Raleigh Rough Riders: Wicked Player

Ori­gi­nal­ti­tel: Wi­cked Play­er
Über­set­zer: Jazz Win­ter

Er­schie­nen: 01/2020
Serie: Ral­eigh Rough Ri­ders
Teil der Serie: 3

Genre: Soft-SM / BDSM, Sport Ro­mance
Zu­sätz­lich: Con­tem­pora­ry

Lo­ca­ti­on: USA

Sei­ten­an­zahl: 408


Er­hält­lich als:
pa­per­back & ebook

ISBN:
Print: 978-3-86495-423-8
ebook: 978-3-86495-424-5

Preis:
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Raleigh Rough Riders: Wicked Player


In­halts­an­ga­be

Gage Bryant ist nicht nur einer der bes­ten Wide Re­cei­ver der NFL, er hat auch ein Ge­heim­nis. Ein Ge­heim­nis, das er be­wah­ren muss. Denn Gage ist Mit­glied im The Vel­vet Club, wo es ihm mög­lich ist, seine do­mi­nan­ten Nei­gun­gen dis­kret aus­zu­le­ben. Womit er je­doch nicht ge­rech­net hat, ist, dass aus­ge­rech­net die TV-Re­por­te­rin, die ihm in den nächs­ten Wo­chen auf Schritt und Tritt bei der Er­öff­nung eines neuen Flü­gels des Kin­der­kran­ken­hau­ses fol­gen soll, seine neue de­vo­te Spiel­part­ne­rin im The Vel­vet Club ist.

Als klar ist, dass Eliz­a­beth Hayes keine Ah­nung hat, wer der Mann ist, der ihre Augen ver­bun­den und sie ge­fes­selt hat, wird das Spiel für Gage gleich noch viel in­ter­es­san­ter. Denn nun kann er ihren Kör­per nachts be­sit­zen, ihre Lust kon­trol­lie­ren und ihr das Ver­gnü­gen be­rei­ten, nach dem sie bet­telt - doch sein Herz und seine Iden­ti­tät ge­ra­ten nicht in Ge­fahr.

Das ab­so­lut Schlimms­te, was pas­sie­ren könn­te, wäre, dass diese sexy klei­ne Re­por­te­rin ent­hüllt, wie ver­dor­ben er wirk­lich ist ...

Über die Au­to­rin

Stacey Lynn ver­brach­te den größ­ten Teil ihres Le­bens im mitt­le­ren Wes­ten der USA, bevor es sie kürz­lich an die Ost­küs­te ver­schlug. Viel­leicht lag es an den lan­gen und kal­ten Win­tern, dass sie aus lau­ter Lan­ge­wei­le jedes Buch ver­schlang, das sie...

Wei­te­re Teile der Ral­eigh Rough Ri­ders Serie

Le­se­pro­be

XXL-Le­se­pro­be bei Boo­k2­Look

Gage

„Okay. Also, zu­erst gehst du da raus und stehst neben dem Lei­ter des Kran­ken­hau­ses und dem Ver­trags­un­ter­neh­men, das den Flü­gel baut. Sie wer­den als Erste ihre An­spra­chen hal­ten.“ Mit rück­sichts­lo­ser Hin­ga­be tipp­te und wisch­te Karen, die Ver­wal­tungs­as­sis­ten­tin des Kran­ken­hau­ses, mit ihrem Touch­pen auf ihrem Ta­blet herum. Sie sprach so ge­las­sen in das klei­ne Mund­stück ihres Head­sets, als würde sie mit mir reden.
Aber das war gar nicht nötig.
Wir hat­ten das be­reits vor einer Stun­de hin­ter uns ge­bracht, und ihre stän­di­ge Hetze ging mir in­zwi­schen auf die Ner­ven. Ich wuss­te, wie es ab­lau­fen würde. Wir hat­ten...

...​auch schon letz­te Woche dar­über ge­spro­chen. Eben­so heute Mor­gen und vor zwei Stun­den. Und noch ein­mal vor drei­ßig Mi­nu­ten.
Auf­grund der Art und Weise, wie diese Frau plap­per­te, ohne Luft zu holen, fürch­te­te ich fast, dass sie sich in einen Ner­ven­zu­sam­men­bruch hin­ein­stei­ger­te, und war froh, dass wir uns be­reits in einem Kran­ken­haus be­fan­den. Wenn ihr Herz ex­plo­die­ren würde, hät­ten wir so­fort Zu­gang zur Not­auf­nah­me.
Pat spür­te meine wach­sen­de Frus­tra­ti­on, wie es nur mein per­sön­li­cher As­sis­tent konn­te. Er kam dazu und stell­te sich zwi­schen Karen und mich. „Wie wäre es, wenn wir Gage die Mög­lich­keit geben, seine An­spra­che noch ein­mal in Ruhe durch­zu­ge­hen? So kön­nen wir si­cher sein, dass er es da drau­ßen nicht ver­sau­en wird.“
Ka­rens Augen wei­te­ten sich und sie öff­ne­te und schloss den Mund wie ein Fisch an Land. „Ver­sau­en?“ Sie wand­te mir den Kopf zu und wurde noch blas­ser, als sie oh­ne­hin schon war. „Ver­sau­en? Das kön­nen Sie nicht! Wir müs­sen dafür sor­gen, dass alles glatt­läuft.“
Ich hob mein Smart­pho­ne in die Höhe. Meine An­spra­che war dar­auf ab­ge­spei­chert, doch ich muss­te nicht auf den Bild­schirm bli­cken, um zu wis­sen, was ich sagen woll­te. Ich bin in Kran­ken­häu­sern wie die­sem hier auf­ge­wach­sen, war das Au­ßen­sei­ter­kind, das zwar nicht krank war, aber den­noch prak­tisch dort woh­nen muss­te. Ich konn­te meine Rede in­zwi­schen im Schlaf. „Ich habe das im Griff, Karen. Keine Sorge, ich werde es schon nicht ver­sau­en.“
Es sei denn, ich be­kä­me diese Frau von letz­ter Nacht nicht end­lich aus mei­nem Kopf. Ich war ins Bett ge­gan­gen und hatte an sie ge­dacht und mir einen run­ter­ge­holt, ob­wohl ich nach einer Nacht im Vel­vet nie zuvor die­ses Be­dürf­nis ge­habt hatte. Und dann noch ein­mal heute Mor­gen, und das hatte nichts mit einer ty­pi­schen männ­li­chen Mor­gen­lat­te zu tun ge­habt. Eher mit purem blon­dem Haar und zier­li­chen Kur­ven, die meine Ge­dan­ken be­herrscht hat­ten. Gott, sie war ein­fach un­glaub­lich ge­we­sen. So ge­hor­sam … so ge­schmei­dig … so hin­ge­bungs­voll bei allem, was wir getan hat­ten. Ich woll­te eine Wie­der­ho­lung, und zwar drin­gend. Ich hatte mich be­reits mehr­fach selbst ge­stoppt, Tris­tan des­we­gen an­zu­spre­chen. Ich soll­te mich bes­ser auf den heu­ti­gen Tag und die kom­men­den Wo­chen kon­zen­trie­ren. Und auf das be­vor­ste­hen­de Spiel am Sonn­tag. Statt­des­sen waren meine Ge­dan­ken wie­der in die­sem Raum, bei die­sem blon­den Haar, so fun­kelnd hell und auf grau­en Laken auf­ge­fä­chert. Ein sanf­tes klei­nes Wim­mern! Lau­te­res Bet­teln und Fle­hen! Ver­dammt! Ja!
Schei­ße! Ich muss­te sie we­nigs­tens für die nächs­ten drei Stun­den aus mei­nem Kopf be­kom­men. Das war es, was ich tun muss­te. Ka­rens Ge­plap­per immer wie­der hören zu müs­sen, half kein ver­damm­tes Stück dabei. Wenn sie an­fing zu reden, drif­te­ten meine Ge­dan­ken um­ge­hend ab.
„Nun, gut. Die lo­ka­len Nach­rich­ten­re­por­ter neh­men ihre Plät­ze ein. Wir haben die Ral­eigh-Sen­der di­rekt in der ers­ten Reihe und die rest­li­chen staat­li­chen Nach­rich­ten­ka­nä­le gleich da­hin­ter. ESPN ist eben­falls da, und sogar Ihr ehe­ma­li­ges Col­le­ge hat einen Re­por­ter ge­schickt. Gage, den­ken Sie daran, diese Pres­se­kon­fe­renz ist sehr wich­tig.“
Als wüss­te ich das nicht. Und Karen hatte mitt­ler­wei­le die Gren­ze über­schrit­ten, ab der es mich nur noch är­ger­te. In­zwi­schen war ich mehr als an­ge­pisst, ver­dammt noch mal.
Ich hatte be­reits Mil­lio­nen für die­ses Pro­jekt ge­spen­det und ar­bei­te­te sehr eng mit den Bau­fir­men und dem Kran­ken­haus zu­sam­men, um die­ses Fa­mi­li­en- und Kin­der­zen­trum aus dem Boden zu stamp­fen. Zwei Jahre des Spen­den­sam­melns und all meine Freun­de und Ver­bin­dun­gen waren nötig ge­we­sen, um diese Sache in Gang zu brin­gen.
Dass ich jetzt an einem Punkt des Wohl­stands an­ge­langt war, um so etwas auf­bau­en zu kön­nen, soll­te ei­gent­lich dafür sor­gen, dass ich mich wie ein König fühl­te. Ich könn­te mit Mil­lio­nen um mich wer­fen und ein paar Dut­zend, wenn nicht Hun­der­te von Men­schen glück­lich ma­chen, auch wenn es bloß vor­über­ge­hend wäre.
Aber genau das war das Pro­blem mit dem Glück­lich­sein – es war oft nur von kur­zer Dauer. Statt­des­sen fühl­te sich all die harte Ar­beit, die Krö­nung jah­re­lan­ger Pla­nung, nicht wirk­lich nach einem Er­folg für mich an.
„Ich brau­che eine Pause.“
Ich hob meine Hand, als ich Ka­rens scho­ckier­ten Ge­sichts­aus­druck be­merk­te. „Bloß drei­ßig Mi­nu­ten. Ich bin recht­zei­tig wie­der zu­rück.“
Ich nahm den Auf­zug bis in den fünf­ten Stock des Kin­der­kran­ken­hau­ses und hatte ei­gent­lich kein be­stimm­tes Ziel vor Augen, nur die­ses bren­nen­de Be­dürf­nis, zu ent­span­nen und mei­nen Kopf frei zu be­kom­men. In etwa einer Stun­de würde ich in einem Raum vol­ler Re­por­ter ste­hen und eine Pres­se­kon­fe­renz ab­hal­ten, um zu er­klä­ren, warum das hier für mich so wich­tig war. Warum ich so viel von mei­nem ei­ge­nen Geld – circa fünf­und­sech­zig Pro­zent der kom­plet­ten Kos­ten – in die­ses Pro­jekt ge­steckt hatte. Und wie der Plan für die nächs­ten zwei Wo­chen vor der ei­gent­li­chen Ein­wei­hungs­ze­re­mo­nie am Sonn­tag wäh­rend un­se­rer Frei­wo­che aus­sah. Als Bonus hatte ich Freun­de und Be­kann­te von den lo­ka­len NHL- und NBA-Teams dazu ge­bracht, eben­falls zu kom­men. Die Be­su­che bei den Kids wür­den Stun­den dau­ern, und jeder, der sich zur frei­wil­li­gen Hilfe ge­mel­det hatte, war des­we­gen auf mich zu­ge­kom­men, weil die meis­ten Män­ner, die ich kann­te und die im Pro­fi­sport ar­bei­te­ten, wirk­lich ver­dammt noch mal fan­tas­tisch waren.
Ich fand mich vor einer sehr be­kann­ten Tür wie­der. Meine Füße blie­ben in­stink­tiv ste­hen.
Ich blick­te durch das Fens­ter hin­ein, und wie jedes Mal, wenn ich das tat, zog sich beim An­blick von Bran­don meine Brust un­wei­ger­lich zu­sam­men. Neun Jahre alt. Leuk­ämie. Zwei­ter Rück­fall. Seine Wagen waren von der Chemo ge­schwol­len und auf­ge­dun­sen. Sein haar­lo­ser Kopf war mit einer Strick­müt­ze der Rough Ri­ders be­deckt. Würde er sich auf die an­de­re Seite dre­hen, würde man meine Num­mer, die Acht­zehn, auf der Rück­sei­te sehen.
Seit ich zu den Rough Ri­ders ge­wech­selt war, war der Klei­ne mal im Kran­ken­haus, mal drau­ßen ge­we­sen.
Neun ver­fluch­te Jahre alt, und er hatte fast sein hal­bes Leben in einem Raum mit hell­gel­ben Wän­den, pie­pen­den Ma­schi­nen und mit dem Ge­schmack von Chemo im Mund ver­bracht.
Etwas War­mes press­te sich gegen mei­nen Un­ter­arm und ich zuck­te bei die­sem un­er­war­te­ten Kör­per­kon­takt zu­sam­men.
„Tut mir leid, tut mir so leid, Gage.“ Bran­dons Mut­ter Penny war da und lä­chel­te mich an, wie sie es immer tat. Ein Lä­cheln, bei dem sich ihre Lip­pen nach oben be­weg­ten, aber der Rest ihrer Mimik trau­rig wirk­te. Es brach­te mich jedes Mal fast um, wenn ich es sah.
Man muss­te wirk­lich kein Genie sein, um her­aus­zu­fin­den, warum ich mich aus­ge­rech­net zu die­ser Fa­mi­lie und zu die­sem Pa­ti­en­ten hin­ge­zo­gen fühl­te. Bran­don Mil­ler kämpf­te ums Über­le­ben und darum, eine Krank­heit zu über­win­den, die mei­nen klei­nen Bru­der ge­tö­tet hatte.
„Er sieht nicht bes­ser aus.“ Ich konn­te meine Augen kaum von sei­nem zer­brech­li­chen Kör­per ab­wen­den, der in min­des­tens ein hal­bes Dut­zend De­cken ein­ge­packt war.
Ihre Hand auf mei­nem Un­ter­arm drück­te fest zu. Sie war kalt und zitt­rig, aber stark wie Stahl.
Ich hatte Bran­don am Tag sei­ner ers­ten Runde Chemo ken­nen­ge­lernt, als ich her­kam, um die Kin­der­sta­ti­on zu be­su­chen und dort Tri­kots und Spiel­bäl­le zu ver­tei­len. Die Men­schen dach­ten, ich würde das nur für die Pres­se ma­chen, aber da lagen sie falsch.
Ich tat es, weil ich genau wuss­te, wie sehr mein klei­ner Bru­der so etwas ge­liebt hätte.
„Er hat seine Mo­men­te, und wenn sie es schaf­fen, die In­fek­ti­on in den Griff zu be­kom­men, dann wer­den wir auch eine Bes­se­rung sehen kön­nen.“ Penny war immer so vol­ler Hoff­nung. Sie zwei­fel­te nicht eine Se­kun­de daran, dass ihr Kind diese furcht­ba­re Er­kran­kung be­sie­gen könn­te. Ver­flucht, sie hatte es sogar ge­schafft, wie­der zu lä­cheln, nach­dem ihr Ehe­mann sie mit der Aus­re­de ver­las­sen hatte, dass der Stress und die Angst zu viel für ihn seien.
Viel­leicht war Hoff­nung das Ein­zi­ge, woran sie sich noch klam­mern konn­te. Sie war, neben mei­ner Mut­ter, die fan­tas­tischs­te Frau, der ich je­mals be­geg­net war.
„Ich lasse ihn bes­ser schla­fen. Aber gibst du bitte einer der Kran­ken­schwes­tern Be­scheid, dass sie mich holen soll, wenn er auf­wacht? Ich muss hier am Nach­mit­tag an einer Pres­se­kon­fe­renz teil­neh­men.“ Ich ließ mei­nen Kopf hän­gen. „Kein Witz, Penny, es ist mir egal, ob ich mit­ten in mei­ner An­spra­che bin, und ich sage im Schwes­tern­zim­mer Be­scheid. Ich will, dass mich je­mand holen kommt, wenn er wach wird.“
„Das mache ich, Gage. Und viel Glück heute.“
Ich um­arm­te sie kurz. Da war nichts zwi­schen uns außer ge­gen­sei­ti­gem Ver­ständ­nis.
„Pass auf dich auf.“
„Das tu ich doch immer“, sagte sie und wand­te sich der Tür zu.
Ich war­te­te, bis sie sie hin­ter sich schloss, so­fort zu Bran­don ging und die De­cken um ihn herum enger fest­steck­te. Ihr Hand­rü­cken legte sich auf seine Stirn, dann folg­ten ihre Lip­pen.
Ich über­ließ sie der Für­sor­ge für ihren Sohn und ein neues Feuer brei­te­te sich in mir aus. Der Grund für all das.
Ich muss­te die­ses hüb­sche klei­ne Luder aus mei­nem Kopf ver­ban­nen, um mich um das küm­mern zu kön­nen, was wirk­lich wich­tig war.

Pa­trick lins­te an der Sei­ten­wand vor­bei und zog sich wie­der zu­rück. „Es ist voll. Der Vor­stands­vor­sit­zen­de der Ent­wick­lungs­ab­tei­lung des Kran­ken­hau­ses wird zu­erst spre­chen. Al­ler­dings musst du schon raus­ge­hen, bevor er mit sei­ner Rede be­ginnt.“
Es war, als hätte Karen den Kör­per mei­nes As­sis­ten­ten über­nom­men. Ich sah ihn fins­ter an.
Ein selt­sa­mes Ge­fühl pri­ckel­te meine Wir­bel­säu­le empor, was si­cher­lich der Ner­vo­si­tät zu­zu­schrei­ben war. Ich ver­such­te, es ab­zu­schüt­teln. Ich roll­te mit den Schul­tern und streck­te die Arme aus. Wenn ich ein paar Arm­beu­gen hätte ma­chen kön­nen, ohne vor den Leu­ten wie ein Voll­idi­ot zu wir­ken, hätte ich es getan.
Ir­gend­et­was pas­sier­te, des­we­gen hatte ich Pa­trick los­ge­schickt, um nach­zu­se­hen. Ich hatte ihn vor zwei Jah­ren ein­ge­stellt, als mir die Idee kam, ein Ak­ti­vi­täts­zen­trum für El­tern und Ge­schwis­ter in dem Kran­ken­haus auf­zu­bau­en. Mein Ziel lag darin, einen Platz für die Pa­ti­en­ten zu schaf­fen, an dem sie spie­len konn­ten, wenn sie ge­sund genug dafür waren, aber auch für die Ge­schwis­ter, die oft Stun­den, Tage oder Wo­chen im Kran­ken­haus blei­ben muss­ten. Immer an zwei­ter Stel­le. Immer die Au­ßen­sei­ter. Die Ver­ges­se­nen, weil Chemo, Tests, Ope­ra­tio­nen, Phy­sio­the­ra­pie und un­zäh­li­ge an­de­re Ter­mi­ne schlicht Vor­rang hat­ten.
Habe ich mich wie ein ver­fluch­tes Arsch­loch ge­fühlt, wenn ich es hass­te, in der Nähe mei­nes Bru­ders zu sein? Manch­mal. Die meis­ten Tage hatte ich ein­fach daran ge­dacht, wie ver­dammt cool er ge­we­sen war, bevor er krank ge­wor­den war. Wie er bes­ser mit Lego baute als ich und dass er viel schnel­ler ren­nen konn­te. Sein Zim­mer war immer or­dent­lich, wäh­rend meins ein ein­zi­ges Chaos ge­we­sen war. Seit er spre­chen konn­te, war Foot­ball seine Lei­den­schaft ge­we­sen, und er kann­te mehr Sta­tis­ti­ken als ich bis zum heu­ti­gen Tag. Im Grun­de war Har­ri­son der ver­dammt cools­te Typ ge­we­sen, den ich je­mals ge­trof­fen hatte.
Ich hatte es ge­hasst, mit ihm im Kran­ken­haus zu sein und nichts an­de­res tun zu kön­nen, als alte, ab­ge­grif­fe­ne Kin­der­bü­cher zu lesen und lang­wei­li­ge Fern­seh­sen­der zu schau­en.
Diese Tage waren ein­fach schei­ße.
Ich woll­te diese be­schis­se­nen Tage für jeden bes­ser ma­chen.
Aber es lag nicht an der be­vor­ste­hen­den An­spra­che oder der Ner­vo­si­tät von Pa­trick und Karen, die meine Wir­bel­säu­le mit die­sem Be­dürf­nis pri­ckeln ließ, in einer Frau sein zu wol­len. Etwas an­de­res mach­te mich un­ru­hig. Ich schüt­tel­te es ab, lo­cker­te meine Arme, genau wie immer vor einem Spiel.
„Was ist los?“, frag­te Pa­trick, der mich an­starr­te, als hätte ich mir ge­ra­de in die Hose ge­schis­sen. Na­tür­lich tat er das. Ich war ei­gent­lich nie ner­vös.
„Es ist nichts. Nur die­ses ko­mi­sche Ge­fühl.“ So wie in der High­school, wenn das Mäd­chen, in das ich ver­schos­sen ge­we­sen war, den Flur ent­lang­kam und di­rekt in mich rann­te. Eben sol­che Vor­ah­nun­gen in dei­nem Leben, in denen du genau wuss­test, dass dir nicht ge­fal­len würde, was als Nächs­tes ge­schieht. Ge­paart mit der Tat­sa­che, dass ich nach wie vor gegen einen hart wer­den­den Schwanz kämpf­te, wann immer ich an die Frau von letz­ter Nacht dach­te, und das war wirk­lich ein Pro­blem.
„Wie auch immer“, sagte Pa­trick und kehr­te zu­rück, um er­neut an der Sei­ten­wand vor­bei­bli­cken zu kön­nen. Er dreh­te sich zu mir und wink­te mir. „Komm schon. Du bist dran. Der Lei­ter des Kran­ken­hau­ses ist jetzt drau­ßen.“
Na gut, Arsch­loch. Du schaffst das. Reiß dich zu­sam­men. Halt deine Rede. Sprich über den Teil dei­nes Le­bens, über den du es hasst, zu reden. Aber je mehr du mit ihnen teilst, desto mehr Men­schen kann ge­hol­fen wer­den.
All die men­ta­len Kon­zen­tra­ti­ons­tech­ni­ken, die ich sonst auf dem Feld nutz­te, hal­fen nicht.
Ich ging unter lau­tem Ap­plaus hin­aus. Re­por­ter be­rei­te­ten sich mit ihren Schreib­blö­cken und Ta­blets vor.
Und es dau­er­te nur eine Se­kun­de.
Eine ver­fluch­te Se­kun­de.
Um die Frau zu er­ken­nen, die ich nicht mehr aus dem Kopf bekam.
Sie saß in der ver­damm­ten ers­ten Reihe.
Mit einem Pres­se­pass, der an einem Schlüs­sel­band um ihren Na­cken bau­mel­te.
Einen Na­cken, um den ich vor noch nicht mehr als zwölf Stun­den meine Hände ge­legt hatte.
Hei­li­ge Schei­ße!
Ich war … so was … von … ge­fickt!