Haven Brotherhood: Haven Brotherhood: Down & Dirty

Ori­gi­nal­ti­tel: Men of Haven: Down & Dirty
Über­set­zer: Julia Wei­sen­ber­ger

Er­schie­nen: 08/2020
Serie: Haven Bro­ther­hood
Teil der Serie: 6

Genre: Con­tem­pora­ry Ro­mance, Soft-SM / BDSM
Zu­sätz­lich: Rock­star Ro­mance

Lo­ca­ti­on: USA, Texas, Dal­las


Er­hält­lich als:
pa­per­back & ebook

ISBN:
Print: 978-3-86495-483-2
ebook: 978-3-86495-484-9

Preis:
Print: 14,90 €[D]
ebook: 6,99 €[D]

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und allen gän­gi­gen On­line­händ­lern und im Buch­han­del

Haven Brotherhood: Haven Brotherhood: Down & Dirty


In­halts­an­ga­be

Die Haven Bro­ther­hood: Wilde Lei­den­schaft und un­nach­gie­bi­ge Loya­li­tät, be­son­ders wenn es um ihre Frau­en geht.

Axel McKee gab seine Mu­sik­kar­rie­re vor Jah­ren auf, be­grub seine Träu­me vom Schein­wer­fer­licht und baute statt­des­sen mit sei­nen Brü­dern ein Im­pe­ri­um auf. Er ist ein do­mi­nan­ter Mann in allen Be­rei­chen sei­nes Le­bens, auch im Schlaf­zim­mer.

Dann kam Lizzy. Ihre Prä­senz springt von der Bühne ins Herz eines jeden, der sie sin­gen hört. Axel will sie. Will ihr hel­fen und mit ihr zu­sam­men­ar­bei­ten ... Aber vor allem soll sie ihm ge­hö­ren.

Doch Lizzy ist ein ge­brann­tes Kind, und ihr Ver­trau­en zu ge­win­nen wird Axels bis­her größ­te Her­aus­for­de­rung. Wenn er diese wilde, hart­nä­cki­ge, ta­len­tier­te Frau dazu brin­gen kann, die Lei­den­schaft und Für­sor­ge zu sehen, die er ihr bie­tet, könn­te er die Chan­ce auf einen neuen Traum be­kom­men - das Ram­pen­licht mit der Frau zu tei­len, die er liebt.

Der sechs­te und letz­te Teil der Haven Bro­ther­hood-Rei­he. 

Über die Au­to­rin

Die aus Okla­ho­ma stam­men­de Mut­ter zwei­er hüb­scher Töch­tern ist at­tes­tier­te Lie­bes­ro­man­süch­ti­ge. Ihr bis­he­ri­ger Le­bens­lauf spie­gelt ihre Lei­den­schaft für alles Neue wider: Rhen­na Mor­gan ar­bei­te­te u.a. als Im­mo­bi­li­en­mak­le­rin, Pro­jekt­ma­na­ge­rin sowie beim Radio.

Wie bei den meis­ten Frau­en ist ihr All­tag von mor­gens...

Wei­te­re Teile der Haven Bro­ther­hood Serie

Le­se­pro­be

Klin­geln­de Ohren, ein rauer Hals und schmer­zen­de Füße. Jedes Ver­gnü­gen hat sei­nen Preis. Eine Kon­se­quenz, die man tra­gen muss, wenn der Ge­nuss vor­über ist. Aber für Lizzy war die­ser Preis es nicht nur wert, son­dern not­wen­dig. Be­son­ders da der Groß­teil des­sen, was sie dazu be­nutz­te, um ihre Rech­nun­gen zu be­zah­len, daher stamm­te, dass sie sich dem über­ließ, was sie am al­ler­meis­ten auf die­ser Welt lieb­te.
Nichts war bes­ser, als ihre Musik live mit der Menge zu tei­len. Gar nichts. Es lag eine Ver­bin­dung darin. Eine ur­sprüng­li­che En­er­gie, an­ge­trie­ben von den Ge­füh­len um sie herum, die ihr In­ne­res flu­te­te und den...

...​ganzen All­tag dämpf­te. Alles, was noch übrig war, war reine Se­lig­keit. Eine un­be­schreib­li­che Le­ben­dig­keit, die mit fan­tas­ti­schem Sex ver­gleich­bar war – nur ohne die Ver­wund­bar­keit und das Ri­si­ko, dass einem das Herz ge­bro­chen wurde.
Von ihrem letz­ten Set high, ging sie di­rekt von der Bühne in den schä­bi­gen recht­ecki­gen La­ger­raum, der auch als Back­stage­raum für die Künst­ler in der Bar dien­te. Ihre Band­mit­glie­der waren ihr dicht auf den Fer­sen.
„Lizzy, Baby! Das war ver­dammt ge­ni­al!“ Tonys Lob echo­te von den einst­mals wei­ßen Wän­den, die jetzt dank zu vie­ler Jahre, in denen hier ge­raucht wor­den war, fle­ckig waren. Er war über ein Meter acht­zig groß, hatte etwas län­ge­res, dun­kel­blon­des Haar, träu­me­risch drein­bli­cken­de blaue Augen und ein ver­ruch­tes Lä­cheln. Mit die­ser Kom­bi­na­ti­on zog er weib­li­che Mu­sik­lieb­ha­be­rin­nen al­lein mit dem Krüm­men eines Zei­ge­fin­gers an. Wie der Kerl auf das mas­si­ve Schlag­zeug, das er für jede Show auf­bau­te, ein­prü­geln und fünf Stun­den spä­ter immer noch so viel En­er­gie haben konn­te, wuss­te sie nicht, aber es würde wei­te­re gute zwei Stun­den dau­ern, bis er wie­der run­ter­kom­men würde.
Sie schnapp­te sich ihren Gi­tar­ren­kof­fer von dem gro­ben Holz­re­gal, legte ihn auf das Le­der­so­fa aus zwei­ter oder drit­ter Hand und öff­ne­te ihn. „Der Schup­pen hier ist eine ziem­li­che Spe­lun­ke, aber er zieht ein ver­dammt gutes Pu­bli­kum an.“
„Es ist nicht die Bar, die das Pu­bli­kum an­zieht“, sagte Skeet, der Liz­zys Bei­spiel folg­te und seine Fen­der-Tele­cas­ter-Gi­tar­re ver­stau­te. Seine Aus­strah­lung war das kom­plet­te Ge­gen­teil von Tonys. Er war eher eine Mi­schung aus Bi­ker-trifft-Cow­boy vor allem in Kom­bi­na­ti­on mit der dazu pas­sen­den rauen Marl­bo­ro-Stim­me. Er hielt inne, bevor er die schwarz-wei­ße Schön­heit in ihren mit Plüsch ge­füt­ter­ten Kof­fer legte, und warf ihr einen Blick über die Schul­ter zu. „Son­dern du.“
„Mann, wenn du wei­ter so einen Scheiß von dir gibst, wird sie sich wie­der von uns zu­rück­zie­hen.“ De­way­ne – oder Phat D, wie ein Re­por­ter ihn kürz­lich be­zeich­net hatte –, der Prag­ma­ti­ker unter ihnen, stell­te sei­nen Ri­cken­ba­cker-Bass auf sein Ge­stell, das er in der Ecke hatte ste­hen las­sen, und ließ sich mit einem Seuf­zer in den über­gro­ßen schwar­zen Ses­sel in der Ecke fal­len. „Sie weiß, was sie kann. Wenn sie be­reit ist, etwas zu tun, tut sie es auch.“
„Red kei­nen Scheiß, Skeet“, sagte Tony. „Mach un­se­re Be­geis­te­rung nicht ka­putt.“
„Das mache ich nicht. Ich will nur mei­nen Stand­punkt ver­deut­li­chen.“
Be­sag­ter Stand­punkt war, dass es an der Zeit war, an die bes­se­ren Gigs in Dal­las zu kom­men. Na­tür­lich brauch­te man dafür Kon­tak­te, und Öf­fent­lich­keits­ar­beit war nicht ge­ra­de Liz­zys Stär­ke.
Genau ge­nom­men waren Men­schen ganz all­ge­mein nicht ihre Stär­ke. „Es be­steht kein Grund dazu, ihn deut­lich zu ma­chen. Ich blei­be nicht ab­sicht­lich in sol­chen Bars. So­bald ich bei die­sen bes­se­ren Ver­an­stal­tungs­or­ten auch nur einen Fuß in die Tür be­kom­me, schla­ge ich zu.“
„Drei Pro­mo­ter haben dich an­ge­spro­chen in ge­nau­so vie­len Wo­chen“, er­wi­der­te Skeet. „Wenn du einen Fuß in die Tür be­kom­men willst, musst du auch mit ihnen reden.“
„Und ich habe dir ge­sagt: Rex und ich küm­mern uns darum.“
„Rex ist ein guter Kerl und ein ver­dammt tol­ler Kum­pel, aber er ist weder ein Pro­mo­ter noch ein Ma­na­ger. Er ist ein Schwei­ßer und Künst­ler.“
„Er ist auch ver­trau­ens­wür­dig und zieht uns nicht über den Tisch.“
„Skeet.“ D war nicht der Cha­ris­ma­tischs­te in der Grup­pe, aber wenn er diese leise, grol­len­de Stim­me be­nutz­te, hiel­ten die Leute die Klap­pe und hör­ten zu. „Lass es sein.“
„Stim­mungs­kil­ler“, fügte Tony hinzu.
Lizzy grins­te und holte ihr Handy aus ihrer Hand­ta­sche. Trotz der gan­zen Kom­men­ta­re von Skeet wuss­te sie, dass er es gut mein­te und die glei­chen Dinge woll­te wie sie. Ver­dammt, sie woll­te sie ver­mut­lich drei­ßig Mal drin­gen­der. Wäh­rend der Rest der Jungs an­de­re Jobs hatte, die dabei hal­fen, die Rech­nun­gen zu zah­len, in­spi­rier­te ihre Kas­sie­rer­tä­tig­keit beim orts­an­säs­si­gen Aldi sie nicht be­son­ders. „Es wird weit­aus mehr brau­chen als Skeets Drän­gen, bes­se­re Auf­trit­te zu or­ga­ni­sie­ren, um heute Abend meine Be­geis­te­rung zu dämp­fen.“
Sie sah auf ihr Handy und die un­ge­le­se­ne Nach­richt, die auf ihrem Sperr­bild­schirm zu lesen war.

Rex: Muss Über­stun­den ma­chen. Ich ver­su­che, es zu schaf­fen, aber falls nicht, musst du mit Arsch­loch Vic selbst klar­kom­men.

Okay, das war ein Stim­mungs­kil­ler.
Sie ent­sperr­te ihr Handy und öff­ne­te ihre Nach­rich­ten­app.
Nein. Es blieb immer noch die­sel­be be­schis­se­ne Nach­richt.
„Was?“ Tony, der immer noch seine Drum­sticks hielt, kam näher und ver­renk­te sich den Kopf, um auf ihr Handy bli­cken zu kön­nen.
Lizzy schal­te­te das Handy aus, dreh­te ihm den Rü­cken zu und warf es zu­rück in ihre Hand­ta­sche, bevor er den Text lesen konn­te. Das Ein­zi­ge, was schlim­mer wäre, als wenn Lizzy sich um Arsch­loch Vic – auch be­kannt als Bar­be­sit­zer – küm­mern muss­te, wäre, Skeet, Tony oder D zu schi­cken, um ihr Geld ab­zu­ho­len. Gott wuss­te, dass sie das ein- oder zwei­mal pro­biert hat­ten und da­nach nie wei­te­re Auf­trit­te hat­ten bu­chen kön­nen. „Nichts. Ich muss mich nur um etwas küm­mern.“ Sie be­müh­te sich um einen neu­tra­len Ge­sichts­aus­druck und dreh­te sich zu ihnen um. „Ich rech­ne mal mit Vic ab.“
D ki­cher­te, streck­te seine lan­gen Beine in den Stie­feln vor sich aus und über­kreuz­te sie an den Knö­cheln. „Ich schät­ze, das er­klärt den Blick.“
„Wel­chen Blick?“ Sie sah zu Tony, dann zu Skeet. „Ich habe kei­nen Blick.“
„Oh doch, hast du“, sagte Tony. „Als ob du einen Furz un­ter­drü­cken und dem nächs­ten Men­schen an die Gur­gel gehen wür­dest, der dich davon ab­hält, ir­gend­wo hin­zu­kom­men, wo du al­lein bist und ihn raus­las­sen kannst.“
„Du hast ein echt be­schis­se­nes Po­ker­face, Püpp­chen.“ Skeet zün­de­te eine Zi­ga­ret­te an, die er im Ge­bäu­de gar nicht hätte rau­chen dür­fen, und at­me­te, be­glei­tet von einem lei­sen La­chen, eine rie­si­ge Wolke aus. „Siehst du lang­sam ein, wieso es prak­tisch wäre, je­man­den mit einem Händ­chen für zwi­schen­mensch­li­che Be­zie­hun­gen zu haben?“
„Ich sehe lang­sam ein, dass der­je­ni­ge, dem ich heute Abend an die Gur­gel gehen muss, du bist.“ Sie ver­such­te, wie die star­ke Frau zu klin­gen, die sie auf der Bühne dar­stell­te, aber ihr Mund­win­kel hob sich zu einem Lä­cheln, das sie nicht un­ter­drü­cken konn­te. Sie ging an ihm vor­bei und boxte ihm mit einer glei­cher­ma­ßen lah­men Er­wi­de­rung gegen die Schul­ter. „Wenn ich in einer Vier­tel­stun­de nicht wie­der hier bin, über­prüft mal, ob ich wegen ver­such­ten Mor­des von der Po­li­zei ab­ge­holt wor­den bin.“
Un­ge­fähr drei Schrit­te hin­ter dem Tür­rah­men wurde ihr Ge­läch­ter von dem Chaos der Menge, die noch hier war, und dem üb­li­chen Raus­schmei­ßer „Sweet Home Ala­ba­ma“ über­tönt. Was Bars be­traf, war The Crow nicht die übels­te, in der Lizzy ge­spielt hatte. Das eben­er­di­ge Ge­bäu­de war frei ste­hend und groß genug, um eine or­dent­li­che Menge an Leu­ten an­zu­zie­hen – was not­wen­dig war, wenn ein Groß­teil der Gage aus einem An­teil des Ein­tritts­gel­des be­stand. Au­ßer­dem gin­gen die Tür­ste­her hier nicht da­zwi­schen, außer mehr als zwei Paar Fäus­te waren be­tei­ligt, und man woll­te den In­nen­be­reich nicht sehen, wenn die Lich­ter an­gin­gen. Die ver­schramm­ten Ti­sche und Fle­cken auf dem Boden, die von der Ne­on­re­kla­me für Bier­sor­ten be­leuch­tet wur­den, reich­ten voll­kom­men, vie­len Dank.
Lizzy wich einer Grup­pe von drei Frau­en aus, die einen ein­zel­nen Mann um­zin­gelt hat­ten, der von sei­nem Flü­gel­mann un­ge­schützt zu­rück­ge­las­sen wor­den war, und stol­per­te fast auf den zehn Zen­ti­me­ter hohen Ab­sät­zen ihrer Stie­fel.
An einem der vie­len schwar­zen Pubti­sche be­fand sich ein Mann, der die Vor­her­sag­bar­keit des rest­li­chen Rau­mes kom­plett auf den Kopf stell­te. Er hatte die Füße leicht ge­spreizt, was lo­cker und zu­gleich selbst­be­wusst wirk­te, und trug eine gut ge­schnit­te­ne Hose und ein ge­bü­gel­tes wei­ßes Hemd, des­sen Ärmel er hoch­ge­rollt hatte, wo­durch seine mus­ku­lö­sen Un­ter­ar­me sicht­bar wur­den. Er sah aus, als ob er ge­ra­de end­lo­sen Ver­hand­lun­gen in einem Be­spre­chungs­zim­mer ent­flo­hen wäre. Bei sei­ner Größe und der Brei­te sei­ner Schul­tern war alles, was er trug, ver­mut­lich maß­ge­schnei­dert. Aber wäh­rend seine Klei­dung das kom­plet­te Ge­gen­teil von dem war, was alle an­de­ren hier an­hat­ten, folg­ten sein lan­ges rost­brau­nes Haar und der Bart nicht der Vor­schrift, wie ein Ge­schäfts­mann aus­zu­se­hen hatte, und seine schar­fen Ge­sichts­zü­ge spra­chen von einer Le­bens­er­fah­rung, die er sich auf die här­tes­te Weise über­haupt hatte an­eig­nen müs­sen.
Ein mäch­ti­ger Mann. Je­mand, der mit nur einem Blick Auf­merk­sam­keit ver­lan­gen konn­te.
Und jedes biss­chen sei­ner Auf­merk­sam­keit war auf sie ge­rich­tet.
Ein ganz neues Krib­beln mach­te sich in ihr breit, und ihre Schrit­te wur­den lang­sa­mer. Ihre Hüf­ten schwan­gen mit einer se­xu­el­len Be­wusst­heit, die sie seit Jah­ren nicht mehr emp­fun­den hatte, wäh­rend sie sich durch die Menge zwi­schen ihr und der Bar vor­a­n­ar­bei­te­te.
„Heute sind nicht viele Leute da.“ Vics raue und zu­gleich nör­geln­de Stim­me riss ihren Fokus ge­ra­de noch recht­zei­tig von dem Frem­den los, damit sie nicht in einen Tisch lief, der ihr di­rekt im Weg stand. Es dau­er­te eine Se­kun­de, ihn hin­ter der Bar aus­zu­ma­chen, halb ver­bor­gen in den Schat­ten in einer Ecke, so­dass er die Zwan­zi­ger ab­zäh­len konn­te. „Hat auch nicht ge­hol­fen, dass du mit dem letz­ten Set zu spät an­ge­fan­gen hast. Wir haben fünf große Ti­sche ver­lo­ren, wäh­rend wir dar­auf ge­war­tet haben, dass du und deine Jungs wie­der an die Ar­beit gehen.“
Nicht viele Leute. Ja, klar. Jeder ein­zel­ne Tisch war voll ge­we­sen bis zu ihrem letz­ten Lied, und die Kell­ne­rin­nen waren die ganze Zeit un­ter­wegs ge­we­sen, seit Lizzy ihren Ver­stär­ker ein­ge­schal­tet hatte. Al­ler­dings war Vic ein mie­ser Dreck­sack ers­ter Güte und tat immer so, als ob die kom­plet­te ver­damm­te Welt es auf ihn ab­ge­se­hen hätte, wäh­rend es in Wahr­heit so war, dass er es dar­auf ab­ge­se­hen hatte, jeden an­de­ren aufs Kreuz zu legen.
Sie schob den un­glaub­lich hei­ßen Kerl aus ihrem Kopf und legte den Rest der Ent­fer­nung mit einem Schritt zu­rück, der hof­fent­lich ent­spannt aus­sah. „Das Ein­zi­ge, was du heute Abend ver­lo­ren hast, waren un­ge­fähr hun­dert Mäuse in Fireb­all-Whis­key­li­kö­ren.“
Vic hielt beim Zäh­len inne und be­äug­te sie mit einer er­ho­be­nen Au­gen­braue.
Einen Au­gen­blick lang über­leg­te Lizzy, sich wie Rex auf einen Bar­ho­cker zu set­zen, um zu zei­gen, dass sie be­reit war für eine Un­ter­hal­tung, aber dann er­in­ner­te sie sich an Skeets Kom­men­tar be­züg­lich ihres be­schis­se­nen Po­ker­face und ver­warf die Idee wie­der. „Oh, komm schon. Du hast jeder Frau, die mehr als fünf Mi­nu­ten mit dir ge­spro­chen hat, einen Drink aus­ge­ge­ben.“
Vic und sein zer­brech­li­ches Ego. Ihm dabei zu­zu­se­hen, wie er seine Brust wie ein wü­ten­der Pa­vi­an vor­streck­te und schnau­fend und prus­tend nach einer guten Er­wi­de­rung such­te, war äu­ßerst un­ter­halt­sam. „Frau­en hier zu be­hal­ten, ist zu­träg­lich fürs Ge­schäft. Wenn meine Band die Leute nicht fes­seln kann, tue ich, was not­wen­dig ist.“
„Mann, du kannst viel über heute Abend sagen, aber dass wir die Leute nicht hät­ten fes­seln kön­nen, ge­hört nicht dazu. Jeder Tisch war be­setzt, bis weit nach­dem wir von der Bühne ge­gan­gen sind.“
Vic grunz­te und warf einen un­or­dent­li­chen Hau­fen Zwan­zi­ger vor sie auf die Bar. „Hier ist dein Geld.“
Der zu fla­che Sta­pel zer­knit­ter­ter Schei­ne wirk­te lä­cher­lich auf der schwar­zen Theke. „Das ist das Grund­ge­halt. Dazu kom­men noch drei­ßig Pro­zent vom Ein­tritt.“
„Drei­ßig Pro­zent vom Ein­tritt, wenn das Haus voll ist. Voll be­deu­tet, dass die Leute hier­blei­ben und nicht auf­ste­hen und gehen, bevor der Abend vor­bei ist. Wenn ich mich auf Fireb­alls ver­las­sen muss, um das zu er­rei­chen, was du und deine Band nicht schaf­fen, ist der Deal nich­tig.“
Genau das war der Grund, wes­halb sie es hass­te, mit Arsch­loch Vic Ge­schäf­te zu ma­chen. Oder mit Men­schen all­ge­mein. Rex hätte sein zer­brech­li­ches männ­li­ches Ego nicht an­ge­kratzt. Ver­dammt, sogar das klei­ne Mäd­chen, das mit der al­lein­er­zie­hen­den Mut­ter neben Lizzy wohn­te, hätte das bes­ser ge­hand­habt. „Das ist Bull­s­hit, und das weißt du. Bei un­se­ren Bu­chun­gen hat­ten wir nie so eine Klau­sel drin, und selbst wenn … Die Leute sind ge­blie­ben.“
„Nennst du mich jetzt einen Auf­rei­ßer und einen Lüg­ner?“
Fuck.
Lizzy zwang sich, nicht her­um­zu­zap­peln, und biss die Zähne zu­sam­men, um sich eine gute, alt­mo­di­sche An­wei­sung zu ver­knei­fen, wohin das Arsch­loch sich seine An­schul­di­gun­gen ste­cken konn­te. Rück­bli­ckend wäre viel­leicht Skeet doch die bes­se­re Wahl ge­we­sen, das Geld ab­zu­ho­len, denn sie dach­te ge­ra­de dar­über nach, dass es sehr un­ter­halt­sam sein könn­te, je­man­dem an die Gur­gel zu gehen. Und das, ob­wohl sie noch nie in ihrem Leben ge­walt­tä­tig ge­wor­den war.
Sie hatte keine Ah­nung, wie sie sich aus die­sem selbst ge­gra­be­nen Loch wie­der ret­ten konn­te, ohne eine wei­te­re Bar zu ver­lie­ren, in der sie spie­len konn­ten. Sie öff­ne­te den Mund, um mit der Scha­dens­be­gren­zung zu be­gin­nen, er­starr­te aber, weil sich eine krib­beln­de Vor­ah­nung in ihr breit­mach­te. Hin­ter ihr.
„Um Vier­tel vor eins hat Ihr Mann an der Tür immer noch Köpfe ge­zählt, die hin­ein und hin­aus ge­gan­gen sind.“ Die tiefe mas­ku­li­ne Stim­me mit dem Hauch eines schot­ti­schen Ak­zents er­reg­te einen Au­gen­blick lang ihre Auf­merk­sam­keit, bevor der kräf­tig ge­bau­te GQ-Mann, den sie auf ihrem Weg durch den Raum be­äugt hatte, neben ihr auf­tauch­te. Er stell­te sein lee­res Whis­ky­glas auf die Theke. Ob­wohl er Vic ein freund­li­ches Lä­cheln zu­warf und seine Hal­tung äu­ßer­lich ent­spannt wirk­te, strahl­te seine Ge­gen­wart eine ge­wis­se Härte aus. Eine töd­li­che Her­aus­for­de­rung, die durch seine lo­cke­re Fas­sa­de kaum ver­bor­gen wurde. Als er wie­der das Wort er­griff, war sein Ton­fall ge­nau­so selbst­si­cher und ruhig wie zuvor, aber die War­nung darin war nicht zu über­hö­ren. „Es gibt kei­nen Grund, das zu tun, außer man macht sich Sor­gen, es könn­ten zu viele Leute rein­kom­men, nicht wahr?“
„Wer zum Teu­fel sind Sie?“ Ty­pisch Vicen­te. Keine Ah­nung und ein­fach un­höf­lich.
Der mys­te­riö­se Mann hatte sich, ohne sich vor­zu­stel­len, in ihre An­ge­le­gen­hei­ten ein­ge­mischt, aber sie muss­te zu­ge­ben, dass sie sich be­reits Ähn­li­ches ge­dacht hatte. Bevor sie das je­doch sagen konn­te, schob der Frem­de sein Glas ein wenig dich­ter an Vic heran, holte ein Geld­bün­del aus der Ho­sen­ta­sche und zog ein paar Hun­der­ter her­aus.
„Ich bin der­je­ni­ge, der dafür sorgt, dass Sie sich an den Deal hal­ten, den Sie bei der Bu­chung ge­macht haben. Das Grund­ge­halt ist üb­li­cher­wei­se fünf­hun­dert Dol­lar plus drei­ßig Pro­zent vom Ein­lass.“
Dies­mal wäre es Lizzy ge­we­sen, die sich mit einem „Was zum Teu­fel?“ ein­ge­mischt hätte, aber bevor sie ge­nü­gend Luft ge­holt hatte, um die Frage zu stel­len, hatte ihr mys­te­riö­ser und wirk­lich har­ter Kerl und Hel­fer den Kopf ge­dreht und ihr einen Blick zu­ge­wor­fen, der ihr die Worte im Hals ste­cken blei­ben ließ.
Genau ge­nom­men war es kein schlim­mer Blick. Ja, darin lag eine ganze Menge Be­fehls­ge­wohn­heit, aber er war auch be­ru­hi­gend. Ein un­aus­ge­spro­che­nes Ver­spre­chen, dass sie für ihr Ver­trau­en Schutz und Be­loh­nung er­war­ten könn­te.
Ver­dammt. Da­durch löste sich der Kno­ten der An­span­nung, der ihr In­ne­res ge­quält hatte, weit genug, dass sie zum ers­ten Mal, seit sie Rex’ Nach­richt ge­le­sen hatte, einen tie­fen Atem­zug ma­chen konn­te.
Der Mund des Frem­den deu­te­te ein Lä­cheln an. Eine sub­ti­le An­er­ken­nung ihrer Ant­wort und der Zu­stim­mung. Und … wow. Da­durch woll­te sie fast noch mehr her­um­stol­zie­ren, wie wenn sie auf der Bühne stand.
Es war ver­rückt. Voll­kom­men irr­sin­nig und ver­rückt. Wes­halb sie ihm schon bei­na­he aus Prin­zip sagen woll­te, wohin er sich ver­zie­hen solle.
Aber bevor sie das tun konn­te, sah er wie­der zu Vic und warf sein Geld auf den Tre­sen. „Das hier be­gleicht meine Rech­nung.“ Er nick­te in Rich­tung der Kell­ne­rin, die ge­ra­de ein paar Män­nern hin­ter­he­reil­te, die ver­mut­lich ihre ei­ge­ne Zeche prel­len woll­ten. „Sie weiß schon, wel­che es ist.“ Er hielt lang genug inne, um den Kopf etwas zu nei­gen. „Und wer­den Sie jetzt das Rich­ti­ge tun und Eliz­a­beth das be­zah­len, was sie wert ist? Oder wol­len Sie sie nie wie­der bu­chen und sich damit selbst die Leute ent­ge­hen las­sen, die sie jedes Mal, wenn sie hier ge­spielt haben, an­ge­lockt haben?“
Was. Zum. Teu­fel. Noch. Eins.
Wer war die­ser Kerl, und woher wuss­te er, wie gut sie hier an­ge­kom­men waren? Ganz zu schwei­gen davon, dass nie­mand sie Eliz­a­beth nann­te. Nicht mal ihre El­tern, und die waren es ge­we­sen, die die­sen ver­damm­ten Namen aus­ge­sucht hat­ten, was nur zeig­te, wie schlecht er zu ihr pass­te. Sie räus­per­te sich und rich­te­te sich so ge­ra­de wie mög­lich auf, be­reit, die Kon­trol­le wie­der zu über­neh­men. Mit ihren knapp über eins sieb­zig und den zehn Zen­ti­me­ter hohen Stie­feln, die ihr bis zu den Ober­schen­keln reich­ten, wären die meis­ten schon al­lein wegen ihrer Größe etwas vor ihr zu­rück­ge­wi­chen.
Aber die­ser Kerl? Er war immer noch fünf bis zehn Zen­ti­me­ter grö­ßer als sie und kam ihr statt­des­sen ein wenig näher. Als ob sie sich nur des­halb be­wegt hätte, weil sie sich un­be­hag­lich fühl­te, und er be­reit wäre, zwi­schen sie und Vic zu tre­ten.
„Be­zah­len Sie die Lady. Es gibt kei­nen Grund, das hier aus­zu­deh­nen, wenn Sie wis­sen, dass das der rich­ti­ge Schritt ist. Falls nicht, be­rau­ben Sie sich nicht nur einer guten Band, son­dern an­de­re wer­den her­aus­fin­den, was Sie getan haben, und es sich zwei­mal über­le­gen, bevor sie hier spie­len.“
Vics Ge­sichts­far­be wech­sel­te zu einem in­ten­si­ven Rot, das nicht mal das schumm­ri­ge Licht ver­ber­gen konn­te, und er mach­te eines die­ser miss­mu­ti­gen Ge­räu­sche, die ein Fies­ling von sich gab, wenn er sich in eine Ecke ge­drängt sah. Er starr­te Lizzy an. „Ein Rat­schlag von mir. Dein neuer Kerl hier hat den Grips eines Schlä­gers. Falls du wei­ter Auf­trit­te haben willst, nimm wie­der Rex als Mit­tels­mann. Mit die­sem Arsch­loch hier wird kei­ner Ge­schäf­te ma­chen wol­len.“ Er öff­ne­te die Kasse, schnapp­te sich einen Sta­pel vor­ge­zähl­ter Schei­ne und warf ihn neben den ers­ten Sta­pel, den sie immer noch nicht an­ge­rührt hatte. „Elf­hun­dert. Dein An­teil vom Ein­tritts­geld.“ Er sah zu­rück zu dem Mann neben ihr, dann er­neut zu Lizzy. „Lass mich wis­sen, was du mit die­sem Arsch­loch vor­hast, und ich gebe dir Be­scheid, ob dein Auf­tritt im Juli noch ge­plant ist.“
Damit schlug er die Kasse wie­der zu und mar­schier­te davon.
Lizzy sah ihm nach.
Und war­te­te.
Und ver­such­te hel­den­haft, die Mi­schung aus Wut, Be­wun­de­rung und ech­ter Angst, die sich in ihr auf­bau­te, nicht auf den schein­bar un­be­ein­druck­ten Mann neben ihr über­schwap­pen zu las­sen. Sie schaff­te es, bis Vic und sein fla­cher Arsch im hin­te­ren Büro ver­schwan­den. Es war ein Wun­der, dass ihre ers­ten Worte über­ra­schend zu­rück­hal­tend waren. „Sagen Sie mir bitte, dass Sie ein Freund von Rex sind und kein Frem­der, der nicht nur seine Nase in meine An­ge­le­gen­hei­ten ge­steckt hat, son­dern ge­nü­gend Ah­nung von mei­nen En­ga­ge­ments hat, dass es mir wirk­lich un­an­ge­nehm ist.“
Dies­mal war das Lä­cheln, das er ihr zu­warf, nicht nur eine An­deu­tung, son­dern der Über­mut, der sich in der Wöl­bung sei­ner vol­len Lip­pen ver­barg, war so stark, dass er selbst die hart ge­sot­tens­te Frau wie ein klei­nes Mäd­chen ki­chern las­sen würde. „Ich kenne nie­man­den na­mens Rex, Mädel, daher müs­sen wir wohl Tür Num­mer zwei neh­men. Aber an dei­ner Stel­le würde ich mir über die Tat­sa­che, dass ich weiß, wie viel Gage du für euren Auf­tritt be­kom­men hast, keine grau­en Haare wach­sen las­sen. Vic ist nicht ge­ra­de für seine Krea­ti­vi­tät be­kannt. Jede Band, die diese Be­zeich­nung ver­dient, er­hält den­sel­ben Deal.“
„Und Sie wis­sen über Bands und ihre ak­tu­el­len Ver­gü­tun­gen Be­scheid, weil …?“
„Weil Musik mein Me­tier ist und ich Bar­be­sit­zer kenne.“ Er stell­te sich ihr di­rekt ge­gen­über und streck­te die Hand aus. „Axel McKee.“
Ver­dammt, die Stim­me die­ses Man­nes war eine Waffe. In­ten­siv, tief und umso be­tö­ren­der wegen sei­nes Ak­zents. Aber das war nichts im Ver­gleich zu sei­ner Prä­senz. Oder zu der rei­nen, mas­ku­li­nen En­er­gie, die er aus­strahl­te, und der über­ra­schen­den Kon­zen­tra­ti­on in sei­nen strah­lend grü­nen Augen.
Er hielt ihr wei­ter­hin die Hand ent­ge­gen und war­te­te ge­dul­dig dar­auf, dass sie sein An­ge­bot an­nahm.
Es war, als ob sie an einer Weg­kreu­zung stün­de und ihre Ent­schei­dung ihre Zu­kunft be­ein­flus­sen würde. Woher sie das wuss­te, war ihr nicht klar, aber sie spür­te es bis tief in ihre Kno­chen. In­tui­tiv wurde ihr die Be­deut­sam­keit der Si­tua­ti­on be­wusst, so wie ein Beu­te­tier ein Raub­tier er­kann­te, von wel­chem es als Ziel aus­er­ko­ren wor­den war.
Und den­noch … Statt weg­zu­lau­fen, hob sie ihre Hand und drück­te ihre Hand­flä­che gegen seine.
Oh. Ver­damm­ter. Mist.
Ein Schau­dern, das sie beim bes­ten Wil­len nicht hätte un­ter­drü­cken kön­nen, er­fass­te sie, und ihr Atem stock­te so sub­til wie der einer Frau, die zum ers­ten Mal die Lip­pen eines Man­nes auf ihrem Na­cken spür­te.
Seine Fin­ger schlos­sen sich um ihre. Es war ein ein­deu­ti­ger Be­weis, dass er ihre Re­ak­ti­on ge­fühlt und be­merkt hatte, was ihr schon an sich hätte pein­lich sein müs­sen. Statt­des­sen emp­fand sie die stär­ke­re Ver­bin­dung wie einen Anker wäh­rend eines Tor­na­dos.
„Lizzy Hem­ming.“ Das Zit­tern in ihrer Stim­me und die dar­aus re­sul­tie­ren­de sexy Rau­heit weck­ten ihren aus­ge­präg­ten Selbst­er­hal­tungs­trieb und sie ent­zog ihm un­ge­lenk und ab­rupt ihre Hand. „Aber das wis­sen Sie ja schein­bar schon.“
„Jeder in die­ser Bar kennt dei­nen Namen.“
„Kor­rekt, al­ler­dings sah sich kei­ner von ihnen dazu in­spi­riert, her­über­zu­kom­men und das Ein­kom­men mei­ner Band zu ris­kie­ren.“
Sein Lä­cheln war wirk­lich töd­lich. Prompt und vol­ler Schalk. „Vic ist ein Idiot, aber auch nicht voll­kom­men dumm. Sein An­teil am Ein­tritts­geld hat dank dir al­lein eine Woche Lohn für die Hälf­te sei­ner An­ge­stell­ten ab­ge­deckt. Und da er seine Bar­kee­per da­hin­ge­hend trai­niert hat, dass sie den Leu­ten bei den Drinks we­ni­ger ein­schen­ken, es aber sehr viele Gäste waren, hast du für tief­schwar­ze Zah­len für den Rest des Mo­nats ge­sorgt. Das Letz­te, was pas­sie­ren wird, ist, dass du einen Gig hier ver­lierst.“ Er neig­te den Kopf, ge­nau­so wie er es bei Vic getan hatte, al­ler­dings lag dies­mal nichts Ge­fähr­li­ches in sei­nem Blick. „Okay, falls du so weit bist, Auf­trit­te wie die­sen hier nicht län­ger an­zu­neh­men, wird das hier eine ganz an­de­re Un­ter­hal­tung.“
Alles in ihr, das aus frü­he­ren Er­fah­run­gen ge­lernt hatte, ließ ihre Alarm­glo­cken schril­len, und zwar so laut, dass sie fast zu­sam­men­zuck­te. Was Ein­füh­run­gen be­traf, war das eine sehr ge­schmei­di­ge, aber sie hatte auf die harte Tour er­fah­ren müs­sen, was es einem ein­brach­te, wenn man Süß­holz­ras­plern zu­hör­te. Be­son­ders den heiß aus­se­hen­den. „Woher genau ken­nen Sie Vic, ob­wohl er Sie nicht kennt? Und was mei­nen Sie damit, Sie wür­den sich mit Musik aus­ken­nen?“
„Ich kenne Vic, weil er – egal, ob er ein schlech­ter Ge­schäfts­mann ist oder nicht – gute Bands bucht, und ich habe es mir auf die Fah­nen ge­schrie­ben, gute Musik in und um Texas im Auge zu be­hal­ten. Ich kenne mich mit Musik aus, weil ich sie liebe. Schon mein gan­zes Leben lang.“
„Wes­halb haben Sie es sich auf die Fah­nen ge­schrie­ben?“
Sein Ge­sichts­aus­druck än­der­te sich, und er strahl­te eine Ge­ris­sen­heit aus, die ihr das Ge­fühl ver­mit­tel­te, er hätte ganz ein­fach all ihre Schil­de über­wun­den und die Frau da­hin­ter be­trach­tet. „Du bist eine Frau, die sehr vor­sich­tig ist, Eliz­a­beth. Warum?“
„Nie­mand nennt mich Eliz­a­beth. Das passt nicht. Hat es auch nie.“
Ein Blick. Skru­pel­lo­se Ent­schlos­sen­heit blitz­te in sei­nen Augen auf und seine Lip­pen wirk­ten kom­pro­miss­los streng. „Der Name passt per­fekt. Du hast nur Angst, ihn zu be­nut­zen.“ Er er­wi­der­te ihren Blick einen Au­gen­blick län­ger, wie um si­cher­zu­stel­len, dass sie seine Worte deut­lich ge­hört hatte, dann sprach er wei­ter. „Vic ist be­kannt für das, was er ge­ra­de mit dir ab­ge­zo­gen hat. Als ich mit­ge­kriegt habe, wie er es heute Abend ver­sucht hat und wie frus­triert deine Stim­me klang, bin ich ein­ge­schrit­ten, weil mich Ty­ran­nen ver­dammt sauer ma­chen.“
„Ich hätte das schon hin­be­kom­men.“
„Klar, hät­test du. Aber du hasst es, so was zu tun. Das wuss­te ich in dem Mo­ment, in dem du auf­ge­hört hast, mich an­zu­se­hen, und deine Auf­merk­sam­keit ihm zu­ge­wandt hast. Au­ßer­dem hät­test du mir damit die Ge­le­gen­heit ge­nom­men, ihm or­dent­lich eins rein­zu­wür­gen.“
Er schob eine Hand in die Ta­sche und zog ein schma­les Etui aus schi­ckem hell­brau­nen Leder her­vor, aus dem er eine Vi­si­ten­kar­te nahm. „Ich bin Ge­schäfts­mann. Ich habe die Fin­ger in mehr Be­rei­chen, als ich manch­mal selbst zäh­len kann, aber der, der mich am meis­ten in­ter­es­siert, ist die Musik, weil ich sie liebe. Ich habe dir und dei­ner Band eine Weile zu­ge­se­hen und finde, dass du ein un­glaub­li­ches Ta­lent be­sitzt. Der Trick ist, das Beste dar­aus zu ma­chen, indem man die Sa­chen, die du gut kannst, ma­xi­miert und sich sonst mit Men­schen um­gibt, die sich um die Dinge küm­mern, die du nicht kannst.“ Er reich­te ihr die Karte, und sein Blick war so kraft­voll, dass ihr schon das Atmen schwer­zu­fal­len schien. „Denk dar­über nach. Wenn du dich ent­schei­dest, die Zug­brü­cke weit genug zu sen­ken, um zu reden, kannst du mich hier­über er­rei­chen.“
Mit einem Grin­sen, das fast selbst­ge­fäl­lig war, neig­te er das Kinn und ging mit der­sel­ben Selbst­si­cher­heit in Rich­tung Aus­gang, die er von der Se­kun­de an aus­ge­strahlt hatte, in der sie ihn ge­se­hen hatte.
Was war denn das ge­ra­de ge­we­sen?
Der Ge­dan­ke kreis­te in ihrem Kopf, an­ge­trie­ben von einer frus­trie­ren­den Mi­schung aus Ver­lan­gen, Wert­schät­zung und Wut, die über­haupt kei­nen Sinn ergab. Ver­mut­lich hätte sie ewig dort ge­stan­den, wenn der Klang von Schrit­ten hin­ter ihr und Rex’ Rau­cher­stim­me sie nicht aus ihrer Tran­ce ge­ris­sen hätte. „Hey, Klei­ne. Wer war das?“
Sie stell­te sich dem Freund, den sie schon fast ihr gan­zes Leben lang hatte, und ver­such­te nicht ein­mal, ihren ver­mut­lich dümm­li­chen Ge­sichts­aus­druck zu ver­ber­gen. Rex mit sei­nem grau­en Haar, das ihm bis un­ters Kinn reich­te, dem ver­blass­ten Nir­va­na-T-Shirt und den noch ab­ge­tra­ge­ne­ren Jeans war der voll­kom­me­ne Ge­gen­satz zu dem Mann, der ge­ra­de weg­ge­gan­gen war. Viel un­ver­fälsch­ter als GQ. Aber al­lein ein Blick auf seine müde Miene half ihr dabei, wie­der in die Rea­li­tät zu­rück­zu­fin­den und tief ein­at­men zu kön­nen.
Sie sah auf die Karte, die sie fest zwi­schen den Fin­gern hielt, und dann zu­rück zur Tür. „Ich habe keine Ah­nung. Aber du kannst dei­nen Arsch drauf ver­wet­ten, dass ich es her­aus­fin­den werde.“

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