Daydreamer - Hollywood Love Story

Er­schie­nen: 04/2020

Genre: Con­tem­pora­ry Ro­mance
Zu­sätz­lich: Mil­lio­närs­roman­ze, Va­nil­la

Lo­ca­ti­on: USA, Los An­ge­les

Sei­ten­an­zahl: 360


Er­hält­lich als:
pa­per­back & ebook

ISBN:
Print: 978-3-86495-435-1
ebook: 978-3-86495-436-8

Preis:
Print: 13,90 €[D]
ebook: 6,66 €[D]

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und allen gän­gi­gen On­line­händ­lern und im Buch­han­del

Daydreamer - Hollywood Love Story


In­halts­an­ga­be

Das Mäd­chen in der letz­ten Reihe, das aus dem Fens­ter schaut und träumt. Von einem Mär­chen­prin­zen auf sei­nem wei­ßen Ross und sei­nem ver­wun­sche­nen Schloss.

Luisa weiß genau, wie sich diese Mäd­chen füh­len. Auch sie hat ihr Leben lang damit ver­bracht, in ihren Tag­träu­men und ihrer Schrei­be­rei zu ver­sin­ken. Aber das wahre Leben holte Luisa ein, riss sie aus ihren Träu­men und lehr­te sie schmerz­haft, dass Mär­chen­prin­zen sich als Frö­sche ent­pup­pen. Diese ne­ga­ti­ven Er­fah­run­gen ver­ar­bei­tet sie in ihrem Blog und lässt Män­ner dabei gar nicht gut weg­kom­men.  

Doch kaum zieht sie mit ihrem klei­nen Sohn nach Los An­ge­les, lernt sie – wie in einem Mär­chen - den hei­ßen Schau­spie­ler, Pro­du­zent und Re­gis­seur Diego Lopéz ken­nen. Ei­gent­lich genau die Art von Mann, die sie so ver­ach­tet und über die sie in ihrem Blog scho­nungs­los läs­tert. Und doch ist er ganz an­ders als jene Män­ner – ein Mann vol­ler Wi­der­sprü­che: Sanft und do­mi­nant, nach­denk­lich und lei­den­schaft­lich, streng und ro­man­tisch.

Lui­sas und Die­gos Ge­füh­le wer­den nicht nur durch Lui­sas Ge­heim­nis, son­dern auch von Pa­pa­raz­zi sowie Die­gos Fans auf eine star­ke Be­las­tungs­pro­be ge­stellt. Ein hol­ly­woodrei­fes Happy End scheint in wei­ter Ferne ...

Über die Au­to­rin

Die Au­to­rin ist 1986 ge­bo­ren, ver­hei­ra­tet und liebt es, in den klei­nen Pau­sen des Ar­beits­all­tags und Ma­ma-Da­seins zu lesen und zu schrei­ben. Für Cris­ti­na Evans gibt es die per­fek­te Lie­bes­ge­schich­te nicht - denn diese wäre schlicht und er­grei­fend zu ein­fach....

Le­se­pro­be

Keine Ah­nung, wie oft ich mich an die­sem Vor­mit­tag um­ge­zo­gen hatte. Mat­teo kam sogar mit Ver­spä­tung im Kin­der­gar­ten an. Und ich? Ich stand schweiß­ge­ba­det vor dem Lokal, an dem ich mich mit Diego tref­fen würde.
»Luisa«, hörte ich plötz­lich seine Stim­me hin­ter mir.
Die ganze Nacht hatte ich Zeit ge­habt, mir den Kopf zu zer­bre­chen, was ich sagen oder wie ich mich ver­hal­ten woll­te. Doch genau wie bei un­se­rem Te­le­fon­ge­spräch be­nahm ich mich auch heute so, wie ich es nicht vor­her ge­plant hatte.
Ich hielt ihm meine Hand zur Be­grü­ßung ent­ge­gen, doch er um­arm­te mich so­fort. Tja...

...… und ab dem Mo­ment war es um mich ge­sche­hen. Ich spür­te seine star­ken Arme um meine Schul­tern und sah, wie er im nächs­ten Mo­ment strahl­te, als er mich wie­der an­blick­te … Ich hätte da­hin­schmel­zen kön­nen. Warum sieht er so ver­dammt gut aus?
»Gehen wir rein?«, frag­te er lä­chelnd und ich nick­te.
Nicht ein­mal ein Hallo hatte ich bis­her raus­be­kom­men.
Wäh­rend wir ne­ben­ein­an­der den schma­len Gang in das Café hin­ein­gin­gen, drück­te er seine Hand leicht gegen mei­nen un­te­ren Rü­cken. Mit dem an­de­ren Arm zeig­te er auf einen Tisch, den er spon­tan für uns aus­wähl­te.
Beim Hin­set­zen zog er mir den Stuhl zu­recht, dann setz­te er sich mir ge­gen­über.
Im sel­ben Au­gen­blick kam der Kell­ner auf uns zu und reich­te uns die Spei­se­kar­ten. Diego be­stell­te etwas in flie­ßen­dem Spa­nisch. Na­tür­lich, er kommt aus Me­xi­ko. Und wow, ich kann­te ihn zwar Spa­nisch spre­chend aus der Net­flix-Se­rie, doch live war es noch mal ganz neue Musik für meine Ohren. Der Kell­ner nick­te freund­lich, nahm uns die Kar­ten wie­der ab und ließ mich mit einem fra­gen­den Blick zu­rück.
»Ver­trau mir, es wird dir schme­cken«, ver­si­cher­te er mir und legte die Ser­vi­et­te vor sich auf den Tisch. Dann schob er die Blu­men zwi­schen uns etwas zur Seite, damit er mich bes­ser sehen konn­te.
Er wirk­te über­aus selbst­be­wusst dabei. Jede ein­zel­ne Be­we­gung, jedes Wort und sein Lä­cheln raub­ten mir den Atem.
»Ich kann immer noch nicht glau­ben, dass du der Dro­gen­boss aus dem Fern­se­hen bist …«, wurde ich als Ers­tes los. Ehr­lich? Hatte ich das ge­ra­de wirk­lich ge­sagt?
Er lach­te und sah mich mit einem fra­gen­den War­um-Blick an.
Ich ver­such­te, meine Fest­stel­lung zu er­klä­ren. »Du wirkst in dei­ner Rolle so … un­durch­dring­bar. Ver­schlos­sen. So steif und starr. Es ist un­fass­bar, dass hin­ter die­ser Fas­sa­de je­mand steckt, der so an­ders ist.«
Jetzt er­klang sein herz­li­ches und lau­tes La­chen. »Das heißt, du bist ent­täuscht, dass ich im wah­ren Leben nicht so steif und starr bin?«
Auch ich lä­chel­te. »Nein. Nein, das woll­te ich damit nicht sagen!« Die Wahr­heit war, dass er so oder so sehr sexy war, egal in wel­cher Rolle. Vor allem aber live und als er selbst.
»Ich woll­te damit nur dein au­ßer­or­dent­li­ches Schau­spiel­ta­lent un­ter­strei­chen«, sagte ich freund­lich.
»Vie­len Dank«, ant­wor­te­te er dar­auf nur, und ich merk­te, dass er un­gern Kom­pli­men­te an­nahm. Er wech­sel­te so schnell das Thema, dass mir klar wurde, dass es hier nicht haupt­säch­lich um ihn gehen soll­te. Damit holte er sich einen wei­te­ren Plus­punkt.
Der Kell­ner brach­te uns frisch ge­press­ten Oran­gen­saft und zwei große Tas­sen Kaf­fee.
»Wie habe ich dich denn ges­tern am Te­le­fon aus einer miss­li­chen Lage ge­ret­tet?«, woll­te er jetzt wis­sen.
Ich nipp­te an der Tasse mit Kaf­fee, nahm sie aber dann mit einem Ruck wie­der von mei­nen Lip­pen, um ihm zu ant­wor­ten: »Es war eine sehr un­an­ge­neh­me Si­tua­ti­on. Ei­gent­lich kaum der Rede wert. Willst du es wirk­lich hören?«
Er nick­te und lehn­te sich auf sei­nem Stuhl zu­rück. Er trug heute ein wei­ßes Hemd, das an ihm kein biss­chen spie­ßig wirk­te. Sein Kör­per war schlank und der Baum­woll­stoff schmieg­te sich per­fekt an sei­nen Ober­kör­per. Ich muss­te mich zwin­gen, ihm wie­der ins Ge­sicht zu sehen. Das merk­te er auch. Ver­dammt.
»Also, ich war auf einer Kin­der­ge­burts­tags­par­ty, und wie das auf die­sen Par­tys nun mal so ist, wim­melt es dort nur so von über­eif­ri­gen Müt­tern und gie­ri­gen ge­schie­de­nen Vä­tern.«
Er muss­te la­chen. »Gie­ri­gen Vä­tern?«
»Ja. Ich meine, was stimmt nicht mit euch? Wenn ihr eine al­lein­er­zie­hen­de Mut­ter seht, schal­tet sich euer Hirn so­fort auf ir­gend­ei­nen ko­mi­schen Be­schüt­zer­mo­dus um? Was genau regt sich da bei euch? Und ist euch schon mal in den Sinn ge­kom­men, dass auch Sin­gle-Müt­ter ihren Kin­dern eine per­fek­te Fa­mi­lie bie­ten kön­nen? Wir brau­chen keine Väter, je­den­falls nicht zwin­gend.« Wow. Das war über­ra­schend ehr­lich. Zwar hatte ich die ganze Zeit, wäh­rend ich ge­spro­chen hatte, ge­lä­chelt, doch eine ge­wis­se Por­ti­on Ernst­haf­tig­keit hatte trotz­dem in mei­nem Ton mit­ge­spielt. Ich war ge­spannt, wie er meine Aus­sa­ge auf­neh­men würde. Viel­leicht tes­te­te ich ihn auch nur ein wenig, um zu sehen, wie er auf mein State­ment re­agier­te. Schließ­lich war er auch ein ge­schie­de­ner Mann mit Kin­dern.
Diego schlug die Arme vor sei­ner Brust über­ein­an­der, hob eine Au­gen­braue und ein ver­schmitz­tes Lä­cheln mach­te sich auf sei­nen Lip­pen breit. Doch er sagte nichts.
»Je­den­falls wurde ich genau in dem Mo­ment, als du zu­rück­ge­ru­fen hast, von so einem Vater an­ge­spro­chen. Ja, fast be­drängt. Dabei sind sol­che ge­schie­de­nen Väter wie er genau die, die ihn nicht ein­mal rich­tig ken­nen­ler­nen möch­ten und sich im Bett so blöd an­stel­len, dass sie das Kon­dom nicht wert sind, das für sie ge­op­fert wird.«
Er lach­te laut und aus vol­ler Kehle. Der Kell­ner trat im sel­ben Mo­ment an den Tisch und hatte ga­ran­tiert einen Teil von dem, was ich ge­sagt hatte, ge­hört. Doch ich schäm­te mich kein biss­chen dafür, denn es ent­sprach nach mei­ner Er­fah­rung nun mal lei­der der Wahr­heit.
Wäh­rend zahl­rei­che Köst­lich­kei­ten auf den Tisch ge­stellt wur­den, sagte Diego: »Ich bin je­den­falls froh, dass ich dir so einen Kerl er­spart habe.«
»Ich auch. Danke noch mal!«
Er klopf­te sich selbst auf die Schul­ter und grins­te mich an, bevor er von Se­kun­de zu Se­kun­de erns­ter wurde … Oh, spie­len wir hier gleich den stren­gen Dro­gen­boss?
Der Kell­ner ver­ließ un­se­ren Tisch wie­der.
»Was ist mit dem Vater dei­nes Soh­nes?«, frag­te er jetzt sanft und etwas nach­denk­lich.
Okay … doch kein Dro­gen­boss.
Ich seufz­te laut. »Ein One-Night-Stand auf einer Party. Mei­ner Ge­burts­tags­par­ty, bes­ser ge­sagt. Ir­gend­ein Freund von einem Freund einer Freun­din. Wir ver­such­ten es ein paar Mo­na­te mit­ein­an­der, doch es klapp­te nicht. Wie auch immer. Auch wenn ich die­sen Typen nicht mehr lei­den kann, haben wir es ge­schafft, in nur einer ein­zi­gen Nacht etwas so Wert­vol­les zu er­schaf­fen, dass ich ihn nicht has­sen kann.« Ich woll­te ihm nicht die ganze Ge­schich­te er­zäh­len. Noch nicht.
Diego nick­te und kom­men­tier­te es nicht wei­ter.
»Kön­nen wir jetzt essen? Das, was du be­stellt hast, sieht köst­lich aus!«, wech­sel­te ich dies­mal be­wusst das Thema.
Er fing an zu er­klä­ren, was er für uns be­stellt hatte, und al­lein bei dem An­blick und dem Ge­ruch lief mir das Was­ser im Mund zu­sam­men.
Wäh­rend wir aßen, lo­cker­te sich die Stim­mung schlag­ar­tig auf. Ich fühl­te mich in sei­ner An­we­sen­heit sehr wohl und ver­gaß sogar, dass ich mit einem Hol­ly­wood­star an einem Tisch saß. Einem, der er­staun­lich viel über mich wis­sen woll­te.
Als wir fast fer­tig waren, ließ er sich die Rech­nung brin­gen.
»Wann musst du zu­rück sein?«, frag­te er mich.
Ich sah auf die Uhr. Die Zeit war wie im Flug ver­gan­gen. »In knapp zwei­ein­halb Stun­den.«
»Dann möch­te ich mit dir noch gerne wohin fah­ren.« Er sah mich er­war­tungs­voll an.
»Oh … okay«, gab ich über­rascht von mir.
Er be­zahl­te mit sei­ner Kre­dit­kar­te, ich pro­tes­tier­te kurz, er über­hör­te mich ge­schickt und wir ver­lie­ßen das Lokal.
»Bist du mit dei­nem Auto hier?«, frag­te er und ich be­jah­te es. »Wäre es für dich okay, wenn du fährst? Ent­schul­di­ge. Ich bin in L.A. nur mit dem Taxi un­ter­wegs.«
Ich lach­te. »Wenn du mir sagst, wohin, dann ja. Ich habe hier in einer Sei­ten­stra­ße ge­parkt.«
Jetzt wäre der Mo­ment, in dem ich ner­vös wer­den soll­te. Ein Mann, dazu noch eine Be­rühmt­heit, neben mir im Auto, in einer Stadt, in der ich nach wie vor in den sel­tens­ten Fäl­len eine Ah­nung hatte, wohin ich fah­ren muss­te. Doch mit ihm war ich weder auf­ge­regt noch ängst­lich. Er strahl­te etwas Be­ru­hi­gen­des und Ver­trau­tes aus.
Als wir ins Auto ein­stie­gen, wurde mein Handy so­fort mit der Blue­tooth-Mu­sik­an­la­ge des Autos ver­bun­den, und ein Remix einer mei­ner Lieb­lings­bands, der ein­deu­tig zum Tan­zen ein­lud, fing laut an, aus den Boxen zu schal­len.
Er­schro­cken dreh­te ich die Laut­stär­ke run­ter und fuhr los. Als wir uns in den Ver­kehr ein­ge­pen­delt hat­ten, dreh­te Diego die Laut­stär­ke wort­los wie­der etwas hoch und lä­chel­te. Ich schau­te ihn ver­wun­dert an, lä­chel­te eben­falls und sah dann zu­rück auf die Stra­ße. Dabei bekam ich das Grin­sen nicht mehr aus mei­nem Ge­sicht. Oh Mann.
Er lots­te mich durch die Stadt, und schon bald er­kann­te ich, dass wir zu einem ganz be­stimm­ten Ort fuh­ren. Das Grif­fith-Ob­ser­va­to­ri­um war ein be­kann­tes Ge­bäu­de und be­vor­zug­ter Aus­sichts­punkt in Los An­ge­les.
Wir park­ten den Wagen etwas wei­ter unten an der Stra­ße und lie­fen von dort aus noch ein gan­zes Stück die Stei­gung bis zu un­se­rem Ziel hin­auf.
»Ich weiß, dass das hier ein ty­pi­scher Tou­ris­ten-Hot­spot ist. Doch du wirst die Aus­sicht von dort oben lie­ben«, sagte er und wir at­me­ten beide schwer. Der Fuß­marsch war an­stren­gend und nicht zu ver­ach­ten, wegen der stei­len Stei­gung.
Wir er­reich­ten den höchs­ten Fleck des Aus­sichts­punk­tes und kamen am Ge­bäu­de an, wo ich ver­such­te, tief Luft zu holen. Nicht nur wegen des Fuß­mar­sches, viel­mehr auf­grund des Aus­blicks, der mir wort­wört­lich den Atem raub­te.
»Habe ich dir zu viel ver­spro­chen?«, frag­te er stolz.
Ich lehn­te mich gegen die klei­ne Mauer, die vor uns stand, und be­trach­te­te die Sky­line von Los An­ge­les, die unter einer leich­ten Dunst­wol­ke lag. Es sah un­glaub­lich aus – ich war sprach­los.
Als ich Diego be­trach­te­te, war sein Blick tri­um­phie­rend.
»Jetzt dreh dich um«, flüs­ter­te er mir leise ins Ohr.
Ich hatte gar nicht be­merkt, dass er näher ge­kom­men war. Plötz­lich über­kam mei­nen gan­zen Kör­per eine Gän­se­haut … an jeg­li­chen Stel­len.
Er zeig­te zum Hol­ly­wood-Zei­chen, das von hier aus deut­lich zu sehen war. Die Gän­se­haut ließ nicht nach. Nicht jetzt und nicht die nächs­ten Mi­nu­ten, wäh­rend wir – ich und Diego Lopéz - wort­los ne­ben­ein­an­der­stan­den und die­sen atem­be­rau­ben­den Aus­blick über die Stadt, die Hügel, die Berge und das Hol­ly­wood-Zei­chen ge­nos­sen.
Hätte ich uns in die­sem Mo­ment von außen be­ob­ach­tet, wäre das die per­fek­te Vor­la­ge für eine neue Ge­schich­te ge­we­sen. Eine, die nor­ma­ler­wei­se nicht zu dem Bild pass­te, das ich die letz­ten Jahre von dem Leben und der Liebe ge­habt hatte. Es wäre die per­fek­te Vor­la­ge für eine Lie­bes­ge­schich­te, dies­mal mit Happy End.
Ich mus­ter­te sein Pro­fil und be­trach­te­te ihn aus­gie­big, weil ich mich un­be­ob­ach­tet fühl­te.
Diego Lopéz war kein mas­si­ger oder mus­ku­lö­ser Typ. Nach mei­nen di­ver­sen Re­cher­chen im In­ter­net wuss­te ich, dass er keine voll tä­to­wier­ten Kör­per­tei­le hatte, es gab kein Bild von ihm mit einem per­fekt ge­trimm­ten Bart, und dank der Filme, die ich an­ge­schaut hatte, in denen er mit frei­em Ober­kör­per zu sehen war, wuss­te ich, dass er keine mus­kel­be­pack­te, glatt ra­sier­te Brust hatte.
Er war schlank, ath­le­tisch, sanft, manch­mal nach­denk­lich und manch­mal so offen wie ein Buch, aus dem ich jeden Tag etwas Neues lesen moch­te. Wenn er von sei­nen Kin­dern er­zähl­te, lä­chel­te er un­un­ter­bro­chen. Dann bil­de­ten sich diese klei­nen Fält­chen in den Au­gen­win­keln. Er lä­chel­te auf­ge­schlos­sen und ges­ti­ku­lier­te dabei mit Armen und Hän­den. Alles an sei­nem Ge­sicht strahl­te etwas so Lie­bens­wür­di­ges und In­ni­ges aus, dass mir fast schwind­lig wurde. Er war char­mant und in die­sem Ge­samt­pa­ket einer der at­trak­tivs­ten Män­ner, die ich je­mals ken­nen­ge­lernt hatte.
Plötz­lich hörte ich neben uns eine Fa­mi­lie mit­ein­an­der tu­scheln. Sie spra­chen Deutsch, und darum ver­stand ich gleich jedes ein­zel­ne Wort.
Diego be­merk­te sie eben­falls und sah mich etwas zu­rück­hal­tend von der Seite an. Ich hörte, wie sie dar­über dis­ku­tier­ten, ob das der Schau­spie­ler aus dem Kino war. Sie hat­ten, im Ge­gen­satz zu mir, sei­nen Block­bus­ter wohl ge­se­hen.
Un­auf­fäl­lig lehn­te ich mich zu Diego hin­über. »Sie möch­ten ver­mut­lich ein Foto von dir ma­chen. Ich glau­be, sie haben dich ge­ra­de er­kannt …«, gab ich ihm zu ver­ste­hen und sah, wie der Vater der Fa­mi­lie auf uns zukam.
In holp­ri­gem Eng­lisch frag­te er Diego, ob er wirk­lich der be­kann­te Schau­spie­ler Diego Lopéz sei. Als er das lä­chelnd be­stä­tig­te, bat er ihn um ein Foto.
Diego und ich grins­ten uns an. Ich hatte nicht vor, mich als Deut­sche zu outen, und nahm die Ka­me­ra ent­ge­gen, wäh­rend Diego mit dem Fa­mi­li­en­va­ter mit­ging.
»Kön­nen wir das Hol­ly­wood-Zei­chen mit auf das Bild be­kom­men?«, frag­te der Vater wie­der auf Eng­lisch.
»Klar«, ant­wor­te­te ich ni­ckend, und Diego stell­te sich in die Mitte der vier Men­schen, legte seine Arme um die zwei Kin­der und lä­chel­te.
»Cheese«, sagte ich und schoss ein paar Fotos.
Die Kin­der waren auf­ge­regt, die Mut­ter und vor allem der Vater waren ganz aus dem Häus­chen.
An­schlie­ßend holte die Mut­ter einen Stadt­plan und einen Stift aus ihrer Hand­ta­sche und bat Diego um ein Au­to­gramm.
Diego war sehr freund­lich, lä­chel­te dabei und frag­te, wie die Kin­der hie­ßen. Sie waren ver­mut­lich etwas jün­ger als seine ei­ge­nen. Zum Ab­schied strich er ihnen ver­spielt über den Kopf und wink­te ihnen noch mal zu.
»Pas­siert dir das oft?«, frag­te ich.
»Immer wie­der, ja.«
Wir stan­den uns ge­gen­über. In mei­nen fla­chen

Schu­hen war ich doch um ei­ni­ges klei­ner als er. Er sah zu mir hinab, und ob­wohl sich ein ge­wis­ser Ab­stand zwi­schen uns be­fand, fühl­te ich mich ihm plötz­lich so nah wie noch nie zuvor.
»Ich flie­ge heute Nacht zu­rück nach Me­xi­ko«, gab er leise von sich, als würde er mir etwas an­ver­trau­en.
Ich spür­te einen klei­nen Stich in mei­ner Ma­gen­gru­be.
»Und … wie lange wirst du dort blei­ben?«
Er zuck­te mit den Schul­tern. »Nicht sehr lange. Zum Be­dau­ern mei­ner Kin­der flie­ge ich in zwei Tagen schon wei­ter nach Lon­don.«
Lon­don. Geht’s viel­leicht noch etwas wei­ter weg?
»Aber dies­mal dau­ert mein Auf­ent­halt dort nur drei Wo­chen. In knapp einem Monat bin ich wie­der in Los An­ge­les«, er­zähl­te er wei­ter.
»Ein Monat …«, wie­der­hol­te ich.
»Du hast meine Num­mer«, sagte er und lä­chel­te schel­misch.
»Und du hast meine«, ant­wor­te­te ich und blin­zel­te zu ihm hin­auf. Die Sonne schien mir in die Augen.
Er lä­chel­te zag­haft und seufz­te.
Plötz­lich hatte ich das Ge­fühl, es lägen viele un­aus­ge­spro­che­ne Worte zwi­schen uns. Mir ging es je­den­falls so, dass ich nicht wuss­te, was ich sagen oder bes­ser erst mal un­aus­ge­spro­chen las­sen soll­te.
»Wir soll­ten jetzt zu­rück­fah­ren«, stell­te ich fest.

Mat­teo würde bald auf mich war­ten.
»Ja, lass uns gehen«, sagte er ent­schie­den und lief los.
Als ich neben ihm ankam, legte er freund­schaft­lich einen Arm um meine Schul­tern. Und trotz­dem präg­te ich mir diese Be­rüh­rung ein, so gut ich nur konn­te. Ich woll­te nicht, dass sie je­mals en­de­te. Bis zum Park­platz hin­un­ter waren wir so mit­ein­an­der ver­bun­den, ohne ein Wort zu spre­chen.
Im Auto hör­ten wir wie­der Musik, dies­mal spiel­te meine Play­list ein ru­hi­ge­res Lied. Wäh­rend der Fahrt ver­si­cher­te er mir, ich könne ihn beim Kin­der­gar­ten raus­las­sen. Er werde von dort aus al­lein wei­ter­kom­men.
»Es war ein sehr schö­ner Vor­mit­tag«, sagte ich und brach­te den Wagen in einer Park­lü­cke zum Ste­hen. »Danke.«
»Ich danke dir, Luisa.«
»Ich glau­be, ich werde nie­mals müde davon, wie du mei­nen Namen aus­sprichst«, gab ich zu.
Er lä­chel­te, und als er mir ins Ge­sicht sah, hatte sich seine brau­ne Iris fast schwarz ge­färbt. »Soll­te wie­der ein gie­ri­ger Vater zu auf­dring­lich wer­den, rufst du mich an, damit ich dir aus der Pat­sche hel­fen kann, ja?«
Ich lach­te leise. »Ja. Un­be­dingt.«
Dann folg­te eine warme Um­ar­mung, die ein paar Se­kun­den län­ger an­dau­er­te als die von heute Mor­gen.
»Bis bald«, sagte er und stieg aus.
»Bis bald«, rief ich durch das ge­öff­ne­te Fens­ter und sah ihm nach, wie er die Stra­ße ent­lan­glief und sich ir­gend­wann aus mei­nem Sicht­feld ent­fern­te.

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