Unzivilisiert

Ori­gi­nal­ti­tel: Un­ci­vi­li­zed
Über­set­zer: San­dra Mar­tin

Er­schie­nen: 06/2023

Genre: Con­tem­pora­ry Ro­mance
Zu­sätz­lich: Do­mi­nanz & Un­ter­wer­fung

Lo­ca­ti­on: USA, Ama­zo­nas


Er­hält­lich als:
pa­per­back & ebook

ISBN:
Print: 978-3-86495-626-3
ebook: 978-3-86495-627-0

Preis:
Print: 16,90 €[D]
ebook: 6,99 €[D]

Er­hält­lich bei u.a.:

und allen gän­gi­gen On­line­händ­lern und im Buch­han­del

Unzivilisiert


In­halts­an­ga­be

Wil­der Mann, Ein­zel­gän­ger, Krie­ger. In mei­nem In­ners­ten bin ich ge­fähr­lich. Ich habe in der un­ge­zähm­ten Wild­nis des Re­gen­wal­des ge­lebt, in einer Ge­sell­schaft, die mich ver­ehrt und in der sich jede Frau vor mir un­ter­wirft.

Jetzt bin ich auf­ge­stö­bert wor­den und bin ge­zwun­gen, in eine Welt zu­rück­zu­keh­ren, die ich ver­ges­sen habe, und in eine Kul­tur, die mir nur vage ver­traut ist.

Dr. Moira Reed ist eine An­thro­po­lo­gin, die be­auf­tragt wurde, mir bei der Rück­kehr in die mo­der­ne Ge­sell­schaft zu hel­fen. Ihre Auf­ga­be ist es, meine Ecken und Kan­ten zu glät­ten - mir bei­zu­brin­gen, wie ich mich in mei­nem neuen Leben zu­recht­fin­de. Sie will mich zäh­men.

Sie wird nie­mals ge­win­nen.

Ich bin wild, frei und roh, und das ein­zi­ge, was ich von der schö­nen Moira Reed will, ist ihre Un­ter­wer­fung.

Sie will es auch, da bin ich mir si­cher.

Ich werde es ihr bald geben.

Ja, sehr bald werde ich der Leh­rer und sie wird meine Schü­le­rin sein. Und wenn ich damit fer­tig bin, ihrem Kör­per Ver­gnü­gen wie kein an­de­rer zu be­rei­ten, wird sie wis­sen, wie es sich an­fühlt, von einem un­zi­vi­li­sier­ten Mann un­ter­wor­fen zu wer­den.

Über die Au­to­rin

Seit ihrem De­büt­ro­man im Jahr 2013 hat Sa­wy­er Ben­nett zahl­rei­che Bü­cher von New Adult bis Ero­tic Ro­mance ver­öf­fent­licht und es wie­der­holt auf die Best­sel­ler­lis­ten der New York Times und USA Today ge­schafft.
Sa­wy­er nutzt ihre Er­fah­run­gen als ehe­ma­li­ge Straf­ver­tei­di­ge­rin in...

Wei­te­re Bü­cher der Au­to­rin

Le­se­pro­be

Wir bahn­ten uns einen Weg durch den Dschun­gel. Un­se­rer Füh­rer Ramon ging voran, wäh­rend ich ihm mit Pater Gaul folg­te. Nach­dem wir auf einer klei­nen Lan­de­bahn am Süd­ufer des Ama­zo­nas, west­lich der ko­lum­bia­nisch-bra­si­lia­ni­schen Gren­ze, ge­lan­det waren, mach­ten wir uns auf den Weg zu einem Fluss na­mens Jutai, an dem Pater Gaul von einem Händ­ler ein altes Ein­baum-Ka­nu kauf­te. Wir fuh­ren damit in Rich­tung Süden, wobei wir mehr­mals an­le­gen muss­ten, um un­pas­sier­ba­re Strom­schnel­len zu Fuß zu um­ge­hen. Wir waren zwei Tage auf dem Fluss un­ter­wegs, bis Ramon ver­kün­de­te, dass es Zeit war, un­se­re Reise an Land fort­zu­set­zen.
In mei­nen Ruck­sack hatte...

...​ich sämt­li­che not­wen­di­ge Uten­si­li­en ge­packt, die ich bis zur An­kunft im Dorf der Carai­ca brau­chen würde. Da dies meine drit­te Reise in den Re­gen­wald war, hatte ich wenig ge­packt und nur das Wich­tigs­te dabei: Chlor­ta­blet­ten für meine Was­ser­fla­sche, ein Mes­ser, eine leich­te, trag­ba­re Hän­ge­mat­te, Klei­dung zum Wech­seln für mich, etwas zum An­zie­hen für Zach, was ich mit Hilfe von Pater Gaul, der seine Größe ge­schätzt hatte, ge­kauft hatte, und ei­ni­ge mi­li­tä­ri­sche Tro­cken­ra­tio­nen, die ich in Bra­si­lia er­wor­ben hatte, bevor wir mit der Cess­na nach Nor­den ge­flo­gen waren.
Ramon war ein ein­hei­mi­scher Mis­sio­nar und Be­glei­ter von Pater Gaul. Er lei­te­te un­se­re klei­ne Ex­pe­di­ti­on und hack­te eine Schnei­se durch die dich­te Ve­ge­ta­ti­on, die so­fort nach­zu­wach­sen schien und dunk­le Schat­ten warf.
Ir­gend­wann deu­te­te Ramon ge­ra­de­aus und sagte etwas auf Por­tu­gie­sisch, wor­auf­hin Pater Gaul die Worte für mich über­setz­te. „Seht ihr das Licht da vorne? Das ist das Dorf der Carai­ca.“
Ich späh­te an Ramon vor­bei und sah, dass der Dschun­gel vor uns tat­säch­lich lich­ter zu wer­den schien. Wir gin­gen wei­ter und be­tra­ten eine über einen Hekt­ar große Lich­tung, auf der meh­re­re Lang­häu­ser stan­den. Sie waren aus lan­gen Bam­bus­säu­len er­rich­tet wor­den, die als Stüt­zen dien­ten, wäh­rend auf den Quer­bal­ken schrä­ge Dä­cher aus ge­floch­te­nen Palm­blät­tern ruh­ten. Wie bei den meis­ten Stam­mes­be­hau­sun­gen üb­lich, hat­ten auch diese keine Wände und waren di­rekt auf die Erde ge­baut.
Ein hal­ber Hekt­ar be­bau­tes Acker­land grenz­te an die West­sei­te der Lich­tung. Von einem Freund eines Freun­des eines Kol­le­gen, der vor meh­re­ren Jah­ren eine Weile bei dem Stamm der Carai­ca ge­lebt hatte, wuss­te ich ei­ni­ges über die Ur­ein­woh­ner. Er er­zähl­te mir, dass sie eine Reihe von Grund­nah­rungs­mit­teln an­bau­ten, die neben dem Fleisch, das die Män­ner jag­ten, für eine aus­ge­wo­ge­ne Er­näh­rung sorg­ten. Sie kul­ti­vier­ten Ba­na­nen, Ma­ni­ok, Man­gos, Zu­cker­rohr, Mais und Süß­kar­tof­feln. Mir fiel eine Frau auf, die mit einem gro­ßen Korb vol­ler Mais auf dem Rü­cken von den Fel­dern in Rich­tung der Häu­ser ging. Der ge­floch­te­ne Be­häl­ter war zudem mit einem Rie­men aus Palm­we­deln an ihrer Stirn be­fes­tigt, um einen Teil der Last zu stüt­zen.
Pater Gaul über­nahm die Füh­rung, als wir ins Dorf gin­gen. Ich sah meh­re­re Frau­en in den ver­schie­de­nen Lang­häu­sern, die Ma­ni­o­kbrot auf hei­ßen Lehm­plat­ten über einem Feuer zu­be­rei­te­ten. An­de­re still­ten ihre Babys, wäh­rend wie­der an­de­re in ihren Hän­ge­mat­ten lagen. Sie be­ob­ach­te­ten uns neu­gie­rig, aber sie mach­ten keine An­stal­ten, un­se­re Grup­pe zu be­grü­ßen. Alle Frau­en waren nackt, doch das hatte ich er­war­tet. Die­ser Stamm un­ter­hielt zwar ei­ni­ge klei­ne­re Han­dels­be­zie­hun­gen mit Mis­sio­na­ren und an­de­ren Stäm­men, doch er war noch nicht so weit fort­ge­schrit­ten, dass die Ein­woh­ner sich be­klei­de­ten. Die Män­ner ver­zich­te­ten sogar auf so ein­fa­che Dinge wie einen Len­den­schurz.
Ich folg­te Pater Gaul zu einem Lang­haus, neben dem selt­sa­mer­wei­se eine klei­ne­re Hütte von etwa einem Vier­tel der Größe stand. Er trat ein und be­grüß­te einen alten Mann, der in sei­ner Hän­ge­mat­te lag, eine alte Frau, die ver­mut­lich seine Ehe­frau war, schür­te ge­ra­de ein Feuer, über dem sie Ma­ni­o­kmehl auf einer Ton­plat­te ver­teil­te.
Pater Gaul sagte etwas auf Por­tu­gie­sisch zu dem Mann und klopf­te ihm auf die Schul­ter. Der Mann schenk­te ihm ein zahn­lo­ses Lä­cheln und strahl­te ihn aus sei­nem fal­ti­gen Ge­sicht an. Pater Gaul zeig­te auf mich und stell­te mich mit einem Schwall Worte vor, die ich al­le­samt nicht ver­stand.
Der alte Mann wink­te mich zu sich und ich trat näher.
„Moira … das ist Pa­rai­la … Zachs Ad­op­tiv­va­ter“, er­klär­te Pater Gaul, der sich wie­der Pa­rai­la zu­wand­te und etwas auf Por­tu­gie­sisch sagte. Viele Stäm­me hat­ten die Spra­che aus Not­wen­dig­keit wäh­rend des letz­ten Jahr­hun­derts über­nom­men, um sich mit den Ein­dring­lin­gen zu ver­stän­di­gen, die sich in der Wild­nis des Ama­zo­nas aus­ge­brei­tet hat­ten. Pa­rai­la sah mich an und schenk­te mir ein zag­haf­tes, ein­la­den­des Lä­cheln, wobei er mir die Hand reich­te. Als ich sie er­griff, sagte er etwas zu mir, was ich wie­der nicht ver­stand. Als er fer­tig war, drück­te er meine Hand und Pater Gaul über­setz­te die Worte: „Er heißt Sie hier im Dorf will­kom­men. Er hofft, dass Sie sich eine Weile aus­ru­hen wer­den, denn so­bald die Män­ner von der Jagd zu­rück­kom­men, wer­den sie zu un­se­rer Be­grü­ßung ein gro­ßes Fest fei­ern. Dar­über hin­aus hofft er, dass Sie sich gut um sei­nen Ad­op­tiv­sohn küm­mern wer­den, doch er hat den Ein­druck, dass Sie eine gute und star­ke Frau sind und kein Pro­blem mit Zach haben wer­den.“
Ich schenk­te Pa­rai­la ein brei­tes Lä­cheln und sagte: „Pater Gaul … er­klä­ren Sie ihm, dass ich mich ge­ehrt fühle, hier zu sein, und dass ich mich sehr gut um Zach küm­mern werde.“
Pa­rai­la lä­chel­te mich noch ein­mal an, dann un­ter­hielt er sich wei­ter mit Pater Gaul, wäh­rend ich mei­nen Blick durch das Dorf schwei­fen ließ. Ein paar ma­ge­re Hunde lie­fen umher und im nächst­ge­le­ge­nen Lang­haus er­blick­te ich einen win­zi­gen schwar­zen Affen, der mit einem Palm­strick um den Hals an einen Holz­pf­lock im Boden ge­bun­den war, wäh­rend eines der Kin­der ihn mit Koch­ba­na­nen füt­ter­te. In­ter­es­san­ter­wei­se schien er eine Art Haus­tier zu sein, was mich ver­wun­der­te, da Affen mei­nes Wis­sens zu den Grund­nah­rungs­mit­teln die­ses Stam­mes ge­hör­ten.
Pater Gaul legte mir die Hand auf die Schul­ter und sagte: „Kom­men Sie. Las­sen Sie uns Ihre Hän­ge­mat­te an­brin­gen, und ich zeige Ihnen, wo das Was­ser ist, damit Sie sich frisch ma­chen kön­nen. Dann kön­nen Sie ein Ni­cker­chen ma­chen. Das Fest fin­det erst in ein paar Stun­den statt, und es wird bis spät in die Nacht dau­ern.“
Ich nick­te und folg­te Pater Gaul aus Pa­rai­las Haus. Ich konn­te es kaum er­war­ten, Zach zu be­geg­nen, so­bald er ins Dorf zu­rück­kam.

***

Das Fest war in vol­lem Gange, doch Zach war bis­her noch nicht von der Jagd zu­rück­ge­kehrt. Nach­dem ich eine Weile ge­schla­fen hatte, hatte mir Pater Gaul er­zählt, dass Pa­rai­la sich Sor­gen um ihn mach­te. Ich er­fuhr, dass Zach die Nach­richt von un­se­rer An­kunft nicht gut auf­ge­nom­men hatte und strikt da­ge­gen war, uns zu be­glei­ten. Of­fen­bar hat­ten er und Pa­rai­la sich ta­ge­lang des­halb ge­strit­ten, wobei immer noch nicht si­cher war, ob Zach mit uns zu­rück in die Ver­ei­nig­ten Staa­ten rei­sen würde.
Nur we­ni­ge Meter von den Hüt­ten ent­fernt war auf of­fe­ner Flä­che ein gro­ßes Feuer ent­zün­det wor­den, über dem ver­schie­de­ne Sor­ten Fleisch brie­ten. Vor etwa einer Stun­de war der zwei­und­zwan­zig Mann star­ke Jagd­trupp zu­rück­ge­kehrt, doch Zach war nicht dabei ge­we­sen. Als ich Pa­rai­la mit Hilfe von Pater Gaul nach sei­nem Ver­bleib frag­te, ant­wor­te­te er: „Za­cha­ri­as ver­folgt ge­ra­de einen Tapir und ist des­halb nicht mit den an­de­ren zu­rück­ge­kehrt. Er wird bald noch mehr Fleisch brin­gen.“
Ich kos­te­te etwas von dem Essen, wel­ches mir in einem über­gro­ßen Ba­na­nen­blatt ser­viert wurde. Den Jä­gern war es ge­lun­gen, einen Kai­man und meh­re­re Klam­meraf­fen zu er­le­gen, und waren von den Frau­en ju­belnd be­grüßt wor­den.
Bis auf eine tul­pen­för­mi­ge Hülse aus ge­floch­te­nen Palm­blät­tern über ihrer Männ­lich­keit, waren die Män­ner ge­nau­so nackt wie die Frau­en. Um ihre ver­hüll­ten, un­be­schnit­te­ne Pe­nis­se war das dich­te Nest aus schwar­zem Haar zu sehen, unter dem ihre Hoden schwer her­ab­hin­gen. Auch damit hatte ich ge­rech­net und war nicht im Ge­rings­ten scho­ckiert. Schließ­lich war ich An­thro­po­lo­gin, daher waren diese ge­sell­schaft­li­chen Un­ter­schie­de zwi­schen un­se­rer und ihrer Kul­tur mehr als fas­zi­nie­rend für mich.
Die Män­ner säu­ber­ten mit flin­ken Be­we­gun­gen ihre Beute am Rande des Dschun­gels, dann wurde das Fleisch über dem of­fe­nen Feuer ge­bra­ten. So­bald es fer­tig ge­gart war, wurde es von den Frau­en zer­klei­nert und zu­erst den Män­nern ser­viert. Nach­dem alle Män­ner mit dem Essen be­gon­nen hat­ten, be­dien­ten sich die Frau­en und reich­ten auch mir eine Mahl­zeit. Außer Fleisch gab es ge­koch­te Süß­kar­tof­feln, Ma­ni­o­kbrot und auf­ge­schnit­te­ne Pa­pa­ya.
Pater Gaul er­zähl­te mir Ge­schich­ten aus sei­nem Leben mit den Carai­ca und ver­glich sie mit ei­ni­gen an­de­ren Stäm­men, denen er sich eben­falls an­ge­nom­men hatte. Er kam schon seit elf Jah­ren immer wie­der in die­ses Dorf und ließ die zi­vi­li­sier­te Welt hin­ter sich, um den in­dia­ni­schen Stäm­men im Dschun­gel das Wort Chris­ti zu leh­ren. Es war eine glück­li­che Fü­gung des Schick­sals, als sich Pater Gaul vor fünf Mo­na­ten ein Bein brach und in einem Kran­ken­haus in São Paulo lan­de­te. Dort be­such­te ihn ein an­de­rer Pries­ter, der ihm die Nach­richt über­brach­te, dass ein wohl­ha­ben­der Ge­schäfts­mann in den Ver­ei­nig­ten Staa­ten nach sei­nen Freun­den Jacob und Kris­ten Eas­ton such­te. Sie waren vor acht­zehn Jah­ren zu­sam­men mit ihrem Sohn Za­cha­ri­as auf mys­te­riö­se Weise im Ama­zo­nas­ge­biet ver­schwun­den.
Nach­dem der Mis­sio­nar be­sag­te Fa­mi­lie, zu der auch ein klei­ner sie­ben­jäh­ri­ger Junge ge­hört hatte, be­schrie­ben hatte, war Pater Gaul sich zwei­fels­frei si­cher, dass der wohl­ha­ben­de Ame­ri­ka­ner tat­säch­lich nach Za­cha­ri­as vom Stamm der Carai­ca such­te. Er setz­te sich so­fort mit Ran­dall Can­non, Zachs Pa­ten­on­kel, in Ver­bin­dung, wor­auf­hin alles in die Wege ge­lei­tet wurde, um ihn nach Hause zu brin­gen. Da ich mich als An­thro­po­lo­gin mit den Ur­ein­woh­nern des Ama­zo­nas­ge­biets be­schäf­tig­te, die sich der zi­vi­li­sier­ten Welt an­ge­nä­hert hat­ten, hatte Herr Can­non mich be­auf­tragt, Zach – wie er als Kind ge­nannt wor­den war – nach Hause zu brin­gen und ihm bei der Ein­ge­wöh­nung in sein neues Leben be­hilf­lich zu sein.
Ich saß am Rande des Feu­ers, hörte dem Pries­ter zu und be­ob­ach­te­te ei­ni­ge Frau­en, die san­gen und tanz­ten. Of­fen­bar war es ein Dan­kes­lied für die be­reit­ge­stell­ten Gaben, doch ich war mir si­cher, dass die Män­ner im Ge­gen­zug si­cher nicht für die Frau­en sin­gen und tan­zen wür­den, weil diese für sie ge­kocht hat­ten. Nach wie vor wur­den Frau­en in der­ar­ti­gen Stam­mes­ge­sell­schaf­ten als Men­schen zwei­ter Klas­se be­han­delt.
Aus den Au­gen­win­keln nahm ich eine Be­we­gung wahr, als ein Mann in den Licht­schein des lo­dern­den Feu­ers trat. Mir fiel so­fort auf, dass er viel grö­ßer war als die Carai­ca, die im Durch­schnitt etwa eins fünf­und­sieb­zig maßen. Als die schat­ten­haf­te Ge­stalt etwas deut­li­cher zu er­ken­nen war, wurde mir klar, dass ich zum ers­ten Mal einen Blick auf Za­cha­ri­as Eas­ton warf.
Ich hatte nicht ge­wusst, was mich er­war­ten würde, doch auf die­sen An­blick war ich nicht vor­be­rei­tet ge­we­sen. Mit sei­nen eins neun­zig ließ er die Carai­ca zwer­gen­haft er­schei­nen. Er war schlank, mit brei­ten Schul­tern, einer brei­ten Brust und mus­ku­lö­sen Armen und Bei­nen. Zahl­rei­che Nar­ben zogen sich über sei­nen Kör­per. Sein brau­nes Haar reich­te ihm bis zu den Schul­tern, und den­noch war sein Ge­sicht glatt­ra­siert. Wäh­rend die Kör­per­be­haa­rung der Ein­ge­bo­re­nen sich auf die Stel­le zwi­schen ihren Schen­keln be­schränk­te, war Zach ein wei­ßer Mann. Für ein der­art ge­schmei­di­ges Ge­sicht muss­te er sich zwei­fel­los ra­sie­ren. Ich frag­te mich, wie er das ge­schafft hatte. Viel­leicht mit einem schar­fen Mes­ser? Oder viel­leicht mit einer Ra­sier­klin­ge, die ihm ein Mis­sio­nar ge­schenkt hatte?
Und sein Ge­sicht … bei dem An­blick wäre ich am liebs­ten in Trä­nen aus­ge­bro­chen, denn es war schlicht­weg per­fekt. Ich hätte mir den­ken kön­nen, dass Zach um­wer­fend aus­sah, denn ich hatte Bil­der sei­ner El­tern ge­se­hen, die beide äu­ßerst at­trak­ti­ve Men­schen waren. Seine blass­blau­en Augen schim­mer­ten im Licht des Feu­ers, das seine hohen Wan­gen­kno­chen, seine ge­ra­de Nase und den mar­kan­ten Kie­fer be­leuch­te­te. Letz­te­ren hatte er im Mo­ment vor Wut an­ge­spannt.
Mein Blick wan­der­te un­will­kür­lich zu sei­ner Len­den­ge­gend, denn er war ge­nau­so nackt wie die an­de­ren Stam­mes­an­ge­hö­ri­gen. So­fort stach mir ein wei­te­res Merk­mal ins Auge, das ihn von den üb­ri­gen Män­nern der Carai­ca un­ter­schied, denn sie konn­ten der Pracht zwi­schen Zachs Bei­nen nicht das Was­ser rei­chen. Im Ge­gen­satz zu den an­de­ren hatte er auf eine schüt­zen­de Hülle um sei­nen Penis ver­zich­tet, und ob­wohl sein be­schnit­te­ner Schaft völ­lig schlaff war, war er dick und um ei­ni­ge Zen­ti­me­ter län­ger. Im eri­gier­ten Zu­stand muss­te er ge­wal­tig sein. Ich hatte ge­ra­de zum ers­ten Mal einen Blick auf den Mann ge­wor­fen, für den ich in den Dschun­gel ge­reist war, und muss­te be­schämt fest­stel­len, dass ich ein Po­chen zwi­schen mei­nen Schen­keln ver­spür­te. Da ich neben einem ka­tho­li­schen Pries­ter saß, hob ich has­tig den Blick und kon­zen­trier­te mich wie­der auf Zachs Ge­sicht.
Ich hätte mir in mei­nen Träu­men nicht aus­ma­len kön­nen, welch ani­ma­li­sche An­zie­hungs­kraft er aus­strahl­te. Er ging mit selbst­be­wuss­ten Schrit­ten auf das Feuer zu, wobei seine stol­ze Hal­tung zwei­fel­los etwas mit der rie­si­gen Ta­pir­keu­le zu tun hatte, die er nun di­rekt auf die Koh­len warf. Die an­de­ren Män­ner des Stam­mes ju­bel­ten ihm zu, weil er so­eben einen statt­li­chen Bei­trag ge­leis­tet hatte.
Zach ging dar­auf­hin zu Pa­rai­la und drück­te ihm lie­be­voll die Schul­ter. Pa­rai­la sagte etwas zu Zach und zeig­te auf Pater Gaul und mich, wobei wir auf der an­de­ren Seite des La­ger­feu­ers saßen. Der Pries­ter stand auf und ging zu Zach hin­über, um ihm auf den Rü­cken zu klop­fen. Der junge Mann er­wi­der­te die Geste und schenk­te ihm zur Be­grü­ßung ein war­mes Lä­cheln. Er wür­dig­te mich kei­nes Bli­ckes, son­dern sagte nur noch ein paar Worte zu Pater Gaul und knie­te sich dann neben Pa­rai­la auf den Boden, um sich mit ihm zu un­ter­hal­ten.
Als Pater Gaul sich wie­der neben mich setz­te, neig­te er mir den Kopf zu und flüs­ter­te: „Ich werde spä­ter mit ihm reden. Er ist nicht ge­ra­de er­freut.“
„Das habe ich ge­se­hen“, er­wi­der­te ich. Ich wuss­te, dass es für Zach schwer sein muss­te, das ein­zi­ge Zu­hau­se zu ver­las­sen, das er je wirk­lich ge­kannt hatte.
Ich aß einen wei­te­ren Bis­sen Al­li­ga­torfleisch und kaute nach­denk­lich, wäh­rend ich Zach und Pa­rai­la be­ob­ach­te­te. Was auch immer der alte Mann zu sei­nem Ad­op­tiv­sohn sagte, stieß auf Wi­der­stand, denn ich be­ob­ach­te­te, wie Zach den Kopf schüt­tel­te und sein Ge­sicht zu einer be­stürz­ten Miene ver­zog, die sich so­gleich ver­här­te­te. Er wand­te sich in meine Rich­tung, wobei er mit dem Fin­ger auf mich zeig­te und mir einen ver­nich­ten­den Blick zu­warf. Schließ­lich rich­te­te er sich auf und sagte noch etwas zu Pa­rai­la, der nur trau­rig den Kopf schüt­tel­te.
Mit gro­ßem In­ter­es­se be­ob­ach­te­te ich, wie Zach das auf Ton­tel­lern be­reit­ge­stell­te Essen ste­hen ließ und um das Feuer herum zu einer der sin­gen­den Frau­en ging. Sie war sehr hübsch und jung, ich schätz­te sie auf acht­zehn oder neun­zehn. Sie trug ein Stirn­band aus schwar­zen Gei­er­fe­dern, was laut Pater Gaul be­deu­te­te, dass sie in die Pu­ber­tät ge­kom­men war, ihre erste Mens­trua­ti­on be­reits hin­ter sich hatte, aber noch nicht ver­hei­ra­tet war. Dies war eine Sel­ten­heit im Stamm, denn die meis­ten Frau­en hat­ten einen Ehe­mann. So­bald sie li­iert waren, tru­gen die Frau­en kein Stirn­band mehr, wäh­rend die un­schul­di­gen Mäd­chen, die noch nicht in die Pu­ber­tät ge­kom­men waren, sich mit einem Band aus wei­ßen, flau­mi­gen Fe­dern schmück­ten. Pater Gaul konn­te mir nicht sagen, was es mit jener Frau auf sich hatte, doch so­weit ich sehen konn­te, war sie die Ein­zi­ge mit einem schwar­zen Stirn­band.
Sie saß auf einem ver­stei­ner­ten Baum­stamm und blick­te mit einem strah­len­den Lä­cheln zu Zach auf, als er auf sie zukam. Er streck­te ihr seine Hand ent­ge­gen, die sie ohne zu zö­gern er­griff. Zach zog sie hoch, wobei ihre Brüs­te sanft hin und her wipp­ten. Ich er­war­te­te, dass die bei­den sich da­von­schlei­chen wür­den, um sich im Stil­len mit­ein­an­der zu ver­gnü­gen, und ich er­in­ne­re mich, wie ich dar­über nach­dach­te, ob sie Zachs Ge­lieb­te war.
Ich woll­te mir ge­ra­de einen wei­te­ren Bis­sen Fleisch in den Mund schie­ben und er­starr­te, als Zach mich über seine Schul­ter hin­weg ansah. Er fi­xier­te mich mit einem be­droh­li­chen Blick, doch ich konn­te noch etwas an­de­res in sei­nen Augen er­ken­nen.
War das ein her­aus­for­dern­der Aus­druck, den ich da sah?
Zu mei­ner Über­ra­schung legte er eine Hand auf die Schul­ter der Frau und drück­te sie zu Boden, bis sie vor ihm knie­te. Wie ge­bannt be­ob­ach­te­te ich, als sein Schwanz hart wurde, wäh­rend die Frau mit einem be­wun­dern­den Blick zu ihm auf­sah. Im nächs­ten Mo­ment hob Zach eine Hand und zeich­ne­te mit dem Fin­ger einen Kreis in der Luft. Sie dreh­te sich so­fort um und beug­te sich vor, bis ihre Wange den Boden be­rühr­te, wobei sie die Hände neben ihren Brüs­ten auf die Erde stütz­te.
Zach ging hin­ter ihr auf die Knie. Sein Schwanz war hart und ragte stolz in die Höhe. Er um­fass­te sei­nen Schaft mit einer Hand, strei­chel­te sich ein- oder zwei­mal und ließ ihn dann wie­der los. Ich be­ob­ach­te­te, wie hyp­no­ti­siert, als er eine Hand sanft auf den Rü­cken der Frau legte, wäh­rend er mit der an­de­ren ihren Na­cken pack­te und sie zu Boden drück­te. Er rich­te­te sein Be­cken aus, schmieg­te seine Ei­chel an ihr Ge­schlecht und drang in sie ein.
Ich war völ­lig fas­zi­niert, dass er sie vor den Augen des gan­zen Stam­mes vö­gel­te. Ob­wohl ich neben einem Pries­ter saß, war ich nicht in der Lage den Blick ab­zu­wen­den. Ich re­de­te mir ein, dass ich meine Be­ob­ach­tun­gen eines Tages in einer Stu­die ver­öf­fent­li­chen würde und aus die­sem Grund keine an­de­re Wahl hatte, als ihnen zu­zu­se­hen.
„Zach … não aqui. Não na fren­te dos nos­sos hóspe­des“, hörte ich Pa­rai­la rufen. Of­fen­bar hatte er ihn ge­ra­de zu­recht­ge­wie­sen, und meine Ver­mu­tung wurde be­stä­tigt, als ich sah, wie Zach sich ver­steif­te. Ich sah Pa­rai­la an, der sei­nem Ad­op­tiv­sohn einen ver­är­ger­ten, aber lie­be­vol­len Blick zu­warf. Ein ver­schmitz­tes Lä­cheln brei­te­te sich auf Zachs Ge­sicht aus, und er nick­te dem alten Mann ehr­er­bie­tig zu.
„Ich muss mich ent­schul­di­gen“, sagte Pater Gaul neben mir und wand­te sich mir zu. „Sie haben ge­ra­de einen Ein­blick in eine ihrer so­zia­len Nor­men er­hal­ten, die nichts mit der zi­vi­li­sier­ten Welt ge­mein hat. In die­ser Kul­tur hat der Mann eine do­mi­nan­te Po­si­ti­on inne und hat das Recht, eine der ver­füg­ba­ren Frau­en zu neh­men, wann und wo er will. Für die Carai­ca ist Sex eine Art Be­loh­nung, die dem Mann zu­teil­wird, nach­dem er für das Dorf ge­sorgt hat. Sie haben eine un­ge­zwun­ge­ne Ein­stel­lung zur Se­xua­li­tät, wobei sie kei­nen Wert auf Pri­vat­sphä­re legen. Für einen Mann bie­tet es sogar An­lass zum Stolz, wenn er eine Frau dazu bringt, sich ihm vor aller Augen zu un­ter­wer­fen.“
„Ich ver­ste­he“, sagte ich, ob­wohl ich rein gar nichts be­griff. Un­se­re Kul­tu­ren waren so ge­gen­sätz­lich, und ich dach­te dar­über nach, wie ich Zach den Un­ter­schied zwi­schen der ihm be­kann­ten Welt, und der Welt, in die er bald ein­tau­chen würde, bei­brin­gen soll­te. Ich wid­me­te mich wie­der mei­nem Essen, wäh­rend Pater Gaul sich Ramon zu­wand­te, um sich mit ihm zu un­ter­hal­ten.
Doch die Frau in mir – nein, die Wis­sen­schaft­le­rin, na­tür­lich – war mei­ner Neu­gier­de völ­lig hilf­los aus­ge­lie­fert. Ich hob den Blick, um Zach er­neut zu be­ob­ach­ten. Er stand auf und streck­te der Frau eine Hand ent­ge­gen. Sie er­griff sie und er zog sie hoch, um sie in Rich­tung des nächst­ge­le­ge­nen Lang­hau­ses zu füh­ren. Ich nahm an, dass er ein ge­wis­ses Maß an Pri­vat­sphä­re wah­ren würde, doch als er ge­ra­de ein­mal zwan­zig Meter vom La­ger­feu­er ent­fernt war, drück­te er die Frau wie­der auf die Knie. Sie war­te­te nicht ein­mal auf seine An­wei­sun­gen, son­dern beug­te sich so­fort vor und reck­te ihm ihren Hin­tern ent­ge­gen. Sie press­te die Wange in den Staub, als Zach sich hin­ter sie knie­te und er­neut ihren Na­cken pack­te. Im Schein des Feu­ers konn­te ich ihren zu­frie­de­nen Ge­sichts­aus­druck sehen. Sie wirk­te fast schon ge­las­sen, was mir in An­be­tracht sei­ner Männ­lich­keit un­be­greif­lich war. Wenn ich kurz davor wäre, von Zachs be­ein­dru­cken­dem Schaft auf­ge­spießt zu wer­den, würde ich mich vor Wol­lust win­den.
Wäh­rend er eine Hand wei­ter­hin in ihren Na­cken ge­legt hatte, um­fass­te er mit der an­de­ren sei­nen Schwanz, schob sein Be­cken nach vorn und drang lang­sam in sie ein. Die Frau stieß ein lei­ses Stöh­nen aus, wäh­rend Zach kurz die Augen schloss, bis er bis zum An­schlag in ihr ver­gra­ben war.
Ich spür­te wie­der ein Po­chen zwi­schen mei­nen Schen­keln, wel­ches immer hef­ti­ger wurde, als er be­gann, sich zu be­we­gen und mit gleich­mä­ßi­gen, lan­gen Stö­ßen immer wie­der in sie ein­zu­drin­gen.
Wäh­rend ich ihn wie ge­bannt be­ob­ach­te­te, hatte ich fast das Ge­fühl, sei­nen Schwanz zwi­schen mei­nen Schen­keln zu spü­ren. In die­sem Mo­ment wurde mir be­wusst, dass es für mich zu einem Pro­blem wer­den würde, meine Auf­ga­be zu er­fül­len und Zach bei der Ein­ge­wöh­nung in die zi­vi­li­sier­te Welt zu hel­fen. Ich war von sei­ner sinn­li­chen Roh­heit und ge­bie­te­ri­schen Art ganz und gar ein­ge­nom­men. Dabei er­schien es mir selt­sam, dass ich mich zu einem der­art do­mi­nan­ten Mann hin­ge­zo­gen fühl­te, denn ich war eine un­ab­hän­gi­ge Frau und selbst­si­che­re Lieb­ha­be­rin.
Ich war so sehr auf das Schau­spiel fi­xiert, das sich mir bot, dass ich alles an­de­re um mich herum ver­gaß. Ich be­ob­ach­te­te, wie er die Frau mit einer Hand am Na­cken fest­hielt und die an­de­re in ihre Hüfte grub. Sie stöhn­te leise, und im Schein des Feu­ers konn­te ich sogar sei­nen feucht glän­zen­den Schaft sehen, wenn er ihn aus ihr her­aus­zog. Als ich schließ­lich den Blick hob, um sein Ge­sicht zu be­trach­ten, wäre ich fast rück­lings vom Baum­stamm ge­fal­len, denn er starr­te mich über das Feuer hin­weg di­rekt an.
Seine hell­blau­en Augen fun­kel­ten und sein Kie­fer war an­ge­spannt, wäh­rend er die Frau am Boden wei­ter fick­te. Er durch­bohr­te mich mit sei­nem Blick und ich war nicht im­stan­de, weg­zu­se­hen. Er schien mich förm­lich auf­zu­for­dern, ihn zu be­ob­ach­ten und ge­stat­te­te mir nicht, den Blick ab­zu­wen­den. Ich glau­be, in die­sem Mo­ment gab er mir zu ver­ste­hen, dass er ein un­zi­vi­li­sier­ter Mann war und es mir nicht leicht ma­chen würde.
Pater Gaul und Ramon un­ter­hiel­ten sich leise neben mir, wäh­rend die Frau­en san­gen und die rest­li­chen Stam­mes­an­ge­hö­ri­gen mit­ein­an­der lach­ten.
Warum in­ter­es­sier­te sich sonst nie­mand dafür, was da ge­ra­de vor sich ging?
Plötz­lich trat alles an­de­re in den Hin­ter­grund und es gab nur noch Zach und mich.
Wir starr­ten ein­an­der an, wäh­rend sogar die Frau unter ihm mit der Nacht zu ver­schmel­zen schien. Mein Herz raste, wäh­rend ich ihn dabei be­ob­ach­te­te … wie er mich be­ob­ach­te­te … und er immer wie­der in einem trä­gen Rhyth­mus in die Frau hin­ein­stieß. Es schien ewig zu dau­ern. Ich kon­zen­trier­te mich ganz auf das Schau­spiel vor mir und ent­fes­sel­te die Voy­eu­rin in mir, wäh­rend ich von einer Mi­schung aus Hitze und Frus­tra­ti­on durch­strömt wurde. Ich hätte nie ge­glaubt, dass es mich so sehr er­re­gen würde, einem an­de­ren Paar beim Sex zu­zu­se­hen, doch ich war über­zeugt davon, dass es nur etwas damit zu tun hatte, wie Zach mei­nen Blick fest­hielt. Er zwang mich, ihm zu­zu­se­hen, wäh­rend ich mir in mei­ner Fan­ta­sie aus­mal­te, was er mit mir an­stel­len würde.
Schließ­lich, nach ge­fühl­ten Stun­den, kam Zach fast un­merk­lich zum Or­gas­mus. Er war dabei so leise, dass ich es fast nicht ge­se­hen hätte. Statt einen lust­vol­len Schrei aus­zu­sto­ßen, fi­xier­te er mich mit einem Blick, wäh­rend er die Mus­keln in sei­nem Na­cken an­spann­te. Er drang ein letz­tes Mal in die Frau ein und wurde sicht­lich von einem Schau­er durch­zuckt, als er laut­los zum Hö­he­punkt kam. Dabei starr­te er mich mit weit auf­ge­ris­se­nen Augen an, so­dass ich das Ge­fühl hatte, selbst seine Lust zu spü­ren.
Zach be­ob­ach­te­te mich noch einen Mo­ment mit selbst­si­che­rem Blick, dann löste er sich von der Frau, stand vom Boden auf und ging in die Dun­kel­heit hin­aus.

Ich öffne die Augen und stem­me mich sei­ner Hand ent­ge­gen, mit der Zach mich immer noch im Na­cken fest­hält. Er drückt mich wie­der nach unten, und da er so viel stär­ker ist als ich, blei­be ich ruhig lie­gen.
„Das ist eine gute Ge­schich­te, Moira“, sagt Zach bei­fäl­lig. Ich weiß, dass es ihn freut zu hören, wie er­regt ich war, als ich ihn be­ob­ach­te­te.
„So habe ich die Ge­scheh­nis­se in Er­in­ne­rung“, er­wi­de­re ich nur.
„Du woll­test mich da­mals, nicht wahr?“
„Ja“, hau­che ich.
„So, wie du mich jetzt willst?“
„Ja.“
„Genau auf die­sel­be Weise“, sagt er.
„Genau auf die­sel­be Weise“, stim­me ich zu.
Zach hebt seine freie Hand und schiebt den Saum mei­nes Kleids nach oben.
„Bevor ich dir gebe, was du willst“, wirft Zach mit tie­fer, ge­bie­te­ri­scher Stim­me ein, „musst du mir noch eines ver­ra­ten.“
„Was willst du hören?“, frage ich mit be­gie­ri­gem und frus­trier­tem Ton­fall.
„Ich will, dass du mir sagst, was du vor allem über mich ge­lernt hast, seit du mich mei­nem Zu­hau­se ent­ris­sen hast.“
Ich nehme einen tie­fen Atem­zug und stoße ihn leise wie­der aus. Ich ver­ab­scheue den Schmerz und die Wut, die immer noch in sei­ner Stim­me mit­schwin­gen, wenn ich daran denke, was ich ihm an­ge­tan habe. Daher sage ich ihm, was er hören will.
„Ich habe ge­lernt, dass du … Za­cha­ri­as Eas­ton … ein wil­der Mann bist.“
„Ja“, flüs­ter­te er, als er mein Kleid los­lässt und seine Fin­ger unter den Saum mei­nes Spit­zen­hös­chens schiebt. „Da hast du recht.“

Zach

Zwei Wo­chen zuvor …

Ich folge Moira aus dem Flug­ha­fen­ge­bäu­de und trete hin­aus in die Hitze Chi­ca­gos. Sie hat mir er­zählt, dass in den Ver­ei­nig­ten Staa­ten ge­ra­de Som­mer ist, doch der Be­griff sagt mir nicht viel. Ich weiß nur, dass es heiß ist und ein selt­sa­mer, fast me­tal­li­scher Ge­ruch in der Luft liegt, der mir un­an­ge­nehm in die Nase steigt. Ich ver­spü­re einen sehn­suchts­vol­len Stich im Her­zen, als ich an den er­di­gen, grü­nen Duft des Dschun­gels denke.
Moira führt uns zu einem gel­ben Wagen. Ich kann mich an die Autos noch aus mei­ner Kind­heit er­in­nern und weiß, dass es sich um ein Taxi han­delt, weil ich das Wort auf der Tür lesen kann. Ich habe meine Mut­ter­spra­che nie ver­lernt und kann sie dank Pater Gaul immer noch flie­ßend spre­chen. Er hat mich häu­fig bei den Carai­ca be­sucht und sich mit mir nicht nur auf Eng­lisch un­ter­hal­ten, son­dern mir zudem Bü­cher mit­ge­bracht, aus denen ich ler­nen konn­te. Ich hatte mir ein grund­le­gen­des Ver­ständ­nis der Ma­the­ma­tik an­ge­eig­net und war in Ge­schich­te und Geo­gra­fie durch­aus be­wan­dert, da ich alles ver­schlun­gen hatte, was ich in die Fin­ger bekam.
Es ist schon selt­sam, aber ich er­ken­ne viele Dinge wie­der. Wäh­rend ich acht­zehn Jahre lang im Ama­zo­nas­ge­biet lebte, schie­nen meine Er­in­ne­run­gen an mein frü­he­res Leben wie ver­blass­te Träu­me, die immer zum Grei­fen nah, doch un­er­reich­bar waren. Ich frag­te mich, wie viel ich noch ler­nen müss­te und wie viele von den „mo­der­nen Wun­dern“, von denen Pater Gaul immer ge­spro­chen hatte, mich über­ra­schen wür­den.
Doch als ich in die mo­der­ne Welt zu­rück­kehr­te, stell­te ich fest, dass mir vie­les davon sehr ver­traut er­schien. Ich konn­te mich nicht daran er­in­nern, dass ich als Kind mit mei­nen El­tern im Flug­zeug nach Bra­si­li­en ge­reist war, doch in dem Mo­ment, in dem ich die klei­ne Cess­na sah, die uns vom Ama­zo­nas in die Haupt­stadt Bra­si­lia brach­te, wuss­te ich, dass ich schon ein­mal in einer die­ser Ma­schi­nen ge­ses­sen war. Ich hatte zwar keine Er­in­ne­rung an den Flug, doch ich … wuss­te es ein­fach. Dabei be­un­ru­hig­te mich weder das Mo­to­ren­ge­räusch noch mach­te mich die Vor­stel­lung, mich in die Luft zu er­he­ben, miss­trau­isch. Als ich eines der Fens­ter in der Ka­bi­ne be­rühr­te, fühl­te sich das durch­sich­ti­ge, harte Ma­te­ri­al ver­traut an. Ich er­in­ner­te mich plötz­lich an das Haus mei­ner El­tern in Geor­gia. Ich weiß noch, wie ich mit dem Kopf voran gegen eine durch­sich­ti­ge Glas­schie­be­tür ge­lau­fen und rück­lings auf dem Hin­tern ge­lan­det war.
Als wir auf dem Flug­ha­fen lan­de­ten und Moira mich zu einem Miet­wa­gen führ­te, dräng­ten sich mir wei­te­re Er­in­ne­run­gen auf, die noch viel kla­rer waren. Ich er­in­ner­te mich daran, dass ich im Wagen mei­ner El­tern auf dem Rück­sitz saß und viel­leicht sogar ein Buch mit bun­ten Bil­dern in der Hand hielt. Ich konn­te sogar die Stim­men mei­ner El­tern hören.
Auch in dem Hotel, in dem wir ein paar Tage wohn­ten, konn­te ich eine Viel­zahl von Ge­gen­stän­den mit Leich­tig­keit iden­ti­fi­zie­ren. Das Bett … und die Kis­sen. Ja, ich wuss­te, was ein Kis­sen war. Moira zeig­te mir das Ba­de­zim­mer und er­klär­te mir, wie die Toi­let­te und die Du­sche funk­tio­nier­ten. Und nach und nach kam die Er­in­ne­rung zu­rück.
Ei­ni­ge die­ser er­staun­li­chen Er­run­gen­schaf­ten mach­te ich mir zu­nut­ze. Die Du­sche war wun­der­bar, denn das Was­ser fühl­te sich sau­be­rer und leich­ter an als das Fluss­was­ser oder die schlam­mi­gen Re­gen­was­ser­pfüt­zen, in denen ich mich nor­ma­ler­wei­se wusch. Der Duft des Sham­poos er­in­ner­te mich an See­ro­sen. Ich putz­te mir zum ers­ten Mal nach et­li­chen Jah­ren die Zähne und konn­te gar nicht mehr auf­hö­ren, mir mit der Zunge über die Zähne zu fah­ren, weil sie sich so glatt an­fühl­ten. Selbst wenn ich sie zuvor noch so aus­gie­big mit Schilf­rohr ge­putzt hatte, waren sie nie so sau­ber ge­wor­den.
Ja, all diese Dinge, die mir auf selt­sa­me Weise ver­traut waren, spen­de­ten mir in ge­wis­ser Weise Trost. Ich fühl­te mich zu kei­ner Zeit wirk­lich über­wäl­tigt … ab­ge­se­hen von dem einen Mal, als Moira etwas zu schnell durch Bra­si­lia fuhr. Wir blie­ben zwei Tage in der Haupt­stadt, wobei ich von einem Arzt un­ter­sucht und ge­impft wurde und wir in der ame­ri­ka­ni­schen Bot­schaft mei­nen neuen Rei­se­pass ab­hol­ten. Ich hatte zwar ge­hofft, dass man mir den Pass ver­wei­gern würde und diese Farce damit ein Ende hätte, doch ich konn­te dem Kon­su­lat einen Be­weis mei­ner Iden­ti­tät vor­le­gen. Die­ser be­stand aus den ur­sprüng­li­chen Rei­se­do­ku­men­ten mei­ner El­tern und mir, die ich all die Jahre nach ihrem Tod auf­be­wahrt hatte, sowie ihren Ehe­rin­gen, einem Fa­mi­li­en­fo­to und un­se­rer Fa­mi­li­en­bi­bel. Die Se­kre­tä­rin des ame­ri­ka­ni­schen Bot­schaf­ters küm­mer­te sich per­sön­lich um meine Do­ku­men­te und schenk­te mir ein warm­her­zi­ges, be­glück­wün­schen­des Lä­cheln, als sie mir mei­nen Pass über­reich­te. Ich hätte ihr am liebs­ten die Kehle auf­ge­schlitzt, weil sie sich so sehr dar­über freu­te, dass ich nun „nach Hause“ zu­rück­kehr­te. Na­tür­lich war ich nicht glück­lich dar­über, doch die an­de­ren schie­nen sich über alle Maßen zu freu­en.
An ei­ni­ge Dinge konn­te ich mich nur schwer ge­wöh­nen. Wäh­rend ich kurz­fris­tig die wei­che Ma­trat­ze des Ho­tel­betts ge­noss, war das Ge­fühl viel zu un­ge­wohnt und un­be­quem. Letzt­lich schlief ich jede Nacht auf dem Boden. Die Klei­dung, die ich hatte an­zie­hen müs­sen, bevor wir an Bord der Cess­na gin­gen, engte mich ein und kratz­te auf mei­ner Haut. Ich hass­te sie. So­bald ich al­lein in mei­nem Zim­mer war, riss ich sie mir vom Leib.
Ich wei­ger­te mich, mit Be­steck zu essen, ob­wohl ich mich so­fort an Mes­ser und Gabel er­in­ner­te. Dabei sträub­te ich mich nicht aus Un­be­ha­gen da­ge­gen, son­dern um Moira zu zei­gen, dass ich mich nicht ein­fach ihren An­wei­sun­gen fügen würde. Mei­ner Mei­nung nach würde ich die ganze Zeit über nackt her­um­lau­fen kön­nen, wenn mir da­nach war, doch Moira gebot mir Ein­halt, indem sie mir er­klär­te, dass es da­ge­gen ein Ge­setz gab.
Also muss­te ich mich mit Klei­nig­kei­ten be­gnü­gen und ver­wei­ger­te den Ge­brauch von Be­steck, um mit den Fin­gern zu essen. Ich ver­zich­te­te sogar auf die Ser­vi­et­te, mit der sie sich die Lip­pen ab­tupf­te und die Fin­ger ab­wisch­te, und leck­te mir statt­des­sen die Fin­ger sau­ber. Ein­mal wisch­te ich mir den Mund sogar an mei­nem Hemd ab. Ich wei­ger­te mich, mir die Haare schnei­den zu las­sen, als Moira den Vor­schlag mach­te, doch sie schenk­te mir le­dig­lich ein zag­haf­tes Lä­cheln und er­wi­der­te nichts.
Es macht mich wü­tend, dass sie sich von mei­ner An­ders­ar­tig­keit nicht aus der Ruhe brin­gen lässt. Ich hätte er­war­tet, sie würde ir­gend­wann dar­auf „be­ste­hen“, dass ich mich ent­spre­chend die­ser neuen kul­tu­rel­len Nor­men ver­hal­te, doch statt­des­sen nimmt sie sich Zeit, mir alles zu er­klä­ren. Sie bie­tet mir die Mög­lich­keit, etwas aus­zu­pro­bie­ren und wenn ich mich wei­ge­re, sagt sie nur: „Viel­leicht ein an­der­mal.“
Diese rot­haa­ri­ge Frau ruft dunk­le Ge­füh­le in mir her­vor. Mir ist klar, dass sie nicht di­rekt dafür ver­ant­wort­lich ist, dass ich mein Zu­hau­se ver­las­sen muss­te. Und doch ver­ab­scheue ich sie, als wäre sie die­je­ni­ge, die diese ver­rück­te Idee hatte. Ich weiß, dass sie nur ihren Job macht … und nur dem Wunsch mei­nes „Pa­ten­on­kels“ nach­kommt, doch ich ver­ach­te sie ge­nau­so sehr wie die­sen Mann na­mens Ran­dall Can­non. Diese bei­den Men­schen haben eine Reihe von Er­eig­nis­sen los­ge­tre­ten, die dazu ge­führt haben, dass ich aus mei­nem fried­li­chen und glück­li­chen Leben ge­ris­sen wurde.
In mei­nen Augen sind sie Fein­de.
Wäh­rend Moira zwar meine Fein­din ist, hält mich das nicht davon ab, sie mit den Augen eines Man­nes zu be­trach­ten. Ich fühle mich auf un­na­tür­li­che Weise zu ihr hin­ge­zo­gen. Diese An­zie­hungs­kraft be­steht seit dem Mo­ment, in dem ich sie zum ers­ten Mal sah, als sie am Abend ihrer An­kunft in un­se­rem Dorf am Feuer saß. Als ich das Dorf­zen­trum be­trat, hatte Moira mich un­ver­blümt an­ge­se­hen. Im Ge­gen­satz zu ihr wirft mir Tu­ka­ba immer nur schüch­ter­ne Bli­cke zu, wenn ich ihr nicht mit einer Geste er­lau­be, mich offen an­zu­star­ren. Moira ist so an­ders als die klei­nen Frau­en der Carai­ca mit ihrer brau­nen Haut und dem tief­schwar­zen Haar. Ihre Mähne fällt ihr wie flam­men­de Wel­len auf die Schul­tern und ihre Augen leuch­ten so grün wie der Dschun­gel. Sie er­in­nert mich an einen wil­den und far­ben­präch­ti­gen Vogel aus dem Ama­zo­nas, doch sie be­wegt sich mit der Anmut eines Ja­gu­ars. Ich schä­me mich zu­zu­ge­ben, wie un­ge­mein an­zie­hend sie auf mich wirkt.
Aber für diese Frau … meine Fein­din … will ich nichts wei­ter emp­fin­den als Wut, denn sie hat mein Leben auf den Kopf ge­stellt. Ich war un­tröst­lich, als wir das Dorf ver­lie­ßen. Die Ein­woh­ner waren alle ge­kom­men, um mir eine gute Reise zu wün­schen, doch ich konn­te Pa­rai­la kaum in die Augen sehen, aus Angst, ich würde schwach wer­den und in Trä­nen aus­bre­chen. Am spä­ten Vor­mit­tag mach­ten wir uns auf den Weg zum Fluss Jutai und ich tat mein Bes­tes, um Moira zu igno­rie­ren. Doch meine Ent­schlos­sen­heit schwand schon nach einer Weile.

Wir nä­her­ten uns dem Jutai, und ich konn­te den Duft des Fluss­was­sers in der Luft rie­chen. Die rot­haa­ri­ge Frau ging vor mir her, wäh­rend Pater Gaul und Ramon die Vor­hut bil­de­ten. Alle paar Meter stol­per­te sie über eine Ranke oder einen ver­we­sen­den Ast. Der Re­gen­wald schien sie zu fas­zi­nie­ren, daher be­ob­ach­te­te sie stän­dig die Tier­welt, statt sich auf den Boden zu kon­zen­trie­ren.
Ich muss­te zu­ge­ben, dass sie eine in­ter­es­san­te Frau war. Pater Gaul er­klär­te mir, dass sie eine Art Leh­re­rin war und ihr Wis­sen von ihnen sehr ge­schätzt wurde. Ihr Fach­ge­biet war etwas, das er „An­thro­po­lo­gie“ nann­te, und sie hatte es sich zur Le­bens­auf­ga­be ge­macht, die Kul­tu­ren der Ein­ge­bo­re­nen­stäm­me im Ama­zo­nas­ge­biet zu stu­die­ren. Des Wei­te­ren er­zähl­te mir Pater Gaul von mei­nem Paten, der diese Frau en­ga­giert hatte. Nach mei­ner Rück­kehr soll sie mir bei­brin­gen, ein rich­ti­ger Ame­ri­ka­ner zu wer­den.
Ich schnaub­te in­ner­lich bei dem Ge­dan­ken und schwor mir, mich nie­mals zu än­dern … ganz gleich, wie sehr sie sich das wünsch­ten.
Das Haar der Frau fas­zi­nier­te mich. Es war lang und so rot wie die un­ter­ge­hen­de Sonne. Sie trug es zu einem di­cken Zopf ge­floch­ten, der ihr über den Rü­cken hing. Sie war so an­ders als die Frau­en un­se­res Stam­mes. Ihr Kopf reich­te mir bis zur Schul­ter, wäh­rend die Frau­en der Carai­ca mir ge­ra­de bis zur Brust gin­gen. Ihre Haut war blass, wie die Farbe des Mon­des, wäh­rend so­wohl ihre Nase als auch ihre Wan­gen mit win­zi­gen brau­nen Punk­ten ge­spren­kelt waren.
Ich hatte ge­hört, wie sie mit Pater Gaul Eng­lisch sprach. Ich war mir si­cher, dass sie sich mei­ner Eng­lisch­kennt­nis­se be­wusst war, doch sie hatte sich seit der Nacht ihrer An­kunft im Dorf von mir fern­ge­hal­ten.
Als ich in Tu­ka­ba ein­drang und mich mei­ner Lust hin­gab, hatte ich meine ganze Auf­merk­sam­keit auf die schö­ne rot­haa­ri­ge Frau ge­rich­tet, die mich mit einem glü­hen­den Blick be­ob­ach­te­te. Ich stell­te mir vor, dass es ihr Kör­per war, doch ich wuss­te, dass sie nicht ein­fach wie eine Carai­ca still­hal­ten würde. Nein, ich nahm an, dass je­mand wie sie sich win­den und stöh­nen würde, wäh­rend sie mit ihren zar­ten Fin­gern über den Erd­bo­den kratz­te. Ich würde all meine Kraft auf­brin­gen müs­sen, um sie fest­zu­hal­ten, und dann ihre völ­li­ge Hin­ga­be ge­nie­ßen.
Al­lein der Ge­dan­ke ließ mei­nen Schaft an­schwel­len, und ich be­müh­te mich so­fort, an etwas an­de­res zu den­ken.
Moira stol­per­te er­neut, und ich hätte sie am liebs­ten an­ge­schrien, sie soll­te auf ihre Schrit­te ach­ten. Ihr Blick war nach oben ge­rich­tet, wobei sie mit einem zag­haf­ten Lä­cheln ein Paar Brüll­af­fen di­rekt über uns be­ob­ach­te­te, die sich von Ast zu Ast schwan­gen. Ich sah nur kurz auf und kon­zen­trier­te mich wie­der auf den Boden.
Ich hatte ein ge­schul­tes Auge und einen ge­schärf­ten Blick, daher er­kann­te ich im Bruch­teil einer Se­kun­de die Ge­fahr, die etwa einen Meter vor Moi­ras Füßen lau­er­te. Eine Busch­meis­ter­schlan­ge wand sich von rechts auf dem Pfad, und mit zwei wei­te­ren Schrit­ten wäre Moira auf sie ge­tre­ten.
Ich streck­te die Arme aus, pack­te Moira an den Schul­tern und zog sie an mich. Sie schrie er­schro­cken auf, als die Schlan­ge ihren Kopf hob. Ich schob sie un­sanft hin­ter mich, wor­auf­hin sie mit dem Hin­tern auf dem Boden lan­de­te. Pater Gaul und Ramon war­fen mir einen un­gläu­bi­gen Blick zu, als hätte ich den Ver­stand ver­lo­ren, doch sie hat­ten die Ge­fahr nicht ge­se­hen.
Ein Biss der Schlan­ge hätte den si­che­ren Tod be­deu­tet.
Das Tier hatte zur Ver­tei­di­gung den Kopf in die Höhe ge­reckt, der ei­ni­ge Zen­ti­me­ter über dem Boden schweb­te. Ich schwang wort­los meine Ma­che­te und schlug der Viper den Kopf ab, der dar­auf­hin leise auf dem ver­rot­te­ten Laub lan­de­te.
Ich griff nach einem gro­ßen, nas­sen Palm­blatt, wisch­te das Blut der Schlan­ge von mei­ner Klin­ge und wand­te mich mit einem fins­te­ren Blick Moira zu. „Du musst den Weg im Auge be­hal­ten, tö­rich­te chama de ca­be­los. Das nächs­te Mal lasse ich zu, dass die Schlan­ge dich beißt.“
Sie sah mit ihren moos­grü­nen Augen zu mir auf und be­trach­te­te mich vol­ler Angst und Reue. Einen Mo­ment lang starr­ten wir ein­an­der an, dann wand­te ich mich ab und ging wei­ter. Ramon eilte an mir vor­bei, um Moira vom Boden auf­zu­hel­fen, dann setz­te sich un­se­re klei­ne Ex­pe­di­ti­on wie­der in Be­we­gung.
Ich hatte in­stink­tiv re­agiert und ihr er­bärm­li­ches Leben ge­ret­tet. Und nun saß ich in der Falle. Im Nach­hin­ein be­trach­tet hätte ich sie von der Schlan­ge bei­ßen las­sen sol­len, dann hätte ich Moi­ras leb­lo­sen Kör­per zu­rück ins Dorf schlep­pen und die­sem Irr­sinn ein Ende be­rei­ten kön­nen.
Als wir den Jutai er­reich­ten, trenn­ten wir uns von Pater Gaul und Ramon. Moira und ich fuh­ren mit dem Ein­baum wei­ter nach Nor­den, wäh­rend Pater Gaul nach Wes­ten ging, um den Stamm der Ma­ti­ca zu be­su­chen. Die Ma­ti­ca waren die Erz­fein­de der Carai­ca, und es hatte viel Blut­ver­gie­ßen zwi­schen un­se­ren Stäm­men ge­ge­ben.
Am zwei­ten Abend un­se­rer Reise auf dem Jutai hätte ich Moira fast ver­las­sen … so groß war meine Sehn­sucht, nach Hause in das Dorf der Carai­ca zu­rück­zu­keh­ren, in dem meine Freun­de und meine Fa­mi­lie mich lieb­ten und ich glück­lich war. Ich ging in den Dschun­gel und über­leg­te, was ich Pa­rai­la sagen würde. Ich könn­te ihm eine Lüge auf­ti­schen und ihm er­zäh­len, dass Moira ihre Mei­nung ge­än­dert hätte. Oder ich könn­te be­haup­ten, dass sie von einem Ja­gu­ar oder Kai­man ge­fres­sen wurde, doch dann würde ich sie töten und ihre Lei­che ent­sor­gen müs­sen. Ich wuss­te zwar nicht viel über sie, doch ich war mir si­cher, dass sie mich ins Dorf zu­rück­ver­fol­gen würde, wenn ich sie ein­fach hier zu­rück­lie­ße.
Letzt­end­lich fiel mir je­doch keine prak­ti­ka­ble Lö­sung ein, denn ich wuss­te, dass ich Pa­rai­la, mei­nem Vater und Leh­rer, nie­mals in die Augen sehen und ihm sei­nen Wunsch ver­wei­gern könn­te. Pa­rai­la hatte mich an­ge­fleht, mit­zu­ge­hen und die Ge­le­gen­heit zu er­grei­fen, und ich hatte schließ­lich nach­ge­ge­ben.
Aber ich hatte nicht ein­fach kampf­los auf­ge­ge­ben.
Nach Moi­ras An­kunft im Dorf hat­ten wir uns zwei Tage lang ge­strit­ten.
Er warf mir alles Mög­li­che an den Kopf, doch als ich immer noch nicht nach­gab, setz­te er nach. Ich er­klär­te ihm, dass er ein alter Mann war und er nie­man­den hätte, der sich um ihn küm­mern würde, wenn ich ihn ver­lie­ße. Ich ver­sprach ihm, dass ich gehen würde … gleich nach sei­nem Tod, doch er war ge­nau­so stur wie ich.
Dann zeig­te er mir eine grau­sa­me Seite von sich. Ich er­kann­te den alten Mann, den ich so viele Jahre lang mei­nen Vater ge­nannt hatte, fast nicht wie­der, als er mir an den Kopf warf, dass ich in ihrem Stamm nicht wirk­lich will­kom­men wäre. Er hätte nur dar­auf be­stan­den, dass ich bei ihnen blei­be, weil ich keine an­de­re Mög­lich­keit hatte. Doch da ich nun ein Fa­mi­li­en­mit­glied in den Staa­ten hatte, wel­ches un­be­dingt eine Be­zie­hung zu mir auf­bau­en woll­te, woll­te er mich nicht mehr in sei­ner Nähe haben.
Die Worte ver­letz­ten mich so sehr, dass ich aus sei­nem Lang­haus eilte und gegen einen Korb mit Ma­ni­o­kmehl trat. Ich such­te über­all nach Tu­ka­ba, denn ich hatte das Be­dürf­nis, mit Wucht in sie zu sto­ßen, um meine Frus­tra­ti­on und Wut ab­zu­bau­en, doch ich konn­te sie nir­gend­wo fin­den. Ich dach­te kurz dar­über nach, die göt­tin­nen­glei­che Frau na­mens Moira in den Dschun­gel zu zer­ren und sie zu zwin­gen, sich mir zu un­ter­wer­fen, aber ich war klug genug, um zu wis­sen, dass das nach ihren Maß­stä­ben in­ak­zep­ta­bel wäre. Da ich also keine Mög­lich­keit hatte, mir Er­leich­te­rung zu ver­schaf­fen, schnapp­te ich mir Pfeil und Bogen und mach­te mich auf den Weg in den Dschun­gel, um etwas zu töten.
Pa­rai­la ent­schul­dig­te sich spä­ter bei mir für seine har­schen Worte und rich­te­te beim Abend­es­sen eine letz­te Bitte an mich, die mich schließ­lich nach­ge­ben ließ.
„Cor'dairo“, sagte er, wobei er mich in der alten Spra­che der Carai­ca, die mitt­ler­wei­le fast aus­ge­stor­ben war, sei­nen Sohn nann­te. „Warum kämpfst du gegen mich an? Dies ist nicht das Leben, das ich mir für dich wün­sche.“
„Aber ich bin hier glück­lich“, sagte ich, wäh­rend ich seine Hand hielt.
„Mög­li­cher­wei­se, doch du könn­test an einem an­de­ren Ort noch glück­li­cher sein“, er­klär­te er mit kräf­ti­ger Stim­me, deren Klang ich schon lange nicht mehr ge­hört hatte. „Was für ein Leben führst du hier schon? Du musst tag­ein, tag­aus ums Über­le­ben kämp­fen. Pater Gaul sagte, dass es dort, wohin du gehen wirst, Nah­rung im Über­fluss gibt und dir viele Mög­lich­kei­ten of­fen­ste­hen wer­den. Was hast du hier schon? Einen alten Mann und seine wi­der­spens­ti­ge Frau.“
„Ich habe Tu­ka­ba“, sagte ich mit einem Au­gen­zwin­kern. „Sie macht mich sehr glück­lich.“
„Ja, du hast Tu­ka­ba, aber sie hat viele Freun­de“, er­wi­der­te er mit einem ver­schmitz­ten Lä­cheln.
Ich er­wi­der­te sein Grin­sen, denn Pa­rai­la und ich teil­ten den glei­chen Humor. Tu­ka­ba war in der Tat eine Frau, die sich mit allen al­lein­ste­hen­den Män­nern des Stam­mes ver­gnüg­te.
„Du ver­dienst mehr als die­ses karge Leben, und ich möch­te, dass du eine Chan­ce auf das wahre Glück hast, bevor ich ster­be.“
„Aber Pa­rai­la …“, be­gann ich, doch er fiel mir ins Wort.
„Nein, Za­cha­ri­as … Du bist nicht der Sohn mei­ner Len­den, son­dern mei­nes Her­zens. Ich bitte dich, zu gehen. Für mich … Ich flehe dich an. Ver­su­che es ein Jahr und wenn du dann immer noch willst, kannst du zu­rück­keh­ren. Doch tu es für mich. Gib dem Gan­zen eine Chan­ce und geh.“
Ich starr­te in seine trä­nen­feuch­ten Augen, wäh­rend er mit fes­ter Stim­me zu mir sprach. Mir wurde schlag­ar­tig klar, dass ich die­sem Mann nichts ab­schla­gen konn­te … Er hatte mich auf­ge­zo­gen, mich be­schützt und sogar ge­liebt, nach­dem meine El­tern ge­stor­ben waren. Ich ver­dank­te ihm mein Leben. Ich würde alles für ihn tun.
Also wil­lig­te ich ein. 

Moira

Ich bin er­schöpft. Ich stoße müde den Atem aus und lehne mich seit­lich gegen den Rück­sitz des Taxis. Zach sitzt ruhig neben mir und be­trach­tet die Sky­line von Chi­ca­go, die auf dem Weg nach Evans­ton an uns vor­bei­zieht. Die Klein­stadt liegt etwa fünf­und­zwan­zig Ki­lo­me­ter au­ßer­halb der win­di­gen Stadt.
Und dort steht mein Haus. Zach wird eine Zeit lang bei mir woh­nen, bevor er Ran­dall in At­lan­ta tref­fen wird. Ich habe eine Som­mer­pau­se von mei­nem Lehr­auf­trag an der Fa­kul­tät für An­thro­po­lo­gie der Nor­thwes­tern Uni­ver­si­ty ein­ge­legt. Au­ßer­dem habe ich mich zu­min­dest für das kom­men­de Herbst­se­mes­ter be­ur­lau­ben las­sen, da Ran­dall und ich der Mei­nung waren, dass Zach mög­li­cher­wei­se meh­re­re Mo­na­te lang meine Hilfe be­nö­ti­gen würde. Doch wenn ich ehr­lich bin, nehme ich die Dinge mo­men­tan, wie sie kom­men, denn Zach macht es mir nicht ge­ra­de leicht.
Unser Flug von Bra­si­lia nach Chi­ca­go ver­lief re­la­tiv ruhig, wenn man be­denkt, wie schwie­rig es für mich war, mit einem wi­der­spens­ti­gen Be­glei­ter aus dem Re­gen­wald an­zu­rei­sen. Ich hatte zwar mit der Hitze, der Luft­feuch­tig­keit, der De­hy­drie­rung, den un­zäh­li­gen Mü­cken und Mos­ki­tos und einer fast töd­li­chen Be­geg­nung mit einer Busch­meis­ter­schlan­ge zu kämp­fen, doch nichts von al­le­dem war so be­schwer­lich wie die Feind­se­lig­keit, die Zach mir wäh­rend der Reise ent­ge­gen­brach­te.
Der Mann hatte seine Hei­mat bei den Carai­ca ein­deu­tig nicht ver­las­sen wol­len. Nach­dem er acht­zehn Jahre lang in ihrer Kul­tur ge­lebt hatte und als Mit­glied ihres Stam­mes auf­ge­nom­men und ver­ehrt wor­den war, hatte er nicht die ge­rings­te Lust, mit mir in die Staa­ten zu­rück­zu­keh­ren.
Da er seine El­tern schon vor so lan­ger Zeit ver­lo­ren hatte, hatte ich mit die­ser Mög­lich­keit ge­rech­net und die Be­fürch­tung ge­hegt, dass Zach sich mög­li­cher­wei­se nicht mehr an sein frü­he­res Leben er­in­ner­te. Und nun riss ich ihn aus der Ge­bor­gen­heit und Si­cher­heit sei­ner ge­wohn­ten Um­ge­bung. Ich hatte Ran­dall ge­gen­über sogar zu be­den­ken ge­ge­ben, dass Zach viel­leicht nicht zu sei­nen ame­ri­ka­ni­schen Wur­zeln würde zu­rück­keh­ren wol­len. Ran­dall war we­sent­lich po­si­ti­ver ein­ge­stellt als ich und sporn­te mich le­dig­lich an, mein Bes­tes zu geben.
Letzt­end­lich war ich nicht dafür ver­ant­wort­lich, dass Zach schließ­lich nach­gab. Ich blieb nach mei­ner An­kunft zwei Tage lang in sei­nem Dorf, wäh­rend sein Ad­op­tiv­va­ter un­er­bitt­lich mit ihm stritt. Er woll­te un­be­dingt, dass Zach diese Ge­le­gen­heit er­griff, um mehr über seine Her­kunft zu er­fah­ren. Ich habe keine Ah­nung, wie Pa­rai­la sei­nen Ad­op­tiv­sohn schließ­lich um­stimm­te, aber am zwei­ten Abend kam Zach auf mich zu und ver­kün­de­te: „Wir rei­sen mor­gen ab.“
Das waren die ers­ten Worte, die er an mich rich­te­te. Ob­wohl wir am Abend mei­ner An­kunft am La­ger­feu­er eine äu­ßerst in­ti­me Er­fah­rung ge­teilt hat­ten, bei der er eine an­de­re Frau fick­te, wäh­rend er mir tief in die Augen sah, hatte er kein Wort mit mir ge­spro­chen, bis er mich über un­se­re Ab­rei­se in­for­mier­te. Und seine nächs­ten Worte an mich waren nicht freund­li­cher ge­we­sen.
Nach­dem er mich vor der Busch­meis­ter­schlan­ge ge­ret­tet hatte, die mei­nem Bein ge­fähr­lich na­he­ge­kom­men war, hatte er mich höh­nisch an­ge­grinst: „Du musst den Weg im Auge be­hal­ten, tö­rich­te chama de ca­be­los. Das nächs­te Mal lasse ich zu, dass die Schlan­ge dich beißt.“
Dann wand­te er mir den Rü­cken zu und ging vor­aus, um sich er­neut einen Weg durch den Dschun­gel zu bah­nen.
Ich über­leg­te mir, was chama de ca­be­los auf Por­tu­gie­sisch be­deu­ten könn­te und dach­te an ein Schimpf­wort wie Idiot, Dumm­kopf, Schwach­kopf oder sogar Blöd­mann. Pater Gaul er­zähl­te mir spä­ter, dass die Über­set­zung flam­men­des Haar lau­te­te.
Ich fass­te es als Kom­pli­ment auf, ob­wohl Zach mich jedes Mal ansah, als woll­te er mich er­wür­gen.
Den gan­zen Weg über sprach Zach kein wei­te­res Wort mit mir, bis wir spä­ter am Tag den Jutai er­reich­ten und uns von Pater Gaul und Ramon trenn­ten. Er sagte mir in knap­pen Wor­ten, ich soll­te in den Ein­baum stei­gen, den Pater Gaul für uns in dem klei­nen Dorf am Fluss be­sorgt hatte, und kräf­tig pad­deln.
Ich tat wie ge­hei­ßen, doch nach nur einer Stun­de konn­te ich die Arme kaum noch heben. Er mur­mel­te etwas auf Por­tu­gie­sisch, und für den Rest des Tages starr­te er mich wü­tend an, wäh­rend wir den Jutai hin­auf zum Ama­zo­nas fuh­ren.
Am zwei­ten Tag un­se­rer Fluss­rei­se schwieg er gänz­lich, ob­wohl ich mich be­müh­te, mit ihm zu reden. Ich wuss­te, dass er der eng­li­schen Spra­che immer noch mäch­tig war, da Pater Gaul sich über die Jahre immer mit ihm in sei­ner Mut­ter­spra­che un­ter­hal­ten hatte, den­noch ant­wor­te­te er mir aus­schließ­lich auf Por­tu­gie­sisch, wenn ich ihn etwas frag­te. Ich glau­be, die meis­te Zeit über ver­fluch­te er mich.
Als wir am zwei­ten Tag schließ­lich mit dem Kanu an­leg­ten, än­der­te sich etwas zwi­schen uns. Es be­gann mit ein paar Wor­ten und en­de­te mit lei­sem Stöh­nen und lust­vol­ler Er­lö­sung.
Mir läuft heute noch ein Schau­er über den Rü­cken, wenn ich an den in­ti­men Mo­ment mit ihm zu­rück­den­ke.

Nach­dem er das Kanu ans Ufer ge­zo­gen hatte, nahm Zach schwei­gend seine Ma­che­te und hack­te zwi­schen zwei jun­gen Ka­pok­bäu­men, die das Fluss­ufer säum­ten, die nied­ri­ge Ve­ge­ta­ti­on ab. Als er fer­tig war, zeig­te er nur auf die Bäume und sagte: „Für deine Hän­ge­mat­te.“ Dann dreh­te er sich um und ver­schwand im Dschun­gel.
Nach nicht ein­mal einer Stun­de kehr­te er mit einem klei­nen Klam­meraf­fen zu­rück, den er über dem Feuer rös­te­te, das er fach­män­nisch an­ge­zün­det hatte. Er bot mir je­doch nichts an, was mich nicht wei­ter stör­te … Ich aß etwas von mei­nen Tro­cken­ra­tio­nen und ver­such­te, mit ihm über Ran­dall zu spre­chen. Bis­her hatte Zach nicht das ge­rings­te In­ter­es­se ge­zeigt und woll­te of­fen­bar nicht wis­sen, wohin ich ihn brach­te, und was ge­sche­hen würde, wenn wir in die Staa­ten zu­rück­kehr­ten.
„Zach … hast du viel­leicht Fra­gen zu dei­nem Pa­ten­on­kel Ran­dall Can­non?“
Ich wurde mit Schwei­gen kon­fron­tiert, wäh­rend er in dem ver­glü­hen­den Feuer sto­cher­te.
„Er ist ein net­ter Mann“, ver­such­te ich es noch ein­mal. „Ich glau­be, du wirst ihn sehr mögen.“
Zu­nächst igno­rier­te Zach mich. Er stand auf und ging hin­un­ter zum Fluss, um sich Was­ser ins Ge­sicht zu sprit­zen. Als er zu­rück­kam, sagte er: „Ich werde ihn nicht mögen, aber er­klä­re mir, woher er mich kennt. Warum hat er das Recht, mich zu ihm zu holen?“
Ich nutz­te die Ge­le­gen­heit und er­zähl­te ihm alles in Win­des­ei­le. „Er war der beste Freund dei­nes Va­ters und stand auch dei­ner Mut­ter nahe. Dein Vater hat Ran­dall sogar ein­mal das Leben ge­ret­tet, und da­durch ent­stand eine sehr enge Bin­dung zwi­schen den bei­den. Ich habe viele Bil­der von dir und Ran­dall zu­sam­men ge­se­hen. Als du noch sehr klein warst, haben deine El­tern ei­ni­ge Mis­sio­nars­rei­sen un­ter­nom­men, wäh­rend du jedes Mal bei Ran­dall ge­blie­ben bist. Du hast ihm da­mals viel be­deu­tet und das tust du auch heute noch.“
Ich hörte ein lei­ses Schnau­ben von Zach, als er sich wie­der ans Feuer setz­te. „Was ist das für ein Wort, das du be­nutzt … ‚Pa­ten­on­kel‘?“
„Es ist ein sym­bo­li­scher Titel, der eine spi­ri­tu­el­le Be­deu­tung haben kann. Deine El­tern haben Ran­dall aus­er­wählt, damit er dich im Leben führt und lei­tet. Da Ran­dall nicht so re­li­gi­ös wie deine El­tern war, denke ich, dass sie ihn als zwei­ten Vor­mund für dich ein­ge­setzt haben, der sich um dein Wohl­er­ge­hen sorgt.“
„Er ist nicht mein Vater“, er­wi­der­te Zach ab­weh­rend.
„Na­tür­lich nicht“, ver­si­cher­te ich ihm. „Es ist nur ein Titel. Du kannst jede Art von Be­zie­hung zu Ran­dall auf­bau­en, die du dir wünschst.“
„Ich will keine Be­zie­hung zu ihm auf­bau­en“, kon­ter­te Zach höh­nisch. „Ich will ein­fach nur zu­rück nach Hause.“
Dann stand er wie­der auf und ging in den Dschun­gel. Er kam fast zwei Stun­den lang nicht zu­rück. Ich lag in mei­ner Hän­ge­mat­te und frag­te mich, wo er war und ob ich wäh­rend der Nacht wohl von einem Ja­gu­ar ge­fres­sen wer­den würde.
Ir­gend­wann tauch­te er wie­der auf, doch er sagte kein Wort. Er legte sich ein­fach auf den Boden neben das Feuer und schloss die Augen. Ich wieg­te mich in mei­ner Hän­ge­mat­te hin und her und blick­te zu den Ster­nen hin­auf. Die nächt­li­chen Laute des Ur­walds mach­ten mich schläf­rig … Vögel und Affen, die sich ge­gen­sei­tig etwas zu­rie­fen, Frö­sche, die Balz­lie­der quak­ten, und Gril­len, die fröh­lich zirp­ten. Für man­che Men­schen waren die Ge­räu­sche zu laut, doch mir ge­fie­len sie, denn sie waren wie ein Hin­ter­grund­rau­schen, das mich ein­lull­te.
Bevor mir die Augen zu­fie­len, dreh­te ich den Kopf und warf einen Blick auf Zach. Ich sah zu­erst sein Ge­sicht und stell­te fest, dass er noch wach war, und eben­falls zu den Ster­nen hin­auf starr­te. Ich ließ mei­nen Blick auf seine Brust wan­dern und er­kann­te mit Stau­nen, dass er die rech­te Hand zwi­schen die Beine ge­scho­ben hatte. Er strei­chel­te sei­nen har­ten Schwanz, wäh­rend er die an­de­re Hand läs­sig hin­ter den Kopf ge­legt hatte und den Nacht­him­mel be­ob­ach­te­te.
Er gab kei­nen Laut von sich, und wäre da nicht die be­ein­dru­cken­de Erek­ti­on in sei­ner Hand ge­we­sen, hätte ich mich ge­fragt, ob er sich über­haupt be­frie­dig­te.
Ich wuss­te, ich hätte den Blick ab­wen­den und ihm beim Mas­tur­bie­ren seine Pri­vat­sphä­re las­sen sol­len, aber ver­dammt … ich sah wie ge­bannt zu, wäh­rend er mit der Hand sei­nen stahl­har­ten Schaft strei­chel­te, den ich auf er­staun­li­che zwan­zig bis zwei­und­zwan­zig Zen­ti­me­ter schätz­te.
Zachs Brust hob und senk­te sich in kaum merk­li­chen Schü­ben, die sich im Takt sei­ner Hand stei­ger­ten, doch ihm kam kein Laut über die Lip­pen. Sein Schwanz war feucht, und im Schein des Feu­ers konn­te ich sehen, wie etwas Sper­ma aus sei­ner Ei­chel tropf­te. An­sons­ten saß er je­doch völ­lig reg­los und laut­los da. In die­sem Mo­ment wurde mir klar, wie viel Kon­trol­le er über sei­nen Kör­per und seine Emo­tio­nen hatte.
Wäh­rend ich Zach dabei be­ob­ach­te­te, wie er sich selbst be­frie­dig­te, stell­te ich mir vor, dass es meine Hand um sei­nen Schwanz war … dann malte ich mir aus, wie ich ihn mit mei­nem Mund um­schloss … und schließ­lich, wie er tief in mich ein­drang. Ich war noch nie mit einem Mann sei­nes Ka­li­bers zu­sam­men ge­we­sen und stell­te mir das lust­vol­le Bren­nen vor, das ich emp­fin­den würde, wenn er mich dehn­te.
Ich spür­te, dass ich feucht wurde und ich war plötz­lich un­ru­hig und frus­triert. Meine Brüs­te schmerz­ten, und mein Un­ter­leib spann­te sich an. Ich roll­te mich auf die Seite und zuck­te leicht zu­sam­men, als die Hän­ge­mat­te ein äch­zen­des Ge­räusch von sich gab, doch Zach schien es nicht zu be­mer­ken. Er mas­sier­te ein­fach wei­ter sei­nen Schwanz und starr­te zu den Ster­nen hin­auf.
Das Po­chen zwi­schen mei­nen Schen­keln wurde immer hef­ti­ger und ich hätte schwö­ren kön­nen, dass ich spür­te, wie das Blut in mei­ner Kli­to­ris pul­sier­te. Ich hielt es nicht län­ger aus und brauch­te die­sel­be Art von Er­lö­sung, auf die auch Zach zu­steu­er­te.
Ich ver­spür­te plötz­lich ein un­bän­di­ges Ver­lan­gen, das grö­ßer war als mein Be­dürf­nis nach Was­ser in der Hitze des Dschun­gels.
Mein ge­sun­der Men­schen­ver­stand setz­te aus und ich be­weg­te mich, ohne nach­zu­den­ken. Lang­sam ließ ich meine Hand auf den Bauch glei­ten und öff­ne­te den Knopf mei­ner Hose. Ich zog den Reiß­ver­schluss her­un­ter und war dank­bar, dass die Laute des Dschun­gels das Ge­räusch über­tön­ten. Ich spür­te die feuch­te Luft an mei­nem Un­ter­leib und schob meine Hand unter den Saum mei­nes Baum­woll­hös­chens, wäh­rend ich Zach dabei be­ob­ach­te­te, wie er sich strei­chel­te.
Er be­weg­te seine Hand immer schnel­ler auf und ab, wäh­rend sein Atem fla­cher wurde, aber an­sons­ten blieb er reg­los sit­zen. Ich hatte keine Zeit zu ver­lie­ren, denn er war mir weit vor­aus, also schob ich den Zei­ge­fin­ger zwi­schen meine feuch­te Spal­te und un­ter­drück­te ein Stöh­nen, als ich be­merk­te, wie nass ich vor Ver­lan­gen be­reits war. Ich zog meine Hand leicht zu­rück und strei­chel­te mit dem Fin­ger über meine Kli­to­ris, wobei meine Hüf­ten un­will­kür­lich zuck­ten und die Hän­ge­mat­te er­neut knarr­te. Einen Mo­ment lang blieb ich still lie­gen, denn ich be­fürch­te­te, ich könn­te Zach stö­ren, doch er igno­rier­te mich völ­lig.
Mit einem lei­sen Seuf­zer rieb ich von Neuem über meine Lust­per­le. Es fühl­te sich so gut an, dass ich nach Luft schnapp­te. Meine Güte, meine Kli­to­ris war noch nie so emp­find­sam ge­we­sen, und es hatte sich noch nie der­art er­fül­lend an­ge­fühlt, mich selbst zu strei­cheln. Doch ich hatte auch noch nie ins­ge­heim mit einem um­wer­fen­den Frem­den mas­tur­biert, der nur ei­ni­ge Meter von mir ent­fernt saß und sich un­ge­ach­tet sei­ner Um­ge­bung selbst be­frie­dig­te.
Ich war zu­ver­sicht­lich, dass Zach ent­we­der keine Ah­nung hatte, was ich tat, oder dass es ihm schlicht­weg egal war, also be­gann ich, mich er­neut zu strei­cheln. Ich hielt je­doch so­fort inne, als er mir lang­sam den Kopf zu­wand­te und mir mit einem Blick zu ver­ste­hen gab, dass er es die ganze Zeit über ge­wusst hatte. Er hielt inne und starr­te mich mit einem feu­ri­gen Aus­druck in den Augen an.
„Fühlt es sich gut an, was du da mit dir machst?“, frag­te er neu­gie­rig. Mir kam der Ge­dan­ke, dass er viel­leicht noch nie eine Frau hatte mas­tur­bie­ren sehen.
Ich blin­zel­te ihn über­rascht an und woll­te meine Hand aus mei­nem Hös­chen zie­hen.
„Nicht“, be­fahl er mir schroff. „Hör nicht auf. Ich kann sehen, dass du er­regt bist. Ich kann es rie­chen, und ich kann förm­lich das Rau­schen dei­nes Blu­tes hören.“
Ich ließ die Hand an mei­nem Un­ter­leib lie­gen, doch ich rühr­te mich nicht. Ich war wie er­starrt vor Scham, weil er mich er­tappt hatte.
„Ich frage dich noch ein­mal, Moira … fühlt es sich gut an, was du mit dei­nem Kör­per an­stellst? So gut wie das, was ich mit mei­nem tue?“, frag­te er, wäh­rend er sei­nen Schwanz ein paar Mal träge strei­chel­te.
„Ja“, flüs­ter­te ich, wäh­rend ich mei­nen Fin­ger fest an mein Ge­schlecht press­te. „Es fühlt sich wirk­lich gut an.“
„Dann darfst du wei­ter­ma­chen“, sagte er nur und wand­te sein Ge­sicht wie­der von mir ab, um gen Him­mel zu star­ren und wie­der lang­sam sei­nen Schaft zu strei­cheln.