Hard & Heart: Die Entführung des Kolibris

Er­schie­nen: 03/2016
Serie: Hard & Heart
Teil der Serie: 1

Genre: Con­tem­pora­ry Ro­mance, Soft-SM / BDSM

Lo­ca­ti­on: Deutsch­land

Sei­ten­an­zahl: 300


Er­hält­lich als:
pa­per­back & ebook

ISBN:
Print: 978-3-86495-215-9
ebook: 978-3-86495-216-6

Preis:
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Hard & Heart: Die Entführung des Kolibris


In­halts­an­ga­be

Mona trifft ihre Ju­gend­lie­be wie­der und wird zum Ge­burts­tag ein­ge­la­den, um dann scho­ckiert fest­zu­stel­len, auf einer SM-Par­ty ge­lan­det zu sein. Als auch noch eine ma­so­chis­tisch ver­an­lag­te Frau vor Zu­schau­ern aus­ge­peitscht wird, will sie pa­nisch in die Ses­si­on plat­zen, um die Frau zu ret­ten. Leon, einer der be­tei­lig­ten Män­ner, groß wie ein Schrank und stark wie ein Bär, hin­dert sie daran.
Kur­zer­hand ent­führt er sie in sein ein­sam ge­le­ge­nes Haus. Mona glaubt, ihr letz­tes Stünd­chen habe ge­schla­gen, doch Leon durch­schaut sie. Nicht die Ses­si­on hat sie so ver­ängs­tigt, son­dern die Er­re­gung, die sie beim Zu­schau­en er­fah­ren hat.
Er macht es sich zur ver­gnüg­li­chen Auf­ga­be, sie in seine Welt des BDSM ein­zu­füh­ren - in eine auf­re­gen­de, lie­be­vol­le und lei­den­schaft­li­che Welt, die sich Mona in ihren wil­des­ten Träu­men nicht hätte aus­ma­len kön­nen ...

Teil 1 der Hard & Heart-Se­rie.

Über die Au­to­rin

Sa­ra-Ma­ria Lukas (alias Sa­bi­ne Bruns) war ge­bür­ti­ge Bre­me­rin und lebte mit ihrem Part­ner und di­ver­sen Vier­bei­nern in einem win­zi­gen Dorf zwi­schen Ham­burg und Bre­men. Die Ver­bun­den­heit zur Natur, sowie die Liebe zum Meer und der nord­deut­schen Le­bens­art be­stimm­ten ihren All­tag...

Wei­te­re Teile der Hard & Heart Serie

Le­se­pro­be

Ich habe keine Ah­nung, wohin es geht. Mein Zeit­ge­fühl ist voll­stän­dig flö­ten ge­gan­gen. Wir sind aus der Klein­stadt hin­aus­ge­fah­ren und waren auf Land­stra­ßen un­ter­wegs. Je­den­falls ver­mu­te ich das, denn es gab plötz­lich keine Stra­ßen­la­ter­nen mehr und der Motor surr­te eine ganze Weile lang ziem­lich gleich­mä­ßig. Jetzt blinkt Leon und biegt auf einen holp­ri­gen Weg ab. Mein Kör­per wird hin und her ge­wor­fen, mein Herz klopft schnel­ler. Wir sind ir­gend­wo in der Wild­nis. Ga­ran­tiert. Er wird mich doch um­brin­gen. Die Er­kennt­nis lässt mein Herz rasen.
Er bremst und der Motor geht aus. Es ist stock­dun­kel drau­ßen. Als er die Tür öff­net,...

...​strömt fri­sche Luft her­ein. Es riecht nach Wald. Ja, ganz ein­deu­tig Wald. Mein Schick­sal ist be­sie­gelt, denn ich habe keine Chan­ce gegen ihn. Mein Kör­per zit­tert und ich möch­te schrei­en.
Als er die Schie­be­tür öff­net, zucke ich zu­sam­men und star­re ihm im Schein des klei­nen De­cken­lich­tes ent­ge­gen. Sein Ge­sicht zeigt keine Re­gung.
„Wir sind da”, sagt er. „Halt still. Ich mache die Fuß­fes­seln auf, damit du lau­fen kannst.“
Er fum­melt an mei­nen Füßen herum, dann hält er mich an den Ober­ar­men und hilft mir aus dem Auto her­aus. Ich will nicht, dass er mich an­fasst, und meine Mus­keln ver­stei­fen sich, ich ver­lie­re das Gleich­ge­wicht und falle gegen sei­nen Kör­per. Er ist so sta­bil und stark, dass er nicht mal ins Wan­ken gerät. Mein Ge­sicht lan­det auf sei­nem T-Shirt. Leon ist warm und sein Ge­ruch so an­ge­nehm. Das passt doch nicht zu einem Mör­der. Wenn ich könn­te, würde ich mich an ihn klam­mern und um Gnade bet­teln. Er schiebt mich ein Stück weg und war­tet, bis ich fest auf dem Boden stehe. Dann lässt er mich los.
„Der Be­we­gungs­mel­der ist an­schei­nend de­fekt, denn das Au­ßen­licht geht nicht an. Aber ich habe eine Ta­schen­lam­pe im Hand­schuh­fach.“
Er tritt einen Schritt zur Seite und öff­net die Bei­fah­rer­tür. Das ist meine Chan­ce! Ich drehe mich vom Auto weg und renne los. Ein­fach ge­ra­de­aus, in die Dun­kel­heit hin­ein.
„Nicht! Du tust dir noch weh!“, ruft er und ich laufe noch schnel­ler. „Fuck!“, höre ich ihn brül­len und die Au­to­tür wird zu­ge­schla­gen.
Ich bin schnell! Ich schaf­fe das! Ja!
Der Kegel einer star­ken Ta­schen­lam­pe er­fasst den Wald vor mir. Un­durch­dring­li­ches Grün, aber ich achte nicht dar­auf, nur wei­ter, wei­ter, schnel­ler, nur weg von ihm. Raus aus dem Licht, dann bin ich in Si­cher­heit!
Ein schar­fer Schmerz zuckt durch mein rech­tes Bein. Ich hänge ir­gend­wo fest, ver­lie­re das Gleich­ge­wicht, falle auf die Knie und dann mit dem Ober­kör­per nach vorn. Da meine Arme immer noch auf dem Rü­cken ge­fes­selt sind, kann ich mich nicht ab­stüt­zen. Zwei­ge fan­gen mich auf und dämp­fen den Auf­prall. Bis auf einen dump­fen Schlag gegen die Stirn tut es kaum weh, aber Se­kun­den spä­ter bren­nen mein Ge­sicht, meine Brust und mein Bauch wie Feuer. Ich stöh­ne auf, will mich auf­rap­peln, doch bei jeder Be­we­gung sticht, brennt und kratzt es ir­gend­wo. Was ist das? Die Er­kennt­nis kommt beim nächs­ten Be­we­gungs­ver­such. Es sind Dor­nen. Ich liege in einem Dor­nen­busch und mein rech­ter Fuß hängt ir­gend­wo fest. Es fühlt sich an, als ob sich Heft­zwe­cken an tau­send Stel­len gleich­zei­tig in meine Haut boh­ren, so­bald ich auch nur die kleins­te Be­we­gung mache. Oh Schei­ße, tut das weh. Trä­nen lau­fen mir aus den Augen und ich blei­be, durch die Nase schnau­fend, be­we­gungs­los lie­gen.
Dann hat Leon mich ein­ge­holt. Er atmet nor­mal, hat es an­schei­nend nicht für nötig ge­hal­ten, zu ren­nen. Der Mist­kerl! Wahr­schein­lich macht es ihm die­bi­schen Spaß, mich hier lie­gen zu sehen.
Er steht über mir und leuch­tet mich an. „Mäd­chen, was machst du denn? Du kannst doch nicht ein­fach ins Dunk­le ren­nen! Du hät­test dir das Ge­nick bre­chen kön­nen!“
Ein selt­sa­mer, al­bern gur­geln­der Ton fin­det den Weg durch den Kne­bel. Am liebs­ten würde ich brül­len. Ich rühre mich nicht, denn es tut ein­fach zu weh.
Jetzt beugt er sich über mich. „Mit­ten in die Brom­bee­ren. Das hast du ja klas­se hin­be­kom­men.“ Er legt eine Hand auf mei­nen Ober­schen­kel, di­rekt unter mei­nen Po. „Ver­such, dich zu ent­span­nen und ganz still lie­gen zu blei­ben, dann tut es nicht so weh, wenn ich dich da raus­he­be.“
Ich höre Holz bre­chen, dann be­wegt er mei­nen rech­ten Fuß. „So, das haben wir schon mal.“ Ich will auf­ste­hen, doch so­fort zer­krat­zen mich wie­der tau­send Dor­nen. „Sch … nicht doch. Warte.“
Ich rühre mich nicht mehr, aber ich spüre, dass meine Mus­keln zit­tern. Jetzt fühle ich sei­nen fes­ten Griff um einen mei­ner Ober­ar­me herum. Er hebt mich sach­te ein Stück an. Wie­der Krat­zen und Bren­nen, ich schnau­fe und sein an­de­rer Arme schiebt sich unter mei­nen Kör­per auf meine Rip­pen. Er hebt mich hoch und lässt mich zur an­de­ren Seite sanft wie­der run­ter.
Jetzt liege ich auf küh­lem Erd­bo­den. Oh Gott, was für eine Er­leich­te­rung. Er löst die Fes­seln an mei­nen Hand­ge­len­ken und be­freit mich von dem Kne­bel. Dann dreht er mich auf den Rü­cken. Ich sehe im Licht der Ta­schen­lam­pe, die er neben mir auf den Boden ge­legt hat, sche­men­haft sein Ge­sicht. Er hockt vor mir, einen Arm auf ein Knie auf­ge­stützt. Selbst in die­ser Po­si­ti­on wirkt er rie­sen­groß. Ich bin ihm aus­ge­lie­fert. Er wird mich töten. In mir ist kein Mut und keine Kraft mehr. Ich habe ver­lo­ren. Meine Haut schmerzt wie bei einem schlim­men Son­nen­brand und ich be­we­ge mich nicht. Ir­gend­et­was in mir zer­bricht. Ich ver­lie­re jeg­li­chen Selbst­er­hal­tungs­trieb. Trä­nen lau­fen aus mei­nen Augen, ich stoße selt­sa­me Laute aus. Alles ist plötz­lich egal.
Er beugt sich her­un­ter, streicht mir sanft mit dem Fin­ger die Haare aus dem Ge­sicht. „Ist ja gut, keine Angst, be­ru­hi­ge dich. Wieso be­kommst du denn plötz­lich sol­che Panik? Ich dach­te, du hast ka­piert, dass ich dir nichts tue.“ Die sanf­te Be­rüh­rung ist wie ein Ret­tungs­an­ker. Mein Ge­sicht schmiegt sich an seine große Hand, ohne dass ich es ver­hin­dern kann.
Er seufzt. „Na komm, halt dich fest.“
Ich schlin­ge meine Arme um sei­nen Na­cken und er hebt mich hoch. Mein Ge­sicht lan­det an sei­ner Brust, ich heule wie ein Schloss­hund und sauge sei­nen Ge­ruch in mich ein. Noch nie hat mich ein Mann ge­tra­gen und es scheint ihn nicht mal an­zu­stren­gen. Ich fühle, wie sich seine Brust­mus­keln be­we­gen, höre seine re­gel­mä­ßi­gen Atem­zü­ge und weine ein­fach völ­lig halt­los wei­ter.
Er trägt mich bis vor eine Tür, lässt mich vor­sich­tig run­ter und ich zucke zu­sam­men, als ich das rech­te Bein be­las­te. Sein star­ker Arm hält mich, wäh­rend er auf­schließt. Schon hat er mich wie­der hoch­ge­ho­ben und trägt mich hin­ein. Ich weine immer noch un­kon­trol­liert wie ein klei­nes Kind und klam­me­re mich an sei­nen Hals. Er macht Licht und schiebt die Tür mit dem Fuß hin­ter uns zu. Seuf­zend lässt er sich auf eine Couch fal­len, ohne mich los­zu­las­sen. Ich sitze auf sei­nem Schoß und heule in sein schon völ­lig durch­näss­tes T-Shirt. Seine Hand streicht über mei­nen Rü­cken. „Sch … Be­ru­hi­ge dich, Mona, alles ist gut. Ich tu dir nichts.“
„Es tut mir leid“, brin­ge ich zwi­schen zwei Schluch­zern her­vor, „ich hatte doch sol­che Angst … Ich wuss­te doch nicht … ich mach das nie wie­der … Bitte … es tut mir wirk­lich leid, ich hab doch mit Tim nur … Das war ein­fach zu viel … das musst du ver­ste­hen … Ich sage ganz be­stimmt nie­man­dem was.“
Zwi­schen den Schluch­zern blub­bern alle wir­ren Ge­dan­ken­fet­zen aus mei­nem Kopf un­ge­fil­tert über meine Lip­pen. Wahr­schein­lich ver­steht er kein Wort. Aber er hält mich, ge­dul­dig, ganz fest und si­cher. Seine Wange liegt an mei­nem Haar, seine Hand streicht immer wie­der warm über mei­nen Ober­schen­kel und er mur­melt leise be­sänf­ti­gen­de Worte. End­lich werde ich ru­hi­ger. Ei­ni­ge letz­te tro­cke­ne Schluch­zer las­sen mei­nen Kör­per noch beben. Ich kann mich nicht er­in­nern, je­mals vor­her in mei­nem Leben so sehr die Fas­sung ver­lo­ren zu haben.
Wäh­rend ich noch etwas Zeit brau­che, um mich ganz zu be­ru­hi­gen, be­ginnt er, die Man­schet­ten von mei­nen Hand­ge­len­ken zu lösen. Meine Augen ver­fol­gen seine Be­we­gun­gen. Es ist still und es ist ein selt­sa­mes Bild, diese Le­der­fes­seln an mei­nen Armen und seine gro­ßen Hände mit den deut­lich her­vor­tre­ten­den Adern unter der Haut. Mir war gar nicht be­wusst, dass ich sie noch trage, und ich wun­de­re mich dar­über, wie weich und be­quem sie sich an­ge­fühlt haben. Seine Fin­ger strei­chen über meine Haut, als ob er Druck­stel­len mas­sie­ren woll­te, aber da sind gar keine. Die Si­tua­ti­on ist so un­wirk­lich, als säße ich im Kino und wäre plötz­lich Teil eines Films in einer völ­lig frem­den Rea­li­tät.
Leon legt einen Fin­ger unter mein Kinn und will mein Ge­sicht an­he­ben, doch ich ver­su­che, ihm aus­zu­wei­chen. Ich schä­me mich so und bin so un­si­cher.
„Mona, sieh mich an.“ Die deut­li­che Do­mi­nanz in sei­ner Stim­me zwingt mich, ihm zu ge­hor­chen. Un­se­re Bli­cke tref­fen sich.
Er zwin­kert fröh­lich. „Geht’s jetzt wie­der?“
„Mmh.“
Er nickt, schiebt mich zur Seite, so­dass ich jetzt nor­mal auf der Couch sitze, und steht auf. Er geht und ich sehe mich um. Es ist ein sehr männ­li­ches Wohn­zim­mer, in dem ich mich be­fin­de. Die Ein­rich­tung wirkt ur­tüm­lich, ro­bust, wie sie in ein Block­haus oder das Haus eines ame­ri­ka­ni­schen Cow­boys pas­sen würde. Ich sehe über­all dunk­le Bal­ken, ähn­lich wie in mei­ner Woh­nung, aber viel aus­ge­präg­ter und mäch­ti­ger. Es ist ein altes Fach­werk­haus. Die Wände zwi­schen den Bal­ken sind ge­mau­ert und weiß ver­putzt. Ein recht­ecki­ger Ess­tisch mit vier schlich­ten Stüh­len aus dunk­lem Holz ste­hen auf der einen Seite, zwei Le­der­ses­sel und eine pas­sen­de Couch ge­gen­über, alles ist groß und wuch­tig. Auf dem Holz­fuß­bo­den sind meh­re­re klei­ne­re dun­kel­ro­te Tep­pi­che aus­ge­legt, die dem Raum ein sehr ge­müt­li­ches Am­bi­en­te geben. In­di­rek­tes Licht aus ver­steck­ten Lam­pen ver­stärkt die­sen Ein­druck. Die At­mo­sphä­re ist an­hei­melnd. Leon ist durch eine of­fe­ne Tür links vom Ein­gang ver­schwun­den. Hel­les Licht geht in dem an­gren­zen­den Raum an und ich höre eine Kühl­schrank­tür.
Leon kommt mit einer Fla­sche Mi­ne­ral­was­ser und einem Glas wie­der. Nach­dem er ein­ge­schenkt hat, stellt er die Fla­sche auf den nied­ri­gen Couch­tisch und reicht mir das Glas.
„Danke”, flüs­te­re ich, nehme es und trin­ke es voll­stän­dig aus. Mir war gar nicht be­wusst, wie durs­tig ich war.
Er hockt sich hin und greift an meine rech­te Wade. Un­will­kür­lich zucke ich zu­sam­men und er wirft mir einen miss­bil­li­gen­den Blick zu. Mein Herz klopft schnel­ler. Ob­wohl er vor mir hockt, wirkt seine Ge­stalt mäch­tig, ein­schüch­ternd. Und er ist mir so ver­dammt nah! Ich möch­te den Ver­kaufs­tre­sen aus dem Laden zwi­schen uns haben. Wobei seine im­po­san­te Größe und Brei­te mich wahr­schein­lich auch dann noch ver­un­si­chern würde. Er zieht mir vor­sich­tig den Schuh und den Strumpf aus und ich beiße die Zähne zu­sam­men. Seine Fin­ger be­tas­ten das Ge­lenk sanft von allen Sei­ten, dann be­wegt er sach­te den Fuß. Ich zi­sche durch meine zu­sam­men­ge­bis­se­nen Zähne, be­mü­he mich aber, still­zu­hal­ten.
„Es ist nichts ge­bro­chen. Wir wer­den es küh­len, dann soll­te es schnell bes­ser wer­den.“
Er mus­tert mein Ge­sicht, seine Fin­ger nä­hern sich und wie­der zucke ich zu­rück. Er zieht dro­hend eine Au­gen­braue hoch, legt eine Hand sehr be­stim­mend an mein Kinn und schiebt mit der an­de­ren meine Haare zur Seite. Ich zucke fast zu­sam­men, traue mich aber nicht, mich zu be­we­gen, ob­wohl alles in mir ihn ab­weh­ren will. Seine Fin­ger auf mei­ner Stirn sind ganz sanft und warm. Ich star­re ihn an, nein, ich star­re sei­nen Mund an, diese wun­der­schön ge­schwun­ge­nen Lip­pen, und plötz­lich sehnt sich alles in mir da­nach, von ihm ge­küsst zu wer­den.
„Das ist auch nicht schlimm, muss nur ge­säu­bert und des­in­fi­ziert wer­den.“
Sein Blick wan­dert über mei­nen Ober­kör­per. Leon ist mir un­heim­lich. Meine Ge­füh­le sind mir un­heim­lich. Er ist ge­fähr­lich und ich bin ihm aus­ge­lie­fert, denn ich bin er­schöpft und zu schwach für ihn. Er könn­te alles mit mir tun. Das Ganze über­for­dert mich total. Ich möch­te in meine Woh­nung, mich in mei­nem Bett unter der Decke ver­krie­chen, und ich muss mal, ziem­lich drin­gend.
„Kann ich …“, ich räus­pe­re mich. „Ich müss­te mal auf die Toi­let­te.“ Oh Gott! Ich komme mir so blöd vor.
Er nickt Rich­tung Ein­gang. „Da vorn. Ich helfe dir.“
Ich rap­pe­le mich auf und er stützt mich, so­dass ich mich hum­pelnd fort­be­we­gen kann.
Im Flur öff­net er eine Tür und schiebt mich rück­wärts vor eine Toi­let­te. Ich stüt­ze mich am Wasch­be­cken ab.
„Kommst du klar?“, fragt er und glaubt an­schei­nend allen Erns­tes, ich würde jetzt vor ihm die Hosen run­ter­las­sen.
„Ja!“ Ich star­re ihn an und er schmun­zelt. So ein Arsch! Er geht. Gott sei Dank. Bevor er die Tür schließt, zieht er al­ler­dings den Schlüs­sel ab. So ein Rie­sen­arsch!
Lei­der muss ich so drin­gend, dass ich es dar­auf an­kom­men las­sen muss, von ihm beim Pin­keln über­rascht zu wer­den. Doch er lässt mich in Ruhe.
Nach­dem ich mich er­leich­tert und die Hose müh­sam wie­der hoch­ge­zo­gen habe, sehe ich in den Spie­gel über dem Wasch­be­cken und er­schre­cke. Mein Ge­sicht ist zu einer grau­en­haf­ten Maske mu­tiert. Eine dicke Schram­me, unter der sich ein blau­er Fleck bil­det, ziert meine Stirn. Mein Au­gen-Ma­ke-up ist zer­lau­fen, so­dass schwar­ze Schlie­ren meine Wan­gen ver­un­stal­ten. Über­all sehe ich klei­ne, blu­ti­ge Krat­zer. Ich bin blass, meine Augen sind rot und ge­schwol­len, das Haar wirr. Meine weiße Bluse ist hin­über, über­all Fle­cken und Risse. Meine Haut im Aus­schnitt und am Hals ist über­sät mit wei­te­ren blu­ti­gen Krat­zern und Fle­cken von Erde.
Ich pres­se die Lip­pen fest zu­sam­men, um nicht schon wie­der zu heu­len, und würde alles darum geben, jetzt al­lein in mei­ner Woh­nung zu sein. Statt­des­sen muss ich mich wie­der die­sem rie­si­gen Mons­ter stel­len, gegen das ich men­tal und phy­sisch nicht die ge­rings­te Chan­ce habe.
Ich wa­sche mir die Hände und ver­su­che, mein Ge­sicht zu säu­bern, aber das ist in dem klei­nen Wasch­be­cken der Gäs­te­toi­let­te kaum mög­lich.
Er klopft. „Komm raus, wa­schen kannst du dich oben, da ist ein gro­ßes Bad.“
Wi­der­stre­bend öffne ich die Tür. Leon ist nicht mehr zu sehen und ich hum­pe­le lang­sam zu­rück ins Wohn­zim­mer und setze mich wie­der auf die Couch. Er kommt aus einer Tür auf der an­de­ren Seite des Rau­mes, hin­ter der ich vor einem Ak­ten­schrank die Ecke eines Schreib­ti­sches sehe, und bleibt mit vor der Brust ver­schränk­ten Armen vor mir ste­hen.
Sein Blick glei­tet über mei­nen Kör­per. „Bist du gegen Te­ta­nus ge­impft?“
„Ja.“
„Wann?“
Un­wil­lig ziehe ich die Stirn kraus. Ich bin doch kein klei­nes Kind. „Erst letz­tes Jahr.“
Er be­trach­tet mich wie ein sel­te­nes Tier, das ihm in die Falle ge­gan­gen ist, und schüt­telt den Kopf. „Ich soll­te dich übers Knie legen. Für die Ak­ti­on hast du dir einen glü­hen­den Arsch ver­dient.“
Ich zucke zu­sam­men und star­re ihn fas­sungs­los an. Er ver­dreht die Augen und stöhnt ge­nervt auf. „Keine Angst, für heute hast du dich schon selbst genug be­straft.“
„Ich …“ Meine Stim­me ist nur ein Kräch­zen und ich räus­pe­re mich. „Ich steh nicht auf so was. Ich hab damit nichts zu tun.“
Er lacht. „Baby, das kannst du dei­ner Oma er­zäh­len, aber nicht mir. Ich hatte dich wäh­rend der gan­zen Ses­si­on im Blick­feld. Deine Mimik sprach Bände.“
„Nein!“ Ich will auf­sprin­gen, doch seine Hand lan­det auf mei­ner Schul­ter und hält mich un­ge­rührt fest. „Schluss jetzt. Als Ers­tes müs­sen wir dich ver­sor­gen und dei­nen Fuß küh­len. Mor­gen wer­den wir in Ruhe reden.“
„Ich brau­che nichts. Ich will nur nach Hause. Ich ver­spre­che, ich sage nie­man­dem etwas.“
„Du wirst jetzt dein fre­ches Mund­werk hal­ten und ge­hor­chen. Leg dei­nen Arm um mei­nen Hals. Ich trage dich nach oben.“
„Ich …“
„Mona!“
Die un­aus­ge­spro­che­ne Dro­hung in sei­ner Stim­me lässt mei­nen Kör­per au­gen­blick­lich er­star­ren. Mit einer zitt­ri­gen Be­we­gung lege ich den Arm um sei­nen Na­cken und er hebt mich hoch. Es ist so un­fair, dass er so gut duf­tet. Das bringt mich total durch­ein­an­der. Ich möch­te mein Ge­sicht an seine Brust legen, aber das kann ich doch nicht tun. Er ist schließ­lich ein Frem­der, der mich ge­fes­selt und ent­führt hat. Ich darf ihm nicht trau­en.
Er trägt mich eine knar­ren­de Holz­trep­pe hin­auf. Die Stu­fen sind aus­ge­tre­ten. Es muss wirk­lich ein sehr altes Haus sein.
Oben öff­net er eine Tür und drückt auf einen Licht­schal­ter. Er­staunt reiße ich die Augen auf. Wir ste­hen in einem rie­sen­gro­ßen und gleich­zei­tig un­glaub­lich ge­müt­li­chen Schlaf­zim­mer mit einem brei­ten Bett. So einen Raum habe ich noch nie ge­se­hen.
Auch hier ist der Fuß­bo­den aus Holz und es gibt diese dunk­len Bal­ken. Aber da der Raum die ge­sam­te Brei­te des Dach­stuhls ein­nimmt, sind zwei Wände ab einem Meter Höhe Schrä­gen, wie in einem Nur-Dach-Haus oder einem über­di­men­sio­nal gro­ßen Zelt. Ich sehe di­rekt auf eine drei­ecki­ge Wand, die aus Schrank- und Re­gal­fä­chern mit Bü­chern be­steht. Davor be­fin­det sich mit­ten im Raum ein mas­si­ves, brei­tes Bett. Ge­gen­über, an der Wand der an­de­ren Seite, di­rekt neben dem Zu­gang zur Trep­pe, gibt es noch eine Tür. Links im Dach sehe ich meh­re­re große Fens­ter, dar­un­ter ste­hen zwei Stüh­le. Wäre es nicht sei­ner, würde ich die­sen Raum lie­ben.
Er stellt mich vor­sich­tig vor dem Bett ab, stützt mich mit einer Hand, wäh­rend er mit der an­de­ren die De­cken und Kis­sen zur Seite schiebt. „Leg dich hin.“
In mir zieht sich alles zu­sam­men. Ich will nicht in sei­nem Schlaf­zim­mer sein und schon gar nicht in sei­nem Bett lie­gen.
Zö­gernd setze ich mich auf die Kante.
„Mona, hör auf zu zi­cken. Du sollst dich hin­le­gen. Jetzt.“ Seine Stim­me klingt ein klit­ze­klei­nes biss­chen an­ge­pisst und ich beiße die Zähne zu­sam­men, um nichts Un­be­dach­tes zu er­wi­dern, als er unter meine Knie­keh­len fasst und mich kur­zer­hand rich­tig auf das Bett ver­frach­tet. „Ich hole Eis für dei­nen Fuß. Zieh dich schon mal aus.“ Er dreht sich um und ver­lässt den Raum.
In mei­nem Kopf schril­len sämt­li­che Alarm­glo­cken. Zieh dich schon mal aus? Der spinnt wohl! Nie­mals! Eher soll er mich um­brin­gen!
Ich höre ihn auf der Trep­pe, möch­te auf­ste­hen, aber traue mich nicht. So stüt­ze ich mich auf den El­len­bo­gen ab, um eine halb­wegs sit­zen­de Stel­lung ein­zu­neh­men. Das macht mich etwas si­che­rer. Der Ge­dan­ke, wie ein hilf­lo­ser Käfer vor ihm auf dem Rü­cken zu lie­gen, ist un­er­träg­lich.
Leon kehrt mit einer Eis­pa­ckung und einem Hand­tuch zu­rück. Ich atme tief ein und pres­se die Lip­pen fest zu­sam­men. Ich lasse mich von die­sem ge­fühl­lo­sen Mons­ter nicht un­ter­krie­gen. Nie­mals! Auch wenn er noch so dro­hend vor mir auf­ragt.
Seine Mund­win­kel zu­cken. So ein Arsch! Ich weiß wirk­lich nicht, was ge­ra­de so lus­tig ist.
„Ich zieh mich nicht aus. Ich will das nicht”, zi­sche ich. Ich bin so wü­tend. Es ist ein­fach zu viel. Der ganze Abend war zu viel. Ich bin er­schöpft vom Wei­nen und von mei­ner Angst. Mein Kör­per schmerzt. Seine Do­mi­nanz und seine Wir­kung auf mich schei­nen mich voll­stän­dig wil­len­los zu ma­chen. Er ist mir zu nah. Das alles ist zu viel, er ist zu viel. Ich kann nicht mehr.
„Ent­we­der du ziehst dich aus oder ich ziehe dich aus. Eine an­de­re Op­ti­on hast du nicht, denn ich muss deine Krat­zer des­in­fi­zie­ren, damit sich nichts ent­zün­det.“
Mit einer schnel­len Be­we­gung ruckt er an mei­nen Hand­ge­len­ken und ich liege auf dem Rü­cken. Bevor ich ir­gend­wie re­agie­ren kann, sitzt er auf dem Bett­rand, presst meine Arme neben mei­nem Kör­per auf die Ma­trat­ze und beugt sich dicht über mich. Mein Herz rast. So muss sich eine Maus in einer Le­bend­fal­le füh­len.