörten so wenig zusammen wie Feuer und Eis.
„Hab keine Angst, Eisprinzessin!“, raunte David, als ahnte er ihre Gedankengänge. „Es gibt kein richtig oder falsch. Du gehorchst einfach meinen Befehlen. “
Ihr wurde plötzlich klar, dass sie alle Entscheidungen in Davids Hände gab und frei von Schuld und Selbstvorwürfen war. Sie schluckte, holte tief Luft und ließ das Zittern zu, das durch ihren Körper lief.
David nahm ihre Hand. „Ich zeige dir erst einmal das Haus“, entschied er. Er führte sie in den Raum hinter dem rechten Treppenaufgang.
„Das Wohnzimmer für Besucher“, erklärte er und ging voraus durch eine Tür, die in einen Gang hinausführte. Einige Türen waren an der vertäfelten Wand verteilt, doch David ging zielstrebig auf eine der hinteren Türen zu und betrat das Zimmer, das dahinter lag.
„Das private Wohnzimmer“, verkündete er.
Die Wände besaßen beige-golden gestreifte Tapeten, zu denen der dicke, dunkelbraune Teppich ebenso wie die dunkel gehaltenen Möbel wunderbar passten. Neben der Sofalandschaft stand ein viktorianisch anmutender Globus, in dessen Bauch sich garantiert eine Alkoholsammlung verbarg. Gegenüber des Sofas stand ein eigentümlicher Stuhl mit sehr hoher, schmaler Lehne und einer Sitzfläche, die ein Dreieck bildete.
Kristin musste daran denken, wie verletzlich und ungeschützt sie sich fühlen würde, sollte David sie zwingen, nackt, wie sie war, darauf Platz zu nehmen. Dann ging ihr auf, wie ausgefallen dieses Möbelstück in dieser gediegenen Umgebung wirkte.
„Was ist das für ein Stuhl?“, wollte sie wissen.
David musterte sie interessiert. „Ein Sklavenstuhl.“ Seine Mundwinkel zuckten amüsiert. „Möchtest du ihn ausprobieren?“, bot er ihr an.
Kristins Innerstes geriet in Aufruhr. Sie schlang erneut ihre Arme fest um sich und schüttelte den Kopf. Ihren Wangen brannten. Widerwillig nahm sie das Pochen in ihrer Pussy wahr.
David umarmte sie, zog sie eng an sich und als sie sich gegen ihn stemmen wollte, verstärkte er den Griff. Es gab für sie kein Entkommen aus der Umklammerung. Davids Atem wehte in ihr Haar und wirkte auf eine seltsame Art tröstlich auf sie. Zögernd sank sie gegen ihn. Sein Hemd roch nach Weichspüler und mischte sich mit seinem Aftershave zu einer anregenden Duftmischung. Kristin vergrub ihr Gesicht in seinem Hemd, nahm Davids persönlichen Geruch, seinen Herzschlag wahr und genoss den Moment der Zärtlichkeit in seinen Armen. Seine Muskeln spannten sich an und ein lustvoller Schauer rieselte über ihren Rücken, als sie seiner Stärke gewahr wurde. Ihr Herzschlag beschleunigte sich. David schob sie von sich, nicht ohne ihr liebevoll über das Gesicht zu streicheln und sie forschend zu mustern.
Kristin befreite sich aus seiner Umarmung und David setzte seine Hausbesichtigung fort.

„Dort ist der Gästetrakt und die Hauswirtschaftsräume“, erzählte David.
Kristin nickte stumm. Langsam fragte sie sich, was er damit bezweckte. Er hatte sie durch das Erdgeschoss der Villa geführt, ihr die Privaträume der Hausbewohner präsentiert und sie wie zufällig vor SM-Spielzeugen oder speziellen Möbelstücken platziert, damit sie auch sicher darauf aufmerksam wurde.
Auf jeden Fall hatte dieses Vorzeigen und Taxieren ihrer Reaktionen dafür gesorgt, dass sie ihre Scheu verlor. Sie überlegte, ob er nichts weiter vorhatte, als sie mit seinem BDSM-Haus vertraut zu machen.
„Das Anwesen gehört dir?“, vergewisserte Kristin sich.
Der Servierwagen stand immer noch in der Halle. David deutete auf das Tablett, auf dem sich ein Sektkübel und eine Schale Erdbeeren befanden.
„Ein Glas Champagner?“ David wartete nicht auf Kristins Antwort, sondern drückte ihr ein gefülltes Glas in die Hand.
Das Getränk schwappte hin und her und die Kohlensäurebläschen wirbelten herum. Kristin zögerte und leerte das Glas in einem Zug. Sie fragte sich, was David als Nächstes vorhaben mochte.
Offensichtlich hatte er nicht vor, an Ort und Stelle über sie herzufallen. Während der Hausführung hatte er sich rücksichtvoll und gentlemanlike benommen, wenigstens für seine Verhältnisse. Sie schluckte und umklammerte das Glas, bis David es ihr aus der Hand nahm. Er stellte es auf dem Beistellwagen ab.
David beugte sich über sie und strich mit seinen Lippen über ihre.
Seine rechte Hand legte sich auf ihre Wange und ruhte dort, während sein Mund sie streichelte. Es war Kristin, die nach mehr Berührung, mehr Nähe verlangte. Instinktiv erkannte sie in David nicht nur den Master, der Herr über ihre Lust und ihren Schmerz war, sondern einen Mann, der sie auffing, wenn sie fiel, der sie stützte, wenn sie schwankte. Sie schmiegte ihren Körper an ihn, seine Hand glitt von ihrer Wange in ihren Nacken, vergrub sich im Haar ihres Hinterkopfes, während seine andere Hand ihr Becken umfasste und sie enger an sich zog. Sie fühlte, wie die harte Schicht, die ihre Seele schützte, weich wurde, wie die Furcht vor David, vor ihrem Tun und den Folgen in die Ferne rückte. Sie sank ihm entgegen, spürte seine Brustmuskeln, sein Brustwarzenpiercing und den Knochen seiner Hüfte, der sich an sie presste.
Sie öffnete die Lippen, wollte ihm Einlass gewähren, doch er ging nicht darauf ein. Stattdessen streichelte er ihre Hüfte, glitt zur Taille und liebkoste sie dort. Wärme kroch schmeichelnd durch ihren Körper. Die fast schon keusche Annäherung verwirrte und betörte Kristin auf eine Art, wie sie es zuvor nie erfahren hatte. Sie unterdrückte das wollüstige Zittern, das sie überkommen wollte. Ihrem Verstand zu gehorchen, der ihr zuschrie zu gehen, ihr Innerstes wieder zu verschließen und nicht zu erlauben, dass jemand oder etwas sie so vollständig eroberte, fiel ihr von Sekunde zu Sekunde schwerer. Zu berauschend, zu köstlich waren die Empfindungen, die Macht über sie gewannen. Sie wollte nicht gehen und noch weniger darüber sinnieren, ob und was vernünftig wäre.
Davids Hände begaben sich auf Wanderschaft, legten sich auf ihren Po und kneteten ihre volle Rundung, erst vorsichtig, dann immer stärker, bis sich seine Finger in ihr Fleisch bohrten und sie förmlich quetschten. Erregung schoss durch ihre Pussy.
David arbeitete sich küssend vom Kinn bis zu Kristins Dekolleté vor und rief damit ein erregtes Kitzeln in ihrer Bauchgrube hervor.
Er hob sie hoch und sie schlang ihre Beine um seine Hüfte, ihr Trenchcoat klaffte auf und sie spürte den weichen Stoff und seinen eisenharten Schwanz an ihrer nackten Scham. Aus einem Impuls heraus rieb sie ihr Geschlecht an ihm. David reagierte mit einem Keuchen.
„Eisprinzessin“, raunte er.
Er packte sie fester und trug sie die Treppe hoch, als wöge sie nicht mehr als ein junges Kätzchen. Er fixierte sie und Kristin schien es für einen Moment, als durchschaute er sie bis auf den Grund ihrer Seele. Sie presste sich enger an ihn und wurde sich ihrer Wankelmütigkeit bewusst. Vor nicht ganz einer Stunde hätte sie es durchaus vorgezogen, einen Flieger auf die andere Seite der Erdkugel zu besteigen, um David zu entgehen, und nun klammerte sie sich an ihn, als wäre er das Einzige, das sie am Leben hielt. Kristin erkannte in diesem Moment, dass zwischen ihnen nicht nur die Beseitigung von Langeweile oder Befriedigung dringendster sexueller Bedürfnisse bestand. Zwischen ihnen kollidierte die Begierde, als wären sie zwei Magnete, die sich ungebremst aufeinander zubewegten.

Kristin wog kaum mehr als eine Puppe.
Er hatte gewusst, dass sie zu ihm kommen würde. Zu deutlich sprach die Neugier aus ihren Augen, als er sie in ihrer Garderobe aufgesucht hatte. Und als sie ihm abgesagt hatte, klang Unsicherheit in ihrer Stimme. Er hörte sie unterschwellig darum bitten, sie zu zwingen. Sie war eine starke Frau. Eine selbstbewusste Frau. Doch unter ihrer harten Schale steckte etwas Devotes, Zerbrechliches und Verwirrtes. Er wollte sie an ihre Grenzen führen, sie springen sehen und dann auffangen. Dass sie einen Zusammenbruch in seiner Gegenwart, den zweiten bereits, in seinen Armen zugelassen hatte, zeigte ihm, wie richtig er mit seiner Einschätzung lag. Sie war nicht nur eine harte, selbstbewusste Frau, sondern besaß eine sanfte, weiche Seite, die sie sorgsam verbarg. Obwohl sie sich ihrer Neigungen bewusst war, hatte ein Teil von ihr noch Probleme, diese widersprüchlichen Wesenszüge in sich zu vereinen. Sie brauchte einen Master, der sie an ihre Grenze führte, der sie darüber hinaus führte und sie zugleich beschützte.
Er verabscheute Männer, die Tyrannei und Machogehabe mit Dominanz verwechselten. Ein dominanter Mann musste weder sich noch anderen etwas beweisen. Er hatte es nicht nötig, Respekt zu fordern. Er erhielt ihn einfach. Im Bett und auch außerhalb. Vor allem aber besaß ein echter Master das Einfühlungsvermögen und das Wissen, wann er seine Grenzen und die seiner Sub oder Sklavin erreicht hatte und wie weit er sie überschreiten konnte, ohne ihr Schaden zuzufügen.
Kristin zu unterwerfen bedeutete, sie zu dem zu zwingen, was sie haben wollte, sich aber nicht zu nehmen wagte. Erotische Bedürfnisse zu erfüllen, die sie sich nicht eingestand.
David fühlte das Beben ihres Körpers, ahnte, dass sie wieder so weit bei Verstand war, dass sie eher versuchen würde zu fliehen, als sich ihm zu ergeben. Sie mochte den Zusammenbruch überwunden haben, doch die Nachwehen waren noch da. Er schloss seine Arme enger um sie. Ihr Herz raste und ihr Brustkorb hob und senkte sich unter tiefen Atemzügen.
Ihm war nicht verborgen geblieben, wie sehr sie manche der Möbel und Spielsachen aufwühlten. Er würde sie alle an ihr ausprobieren. Doch erst musste er sie dazu bringen, sich in das Spiel zu ergeben. Sie durfte dagegen kämpfen. Sie durfte weinen und fluchen, aber letztendlich wollte er sie zu der Erkenntnis bringen, dass er ihr gab, was sie brauchte.
Als sie erneut den schwachen Versuch unternahm, sich aus seinen Armen zu winden, ahnte er, dass es schwieriger werden könnte, als er anfangs dachte. Und dass er vielleicht scheitern würde. Wieder versuchte sie, sich zu befreien.
„Hör auf, wir knallen die Treppe hinunter, wenn du so weitermachst!“, warnte er sie.
Sie gehorchte und ließ sich bis in sein Schlafzimmer tragen. Dort stand der ganze Stolz des Hausbesitzers Porter: ein Bondagebett mit einem mannshohen Spinnennetz aus Metall am Fußende. Einen kurzen Moment spielte er mit dem Gedanken, Kristin dort anzuketten und allein die Vorstellung ließ Blut in seinen Schwanz strömen.
Er küsste sie, ließ sie in aller Ruhe zu Boden gleiten und tastete sich langsam zum Gürtel ihres Mantels vor. Als er die Schleife gelöst hatte, war es ein Leichtes, den Trenchcoat abzustreifen und achtlos auf den Boden fallen zu lassen. Sie erwiderte seinen Kuss und er genoss ihre Zustimmung.
Er beendete den Kuss und trat zurück, um sie zu betrachten.