Shadow Riders: Die Tochter des Paten

Er­schie­nen: 12/2018

Genre: Mafia Ro­mance, Motor­cy­cle Club Ro­mance, Ro­man­tic Thrill
Zu­sätz­lich: Do­mi­nanz & Un­ter­wer­fung, Krimi, Thril­ler

Lo­ca­ti­on: USA, Loui­sia­na

Sei­ten­an­zahl: 300


Er­hält­lich als:
pa­per­back & ebook

ISBN:
Print: 978-3-86495-334-7
ebook: 978-3-86495-335-4

Preis:
Print: 13,90 €[D]
ebook: 6,99 €[D]

Er­hält­lich bei u.a.:

und allen gän­gi­gen On­line­händ­lern und im Buch­han­del

Shadow Riders: Die Tochter des Paten


In­halts­an­ga­be

Car­lot­ta Fabri war immer ein bra­ves Mäd­chen und eine ge­hor­sa­me Toch­ter. Doch als der Ma­fia­boss sie aus ge­schäft­li­chen Grün­den mit dem Sohn sei­nes größ­ten Ri­va­len ver­hei­ra­ten will, flüch­tet sie. Ein Jahr spä­ter ist aus Car­lot­ta eine An­wäl­tin ge­wor­den, die an­de­ren Frau­en hilft, wo immer sie kann. Ihr Leben in der Klein­stadt in Loui­sia­na ver­läuft in ge­re­gel­ten Bah­nen. Ge­ra­de als sie glaubt, ihre Ver­gan­gen­heit end­gül­tig hin­ter sich ge­las­sen zu haben, er­hält sie einen scho­ckie­ren­den Brief. Nicht lange da­nach ge­schieht ein ers­ter Mord in Car­lot­tas Um­feld. 

Vin­cent Mo­ret­ti soll­te auf Car­lot­ta auf­pas­sen. 
Statt­des­sen hat sie ihn, Söld­ner der Mafia und Mit­glied der Bi­ker-Gang "Shadow Ri­ders", nach einer lei­den­schaft­li­chen Nacht aus­ge­trickst und ver­schwand aus der Stadt. Die Nacht mit der Toch­ter des Paten war nicht der ein­zi­ge Feh­ler in Vin­cents Leben, aber der größ­te. 

Jetzt be­fiehlt ihm ihr Vater, Car­lot­ta auf­zu­spü­ren und in den Schoß der Fa­mi­lie zu­rück­ho­len. Doch Vin­cent ist nicht der Ein­zi­ge, der noch eine Rech­nung mit Car­lot­ta offen hat. Wäh­rend er ver­sucht, die Nacht mit ihr aus sei­nem Ge­dächt­nis zu til­gen, hat ein an­de­rer Car­lot­ta längst im Vi­sier. 

Und die­ser an­de­re mor­det, um ihr nahe zu sein ...

MC meets Ro­man­tic Thrill & Mafia Ro­mance.  

 

Über die Au­to­rin

Es be­gann mit einem Pi­xi­buch und führ­te über ein ab­ge­bro­che­nes Ger­ma­nis­tik­stu­di­um in den Buch­han­del. Dort ver­weil­te Na­ta­lie Win­ter ein paar Jahre, bis sie sich als Tex­te­rin selbst­stän­dig mach­te. Der Auf­trag, eine ero­ti­sche Kurz­ge­schich­te zu schrei­ben, ent­pupp­te sich als Schritt in...

Le­se­pro­be

 

XXL-Le­se­pro­be bei Boo­k2­Look

Drei Stun­den spä­ter stand sie ver­schwitzt an der Bar und stieß ein letz­tes Mal mit Jo­a­nie an. Von Vin­cent war nichts zu sehen, aber sie mein­te, seine Augen wie eine Be­rüh­rung auf ihrem Kör­per zu füh­len. Sie hatte trotz­dem ge­tanzt wie eine Ver­rück­te, ihr Kopf war leicht von dem einen Bier, das sie ge­trun­ken hatte, und sie fühl­te sich zu­ver­sicht­lich, was ihren neuen Plan be­traf. Mor­gen um diese Zeit wäre sie frei von allen Zwän­gen. Tschüss, Zwangs­ehe! Auf Nim­mer­wie­der­se­hen, durch Blut­geld fi­nan­zier­tes Lu­xus­le­ben!
Hof­fent­lich ver­zieh ihr Jo­a­nie, dass sie auch ihr nichts von ihren Flucht­plä­nen ge­sagt...

...​hatte. Sie wird sich Sor­gen ma­chen, dach­te Car­lot­ta und un­ter­drück­te den Drang, ihrer Freun­din in letz­ter Se­kun­de alles zu beich­ten. Nein, es war ein­fach nicht mög­lich. Je we­ni­ger Jo­a­nie wuss­te, desto bes­ser war es für sie. Car­lot­tas Vater kann­te keine Skru­pel und würde auch bei Jo­a­nie keine Samt­hand­schu­he an­zie­hen, aber si­cher würde er so­fort er­ken­nen, dass Jo­a­nie nicht den blas­ses­ten Schim­mer hatte, wohin Car­lot­ta ver­schwun­den war. Mit etwas Glück wür­den sie alle für tot hal­ten.
Car­lot­ta seufz­te. Wenn sie ehr­lich war, brauch­te sie mehr als nur ein biss­chen Glück, damit der Plan ge­lang. Zu­erst hatte sie über­legt, sich eine Lei­che zu be­schaf­fen, die ihr vom Aus­se­hen und vom Ge­wicht her glich, den Wagen in Brand zu set­zen und auf diese Weise si­cher­zu­stel­len, dass Car­lot­ta Fabri in den Flam­men starb. Die­sen Plan hatte sie schnell wie­der ver­wor­fen. Vor hun­dert Jah­ren wäre sie damit durch­ge­kom­men, aber in Zei­ten von DNA-Ana­ly­sen und akri­bi­scher Spu­ren­si­che­rung am Tat­ort ver­bot sich diese Me­tho­de von selbst. Au­ßer­dem dräng­te die Zeit. Auf eine Tote zu war­ten, die nie­mand ver­miss­te und die ihren Platz ein­neh­men könn­te, dau­er­te zu lange. Au­ßer­dem hätte sie für die­ses Un­ter­neh­men pro­fes­sio­nel­le Hilfe ge­braucht. Der Aus­tausch von Zahn­arzt­un­ter­la­gen wäre nur der An­fang eines kom­pli­zier­ten Pro­zes­ses ge­we­sen, der Geld, Zeit und Res­sour­cen ver­schlang. Und Zeit hatte Car­lot­ta am al­ler­we­nigs­ten. Ihr Vater würde jeden ver­füg­ba­ren Mann ein­set­zen, um ihren Mör­der zu fin­den. Auch die Po­li­zei würde er­mit­teln, aus­nahms­wei­se mit Bil­li­gung ihres Va­ters, nur für den un­wahr­schein­li­chen Fall, dass seine ei­ge­nen Leute ver­sag­ten. Er kann­te keine Skru­pel und würde erst recht keine ent­wi­ckeln, wenn er den Men­schen such­te, der ver­meint­lich seine Toch­ter um­ge­bracht hatte. Das Leben eines Un­schul­di­gen, den es zwang­läu­fig tref­fen würde, zu ge­fähr­den, kam für Car­lot­ta nicht in­fra­ge. Also hatte sie ihrem Vater eine Nach­richt da­ge­las­sen, in der sie er­klär­te, dass sie mit ihm und der Fa­miglia nichts mehr zu tun haben wolle und dass er sie nicht su­chen solle. Den Nach­satz, dass er sie nicht fin­den würde, hatte sie sich nicht ver­knei­fen kön­nen.
Es ist bes­ser so, sagte sie sich zum tau­sends­ten Mal.
„Hey, was ist denn?“ Jo­a­nie hielt sie auf Ar­mes­län­ge von sich. Die Bar war weit genug von der Tanz­flä­che ent­fernt, dass sie sich halb­wegs nor­mal un­ter­hal­ten konn­ten. „Ist es doch die Hoch­zeit?“ Sie legte den Kopf schief, und es kos­te­te Car­lot­ta all ihre Kraft, nicht auf der Stel­le zu­sam­men­zu­bre­chen. „Wenn du es dir an­ders über­legst und die­sen Bel­li­ni-Ty­pen nicht hei­ra­ten willst, kannst du je­der­zeit bei mir Un­ter­schlupf su­chen.“
Klar. Damit keine Stun­de spä­ter die Män­ner ihres Va­ters und ihres Ver­lob­ten auf­tauch­ten, um Klein­holz aus Jo­a­nies Woh­nung zu ma­chen und Schlim­me­res. Ihr selbst würde nichts ge­sche­hen, aber Jo­a­nie galt nicht als un­an­tast­bar. Sie wünsch­te sich, sie hätte ihre Freun­din ir­gend­wie von all dem Ma­fia-Dreck fern­hal­ten kön­nen. Jetzt war es zu spät.
„Ach, das ist halb so dra­ma­tisch“, gab sie also zu­rück und be­müh­te sich, fröh­lich zu klin­gen. „Ich meine, ein Mann ist eh wie der an­de­re, das sagst du doch immer.“ Sie bog den Ober­kör­per zur Seite, um nicht von einem Schwall ver­schüt­te­ten Bie­res ge­trof­fen zu wer­den, und sand­te dem be­trun­ke­nen Typen einen fins­te­ren Blick nach.
Keine drei Se­kun­den spä­ter tauch­te Vin­cent auf und sagte ein paar Worte zu dem Mann, die an­schei­nend sogar durch den al­ko­hol­be­ding­ten Nebel in sein Hirn dran­gen, denn er zog die Schul­tern hoch und mur­mel­te etwas, bevor er auf un­si­che­ren Bei­nen das Weite such­te.
Vin­cent schau­te sie an, hob die rech­te Hand und spreiz­te die Fin­ger. Fünf Mi­nu­ten, sagte seine Geste.
Car­lot­ta nick­te und ver­folg­te mit den Augen, wie er in der Menge ver­schwand.
Jo­a­nie gab ihr Lä­cheln zu­rück. „Das stimmt, aber im Ge­gen­satz zu dir habe ich die Hoff­nung noch nicht auf­ge­ge­ben.“ Sie stell­te sich auf die Ze­hen­spit­zen und rief dem Bar­kee­per etwas zu, was Car­lot­ta nicht ver­stand.
Kurze Zeit spä­ter reich­te ihr Jo­a­nie ein Glas Cham­pa­gner. „Auf uns“, sagte sie. „Dar­auf, dass kein Mann es schaf­fen wird, uns zu tren­nen.“
Car­lot­tas Magen zog sich zu­sam­men, als sie mit ihrer Freun­din an­stieß. Oh Gott. Wie konn­te sie ver­schwin­den, ohne ihre beste Freun­din ein­zu­wei­hen? Sie öff­ne­te den Mund, um etwas zu sagen, aber es kam nichts her­aus.
Jo­a­nies Augen wan­der­ten fra­gend über ihr Ge­sicht, als etwas hin­ter Car­lot­ta ihr In­ter­es­se er­reg­te. Sie späh­te über Car­lot­tas Schul­ter. „Da kommt dein Bo­dy­guard und er hat einen ziem­lich hei­ßen Typen im Schlepp­tau. Er ist doch nicht etwa vom an­de­ren Ufer?“
Nicht, wenn der Blick, mit dem er ihr in den Aus­schnitt ge­starrt hatte, echt ge­we­sen war. Sie dreh­te den Kopf, um zu sehen, wen Vin­cent ge­trof­fen hatte. Zu­erst dach­te sie, es wären die Bässe, die in ihrem Kör­per wum­mer­ten, aber dann er­kann­te sie, dass es ihr ei­ge­nes Herz war, das so dröhn­te. Ga­bri­el. Oh nein. Das hatte ihr noch ge­fehlt.
Erst in die­ser Se­kun­de wurde Car­lot­ta klar, dass Jo­a­nie von Ga­bri­el ge­spro­chen hatte, als sie den „hei­ßen Typen“ er­wähn­te. „Das ist Ga­bri­el Bel­li­ni“, flüs­ter­te sie ihrer Freun­din zu und merk­te, wie sich der schma­le Kör­per Jo­a­nies ver­steif­te. „Alles gut“, sagte sie be­ru­hi­gend „Du weißt ja, mir liegt nichts an ihm.“
Bevor sie wei­ter­spre­chen konn­te, war Ga­bri­el auch schon bei ihnen. Zu allem Über­fluss hatte er seine üb­li­che En­tou­ra­ge bei sich. Tat er je­mals etwas ohne Marc und Santo? Ga­bri­els Bo­dy­guards blie­ben auf Dis­tanz zu ihnen, eben­so wie Vin­cent, der ihnen kalt zu­nick­te. Wahr­schein­lich hielt sich jeder der drei Män­ner für einen Aus­bund an Dis­kre­ti­on und Takt, weil sie Ga­bri­el und Car­lot­ta ein wenig Pri­vat­sphä­re gönn­ten, auf die sie im Üb­ri­gen gut hätte ver­zich­ten kön­nen. Genau wie auf ihre und Ga­bri­els An­we­sen­heit. Das Ri­si­ko, es nicht recht­zei­tig aus dem Club zu schaf­fen, wurde von Stun­de zu Stun­de grö­ßer.
„Was machst du denn hier?“, be­grüß­te sie Ga­bri­el nicht ge­ra­de freund­lich. Aus den Au­gen­win­keln be­merk­te sie, dass Vin­cent und Ga­bri­els Ver­stär­kung nä­her­ka­men. Car­lot­ta moch­te die bei­den Bo­dy­guards aus dem Bel­li­ni-Clan nicht, und das war noch un­ter­trie­ben. Wann immer sie die Män­ner sah, lief ihr ein Schau­er das Rück­grat herab. Beide waren, selbst unter den nicht ge­ra­de zim­per­li­chen Män­nern ihres Va­ters, für ihre Bru­ta­li­tät be­rüch­tigt und hat­ten Ju­gend­stra­fen wegen Ver­ge­wal­ti­gung ab­ge­ses­sen. „Ich habe dich nicht er­war­tet.“ Es kam ziem­lich kühl her­aus, das merk­te Car­lot­ta selbst. Sie be­merk­te auch, dass Vin­cent be­reits in Hör­wei­te war, aber es war zu spät, um ihre Stim­me zu dämp­fen.
Blitz­te da in Vin­cents Augen etwas wie Zu­frie­den­heit auf?
Schnell gab sie ihrem Ver­lob­ten einen Kuss auf die Wange und setz­te nach: „Das ist mein Jung­ge­sel­lin­nen­ab­schied, hast du das etwa ver­ges­sen? Jungs sind hier nicht er­laubt.“
„Und was ist mit ihm?“ Ga­bri­el um­fass­te be­sitz­er­grei­fend ihre Tail­le und deu­te­te auf ihren Bo­dy­guard.
„Er zählt nicht“, gab Car­lot­ta zu­rück. Sie sah Vin­cent nicht an und igno­rier­te ihr po­chen­des klei­nes Herz. Ga­bri­el schien von ihrer Be­fan­gen­heit nichts zu mer­ken, denn er be­dach­te Jo­a­nie mit sei­nem strah­lends­ten Lä­cheln. „Und das ist Jo­a­nie, nehme ich an.“
Car­lot­ta be­sann sich auf ihre Ma­nie­ren. „Ga­bri­el, darf ich dir Jo­a­nie Flem­ming vor­stel­len?“ Sie wand sich un­auf­fäl­lig aus sei­nem Griff und trat näher an ihre Freun­din heran. „Jo­a­nie, das ist Ga­bri­el Bel­li­ni, der Mann, den ich nächs­te Woche hei­ra­ten werde.“
Aus den Au­gen­win­keln sah sie, dass Marc und Santo sich zu­rück­ge­zo­gen hat­ten. Gut, denn die Vor­stel­lung, Jo­a­nie mit den bei­den be­kannt zu ma­chen, war keine an­ge­neh­me. Car­lot­ta konn­te sie nicht von den Män­nern ihres Va­ters fern­hal­ten – nicht, wenn sie zu­min­dest die Il­lu­si­on einer nor­ma­len Freund­schaft mit Jo­a­nie auf­recht­er­hal­ten woll­te – aber sie würde Jo­a­nie nicht Marc und Santo vor­stel­len, als wären sie auf einer Cock­tail­par­ty. Ja, ihre Freun­din stand auf Bad Boys, doch die bei­den waren eine Num­mer zu hef­tig für Jo­a­nie. Für jede Frau. Santo und Marc waren keine schlim­men Jungs, son­dern rich­tig üble Kerle. Santo hatte be­reits be­gon­nen, Jo­a­nie auf eine Art zu ta­xie­ren, die dafür sorg­te, dass es Car­lot­ta kalt den Rü­cken her­un­ter­lief. Sie dreh­te sich kurz um und schob sich in sein Blick­feld, denn jede ex­pli­zi­te War­nung, die sie ihm und Marc zu­kom­men ließ, würde sein In­ter­es­se an Jo­a­nie nur ver­tie­fen.
Sie be­müh­te sich, eine freu­di­ge Miene auf­zu­set­zen, die ihr wahr­schein­lich voll­kom­men miss­lang. Nun ja, Ga­bri­el wuss­te, dass sie nicht ge­ra­de dar­auf brann­te, seine Frau zu wer­den. Auch ihm lag, so­weit Car­lot­ta das be­ur­tei­len konn­te, nicht viel an einer Ehe mit ihr. Höchs­tens am Sex und auch nur dann, wenn sie sich wehr­te. Aber an­ders als sie beug­te er sich dem Be­fehl sei­nes Va­ters, weil er des­sen Nach­fol­ge an­tre­ten woll­te. Mas­si­mo Bel­li­ni re­gier­te den Clan mit ei­ser­ner Hand, und sie ver­mu­te­te, dass Ga­bri­el eine ge­hö­ri­ge Por­ti­on des vä­ter­li­chen Ehr­gei­zes ge­erbt hatte.
Ga­bri­el beug­te sich zu Jo­a­nie und küss­te ihr die Hand. In einem Club wie dem Ca­pri­ce war die Geste so fehl am Platz, wie sie nur sein konn­te, aber Car­lot­ta sah, wie Jo­a­nies Augen ent­zückt auf­leuch­te­ten, als Ga­bri­els Lip­pen ihren Hand­rü­cken streif­ten. Wurde sie etwa rot? Oh ja, Ga­bri­el konn­te sehr char­mant sein, wenn er es dar­auf an­leg­te. Car­lot­ta ver­stand auch, warum ihre Freun­din ihn als hei­ßen Typen be­zeich­net hatte, selbst wenn seine mas­ku­li­ne Schön­heit sie selbst kalt­ließ. Dunk­les, leicht ge­well­tes Haar, blaue Augen unter dich­ten schwar­zen Wim­pern sowie ein star­kes und zu­gleich emp­find­sa­mes Ge­sicht mach­ten ihn für die meis­ten Frau­en un­wi­der­steh­lich.
Vin­cents Züge wirk­ten da­ge­gen, als hätte ein Bild­hau­er mit­ten in sei­nem Werk die Ge­duld ver­lo­ren. Der harte Kie­fer und das Kinn mit der tie­fen Kerbe waren von einem An­flug von dunk­lem Bart­schat­ten be­deckt. Seine Nase sprang nicht nur deut­lich aus sei­nem Ge­sicht her­vor wie eine an­griffs­lus­ti­ge … hm, was auch immer, son­dern sah aus, als wäre sie min­des­tens ein­mal ge­bro­chen ge­we­sen. Das be­herr­schen­de Merk­mal war je­doch die Narbe, die sich vom Mund­win­kel hoch über einen der Wan­gen­kno­chen zog und sei­nen Au­gen­win­kel streif­te. Car­lot­ta hatte sich oft ge­fragt, woher sie stamm­te, sich aber nie ge­traut zu fra­gen. Etwas an Vin­cent, sei­ner Hal­tung und der An­ge­wohn­heit, dem Be­trach­ter immer die Ge­sichts­hälf­te mit der Narbe zu­zu­wen­den, er­stick­te jeden An­flug von Neu­gier­de im Keim.
Ga­bri­els Stim­me dräng­te sich in ihr Be­wusst­sein, als er sie und Jo­a­nie frag­te, ob er ihnen etwas zu trin­ken spen­die­ren dürf­te.
Car­lot­ta hob ihr Glas zum Zei­chen, dass sie nichts brauch­te, wäh­rend ihre Freun­din ihn um einen wei­te­ren Cham­pa­gner­cock­tail bat. Vin­cents Ge­gen­wart igno­rier­te Ga­bri­el oder gab zu­min­dest vor, es zu tun. Auf ver­dreh­te Art schäm­te sie sich für Ga­bri­el, auch wenn sie wuss­te, woher diese Ar­ro­ganz ge­gen­über Vin­cent kam. Seine Ein­mi­schung an jenem un­glück­se­li­gen Abend, als sie sich von Ga­bri­el hatte an­fas­sen las­sen, war eine Sache. Jeder, der in einer Ma­fia­f­a­mi­lie groß­ge­wor­den war, kann­te die Re­geln: Es war Vin­cents Pflicht ge­gen­über dem Ober­haupt, die Ehre der Fa­mi­lie zu be­schüt­zen, und dazu ge­hör­te eben auch, die Toch­ter von allem fern­zu­hal­ten, was ver­bo­ten war. So un­zeit­ge­mäß diese Hal­tung war, Sex fiel ein­deu­tig dar­un­ter.
Ga­bri­el, der sich für ein Got­tes­ge­schenk an die Frau­en­welt hielt und der in sei­ner Mei­nung wohl oft genug be­stärkt wurde, war wegen der Un­ter­bre­chung ver­dammt sauer auf Vin­cent ge­we­sen. Ver­mut­lich hatte sie sich ihre Er­leich­te­rung zu deut­lich an­mer­ken las­sen und sei­nem Ego einen wei­te­ren Schlag ver­setzt, was er Vin­cent noch viel we­ni­ger ver­zieh.
Die Er­in­ne­rung daran, wie Vin­cent sie be­ob­ach­tet hatte, war fest in ihr Ge­dächt­nis ein­ge­brannt. Car­lot­ta hatte ver­sucht, sei­nen Ge­sichts­aus­druck zu ver­ges­sen, denn da war mehr ge­we­sen als Wut, aber das hatte sie da­mals nicht er­kannt. Jetzt kam ihr Vin­cents Ver­lan­gen nach der ver­bo­te­nen Frucht äu­ßerst ge­le­gen, doch das mach­te es nicht ein­fa­cher. Oder bes­ser.
Wie auch immer, es wurde Zeit, dass sie sich ver­ab­schie­de­te. Je län­ger sie blieb, desto schwie­ri­ger wurde es. Au­ßer­dem ging ihr Zug in Rich­tung Frei­heit in zwei Stun­den. Wenn sie wirk­lich ein neues Leben fern von ihrem Vater an­fan­gen woll­te, durf­te sie nicht zö­gern.
„Ich bin müde“, sagte sie also. „Es wird Zeit, dass Vin­cent mich nach Hause bringt.“ Sie schau­te ihn nicht an, fühl­te je­doch, dass er hin­ter sie trat wie ein dro­hen­der Schat­ten, der sich mit ihrem ver­band. „Warum trinkt ihr zwei nicht noch etwas mit­ein­an­der und macht euch bes­ser be­kannt? Meine beste Freun­din und der Mann, den ich hei­ra­ten werde, soll­ten ein­an­der ken­nen, finde ich.“ Sie lä­chel­te erst Jo­a­nie, dann Ga­bri­el an. Ihre Freun­din hatte den Ge­sichts­aus­druck eines Ka­nin­chens, das sich Auge in Auge mit einer Schlan­ge wie­der­fand und sich pa­ra­do­xer­wei­se nichts mehr wünsch­te, als dass die Schlan­ge end­lich zu­biss. Car­lot­ta kann­te die­sen Blick. Jo­a­nie setz­te ihn immer dann auf, wenn sie im Grun­de ihres Her­zens wuss­te, dass der Mann, den sie ge­ra­de ken­nen­lern­te, nicht gut für sie war. Was sie noch nie daran ge­hin­dert hatte, trotz­dem wie eine reife Frucht in des­sen Arme (und Bett) zu fal­len.
„Warum nicht“, sagte Ga­bri­el und er­wi­der­te ihr Lä­cheln, bevor er sich ihrer Freun­din zu­wand­te. „Was soll es für dich sein? Ich darf doch Du sagen, oder?“
Him­mel, manch­mal kam es ihr vor, als wären die gan­zen Clans im letz­ten Jahr­hun­dert ste­cken ge­blie­ben. All das Ge­re­de von Ehre, die Re­li­gio­si­tät und die Un­ter­tei­lung von weib­li­chen Wesen in Ehe­frau­en, Müt­ter oder Schlam­pen stieß ihr von Mal zu Mal mehr auf.
Eines muss­te sie noch klar­stel­len, bevor sie ging. Car­lot­ta trat zu Ga­bri­el und schob eine Brü­net­te in einem engen pink­far­be­nen Kleid zur Seite, die im Laufe der letz­ten Mi­nu­ten ver­sucht hatte, seine Auf­merk­sam­keit zu we­cken. Car­lot­ta stell­te sich auf die Ze­hen­spit­zen und sprach in sein Ohr. „Halt deine bei­den Go­ril­las von mei­ner Freun­din fern, ja? Ich ver­las­se mich auf dich. Ich will nicht, dass sie Jo­a­nie etwas antun.“
Ga­bri­el run­zel­te die Stirn. „Mach dir keine Sor­gen, ich passe auf, dass deine Freun­din si­cher nach Hause kommt. Aber meinst du nicht, du könn­test viel­leicht ein klein wenig Ei­fer­sucht zei­gen, weil ich mich um sie küm­me­re?“
Eine Se­kun­de lang glaub­te Car­lot­ta, dass er es ernst mein­te. Dann sah sie das Glit­zern in sei­nen blau­en Augen und at­me­te er­leich­tert aus. „Ich weiß doch, dass du mich nicht liebst, Ga­bri­el.“ Sie gab ihm noch einen ra­schen Kuss. Es war ein Dan­ke­schön und gleich­zei­tig ein Ab­schieds­kuss. „Du musst mei­net­we­gen nicht so tun, als wärst du in mich ver­liebt. Und was mich an­geht … ich miss­gön­ne dir dein Ver­gnü­gen nicht. Haupt­sa­che, mei­ner Freun­din pas­siert nichts.“
Wenn es nach Car­lot­ta ging, soll­ten die bei­den ruhig ihren Spaß mit­ein­an­der haben. Es war sogar mög­lich, dass Jo­a­nie nach ihrem Ver­schwin­den bei Ga­bri­el Trost fand, zu­min­dest für eine Weile.
„Mach dir keine Sor­gen“, er­wi­der­te Ga­bri­el jetzt und küss­te sie auf die Na­sen­spit­ze. Das war neu. Er nutz­te zwar jede sich bie­ten­de Ge­le­gen­heit, um sie als sei­nen Be­sitz zu mar­kie­ren, aber diese fast zärt­li­che Geste über­rasch­te und rühr­te sie. Noch einer, dem sie weht­at, indem sie ohne Vor­war­nung aus Hous­ton ver­schwand. „Ich küm­me­re mich um deine Freun­din.“
„Danke.“ Car­lot­ta dreh­te sich zu Jo­a­nie um.
„Bist du si­cher?“, frag­te Jo­a­nie jetzt und schlang die Arme um Car­lot­tas Hals, so­dass sie ihr ins Ohr flüs­tern konn­te.
Car­lot­ta wuss­te so­fort, was ihre Freun­din mein­te. „Ab­so­lut“, ant­wor­te­te sie und legte all ihre Liebe für Jo­a­nie in ihre Stim­me. „Ich wün­sche dir viel Ver­gnü­gen mit Ga­bri­el. Ich habe ge­hört, er soll phä­no­me­nal im Bett sein.“ Okay, das hatte sie er­fun­den, um Jo­a­nie die Ent­schei­dung ein wenig leich­ter zu ma­chen. Sie war sich eben­so wie ihre Freun­din des Blicks be­wusst, mit dem Ga­bri­el Jo­a­nie ansah. „Auf Wie­der­se­hen“, sagte sie und konn­te sich ge­ra­de noch recht­zei­tig um­dre­hen, damit die bei­den die Trä­nen in ihren Augen be­merk­ten.

 

Vin­cent

Ver­fluch­ter Mist. Sah sie denn nicht, was für ein mie­ser Auf­rei­ßer Bel­li­ni war?
Vin­cent ver­stand nicht, was eine Frau wie Car­lot­ta mit einem Typen wie die­sem aal­glat­ten, ge­schnie­gel­ten Wi­der­ling woll­te. Klar, die Ver­bin­dung der bei­den war eine Zweck­hei­rat, aber warum ließ sich eine Frau wie sie von ihrem bal­di­gen Ehe­mann auch noch öf­fent­lich vor­füh­ren und er­nied­ri­gen? Und was diese an­geb­li­che Freun­din be­traf …
„Vin­cent, kön­nen wir bitte fah­ren? Mir ist kalt.“
Wie lang hatte er hier am Wagen ge­stan­den und ins Nichts ge­starrt? Lang genug auf jeden Fall, dass Car­lot­ta in dem dün­nen Kleid zit­ter­te. Bevor er dar­über nach­den­ken konn­te, was er tat, streif­te er seine Le­der­ja­cke ab und legte sie ihr über die schma­len Schul­tern.
„Bes­ser?“ Es war eine Her­aus­for­de­rung, in ihrer Ge­gen­wart einen gan­zen Satz zu spre­chen, doch beim zwei­ten An­lauf ge­lang es ihm. „Warum hei­ra­test du die­sen Idio­ten?“
Er er­kann­te trotz der Dun­kel­heit, wie sich ihre Augen wei­te­ten. Sie zit­ter­te immer noch, also öff­ne­te er die Wa­gen­tür und be­ob­ach­te­te, wie sie sich – dies­mal völ­lig un­g­ra­zi­ös – in den Le­der­sitz fal­len ließ, ohne ihm eine Ant­wort zu geben. Auch gut. Es war nicht sein Pro­blem, dass sie ihr Leben weg­warf.
Mit einer ab­rup­ten Be­we­gung star­te­te er den Wagen. Aus den Au­gen­win­keln sah Vin­cent, wie Car­lot­ta sich in seine Jacke schmieg­te und den Kopf an die Schei­be lehn­te. Seine Fin­ger krampf­ten sich um das Lenk­rad.
Was war nur los mit ihm?
Es wäre ja noch okay, wenn auch be­fremd­lich ge­we­sen, die Toch­ter des Paten schlicht und ein­fach flach­le­gen zu wol­len. Damit hätte er um­ge­hen kön­nen. Das war kein Pro­blem für Vin­cent; Sex war für ihn etwas, das man be­nutz­te, um ein Be­dürf­nis zu stil­len. Er aß, wenn er hung­rig war, er trank, wenn er durs­tig war. Und wenn er Sex woll­te, gab es ge­nü­gend Frau­en, die sich von der Narbe in sei­nem Ge­sicht nicht ab­tur­nen lie­ßen. Da­nach war er für eine Weile zu­frie­den. Nicht glück­lich, aber wer war das schon? Es ge­nüg­te, damit die Leere in der Brust we­nigs­tens für eine kurze Stun­de nach­ließ. Car­lot­ta je­doch … er muss­te sich in Acht neh­men.
Er hatte einen Job zu er­le­di­gen.
„Ich weiß, was du denkst“, un­ter­brach sie seine Ge­dan­ken.
„Das glau­be ich nicht.“ Stur sah er ge­ra­de­aus. So eilig er es ge­ra­de ge­habt hatte, den Club zu ver­las­sen, so wenig zog es ihn jetzt zu­rück zu Fa­bris prot­zi­ger Villa. Un­ge­woll­te Bil­der stie­gen in sei­nem Kopf auf. Car­lot­ta, die auf der wei­chen Erde lag und wil­lig die Beine spreiz­te, ihr rotes Haar wie ein blu­ti­ger Fä­cher auf dem grü­nen Gras aus­ge­brei­tet. Wie sie sich an ihn klam­mer­te und lust­vol­le Laute aus­stieß. Sie beide auf sei­ner Ma­schi­ne, ihre Hände um seine Mitte ge­klam­mert, wäh­rend sie weg­fuh­ren, ir­gend­wo­hin, nur fort von ihrem Vater und der Fa­miglia. Car­lot­ta auf dem Bauch lie­gend, den pral­len Hin­tern in die Luft ge­streckt, wie sie ihn in mit ihrer rau­chi­gen Alt­stim­me an­fleh­te, end­lich kom­men zu dür­fen.
„Du ver­ach­test mich.“ Ihre dünne Stim­me, so ganz an­ders als die in sei­ner Fan­ta­sie, schnitt sein Herz in viele klei­ne Teile.
„Warum soll­te ich das tun?“ Er nahm den Fuß vom Gas. Jetzt fehl­te nicht mehr viel und sie kro­chen im Schritt­tem­po durch die Nacht.
Sie kreuz­te die Beine. „Ich weiß es nicht. Sag du es mir.“
Ein An­flug von Trotz. Das war gut. Alles war bes­ser als diese re­si­gnier­te Trau­rig­keit.
„Weil du kein Rück­grat hast?“ Er blen­de­te ab, weil ihnen auf der ein­sa­men Stra­ße ein Wagen ent­ge­gen­kam. „Weil du an­de­re über dein Leben be­stim­men lässt? Oder gibt es noch wei­te­re Grün­de, warum ich dich ver­ab­scheu­en soll­te?“
Car­lot­ta at­me­te scharf ein. „Du weißt nichts über mich.“
Vin­cent brems­te und fuhr rechts ran. In aller Ruhe brach­te er den Wagen zum Ste­hen, dreh­te den Zünd­schlüs­sel herum und hörte, wie der Motor er­starb.
Sie war blass ge­wor­den. In ihrer Hals­beu­ge flat­ter­te ihr Puls wie ein ge­fan­ge­nes Vö­gel­chen. „Was machst du denn?“
„Ich weiß also nichts über dich“, wie­der­hol­te er ihre Worte und lehn­te sich zu­rück. Er senk­te seine Stim­me zu einem Flüs­tern und tat nichts, um sei­nen Zorn zu ka­schie­ren. „Es stimmt. Ich habe keine Ah­nung, was dein Leib­ge­richt ist. Ich kenne den Titel dei­nes Lieb­lings­films nicht, ich weiß nicht, ob du lie­ber Lie­bes­ro­ma­ne liest oder Thril­ler.“ Er mach­te eine Pause und gab ihr Ge­le­gen­heit, sich gegen den ät­zen­den Ton­fall sei­ner Worte zur Wehr zu set­zen, doch da kam nichts. Mit gro­ßen Augen starr­te sie ihn an, als wäre er ein Ge­spenst. „Ich weiß, dass du am liebs­ten Schwarz trägst. Dein Lieb­lings­par­füm ist All About Eve. Du liebst Tiere, ganz be­son­ders Hunde, am meis­ten Col­lies. Du ver­ab­scheust Grau­sam­keit und kannst kein Blut sehen. Du hast Angst, wie deine Mut­ter zu enden, und tust trotz­dem nichts, um das zu ver­hin­dern. Du bist klug und schön und sehr, sehr dumm.“
„Das … woher weißt du von mei­ner Mut­ter?“, flüs­ter­te sie hei­ser. Es schien sie nicht zu küm­mern, dass er ihre In­tel­li­genz in­fra­ge stell­te, ja, sie ging nicht ein­mal dar­auf ein, dass er sich in sei­nem letz­ten Satz selbst wi­der­sprach.
Vin­cent zuck­te die Ach­seln. „Die Män­ner reden.“
„Du bist ein Arsch­loch und du weißt nichts über mich und erst recht nichts über meine Mut­ter.“ Car­lot­ta rich­te­te sich auf. Einen Au­gen­blick lang sah sie ihn bei­na­he ab­schät­zig an, dann löste sie den Si­cher­heits­gurt, stieß die die Tür auf und sprang leicht­fü­ßig aus dem Wagen. Sie rann­te ein­fach drauf­los, ohne nach rechts und links zu schau­en. Sie stol­per­te nicht, aber in ihren hohen Ha­cken war sie nicht be­son­ders schnell.
Vin­cent öff­ne­te die Fah­rer­tür und mach­te sich daran, Car­lot­ta zu fol­gen. Ob­wohl er sich Zeit ließ, konn­te er be­reits er­ken­nen, dass ihre Schul­tern beb­ten. Der Mond trat hin­ter den Wol­ken her­vor und ließ ihr Haar se­kun­den­lang blut­rot auf­leuch­ten.
Ein Teil von ihm woll­te nicht, dass der Spaß schon so schnell vor­bei war. Das größ­te Ver­gnü­gen beim Jagen war für ihn nicht der Mo­ment, in dem er seine Beute stell­te, son­dern die Mi­nu­ten vor­her, wenn die Angst vor dem Un­aus­weich­li­chen mit der Hoff­nung kol­li­dier­te, doch noch ent­kom­men zu kön­nen.
Er streck­te ge­ra­de die Hand aus, um sie an der Schul­ter zu pa­cken, als sie ste­hen blieb und sich mit einem wil­den Ge­sichts­aus­druck um­dreh­te. Sie stieß einen Laut aus, der halb Angst­schrei, halb Seuf­zer war. Ihre Brust hob und senk­te sich unter dem dün­nen Kleid. Sein aus­ge­streck­ter Arm streif­te ihre Schul­ter. Etwas Dunk­les in ihm ex­plo­dier­te und setz­te sein Den­ken außer Kraft, als sie sich ihm mit einer Ver­zweif­lung ent­ge­gen­warf, die nicht ge­spielt war. Sein Mund traf ihre wei­chen Lip­pen. Sie biss ihn, zerr­te an sei­nem Hemd. In sei­nem Hirn war ge­ra­de noch genug Ver­nunft, dass er ihr Kleid nicht zer­riss, son­dern es über ihren Kopf streif­te.
Das ist ein Feh­ler, häm­mer­te es wie­der und wie­der in sei­nen Ge­dan­ken, bis ihre Fin­ger end­lich den Knopf an sei­ner Hose fan­den, ihn fast ge­walt­sam aus dem Knopf­loch ris­sen und den Reiß­ver­schluss nach unten zogen. Mit ab­ge­hack­ten Be­we­gun­gen zog er seine Jeans, Schu­he und So­cken aus, bevor er nach sei­ner Jacke tas­te­te, die ir­gend­wo neben ihr zu Boden ge­fal­len war, und sie auf dem Gras aus­brei­te­te. Sie war nackt bis auf ihren Slip, ein durch­sich­ti­ges Ding, nicht ein­mal an­nä­hernd so groß wie ein Ta­schen­tuch. Wie konn­te sie nur so ver­dammt er­re­gend aus­se­hen und trotz­dem den Drang in ihm we­cken, sie in die Arme zu neh­men und zu be­schüt­zen?
Er sah, dass sie zit­ter­te. Ihre angst­voll ge­wei­te­ten Augen fi­xier­ten sein Ge­sicht. Wovor fürch­te­te sie sich? Vor ihm? Sie hatte ihn ge­küsst, nicht um­ge­kehrt! Er brauch­te drei ver­damm­te Herz­schlä­ge, bis seine Zunge ihm halb­wegs ge­horch­te.
„Es tut mir leid.“ Er schluck­te und zwang sich, wei­ter­zu­spre­chen. „Ich weiß nicht, was in mich ge­fah­ren ist. Ich habe ver­ges­sen, wer du bist und wer ich bin.“
Ihr Ge­sicht ver­än­der­te sich, wurde weich und be­gann förm­lich zu leuch­ten. Ihre Ant­wort be­stand darin, sich auf die Wiese zu knien, nach hin­ten fal­len zu las­sen und das zu tun, wovon er seit Mo­na­ten träum­te: Sie spreiz­te die Beine und streck­te die Arme nach ihm aus.
„Komm“, sagte Car­lot­ta ein­fach und sah auf ein­mal nur noch ein biss­chen ängst­lich aus.
Es war keine Furcht vor ihm, vor sei­nem ent­stell­ten Ge­sicht oder sei­nem har­ten Schwanz, der for­dernd auf­rag­te, son­dern eher … Wie­der ver­lor er die Fä­hig­keit zu den­ken, als er sich zwi­schen ihre Beine knie­te und ihr den schwar­zen, durch­sich­ti­gen Stoff ab­streif­te. Er at­me­te in tie­fen Zügen. Ihre Pussy war glatt ra­siert, wie er es lieb­te. Er beug­te sich hin­un­ter und leck­te ein Mal mit der Zunge über ihre Scham­lip­pen. Car­lot­ta re­agier­te un­mit­tel­bar: Sie bog den Rü­cken durch und gab ein lei­ses Stöh­nen, fast schon ein Wim­mern, von sich. Ihre Beine zit­ter­ten hef­tig. Und auf ein­mal war alles ganz leicht.
„Keine Angst“, sagte er und merk­te, dass es eher wie ein Knur­ren her­aus­kam. „Du musst keine Angst haben“, brach­te Vin­cent end­lich einen voll­stän­di­gen Satz her­aus. „Das bleibt unser Ge­heim­nis. Ein Mal und dann nie wie­der.“ Wenn er Glück hatte, war er das Ver­lan­gen nach ihr los, so­bald er sie ein Mal unter sich ge­spürt hatte.
„Ein Mal und nie wie­der“, be­kräf­tig­te sie den Pakt und hörte end­lich auf zu zit­tern.