Notorious Devils MC: Rough & Ruthless

Ori­gi­nal­ti­tel: Rough & Rut­h­less (No­to­rious De­vils Book 4)
Über­set­zer: J.M. Meyer

Er­schie­nen: 12/2024
Serie: No­to­rious De­vils MC
Teil der Serie: 4

Genre: Motor­cy­cle Club Ro­mance

Lo­ca­ti­on: USA, Ka­li­for­ni­en


Er­hält­lich als:
pa­per­back & ebook

ISBN:
Print: 978-3-86495-728-4
ebook: 978-3-86495-729-1

Preis:
Print: 16,90 €[D]
ebook: 6,99 €[D]

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und allen gän­gi­gen On­line­händ­lern und im Buch­han­del

Notorious Devils MC: Rough & Ruthless


In­halts­an­ga­be

Ma­ry-Ann Lukin hatte es nie leicht. Nach­dem sie die Qua­len des Miss­brauchs viel zu lange er­dul­den muss­te, grenzt es an ein Wun­der, dass das Leben ihr noch ein wenig Hoff­nung ge­las­sen hat - Hoff­nung auf eine glück­li­che Zu­kunft.

Max „Ma­d­Dog“ Du­hart hat viele Hür­den im Leben über­wun­den und sich den Re­spekt ver­dient, der ihm als Prä­si­dent des Ori­gi­nal-Char­ters der No­to­rious De­vils ge­bührt. Er will die Trau­er, die sein ver­gan­ge­nes Leben über­schat­tet, end­lich über­win­den. 

Ma­ry-An­ne und Ma­d­Dog spü­ren so­fort, dass sie etwas ver­bin­det, ob­wohl sie wis­sen, dass sie nicht dar­auf re­agie­ren soll­ten. Nicht, wenn ihre Fa­mi­li­en durch das Band der Bru­der­schaft des Clubs ver­bun­den sind.

Trotz allem, was gegen ihre Liebe spricht, hat diese sanf­te, ge­bro­che­ne Frau etwas an sich, das in Ma­d­Dog den Wunsch nach einem Neu­an­fang wach­sen lässt. Und ob­wohl er rau und un­barm­her­zig ist, kann auch Ma­ry-An­ne ihre Ge­füh­le nicht ver­leug­nen, wenn sie in Ma­d­Dogs blaue Augen blickt.

Ein Ruf.

Ein Hil­fe­ruf.

Eine ge­mein­sa­me Mo­tor­rad­fahrt - und das Leben, wie beide es ken­nen, ist nicht mehr das­sel­be.

In einer Welt vol­ler Schmerz und Loya­li­tät ent­fal­tet sich zwi­schen einer ge­bro­che­nen Seele und einem un­barm­her­zi­gen Mo­tor­rad­club-Prä­si­den­ten eine ver­bo­te­ne Liebe, die alles ver­än­dern könn­te – doch die Schat­ten der Ver­gan­gen­heit dro­hen, diese Liebe zu zer­stö­ren.

Über die Au­to­rin

Als Ein­zel­kind muss­te Hay­ley Fai­man sich mit sich selbst be­schäf­ti­gen. Im Alter von sechs Jah­ren be­gann sie, Ge­schich­ten zu schrei­ben, und hörte nie wirk­lich damit auf. Die ge­bür­ti­ge Ka­li­for­nie­rin lern­te ihren heu­ti­gen Ehe­mann im Alter von sech­zehn Jah­ren ken­nen und hei­ra­te­te...

Wei­te­re Teile der No­to­rious De­vils MC Serie

Le­se­pro­be

Ma­d­Dog

Mein Handy vi­briert in mei­ner Ta­sche und ich schaue nach unten, über­rascht von dem Namen, der auf mei­nem Dis­play er­scheint. Ma­ry-An­ne Lukin.
„Hallo“, brum­me ich ins Te­le­fon, wäh­rend ich mit mei­nem Bier in der Hand in mein Büro gehe, wo es ru­hi­ger ist.
„Hier ist Ma­ry-An­ne, Bates’ Schwes­ter“, flüs­tert sie.
Es klingt, als hätte sie flie­ßen­des Was­ser im Hin­ter­grund lau­fen, und ich run­ze­le die Stirn, wäh­rend ich die Tür mei­nes Büros hin­ter mir ab­schlie­ße.
„Das weiß ich. Was ist los, Babe?“
„Ich brau­che deine Hilfe, Ma­d­Dog, bitte.“
Ihre Stim­me klingt so klein­laut und ich ver­spü­re re­flex­ar­tig den Drang,...

...​sie zu be­schüt­zen. Ich muss ihr hel­fen. Als ich sie das letz­te Mal sah, war sie etwa sieb­zehn Jahre alt, ein dün­nes, schlak­si­ges Ding mit dich­tem schwar­zem Haar.
Seit­dem habe ich sie nicht mehr ge­se­hen.
Sni­per hat sie in ihrer Ju­gend nicht oft ins Club­haus mit­ge­bracht, und ich kann ihm das auch nicht ver­übeln.
„Sag mir, was du brauchst, und es ge­hört dir“, sage ich mit rauer Stim­me.
„Dich, ich brau­che dich. Ich brau­che Hilfe“, flüs­tert sie. Es klingt, als wäre sie den Trä­nen nahe.
Bei ihren Wor­ten wird mein Schwanz stein­hart – ich brau­che dich.
„Wo bist du? Ich brau­che eine Weile, um zu dir zu kom­men“, sage ich, wäh­rend ich auf­ste­he und meine Schlüs­sel aus der Schreib­tisch­schub­la­de hole.
Sie gibt mir eine Adres­se und sagt mir, dass sie mir eine Text­nach­richt schi­cken wird, wenn sich ihr Stand­ort vor mei­ner An­kunft än­dert. „Es ist das Haus eines Typen, der Kerl, mit dem ich mich tref­fe, aber, Ma­d­Dog, ich muss da raus“, sagt sie.
Sie fleht nicht mehr. Sie er­klärt mir, dass sie ver­schwin­den muss, und sie ist sach­lich, ge­fasst und ent­schlos­sen.
„Halte durch, Dar­ling, ich bin so schnell wie mög­lich da.“
„Danke“, flüs­tert sie.
Mein Schwanz drückt noch fes­ter gegen meine Jeans.
Ver­dammt.
Ich bin ein dre­cki­ger Mist­kerl.
Sie braucht meine Hilfe, ein jun­ges Mäd­chen bit­tet um Hilfe, und ich be­kom­me schon einen Stei­fen, wenn ich ihre ver­damm­te Stim­me höre.
Herr­gott.
„Ich brau­che fünf Leute, die mit mir nach San Diego fah­ren“, ver­kün­de ich, so­bald ich wie­der in den Bar­be­reich komme.
„Wieso?“, fragt Grea­se, mein Vi­ze­prä­si­dent.
„Sni­per vom Ida­ho-Chap­ter, seine Schwes­ter braucht un­se­re Hilfe. Sie steckt in einer un­an­ge­neh­men Si­tua­ti­on und muss da raus“, er­klä­re ich.
„Schei­ße, ja, ich bin dabei“, brummt Grea­se und steht auf. Vier wei­te­re Brü­der mel­den sich frei­wil­lig, und wir alle gehen schnell zu un­se­ren Mo­tor­rä­dern.
Ich kenne die Ein­zel­hei­ten ihrer Si­tua­ti­on nicht, aber sie hat mich an­ge­ru­fen und nicht Sni­per, also ver­mu­te ich, dass es wahr­schein­lich ziem­lich schlimm um sie steht. Sie weiß, dass Sni­per aus­flip­pen würde, wenn er er­fährt, dass sie ihn zu be­schüt­zen ver­sucht.
Fa­mi­lie.
Darum geht es in die­sem gan­zen ver­damm­ten Club, um die Fa­mi­lie. Und ich habe mir vor­ge­nom­men, die mei­nen immer zu be­schüt­zen, und dazu ge­hört auch die klei­ne Schwes­ter eines mei­ner Brü­der.
Ma­ry-An­ne Lukin.

Ma­ry-An­ne drückt ihre Tit­ten gegen mei­nen Rü­cken und krallt sich mit ihren klei­nen Hän­den in mein T-Shirt ober­halb mei­ner Tail­le.
Fuck.
Ich kämp­fe da­ge­gen an, dass mein Schwanz in mei­ner Jeans hart wird. Als sie ihre Schen­kel gegen die Au­ßen­sei­ten mei­ner Beine presst, wäh­rend ich auf den Free­way auf­bie­ge, stöh­ne ich auf.
Diese Fahrt zu­rück in den Nor­den wird eine gott­ver­damm­te Tor­tur, so­lan­ge sie hin­ter mir auf mei­nem Bike sitzt.
Als ich auf die Auf­fahrt zu dem Stadt­haus ein­bog, in dem sie sich auf­hielt, und sie die Tür öff­ne­te, mach­ten mein Herz und mein Schwanz gleich­zei­tig einen Sprung bei ihrem An­blick. Sie hatte mir nur we­ni­ge Mi­nu­ten vor un­se­rer An­kunft in der Stadt eine Nach­richt ge­schickt, um mir mit­zu­tei­len, dass sie al­lein zu Hause war.
Ma­ry-An­ne ist groß und schlank. Ihr schwar­zes Haar ist glatt und we­sent­lich län­ger als da­mals. Als sie mit ihren blau­en Augen mei­nem Blick be­geg­ne­te, hätte ich schwö­ren kön­nen, dass meine Ge­füh­le di­rekt in mei­nen Schwanz schos­sen.
Nach etwa drei Stun­den Fahr­zeit gebe ich mei­nen Män­nern das Zei­chen, an der nächs­ten Aus­fahrt an­zu­hal­ten. Wir brau­chen eine kurze Ver­schnauf­pau­se und etwas zu essen, bevor wir den Rest des lan­gen Nach­hau­se­wegs an­tre­ten.
Au­ßer­dem muss ich Ma­ry-An­ne ein paar Fra­gen stel­len, um her­aus­zu­fin­den, wor­auf wir uns ein­ge­las­sen be­zie­hungs­wei­se wo wir sie her­aus­ge­holt haben.
Nach­dem ich mein Bike in eine Park­lü­cke vor einem klei­nen Diner ge­lenkt habe, klop­fe ich ihr auf den Ober­schen­kel und warte ab, bis sie von der Ma­schi­ne ge­stie­gen ist, ehe ich eben­falls ab­stei­ge.
Ich nehme mei­nen Helm ab und stre­cke die Hand aus, um Ma­ry-An­nes Kopf­schutz ent­ge­gen­zu­neh­men. Ich sehe zu, dank­bar für meine Son­nen­bril­le, wie sie das Haar aus­schüt­telt und dabei wie ein ver­damm­ter feuch­ter Traum aus­sieht.
Ohne ein Wort zu ver­lie­ren, be­ob­ach­te ich sie und komme mir dabei wie ein dre­cki­ger Per­ver­ser vor. Ich ver­staue un­se­re Helme und pro­bie­re, meine Hände zu be­schäf­ti­gen, damit ich diese nicht über ihren stram­men Arsch wan­dern lasse, der von einer haut­engen Jeans be­deckt ist.
Er­leich­tert atme ich auf, als meine Brü­der eben­falls den Park­platz er­rei­chen.
„Be­sorg uns einen Tisch“, be­feh­le ich dem ein­zi­gen Pro­s­pect, der uns be­glei­tet, einem zwei­und­zwan­zig­jäh­ri­gen Jun­gen na­mens West.
Er wird ir­gend­wann einen groß­ar­ti­gen Devil ab­ge­ben, und ich werde stolz dar­auf sein, ihn mei­nen Bru­der nen­nen zu dür­fen, wenn der Tag ge­kom­men ist. Er er­wi­dert nichts auf meine An­sa­ge, hebt das Kinn und lässt uns zu­rück, um das Diner zu be­tre­ten.
„Max“, haucht Ma­ry-An­ne und kommt einen Schritt auf mich zu.
Ich ver­neh­me das Ge­räusch ihrer Stie­fel, höre, wie ihre Schrit­te schließ­lich ver­klin­gen, als sie mir ganz nah ist.
Als sie eine Hand hebt und diese auf meine Brust legt, un­ter­drü­cke ich ein Stöh­nen. Mein Blick wan­dert so­fort zu ihren Fin­gern. Ich möch­te nichts lie­ber, als ihre zarte Hand in meine zu neh­men und ihren ge­schmei­di­gen Kör­per ganz nah an mich her­an­zu­zie­hen.
„Mary“, brum­me ich.
„Ich glau­be nicht, dass ich mich je­mals für deine Hilfe re­van­chie­ren kann“, sagt sie mit sanf­ter und süßer Stim­me.
Ich schlie­ße die Augen und gebe alles, ihr nicht zu sagen, dass mir ein Weg ein­fal­len würde, wie sie sich dafür be­dan­ken kann. Um ehr­lich zu sein, mir kom­men min­des­tens zehn Op­tio­nen in den Sinn, was sie für mich tun könn­te.
Ich habe keine Ah­nung davon, was sie durch­ge­macht hat. Ich weiß nicht, wieso sie weg­läuft, und ich werde sie ganz si­cher zu nichts zwin­gen.
Tat­säch­lich soll­te sie sich so weit es nur geht von mir fern­hal­ten, bevor ich sie hart, schnell, lange und un­er­bitt­lich ficke.
„Du ge­hörst zur Fa­mi­lie“, ent­geg­ne ich schließ­lich.
„Ja.“ Sie seufzt auf und tritt einen Schritt zu­rück.
„Ich muss wis­sen, aus wel­cher Hölle ich dich so­eben her­aus­ge­holt habe.“ Ich be­mü­he mich, meine sonst so rau klin­gen­de Stim­me für sie sanft klin­gen zu las­sen.
„Eine an­de­re Ver­si­on jener Hölle, in der ich auf­ge­wach­sen bin. Aber den­noch eine Hölle“, er­wi­dert sie leise.
Als ich mit der Hand ihre Wange be­rüh­re, zuckt sie zu­sam­men. Das ist eine Ant­wort auf ei­ni­ge der Fra­gen, die ich habe. Es ist das ver­rä­te­ri­sche Zu­cken einer Frau, die die Hand eines Man­nes zu spü­ren bekam und im Zorn ge­schla­gen wurde.
„Wir krie­gen das schon wie­der hin, Babe.“
Ihre hell­blau­en Augen wei­ten sich, und ich kann es kaum glau­ben, doch sie schmiegt ihr Ge­sicht in meine Hand­flä­che und scheint meine Be­rüh­rung zu ak­zep­tie­ren.
„Ich ver­traue dir, Max.“ Sie seufzt auf.
Ich ziehe die Au­gen­brau­en zu­sam­men. Das soll­te sie nicht tun. Auf gar kei­nen Fall. Klar, ich werde ihr hel­fen und ihr kör­per­lich kei­ner­lei Scha­den zu­fü­gen, aber sie soll­te mir ver­dammt noch mal nicht ver­trau­en.
Das würde sie auch nicht, wenn sie die Ge­dan­ken ken­nen würde, die mir durch den Kopf gehen, die sich nur darum dre­hen, was ich mit ihrem Kör­per an­stel­len will. Sie würde wahr­schein­lich laut um die Hilfe ihres Bru­ders schrei­en.
Keine Frau hat je den Drang in mir be­feu­ert, sie be­schüt­zen, sie fi­cken und für sie kämp­fen zu wol­len, wie sie es tut. Ich habe bloß ein paar Worte mit ihr ge­wech­selt, und doch weiß ich, dass sie etwas Be­son­de­res ist.
Viel­leicht wegen der Art und Weise, wie sie mich mit ihren blau­en Augen an­schaut, viel­leicht wegen der Stär­ke, die sie aus­strahlt. Ich habe keine Ah­nung, will dem aber auf den Grund gehen. Noch nie hat eine Frau mich der­ma­ßen be­rührt, nicht ein­mal meine ei­ge­ne Ehe­frau – Elean­o­ra.
Ich fühle mich be­schis­sen, denn ich habe Ellie von gan­zem Her­zen ge­liebt. Ver­mut­lich weiß ich nun mit etwas mehr Le­bens­er­fah­rung, dass das, was ich in die­sem Mo­ment für Mary ver­spü­re, an­ders als all das ist, was ich bis­her in mei­nem Leben emp­fun­den habe.
Fuck.
Ich bin sowas von am Arsch.
„Wir haben einen Tisch“, ruft West uns von der Tür des Di­ners aus zu.
Ich nehme meine Hand von Ma­ry-An­nes Ge­sicht und nicke ihr zu, wor­auf­hin sie sich in Be­we­gung setzt und in Rich­tung Re­stau­rant los­mar­schiert. Dabei schaue ich ihr na­tür­lich auf den Hin­tern.
Hei­li­ge Schei­ße.
Ich bin wahr­lich am Arsch.

 

Ma­ry-An­ne

Ich be­tre­te das ab­ge­rock­te klei­ne Re­stau­rant am Stadt­rand und atme tief ein und wie­der aus. Ich kann nicht glau­ben, dass ich wirk­lich ge­gan­gen bin. Ge­nau­so wie ich es immer noch nicht fas­sen kann, dass Ma­d­Dog her­ge­kom­men ist, mich ge­packt und mit­ge­nom­men hat.
Die ge­sam­te Si­tua­ti­on ist mehr, als ich ver­ar­bei­ten kann. Ins­be­son­de­re wegen der Ge­füh­le, die mich durch­flu­ten, so­bald ich hin­ter ihm auf sei­nem Mo­tor­rad sitze und mich gegen sei­nen Rü­cken schmie­ge.
Ver­dammt, er ist sowas von heiß.
Das habe ich nicht er­war­tet.
Na­tür­lich, ich wuss­te, dass er gut aus­sieht. Sein Sohn Fury ist über­aus sexy. Al­ler­dings ist es schon eine ge­fühl­te Ewig­keit her, seit ich sei­nen Dad zu­letzt ge­se­hen habe. Das letz­te Mal war ich noch sehr jung.
Jetzt, da ich eine Frau bin, strahlt er kei­ner­lei vä­ter­li­che Au­to­ri­tät mehr auf mich aus – ich sehe ihn als Mann, einen sehr hei­ßen Mann. Die Art, wie sich seine Mus­keln an­füh­len, wenn ich mich an ihm fest­hal­te, Gott, ich kann mir kaum vor­stel­len, wie sie ohne ein Shirt aus­se­hen mögen.
Ner­vös steue­re ich auf den Tisch zu, an dem fünf sei­ner Brü­der sit­zen. Es über­rascht mich wenig, dass ich kei­nen von ihnen kenne. Bates hat mich vom Club fern­ge­hal­ten, nach­dem er vom Mi­li­tär heim­ge­kehrt war.
Der ein­zi­ge Grund, wieso ich Ma­d­Dog über­haupt ge­trof­fen habe, war, weil Bates mir ge­stat­tet hatte, einem Fa­mi­li­en-BBQ bei­zu­woh­nen, als ich sieb­zehn Jahre alt war.
Wäh­rend ich bei Kent­lee, Ma­d­Dogs Schwie­ger­toch­ter, in Idaho lebte, lern­te ich kein ein­zi­ges Mit­glied der De­vils ken­nen. Bates woll­te das nicht.
Als ich mich auf einen der frei­en Stüh­le setze, star­ren mich alle fünf Män­ner an. Ich bin er­leich­tert, dass wir keine Sitz­ecke haben, so­dass wir uns nicht auf die Bänke quet­schen müs­sen.
Ob­wohl, an Ma­d­Dog ge­presst zu sein, wäre über­haupt kein Pro­blem.
Der Mann, der der­zeit meine Ge­dan­ken re­giert, lässt sich mit einem aus­ge­dehn­ten Seuf­zer neben mich fal­len. Ich schaue ihn an und ver­su­che, mein Lä­cheln zu ver­ber­gen. Er hat seine sexy Pi­lo­ten­bril­le mitt­ler­wei­le ab­ge­nom­men und stu­diert die Spei­se­kar­te. Er scheint kon­zen­triert, denn er ver­gräbt die Zähne in sei­ner Un­ter­lip­pe.
Ich nehme mir einen Mo­ment, um ihn so rich­tig zu be­trach­ten. Seine Haare sind eine Nu­an­ce dunk­ler als die von Fury. Al­ler­dings ist Ma­d­Dog an den Schlä­fen leicht er­graut. Er trägt einen Bart, den er vor all den Jah­ren, als wir uns zum ers­ten Mal be­geg­net sind, noch nicht hatte.
Er steht ihm ver­dammt gut. Ich weiß nicht, wie alt er ist. Was ich je­doch sagen kann, ist, dass er glatt als Furys Bru­der durch­ge­hen könn­te. Er könn­te glatt als Furys Bru­der durch­ge­hen.
Die Kell­ne­rin tritt an un­se­ren Tisch und nimmt die Be­stel­lun­gen ent­ge­gen. Ihre Augen wer­den ganz gla­sig, als ihr Blick von einem Biker zum nächs­ten huscht. Diese in Leder ge­klei­de­ten Män­ner schei­nen ir­gend­wie die Ge­hir­ne von Frau­en zum Still­stand zu brin­gen – meins ein­ge­schlos­sen.
„Was darf ich euch brin­gen?“, er­kun­digt sie sich, kaut ihren Kau­gum­mi und starrt mich an.
Schnell über­flie­ge ich die kleb­ri­ge Spei­se­kar­te und kann mich nicht ent­schei­den. Ich bin es nicht mehr ge­wohnt, in einem Diner zu essen. Kyle wurde nie müde, mich auf Ka­lo­ri­en und Fett­ge­hal­te hin­zu­wei­sen.
Ich habe mir frü­her nie Ge­dan­ken dar­über ge­macht, aber nun ver­mu­te ich, dass er mich kon­di­tio­niert hat, ohne dass ich es ge­merkt habe.
„Was willst du, Süße?“, mur­melt Ma­d­Dog neben mir.
Auf­grund des zärt­li­chen Ton­falls und des Ko­se­na­mens stockt mir der Atem. Süße. Das ge­fällt mir aus­ge­spro­chen gut.
„Ich nehme einen Salat ohne Dres­sing und ge­grill­tes Hähn­chen­fleisch?“, sage ich, was aber eher wie eine Frage klingt.
„Bull­s­hit“, bellt Ma­d­Dog. „Sie nimmt den Ba­con-Cheese­bur­ger mit Süß­kar­tof­fel­pom­mes und einen Scho­ko­la­den­milchs­hake.“
Die Kell­ne­rin ent­fernt sich, wor­auf­hin ich lang­sam den Kopf drehe und ihn an­se­he. Ei­ner­seits bin ich scho­ckiert wegen sei­nes Ein­grei­fens und an­de­rer­seits völ­lig von den So­cken, dass er für mich be­stellt hat. Ich öffne den Mund, um etwas dazu zu sagen, doch er kommt mir zuvor.
„Er­zähl uns, was zum Teu­fel dir wi­der­fah­ren ist“, hakt er nach.
Ich zucke leicht zu­sam­men und bli­cke einen Mann nach dem an­de­ren an. Sie sehen al­le­samt aus, als wür­den sie auf ihren Stüh­len ab­hän­gen und fau­len­zen. Al­ler­dings sind ihre Augen wach­sam und auf mich ge­rich­tet.
„Er … er.“ Ich atme zitt­rig aus. „Vor einer Weile hat Kyle damit an­ge­fan­gen, mich nie­der­zu­ma­chen, mich zu be­schimp­fen. Dann hat er mich ge­schla­gen, je­doch nur zwei­mal“, ge­ste­he ich ihm leise.
So­fort ver­steift Ma­d­Dog sich, und seine Wut ist im ge­sam­ten Re­stau­rant zu spü­ren. „Geht“, ver­fügt er knur­rend. Ich sehe dabei zu, wie seine Män­ner auf­ste­hen und sich von un­se­rem Tisch ent­fer­nen. „Er­zähl wei­ter“, for­dert er. Sein Blick ist voll und ganz auf mich fo­kus­siert.
„Er woll­te, dass ich mit ir­gend­ei­ner Füh­rungs­per­sön­lich­keit schla­fe, die seine Kar­rie­re pus­hen könn­te“, wis­pe­re ich und schaue auf mei­nen Schoß hinab.
„Das hat er von dir ver­langt?“, hakt Ma­d­Dog nach.
Ich kann die un­ge­zü­gel­te Wut in sei­ner Stim­me hören und weiß, dass er mich und meine Be­weg­grün­de ver­steht. Ich hebe den Kopf, wor­auf­hin sich un­se­re Bli­cke be­geg­nen.
„Die Frau­en oder Freun­din­nen ei­ni­ger sei­ner Kol­le­gen haben kein Pro­blem damit, so etwas zu tun.“
„Er ist so gut wie tot“, raunzt Ma­d­Dog.
„Nein, nein, ich woll­te bloß weg von ihm“, er­wi­de­re ich und lege eine Hand um sei­nen mas­si­ven Bi­zeps.
„Er ist ver­dammt noch­mal ein toter Mann“, wie­der­holt Ma­d­Dog mit Nach­druck.
An­schlie­ßend, als hätte er diese Worte nicht mit volls­ter Über­zeu­gung aus­ge­spro­chen, dreht er den Kopf und nickt sei­nen Jungs zu, um ihnen zu si­gna­li­sie­ren, dass sie zu uns zu­rück­keh­ren sol­len.
So­bald sie sich zu uns an den Tisch ge­setzt haben, bringt uns auch schon eine keu­chen­de Kell­ne­rin unser Essen. Wäh­rend die Män­ner über ihre Mahl­zeit her­fal­len, herrscht Stil­le.
Ich bli­cke auf mei­nen Tel­ler hinab und frage mich, wie ich den fet­ti­gen Bur­ger nur essen soll. Ob Ma­d­Dog es wohl mer­ken würde, wenn ich ihn nicht an­rüh­re? Als er sich neben mir räus­pert, schaue ich ihn an.
„Iss dein Essen, Süße.“
„Es ist viel zu viel.“
„Dir würde etwas mehr Fleisch auf den Rip­pen sehr gut ste­hen, Babe.“ Vor Über­ra­schung wei­ten sich meine Augen, was ihn wie­der­um zum La­chen bringt. „Beim ers­ten Wind­stoß wür­dest du glatt da­von­flie­gen, Süße.“
„Max“, zi­sche ich mit einer Mi­schung aus Ir­ri­ta­ti­on und Ver­le­gen­heit.
Die an­de­ren Män­ner grin­sen, hal­ten je­doch ihre Köpfe ge­senkt und essen wei­ter.
„Wir be­kom­men erst wie­der etwas zwi­schen die Kie­men, wenn wir zu Hause sind. Das hier muss dich bis dahin satt ma­chen. Also, iss.“
Ich be­schlie­ße, kei­nen Streit mit ihm an­zu­fan­gen, ob­wohl er mir so di­rekt mit­ge­teilt hat, ich sei zu dünn. Ich war schon immer schlank. Daran hat sich nichts ge­än­dert, und wird es auch wohl nie.
Viel­leicht, wenn ich eines Tages Kin­der be­kom­me, aber ak­tu­ell ver­spü­re ich nicht den Drang, mich fort­zu­pflan­zen. Nein, meine Kind­heit war zu ver­korkst, als dass ich je­mals ei­ge­ne Kin­der möch­te. Ich wüss­te nicht, was ich mit ihnen an­fan­gen soll­te.
Ich bin nicht wie mein Bru­der. Er ist stets lie­be­voll und für­sorg­lich. Er hat sich frü­her um mich ge­küm­mert und tut es noch immer.
Das soll nicht hei­ßen, dass ich keine Kin­der mag, denn dem ist nicht so. Ich ver­göt­te­re sie sogar. Ich habe es ge­liebt, Kent­lee mit Bear, als er noch ein Baby war, zu hel­fen. Aber ei­ge­nen Nach­wuchs zu be­kom­men? Ich fürch­te, ich hätte keine Ah­nung, wie man eine gute Mut­ter ist.
Ich be­gin­ne mit dem Essen. Als ich mei­nen Bur­ger und meine Pom­mes sowie die Hälf­te mei­nes Milchs­hakes ver­putzt habe, habe ich das Ge­fühl, dass mein Magen jeden Mo­ment ex­plo­die­ren könn­te.
„Alles gut?“, er­kun­digt sich Ma­d­Dog. Ich schaue auf und stel­le über­rascht fest, dass wir mitt­ler­wei­le ganz al­lein am Tisch sit­zen. „Sie war­ten bei den Bikes auf uns. Ich woll­te bloß si­cher­ge­hen, dass du satt wirst.“ Er zuckt mit den Schul­tern.
„Danke. Ich …“ Er hält eine Hand in die Höhe, um mich davon ab­zu­hal­ten, wei­ter­zu­spre­chen.
„Ich hätte nicht so hart zu dir sein sol­len. Ich bin diese Schei­ße eben nicht ge­wohnt.“
„Wel­che Schei­ße?“, möch­te ich wis­sen und neige den Kopf zur Seite.
„Frau­en, die of­fen­sicht­lich miss­han­delt wor­den sind. Ich habe keine Ah­nung, wie man ein­fühl­sam und sanft mit einem Mäd­chen um­geht. Es ist zu viele Jahre her, und selbst da­mals war ich nicht son­der­lich gut darin.“
Ich schaue ihn an, eine Mi­schung ver­schie­dens­ter Ge­füh­le durch­strömt mich. Seine Worte ver­blüf­fen mich. Ich bin über­rascht, dass er zu­ge­ge­ben hat, nicht so recht zu wis­sen, wie er mit einer Frau um­zu­ge­hen hat.
Das sagt eine Menge über ihn als Mann aus. Au­ßer­dem bin ich wegen der Tat­sa­che über­rascht, dass er schroff aber gleich­zei­tig sehr freund­lich ist, und mich bis­her noch nie er­schreckt hat.
„Du machst das gut“, ent­geg­ne ich und stehe auf.
Ge­mein­sam ver­las­sen wir das Re­stau­rant und gehen zu den Jungs, die bei ihren Mo­tor­rä­dern auf uns war­ten. Es gibt so viel mehr, was ich Ma­d­Dog über meine Si­tua­ti­on und Kyle er­zäh­len müss­te, aber es geht noch nicht. Viel­leicht bald, wenn wir al­lein sind. Im Mo­ment will ich ein­fach nur so weit wie mög­lich von Kyle weg­kom­men.
„Du musst Sni­per an­ru­fen“, sagt Ma­d­Dog, als ich hin­ter ihm auf seine Ma­schi­ne stei­ge und mir den Helm auf­set­zen will.
Ich igno­rie­re das. Ich weiß, dass ich mei­nen Bru­der an­ru­fen muss, aber ich möch­te es nicht. Des­halb werde ich es vor­erst auch nicht tun.
Ich schlin­ge meine Arme um Ma­d­Dogs Tail­le und rut­sche dicht an sei­nen Rü­cken heran. Als er los­fährt, spüre ich die Wärme sei­nes Kör­pers und schlie­ße die Augen. Weit weg von Kyle. Raus aus der Hölle.


Ma­d­Dog

Neun ver­damm­te Stun­den Ma­ry-An­nes Kör­per zu spü­ren, der sich gegen mei­nen Rü­cken schmiegt, sind ein­deu­tig zu viel für mei­nen Schwanz.
Ich war noch nie so glück­lich, mein Club­haus zu sehen, wie jetzt. Ich soll­te sie zu mir nach Hause brin­gen, doch hier ist sie si­che­rer.
Nach­dem ich mein Bike ge­parkt habe, steigt sie zi­schend und stöh­nend von der Ma­schi­ne. Ich grin­se vor mich hin, weil ich genau weiß, wie sie sich nach die­ser lan­gen Fahrt fühlt.
Plötz­lich lau­fen meine Ge­dan­ken Amok, denn ich stel­le mir die Frage, wie es wohl wäre, ihre wun­den Schen­kel zu küs­sen, damit es ihr bes­ser geht. Ich schütt­le den Kopf. Es spielt keine Rolle, wie es sich an­füh­len würde, denn das wird nie pas­sie­ren. Sie ist so ver­dammt jung.
„Wie geht es nun wei­ter?“, er­kun­digt sie sich. Ihre blau­en Augen, aus denen sie mich an­starrt, sind ge­wei­tet und wir­ken ängst­lich.
Ich frage mich, wie ihre Augen wohl aus­se­hen wür­den, wenn sie kommt – sind sie dann noch grö­ßer als jetzt?
Würde die Lust in ihnen glit­zern?
Würde ihr Kör­per da­hin­schmel­zen? Oh Gott.
Ich muss drin­gend je­man­den flach­le­gen. So ein­fach ist das.
Ich brau­che eine ver­damm­te Pussy.
„Du be­trittst jetzt das Club­haus, dann be­sor­ge ich dir ein Zim­mer und du schläfst bis mor­gen früh. Wenn du aus­ge­schla­fen bist, set­zen wir uns zu­sam­men, damit du mir genau er­zäh­len kannst, wer die­ser Bas­tard ist“, er­klä­re ich ihr, bevor ich vor­aus­ge­he. Als ich spüre, wie sie ihre Hand um mein Hand­ge­lenk schlingt, er­star­re ich.
„Ich möch­te mich bei dir be­dan­ken, Ma­d­Dog, für alles“, mur­melt sie.
„Max“, ent­geg­ne ich, ehe ich mich um­dre­he und sie an­schaue. Sie scheint ver­stummt zu sein, denn sie blickt mich le­dig­lich ver­wirrt an. „Ich mag es, wenn du mich Max nennst. Nie­mand außer Kent­lee tut das.“
Ich kann be­ob­ach­ten, wie sich ihre Lip­pen zu einem klei­nen Lä­cheln ver­zie­hen, bevor sie noch näher an mich her­an­tritt, so dicht, dass ihre Brust mei­nen Un­ter­arm be­rührt.
Wie er­starrt halte ich in der Be­we­gung inne und balle meine Hand zu einer Faust, um sie nicht an­zu­fas­sen. Das würde näm­lich bloß dazu füh­ren, dass ich sie hier auf dem Park­platz ficke, ohne mich darum zu sche­ren, wer uns dabei sehen könn­te.
„Max“, haucht sie hei­ser.
Ich frage mich, ob sie mei­nen Vor­na­men ge­nau­so wis­pern würde, wenn mein Schwanz in ihrer Pussy ste­cken würde.
„Komm.“ Ich drehe mich um und gehe, wobei ich ihre Hand in mei­ner halte und sie re­gel­recht hin­ter mir her­zie­he.
Ich muss sie ins Club­haus füh­ren, sie in ein Zim­mer ver­frach­ten und vor mir weg­schlie­ßen – vor mei­nem har­ten Schwanz.
Im In­ne­ren ist der üb­li­che Wahn­sinn im Gange – Tit­ten und Är­sche, Gras und Al­ko­hol. Ich be­fin­de mich auf einer Mis­si­on, und diese lau­tet, Ma­ry-An­ne si­cher weg­zu­sper­ren. An­schlie­ßend muss ich mich um mei­nen Stän­der küm­mern, um nicht über sie her­zu­fal­len.
Hin­ter mir höre ich Ma­ry-An­ne aus­at­men. Ich bin mir si­cher, dass sie über­rascht von dem ist, was hier ab­geht, den­noch halte ich nicht an. Damit der Scheiß, den sie zu sehen be­kommt, ihren hüb­schen klei­nen Kopf nicht völ­lig durch­ein­an­der­bringt.
Wenn es nach mir ginge, würde ich sie in einem der Zim­mer ein­sper­ren und sie nie wie­der her­aus­las­sen, al­ler­dings ist sie eine sie­ben­und­zwan­zig­jäh­ri­ge Frau.
Ir­gend­wann werde ich sie nicht län­ger vor all dem Scheiß hier be­wah­ren kön­nen – doch heute Abend geht sie auf ihr Zim­mer und bleibt dort.
Als wir mein Schlaf­zim­mer im Club­haus er­reicht haben, öffne ich die Tür, stoße sie auf, trete ein und schlie­ße sie wie­der mit dem Fuß.
„Max“, sagt Ma­ry-An­ne. Ihre Stim­me klingt atem­los und er­schöpft.
„Das sind meine vier Wände. Hier wird dir nie­mand auf den Keks gehen. Schließ ein­fach die Tür hin­ter mir ab. Ich komme mor­gen früh wie­der, dann reden wir.“
„Warte mal, du lässt mich al­lein?“ Ihre Augen wer­den ganz groß. Schei­ße, das bringt mich um.
„Ja, du musst dich aus­ru­hen.“
„Aber“, hält sie mit zit­tern­der Un­ter­lip­pe da­ge­gen, bevor sie auf mich zu­kommt.
Ich will nicht, dass sie mich an­fasst – mir ge­fal­len ihre Be­rüh­run­gen jetzt schon viel zu sehr. Sie hebt eine Hand und legt sie auf meine Brust.
Ob­wohl ich ein Shirt trage, kommt es mir vor, als würde sie ein Loch in den Stoff bren­nen. Fuck.
„Ich möch­te nicht al­lein sein.“ Ihre Augen fül­len sich mit Trä­nen.
Ich schütt­le den Kopf. Ich kann nicht blei­ben, kann nicht mit ihr al­lein sein. Nicht jetzt, da mein Schwanz hart ist, und sie mich mit ihren gro­ßen Augen an­sieht. „Hier drin­nen bist du si­cher.“ Ich trete einen Schritt zu­rück.
Ohne dem noch etwas hin­zu­zu­fü­gen oder sie ein wei­te­res Mal an­zu­bli­cken, drehe ich mich um und ent­fer­ne mich von ihr. Alles in mir ver­zehrt sich da­nach, bei ihr zu blei­ben, sie in die Arme zu schlie­ßen und ihr zu ver­si­chern, dass sie in Si­cher­heit ist und dass sie mir ver­trau­en kann.
Al­ler­dings nicht mei­nem Schwanz.
Mein Schwanz will so sehr in ihr sein, dass ich Angst habe, die Kon­trol­le zu ver­lie­ren. So habe ich mich nicht mehr ge­fühlt, seit ich ein dum­mer, hor­mon­ge­steu­er­ter Teen­ager war. Ich muss hier weg. Wenn ich nicht gehe, mache ich ihr viel­leicht Angst oder ver­let­ze sie sogar.
„Hey“, be­grüßt mich eins der Club­mäd­chen, als ich mich auf den Weg zur Bar mache.
Es ist die­sel­be klei­ne Blon­di­ne, die mir ges­tern die­sen ver­dammt mie­sen Blo­wjob ver­passt hat. Sie klim­pert mit ihren lan­gen Wim­pern und ver­zieht ihre rot ge­schmink­ten Lip­pen zu einem Schmoll­mund. Sie ist ver­flucht jung, jün­ger als Ma­ry-An­ne, und ich frage mich, was zum Hen­ker ich hier ei­gent­lich tue. Schei­ße.
„Ich hätte gern noch eine Kost­pro­be von dir“, flüs­tert das Mäd­chen mit einem ver­schmitz­ten Grin­sen. Ich be­stel­le mir ein Bier und igno­rie­re sie, um einen Schluck aus der so­eben be­reit­ge­stell­ten Fla­sche zu neh­men.
„Du brauchst erst etwas mehr Übung, bevor ich dei­nen Mund wie­der an mei­nen Schwanz her­an­las­se“, murm­le ich.
Ihre Augen wer­den ganz groß und ihre Lip­pen tei­len sich. „Wie bitte?“ Sie klingt be­lei­digt. Ver­dammt, ich habe keine Lust auf eine Szene.
„Du hast mich schon ver­stan­den“, er­wi­de­re ich.
„Ich kann nicht glau­ben, was du ge­ra­de ge­sagt hast“, ent­geg­net sie und reckt mir ihre ge­mach­ten Tit­ten ent­ge­gen.
„Wieso ich das sage? Ganz ein­fach. Da ich schon lange, lange Jahre mei­nen Schwanz ge­lutscht be­kom­me, weiß ich genau, wie sich ein guter Blo­wjob an­fühlt. Glaub mir, du brauchst noch eine ganze Menge Übung.“
„Ich war über­rascht, dass du ihn über­haupt noch hoch­be­kommst, und nun kri­ti­sierst du meine Fä­hig­kei­ten?“ Ihre Stim­me ist ver­flucht schrill.
„Wow, du bist wohl eine die­ser ganz mu­ti­gen Zi­cken, wie?“, höre ich je­man­den sagen.
Ich drehe mich um und sehe, dass Ma­ry-An­ne mit der Hand in die Hüfte ge­stützt da­steht. Ich hebe über­rascht die Au­gen­brau­en und stehe auf.
„Wer zum Teu­fel bist du?“, kreischt das Blond­chen. Gott, diese ver­damm­ten Wei­ber sind un­aus­steh­lich.
„Das geht dich nichts an. Ver­piss dich, bevor ich dich ent­fer­nen lasse“, sage ich, ohne Ma­ry-An­ne dabei aus den Augen zu las­sen. „Was machst du hier unten?“, rich­te ich nun das Wort an sie und ziehe fra­gend eine Braue in die Höhe.
„Ich konn­te nicht schla­fen, ob­wohl ich es woll­te“, er­klärt sie und zuckt mit den Schul­tern.
„Willst du dich be­trin­ken?“
„O ja, bitte“, er­wi­dert sie seuf­zend.
Ich grei­fe über die Theke und schnap­pe mir eine Fla­sche Te­qui­la, bevor ich mit dem Kopf in Rich­tung mei­nes Büros deute. Ich setze mich nicht mit ihr an den Tre­sen und be­sau­fe mich, wäh­rend eine Menge Scheiß im Club­haus ab­geht.
Ich bin eben ein ego­is­ti­scher Arsch, denn ich kann prak­tisch spü­ren, wie meine Brü­der bei jedem Schritt, den sie durch die Bar macht, nach ihr lech­zen.
Al­ler­dings will ich sie für mich al­lein, will, dass ihre blau­en Augen sich nur auf mich kon­zen­trie­ren.
Für Stun­den.
Tage.
Hei­li­ge Schei­ße – viel­leicht sogar für Jahre.

 

Ma­ry-An­ne

Ich eile Max hin­ter­her – Max. Ob­wohl ich ihn schon das ein oder an­de­re Mal beim Vor­na­men an­ge­spro­chen habe, habe ich meis­tens sei­nen Stra­ßen­na­men be­nutzt. Ich gebe zu, es ge­fällt mir, ihn Max zu nen­nen. Sein wah­rer Name klingt we­ni­ger hart oder rup­pig als Ma­d­Dog.
Er wirkt auf an­de­re zwar ab­ge­brüht und knall­hart, doch ich glau­be, dass noch so viel mehr in ihm steckt. Ich habe be­reits eine Sanft­heit in ihm ge­se­hen, die mich sehr über­rascht hat. Mir ge­fiel das aus­ge­spro­chen gut.
Wäh­rend ich ihm folge, be­gut­ach­te ich sei­nen Hin­tern. Seine Jeans passt wie an­ge­gos­sen, als hätte er sie maß­schnei­dern las­sen, um den ver­füh­re­rischs­ten Teil sei­nes Kör­pers per­fekt in Szene zu set­zen. Ich ver­su­che, sei­nen Po nicht un­un­ter­bro­chen an­zu­star­ren, schei­te­re al­ler­dings kläg­lich.
Nach­dem wir sein Büro be­tre­ten haben, dreht er sich zu mir um. Da ich mit den Augen je­doch noch immer seine Hose in­spi­zie­re, fällt mein Blick nun auf sei­nen Schritt. Un­wei­ger­lich frage ich mich, was sich wohl hin­ter dem Reiß­ver­schluss ver­birgt. Alles an ihm scheint statt­lich und mäch­tig zu sein, wes­halb ich nicht drum her­um­kom­me, dar­über nach­zu­den­ken, ob dies wohl auch auf die­sen Teil zu­trifft.
Max räus­pert sich. Ich bli­cke auf und sehe, dass er grinst. Ver­mut­lich, weil er be­merkt hat, dass ich ihn an­ge­starrt habe.
Mein Ge­sicht wird auf­grund der Pein­lich­keit ganz warm. La­chend wen­det er sich dem Schreib­tisch zu und holt zwei Schnaps­glä­ser aus der Schub­la­de.
Ich sehe ihm dabei zu, wie er die Glä­ser mit Te­qui­la be­füllt, ehe er mir eins davon reicht. Ohne dar­über nach­zu­den­ken, kippe ich die Flüs­sig­keit her­un­ter. Ich zi­sche, da der Al­ko­hol auf sei­nem Weg in den Magen brennt. Wäh­rend Max sein Glas leert, blei­ben seine Augen auf mich ge­rich­tet.
„Wieso konn­test du nicht schla­fen?“, er­kun­digt er sich, nimmt mir mein Glas ab und schenkt uns eine wei­te­re Runde ein.
Ich zucke mit den Schul­tern. „In mei­nem Kopf ging es drun­ter und drü­ber.“
„Er­zähl mir von ihm“, sagt er und reicht mir einen wei­te­ren Shot.
Ich nehme das Glas an mich und stel­le beim Trin­ken fest, dass das Bren­nen dies­mal we­ni­ger stark ist, al­ler­dings krib­beln meine Lip­pen. Ich kann mich nicht mehr daran er­in­nern, wann ich das letz­te Mal be­trun­ken war – viel­leicht mit ein­und­zwan­zig oder so.
„Kyle ar­bei­tet im Fi­nanz­we­sen, trägt An­zü­ge, liebt Wein und be­sucht gern schö­ne Re­stau­rants. Er hat mir Blu­men ge­kauft und war so nett zu mir“, be­gin­ne ich und atme zitt­rig aus, ehe ich den drit­ten Kur­zen trin­ke, den Max so­eben ein­ge­gos­sen hat.
„Bis?“, hakt er nach, da ich ver­stummt bin.
„Bis er Bates ken­nen­ge­lernt hat“, ge­ste­he ich ihm im Flüs­ter­ton.
„Was zum Teu­fel hat Bates damit zu tun?“
Ich wedle mit mei­nem Schnaps­glas herum, um ihm zu zei­gen, dass es leer ist und nach­ge­schenkt wer­den kann. Seuf­zend gießt er mir einen wei­te­ren Shot ein. Erst nach­dem ich ihn her­un­ter­ge­kippt habe, fahre ich fort.
„Nach­dem er auf Bates ge­trof­fen ist, fing er an, mich zu be­lei­di­gen und an­ders zu be­han­deln. Ver­mut­lich hat er mich mit an­de­ren Augen ge­se­hen, nach­dem er her­aus­ge­fun­den hatte, dass mein Bru­der Mit­glied eines MCs ist. Ich weiß es nicht, zu­min­dest hat er mich an­schlie­ßend ge­schla­gen.“ Das Bers­ten sei­nes Gla­ses lässt mich zu­sam­men­zu­cken. Ich hebe den Blick und sehe, wie sich Max’ Brust­korb mit schwe­ren, schwer­fäl­li­gen Atem­zü­gen hebt und senkt. „Es waren bloß zwei Schlä­ge, die nicht schlimm ge­we­sen sind. Ich habe schon Schlim­me­res er­lebt.“
Doch ich hätte nichts Schlim­me­res sagen kön­nen. Ich weiß das, weil er mir be­droh­lich na­he­kommt. Ich wei­che so­weit zu­rück, bis ich mit dem Rü­cken gegen die Wand pral­le und nir­gend­wo an­ders hin kann.
Als ich sehe, wie er seine Hand hebt, zucke ich zu­sam­men. Glück­li­cher­wei­se legt er sie in mei­nen Na­cken. Zitt­rig atme ich aus, da er mit sei­nem Dau­men über meine Un­ter­lip­pe streicht.
„Er ist ein toter Mann. Ge­nau­so wie das Stück Schei­ße, das du Vater schimpfst“, bellt er.
„Max“, hau­che ich.
Er neigt den Kopf zu mir herab. Seine Lip­pen sind mir so nah, dass sie prak­tisch auf mei­nen lie­gen.
„Sie sind beide tot, Ma­ry-An­ne. Kein Mann darf eine Frau auf sol­che Weise be­rüh­ren. Kein Mann fasst eine an­stän­di­ge Frau auf diese Art an und atmet wei­ter­hin sau­be­re Luft.“
Ich sauge meine Lip­pen ein, pres­se sie re­gel­recht zu­sam­men und ver­gra­be meine Zähne in der Un­ter­lip­pe, wäh­rend ich in seine wil­den blau­en Augen bli­cke. Nun hebe ich eben­falls die Hand und lege meine Fin­ger um sei­nem Na­cken, um sie durch sein mit­tel­lan­ges Haar glei­ten zu las­sen.
Ich kann den Blick nicht von sei­nen Augen ab­wen­den. Sie hal­ten mich wie eine Gei­sel ge­fan­gen. Sein war­mer Atem, der mein Ge­sicht um­spielt, in Kom­bi­na­ti­on mit sei­ner Ernst­haf­tig­keit, sei­ner Wut auf Kyle und mei­nen Vater, lässt mich ihn nur noch mehr wol­len.
Noch nie bin ich auf einen Mann wie ihn ge­trof­fen, der sich so sehr darum ge­sorgt hat, wie ich be­han­delt wurde. Nicht ein­mal Bates hat es der­art in­ter­es­siert.
Mein Bru­der hat mich mei­nem Schick­sal über­las­sen. Mir ist klar, dass er dies nur getan hat, um sich selbst zu ret­ten. Ich habe ihm das nie vor­ge­wor­fen, nicht ein ein­zi­ges Mal.
„Max“, sage ich, bevor ich mich von der Wand ab­drü­cke, um mei­nen Kör­per gegen sei­nen zu pres­sen.
Ich habe keine Ah­nung, wieso ich das tue, son­dern weiß nur, dass ich es mag, wie es sich an­fühlt.
„Wenn du das tust, Süße, wenn du damit an­fängst, werde ich es be­en­den“, er­wi­dert er war­nend, was mich alles an­de­re als ab­törnt. Im Ge­gen­teil, seine Worte er­re­gen mich nur noch mehr.
„Ich bin ein gro­ßes Mäd­chen“, wis­pe­re ich.
„Ja, aber die Schei­ße, die du durch­ge­macht hast? Du kannst nicht klar den­ken“, ent­geg­net er knur­rend, wäh­rend sein Blick auf meine Lip­pen ge­rich­tet ist.
Ich öffne den Mund, nur um zu sehen, wie sich seine Pu­pil­len wei­ten und sich seine Na­sen­lö­cher vor Ver­lan­gen blä­hen.
Ich bin noch nie so eine Art von Frau ge­we­sen. Nie zuvor habe ich mich einem Mann an den Hals ge­wor­fen. Und doch bin ich hier – ich bie­de­re mich ihm un­ge­niert und scham­los an.
Ich bag­ge­re einen Mann an, der deut­lich älter ist als ich. Einen Mann, der rau und vom Leben ab­ge­här­tet ist. Einen Mann, der all das ver­kör­pert, was ich nie zuvor be­gehrt habe. Al­ler­dings ver­zeh­re ich mich mehr nach ihm, als ich mich je nach einem Mann ge­sehnt habe – in mei­nem gan­zen Leben.
„Ich will nicht mehr den­ken“, gebe ich zu.
„Ma­ry-An­ne“, warnt er mich.
Ich igno­rie­re es. Ich brau­che keine wei­te­ren Mah­nun­gen.
Ich will, dass er mich be­rührt.
Ich will, dass er mich wie­der etwas füh­len lässt.
Ich will, dass er mich ret­tet.
Ich will ihn aus den fal­schen Grün­den, doch das ist mir voll­kom­men egal.
Ich neige den Kopf zur Seite, wor­auf­hin meine Lip­pen sich dicht bei sei­nem Ohr be­fin­den. Ich flüs­te­re ihm etwas zu, ap­pel­lie­re an das Tier in ihm und spre­che nicht zu dem Mann, der die Kon­trol­le in­ne­hat.
Ich rede auf das Wesen ein, von dem ich weiß, dass es kurz davor ist, aus­zu­bre­chen und mich zu neh­men, ohne an die Kon­se­quen­zen zu den­ken.
„Ich will, dass du mich fickst, Max. Ich möch­te deine Hände auf mei­nem Kör­per spü­ren, und ich will, dass du mich hart nimmst. Lass mich den Schmerz füh­len.“
„Fuck.“ Stöh­nend tritt er einen Schritt zu­rück.
Als ich ihn auf die Bü­ro­tür zu­ge­hen sehe, macht sich die Angst in mir breit, dass er mich hier drin­nen al­lein zu­rück­lässt.
Mit an­ge­hal­te­nem Atem be­ob­ach­te ich, wie sich seine Hand um den Schlüs­sel schließt, um die Tür zu­zu­sper­ren.
Er dreht sich wie­der zu mir um und grinst. Es ist ein un­ge­zähm­tes, ein wil­des La­chen, und somit genau das, was ich woll­te – es ist ver­dammt ur­sprüng­lich.