Kings of Retribution MC: The Darkest of Light

Ori­gi­nal­ti­tel: The Dar­kest of Light (Kings of Re­tri­bu­ti­on MC Book 2)
Über­set­zer: San­dra Mar­tin

Er­schie­nen: 03/2023
Serie: Kings of Re­tri­bu­ti­on MC
Teil der Serie: 2

Genre: Con­tem­pora­ry Ro­mance, Motor­cy­cle Club Ro­mance, Ro­man­tic Thrill
Zu­sätz­lich: Se­cond Chan­ce, Se­cret Baby / Un­wan­ted Pregnan­cy

Lo­ca­ti­on: USA, Mon­ta­na


Er­hält­lich als:
pa­per­back & ebook

ISBN:
Print: 978-3-86495-578-5
ebook: 978-3-86495-579-2

Preis:
Print: 16,90 €[D]
ebook: 6,99 €[D]

Er­hält­lich bei u.a.:

und allen gän­gi­gen On­line­händ­lern und im Buch­han­del

Kings of Retribution MC: The Darkest of Light

,

In­halts­an­ga­be

Als klei­ner Junge ver­lor Ga­bri­el Mar­ti­nez nicht nur seine Fa­mi­lie – sein gan­zes Leben wurde ihm ent­ris­sen. Wut und seine Ra­che­ge­lüs­te hal­ten ihn am Leben. 

Ei­ni­ge Jahre spä­ter führt ihn eine Reihe von Er­eig­nis­sen zu sei­ner neuen Fa­mi­lie, dem Kings of Re­tri­bu­ti­on MC, wo er die eben­so schüch­ter­ne wie un­schul­di­ge Alba Ja­me­son ken­nen­lernt. Alba ver­liebt sich in Ga­bri­el, doch dann stößt die­ser sie mit bru­ta­len Wor­ten un­er­war­tet von sich. 

Tief ent­täuscht von Ga­bri­els kal­tem Ver­hal­ten wählt Alba das Leben, für das ihre Schwes­ter so hart ge­ar­bei­tet hat, indem sie aufs Col­le­ge geht. Wäh­rend sie ver­sucht, ihre Ge­füh­le für Ga­bri­el zu be­gra­ben, sucht sie Kraft und Mut, um sich ein neues Leben auf­zu­bau­en. Das ge­lingt ihr je­doch nicht - al­lein, weil sie her­aus­fin­det, dass es etwas gibt, was sie für immer an Ga­bri­el bin­den wird. 

Doch dann sieht sie sich mit un­er­klär­li­chen und be­droh­li­chen Vor­gän­gen kon­fron­tiert. Die ge­sichts­lo­se Be­dro­hung zwingt sie, nach Hause zu ihrer Schwes­ter zu­rück­zu­keh­ren - und zu­rück zu Ga­bri­el, der un­wei­ger­lich Albas gut ge­hü­te­tes Ge­heim­nis lüf­ten wird ... 

Über die Au­to­rin

Crys­tal Da­ni­els und Sandy Al­va­rez sind ein Schwes­tern-Duo und die USA To­day-Best­sel­ler­au­to­rin­nen der be­lieb­ten "Kings of Re­tri­bu­ti­on MC"-Se­rie.
Seit 2017 hat das Duo zahl­rei­che Ro­ma­ne ver­öf­fent­licht. Ihre ge­mein­sa­me Lei­den­schaft für Bü­cher und das Ge­schich­ten­er­zäh­len führ­te sie auf eine auf­re­gen­de Reise,...

Crys­tal Da­ni­els und Sandy Al­va­rez sind ein Schwes­tern-Duo und die USA To­day-Best­sel­ler­au­to­rin­nen der be­lieb­ten "Kings of Re­tri­bu­ti­on MC"-Se­rie.
Seit 2017 hat das Duo zahl­rei­che Ro­ma­ne ver­öf­fent­licht. Ihre ge­mein­sa­me Lei­den­schaft für Bü­cher und das Ge­schich­ten­er­zäh­len führ­te sie auf eine auf­re­gen­de Reise,...

Wei­te­re Teile der Kings of Re­tri­bu­ti­on MC Serie

Le­se­pro­be

Alba

„Sam, es tut mir wirk­lich leid. Ich woll­te dir keine Pro­ble­me be­rei­ten“, sage ich reu­mü­tig. Mitt­ler­wei­le hat sich her­um­ge­spro­chen, dass ich schwan­ger bin, und alle glau­ben, Sam sei der Vater.
„Mach dir keine Sor­gen. Ich scheiß auf das, was die an­de­ren den­ken“, er­wi­dert er, setzt sich neben mich auf die Couch und legt sich meine Füße auf sei­nen Schoß, um sie zu mas­sie­ren. Mitt­ler­wei­le ist es nicht mehr mög­lich, meine Schwan­ger­schaft zu ver­heim­li­chen. Wenn man von der Größe mei­nes Bau­ches aus­geht, könn­te man mei­nen, dass in mir ein Foot­ball­spie­ler her­an­wächst. Au­ßer­dem tut mir alles weh. Mein Rü­cken schmerzt und...

...​meine Fuß­knö­chel sind ge­schwol­len.
„Aber du hast das Team ver­las­sen, weil ein paar Jungs über mich her­ge­zo­gen haben. Einen hast du sogar k.o. ge­schla­gen. Was wird jetzt aus dei­nem Sti­pen­di­um?“
„Wie du weißt, woll­te ich oh­ne­hin nie Pro­fi-Foot­bal­ler wer­den. Was mein Voll­s­ti­pen­di­um an­geht, werde ich nach den Weih­nachts­fe­ri­en er­fah­ren, wie es wei­ter­geht. Warum gön­nen wir uns nicht erst ein­mal ein ver­spä­te­tes Mit­tag­es­sen? Ich lade dich ein. Ich will Dads Kre­dit­kar­te noch ein biss­chen zum Glü­hen brin­gen, bevor er er­fährt, was ich heute getan habe.“
Ich reibe mir über den Bauch. Essen klingt gut. Ei­gent­lich hört sich essen immer gut an. „Leah soll­te in etwa einer Stun­de zu­rück sein“, sage ich und sehe zu ihm auf. „Wie wäre es mit me­xi­ka­nisch?“
Ich stehe auf und lasse Sam wis­sen, dass ich zuvor noch du­schen will. Ich gehe in mein Zim­mer, schlie­ße die Tür, ziehe mich bis auf meine Bo­xer­shorts, die ich neu­er­dings trage, weil sie be­que­mer sind, aus und werfe meine Klei­der in den Wä­sche­korb. Auf dem Weg zum Bad stel­le ich mich vor den Ganz­kör­per­spie­gel, der an mei­ner Schrank­tür be­fes­tigt ist, um mich zu be­trach­ten. Mein Kör­per hat sich sehr ver­än­dert. Meine Hüf­ten sind etwas brei­ter und meine Brüs­te viel grö­ßer. Sogar mein Ge­sicht scheint ir­gend­wie fül­li­ger zu sein. Ich bin nicht mehr die­sel­be Frau, die ich vor fast sechs Mo­na­ten war. Ich drehe mich zur Seite, um auch mein Pro­fil zu mus­tern. Ich werde eine Mut­ter sein. Wie jeden Tag, wenn ich mein Spie­gel­bild be­trach­te, er­füllt mich die Ehr­furcht. Ich liebe die­ses Baby schon jetzt über alles.
Weil heute Diens­tag ist, ent­schei­den wir uns für die Tacos bei Jose´s. Heute gibt es die Tacos zum hal­ben Preis und die At­mo­sphä­re ist groß­ar­tig. Voll­ge­stopft bis oben­hin, lehne ich mich in mei­nem Stuhl zu­rück.
„Warum habt ihr mich so viel essen las­sen?“, be­kla­ge ich mich bei Sam und Leah. Ich glau­be, ich habe fünf die­ser Rie­sen­tei­le ver­drückt. Aber sie waren echt gut.
„Ich habe Angst, dir etwas zu ver­wei­gern“, er­wi­dert Sam mit gro­ßen Augen und lacht leise.
„Sam, du weißt doch, dass sie für zwei isst. Und wie lau­tet deine Aus­re­de?“, scherzt Leah, wor­auf­hin wir alle la­chen.
„Warum hal­ten wir auf dem Heim­weg nicht bei einer Eis­die­le an? Ich habe Lust auf einen Ba­na­nen­split“, schla­ge ich vor, als wir auf­ste­hen und un­se­re Ja­cken an­zie­hen. So­wohl Leah als auch Sam igno­rie­ren die Tat­sa­che, dass ich ihnen ge­ra­de vor­ge­jam­mert habe, wie satt ich bin und nun doch einen Nach­tisch ver­lan­ge. Als wir das Re­stau­rant ver­las­sen, atme ich die kühle Abend­luft ein. Ich be­trach­te die weih­nacht­lich ge­schmück­ten Schau­fens­ter der Läden. Die ganze Stra­ße ist mit glit­zern­den Lich­tern und tan­zen­den Weih­nachts­män­nern ge­schmückt.
„Wol­len wir uns noch einen Mo­ment die Beine ver­tre­ten? Ich würde mir gern all die De­ko­ra­tio­nen an­se­hen“, schla­ge ich vor. Die bei­den stim­men zu, also spa­zie­ren wir noch eine Weile die Stra­ße ent­lang, bevor wir uns auf den Rück­weg ma­chen.
„Haben wir vor­hin etwa das Licht an­ge­las­sen?“, frage ich, als wir vor dem Apart­ment­ge­bäu­de vor­fah­ren.
„Nein, ich war der Letz­te, der ge­gan­gen ist. Ich weiß, dass ich es aus­ge­schal­tet habe“, ver­si­chert Sam uns.
Er steigt als Ers­ter aus und bit­tet uns, im Wagen zu war­ten, wäh­rend er in die Woh­nung geht, um nach dem Rech­ten zu sehen. Ich be­ob­ach­te, wie er die Tür öff­net und ein­tritt.
„Komm, Leah, lass uns auch rein­ge­hen.“
„Er hat ge­sagt, wir sol­len hier war­ten“, ent­geg­net sie ent­schlos­sen.
Ich höre nicht auf sie und stei­ge aus dem Wagen, wor­auf­hin Leah mir folgt. Als wir durch die Tür tre­ten, sehe ich wie Sam die Trep­pe her­un­ter­kommt. Die ganze Woh­nung ist ver­wüs­tet wor­den. Die Couch wurde auf­ge­schlitzt, der Fern­se­her liegt in Scher­ben auf dem Boden und die Le­bens­mit­tel aus dem Kühl­schrank sind über­all ver­streut.
„Sie müs­sen durch die Schie­be­tür in der Küche rein­ge­kom­men sein. Ich weiß noch nicht genau, was im Ober­ge­schoss alles be­schä­digt ist, aber wer auch immer hier war, ist schon über alle Berge“, er­klärt Sam. Wir gehen ge­mein­sam die Trep­pe hin­auf und er­rei­chen zu­erst mein Zim­mer. Die Tür steht offen und Sam geht vor­aus. Ich folge ihm und pral­le gegen sei­nen Rü­cken, als er ab­rupt ste­hen­bleibt. Er dreht sich zu mir um und ver­sperrt mir die Sicht, wobei er ver­sucht, mich aus der Tür zu drän­gen.
„Was soll das, Sam? Lass mich rein“, for­de­re ich.
„Süße, hier gibt es nichts zu sehen. Wir müs­sen die Po­li­zei rufen.“
Wovon in aller Welt redet er bloß? Ich drän­ge mich an ihm vor­bei und wün­sche mir au­gen­blick­lich, ich hätte es nicht getan. An der Wand über mei­nem Bett hängt eines mei­ner Ul­tra­schall­bil­der. Es wurde mit einem Ta­schen­mes­ser an die Wand ge­pinnt, wäh­rend mit blut­ro­ter Farbe die Worte Werde es los oder ich werde es um­brin­gen dar­über ge­schrie­ben ste­hen.
Ich be­kom­me wei­che Knie und mir wird übel. Zum Glück fängt Sam mich auf, bevor ich zu Boden gehen kann.
„Wer tut so etwas?“, fragt Leah, wäh­rend ich zu zit­tern be­gin­ne und dann in Trä­nen aus­bre­che.
„Seit Be­ginn des Se­mes­ters haben sich ein paar selt­sa­me Dinge zu­ge­tra­gen. Zu­erst habe ich Blu­men ge­schickt be­kom­men, spä­ter dann Nach­rich­ten. Es war sogar je­mand in un­se­rem Zim­mer im Wohn­heim. Ich dach­te, es hätte auf­ge­hört, denn seit Wo­chen ist es ruhig ge­blie­ben“, schluch­ze ich.
Sam führt mich zu mei­nem zer­wühl­ten Bett und setzt mich auf die Ma­trat­ze. „Warum hast du uns nichts er­zählt? Du hät­test es je­man­dem sagen müs­sen, Alba.“
„Ich weiß, ich weiß. Zu­erst dach­te ich, dass mir viel­leicht je­mand Strei­che spie­len will, und nach­dem ich keine Nach­rich­ten mehr be­kom­men habe, glaub­te ich, dass der­je­ni­ge viel­leicht den Spaß daran ver­lo­ren hätte.“
Leah er­greift meine Hand. „Wir müs­sen die Po­li­zei rufen.“
Mit ge­rö­te­ten Augen und trä­nen­über­ström­tem Ge­sicht bli­cke ich zu den bei­den auf. „Nein, bringt mich nach Hause.“
„Alba, wir müs­sen …“
„Ich will nach Hause!“, rufe ich und falle Sam ins Wort.
Er kniet sich vor mich und streicht mir die Haare aus dem Ge­sicht. „Also gut, aber Leah wird dich al­lein hin­fah­ren. Ich blei­be hier und rufe die Po­li­zei.“ Er wen­det sich Leah zu. „Pack ein paar Kla­mot­ten für sie ein. Wenn ihr jetzt los­fahrt, schafft ihr es bis zwei­und­zwan­zig Uhr nach Pol­son.“
Leah sucht ein paar Klei­dungs­stü­cke zu­sam­men, die nicht zer­fetzt sind, und stopft sie in einen klei­nen Kof­fer, den sie in mei­nem Schrank ge­fun­den hat.
Werde es los, oder ich werde es um­brin­gen.
Ich sehe die Worte immer wie­der vor mir. Warum soll­te je­mand mei­nem Baby etwas antun wol­len?
„Komm schon, Alba, lass uns gehen. Ich habe alles ein­ge­packt, was ich fin­den konn­te. Brin­gen wir dich nach Hause.“ Ich kann zwar hören, wie Leah die Worte aus­spricht, doch ihre Stim­me klingt so ge­dämpft, als hätte ich Was­ser in den Ohren. Die bei­den be­glei­ten mich zum Wagen und Sam schnallt mich an. Dann bit­tet er Leah, ihn an­zu­ru­fen, so­bald wir an­ge­kom­men sind. Ich sitze auf dem Bei­fah­rer­sitz und star­re aus dem Fens­ter.
Wäh­rend der gan­zen Fahrt kann ich nicht auf­hö­ren zu wei­nen, bis ich glau­be, keine Trä­nen mehr ver­gie­ßen zu kön­nen. Meine Augen schmer­zen und mein Kopf tut weh.
Als wir Pol­son er­rei­chen, er­greift Leah das Wort. „Du musst mir sagen, wohin ich fah­ren muss, denn ich war noch nie hier.“
Mit lei­ser Stim­me er­klä­re ich ihr den Weg, bis wir die lange un­be­fes­tig­te Stra­ße er­rei­chen, die zum Club­haus führt. Ich muss mir keine Ge­dan­ken dar­über ma­chen, dass uns nie­mand her­ein­lässt, denn ich weiß von Bella, dass der Club ein neues Si­cher­heits­tor in­stal­liert hat, wel­ches mit der Ein­ga­be eines Codes auf einem Tas­ta­tur­feld ge­öff­net wird. Sie haben es vor einem Monat mit­hil­fe von Lo­gans Vater in­stal­liert und meine Schwes­ter hat mir den Code ge­ge­ben, falls ich ihn je brau­chen soll­te. Jetzt bin ich ihr dank­bar dafür. Ich teile Leah die Kom­bi­na­ti­on mit. Sie gibt sie ein und das über zwei Meter hohe Tor öff­net sich lang­sam. Nach­dem wir hin­durch­ge­fah­ren sind, schließt es sich wie­der. Leah parkt den Truck vor dem Club­haus und ich stei­ge aus, wobei ich den Wagen mei­ner Schwes­ter er­bli­cke. Wie fern­ge­steu­ert gehe ich hin­ein.
Ich bin kaum durch die Tür ge­tre­ten, als meine Schwes­ter auch schon auf mich zu­läuft. Ihr freu­di­ges Lä­cheln er­stirbt au­gen­blick­lich, als sie nä­her­kommt. „Alba, was ist los?“, will sie wis­sen und zieht mich in ihre Arme. Als ich mei­nen Kopf leicht in den Na­cken lege, be­geg­ne ich Ga­bri­els Blick und ziehe so­fort meine Jacke fes­ter um mei­nen Kör­per.
„Cariño?“, fragt Ga­bri­el mit sanf­ter Stim­me. Meine Schwes­ter starrt mich einen Mo­ment fra­gend an. Als ich noch ein­mal an mei­ner Jacke ziehe, die mei­nen Ba­by­bauch nur spär­lich ver­deckt, schnappt Bella nach Luft und schlägt sich eine Hand vor den Mund. Ich be­ob­ach­te wie Ga­bri­el Bel­las Blick folgt und spüre, wie mir das Blut in den Ohren rauscht.
„Was zum Teu­fel?“, ruft er mit einem Knur­ren aus. „Du hast ja nicht lange ge­braucht, um deine Beine für die­sen Foot­ball­spie­ler breit zu ma­chen und dich von ihm schwän­gern zu las­sen“, blafft er wü­tend.
Ich bin ge­nau­so scho­ckiert wie meine Schwes­ter und trete ohne zu zö­gern vor, um ihm eine schal­len­de Ohr­fei­ge zu ver­pas­sen, die von den Wän­den des Club­hau­ses wi­der­hallt. Eine Se­kun­de spä­ter folgt Bella mei­nem Bei­spiel und trifft seine an­de­re Wange. Wie kann er nur so etwas sagen? Glaubt er wirk­lich, dass ich so leicht zu haben bin? Denkt er, dass ich so ein­fach mit einem an­de­ren ins Bett sprin­gen würde, nach­dem ich mit ihm zu­sam­men war?
Meine Schwes­ter er­greift meine Hand und führt mich an den an­de­ren vor­bei die Trep­pe hin­auf zu mei­nem Zim­mer. Sie schließt die Tür und ich setze mich aufs Bett, wäh­rend sie vor mir auf und ab geht.
„Alba, was ist los? Rede mit mir. Ich wuss­te, dass du mir etwas ver­heim­lichst, und ich habe ver­mu­tet, dass es etwas mit Ga­bri­el zu tun hat, aber ich hätte nie ge­dacht, dass du mit sei­nem Baby schwan­ger bist“, sagt sie mit ru­hi­ger Stim­me, wobei ich je­doch den ge­kränk­ten Un­ter­ton darin mit­schwin­gen hören kann. Mir ist auf­ge­fal­len, dass sie nicht nach dem Vater ge­fragt, son­dern so­fort an­ge­nom­men hat, dass das Kind von Ga­bri­el ist. Das zeigt mir, wie ein­fühl­sam sie ist.
„Ich habe erst im zwei­ten Monat ge­checkt, dass ich schwan­ger bin. Und nach­dem Ga­bri­el mir zu ver­ste­hen ge­ge­ben hat, dass ich ihm nichts be­deu­te, habe ich es ein­fach nicht über mich ge­bracht, es je­man­dem zu er­zäh­len.“
Bella hält inne und setzt sich neben mich aufs Bett.
„Es tut mir weh, dass du ge­glaubt hast, dich mir nicht an­ver­trau­en zu kön­nen.“
„Es geht nicht darum, dass ich es dir nicht er­zäh­len konn­te, ich woll­te es nicht. Ich woll­te dich nicht ent­täu­schen.“
„Du könn­test mich nie ent­täu­schen, Alba. Du musst dein ei­ge­nes Leben leben und deine ei­ge­nen Ent­schei­dun­gen tref­fen. Ich stehe zu hun­dert Pro­zent hin­ter dir, egal was pas­siert. Weißt du das denn nicht?“, fragt sie. „Aber da ist doch noch etwas. Du bist doch nicht ohne Grund drei Tage frü­her in Trä­nen auf­ge­löst hier auf­ge­taucht. Also was ist los?“
Nie­der­ge­schla­gen er­zäh­le ich Bella alles. Ich be­rich­te ihr alle Ein­zel­hei­ten, bis hin zu den Ge­scheh­nis­sen heute Abend. Als ich fer­tig bin, lässt sich auch meine Schwes­ter von ihren Ge­füh­len über­wäl­ti­gen und zieht mich in ihre Arme.
„Ich werde Tante“, schnieft sie.
Wir schre­cken auf, als Ga­bri­els Stim­me durch das Club­haus dröhnt. Ich kann sie nur ge­dämpft hören, doch ich weiß genau, dass er es ist. Dann fällt mir Leah wie­der ein.
„Bella, meine Freun­din Leah hat mich hier­her­ge­fah­ren. Sie war­tet unten und ist wahr­schein­lich zu Tode er­schro­cken.“
Sie wischt sich mit dem Ärmel die Trä­nen aus den Augen und ver­lässt das Zim­mer. Zehn Mi­nu­ten spä­ter kommt sie mit einer völ­lig ver­ängs­tig­ten Leah im Schlepp­tau zu­rück.

Ga­bri­el

Es ist Diens­tag­abend, und ich sitze um­ge­ben von mei­ner Fa­mi­lie im Club­haus. Ich habe es mir in der Ecke be­quem ge­macht und trin­ke schwei­gend ein Bier, wäh­rend ich den Ge­sprä­chen der an­de­ren lau­sche. Leyna hat auf dem Sofa Platz ge­nom­men, wäh­rend Logan mit Bella auf sei­nem Schoß ihr ge­gen­über­sitzt. Er hält eben­falls ein Bier in der Hand und hat die an­de­re auf Bel­las Hüfte ge­legt.
In den letz­ten fünf Mo­na­ten war es ziem­lich ruhig im Club, was vor allem daran liegt, dass wir uns aus dem Waf­fen­ge­schäft zu­rück­ge­zo­gen haben. Lo­gans Vater hat uns bei der Ent­schei­dung, den Club sau­ber zu hal­ten, voll und ganz un­ter­stützt. So­wohl das Stu­dio als auch die Werk­statt lau­fen gut. Na­tür­lich spü­ren wir die Ein­bu­ßen, die das Aus­schei­den aus dem Waf­fen­ver­kauf mit sich bringt. Den­noch fühlt es sich ver­dammt gut an, dass wir uns nicht mehr mit dem gan­zen Scheiß her­um­schla­gen müs­sen, der damit ver­bun­den ist.
Ei­ni­ge der äl­te­ren Mit­glie­der waren zwar nicht son­der­lich glück­lich mit dem Ent­schluss. Sie haben eine kon­kre­te Vor­stel­lung davon, wie der Club ge­führt wer­den soll­te, doch letzt­end­lich war die Wahl ein­stim­mig.
Vor etwa einem Monat hat Lo­gans Bru­der, Ni­ko­lai, Jake den Vor­schlag un­ter­brei­tet, ein Bau­un­ter­neh­men zu grün­den. Ni­ko­lai ist in Pol­son ge­blie­ben, wäh­rend De­me­tri nach Russ­land zu­rück­ge­kehrt ist. Logan hat ihm einen Job auf dem Bau be­sorgt, und er ist ins Club­haus ge­zo­gen. Er ist zwar kein Mit­glied der Kings, aber er ge­hört den­noch zur Fa­mi­lie. Und so wie es aus­sieht, ist er hand­werk­lich be­gabt und hat einen Bat­zen Geld an­ge­spart. Also frag­te er Jake, ob der Club daran in­ter­es­siert sei, mit ihm ein Un­ter­neh­men auf­zu­bau­en, das zu glei­chen Tei­len ihm und den Kings ge­hö­ren wird. Prez brach­te den Vor­schlag wäh­rend einer Mit­glie­der­ver­samm­lung zur Spra­che und nach nicht ein­mal fünf Mi­nu­ten stimm­ten alle dafür. Der Club wird die Hälf­te der Kohle auf­brin­gen, und Reid hat sich be­reit­er­klärt, die Firma ge­mein­sam mit Ni­ko­lai zu füh­ren. Als Road Cap­tain war Reid für die Pla­nung un­se­rer Waf­fen­ge­schäf­te ver­ant­wort­lich, doch in letz­ter Zeit hatte er nicht mehr viel zu tun, also hat er die Ge­le­gen­heit er­grif­fen. Ich habe einen Hei­den­re­spekt vor Lo­gans Bru­der, denn er wei­gert sich, das Geld sei­nes Va­ters an­zu­neh­men und ver­sucht statt­des­sen, selbst etwas auf die Beine zu stel­len.
Die Jungs haben sogar mei­ner Schwes­ter einen Job an­ge­bo­ten, denn für das neue Un­ter­neh­men wer­den wir eine Emp­fangs­da­me brau­chen. Leyna hat nicht lange dar­über nach­den­ken müs­sen, und hat das An­ge­bot an­ge­nom­men. Si­cher wird es sich als nütz­lich er­wei­sen, dass sie so­wohl Eng­lisch als auch Spa­nisch spricht, denn etwa sech­zig Pro­zent der bis­her ein­ge­stell­ten Ar­bei­ter haben his­pa­ni­sche Wur­zeln. Leyna hat sogar ei­ni­ge der Brü­der davon über­zeugt, Spa­nisch zu ler­nen. Mit Aus­nah­me von Quinn.
Meine Schwes­ter wei­gert sich, ihn zu un­ter­rich­ten, seit sie her­aus­ge­fun­den hat, dass er seine Spa­nisch­kennt­nis­se dazu be­nutz­te, um mit So­fi­as Spa­nisch­leh­re­rin zu flir­ten. Das er­klärt, warum er das Mäd­chen immer so be­reit­wil­lig von der Schu­le ab­ge­holt hat. Eines Tages kam Sofia von der Schu­le nach Hause und er­zähl­te Bella, wie pein­lich es ihr sei, dass Quinn ihre Leh­re­rin an­bag­gert. Also hat Bella sich an Leyna ge­wandt und die bei­den Frau­en heck­ten einen Plan aus. Das Ganze hat damit ge­en­det, dass Quinn, als er Sofia das nächs­te Mal von der Schu­le ab­hol­te, mit einem auf­fäl­li­gen Hand­ab­druck auf der lin­ken Wange zu­rück­kam, wor­auf­hin die drei Frau­en in schal­len­des Ge­läch­ter aus­ge­bro­chen sind.
„Das ist nicht lus­tig, Leyna. Ganz und gar nicht“, hatte Quinn ver­kün­det.
Ich habe meine Schwes­ter noch am sel­ben Tag ge­fragt, was er zu der Leh­re­rin ge­sagt hat.
„Sagen wir ein­fach, dass eine Frau nicht son­der­lich er­freut dar­über ist, wenn ihr je­mand er­zählt, sie habe einen fet­ten Arsch“, ant­wor­te­te sie. Meine klei­ne Schwes­ter ist ein Hitz­kopf und man täte bes­ser daran, sich nicht von ihrer Schön­heit blen­den zu las­sen. Wenn du Mist baust, wird sie dir die Hölle heiß ma­chen. Seit sie hier ist, hat sie mir mehr als eine Stand­pau­ke ge­hal­ten, und dabei ging es jedes Mal um Alba. Leyna hat nicht um den hei­ßen Brei her­um­ge­re­det und mir di­rekt ge­sagt, dass ich es ver­kackt habe. Mir dreht sich immer noch der Magen um, wenn ich daran denke, wie ich Alba am Mor­gen nach un­se­rer ge­mein­sa­men Nacht be­han­delt habe.
„Un­se­re Mut­ter hat dich nicht zu einem ge­fühl­lo­sen Arsch er­zo­gen. Sie wäre si­cher ent­täuscht von dir, her­ma­no. Du soll­test dich wie ein Mann ver­hal­ten und dir deine Frau zu­rück­ho­len.“
Und genau das werde ich tun.
Vor drei Wo­chen habe ich ein An­ge­bot für ein Haus ab­ge­ge­ben und werde nächs­te Woche den Kauf­ver­trag un­ter­schrei­ben. Alba hat es ver­dient, in einem an­stän­di­gen Zu­hau­se zu leben, und das wird sie auch be­kom­men. Ich woll­te be­reits an Thanks­gi­ving mit ihr reden, aber sie hat ir­gend­ei­ne däm­li­che Aus­re­de er­fun­den, um nicht her­kom­men zu müs­sen. Wenn sie die­ses Wo­chen­en­de wie­der nicht in Pol­son auf­taucht, werde ich nach Bo­ze­man fah­ren.
„Hey, Gro­ßer. Wor­über grü­belst du nach?“, er­kun­digt sich Bella von der an­de­ren Seite des Rau­mes aus und reißt mich aus mei­nen Ge­dan­ken.
„Über nichts“, brum­me ich. Sie schenkt mir ein war­mes Lä­cheln und wid­met ihre Auf­merk­sam­keit wie­der Logan. Glück­li­cher­wei­se nimmt Bella es mir nicht übel, dass ich der­art wort­karg bin. Ei­ni­ge Mi­nu­ten spä­ter fliegt die Ein­gangs­tür auf und ein kal­ter Luft­zug weht ins Club­haus.
„Alba!“, ruft Bella, springt von Lo­gans Schoß auf und eilt zu ihrer Schwes­ter. Ich werfe einen Blick auf Alba und bin so­fort in höchs­ter Alarm­be­reit­schaft. Ihr Ge­sicht ist ge­rö­tet und Trä­nen kul­lern ihr über die Wan­gen. Ich gehe so­fort zu ihr, doch als Alba mich über die Schul­ter ihrer Schwes­ter hin­weg be­trach­tet, er­bleicht sie.
„Cariño?“, frage ich mit sanf­ter Stim­me, ohne mei­nen Blick von ihr zu neh­men. Im nächs­ten Mo­ment höre ich, wie Bella neben mir nach Luft schnappt. Nun schaue ich sie an und sehe, wie sie sich eine Hand vor den Mund schlägt. Aber­mals gucke ich zu Alba her­über und mus­te­re sie von Kopf bis Fuß. Und dann sehe auch ich es und mir ste­hen die Na­cken­haa­re zu Berge.
„Was zum Teu­fel?“, flu­che ich mit einem Knur­ren. „Du hast ja nicht lange ge­braucht, um deine Beine für die­sen Foot­ball­spie­ler breit zu ma­chen und dich von ihm schwän­gern zu las­sen“.
Bella und Alba zie­hen gleich­zei­tig den Sau­er­stoff ein, dann holt Alba aus und ver­passt mir eine schal­len­de Ohr­fei­ge. Bevor ich mich von dem Schlag er­ho­len kann, trifft Bel­las Hand auf meine an­de­re Wange. Ohne ein wei­te­res Wort er­greift Bella die Hand ihrer Schwes­ter und führt sie aus dem Raum.
Im Club­haus herrscht plötz­lich To­ten­stil­le. Nach einem Mo­ment der Ruhe fin­det Reid als Ers­ter die Spra­che wie­der. „Würde mir je­mand er­klä­ren, was zum Teu­fel hier ge­ra­de pas­siert ist?“

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies). Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.