Insel-Reihe: Touch of Trust

Erschienen: 10/2014
Serie: Insel-Reihe
Teil der Serie: 3

Genre: Soft-SM / BDSM
Zusätzlich: Dominanz & Unterwerfung, Vanilla

Location: USA, Kalofornien

Seitenanzahl: 312


Erhältlich als:
paperback & ebook

ISBN:
Print: 978-3-86495-092-6
ebook: 978-3-86495-093-3

Preis:
Print: 12,90 €[D]
ebook: 6,99 €[D]

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Insel-Reihe: Touch of Trust


Inhaltsangabe

Olivia Waters kehrt gebrochen in die Staaten zurück, fest entschlossen, ihre grauenvolle Vergangenheit hinter sich zu lassen und ein neues Leben aufzubauen. Sie findet Zuflucht bei ihrem Bruder Alexander, der ihr auch einen Job in dem Architekturbüro von David Salazar verschafft.
Olivia kennt David aus ihrer Teenagerzeit. Was sie damals eine Schwärmerei für sie war, bricht nun wie ein Flächenbrand aus! Doch die Schatten der schrecklichen Erlebnisse lassen sie nicht los. Als sie in Panik gerät, und Gefahr läuft, ihren letzten Halt zu verlieren, schlägt David ihr einen Deal vor: Eine Woche mit ihm allein in einer einsamen Hütte, abgeschnitten vom Rest der Welt.
David stellt allerdings Bedingungen – sie muss ihm genug vertrauen, um sich ihm gänzlich zu unterwerfen …

Über die Autorin

Linda Mignani wurde in Kirkcaldy (Schottland) geboren und lebt glücklich verheiratet im Ruhrgebiet. Schreiben und Malen zählen zu ihren Leidenschaften und beides hat erstaunlich viel gemeinsam. Frauenuntypisch besitzt sie nur eine Handtasche aber unzählige Turnschuhe und noch mehr Wanderschuhe, die...

Weitere Teile der Insel-Reihe Serie

Leseprobe

David führte seine überaus hübsche unwissende Beute aus der Tür, verkniff sich das Schmunzeln nicht, angesichts ihrer Reaktion auf seine Drohung, sie übers Knie zu legen. Olivia hatte nicht den Hauch einer Chance besessen, etwas an dem Tagesablauf, den Alexander und er geplant hatten, zu ändern. Er brachte sie zu seinem Wagen, öffnete die Tür und unterdrückte das Lachen, weil ihr Gesicht ein Spiegel ihrer Emotionen war und nicht die blanke Miene, die sie so oft zur Schau trug.
John Sullivan hatte ihn vor zwei Wochen zurückgerufen, und er schuldete ihm mehr als nur einen Gefallen. John musste über gute...

...Kontakte verfügen, denn es hatte ihn nur ein paar Tage gekostet, um herauszufinden, was mit Olivia in England geschehen war. Sie und ihr damaliger Mann Brian hatten einen schweren Autounfall erlitten, den Brian nicht überlebte. Im ersten Augenblick hatte er vermutet, dass Olivia gefahren war und es ihren Zustand erklärte. Doch Brian hatte am Steuer gesessen, und Olivia war dem Tod um Haaresbreite von der Schippe gesprungen. Warum nur fühlte sie sich so schuldig?
Es war Zeit, die Schlinge ein wenig enger zu ziehen, um sie zu bewegen, sich ihre Last von der Seele zu reden. Entweder tat sie es freiwillig oder mit Nachdruck. Sie hatten ihr genügend Zeit gelassen, sich an ihn zu gewöhnen, Vertrauen zu fassen, und er hatte ihr auf der Stelle angesehen, dass sie mehr für ihn empfand, als sie zugab. Es tat ihm weh zu sehen, wie sehr die Kleine sich quälte, auch dass Alexander unter ihrem Zustand litt. Olivia glaubte, dass ihr Bruder nicht bemerkte, wie oft sie weinte, ins Leere starrte und dass Albträume sie plagten. Der Schemen Olivia nahm zwar tagtäglich an Konturen zu, aber sie war weit davon entfernt, die mit Leben vibrierende Frau zu sein, die sie tief in ihrem Inneren war. David wollte ihre Farben zurück ans Licht holen. Schließlich liebte er als dominanter Master Rot in allen Schattierungen.
Und wie sehr er ihre Kleidung verabscheute! Immerzu gierte es ihn danach, sie ihr vom Leib zu reißen, doch er verstand, warum sie ihren Körper verbarg. Sicherlich hatte sie Narben bei dem schweren Unfall erlitten, und diese würden zu Fragen führen, die sie nicht beantworten konnte oder wollte. Er hielt ihr die Wagentür auf, und sie setzte sich auf den Beifahrersitz, schnallte sich an und starrte derart gebannt durch die Frontscheibe, als würde ein nackter Jason Statham vor dem Fahrzeug aufragen.
Nachdem er die Tür zugeschlagen hatte, warf David den Rucksack in den Kofferraum. Er erlaubte sich ein erneutes Schmunzeln, denn er genoss ihr sichtliches Unbehagen und wollte es im Laufe des Tages vertiefen. Aber es waren nicht nur ihre Emotionen, die ihn erfreuten, es war Olivia an sich. Er hatte sich in sie verliebt, ohne dass er es wollte, und suchte jede Minute ihre Nähe. Wahrscheinlich hielt sie ihn für einen Stalker. Manchmal vergaß sie, dass sie sich selbst das Glück versagte, und war dann in ein ansteckendes Lachen ausgebrochen. David war bereit, eine Menge zu tun, um es erneut von ihr zu hören. Er nahm auf dem Fahrersitz Platz und startete den Motor, nachdem er sich angeschnallt hatte.
Die ausgesuchte Wanderstrecke eignete sich hervorragend für seinen Plan, und vielleicht reichte sie, um Olivia aus der Reserve zu locken, sodass er keinen Zusammenbruch erzwingen musste, um an ihr Inneres heranzukommen. Die ihr gewährte Zeit lief ab. Das unwegsame Gelände gab ihm viele Möglichkeiten, sie zu berühren, ihr über Felsen und umgestürzte Bäume hinwegzuhelfen. Obendrein spielte ihm das Wetter in die Hände, denn es war ein warmer Sommertag. Nach den Strapazen des Aufstiegs erwartete sie eine erfrischende Quelle, die von einem kleinen Wasserfall gespeist wurde. Ein idealer einsam gelegener Platz für Liebende oder für Jäger, die ihre Beute umgarnten.
„Du hast letzten Mittwoch das erste Haus verkauft.“ David fasste nach ihrer eiskalten Hand und drückte sie. Sie versuchte nicht, sich ihm zu entziehen.
„Ja, an das Ehepaar Dogan. Das Haus passt perfekt zu ihnen, und sie waren so glücklich. Frisch verheiratet und so verliebt. Und zwei weitere Objekte sind so gut wie weg.“
Olivia vermied es stets, ihn über Persönliches zu befragen, weil sie offensichtlich fürchtete, dass er sie ebenfalls durchlöchern könnte. Doch sehr bald würde sie jede seiner Fragen beantworten, und er gedachte, eine Menge zu stellen. Und immer mehr plagte ihn die Fantasie, sie über seine Knie zu legen und ihr köstlichen Schmerz zuzufügen, der ihnen beiden größtes Vergnügen bereiten würde. Zweifelsfrei besaß sie ausgeprägte devote Veranlagungen, denn sie reagierte unbewusst auf die Dominanz in seiner Persönlichkeit.

Nach einiger Zeit erreichten sie den Parkplatz. Nur ein paar vereinzelte Fahrzeuge standen im Schatten der Bäume. Aus Erfahrung wusste er, dass die meisten Wanderer auf den gut ausgeschilderten Hauptwegen blieben. Auch sie würden einem der breiteren Wege anfänglich folgen, dann allerdings auf einen Pfad abbiegen, auf den sich nur selten jemand verirrte. Nicht einmal heute verzichtete Olivia auf ein langärmliges Shirt, und ihre Wanderhose reichte bis zu ihren Knöcheln. Er stoppte den Wagen, und sie stieg aus, ohne darauf zu warten, dass er ihr die Tür öffnete. Schade, dass sie nicht seine Sub war, denn das hätte ihr ein paar Schläge eingebracht. Er schnallte sich den Rucksack um und gab ihr einen Hut, der sie vor der Sonne schützen würde. Olivias Haut war hell, ein weiteres Indiz, dass sie sich alles versagte. Er passte seine Geschwindigkeit ihrer an und lief dicht an ihrer Seite, sodass sich ihre Arme ständig berührten. Zuerst ging Olivia sehr angespannt neben ihm, doch selbst Mrs. Stocksteif konnte diese Körperhaltung auf dem steilen Weg nicht beibehalten.
„Machst du das eigentlich absichtlich?“, fragte sie in einem erbosten Tonfall, der ihm ein Grinsen auf das Gesicht trieb.
Obwohl er genau wusste, was sie meinte, konnte er sich die Frage nicht verkneifen. „Was?“
„Diese ständigen Berührungen.“ Sie blieb stehen und starrte ihn wie ein störrisches, überaus entzückendes Maultier an.
„Mach ich dich nervös?“
Sie atmete schnell, und ihre Wangen zeigten deutlich, dass das Laufen sie anstrengte. Doch er wusste, das war nicht der Hauptgrund für ihre körperlichen Reaktionen. „Ja, das tust du“, flüsterte sie.
„Das war die ehrlichste Antwort, die ich bis jetzt von dir bekommen habe.“
Die Farbe wich aus ihrem Gesicht, und sie presste die Lippen aufeinander, während sie versuchte, seinem Blick standzuhalten. Daran waren bereits geübte Subs gescheitert, die es faustdick hinter den Ohren hatten.
„Du versteckst dich, Olivia. Nicht nur vor dir selbst, sondern vor der ganzen Welt. Vor mir. Vor Alexander.“ Er streckte die Hand aus und streichelte ihre Wange.
Pure Sehnsucht huschte über ihr Antlitz, und auch das Verlangen, sich zu öffnen. Doch der Moment verging ungenutzt. Er musste noch ein wenig Geduld beweisen. David setzte sich in Bewegung und verblieb stumm. Er hatte ihr genug Andeutungen gegeben, um intensiv nachzudenken. Beinahe tat sie ihm leid.
„David!“ Sie räusperte sich. „Du bist mein Boss, und mehr kann ich nicht zulassen.“
Fast verspürte er Traurigkeit, dass sie ihn nur als solchen ansah. Allerdings wusste er, dass ihre Aussage nur in der Theorie stimmte. In Wahrheit hegte sie ganz andere Gefühle für ihn.
„Dein Boss?“ Er fasste ihre Hand und zog sie gegen sich. „Du hast doch bereits sehr viel mehr zugelassen, mi cielo.“
„Nenn mich nicht so.“
Er hatte noch weitaus intimere Liebkosungen für sie im Sinn, die er ihr zu gerne ins Ohr wispern würde, während sie ihm den roten, glühenden Arsch entgegenstreckte, nachdem er sie nicht nur von ihrer Kleidung, sondern auch von ihrer Bürde befreit hatte. „Dein Herz rast, kleine Olivia, weil ich dich anziehe. Das habe ich schon immer getan. Daran hat sich nichts geändert, selbst nicht die dunklen Geheimnisse, die du aus England mitgebracht hast, die dir so sehr zu schaffen machen.“
Der schockierte Gesichtsausdruck wurde von Bestürzung abgelöst. Er zog sie dichter zu sich heran und hielt sie. Olivia wehrte sich nicht, und er dachte abermals, dass sie mit der Wahrheit herausrücken würde. Leider blieb sie stumm. Was nur bereitete ihr solche Sorgen? So ein süßes Wesen konnte doch nichts Schlimmes angestellt haben.
„Ich kann nicht, David“, wisperte sie dermaßen leise, dass er es kaum hörte.
Noch nie hatte er verzweifeltere Worte gehört, und sie schluckte ihre Tränen hinunter, die so klar in ihren wunderschönen Augen glitzerten.
„Was auch immer dich bedrückt, ich werde dich nicht verurteilen, mi cielo.“ Er am allerwenigsten.
Ein Zittern lief durch ihren Körper, und David erkannte, dass er sie jetzt nicht weiter bedrängen durfte. Wenn sie auf der Insel wären, in einer geschützten Umgebung, hätte er es darauf ankommen lassen, aber nicht hier im Nirgendwo.
„Lass uns weitergehen.“ Er küsste sie auf die Stirn und spürte, wie sein Inneres förmlich zerschmolz. Dass er sich in Olivia verliebte, war nicht geplant gewesen. Vielleicht hatte Alexander von Anfang an auf dieses Gefühl abgezielt, denn schließlich war auch er ein erfahrener Master, der die Eigenschaft hatte, andere Menschen zu lesen, sogar David. Wahrscheinlich hatte er Einsamkeit ausgestrahlt. Er nahm ihre Hand in seine, und nach einigen Sekunden ließ ihr Zittern nach. Sie hatte dem Unaussprechlichen eine Stimme geben wollen, doch ihr Verstand blockierte ihr Vorhaben. Diese Barriere musste er überwinden, und das schaffte er nur, wenn alles stimmte – die Stimmung, die Umgebung, genügend Vertrauen - denn nur dann konnte er Olivias Sperre bezwingen.
Sie erreichten den Pfad, der nur am Anfang ausreichend breit war, um nebeneinander zu gehen. Ab und zu blieben sie stehen, um Wasser zu trinken und nach Luft zu schnappen. Die ersten Geröllbrocken kamen in Sicht, und er nutzte die Gelegenheiten schamlos aus. Ihr Arsch fühlte sich fantastisch an, als er ihr über einen besonders hohen hinweghalf, und sie warf ihm über ihre Schulter einen dunklen Blick zu, den er mit einem äußerst dominanten erwiderte. Er konnte förmlich hören, dass sie hart schluckte, und er lächelte sie an. Sie erstarrte, und er sah etwas in ihren Augen, eine Emotion, auf die er gewartet hatte. Nicht nur ihr Vertrauen, sondern Hoffnung. Er kletterte neben sie, sprang herunter, drehte sich um und breitete die Arme aus. „Spring.“
Ohne zu zögern, tat sie es, fiel weich gegen ihn und wurde noch nachgiebiger in seinen Armen. Er hielt sie, beugte sich zur ihr herab und küsste sie ganz sanft auf die Lippen, ohne eine Erwiderung einzufordern. Langsam löste er sich von Olivia, und sie sah absolut verwirrt aus, verloren und so unwiderstehlich süß, begehrenswert – zu sehr, als dass er widerstehen könnte.
„Du arbeitest mit unfairen Mitteln, David Salazar.“ Sie runzelte die Stirn. „Das habt ihr von Anfang an geplant, du und Alexander. Es gibt gar keinen Notfall auf der Baustelle. Dafür gehört dir der Po versohlt.“
Der niedliche Engel hatte ja nicht die geringste Ahnung, was sie diese Worte kosten könnten. Sie war eine willkommene Abwechslung, weil die Subs, die auf der Insel residierten, nach einer Sekunde wussten, was er war, wer er war und wozu er fähig war. Olivia erwies sich als herrlich erfrischend, und sie bot ihm solche Möglichkeiten, vor allem, da sie nichts davon ahnte.
„Ich glaube, in Wahrheit möchtest du, dass ich dir den Arsch versohle.“
Röte kroch unaufhaltsam über ihr hübsches Gesicht, und ihre grauen Augen wirkten in diesem Moment beinahe blau. Sie machte den Mund auf, klappte ihn wieder zu und schlug ihm auf den Oberarm. Er addierte ihr freches Verhalten auf das Konto ihrer Vergehen und konnte den Tag kaum abwarten, an dem er ihre Schulden einforderte. Flirten war noch nie so aufregend gewesen.
Er schenkte ihr einen Masterblick, einen, der selbst Sienna erstarren ließ, und die Sub seines Freundes Alec war die Frechheit in Person, angefangen von den Zehenspitzen bis zu den niedlichen Ohren. Alec kam gar nicht mit den Bestrafungen hinterher, aber als einem Sadisten spielte Siennas Verhalten ihm förmlich in die Hände. Dieser Tage trugen Alecs Handflächen ständig Schwielen.
Olivia wollte von ihm zurücktreten, doch er umfasste ihren Nacken, nicht hart, jedoch nachdrücklich. Ihr ganzer Körper antwortete auf diese Geste, ebenso wie ihr Bewusstsein, das sah er ihr überdeutlich an. Olivia hörte sogar auf zu atmen. Sehr schön! Er ließ sie los, und sie drehte sich hastig um. David konnte nicht widerstehen und klapste sie auf den Arsch. Sie schnaubte empört und lief mit schwingenden Hüften vor ihm den Pfad hinauf. Ob sie das absichtlich tat?

Olivia konnte nicht glauben, was sie vorhin fast getan hätte! Beinahe hätte sie David alles gestanden. Und der Teufel wusste, wie gern sie ihr Gewissen erleichtert hätte. Irgendwie waren ihr die Worte im letzten Augenblick in der Kehle stecken geblieben. Ihr Unvermögen, ihrer schrecklichen Tat eine Stimme zu geben, ließ ihr Herz schmerzen. Wieso traute sie sich nicht einfach? Vielleicht würde David ihr vergeben, es verstehen. Doch ihr Geständnis war kein leichtes, und sie konnte es nicht. Die Bürde drückte in diesem Moment so schwer auf sie wie nie zuvor. Sogar in ihrem Kopf vermochte sie nicht auszusprechen, was sie getan hatte.
Unbewusst legte sie die rechte Hand auf ihren Bauch und zog sie zurück, als hätte sie sich verbrannt. Am besten wäre es, wenn sie floh, sich abermals von Alexander und somit auch von David zurückzog. Sie wusste, dass sie diesen Gedanken nicht in die Tat umsetzen würde. Erneut durfte sie Alexander nicht so schrecklich selbstsüchtig behandeln. Es würde in ihr das wenige Lebendige zerstören. Sie nahm einen tiefen Atemzug und atmete langsam aus.
Genieß einfach den Tag mit David. Flirte mit ihm und belass es dabei.
Allerdings wusste sie mit tödlicher Sicherheit, dass David mehr mit ihr im Sinn hatte als ein Abenteuer. Jedes Mal wenn er sie ansah, erblickte sie in seinen Augen eine stählerne Entschlossenheit, gepaart mit einer unerwarteten Sanftheit. Sie argwöhnte, dass ihr seine Sanftheit zum Verhängnis wurde. Schon jetzt konnte sie sich seinem Bann nicht entziehen. Gott, war das heiß! Schweiß rann ihre Wirbelsäule hinab, und sie sehnte sich nach einem Pool mit kaltem Wasser. Dann lächelte sie zynisch. Mit David an ihrer Seite war auch die herrlichste Abkühlung außerhalb ihrer Reichweite. Denn ihre Narben sprachen Bände, und diese führten zu Fragen, die sie schlichtweg nicht beantworten konnte.
„In einer halben Stunde haben wir unseren Zielort erreicht. Folgen Sie dem Pfad und biegen Sie nicht nach rechts ab“, sagte er augenzwinkernd.
Ihr entwich ein ungewohntes Kichern, und das Geräusch klang so fremd in ihren Ohren, dass sie sich wünschte, David würde sie packen, an einen Stein binden, sie foltern, bis sie alles gestand. Olivia hasste es, so zerbrochen zu sein!
Der Weg schlängelte sich durch einen lichten Wald, und die Bäume boten einen willkommenen Schatten. Inzwischen war er wieder breit genug, um nebeneinander zu laufen. David griff wie selbstverständlich nach ihrer Hand, und es erschreckte sie, wie gut ihr seine Fürsorge tat. Aus der Ferne hörte sie zuerst ein Plätschern und dann ein Rauschen. Nach einer weiteren Kurve blieb sie stehen, um den Anblick in sich aufzusaugen. Da war er, der Pool, eine Quelle gespeist von einem kleinen Wasserfall. Der Ort war Romantik pur. Wie gern würde sie sich die Kleider vom Leib reißen, mit David im kühlen Wasser planschen und ihn anschließend im Schatten eines Baumes lieben. Sie war so töricht! Nichts davon konnte sie haben.
„Lust auf eine Abkühlung?“
Die Antwort sprang mit Vehemenz aus ihrem Mund. „Tut mir leid, ich habe gerade meine Tage bekommen.“ Mein Gott, Olivia! Diese Aussage schreckte jeden Kerl ab. Doch David kaufte sie ihr nicht ab, das sah Olivia ihm deutlich an.
„Dann zieh wenigstens die Schuhe aus, kremple die Hosenbeine hoch und kühl deine Füße. Du bist überhitzt.“ Er sagte die Worte mit einer Ruhe, die ihr irgendwie gefährlich erschien, als wäre sie die Geräuschlosigkeit vor einem Sturm, ehe dieser orkangleich über die arglose Landschaft hinwegfegte. Er schnallte sich den Rucksack ab, fischte eine der Wasserflaschen aus ihm und reichte sie ihr, sodass sie ihren Durst stillen konnte. Danach nahm er einen Schluck und musterte sie abwartend.
„Du bist ganz schön hartnäckig, eigentlich beinahe unverschämt.“
Belustigt hoben sich seine dunklen Augenbrauen, während er ihr dieses Lächeln schenkte, das ihr wie ein Fegefeuer über den Körper huschte. Auf seinem Weg verbrannte es ihren Widerstand, ihren Verstand und anscheinend auch den Halt ihrer Muskeln, weil sie irrsinnigerweise das Bedürfnis verspürte, vor ihm auf die Knie zu sinken wie eine Sklavin aus der Serie Rom, die sie letztens mit Alexander geschaut hatte. Ihr Bruder durfte nie erfahren, dass sie die Szenen angemacht hatten. David zog sich das T-Shirt über den Kopf.
Oh!
Dunkles Brusthaar, ein toller Brustkorb und muskulöse Arme. David machte definitiv noch andere Dinge, außer hinter einem Schreibtisch zu sitzen, um Häuser zu entwerfen. Er fing ihren Blick auf, und Belustigung starrte ihr entgegen, denn er ließ nicht einmal die Boxershorts an. Wie überaus ruchlos!
„Netter Anblick?“, fragte er frech. Er lief an ihr vorbei, und sie musterte seine kräftigen Oberschenkel, den knackigen Arsch. Er stoppte, wobei er den Kopf drehte. „Falls du mir nicht gehorchen solltest, zieh ich dich eigenhändig aus und werf dich ins Wasser. Deine Entscheidung.“ Er stieg in den von Felsen umsäumten Pool.
Sie glaubte ihm jedes Wort, und so schnell hatte sie noch nie ihre Schuhe und Socken ausgezogen. Sie krempelte sich die Hosenbeine hoch und schaute kurz auf die über ihrem Schienbein verlaufende Narbe. Doch ihr blieb keine Wahl, denn David hatte sie ihr genommen. Entgegen ihrer Annahme ärgerte es sie nicht, es war eigenartigerweise ein erleichterndes Gefühl.
Sie setzte sich auf einen der flacheren Steine und seufzte, sobald ihre Füße im erfrischenden Nass hingen. Olivia lehnte sich zurück und stützte sich mit den Händen auf dem Felsen ab. Sie ließ sich sogar dazu hinreißen, ihre Augen zu schließen, was sich als extrem leichtsinnig erwies, denn stahlharte Hände umfassten ihre Taille und zwei Sekunden später fand sie sich in dem kalten Wasser wieder. Dieser hinterhältige Arsch!
Doch ehe sie ihm ihre Empörung an den Kopf werfen konnte, küsste er sie, drang mit seiner Zunge ein, und sie hing wehrlos in seinen Armen. Niemals zuvor hatte ein Mann sie auf diese Weise geküsst, so überaus besitzergreifend. Er griff in ihr Haar, packte zu, und sie zerschmolz wie Butter in der Sonne, während sich Stellen an ihrem Körper, trotz des kühlen Wassers, erhitzt zu Wort meldeten. Seine Lippen waren so warm, seine Zunge noch heißer, und sie spürte seine Erektion, die gegen ihren Bauch presste. Wenn er es wollte, dann könnte er sie hier und jetzt haben, selbst da sie es hinterher bitter bereuen würde. Ihre Nippel waren dermaßen geschwollen, dass es wehtat.
David küsste sie nicht, er untermalte seinen Standpunkt. Als er damit fertig war, sie in diesen muskellosen Zustand zu versetzen, löste er seine Lippen von ihren. Die Wärme in seinen Augen ließ sie beinahe in Tränen ausbrechen.
„Ich bin es nicht wert, geliebt zu werden. Ich kann nicht, David.“ Und jetzt konnte sie den Rückweg in Klamotten zurücklegen, die ebenso pitschnass waren wie ihr Geschlecht.
Er umfasste ihr Gesicht mit beiden Händen und wischte mit den Daumen die Tränen fort, die, ihren Bemühungen zum Trotz, aus ihren Augenwinkeln quollen.
„Warum lässt du nicht mich das entscheiden, mi cielo? Sag mir, was dich so schrecklich belastet. Du musst es nicht sofort tun, doch was immer es auch ist, es zerbricht dich.“ Er beugte sich vor, bis seine Stirn gegen ihre lehnte. „Aus Erfahrung weiß ich, dass die Last nicht leichter wird, selbst wenn man das anfänglich glaubt. Du kannst mit mir oder Alexander jederzeit über alles reden. Er ist so glücklich, dass du in sein Leben zurückgekehrt bist, und es würde ihn zerstören, dich erneut zu verlieren. Nun?“
„Ich überlege es mir.“ Ihr war schwindlig von seinem Angebot, von seinem Kuss, wie er sie hielt.
Ernst sah er sie an. „Ich möchte, dass du mir morgen deine Entscheidung mitteilst. Das schuldest du Alexander und vor allem dir selbst. Versprochen?“
Sie nickte. War das ein Ultimatum? Und wenn sie es verstreichen ließ, was würde er dann tun?
„Ich vermute, dass du dich immer noch nicht ausziehen willst?“ Seine Stimme riss sie aus den Überlegungen.
„Nein. Ich …“
„Ich versteh es, Olivia. Dein nackter Körper verrät einen Teil deiner Geheimnisse. Alexander hat dir Kleidung zum Wechseln in den Rucksack gepackt.“ Sein Mund lächelte, aber seine unergründlichen dunklen Augen taten es nicht.
Und er wusste, dass sie Narben hatte! Woher?
Alexander und David hatten den ganzen Plan ja geschickt eingefädelt, und das alles, um ihr zu helfen.
„So gern ich dich jetzt lieben würde, falls ich dich ficke, dann richtig und ohne diese Bürde, die auf dir lastet. Ich kann sie dir nehmen, Olivia. Du musst mich nur lassen.“ Solch wunderbare Worte. Wenn sie doch nur wahr wären! Er trat von ihr zurück. Das Wasser ging ihm bis zum Brustkorb, während sie bis zum Kinn darin stand. David stützte sich auf einem der Steine ab und sprang elegant aus dem Felsenpool. Er reichte ihr die Hände und half ihr heraus. Der Mann war kräftig, und mittlerweile glaubte sie daran, dass ihr Teller so vollgepackt war, dass sie ihn niemals leer essen könnte. Sollte sie Davids Hilfsangebot annehmen? Sie kannte die Antwort, David offenbar auch. „Wie du willst, Olivia. Vielleicht änderst du deine Meinung von allein.“ Unheilvoll klangen die Worte in ihren Ohren nach.

David hob den Rucksack hoch, öffnete ihn und fischte das Handtuch heraus. Er spürte unangebrachte Enttäuschung in sich hochsteigen. Olivia würde ihn nicht anrufen, stattdessen wollte sie flüchten - er sah es ihr deutlich an. Er konnte förmlich sehen, dass sich die Räder in ihrem hübschen Köpfchen drehten, sie einen Ausweg suchte, den es aber nicht gab, weil er und Alexander ihre Fluchtrouten blockierten. Er nahm einen tiefen Atemzug und zog sich seine Kleidung über. In der Zwischenzeit hatte Olivia sich umgezogen und trat hinter dem Busch hervor.
„Komm her.“ Seine Enttäuschung verschwand genauso schnell, wie sie aufgetreten war, denn sie warf sich förmlich in seine Arme. Auch er hatte Geheimnisse, die er aber mit seinen zwei besten Freunden von Anfang an teilen konnte, die ihm beigestanden hatten, als er getan hatte, was getan werden musste. Alec und Alexander hatten ihn vor vier Jahren aufgefangen und ihn auf jedem Zentimeter dieses grauenvollen Weges begleitet. Aber wie wäre es ohne sie gewesen und wenn er diese Last allein hätte tragen müssen? So wie Olivia.
„Schhh“, flüsterte er, und sie kroch förmlich in ihn hinein. Sie war nicht mehr allein, auch wenn sie es nicht einsehen wollte. Er wartete, bis sie aufhörte zu zittern. „Lass uns was essen, eine Pause machen, und dann treten wir den Rückweg an.“
Er zog die Decke aus dem Rucksack und breitete sie unter einer Fichte aus. Olivia holte die eingepackten Sandwichs und sie setzten sich gegenüber voneinander. Olivia aß mit Appetit, und er war froh, dass sie nicht seinem Blick auswich. Doch sie war sehr still, und er sah, dass sie versuchte, sich an den Ort zurückzuziehen, der so lange ihr einsames Gefängnis gewesen war. Allerdings gelang es ihr nicht mit Leichtigkeit, und obwohl er es besser wusste, hoffte er, dass sie ihn morgen anrief, ihn um Hilfe ersuchte, sodass er die Sache mit Joe am Montag abblasen konnte.

Nach der Wanderung saß sie erschöpft neben ihm im Auto. Es war auch nicht verwunderlich, dass Olivia beinahe die Augen zufielen. Laut Alexander schlief sie nie durch, wanderte oft in der Nacht im Haus herum. Und wenn sie ruhte, war der Schlaf nicht erholsam, weil Albträume ihre ständigen unerwünschten Begleiter waren.
Er brachte sie zur Haustür, küsste sie zum Abschied leicht auf den Mund. David vermied es, sie daran zu erinnern, dass sie ihn morgen anrufen sollte, denn sie hatte es nicht vergessen, da war er sich sicher. Sie stand verloren vor der Tür und winkte ihm zu, ehe sie im Inneren verschwand.
Als er wenig später die Einfahrt seines Hauses entlangfuhr, war es ihm noch nie so einsam vorgekommen. Er liebte das Gebäude im spanischen Stil, doch was war ein Zuhause, wenn man niemanden hatte, mit dem man es teilen konnte? Seine Gedanken entlockten ihm ein müdes Lächeln, weil er sich wünschte, Olivia wäre neben ihm und würde nachher an ihn gekuschelt einschlafen. Sein Herz und sein Verstand benahmen sich dieser Tage äußerst unberechenbar.
Seufzend parkte er den Wagen in der Garage und blieb einen Moment sitzen. Ähnlich verloren hatte er sich direkt nach Inez‘ Tod gefühlt. Anscheinend war er bereit, einen neuen Abschnitt in seinem Leben zu beginnen, daher beschloss er, das Gefühl als etwas Gutes zu erachten. Er stieg aus, lief ins Haus und stellte sich wenig später unter die Dusche. Die Erinnerung an Olivia, wie sie sich angefühlt hatte, als er sie im Wasser an sich gepresst hatte, war zu verführerisch. Seine eingeseifte Hand umfasste seinen Schwanz, und nach einigen Sekunden fand er Erleichterung, selbst wenn sie nur körperlich war und seine Seele unberührt ließ.
Auch er war müde, rief aber vorm Zubettgehen Alexander an. Er erzählte ihm von dem Ultimatum, das er Olivia gestellt hatte, die nichts von den Konsequenzen ahnte, die ein Verstreichen nach sich zog.
Alexander atmete hörbar aus. „Sie ruft dich nicht an, das weißt du. Joe soll es Montag in Angriff nehmen.“
David spürte, dass Alexander ihm noch etwas sagen wollte, daher verblieb er stumm.
„David.“
Er konnte förmlich sehen, dass sein Freund das Telefon so fest umklammerte, dass seine Knöchel weiß hervorstachen.
„Ich hab sie gestern erwischt, wie sie ein Messer in der Hand hielt, es angestarrt hat, als wollte sie es sich selbst in die Brust rammen.“
Falls David Bedenken hinsichtlich ihres Plans gespürt hatte, wurden diese durch Alexanders Worte hinweggefegt. Sie durften keine Zeit mehr verlieren.
Dennoch wartete er fast den ganzen Sonntag darauf, dass Olivia sich bei ihm meldete. Er rief Joe kurz vor Mitternacht an.