Contract: Dunkles Verlangen

Erschienen: 12/2014
Serie: Contract
Teil der Serie: 2

Genre: Contemporary Romance
Zusätzlich: Millionärsromanze

Location: USA, New York

Seitenanzahl: 324


Erhältlich als:
paperback & ebook

ISBN:
Print: 978-3-86495-133-6
ebook: 978-3-86495-134-3

Preis:
Print: 12,90 €[D]
ebook: 6,99 €[D]

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Contract: Dunkles Verlangen


Inhaltsangabe

Die leidenschaftliche Beziehung zwischen Nick und Nia wird immer wieder von Nias Eifersucht überschattet. Vor allem die ständige Präsenz seiner PR-Expertin Yuno lässt sie nicht zur Ruhe kommen. Erst als sie Nicks Wohltätigkeitsorganisation SOC unterstützt und in der netten Sozialarbeiterin Lucy Ramos eine Freundin findet, scheint sich Nias Leben wieder zu normalisieren. Zumindest bis Nias Ex-Verlobter Grayson Capwell in New York auftaucht.
Ein gewaltiger Sturm aus Eifersucht, Zweifeln und enttäuschten Erwartungen entlädt sich über ihrer Ehe, bis Nia nicht mehr weiß, wem sie noch vertrauen kann …

Über die Autorin

Die Autorin wurde 1977 in einer schwäbischen Kleinstadt geboren und lebt heute glücklich mit Mann und Kind in einem idyllischen Dörfchen nahe der Donau. Lange Jahre arbeitete sie als Erstkraft in der Parfümerie einer Einzelhandelskette. Ein Beruf, den sie für...

Weitere Teile der Contract Serie

Leseprobe

Das Büro von SOC befand sich im Community District von Brooklyn. Ein nicht ganz ungefährliches Pflaster, ein Grund, warum Nick darauf bestand, dass ich niemals die U-Bahn nahm, wenn ich der Foundation einen Besuch abstattete. Da er mich nur hinbringen würde, um mich persönlich vorzustellen, sollte ich ein Taxi zurück nach Hause nehmen. Letzteres akzeptierte ich zähneknirschend, aber da er mir versichert hatte, er würde vor Sorgen umkommen, wenn ich dort mutterseelenallein durch die Gegend lief, lenkte ich ein, auch um unsere neu entdeckte Harmonie nicht wegen eines albernen Streits zu gefährden.
Während ich recht unruhig neben ihm saß und...

...sein perfektes Profil mit der römischen Nase und den hohen Wangenknochen bewunderte, und natürlich auch den sinnlichen Schwung seiner Unterlippe, konnte mein Verstand nur schwer erfassen, dass er genauso verrückt nach mir sein sollte wie ich nach ihm.
Er wirkte immer so verdammt selbstsicher, strahlte Ruhe und Kraft aus, egal was er anpackte. Das zog mich magisch an. Erfolg machte eben sexy und Nick war auch darin unschlagbar. Mein Blick streifte seine schlanken Hände auf dem Lenkrad. Seine Finger schmiegten sich fest um das genähte Leder, völlig gelöst kutschierte er uns durch den dichten New Yorker Verkehr und er sah aus, als wäre er mit sich und der Welt im Reinen.
Auf einmal drehte er den Kopf und bemerkte mein Starren. „Du bist nervös“, stellte er fest und unterbrach die Stille zwischen uns. Merkwürdig. Immer wenn ich schweigsam wurde, suchte er den Dialog mit mir. Unangenehm berührt, weil er meinen Gemütszustand zu jeder Zeit so gut einschätzen konnte, verkroch ich mich tiefer im Sitz und streckte die Beine aus. Ich bewegte meine nackten Zehen, was aufgrund meiner Angewohnheit, als Beifahrerin immer die Schuhe auszuziehen, problemlos möglich war. Schließlich seufzte ich resigniert und warf ihm einen raschen Seitenblick zu. „Du merkst aber auch alles. Weißt du, wie nervig das ist?“
Nick grinste erheitert, als er den Frust heraushörte. „Du bist eben ein offenes Buch für mich, Liebes.“
„Schade, dass du in anderen Dingen nicht so hellsichtig bist“, konterte ich und meinte natürlich Yuno damit. Er war nicht sauer, sondern reagierte völlig gelassen auf meinen Seitenhieb, was mich zu einer wirklich kindischen Aktion animierte. Ich streckte ihm die Zunge raus. Er lachte leise und natürlich hatte das umgehende Auswirkungen auf mein Höschen – oder sollte ich sagen auf den Körperteil, der von eben diesem bedeckt wurde.
„Manchmal hasse ich dich, Nicholas Cole“, flüsterte ich erbittert, aber laut genug, damit er es noch hören konnte. Es war ja nicht böse gemeint und er fasste es auch nicht so auf, wie ich anhand seines belustigten Schmunzelns feststellen durfte. Er schien für jede Situation ein spezielles Lächeln abrufen zu können und ich notierte mir im Kopf, mir demnächst eine geistige Galerie für die schier unerschöpfliche Bandbreite einzurichten. Ich vergötterte sein Grinsen. Absolut. Und natürlich war er sich dieser Schwäche bewusst und nutzte das gnadenlos zu seinem Vorteil aus.
„Komm schon, Liebes, du willst mich doch gar nicht anders haben. Stell dir mal vor, ich wäre so durchschaubar und langweilig wie dein Ex-Verlobter Capwell“, meinte er ziemlich selbstzufrieden.
Gray war sicher kein Mensch, mit dem ich jemals wieder Zeit verbringen wollte, aber langweilig war er eigentlich nicht gewesen, sondern die meiste Zeit durchaus unterhaltsam. Das war ja sein Geheimnis, seine Waffe, um die Frauen an der Nase herumzuführen, so wie er es monatelang mit mir gemacht hatte. Aus diesem Grund, und weil ich ihn nicht beunruhigen wollte, kommentierte ich Nicks Einschätzung von Grays Charakter lediglich mit einem nichtssagenden Lächeln und drehte den Kopf zum Seitenfenster, um scheinbar interessiert die Umgebung zu begutachten.
Nick bog gerade von der belebten Washington Street in die deutlich ruhigere York Street ab. Rote Backsteingebäude mit schwarzvergitterten Fenstern reihten sich aneinander. Rechts von uns verlief eine ungefähr drei Meter hohe rote Ziegelmauer, die weiter hinten in eine Brückenunterführung überging. Dieser Wall aus Steinen versperrte die Sicht auf die andere Seite, allerdings war die Gegend sowieso nicht besonders ansprechend und so störte mich dieses Handicap nicht.
Nick parkte seinen BMW am Straßenrand, nur wenige Meter vor einem großen grünen Müllcontainer entfernt. Oben türmte sich schon der Abfall und das roch man auch. Naserümpfend ließ ich das Beifahrerfenster hochfahren, als der widerwärtige Geruch ins Wageninnere strömte. Ich strich glättend über den Rock meines hellblauen Hemdblusenkleides, das ich mit einem weißen Gürtel und dazu passenden weißen Sandaletten kombiniert hatte.
Im Fußraum des Wagens lag meine geräumige Umhängetasche aus einem ähnlich hellen Leder, in der ich problemlos meinen ganzen Hausstand unterbringen könnte, wie Nick immer scherzhaft anmerkte. Er zog gerade den Schlüssel ab und strich sich dann mit dieser für ihn typischen lässigen Geste eine Haarsträhne aus seiner Stirn. Gott, das sah so scharf aus, wenn er das machte. Mir wurde heiß, meine Lippen teilten sich sehnsüchtig und bettelten um einen Kuss.
„Soll ich die Klimaanlage im Wagen noch mal aufdrehen, bevor wir reingehen?“, fragte er und hörte sich an, als könnte er sich nur schwer ein Lachen verkneifen. Empört begegnete ich dem verwegenen Funkeln in seinem Blick. Also wirklich, der Kerl hatte Nerven. Er war doch schuld daran, dass mir so warm wurde, und jetzt zog er mich auch noch damit auf.
„Du bist manchmal ein richtiges Ekel“, tadelte ich würdevoll und lauschte anschließend mit heimlichem Entzücken seinem heiseren Lachen. Es klang immer, als hätte er zu viel Whiskey getrunken. Ein bisschen zu rau, ein bisschen zu tief, aber der Ton traf immer einen geheimen Nerv in meinem Inneren, sodass sich mein Verlangen nach ihm tausendfach verstärkte. Zielsicher fand dieses Sehnen meinen pochenden Schoß und schwappte über auf meinen ganzen Körper, bis keine Stelle, keine Zelle darin davon verschont blieb. Gerade in diesem Augenblick passierte es schon wieder und ich konnte rein gar nichts dagegen machen. Ich war machtlos. Und ich fand es schön.
Um mich abzulenken, beäugte ich skeptisch das Haus, vor dem Nick geparkt hatte. Rein äußerlich sah es nicht viel anders aus als alle anderen. Ungemütlich. Kalt. Wenig einladend. Für einen Moment war ich sogar sicher, dass er sich in der Adresse geirrt haben musste, doch als er sich abschnallte und mich abwartend ansah, hakte ich das gedanklich ab. Wieder schwenkte mein Kopf zum Fenster und ich wusste nicht, was ich von dieser Ansammlung von Ziegeln und Gitterfenstern halten sollte. Es sah aus wie ein Gefängnis und nicht wie eine Zuflucht. Außerdem entdeckte ich kein Schild, nichts, was auf SOC hinwies.
Kritisch runzelte ich die Stirn, weil mich dieser schmucklose Bau so gar nicht ansprach. Wie sollten die Kids denn erfahren, dass sie hier eine Anlaufstelle hatten, bei der sie sich Hilfe holen konnten? Das Gebäude lag sowieso schon recht abgelegen und ohne genaue Kenntnis der Adresse würde man diesen Ort gar nicht erst finden. Und wenn ich schon mal dabei war, die Kritikerin in mir zum Leben zu erwecken, dann wäre ein passender Name für diese Einrichtung auch noch fällig. Vielleicht konnten sie es einfach als Die Zuflucht betiteln oder so ähnlich. Nichts anderes sollte es ja sein.
„Es sieht schlimmer aus, als es ist.“
Nicks Bemerkung ging voll am Thema vorbei. Ich drehte mich wieder zu ihm um und beobachtete aufmerksam sein Mienenspiel. Offensichtlich war er der Meinung, ich würde meine Zusage bereits bereuen und ihn jeden Augenblick darum bitten, die Sache abzublasen. Irgendwo auch verständlich, wenn man an meine erste Reaktion zurückdachte.
„Ich habe keine Angst, hier zu sein und erst recht nicht vor den Leuten, es sei denn, sie halten mir eine Waffe an den Kopf und wollen mir an die Wäsche“, stellte ich halb scherzhaft klar, um den falschen Eindruck, den er eventuell von mir gewonnen hatte, wieder geradezurücken. „Glaub mir, ich kenne auch die weniger glamourösen Stadtteile und laufe bestimmt nicht mit Scheuklappen durch die Welt, nur weil mein Vater mal reich war“, fügte ich hinzu und sah ihn bei meinem versteckten Tadel leicht zusammenzucken.
„Dann habe ich deinen kritischen Blick wohl falsch interpretiert.“
„Meine Skepsis ist berechtigt. Schau dir das doch an …“ Ich deutete mit der Hand auf das Gebäude oder vielmehr auf das, was meiner Meinung nach dort hingehörte. „Nick, hier gibt es nirgends einen Hinweis auf SOC. Noch nicht mal ein winziges Schild. Wenn ein möglicher Sponsor vorbeikommen sollte, um sich vorab die Räumlichkeiten anzusehen, sieht das saudumm aus. Dieses Haus wirkt nicht unbedingt wie ein Ort, an dem man sich gerne aufhält. Das mag innen ganz anders sein, aber der erste Eindruck ist es doch, der zählt, und der ist nicht besonders positiv. Wenn du Jugendliche dazu animieren willst, sich hier Hilfe zu suchen, dann muss sich hier einiges ändern. Das hier ist nur ein kalter Ziegelhaufen mit Gittern vor dem Fenstern, es fehlt ein Schild und ein passender Name.“
Ein schwer zu deutendes Lächeln überzog sein Gesicht, bis er ergeben die Hände in die Höhe streckte. „Okay, okay, du hast ja recht. Es hätte mir eigentlich selbst auffallen müssen, aber ich war schon eine Weile nicht mehr hier und ich habe es vor lauter Arbeit auch ein wenig schleifen lassen.“ Er lächelte. „Hör zu, wir suchen einen repräsentativeren Namen und hängen ein großes Schild über die Tür. Was hältst du davon?“
Es fiel mir schwer, meinen strengen Blick beizubehalten, wenn er seinen jungenhaften Charme spielen ließ. Außerdem fand ich es süß, dass er nicht versuchte, sich mit fadenscheinigen Ausreden aus der Affäre zu ziehen, und meine Bedenken ernst nahm. Nick fasste nach meiner Hand und führte sie an die Lippen. Betört von der Wärme in seinen Augen neigte ich mich ihm entgegen und platzte fast vor Stolz, als er mir ein Kompliment machte.
„Ich wusste, du bist die Richtige für diesen Job“, murmelte er an meinen Fingerknöcheln. „Das hast du gerade eben bewiesen. So viel Leidenschaft, dabei hast du noch gar nicht angefangen.“ Seine Zunge schnellte hinaus und leckte kurz über meinen Handrücken, ehe er mit samtener Stimme hinzufügte:„Du wirst das fantastisch machen.“
Unsere Blicke tauchten ineinander, sie verschmolzen und ich fühlte ein beängstigendes Brennen ganz tief in mir. Nick vertraute mir, er glaubte an mich. Ein schwindelerregend intensives Gefühl dehnte sich in meiner Brust aus. Alles in mir flog ihm in diesem Augenblick entgegen. Mein Herz, meine Seele, so intensiv, so vorbehaltlos, dass mir schon ein bekennendes Ich liebe dich auf der Zunge lag, doch ich konnte nicht. Ich schaffte es kaum noch klar zu denken, doch mein Verstand war noch nicht komplett lahmgelegt und warnte mich davor, allzu voreilig zu handeln. Ich wich seinem Mund aus, als er mich küssen wollte.
„Lass uns doch hineingehen“, schlug ich burschikos vor, um die erotische Spannung zwischen uns zu zerschlagen. „Ich will nicht schon am ersten Tag zu spät kommen.“
Blitzte da Enttäuschung in seinen Augen auf, weil ich mich so abrupt von ihm gelöst hatte? Eher unwahrscheinlich. Es war höchstens sein Ego, das Schaden erlitten hatte. Mal wieder.
Er straffte sich und verzog den Mund zur Andeutung eines Lächelns. „Dann komm. Ich werde dir Lucy vorstellen und euch dann allein lassen, damit du dich in Ruhe mit allem vertraut machen kannst. Du wirst sie bestimmt mögen. Ms. Ramos ist eine patente junge Dame und schon von Anfang an dabei. Sie wird dir alles Notwendige zeigen und bei Fragen kannst du dich vertrauensvoll an sie wenden. Ich habe heute Morgen kurz mit ihr telefoniert, als du geduscht hast, und sie über dein Kommen informiert. Sie freut sich schon auf dich.“ Er sah auf seine Armbanduhr, dabei rutschte der Ärmel seines Jacketts nach oben und entblößte sein kräftiges Handgelenk. Mein Mund wurde trocken, bei diesem Anblick und teilweise auch vor Nervosität, die nun langsam Besitz von mir ergriff. Oh Gott, worauf hatte ich mich da nur eingelassen?
„Ich habe genau eine halbe Stunde, dann muss ich zurück ins Büro.“ Er sah mich an. „Soll ich dir vielleicht doch einen Wagen schicken, wenn du hier fertig bist? Das wäre kein Problem.“
„Nein! Das kommt gar nicht infrage, ich nehme einfach ein Taxi.“ Um meinen harschen Tonfall ein wenig abzumildern, fügte ich etwas sanfter hinzu. „Nick, ich komme wirklich zurecht. Mach dir keine Sorgen um mich.“
Es passte ihm nicht wirklich, aber er fügte sich meinem Wunsch. „Mir um dich Sorgen zu machen, steht auf meiner Prioritätenliste ganz oben, Liebes“, versicherte er todernst und sorgte für ein sicher völlig debiles Grinsen auf meinem Gesicht. Er war wirklich süß und ich liebte ihn jede Sekunde ein bisschen mehr.
„Ich würde lügen, wenn ich behaupte, dass mich das nicht freut“, entgegnete ich und spürte, wie meine Mundwinkel langsam Richtung Ohren wanderten.
Er seufzte, zwinkerte mir kurz zu und öffnete die Fahrertür. Ich stieg ebenfalls aus. Nick war sofort an meiner Seite und legte mir den rechten Arm um die Schultern, während wir auf das Gebäude zusteuerten. Es fühlte sich gut an, so mit ihm zu laufen, auch wenn ich mich anstrengen musste, um mit ihm Schritt zu halten. Nick führte mich zu einem Treppenabgang und ich bewältigte Stufe für Stufe.
„Habt ihr eigentlich das ganze Gebäude gemietet?“, fragte ich, als wir endlich vor der Tür standen. Seitlich davon war ein kleines Messingschild angebracht mit der Prägung Safe Our Childs, daneben befand sich ein Briefkasten.
„Nein, wir haben vorerst nur die unteren zwei Stockwerke gemietet, wollen aber noch ein weitere mieten, um dort Räume für eine dauerhafte Unterbringung einzurichten. Doch bis wir mit dem bürokratischen Kram durch sind und alle Auflagen des Jugendamtes erfüllen können, werden wohl noch Monate vergehen“, erklärte er und drückte auf den Klingelknopf. „Unten befindet sich Lucys Büro“, erzählte er weiter, „und natürlich auch der große Aufenthaltsraum für die Kids. Der Nachhilfeunterricht findet einen Stock höher statt.“
„Was sind das für Leute, die hier unterrichten?“
„Meistens angehende Lehrer, die hier in ihrer Freizeit aushelfen, um ein wenig praktische Erfahrung zu sammeln. Lucy macht die Pläne, damit täglich zwei Ansprechpartner zur Verfügung stehen. Jemand zur Aufsicht und dann noch jemand, der sich um schulische Fragen kümmert. Aber sie wird dir das besser erklären als ich.“ Ein leicht ungeduldiger Zug zeigte sich auf seinem Gesicht, als er hinzufügte. „Falls sie irgendwann noch auftauchen sollte …“
Wir standen noch immer vor der schmalen, dunkelgetäfelten Tür und warteten darauf, dass uns geöffnet wurde. Endlich hörten wir eilige Schritte, einen Wimpernschlag später riss eine unglaublich hübsche, aber recht atemlose junge Frau die Tür auf und strahlte uns abwechselnd an.
„Mr. Cole, sorry, dass ich Sie hier einfach warten lasse, aber ich bin allein und war kurz für kleine Mädchen“, erklärte sie so charmant, dass er sie verstehend angrinste.
„Da will ich noch mal ein Auge zudrücken“, neckte er sie und zwinkerte ihr freundlich zu. Lucys goldbraune Wangen färbten sich dezent pink, ihre Stimme klang ein klein wenig schmollend. „Sie sollten sich nicht über ein armes Mädchen wie mich lustig machen, Mr. Cole. Ich zittere ja jetzt schon vor Ihnen“, behauptete sie und zeigte strahlend weiße Zähne beim Lächeln, als sie sich mir zuwandte. „Sie müssen Mrs. Cole sein. Ich freu mich wahnsinnig darauf, mit Ihnen zusammenzuarbeiten und endlich wieder echte Unterstützung zu haben.“
Okay, das war eindeutig eine Spitze gegen Yuno Newman und mich überfiel eine Woge unverfälschter Sympathie für diese niedliche Person. Dass sie Yuno anscheinend genauso wenig abkonnte wie ich, schmiedete sofort ein Band zwischen uns, das hoffentlich lange halten würde. Ich schüttelte ihre Hand und grinste sie herzlich an. „Ich freu mich auch und ich werde versuchen, Ihnen nicht allzu sehr auf die Nerven zu gehen“, beteuerte ich.
Laut Nick sollte ich sämtliche Aktionen mit Lucy abstimmen. Das hatte er auf der Fahrt hierher noch einmal ganz besonders betont, denn er wollte Lucys Kompetenzen nicht beschneiden oder in irgendeiner Weise in den Alltag der Einrichtung eingreifen, sondern ihr einfach jemanden zur Seite stellen, der ihr die nötigen Mittel verschaffte, um ihre Arbeit so effektiv wie möglich erledigen zu können. Was auch absolut in meinem Sinne war. Wenn es um Jugendliche ging, konnte ich ja nur auf meine Erfahrungen mit April zurückgreifen.
„Hier hat sich ja einiges verändert seit meinem letzten Besuch“, stellte Nick gerade fest und sah sich zufrieden in dem hell gestrichenen Flur um. Es roch, als wären die Malerarbeiten noch nicht allzu lange her, der beißende Geruch der Farbe stach mir in die Nase.
„Oh ja, sehr vieles sogar. Schön, dass es Ihnen sofort auffällt“, plapperte Lucy munter drauflos und lief rückwärts den Flur entlang, während sie ihre Aufzählung begann. „Die neue Küche wurde Anfang der Woche endlich geliefert, nachdem der Installateur die defekte Wasserleitung repariert hat. Und die Malerfirma hat sämtliche Wände im Gebäude gestrichen. Was jetzt noch fehlt, sind ein Musikraum und eine kleine Bibliothek.“ Sie seufzte. „Momentan haben wir leider nur Schulbücher und einige Klassiker hier. Moby Dick, Jane Eyre … Sie wissen schon. Das reicht nicht, um sie zum Lesen zu animieren. Wir bräuchten ein bisschen Spannungsliteratur, aktuellere Sachen.“
„Ich könnte vielleicht einige Verlage anschreiben und sie um ein wenig Unterstützung bitten“, warf ich ein und hoffte, nicht allzu besserwisserisch zu klingen. Lucy schenkte mir einen überraschten Blick, mein lieber Ehemann nickte beifällig. „Eine tolle Idee, was meinen Sie, Lucy?“
Mittlerweile standen wir zu dritt vor einer verschlossenen Tür. „Klingt großartig, wir sollten das gleich besprechen“, antwortete sie mit einem reizenden Lächeln. „Hier ist übrigens mein Büro“, fügte sie hinzu. Das war an mich gerichtet, sie sah allerdings die ganze Zeit Nick an und schien Schwierigkeiten zu haben, den Blick von ihm zu lösen. Er schob eine Hand in eine Hosentasche, eine Geste, die bei ihm immer verflucht sexy wirkte, und zeigte ein verhaltenes Grinsen. Natürlich blieb ihm seine Wirkung auf Lucy nicht verborgen, selbst ich unterdrückte ein amüsiertes Schmunzeln, weil sich ihre Wangen noch einen Hauch rosiger färbten. Vermutlich war sie ein bisschen verknallt in Nick – welches atmende und denkende weibliche Wesen wäre das nicht gewesen – aber im Gegensatz zu Yuno hielt ich sie nicht für eine Konkurrentin. Obwohl sie wirklich ein niedlich Käfer war.
Ihre Haut schimmerte seidig, die Tönung ähnelte hellem Milchkaffee und passte sehr gut zu ihren dunklen Kulleraugen mit den unglaublich langen Puppenwimpern. Auch ihre Figur konnte sich sehen lassen. Hübsch gerundet an den richtigen Stellen und sportlich schlank, auch wenn sie mir einen Tick zu dünn erschien. Bei ihrer geringen Körpergröße, sie konnte kaum 1,60 Meter groß sein, wirkte das recht kindlich, auf jeden Fall zu unfertig für einen Mann wie Nick, der einen vollen Busen durchaus zu schätzen wusste. Einen ganz besonderen Blickfang bildeten ihre dunkelbraunen Haare. Hunderte von Korkenzieherlocken wippten fröhlich hin und her, sobald sie ihren Kopf auch nur leicht bewegte. Glattgezogen erreichten die Strähnen bestimmt Schulterlänge, doch durch die extreme Naturkrause befanden sie sich gerademal auf Höhe ihres Kinns. Ein Wuschelkopf, vor dem sicher selbst die fähigsten Friseure kapitulierten, andererseits stand ihr dieses wilde Durcheinander ausgesprochen gut und verlieh ihr einen ganz besonderen Charme.
Ihr warmherziger Empfang und ihre ungekünstelte Art nahmen mir die Angst vor dem Kommenden und nun fühlte ich nichts als Vorfreude auf meine Aufgabe. Endlich würde diese elende Langeweile ein Ende finden, vielleicht sogar die Selbstzweifel, die mich schon so lange plagten. Mich musste man offenbar ab und an zu meinem Glück zwingen und ich war Nick, der ganz selbstverständlich die Rolle des inneren Schweinehund-Überwinders eingenommen hatte, zutiefst dankbar für sein Vertrauen.
Ich suchte den Augenkontakt zu ihm und holte scharf Luft. Diesen Ausdruck auf seinem Gesicht kannte ich nur zu gut und wären wir allein gewesen, hätte er mich wahrscheinlich gegen die nächste Wand gedrückt und mich direkt im Stehen genommen. Die Bilder, die mit dieser Vermutung aufkamen, überwältigten mich. Ich mit hochgeschobenem Rock, ein Bein um seine Hüfte, während wir es Auge in Auge miteinander trieben. Unwillkürlich leckte ich mir über die trocken gewordenen Lippen, unbewusst provozierend, so dass sich der sinnliche Zug um seinen Mund verstärkte. Wir kommunizierten über unsere Blicke, die Reaktionen waren dafür umso körperlicher, jedenfalls bei mir.
Feuchte Schwere entstand zwischen meinen Beinen, ich schob sie automatisch zusammen und drehte ihm abrupt den Rücken zu, sah aber noch das wissende kleine Lächeln um seinen Mund, bevor ich mich abwandte. Es war mir unangenehm, dass er mich sogar in einer ganz normalen alltäglichen Situation in so einen Zustand versetzen konnte. Peinlich berührt von meiner mangelnden Selbstbeherrschung lächelte ich Lucy zu, die mich und Nick neugierig beobachtete.
„Was möchten Sie gerne zuerst machen?“, unterbrach sie die spannungsgeladene Atmosphäre. Ihre freundliche Gelassenheit wirkte wie ein milder Sommerregen auf meine überreizten Nerven, ich fühlte mich fast schon wieder wohl, doch dieser trügerische Eindruck wurde erfolgreich von Nick torpediert, als er sich dicht hinter mir platzierte. Seine unmittelbare Gegenwart machte mich augenblicklich nervös, so sehr, dass meine Finger unablässig den Henkel meiner Umhängetasche kneteten. Ich musste mich umgehend seiner Nähe entziehen, sonst würde er innerhalb der nächsten fünf Minuten flach auf dem Rücken liegen, während ich mich lüstern an seinem Luxuskörper verging.
„Also wenn Sie mich schon so nett fragen, dann fände ich es toll, wenn Sie mich ein bisschen rumführen könnten und mir vielleicht die Kinder vorstellen“, schlug ich in wagemutigem Leichtsinn vor, obwohl ich eine Heidenangst davor hatte, die Kids könnten mich ganz schrecklich finden. Gut möglich, dass sie mich einfach für eine reiche Schnepfe hielten, die sich – und damit hätten sie nicht mal Unrecht – nicht mal ansatzweise in ihre Lebensumstände hineinversetzen konnte. Sollte dieser Fall eintreten, dann erschien es mir sinnvoll, diese Erfahrung gleich hinter mich zu bringen.
Lucys beifälliges Nicken zeigte, dass sie das für eine gute Idee hielt. „Aber klar doch. Nur kommen die ersten Kids frühestens nach dem Unterricht, es wird also noch eine Weile dauern.“
„Oh, das macht nichts, ich habe den ganzen Tag Zeit“, wehrte ich lächelnd ab und merkte zu meinem Entsetzen, dass meine Stimme dabei viel höher klang als sonst, weil sich mein lieber Ehemann ausgerechnet diesen Augenblick aussuchte, um seine Hände auf meinen Schultern abzulegen. Scharf saugte ich Luft in meine brennenden Lungen. Dieser Verrückte, direkt vor Lucys Augen solche Spielchen mit mir zu treiben, wo er doch wusste, dass mich die kleinste Berührung von ihm scharfmachte. Sein schadenfrohes Lachen vibrierte an meinem Rücken. Dieses sachte Zittern übertrug sich auf jede Nervenzelle meines Körpers und mein bisher ruhig vor sich hindümpelnder Puls schoss in die Höhe, weil er es natürlich nicht dabei beließ, mir scheinbar fürsorglich die Schultern zu massieren, sondern auch seinen Unterleib fest gegen meinen Hintern drückte.