Heaven's Rejects MC: Heaven Sent

Ori­gi­nal­ti­tel: Hea­ven Sent (Hea­ven's Re­jects MC Book 1)
Über­set­zer: Jazz Win­ter

Er­schie­nen: 08/2024
Serie: Hea­ven's Re­jects MC
Teil der Serie: 1

Genre: Motor­cy­cle Club Ro­mance, Ro­man­tic Thrill

Lo­ca­ti­on: USA, Ka­li­for­ni­en


Er­hält­lich als:
pa­per­back & ebook

ISBN:
Print: 978-3-86495-700-0
ebook: 978-3-86495-701-7

Preis:
Print: 16,90 €[D]
ebook: 6,99 €[D]

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und allen gän­gi­gen On­line­händ­lern und im Buch­han­del

Heaven's Rejects MC: Heaven Sent


In­halts­an­ga­be

Ihr Alb­traum dau­ert immer noch an. Sei­ner hat ihn ge­bro­chen zu­rück­ge­las­sen.

Dani Es­pi­no­za hat einen Stal­ker. Zu­erst er­mor­de­te er ihre El­tern und nun ist er auf der Suche nach ihr. Um ihr ei­ge­nes Leben zu ret­ten, steigt Dani in den nächs­ten Bus, der Ohio ver­lässt, und flieht. Aber als sie in Ka­li­for­ni­en an­kommt, fin­det sie nur noch mehr Pro­ble­me vor, denn sie gerät mit­ten in einen Bi­ker-Krieg. Dani wird vom Hea­ven's Re­jects MC ge­fan­gen ge­nom­men, da sie Dani ver­däch­ti­gen, dass sie mit den Tod­fein­den des Clubs, dem Twis­ted Tribe MC, zu­sam­men­ar­bei­tet. In die­ser aus­weg­lo­sen Si­tua­ti­on lernt sie Hero, den Vi­ze­prä­si­den­ten des Clubs, ken­nen und fühlt sich mit ihm ver­bun­den, auch wenn er der­je­ni­ge ist, der sie ge­fan­gen hält.

Tyler „Hero“ To­bi­as ist der Vi­ze­prä­si­dent des Hea­ven’s Re­jects MC und er nimmt seine Po­si­ti­on dort sehr ernst. Als er Dani trifft, ist ihm so­fort klar, dass er ihr nicht über den Weg trau­en kann. In ihren brau­nen Augen ver­ber­gen sich Ge­heim­nis­se und Lügen lie­gen auf ihren süß lä­cheln­den  Lip­pen. Also warum kann er dann nicht auf­hö­ren, an sie zu den­ken, wenn er sich doch
ei­gent­lich dar­auf kon­zen­trie­ren soll­te, sei­nen Club am Leben zu hal­ten?

Als Danis Ge­heim­nis­se ans Licht kom­men und ihre Lügen auf­ge­deckt wer­den, ris­kiert Hero sein Herz und auch sei­nen Club, um sie zu be­schüt­zen und sie zu der Sei­nen zu ma­chen.

Über die Au­to­rin

Ave­lyn Paige ist eine Wall Street Jour­nal- und USA To­day-Best­sel­ler­au­to­rin von Ro­man­tic Sus­pen­se- und MC Ro­mance-Ge­schich­ten. Sie lebt mit ihrem Mann und ihren fünf pel­zi­gen Kin­dern in einer Klein­stadt in In­dia­na.
Wenn sie nicht ge­ra­de schreibt, ver­bringt Ave­lyn ihre Tage...

Wei­te­re Teile der Hea­ven's Re­jects MC Serie

Le­se­pro­be

Dani

Ich gebe für die Nacht auf und kehre zum Haus zu­rück. Der Son­nen­auf­gang fängt ge­ra­de erst an und der Him­mel färbt sich in hüb­sche Rosa- und Oran­ge­tö­ne. Als ich um die Ecke biege, be­mer­ke ich einen gro­ßen Mann, der im Schat­ten neben der Hin­ter­tür des be­nach­bar­ten Sa­lons her­um­lun­gert. Ich kann seine Ge­sichts­zü­ge nicht aus­ma­chen, al­ler­dings er­ken­ne ich die oran­ge und grüne Schrift mit dem wei­ßen To­ten­kopf auf der Rück­sei­te sei­ner Jacke. Es han­delt sich dabei um genau das glei­che Ab­zei­chen, das meine Ent­füh­rer ge­tra­gen haben.
Shit. Sie haben mich ge­fun­den.
So­fort macht sich Panik in mir breit. Mein Herz­schlag be­schleu­nigt...

...​sich, als ob ich einen Sprint ge­lau­fen wäre, und es klopft wild in mei­ner Brust.
Ich schlei­che mich hin­ter eine Reihe von Müll­ton­nen, um nicht ent­deckt zu wer­den, und be­ob­ach­te, wie der Mann am Tür­schloss her­um­rüt­telt, dann sei­nen Fuß hebt und die Tür ein­tritt. Er holt eine Ta­schen­lam­pe her­vor, be­tritt das Ge­bäu­de und schließt die Tür hin­ter sich. Ich kann hören, wie Glas zer­bricht und harte Ge­gen­stän­de gegen die Wände schla­gen. Plötz­lich ver­lässt er das Haus wie­der und wirft ein bren­nen­des Zünd­holz hin­ter sich. Feuer bricht auf dem Boden auf und brei­tet sich ra­send schnell im In­nern des Bau­werks aus. Er joggt an mei­nem Ver­steck vor­bei, springt in einen ram­po­nier­ten Pick-up, rast auf die Stra­ße und ent­fernt sich vom Tat­ort.
Ein Feuer ist im Mo­ment nicht das, was ich ge­brau­chen kann. Es wird die Lo­kal­po­li­zei und Feu­er­wehr an­lo­cken. Also nicht das, was ich be­nö­ti­ge. Ich halte inne und denke über meine Op­tio­nen nach. Ich könn­te zum Haus zu­rück­keh­ren und mich dort ver­ste­cken, in der Hoff­nung, man wird mich dort nicht fin­den. Oder ich kann ver­su­chen, damit klar­zu­kom­men und meine Exis­tenz ver­tu­schen. Bei­des ist keine gute Wahl, aber es dau­ert nur Se­kun­den, bis mir be­wusst wird, dass ich ei­gent­lich nur eins tun kann, um das Ri­si­ko der Ent­de­ckung zu re­du­zie­ren.
Wäh­rend ich auf das bren­nen­de Ge­bäu­de zu­lau­fe, ent­de­cke ich ein weg­ge­wor­fe­nes Hand­tuch in der Nähe eines Müll­ei­mers. Ich grei­fe da­nach und ver­su­che, die Flam­men so gut es geht zu er­sti­cken. Mit jedem Schlag des Hand­tuchs füllt der Rauch meine Lun­gen, wäh­rend das Feuer den Stoff ver­sengt. Bei jedem müh­sa­men Schwung, den ich nehme, schrei­en meine Rip­pen förm­lich vor Schmer­zen.
„Schei­ße!“ Ich huste und sauge noch mehr rauch­hal­ti­ge Luft in meine oh­ne­hin be­reits bren­nen­den Lun­gen ein. Ich habe höchs­tens ein paar Mi­nu­ten Zeit, bis mich das Koh­len­di­oxid in der Luft völ­lig außer Ge­fecht setzt. Ich ziehe mein Shirt pro­vi­so­risch über meine Nase und Mund und schla­ge nach den Flam­men, bis ich eine Haar­wasch­sta­ti­on er­reicht habe. Ich huste noch hef­ti­ger in dem stin­ken­den Rauch, wäh­rend meine Fin­ger nach dem Griff des Was­ser­hahns tas­ten. Als meine Fin­ger end­lich fin­den, was ich suche, be­nut­ze ich den Spray­er, um die letz­ten Flam­men zu lö­schen. Das ver­kohl­te Holz brut­zelt durch die Hitze und das dar­über ver­teil­te Was­ser zischt leise. Mein Herz klopft, als ich in der Ferne die Si­re­nen höre, die von Se­kun­de zu Se­kun­de näher kom­men.
Ich muss hier raus. Sie dür­fen mich nicht hier fin­den.
Ich flit­ze aus dem Salon und in mein pro­vi­so­ri­sches Zu­hau­se, ge­ra­de als das Lösch­fahr­zeug in die Gasse biegt. Ich schie­be das Holz­brett wie immer über mei­nen Ge­hei­mein­gang und glei­te zu Boden.
Ich schnap­pe nach fri­scher Luft, komme lang­sam wie­der zu Atem und be­mü­he mich, das Ad­re­na­lin in mir zu dros­seln, das ge­ra­de durch mei­nen Kör­per pumpt. Der an­stren­gen­de Ver­such, das Feuer zu lö­schen, hat bei mei­nen an­ge­schla­ge­nen Rip­pen sei­nen Tri­but ge­for­dert. Das Ad­re­na­lin reicht aus, um den Schmerz vor­über­ge­hend zu dämp­fen, doch als es aus mei­nem Kör­per weicht, wird es durch ste­chen­de Pein er­setzt, die mich bei jedem Atem­zug fast lähmt.
Ich muss mich wirk­lich bald darum küm­mern. Ir­gend­wie.
Stun­den­lang be­ob­ach­te ich, wie die Feu­er­wehr­leu­te um das halb ver­brann­te Ge­bäu­de um­her­sch­wir­ren und be­hal­te sie im Auge, bis sie den Ort des Ge­sche­hens ver­las­sen. Die Po­li­zei je­doch bleibt zu­rück, si­chert das Ge­biet mit Bar­ri­ka­den und in­spi­ziert den Tat­ort drau­ßen. Ich stoße einen stil­len Fluch aus, als einer der Be­am­ten meine Ta­sche vol­ler weg­ge­wor­fe­ner Schät­ze be­merkt und darin her­um­wühlt. Ich atme erst wie­der, nach­dem er sie bei­sei­te wirft und seine Suche fort­setzt.
Kurze Zeit spä­ter ver­lässt auch die Po­li­zei den Tat­ort und ich kann end­lich be­ru­higt sein, dass ich nicht ent­deckt wor­den bin. Ich gehe in die alte Küche, ziehe die mit Rauch und Ruß be­deck­ten Shorts und das Shirt aus und wei­che sie in dem mit Was­ser ge­füll­ten Wasch­be­cken ein.
Gott, ich wünsch­te, ich hätte eine gute Seife.
Ich bin mir si­cher, dass die ein­zi­gen Shorts, die ich habe, jetzt rui­niert sind. Ich ziehe mir eins der alten, ab­ge­tra­ge­nen Shirts über den Kopf, die ich bei mei­nen nächt­li­chen Streif­zü­gen ge­fun­den habe, trin­ke ein paar Glä­ser Was­ser und gehe dann ins Bett. Ich weiß, dass es keine gute Idee ist, un­be­auf­sich­tigt zu schla­fen, ob­wohl ich so viel Rauch ein­ge­at­met habe, al­ler­dings habe ich keine an­de­re Wahl. Ich muss mei­nem Kör­per und mei­nen Rip­pen etwas Ruhe gön­nen. Ich rut­sche auf das wei­che, wenn auch ab­ge­nutz­te So­fa­kis­sen und ziehe die Decke über mich. Ein­zu­schla­fen fällt mir so leicht.
Eine Stim­me weckt und er­schreckt mich.
Nein. Nein. Nein. Ich muss mich ver­ste­cken.
Im Ver­such, genau das zu tun, rut­sche ich vom Bett, renne, so leise ich kann, zum Schrank unter der Trep­pe und schlie­ße die Tür hin­ter mir. Ich drän­ge mich in die Dun­kel­heit und hoffe, dass sie aus­reicht, um mich zu ver­ber­gen. Mit schwe­ren Schrit­ten be­tritt je­mand den Raum.
„Siehst du je­man­den, Voo­doo?“ Die weib­li­che Stim­me, die fragt, kommt aus der Küche.
„Nein, Maj, hier steht al­ler­dings ein Bett“, ant­wor­tet eine männ­li­che Stim­me. Die schwe­ren Schrit­te tre­ten näher an mich heran. „Es ist noch warm, also ist der­je­ni­ge, dem das ge­hört, noch nicht weit weg.“
Ich kann hören, wie die Me­tall­fü­ße des Kin­der­bet­tes über den Holz­bo­den schar­ren. Als der Lärm ver­stummt, hallt das Kli­cken von Ab­satz­schu­hen im Raum wider.
„Hier muss je­mand sein. Die ru­ßi­gen Fuß­ab­drü­cke haben di­rekt in die­ses Haus ge­führt. Bist du dir si­cher, dass du unten alles über­prüft hast?“, fragt sie.
„Ja. Ich würde mich ja oben auch um­se­hen, al­ler­dings be­fürch­te ich, dass die Stu­fen total ver­rot­tet sind und ich möch­te nicht mit mei­nem Arsch im Kel­ler lan­den. Was meinst du, sol­len wir uns trol­len und es spä­ter noch ein­mal ver­su­chen?“
„Nein“, wi­der­spricht sie. „Ich weiß, dass der­je­ni­ge noch in der Nähe ist. Du gehst nicht eher, bis du ihn ge­fun­den hast.“
„Ich bin nicht das Mäd­chen für alles“, pro­tes­tiert er. „Ruf je­mand an­de­ren dafür.“
„Tu es, V“, knurrt sie und das Kli­cken ihrer Ab­sät­ze nä­hert sich mei­nem Ver­steck. „Hast du schon hier drin nach­ge­se­hen?“
Die Tür springt auf und ich bin ent­tarnt. Eine Frau mitt­le­ren Al­ters mit dunk­lem Haar steht vor mir und starrt mit ihren dunk­len Augen in die Dun­kel­heit. Ich atme noch immer nicht, doch es ist, als würde sie eine Nacht­sicht­bril­le tra­gen. Sie lä­chelt auf mich herab, wäh­rend ich mich zu­rück­zie­he.
„Na, was haben wir denn hier? Ich habe ein Mäd­chen ge­fun­den, V. Hilf mir, sie da raus­zu­ho­len“, ruft sie hin­ter sich.
Der Mann geht auf sie zu und stößt sie bei­sei­te. Er steckt seine Hände in den Schrank und er­greift meine Ober­ar­me. Ich ver­su­che mich so weit wie mög­lich in die Tiefe des Schran­kes zu drü­cken, um von ihm weg­zu­kom­men, doch es hilft nichts.
„Bitte“, flehe ich. „Ich habe nichts getan.“
„Das wer­den wir noch sehen. Komm raus“, be­fiehlt er und holt mich dann aus mei­nem Ver­steck.
Mich aus die­sem Schrank zu ent­fer­nen, hat al­ler­dings einen Preis für die­sen Mann. Ich trete und beiße und ver­su­che, mich aus sei­nen brei­ten Grif­feln zu be­frei­en.
„Him­mel, Frau“, schreit er, als meine Zähne sich in seine Haut ver­sen­ken. Mit einer schnel­len Be­we­gung wir­belt mich der Kerl herum, zieht mei­nen Rü­cken an sei­nen Kör­per und schlingt die Arme fest um meine Brust und meine an­ge­knacks­ten Rip­pen. Meine Ge­gen­wehr löst sich in Luft auf, wäh­rend die Pein er­neut in mir auf­steigt. Die Frau nä­hert sich mir und un­ter­sucht mein Ge­sicht.
„Dem Rauch­ge­ruch zu ur­tei­len, schät­ze ich, dass du die­je­ni­ge bist, deren ru­ßi­ge Spu­ren wir vom Salon aus ver­folgt haben. Hast du das Feuer ge­legt?“, fragt sie mich und mus­tert mein Ge­sicht, als ob sie darin nach Schuld­ge­füh­len sucht.
„Ich habe es ge­löscht“, flüs­te­re ich.
„Ist das so?“ Sie sieht mich skep­tisch an.
„Es war ein Mann in einer Le­der­ja­cke mit oran­ge-grü­ner Auf­schrift und einem wei­ßen To­ten­kopf auf dem Rü­cken“, ver­ra­te ich ner­vös, wäh­rend ich auf ihre Re­ak­tio­nen warte.
Die Augen der Frau leuch­ten auf und bli­cken so­fort zu dem Ge­sicht des Man­nes auf, der mich fest­hält. „Bist du dir da si­cher, Schätz­chen? War es ein wei­ßer oder ein roter Schä­del?“
„Von mei­nem Ver­steck aus wirk­te er weiß“, er­wi­de­re ich.
Gott, ich hoffe, meine Ehr­lich­keit endet nicht damit, dass ich wie­der im Be­sitz der Bas­tar­de lande. Wenn das der Fall wäre, ist der Tod die bes­se­re Op­ti­on.
„Es war das­sel­be Sym­bol, das die Män­ner tru­gen, die mich ent­führt haben“, er­gän­ze ich leise.
Der Mann, der mich fest­hält, lässt mich plötz­lich los, reißt mich herum, damit ich ihn di­rekt an­se­hen kann. Sein Ge­sicht ist auf ein­mal nur noch we­ni­ge Zen­ti­me­ter von mei­nem ent­fernt. „Ent­führt? Män­ner mit die­sen Far­ben haben dich ent­führt?“ Sein Ant­litz ist rot vor Wut. „Warum soll­ten sie dich ent­füh­ren? Bist du eine ihrer Huren? Dealst du Dro­gen für sie?“ Er bellt mir wei­te­re Fra­gen in schnel­ler Ab­fol­ge zu. „Ant­wor­te mir, Frau.“
„Wegen mei­ner Mit­be­woh­ne­rin“, weine ich. „Ich habe keine Ah­nung, warum sie sie woll­ten, aber statt­des­sen haben sie mich mit­ge­nom­men.“
Die Frau nä­hert sich. Ich kämp­fe gegen den Drang an, zu­rück­zu­wei­chen, doch der Mann lässt mich los, als ihre Hand meine Schul­ter be­rührt und schubst mich in ihre Rich­tung.
„Wenn du hier bist, um mich zu töten, dann bring es end­lich hin­ter dich.“
„Dich um­brin­gen, Süße?“, gibt der Mann von sich und lacht bei jedem ein­zel­nen Wort. „Was denkst du, Maj? Glaubst du ihre Ge­schich­te, oder soll ich die Jungs rufen, damit sie den an­de­ren Pick-up her­brin­gen, um ihre Lei­che los­zu­wer­den.“
Die Augen der Frau wer­den schmal, wäh­rend sie mich be­ur­teilt. Sie geht um mich herum, als stün­de ich auf einem Auk­ti­ons­block, be­reit, ver­kauft zu wer­den. Sie bleibt auf ein­mal ste­hen und be­deu­tet mir, nä­her­zu­kom­men. Ich tue, was sie ver­langt, und gehe vor­wärts, ge­ra­de nah genug, dass sie mich nicht pa­cken kann.
„Wie heißt du?“
„Dani.“
„Nun, Dani. Da du be­haup­test, du hät­test mei­nen Salon ge­ret­tet, denke ich, dass wir wei­ter­re­den soll­ten. Voo­doo hier wird dich unter mei­nem Schutz zu­rück zu un­se­rem Club­haus brin­gen. Was sagst du dazu?“
„Ich bin nicht dumm“, ar­gu­men­tie­re ich. „Warum soll­te ich mein Ein­ver­ständ­nis dazu geben, ein Ge­fäng­nis gegen ein an­de­res ein­zu­tau­schen? Warum soll­te ich ver­dammt noch mal zu­stim­men?“
„Weil du keine an­de­re Wahl hast, fürch­te ich“, gurrt die Frau fast. „So wie ich das sehe, hast du zwei Op­tio­nen. Ent­we­der du gehst unter mei­nem Schutz oder du wirst dazu ge­zwun­gen, ohne mei­nen Schutz. In un­se­rem Club­haus bist du je­den­falls si­che­rer als auf der Stra­ße. Dort wer­den sie nicht nach dir su­chen. Auf die eine oder an­de­re Weise wirst du mit uns kom­men.“
„Ent­schul­di­ge, wenn ich denke, dass das to­ta­ler Bull­s­hit ist“, feue­re ich zu­rück und bli­cke sie mit zu­sam­men­ge­knif­fe­nen Augen an. „Was würde dich davon ab­hal­ten, mich zu ver­ra­ten, so­bald wir die­ses Haus ver­las­sen? Woher zur Hölle soll ich mir si­cher sein, dass du nicht eine von ihnen bist?“
„Wir sind nicht wie diese Bas­tar­de“, zischt der Mann. Er kommt nur we­ni­ge Zen­ti­me­ter an mich heran und hat den Köder, wie ich er­war­tet habe, ge­schluckt, den ich aus­ge­wor­fen hatte.
Die Frau hebt ihre Hand, um ihn davon ab­zu­hal­ten, sich mir noch wei­ter zu nä­hern. „Du hast mir ge­hol­fen, also werde ich dir jetzt hel­fen. Du ver­dienst dir unser Ver­trau­en und wir sor­gen dafür, dass du in Si­cher­heit bist und nicht in die Hände des Tri­bes ge­rätst.“
Ich habe der­zeit wirk­lich keine ver­nünf­ti­ge Al­ter­na­ti­ve. Der Typ, der mich eben ge­packt hat, ist stark. Viel stär­ker als ich, selbst ohne an­ge­knacks­te Rip­pen. Gegen je­man­den wie ihn habe ich kei­ner­lei Chan­ce, wenn ich ver­su­chen würde zu flie­hen. Die Wahl war im Grun­de in dem Mo­ment ge­fal­len, als sie mich ent­deckt hat­ten.
„Ich gehe mit zu dir nach Hause.“
„Es ist nicht nur mein Haus, Süße. Siehst du den Kerl da?“ Sie zeigt auf den Big­foot neben ihr. „Es gibt noch fünf­zehn wei­te­re wie ihn, die genau wie er dort leben. Mein Mann ist Prä­si­dent eines Mo­tor­rad­clubs. Die ver­spei­sen klei­ne, auf­müp­fi­ge Schlam­pen wie dich zum Früh­stück, also würde ich an dei­ner Stel­le meine Ein­stel­lung über­den­ken.“
„Ja, Ma’am“, er­wi­de­re ich.
„Das ist es, was ich hören will. Ge­hor­sam bringt dich in un­se­rer Welt wei­ter.“ Sie dreht sich zu dem Mann um und bell­te wei­te­re Be­feh­le. „Bring Dani hier zu­rück ins Club­haus und bitte Ruby, ihr zu hel­fen, sich zu wa­schen und sie soll ihr etwas zum An­zie­hen zu be­sor­gen. Sie soll sie in einem der Gäs­te­zim­mer un­ter­brin­gen. Sie ist für die Jungs tabu! So­fern sie nichts an­de­res sagt. Hast du das ver­stan­den, Voo­doo? Stell si­cher, dass jeder der Jungs das weiß. Wird sie schei­ße be­han­delt, wäre es das­sel­be, als wür­den sie es mit mir tun. Köpfe wer­den rol­len, so­bald auch nur ein Haar auf ihrem Kopf ge­krümmt wird.“
Tabu? Möch­te ich über­haupt wis­sen, was die an­de­ren Frau­en für diese Män­ner tun, wenn sie mich schon als Tabu brand­markt?
Der Mann knurrt zu­stim­mend und zerrt mich aus mei­nem pro­vi­so­ri­schen Zu­hau­se, zieht mich hin­ter sich her und di­rekt zu einem auf der an­de­ren Stra­ßen­sei­te ge­park­ten Pick-up. Er schiebt mich re­gel­recht in die Fah­rer­ka­bi­ne und rutscht dann auf den Fah­rer­sitz. Er star­tet den Motor und fährt von dem Salon weg. Die ge­sam­te Fahrt über schweigt er. Immer wie­der bie­gen wir an ver­schie­de­nen Stra­ßen ab, bis wir an einem Upland-Schild vor­bei­kom­men. Hei­li­ge Schei­ße, er bringt mich zu­rück in die Stadt, in der ich mit Ricca ge­wohnt habe.
„Ihr lebt in Upland?“, frage ich.
„Ja“, ist die ein­zi­ge Ant­wort, die ich er­hal­te, und dann biegt er er­neut ab und steu­ert auf die Berge zu. Seit ich in die­ser Stadt wohne, woll­te ich Mount Baldy sehen. Al­ler­dings hätte ich nie ge­dacht, dass ich das zum ers­ten Mal mit einem tä­to­wier­ten Biker in einem Pick-up tun würde. Wenn ich mich um­se­he, habe ich Hoff­nung, viel­leicht doch noch nach Hause zu­rück­keh­ren zu kön­nen, um mein Geld und meine Sa­chen zu holen. Der Ge­dan­ke an das Foto mei­ner El­tern, das in mei­nem Zim­mer steht und dar­auf war­tet, ge­stoh­len oder weg­ge­wor­fen zu wer­den, macht mich krank. Das letz­te Bild mei­ner El­tern könn­te be­reits ent­wen­det wor­den sein. Doch dar­über kann ich im Mo­ment nicht nach­den­ken.
Voo­doo biegt auf eine stau­bi­ge, un­be­fes­tig­te Stra­ße ab und fährt tief in die Berge hin­ein. Ein paar Mi­nu­ten spä­ter kommt eine Me­tall­kon­struk­ti­on in Sicht­wei­te, vor der meh­re­re Mo­tor­rä­der auf einem ge­pflas­ter­ten Grund­stück ste­hen. Er tritt auf die Brem­se und parkt auf der lin­ken Seite der Bikes. Er springt aus der Fah­rer­ka­bi­ne, noch bevor der Motor gänz­lich ver­stummt ist. Voo­doo öff­net die Bei­fah­rer­tür und zerrt mich aus dem Pick-up, führt mich zur Ein­gangs­tür und schiebt mich in einen Raum vol­ler le­der­be­klei­de­ter Män­ner und Frau­en in win­zig klei­nen Out­fits.
Fas­sungs­lo­se Stil­le legt sich über den Raum, kaum, dass ich ihn be­tre­ten habe.
Wäh­rend ich mich um­se­he, fal­len mir in der Mitte alte Le­der­so­fas auf. An den Wän­den hän­gen Leucht­re­kla­me­schil­der von Bier und Har­ley-Da­vid­son. Der ab­ge­nutz­te Holz­fuß­bo­den unter mei­nen nack­ten Füßen hat auch schon bes­se­re Tage ge­se­hen, genau wie ei­ni­ge der äl­te­ren Kerle in die­sem Raum. Der Ge­ruch von ab­ge­stan­de­nem Bier, Zi­ga­ret­ten­rauch und bil­li­gem Par­füm liegt in der Luft.
„Hast du uns ein neues Spiel­zeug mit­ge­bracht“, sagt ein gro­ßer Typ grin­send. „Hüb­sches klei­nes Ding, nicht wahr?“
„Das ist Dani. Sie steht unter Maj’s Schutz“, ver­kün­det er laut in die Runde. „Be­hal­tet eure Grif­fel bei euch.“
Voo­doo ver­schwen­det keine wei­te­re Zeit und schubst mich in Rich­tung eines Flurs. Zu mei­ner Lin­ken er­scheint eine Tür und er schiebt mich in das Zim­mer. „Bleib hier drin“, for­dert er. „So­bald ich gehe, wird diese Tür ab­ge­schlos­sen.“
„Ihr könnt mich doch nicht wie ein Tier hier ein­sper­ren“, pro­tes­tie­re ich.
„Wir kön­nen und wir wer­den.“ Er be­wegt sich, um den Raum zu ver­las­sen. „Geh du­schen. Du stinkst. Eins der Mä­dels wird dir etwas zum An­zie­hen brin­gen.“ Er greift nach der Tür und schlägt sie hin­ter sich zu. Das Schloss ras­tet ein und ich kann hören, wie seine schwe­ren Schrit­te sich ent­fer­nen.
Ich häm­me­re gegen die Tür, bis meine Fäus­te weh­tun. Eine sinn­lo­se Re­ak­ti­on, wie mir klar wird. Ich bin hier ge­fan­gen. Das habe ich mir selbst ein­ge­brockt, um mich selbst zu schüt­zen. Wie man sich bet­tet, so liegt man, heißt es doch. Ich sacke gegen die Tür und weine. Die ganze Wut, die Angst und die Trau­rig­keit strö­men in gro­ßen, di­cken Trä­nen aus mir her­aus und lau­fen über mein Ge­sicht. Ich schluch­ze, bis ich nicht mehr kann. Ich habe nichts mehr in mir.
Ich stoße mich vom Tür­blatt ab und gehe in das an­gren­zen­de Ba­de­zim­mer. Eilig strei­fe ich meine schmut­zi­gen Sa­chen ab, schal­te die Du­sche an und stei­ge unter den hei­ßen Strahl. Das Was­ser fühlt sich himm­lisch an, wäh­rend es den Stress und den Schmutz von mei­ner Haut spült. Ich blei­be so lange in der Du­sche, bis das Was­ser kalt wird. Ich nehme mir eins der Ba­de­tü­cher unter dem Wasch­be­cken, wi­cke­le mich darin ein und kehre zu­rück ins Schlaf­zim­mer.
Eine fre­che, zier­li­che, rot­haa­ri­ge Frau sitzt auf dem Bett mit einem Bün­del Klei­dung in den Hän­den.
„Wer bist du?“
„Ruby.“ Sie lä­chelt. Nach­dem sie vom Bett auf­ge­sprun­gen ist, tän­zelt sie zu mir hin­über und schiebt mir die Kla­mot­ten in die Arme. „Ich habe dir ein paar Club­shirts, eine Jog­ging­ho­se und Un­ter­wä­sche mit­ge­bracht. Es ist nicht viel, aber es ist das, was wir hier haben.“
„Das ist groß­ar­tig, danke.“ Ich zwin­ge mich selbst zu einem Lä­cheln. All­mäh­lich ver­lie­re ich den Halt an den Ge­gen­stän­den in mei­ner Hand und mein Ba­de­tuch ver­rutscht.
Sie schnappt nach Luft, als sie die Blut­er­güs­se an mei­nen Rip­pen sieht. „Hat V das getan?“, zischt sie und be­wegt ihre Fin­ger über die ver­letz­te Haut.
„Nein“, er­wi­de­re ich kopf­schüt­telnd. „Ich bin ent­führt wor­den.“
„Du brauchst einen Arzt.“ Damit hat sie nicht ganz un­recht, doch diese Ent­schei­dung ist ihnen über­las­sen. Mei­nen neuen Ent­füh­rern.
„Ich denke, ich habe nur eine ge­bro­che­ne Rippe.“ Die Ant­wort kommt mir läs­sig über die Lip­pen, als wäre das keine große Sache.
„Hei­li­ge Schei­ße, du hast eine Rippe ge­bro­chen und sagst jetzt erst etwas? Warte hier“, sagt sie und ver­lässt mein Zim­mer. Wäh­rend sie weg ist, nutze ich die Ge­le­gen­heit, mich an­zu­zie­hen, lege das Hand­tuch ab und schlüp­fe in die Jog­ging­ho­se und ziehe mir eins der T-Shirts über. Als sie zu­rück­kommt, habe ich es mir auf dem Bett ge­müt­lich ge­macht und bin ge­ra­de dabei ein­zu­ni­cken.
„Hier, nimm das“, meint sie. Sie drückt mir zwei große, weiße, läng­li­che Pil­len und eine klei­ne Fla­sche Cola in die Hände. Ich ste­cke mir die Ta­blet­ten in den Mund und spüle sie mit einem Schluck Cola run­ter. Ruby setzt sich neben mich auf die Bett­kan­te und be­ob­ach­tet mich. Die Me­di­ka­men­te zei­gen rasch ihre Wir­kung. Meine Sicht trübt sich und der Raum um mich herum be­ginnt sich zu dre­hen. Sie bleibt still, wäh­rend ich immer mehr die Fä­hig­keit ein­bü­ße, Worte zu bil­den. Die Dun­kel­heit kriecht an den Rän­dern mei­nes Blick­fel­des ent­lang und ich spüre, wie mein Kör­per schlaff wird, bevor ich voll­stän­dig das Be­wusst­sein ver­lie­re.
Ich wurde unter Dro­gen ge­setzt.


Hero

In mei­nem Ver­stand tobt ein Krieg, und es gibt nichts, was ich trin­ken oder fi­cken kann, um diese schmerz­haf­te Er­in­ne­rung zu­rück in die Kiste mei­nes Un­ter­be­wusst­seins zu drän­gen. Im Nach­hin­ein be­trach­tet hätte ich viel­leicht Voo­doos Platz bei der Brand­be­kämp­fung im Salon ein­neh­men sol­len. Die Ar­beit hätte mich von den Alb­träu­men ab­ge­lenkt und ich hätte einen sinn­vol­len Zweck er­füllt, um sie igno­rie­ren zu kön­nen. Das Be­dürf­nis, mich davon zu dis­tan­zie­ren, wächst mit jedem Tag, doch ein Be­such bei mei­ner The­ra­peu­tin kommt nicht in­fra­ge. Zu­min­dest nicht, bis der Krieg mit dem Tribe vor­bei ist. Ich kann meine Brü­der nicht wegen mei­ner ei­ge­nen Pro­ble­me im Stich las­sen. Im Mo­ment muss ich es eben ir­gend­wie in den Griff be­kom­men und damit klar­kom­men. Schwä­che ist keine Op­ti­on.
Wäh­rend Voo­doo und ein paar der an­de­ren mit Maj los­ge­zo­gen sind, um nach ihrem Salon zu sehen, ist der Rest von uns in höchs­ter Alarm­be­reit­schaft zu­rück­ge­blie­ben. War das ein Ver­such ge­we­sen, um uns aus dem Lock­down zu lo­cken? Die Wahr­schein­lich­keit dafür ist hoch. Be­son­ders nach dem klei­nen Paket, das wir heute Mor­gen er­hal­ten haben. Ein Stück von Jag­gers blu­ti­ger Klei­dung war uns zu­ge­schickt wor­den, zu­sam­men mit einem Foto sei­nes Kör­pers, wie er in dem Schup­pen hing.
Wäh­rend ich auf das Bild ge­starrt hatte, bro­del­te die Wut in mir und hatte das höchs­te Level aller Zei­ten er­reicht. Mit jeder Se­kun­de, in der ich das Foto ansah, war ich dem Ver­lust mei­ner Selbst­be­herr­schung nä­her­ge­kom­men. Wir müs­sen gegen sie vor­ge­hen, und zwar bald, je­doch nicht, ehe wir vor­be­rei­tet sind. Es gab noch zu viele Un­be­kann­te in die­sem Kampf. Das war un­se­re Prio­ri­tät, bevor wir zu­schla­gen.
Voo­doo hat prak­tisch die letz­ten Tage vor sei­nem Com­pu­ter ge­lebt und ver­sucht, wei­te­re In­for­ma­tio­nen zu fin­den, doch er hatte nichts Kon­kre­tes ent­de­cken kön­nen. Da uns klar ist, was in den nächs­ten Tagen und Wo­chen auf uns zu­kom­men wird, kön­nen wir nur mit den vor­lie­gen­den Tat­sa­chen ar­bei­ten.
Der ein­zi­ge Fakt, der mich an­treibt, ist die ab­so­lu­te Ge­wiss­heit, dass ich die Män­ner zur Stre­cke brin­gen werde, die für die Er­mor­dung mei­nes Bru­ders ver­ant­wort­lich sind. Ihr letz­ter An­blick in die­sem Leben soll sein, dass sie sehen, wie ich es ihnen nehme.
Und genau das werde ich tun. Auf die eine oder an­de­re Weise.
Nach ei­ni­gen Stun­den schick­te Raze ein paar von uns ins Bett, damit wir uns aus­ru­hen konn­ten. Ich hatte pro­tes­tiert, doch er war stur ge­blie­ben.
Der Schlaf kam je­doch nicht, dafür taten es die Alb­träu­me. Die ganze ver­fluch­te Nacht lang.
Jedes Mal, so­bald ich die Augen schloss, sah ich das Blut­bad an mei­nen Brü­dern und dann die Frau aus der Bar, die in mei­nen Armen starb. Ihr Ge­sicht er­füll­te meine Ge­dan­ken, wäh­rend ich in mei­nem Zim­mer auf und ab lief und an die kurze Be­geg­nung mit ihr zu­rück­dach­te. Wie sich ihr Kör­per an mei­nen ge­presst hatte. Die Art und Weise, wie ihre ha­sel­nuss­brau­nen Augen mich an­ge­strahlt hat­ten, ob­wohl sie von Al­ko­hol ein wenig gla­sig ge­we­sen waren. Wie ihr der Atem ge­stockt hatte, als ich ihr zu­ge­flüs­tert hatte, was ich in die­ser Nacht mit ihr hatte an­stel­len wol­len.
Sie war so per­fekt ge­we­sen, bis zu dem Mo­ment von Red’s Of­fen­ba­rung. Auf ir­gend­ei­ne Weise war sie mit dem Twis­ted Tribe ver­bun­den. Jeg­li­che Mög­lich­keit für ein wenig Spiel­zeit zwi­schen uns war damit null und nich­tig ge­wor­den. Wir be­fan­den uns auf ent­ge­gen­ge­setz­ten Sei­ten und das war eine Linie, die ich nie­mals über­schrei­ten woll­te.
Brü­der­lich­keit und Loya­li­tät zu mei­nem Club be­deu­ten mir mehr als alles an­de­re auf die­ser Welt. Ich lebe, atme und würde wahr­schein­lich, ohne zu zö­gern, für die­sen Club ster­ben. Ich habe die­sen Eid ge­leis­tet und kein noch so hüb­scher Hin­tern würde mich dazu brin­gen, meine Mei­nung zu än­dern.
Ich gebe den Ver­such auf, etwas Schlaf zu be­kom­men, nach­dem ich stun­den­lang auf und ab ge­lau­fen bin, und trai­nie­re ei­ni­ge Durch­gän­ge mit mei­nen Han­teln, ehe ich unter die Du­sche stei­ge. Der heiße Strahl schafft es nicht, mei­nen an­ge­spann­ten Kör­per zu ent­span­nen, aber das habe ich auch nicht er­war­tet. Diese Art von Wut und Hass lässt sich nicht mit hei­ßem Was­ser hei­len. Ich schal­te die Du­sche ab und wi­cke­le mir ein Hand­tuch um die Tail­le, als je­mand plötz­lich an mei­ner Tür klopft.
„Was zum Teu­fel willst du?“, brül­le ich, öffne die Tür und sehe Voo­doo dort ste­hen. Er be­äugt mich von oben bis unten und schüt­telt dann den Kopf. „Be­grüßt du jeden so, der an deine Tür klopft, oder gilt das nur mir?“, fragt er grin­send.
„Nope, das ist nur für dich. Ich ver­su­che dir zu zei­gen, wie der Kör­per eines ech­ten Man­nes aus­sieht, wenn er auf sich acht­gibt“, witz­le ich.
„Hey, be­lei­di­ge nicht mei­nen klei­nen Bier­bauch. Er könn­te sich an­ge­grif­fen füh­len. Nicht alle von uns haben die Zeit, so zu trai­nie­ren, wie du, VP.“ Er streckt sei­nen Kopf in den Raum und sieht sich um.
„Willst du mir jetzt end­lich sagen, warum du an meine Tür ge­häm­mert hast, oder woll­test du mich nur im Hand­tuch sehen?“ Ich fange an, das Hand­tuch von mei­ner Tail­le zu lösen und er zuckt zu­rück.
„Hero, du bist nicht mein Typ“, sagt er.
Ich star­re ihn an und er lä­chelt nur, wie ein Voll­idi­ot. „Der Prez will dich unten haben. Ich habe neue Infos, dass der Twis­ted Tribe der­je­ni­gen ist, der den Salon in Brand ge­steckt hat. Die Ver­samm­lung be­ginnt in fünf Mi­nu­ten.“
„Wie hast du raus­ge­fun­den, dass es sich dabei um den Twis­ted Tribe han­delt? Hast du die Über­wa­chungs­vi­de­os der be­nach­bar­ten Un­ter­neh­men ge­sich­tet?“, will ich von ihm wis­sen.
Voo­doo ist unser ITler und er ist ver­flucht gut darin. Er ist viel­leicht nicht der Kräf­tigs­te von uns, doch das macht er mit an­de­rem Mist wie­der wett, den er be­herrscht.
„Oh, das ist das Beste daran. Ich habe dir eine Über­ra­schung mit­ge­bracht.“ Er lacht, dreht sich auf den Ab­satz um und be­gibt sich auf den Weg durch den Flur zu­rück.
Eine Über­ra­schung? Warum habe ich ge­ra­de das Ge­fühl, dass hier gleich die Schei­ße hoch­ge­hen wird?
Ohne die Tür zu schlie­ßen, gehe ich zu mei­ner Kom­mo­de, hole mir eine fri­sche Jeans und eins mei­ner Club-T-Shirts her­aus. Ich ziehe mich schnell an und werfe mir meine Kutte über. Ich habe nicht die ge­rings­te Ah­nung, was es mit die­ser Über­ra­schung auf sich haben könn­te, also schnap­pe ich mir meine Bi­ker­boots und strei­fe sie mir über, ehe ich mein Zim­mer ver­las­se.
Als ich die Trep­pe hin­un­ter­stei­ge, sehe ich Rat­chet und Voo­doo vor der Tür war­ten. Rat­chets dre­cki­ges Grin­sen lässt meine Alarm­glo­cken schril­len. Mir wird nicht ge­fal­len, was sich hin­ter den Türen un­se­res Ver­samm­lungs­rau­mes be­fin­det. Davon bin ich über­zeugt. Die­ser Mist­kerl ist nicht der Typ, der ohne Grund fröh­lich lä­chelt, also bin ich mir si­cher, dass es hier gleich rund­ge­hen wird.
Ich schlüp­fe an ihnen vor­bei durch den Tür­spalt, und bin scho­ckiert, als ich sehe, wie sich Maj und Raze am Kopf­en­de des Ti­sches ge­gen­sei­tig an­schrei­en.
Warum zum Teu­fel ist sie in dem Raum? Frau­en sind von un­se­ren of­fi­zi­el­len Club­ge­schäf­ten aus­ge­schlos­sen. Ist die­ser Club in nur einer Nacht zur Hölle ge­fah­ren?
„Du be­scheu­er­te Schlam­pe“, brüllt Raze. „Was hast du dir dabei ge­dacht, je­man­den hier­her­zu­brin­gen? Ich führe die­sen ver­damm­ten Club, nicht du!“
„Die­ser ko­los­sa­le Bock­mist, den ich, dei­ner Mei­nung nach, ge­baut habe, hat uns den ein­zi­gen stich­hal­ti­gen Be­weis gegen diese mör­de­ri­schen Bas­tar­de ge­lie­fert. Ich dach­te, du wür­dest dich freu­en, nach­dem ich dir diese In­for­ma­ti­on prä­sen­tie­re wie auf einem Sil­ber­ta­blett“, schießt Maj zu­rück. „Ent­schul­di­ge, dass ich an den Club ge­dacht und mich mal nicht um dei­nen Schwanz ge­küm­mert habe.“
„Du hast einen Feind in unser Haus ge­bracht. Du hät­test mich we­nigs­tens an­ru­fen kön­nen, und wir hät­ten sie zu einem un­se­rer Ver­hör­häu­ser ge­bracht, statt sie in unser Zu­hau­se ein­zu­la­den und sie ihnen nun dar­über Be­richt er­stat­ten kann.“
Oh Schei­ße!
Da ich weiß, dass das hier bald einen Punkt er­rei­chen wird, an dem es kein Zu­rück mehr gibt, schmei­ße ich mich mit­ten ins Ge­tüm­mel und drän­ge mich zwi­schen die bei­den. Voo­doo packt Maj und reißt sie zu­rück, wäh­rend ich be­müht bin, Raze auf­zu­hal­ten. Wie haben die zwei es ge­schafft, so lange ver­hei­ra­tet zu blei­ben?
„Du bist ein ver­fluch­ter Bas­tard. Ich ver­su­che, dir zu hel­fen, aber du bist zu ver­bohrt, um das zu er­ken­nen. Weißt du, manch­mal würde ich gerne die Dinge aus dei­nem Blick­win­kel sehen, al­ler­dings be­kom­me ich mei­nen Schä­del nicht so tief in den Arsch ge­steckt“, schreit sie, als Voo­doo sie zum Ein­gang zerrt, nach drau­ßen stößt und ihr die Tür vor der Nase zu­schlägt. Sie häm­mert da­ge­gen und brüllt Raze wei­te­re Be­lei­di­gun­gen zu, ehe sie weg­geht.
Ich wende meine Auf­merk­sam­keit nun Raze zu und be­mer­ke, dass er immer noch vor Wut kocht. „Möch­test du den Rest von uns über das auf­klä­ren, was hier ge­ra­de vor­ge­fal­len ist? Was hat deine Old Lady jetzt schon wie­der an­ge­stellt?“
Raze schiebt mich zur Seite und rammt seine Faust in die Wand hin­ter uns. „Das Mist­stück hat je­man­den, der mit dem Twis­ted Tribe in Ver­bin­dung steht, hier­her­ge­bracht und ihr im Aus­tausch für In­for­ma­tio­nen einen ver­fluch­ten Zu­fluchts­ort unter un­se­rem Dach an­ge­bo­ten.“
Der Schock fährt mir durch den Kör­per. „Du ver­arschst mich jetzt, oder? Sie hat einen Ver­rä­ter in unser ver­damm­tes Club­haus ge­bracht? Was zur Hölle hat sie sich dabei ge­dacht?“
„Das ist das Pro­blem, Hero. Sie hat nicht ge­dacht. Sie war davon über­zeugt, uns damit ein Ge­schenk zu ma­chen, statt­des­sen ver­ur­sacht sie nur noch grö­ße­re Pro­ble­me. Sie hat nicht ein­mal einen Schim­mer davon, was die Schlam­pe für diese Arsch­lö­cher ist und trotz­dem hat sie sie hier­her­ge­holt. Was, wenn sie eine ihrer Old Ladys oder eine ihrer Huren ist? Das würde Krieg be­deu­ten und wir sind noch nicht be­reit dazu, zu­rück­zu­schla­gen. Maj würde damit un­se­ren To­des­zeit­punkt ei­gen­hän­dig fest­le­gen, wenn ihnen die­ses Schätz­chen wich­tig genug ist.“
Ich schüt­te­le an­ge­wi­dert und frus­triert den Kopf und weiß nicht ein­mal, was ich zu Majs Täu­schung über­haupt sagen soll. Die meis­te Zeit hat sie ihr Herz am rech­ten Fleck, doch selbst ein ab­so­lu­ter Voll­idi­ot würde nie­mals einen Feind ein­fach her­brin­gen, ohne vor­her mit Raze ge­spro­chen zu haben.
„Was willst du jetzt tun, Raze?“, fragt Rat­chet. „Soll ich mich um die Schlam­pe küm­mern?“
„Meine Frau hat sie unter ihren Schutz ge­stellt. Das heißt, wir haben sie nun erst ein­mal an der Backe. Das Ein­zi­ge, was wir tun kön­nen, ist, sie unter Ver­schluss zu hal­ten und sie rund um die Uhr zu über­wa­chen. Lass Hot Spot alles aus ihrem Zim­mer ent­fer­nen, was sie mög­li­cher­wei­se zur Kom­mu­ni­ka­ti­on be­nut­zen könn­te. Alle An­fra­gen, die sie stellt, lau­fen über mich und sonst nie­man­den. Ich möch­te, dass die­ses Mist­stück je­der­zeit unter Be­ob­ach­tung steht. Sie wird nicht ein­mal schei­ßen gehen, ohne dass einer von uns dabei zu­se­hen wird“, be­fiehlt Raze.
„Hero, du könn­test viel­leicht ei­ni­ge der Mä­dels dazu brin­gen, dass sie sich mit ihr an­freun­den, um zu sehen, ob sie dann viel­leicht redet“, schlägt Voo­doo vor.
„Ich spre­che mit Ruby. Sie wird mit­zie­hen.“
„Eine Sache noch. Passt auf, was ihr in ihrer Ge­gen­wart sagt. Ge­sprä­che über Club­an­ge­le­gen­hei­ten ver­stum­men so­fort, so­bald sie den Raum be­tritt. Ver­stan­den?“
„Ja, Prez“, er­wi­dert die ge­sam­te Grup­pe. Raze klopft mir mit der Hand auf den Rü­cken und ver­lässt ge­mein­sam mit mir den Be­spre­chungs­raum. Wir lau­fen den Flur ent­lang zu den Wohn­räu­men und Gäs­te­zim­mern.
Ich folge ihm, halte ihn je­doch auf, bevor er die Tür öff­net, vor der wir ste­hen ge­blie­ben sind. „Raze, bist du dir dabei si­cher, sie hier be­hal­ten zu wol­len? Sie stellt eine Ge­fahr dar, wenn der Twis­ted Tribe her­aus­fin­det, dass sie hier ist“, gebe ich zu be­den­ken.
Ei­gent­lich habe ich nicht vor, die Box der Pan­do­ra, die Maj damit mit nach Hause ge­bracht hat, noch ein­mal zu öff­nen. Nicht jetzt, wo er ei­ni­ger­ma­ßen ruhig wirkt, doch ich muss das fra­gen. „Ist das ein klu­ger Schach­zug für un­se­ren Club, wäh­rend die an­de­ren Char­ter ge­ra­de ihre Mens­trua­ti­ons­be­schwer­den wegen der Kut­ten-Si­tua­ti­on noch aus­le­ben?“
„Wir kön­nen nichts ma­chen, bis sie redet. Ver­dammt, na­tür­lich ist sie ein Pro­blem, aber so­lan­ge sie es nicht genug ver­kackt und wir damit recht­fer­ti­gen kön­nen, sie zu töten, bleibt Majs Schutz be­ste­hen.“
„Wenn du das so hand­ha­ben willst, stehe ich hin­ter dei­ner Ent­schei­dung, aber wie du be­reits ge­sagt hast, müs­sen wir in ihrer Nähe vor­sich­tig sein, bis wir es si­cher wis­sen.“
Raze greift nach der Klin­ke und öff­net die Tür. Die auf dem Bett lie­gen­de Frau wirkt ko­mat­ös, als wir den Raum be­tre­ten. Sie ist voll­stän­dig unter einer Decke ver­bor­gen und rührt sich nicht ein­mal, als wir nä­her­kom­men.
Herr Gott, was haben sie ihr ver­ab­reicht? Be­täu­bungs­mit­tel in Ele­fan­ten­do­sis?
Ich grei­fe nach der Decke, reiße sie von ihr run­ter und er­star­re.
Das kann sie nicht sein.
Der ver­damm­te Ver­rä­ter ist die schwarz­haa­ri­ge Schön­heit aus der Bar von neu­lich.


Dani

Das Ge­fühl, be­ob­ach­tet zu wer­den, weckt mich, doch es ist nie­mand sonst im Raum.
Plötz­lich er­in­ne­re ich mich an die Er­eig­nis­se, die ge­sche­hen waren, bevor ich das Be­wusst­sein ver­lo­ren habe.
Die­ses rot­haa­ri­ge Mist­stück hat mich unter Dro­gen ge­setzt.
Ich muss hier raus, ehe sie mit der nächs­ten Dosis zu­rück­kehrt. Als ich mich auf die Bett­kan­te setze, spüre ich, wie sich dabei meine Bauch­mus­keln ver­kramp­fen.
Was zum Teu­fel?
Ich schie­be die Decke weg, die fest um mich ge­wi­ckelt war, und stel­le fest, dass mein Ober­kör­per mit einem Stütz­ver­band ver­se­hen wor­den ist.
Wann zur Hölle ist das pas­siert?
Ich glei­te aus dem Bett, stehe auf wack­li­gen Bei­nen und stol­pe­re in Rich­tung Ba­de­zim­mer, wo ich das Licht ein­schal­te. Ich gehe hin­ein und schlie­ße die Tür hin­ter mir. Mein Spie­gel­bild starrt mich an und mein ei­ge­ner An­blick presst mir re­gel­recht die Luft aus den Lun­gen. Dass ich mich be­schis­sen fühle, steht außer Frage, aber der Spie­gel zeigt mir deut­lich das Aus­maß davon. Schmut­zig und ka­putt, so kann man das recht gut be­schrei­ben. Mein Haar ist zu einem wil­den Durch­ein­an­der ver­filzt und auf mei­ner Stirn ist eine Wunde mit ei­ni­gen Sti­chen ge­näht wor­den.
Ich bli­cke noch ein paar Mi­nu­ten län­ger in den Spie­gel, bis ich höre, dass die Zim­mer­tür ge­öff­net wird und schwe­re Schrit­te fol­gen. Das Ge­räusch der nä­her­kom­men­den Per­son bringt mich dazu, mich in eine Ecke des Bades zu drän­gen, weg davon. Ich weiß nicht, wer da auf mich zu­kommt, aber zu­min­dest ist mein Rü­cken ge­schützt. Die schwe­ren Schrit­te stop­pen di­rekt vor der Tür, bevor sie ein­ge­tre­ten wird. Ich schreie auf, als das Holz gegen die ge­flies­ten Wände kracht.
Vor mir steht ein gro­ßer Kerl mit Kurz­haar­schnitt. Seine mas­si­ven Ober­ar­me wöl­ben sich aus sei­nem schwar­zen T-Shirt und pas­sen zu den mus­ku­lö­sen Bei­nen, die in dun­kel­ver­wa­sche­nen Jeans ste­cken. Unter den Är­meln sei­nes Shirts lugen Tri­bal-Tat­toos auf bei­den Armen her­vor. Ein kur­zer grau­er Bart be­deckt sein Ge­sicht und bil­det einen star­ken Kon­trast zu sei­nen tief­blau­en Augen. Er steht da mit ab­so­lu­ter Au­to­ri­tät und sein Blick ver­langt Re­spekt. Er ist der Typ Mann, bei dem man die Stra­ßen­sei­te wech­selt, nur um ihm aus dem Weg zu gehen.
„Nun, wie ich sehe, ist Dorn­rös­chen end­lich wach“, sagt er, wäh­rend ich mich noch tie­fer in die Ecke kaue­re. Er lacht, als er mir zu­sieht, wie ich mich ab­mü­he, vor ihm zu­rück­zu­wei­chen. „Hast du deine Zunge ver­schluckt, Schätz­chen? Du siehst aus, als hätte ich ge­ra­de vor dei­nen Augen dei­nen Hun­de­wel­pen ge­tre­ten.“
Seine tiefe Stim­me scho­ckiert mich eben­so wie die­ses Lä­cheln auf sei­nem Ge­sicht. Er streckt mir die Hand ent­ge­gen, doch ich wei­ge­re mich, sie an­zu­neh­men. „Warum kommst du nicht da raus? Diese Po­si­ti­on muss töd­lich für deine Rip­pen sein.“
Ich mus­te­re ihn mit kal­ku­lie­ren­dem Blick und schät­ze die Be­dro­hung ein. Er ist min­des­tens dop­pelt so schwer wie ich und etwa fünf­zehn Zen­ti­me­ter grö­ßer. Die Chan­cen, an ihm vor­bei­zu­kom­men, ste­hen un­ge­fähr bei eins zu einer Mil­li­on, selbst wenn ich ge­sund wäre. Er will nach mir grei­fen und ich schla­ge seine Hand weg.
„Ich werde dir nicht weh­tun. Maj würde mir die Eier ab­schnei­den.“
Als ich den Namen der Frau höre, ent­span­ne ich mich ein wenig. Der Typ, der mich hier­her­ge­bracht hatte, hatte ge­meint, ich stün­de unter ihrem Schutz. Er hatte es der All­ge­mein­heit ver­kün­det, also muss­te das etwas be­deu­ten. Viel­leicht ist er der­je­ni­ge, der die­sen Mann hier ge­schickt hat.
„Maj?“, flüs­te­re ich. „Kann ich mit ihr reden?“
„Nope, das geht nicht. Aber da sie meine Frau ist, kannst du eben­so gut mit mir über alles spre­chen, was du brauchst.“
„Nein, ich will nur mit ihr reden“, er­wi­de­re ich und rühre mich kei­nen Zen­ti­me­ter.
„Du wirst mit ihr reden, wenn ich es sage. Komm jetzt aus der Ecke raus, oder muss ich dich da raus­ho­len?“ Er schiebt seine Hand in meine per­sön­li­che Dis­tanz­zo­ne, aber ich schla­ge sie er­neut weg, als ich aus mei­ner si­che­ren Ecke schlüp­fe. Er ver­sucht, mich aber­mals zu pa­cken, doch ich wei­che ihm im letz­ten Mo­ment aus.
„Ich will mit Maj spre­chen“, be­har­re ich. „Sie ist die­je­ni­ge, die mich her­ge­bracht hat und ich will wis­sen, warum ich unter Dro­gen ge­setzt wurde?“
„Du wur­dest unter Dro­gen ge­setzt, weil ich es so an­ge­ord­net habe. Wenn du je­man­dem die Schuld dafür geben willst, dass du drei Tage un­ge­stör­ten Schön­heits­schlaf be­kom­men hast und man dich me­di­zi­nisch ver­sorgt hat, dann gib sie mir. Üb­ri­gens, wie füh­len sich die Rip­pen an?“, fragt er und be­äugt meine Mitte.
Drei Tage? Ich war drei ganze Tage außer Ge­fecht? Was zum Teu­fel haben sie mir ge­ge­ben?
„Die sind okay“, er­wi­de­re ich mit ab­ge­hack­ten Wor­ten. „Be­kom­me ich meine nächs­te Ele­fan­ten­do­sis Nar­ko­se­mit­tel, nach­dem wir unser klei­nes Ge­spräch hier be­en­det haben, oder kommt das rot­haa­ri­ge Mist­stück spä­ter damit vor­bei? Ich möch­te we­nigs­tens an einem be­que­men Ort lie­gen, falls meine Ent­schei­dung zu blei­ben wi­der­ru­fen wird.“
„Ich kann es kaum er­war­ten, Ruby von dei­nem klei­nen Spitz­na­men für sie zu er­zäh­len. Das wird sie rich­tig in Stim­mung brin­gen“, lacht er.
Wenn er auch nur eine Se­kun­de glaubt, ich lasse mich von die­ser Frau wie­der unter Dro­gen set­zen, dann liegt er falsch. Dafür müss­ten sie mir den Mund auf­s­tem­men, mir die Pil­len in den Mund schie­ben und mich zum Schlu­cken zwin­gen, ehe ich mich noch mal so ein­fach außer Ge­fecht brin­gen lasse.
Er starrt mich an, wäh­rend ich mich nicht rühre. „Ich ver­ste­he es. Du bist an einem frem­den Ort unter frem­den Men­schen, wur­dest unter Dro­gen ge­setzt und bist be­reit, den Kampf auf­zu­neh­men. Unter an­de­ren Um­stän­den würde ich dei­nen Kampf­geist wirk­lich be­wun­dern, aber du be­fin­dest dich in mei­nem Club­haus unter dem Schutz mei­ner Frau. Wie wäre es damit? Du gehst du­schen, ziehst dich an und da­nach un­ter­hal­ten wir uns ein biss­chen. Viel­leicht bei einem klei­nen Mit­tag­es­sen?“
„Damit du mir er­neut Dro­gen ver­ab­rei­chen kannst? Danke, aber ich ver­zich­te.“
„Das war keine Bitte. Und bevor du auf ir­gend­wel­che Ideen kommst, es steht ein Wach­mann vor der Tür. Weg­lau­fen gibt’s also nicht.“
Ich schwei­ge und denke über seine For­de­rung nach. Ob­wohl sein Auf­tritt etwas über­trie­ben er­scheint, wirkt er doch recht ver­nünf­tig. Dass Maj seine Frau ist, spielt mir eben­falls in die Kar­ten. „Also gut“, gebe ich mich ge­schla­gen.
„Du hast zehn Mi­nu­ten Zeit, bevor Sli­der dich ab­holt. Ich emp­feh­le dir, dar­auf zu ach­ten, pünkt­lich zu sein. Ich werde die Tür spä­ter er­set­zen las­sen.“
Der grü­beln­de, grau­bär­ti­ge Kerl stol­ziert aus dem Zim­mer und bellt die glei­chen Be­feh­le dem Mann zu, der vor dem Raum steht.
„Nur noch neun Mi­nu­ten, Mäd­chen“, brüllt er. „Ich höre die Du­sche noch immer nicht lau­fen.“
Er lacht drau­ßen im Flur, als ich zu­rück ins Bad eile und über die Reste mei­ner Tür stei­ge. Ich stel­le mich unter den hei­ßen Strahl und spüle den ta­ge­lan­gen Schweiß und Schmutz von mir, der vom ko­mat­ö­sen Schlaf her­rührt. Ich kann immer noch nicht glau­ben, dass ich so lange außer Ge­fecht ge­setzt war. Es gibt kein Me­di­ka­ment auf die­ser Welt, das mich der­ar­tig um­hau­en kann und das mit nur zwei Ta­blet­ten. Un­mög­lich. Ent­we­der haben sie mir die Dosis zwi­schen­zeit­lich noch ein­mal ver­ab­reicht oder mir etwas Här­te­res ge­spritzt. Nor­ma­ler­wei­se schla­fe ich nicht son­der­lich gut, daher ist es aus­ge­schlos­sen, dass ich meh­re­re Tage durch­schla­fe, selbst wenn man mich unter Dro­gen setzt.
Meine Haare müss­ten ei­gent­lich mit einem grob­zin­ki­gen Kamm extra be­ar­bei­tet wer­den, doch dafür bleibt mir keine Zeit. Ich stei­ge aus der Du­sche, trock­ne mich ab und binde meine wir­ren Lo­cken zu einem un­or­dent­li­chen Dutt zu­sam­men. Darum werde ich mich spä­ter küm­mern. Auf mei­nem Bett finde ich einen klei­nen Sta­pel Kla­mot­ten und einen fri­schen Stütz­ver­band. Je­mand muss die Sa­chen her­ge­bracht haben, wäh­rend ich unter der Du­sche ge­stan­den habe.
Ich wi­cke­le den Ver­band be­hut­sam um meine ver­wun­de­ten Rip­pen, grei­fe nach dem T-Shirt und zucke zu­sam­men, als ich mich ein wenig zu weit vor­ge­beugt habe.
„Shit“, zi­sche ich.
Als ich mir das Shirt über­zie­hen will, blei­be ich mit dem Kopf ste­cken. Ich zerre en­er­gisch an dem wi­der­spens­ti­gen Stoff, als ein paar raue Män­ner­hän­de den Saum pa­cken und ihn über mein Haar zie­hen. Seine Be­rüh­rung er­schreckt mich. Der Schock muss sich auf mei­ner Mimik wi­der­spie­geln, dann der groß­wüch­si­ge Kerl weicht mit er­ho­be­nen Hän­den zur Ka­pi­tu­la­ti­on zu­rück.
„Sorry, sah so aus, als wür­dest du Hilfe brau­chen. Der Prez wird sauer sein, wenn ich dich nicht pünkt­lich unten ab­lie­fe­re. Lass uns gehen“, sagt er, packt mei­nen Ober­arm und steu­ert mit mir auf die Tür zu. Er schleppt mich mit Leich­tig­keit in den Flur hin­aus. Wir wen­den uns nach links und drän­gen in ei­li­gem Tempo voran.
„Ich bin üb­ri­gens Sli­der“, er­klärt er, wäh­rend wir ge­mein­sam die Trep­pe hin­ab­stei­gen.
„Dani“, er­wi­de­re ich. „Ist das dein rich­ti­ger Name?“
Er igno­riert mich voll­kom­men.
Schwei­gend las­sen wir den Flur hin­ter uns und durch­que­ren den gro­ßen, über­füll­ten Haupt­raum, durch den ich vor ei­ni­gen Tagen ge­zerrt wor­den war. Schließ­lich be­tre­ten wir einen Ne­ben­raum, wo er mich auf einen Holz­stuhl setzt, dann hin­aus­geht und die Tür schließt.
Al­lein ge­las­sen zu wer­den ist ziem­lich be­ängs­ti­gend, be­son­ders in einer Bik­erhöl­le wie die­ser.
Ich trom­me­le mit den Fin­ger­spit­zen auf der Arm­leh­ne des Stuh­les herum, und einen Au­gen­blick spä­ter schwingt die Tür wie­der auf und König Grau­bart er­scheint. Es ist al­ler­dings der Mann, der hin­ter ihm her­ein­schlen­dert, der mir den Atem raubt. Ich kann sein Ge­sicht noch nicht er­ken­nen, aber mein Kör­per re­agiert so­fort auf seine An­we­sen­heit.
Das kann er nicht sein. Das ist nicht mög­lich. Er ist kei­nes die­ser Arsch­lö­cher.
Ich star­re wei­ter­hin auf sein noch ver­bor­ge­nes Ge­sicht, wäh­rend die Tem­pe­ra­tur in dem Raum den Sie­de­punkt zu er­rei­chen scheint. Schock­be­dingt be­gin­ne ich zu schwit­zen. Mein Kör­per fängt an zu zit­tern, was mich bis in die Kno­chen er­schüt­tert. Ob es Panik ist oder Vor­freu­de, ich weiß es nicht. Ein ver­trau­ter Duft um­strömt mich, als der Mann die Tür hin­ter sich schließt. Sein Ant­litz bleibt wei­ter­hin ver­bor­gen, bis er sich um­dreht.
Fuck. Es ist der Typ aus dem Red’s!
Er ist grö­ßer, als ich es in Er­in­ne­rung habe, al­ler­dings war ich an die­sem Abend nicht ge­ra­de nüch­tern. Wenn ich raten müss­te, würde ich sagen, dass er wahr­schein­lich etwa ein Meter neun­zig groß ist. Sein ge­sam­ter Kör­per be­steht aus Mus­keln und die Tä­to­wie­run­gen, die sich an sei­nen Armen ent­lang schlän­geln, sind nur ein wei­te­rer Bonus.
In Ge­dan­ken flehe ich ihn an, mir ins Ge­sicht zu schau­en und als sein Blick end­lich auf mei­nen trifft, be­wegt sich kei­ner von uns. Die Span­nung im Raum steigt, als meine al­ko­hol­ver­ne­bel­te Er­in­ne­rung in Wel­len zu mir zu­rück­kehrt. Sein Kör­per, der sich mit mei­nem ge­wiegt hatte, ver­führt mich im Geis­te er­neut. Der Flash­back an seine Be­rüh­rung er­regt mich aber­mals. Je­mand da drau­ßen im Uni­ver­sum be­sitzt einen ver­dammt scheuß­li­chen Sinn für Humor, weil er ihn mir in den Weg stellt. Auch wenn er kein Wort von sich gibt, möch­te ich ihn am liebs­ten vö­geln und ihm eben­so gerne in die Eier tre­ten, am bes­ten bei­des gleich­zei­tig.
König Grau­bart be­ob­ach­tet uns und ver­sucht wohl zu ent­schlüs­seln, was zwi­schen uns vor sich geht.
„Du bist der Typ aus der Bar“, sage ich und hoffe immer noch, dass ich fal­schlie­ge.
Er bleibt still.
„Das bist du doch, nicht wahr?“, hake ich ein wei­te­res Mal nach in der Hoff­nung, ihm eine Ant­wort zu ent­lo­cken.
„Sag du es mir.“
„In Ord­nung“, wirft Grau­bart ein. „Fan­gen wir mit den ein­fa­chen Din­gen an. Wer bist du und wo zum Teu­fel kommst du her?“
„Du kannst eher damit an­fan­gen, mir zu sagen, wer zur Hölle du bist und wo ich mich be­fin­de“, er­wi­de­re ich und ver­pas­se mir im Geis­te selbst eine Ohr­fei­ge, weil ich mich gleich zu Be­ginn so un­höf­lich ver­hal­te.
„Ich bin der Prä­si­dent des Hea­ven’s Re­jects Mo­tor­rad Clubs und du kannst mich Raze nen­nen. Die Frau, die dich in diese un­an­ge­neh­me Po­si­ti­on ge­bracht hat, ist meine Frau Maj. Der Mann zu mei­ner Lin­ken ist Hero. Und jetzt bist du an der Reihe, mir dei­nen Namen zu nen­nen.“
„Mein Name ist Dani.“
„Nun, Dani, ich werde schon etwas mehr brau­chen. Wie wäre es mit einer zwei­ten Frage? Wo kommst du her?“
„Ich komme aus dem mitt­le­ren Wes­ten“, ant­wor­te ich und nenne nur we­ni­ge De­tails. Ich muss weder ihm noch Hero ge­gen­über wei­te­re In­for­ma­tio­nen über mich preis­ge­ben. Ich habe keine Ah­nung, ob über mich eine Fahn­dungs­mel­dung her­aus­ge­ge­ben wurde und ich werde den Teu­fel tun und mir einen roten Pfeil über den Kopf malen nach dem Motto: „Hier bin ich“, wenn eins die­ser Arsch­lö­cher mei­nen Namen durch die Such­ma­schi­nen jagen soll­te.
„Mitt­le­rer Wes­ten also, aha. Und was führt dich hier­her?“
Shit, was soll ich dar­auf er­wi­dern? Denk nach, Dani. Denk!
„Ich warte, Dani. Ant­wor­te mir“, ver­langt er.
„Ich habe einen Ta­pe­ten­wech­sel ge­braucht und dach­te, das son­ni­ge Ka­li­for­ni­en wäre ein guter Ort dafür“, er­klä­re ich.
Be­schrän­ke dich auf mi­ni­ma­le De­tails. Du möch­test nicht aus­führ­lich lügen, falls du dich spä­ter nicht mehr daran er­in­nern kannst, was du er­zählt hast. Du schaffst das, Dani. Halte es ein­fach und viel­leicht über­lebst du das hier ja.
„Wie alt bist du?“
„Was für eine Rolle spielt mein Alter. Ich bin voll­jäh­rig, oder mag es dein Ver­ein etwas we­ni­ger legal?“
Raze lehnt sich gegen den Tisch und starrt mich an. „Lass mich mal eins klar­stel­len. Ich weiß nicht, was für eine be­schis­se­ne Vor­stel­lung du von einem MC hast oder dar­über, wie wir Frau­en be­han­deln, aber wenn du mich oder eins der Mit­glie­der die­ses Clubs noch ein­mal als kran­ken Idio­ten oder Kin­der­fi­cker be­zeich­nest, jage ich dir eine Kugel zwi­schen die Augen, hast du das ver­stan­den, Dani? Mein Club und meine Män­ner wer­den mit Re­spekt be­han­delt.“
„Ja, Raze“, flüs­te­re ich, wäh­rend seine Dro­hung in der Luft hängt und ich meine Hal­tung be­reue. „Ich bin fünf­und­zwan­zig.“
„Wie bist du in die­sem ver­las­se­nen Haus neben dem Salon ge­lan­det?“, will Raze als Nächs­tes von mir wis­sen.
Hero ver­än­dert seine Po­si­ti­on an der Wand und geht vor mir in die Hocke. „Ich würde mir an dei­ner Stel­le die Ant­wort dar­auf sehr gut über­le­gen, Dani. Du willst uns nicht be­lü­gen. Die Kon­se­quen­zen wür­den dir nicht ge­fal­len.“
„Halt dich zu­rück, Hero“, ver­langt der Mann und ver­setzt Hero damit wie­der zu­rück in sein wü­ten­des Schwei­gen.
Ich sehe Hero di­rekt an, wäh­rend ich ant­wor­te. Ich werde nicht zu­rück­wei­chen oder zei­gen, dass ich mich von ihm ein­ge­schüch­tert fühle.
„Eine Grup­pe spa­nisch­spre­chen­der Män­ner hat mich als Er­satz für meine Mit­be­woh­ne­rin aus dem Bett ent­führt. Sie haben mich in einen Kof­fer­raum ge­sperrt, al­ler­dings erst, nach­dem sie so lange auf mich ein­ge­prü­gelt haben, bis ich ohn­mäch­tig ge­wor­den bin. Ich bin ihnen ent­kom­men und habe mich in dem ver­las­se­nen Haus ver­steckt. Ich woll­te dort aus­har­ren, bis ich zu­rück in meine Woh­nung kann, um meine Sa­chen zu holen. Dann bin ich auf einen Mann ge­sto­ßen, der den Salon neben dem Haus in Brand ge­steckt hat.“
„Du kaufst ihr die­sen Bull­s­hit doch nicht ab, oder, Raze?“, fragt Hero und schaut zu ihm auf. „Für mich klingt das alles viel zu ein­fach. Wie ein ver­damm­tes Mär­chen.“
„Sag mir“, for­dert er und igno­riert den Mann neben ihm. „Hast du den Mann ge­se­hen, der das Feuer im Salon ge­legt hat? Ist dir ir­gend­et­was an ihm auf­ge­fal­len?“
„Wie ich dem Mann, der bei dei­ner Frau dabei war, schon er­zählt habe, hat er eine Le­der­ja­cke mit einem wei­ßen To­ten­kopf und einer oran­ge-grü­nen Auf­schrift auf dem Rü­cken ge­tra­gen. Der Rauch war zu dicht, um die Worte zu er­ken­nen, aber es war die­sel­be Jacke, die die Kerle an­ge­habt haben, die mich ent­führt haben.“
Die Er­wäh­nung der Far­ben sorgt dafür, dass er sich an­spannt, genau wie es bei Voo­doo der Fall ge­we­sen war.
„Bist du dir ab­so­lut si­cher, was das Em­blem auf sei­ner Jacke be­trifft? Wenn ich es dir noch ein­mal zeige, wür­dest du es wie­der­er­ken­nen?“
Ich nicke. Dar­auf­hin zieht er sein Handy aus sei­ner Ge­säß­ta­sche und wischt mit dem Fin­ger über das Dis­play. Dann hält er mir das Mo­bil­te­le­fon vor die Nase. „Ist es das?“ Er war­te­te, bis sich meine Augen an den hel­len Bild­schirm ge­wöhnt haben.
„Ja“, er­wi­de­re ich. Es scheint mit mei­ner Ant­wort zu­frie­den zu sein und steckt das Handy wie­der in die Ta­sche. „Ich habe alle deine Fra­gen be­ant­wor­tet. Ich möch­te jetzt gehen. Du hast be­kom­men, was du woll­test.“
„Du wirst hier­blei­ben, bis wir deine Ge­schich­te ge­prüft haben.“
„Ich möch­te das aber nicht. Du kannst mich nicht ein­fach hier­be­hal­ten.“
„Da liegst du falsch, Dani. Ich kann und ich werde es tun, bis ich ver­dammt noch mal be­reit bin, dich frei­zu­las­sen. Du bist ein un­er­wünsch­ter Gast, bis ich etwas an­de­res sage. Und es gibt ein paar Grund­re­geln, die du be­fol­gen wirst. Du wirst nir­gend­wo al­lein hin­ge­hen, weder in die­sem Club­haus noch au­ßer­halb. Sli­der, den du ken­nen­ge­lernt hast, wird dein per­sön­li­cher Schat­ten sein. Von dem Mo­ment, so­bald du dein Zim­mer ver­lässt, bis zu dem Zeit­punkt, indem du zu­rück­kehrst. Wenn ein Mann mit einer Kutte wie meine, dir sagt, dass du etwas tun sollst …“ Er zeigt auf die Le­der­wes­te an sei­nem Ober­kör­per. „Dann tust du es. Du darfst dich im Haupt­raum und in der Küche auf­hal­ten, wenn du dein Zim­mer ver­lässt. Hast du mich ver­stan­den?“
„Ja, ich ver­ste­he. Ich bin hier eine Ge­fan­ge­ne, bist du dich ent­schie­den hast, ob ich be­reit bin, ge­fickt oder ge­tö­tet zu wer­den.“
„Wie ich sehe, ka­pierst du die Spiel­re­geln immer noch nicht“, schnaubt er und rich­te­te seine Auf­merk­sam­keit auf sei­nen Part­ner. „Hero, sag Sli­der, er soll ihr einen Tel­ler mit Essen be­sor­gen und sie dann wie­der in ihrem Zim­mer ein­sper­ren. Viel­leicht hilft ihr ein wenig Iso­la­ti­on auf die Sprün­ge.“
Raze ver­lässt schnell den Raum durch die Tür und ich er­he­be mich eben­falls, um zu gehen. Kaum habe ich die Schwel­le er­reicht, legt sich Heros Hand um mei­nen Ober­arm und zieht mich zu­rück in das Zim­mer. Sein Ge­sicht ist nur we­ni­ge Zen­ti­me­ter von mei­nem ent­fernt.
„Er­zähl mir, was du über den Twis­ted Tribe weißt“, be­fiehlt er mir. Ich schaue zur Tür und bete, dass Raze oder Maj noch in der Nähe sind. Er packt meine Arme här­ter.
„Twis­ted wer?“, stot­te­re ich. „Ich weiß nicht, wer das sein soll.“
„Bull­s­hit. Deine Mit­be­woh­ne­rin ist eines von ihren Mäd­chen. Sie haben dich ent­führt, oder bes­ser ge­sagt, das be­haup­test du. Mir scheint, du kennst sie also recht gut.“
„Ich weiß nur, dass ich ent­führt, an­ge­grif­fen und dann er­neut ent­führt wor­den bin. Ich bin müde, ver­letzt und habe einen höl­li­schen Hun­ger. Wenn du auch nur eine Se­kun­de glaubst, ich würde In­for­ma­tio­nen über diese Bas­tar­de zu­rück­hal­ten, dann bist du schief ge­wi­ckelt. Und jetzt …“, sage ich und reiße mich von ihm los. „Lass mich ge­fäl­ligst vor­bei.“
Er tritt vor mich und blo­ckiert er­neut mei­nen Flucht­weg.
„Denk nicht, dass die­ser eine Abend ir­gend­et­was be­deu­tet. Ich bin kein guter Kerl. Wenn mein Prä­si­dent sagt, ich soll dir den Gar­aus ma­chen, werde ich es tun. Un­ge­ach­tet des­sen, was du glaubst, über mich zu wis­sen. Es war nur ein Tanz. Keine Hoch­zeits­ze­re­mo­nie.“
Mir feh­len die Worte, um auf seine Dro­hung zu re­agie­ren. Ich habe keine Ah­nung, wer die­ser an­de­re Club ist oder ob Ricca ir­gend­wie mit denen in­vol­viert ist. Ich bin ge­nau­so sauer wegen der Ent­füh­rung, wie sie über das, was die­ser Club ihnen schein­bar an­ge­tan hat. Ich bin si­cher­lich alles an­de­re als un­schul­dig, doch mit die­sen An­schul­di­gun­gen oder die­sem an­de­ren Club habe ich nichts zu tun. Ich muss ein­fach ab­war­ten und mich so ver­hal­ten, wie sie es von mir ver­lan­gen, bis es mir er­laubt wird, mich frei zu be­we­gen.
Warum werde ich das Ge­fühl nicht los, be­reits am Arsch zu sein?

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