Insel-Reihe: Touch of Pain

Erschienen: 08/2013
Serie: Insel-Reihe
Teil der Serie: 1

Genre: Soft-SM / BDSM
Zusätzlich: Dominanz & Unterwerfung, Vanilla

Location: USA, Kalofornien

Seitenanzahl: 200


Erhältlich als:
paperback & ebook

ISBN:
Print: 978-3-86495-049-0
ebook: 978-3-86495-050-6

Preis:
Print: 14,90 €[D]
ebook: 6,99 €[D]

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Insel-Reihe: Touch of Pain


Inhaltsangabe

Richard reißt endgültig der Geduldsfaden, als seine Frau Carolina ihm erneut einen Orgasmus vorspielt. Schon lange ahnt er, dass in ihnen beiden versteckte Sehnsüchte schlummern. Kurzerhand lässt er sie in ein BDSM-Resort entführen, das auf besondere Fälle spezialisiert ist. Während er in die Geheimnisse von Dominanz, Gerte, Peitsche und Rohrstock eingeweiht und zum Master ausgebildet wird, lernt Carolina ihre wahre Natur kennen. Lustvoll durchlebt sie, wonach sie sich im Geheimen sehnt: erregender Schmerz und Demut, die sie bis an ihre Grenzen und zur vollkommenen Hingabe führen.
Wer ist der geheimnisvolle Master, der Carolina mit Lustqual verführt, als ihre Augen verbunden sind? Der mehr von ihr verlangt und bekommt, als sie es jemals für möglich gehalten hätte?
Hat Richard zu viel riskiert, um ihre Liebe zu retten?

Über die Autorin

Linda Mignani wurde in Kirkcaldy (Schottland) geboren und lebt glücklich verheiratet im Ruhrgebiet. Schreiben und Malen zählen zu ihren Leidenschaften und beides hat erstaunlich viel gemeinsam. Frauenuntypisch besitzt sie nur eine Handtasche aber unzählige Turnschuhe und noch mehr Wanderschuhe, die...

Weitere Teile der Insel-Reihe Serie

Leseprobe

Prolog

Richard verfolgte die Sklavin langsam, um die Jagd hinauszuziehen und das berauschende Gefühl auszukosten. Er wusste, es war nur eine Frage der Zeit, bis er es schaffte, seine Hände auf die verführerische Beute zu legen, um den verlockenden Rundungen seine gesamte Aufmerksamkeit zu zollen. Er konnte es kaum erwarten, erregende Angst in ihren Augen zu sehen. Schnell würde sie atmen, während ihr Leib von seinen Bemühungen erhitzte und sie bebend ertragen musste, was er ihr antat. Es dürstete ihn nach ihren Tränen und ihrer Hingabe. Richard hörte sie vor sich – sie war zu panisch, um darauf zu achten, leise...

...zu sein. Zweige knackten unter ihren Schuhen, Blätter raschelten bei jedem ihrer weit ausholenden Schritte. Es war leicht, sie im Wald zu jagen. Die Master, die neben ihm liefen, fühlten sich ihrer Sache ebenso sicher wie Richard. Alec, ein Meister im Umgang mit störrischen Sklavinnen, hatte Richard eine Menge beigebracht. Er würde ihm helfen, Carolina angemessen für ihr Vergehen zu bestrafen, genau wie sie es verdiente.
Richard merkte, dass ein sadistisches Lächeln um seine Lippen spielte, sobald er daran dachte, was er ihr antun würde. Ihre Reaktionen und Emotionen auf sein Handeln würden unverfälscht und ehrlich sein, dazu war er bestens ausgebildet. Selbst wenn sie versuchte, ihm eine Scharade vorzuspielen, es würde ihr nicht gelingen. Ihre Schreie, ob vor Lust oder Schmerz, stellten sein Ziel dar.
Alec deutete ihm an, dass sie sich trennen würden, um ihr Opfer einzukreisen. Carolina rannte langsamer, denn sie hatte eine zweite Sklavin im Schlepptau. Die süße Rachel war unfähig, das mörderische Tempo zu halten. Carolina wollte sie nicht zurücklassen. Das wusste er genauso wie Liam, der ihm das Zeichen gab, zu beschleunigen. Richard grinste breit, jetzt war es Zeit, die Jagd zu beenden.
Richard erhaschte einen Blick auf die grüne Bekleidung der Sklavinnen. Carolina hielt Rachels Handgelenk und zerrte sie hinter sich her. Die kleine Blondine stolperte und ging beinahe zu Boden.
„Carolina, lass mich, ich kann nicht mehr.“ Rachel entriss Carolina die Hand, schlug einen Bogen, der sie geradewegs ins Verderben stürzte. Sie kreischte, als Liam sie in seine Gewalt brachte und David wie ein Waldgeist aus dem Dickicht auftauchte.
Carolinas dunkler Zopf wippte um ihren Kopf, als sie sich umdrehte. Ein fataler Fehler, der ihr in dem Augenblick bewusst wurde, als sie Richard direkt in die Augen sah und unter dem Effekt seines Blickes erstarrte. Ihre Wangen leuchteten rot vor Anstrengung. Sie wusste, sie war ihm ausgeliefert, dass er plante, ihr schlimme Dinge anzutun. Sie schrie auf, es durchbrach ihre Lähmung, sodass sie erneut versuchte, zu entkommen. Aber es war zu spät. Er hatte sie, und die Erkenntnis stand ihr klar ins Gesicht geschrieben.
Richard streckte sich. Nach ein paar Metern bekam er ihr T-Shirt zu fassen. Er zog an dem Stoff und packte sie zusätzlich an der Schulter. Er presste sie zu Boden, setzte sich auf ihre Oberschenkel, um ihr die Shorts herunterzuzerren. Für einen Moment spielte er mit dem Gedanken, sie sofort zu nehmen. Die Hitze ihres Körpers sickerte in seinen Schritt. Das freche Biest war klatschnass, und er fasste um sie herum, schob das T-Shirt nach oben, um die Fülle ihrer Brüste in den Händen zu wiegen. Sie keuchte empört, doch ihre Nippel lagen geschwollen zwischen seinen Fingern. Sie wand sich unter ihm, in dem halbherzigen Versuch, ihn abzuwerfen.
„Soll ich sie für dich festhalten, Master Richard?“
Master Alec umfasste mit einer Hand ihre schmalen Handgelenke, und sie drehten Carolina auf den Rücken.
Sie kicherte, schenkte ihnen ein süßes Lächeln, ehe sie versuchte, Alec zu beißen und Richard zu treten. Gut, wenn sie es so haben wollte! Richard zog ihr die Shorts über die strampelnden Beine, warf den Stoff ins Gebüsch, spreizte ihre Schenkel und zog sich die Hose ein Stück runter. Mit einem Stoß vergrub er sich in ihr. Sie war so heiß, so nass, und Richard ahnte, es würde ein schnelles Vergnügen werden, aber für mehr war später ausreichend Zeit. Schließlich gehörte sie ihm, mit jeder Emotion, zu der sie imstande war. Wie er sich darauf freute, ihren entzückenden Hintern mit dem Rohrstock zu züchtigen, ihr die Nippelklemmen anzubringen, bis sie ihr Vergehen bereute.
Er stahl ihr einen Kuss, den sie leidenschaftlich erwiderte, ehe sie sich an ihre Rolle erinnerte und seine Unterlippe mit ihren Zähnen zwickte.
Alec seufzte tief, beugte sich vor und kniff in ihre Nippel. Carolina bäumte sich auf und hob ihr Becken an.
Richard war genauso verloren wie sie. Sie drehte den Kopf zur Seite, suchte Halt bei Alec, während sie ihrer Lust freien Lauf ließ. Gierig keuchte sie, als er sie fickte, sich aneignete, was so verführerisch, obendrein hilflos, vor ihm lag. Der Hauch einer Erinnerung schlich sich in sein Bewusstsein – wie Carolina vor fast drei Wochen unter ihm gelegen hatte, steif wie ein Brett. Es machte die Erfüllung, die sie ihm schenkte, umso süßer.
?
Kapitel 1

Drei Wochen zuvor

Carolina hob die Hüften an, versuchte, das fiese Gefühl zu unterdrücken, gleich eines Nebels, der sich langsam über sie senkte, um Besitz von ihr zu ergreifen. Hilflos musste sie es ertragen, denn den Kampf gegen sich selbst hatte sie vor langer Zeit verloren. Zurück blieb die Empfindung, dass Richard sie misshandelte. Sie verachtete sich für den Widerwillen, der durch ihre Adern lief und ihr Herz vergiftete. Richard und sie liebten sich, dessen ungeachtet spürte sie im Augenblick nur Abscheu.
Sie presste die Lippen zusammen und schloss ihre Augen. Richard sollte nicht sehen, dass sie ihn in diesem Moment fast hasste für das, was er ihr antat. Das verdiente er nicht. Jedoch intensivierte der geraubte Sinn das unangenehme Gefühl; die fehlende Feuchtigkeit in ihrer Vagina, wie sehr sie sich verkrampfte, dass ihr Puls viel zu schnell schlug aus Angst, Richard würde bemerken, was sie erlitt. Er tat ihr unbeabsichtigt weh mit seiner liebevollen Art, die sie kalt ließ. Das schlechte Gewissen fraß sie auf, doch sie kam nicht gegen ihr Innerstes an.
Richard liebte sie zärtlich, und sie verspürte weder ein Prickeln noch die leiseste Erregung. Warum konnte er ihr nicht fest ins Haar packen oder ganz hart an ihren Nippeln saugen? Wenigstens deutete seine Atmung an, dass er kurz vor seinem Orgasmus stand. Stöhnend spannte sie die Unterleibmuskeln an. Richard reagierte wie erhofft, er bekam seinen Höhepunkt. Nur mühsam unterdrückte sie ein erleichtertes Seufzen. Einerseits bekämpfte sie das Verlangen, ihn von sich zu stoßen, andererseits fühlte sie sich so leer und verlassen, dass sie ihn am liebsten an sich gedrückt hätte, bis sie zueinanderfanden. Wieso vermochte sie nicht, Richards Zuneigung in sich aufzunehmen und die Leidenschaft zu empfinden, die er verdiente?
Was würde er tun, wenn sie ihm in den knackigen Po kniff, ihm in die Schulter biss? Würde er ihr wahres Ich bemerken, sie ansehen und feststellen, dass sie unendlich weit entfernt von ihm lebte? Sie von etwas ganz anderem träumte? Carolina wollte, dass Richard sie überwältigte und zum Schreien brachte, indem er sie übers Knie legte und ihr ordentlich den Arsch versohlte.
Sie erinnerte sich kaum daran, wie es sich anfühlte, sich vor Lust zu winden, alles um sich herum zu vergessen, während ihr Ehemann sie nahm. Vielleicht war dieser Zustand nach fünfzehn Jahren Beziehung normal. Richard löste sich von ihr, fragte sie nicht, ob es ihr gefallen hatte und ging in das angrenzende Bad. Ihr blieb nicht verborgen, dass er nicht ihren Blick gesucht hatte. Es zerriss sie, dass Richard ahnte, was sie empfand. Sie war teilweise erleichtert, dass er stumm verharrte, doch der andere Teil von ihr krümmte sich unter der Erkenntnis zusammen, dass sie in einer Sackgasse steckte, in die sie sich manövriert hatte. Es war eine Lüge, sie war nicht froh, dass er sie ignorierte. Ihr Zusammensein schmerzte sie, innerlich und äußerlich, jedoch war sie zu frustriert, um ihn zur Rede zu stellen.
Sie war eine feige, blöde Kuh, die einen Mann wie Richard nicht verdiente! Carolina betrog den Menschen, der sie am meisten liebte, mit einem Gebilde aus Lug und Betrug.
Carolina schluckte die Tränen hinunter, spielte mit dem Gedanken, sich Erlösung zu verschaffen, während er duschte. Das war in den letzten Monaten die einzige Art, wie sie Erfüllung fand. Doch sogar dazu fehlte ihr jetzt der Antrieb.
Wo war die Leidenschaft hin? Sie fühlte sich gleich einer Gummipuppe, die Richard benutzte, wann ihm der Sinn danach stand. Zu ihrer Erleichterung ließ bei Richard die Libido nach oder er erfüllte sein Vergnügen woanders. Sie könnte es ihm nicht verdenken, und vielleicht verbrachte er bei einer Geliebten seine vielen Überstunden. Das Verlangen überkam sie, sich selbst wehzutun. Sie verdiente es, weil sie nach Ausflüchten suchte, um Richard die Schuld zuzuweisen. Dabei trug sie die Bürde allein. Richard würde sie auf keinen Fall betrügen. Er verabscheute Ehebrecher. Tief in ihrem Herzen wusste sie es.
Ihr Verhalten erschreckte sie, genauso wie die verborgenen Sehnsüchte, die abartig waren. Sie verbarg ihre Bedürfnisse vor sich und der Welt, brachte die Fantasien sogar in ihrer Vorstellung niemals zu Ende. Was versteckt in ihr brodelte, war falsch.
Denn manchmal wünschte sie sich, Richard würde sie ficken, anstatt sie zu lieben, sie über das Bett beugen, sie zum Höhepunkt zwingen, sie somit zurück in den eigenen Körper katapultieren, sodass sie ganz war. Offensichtlich sehnte sie herbei, dass er sie tatsächlich vergewaltigte.
Sie war nicht nur blöd, sondern auch pervers!
Carolina drehte sich auf die Seite, bemerkte, dass sie allen Versuchen zum Trotz weinte. Schnell wischte sie die Tränen fort, auf eine Diskussion mit Richard verspürte sie keinerlei Lust. Überhaupt fehlte ihr jegliche Energie, sich mit ihm auseinanderzusetzen. Sie war harmoniesüchtig. Immer wählte sie den einfachen Weg. Aber sie wusste nicht, was sie genau brauchte. Es war eine Ahnung, ein Sehnen, das durch ihre Adern lief und sie schier verrückt machte, weil sie es nicht zu erfüllen vermochte. Vielleicht hatten ihre Eltern sie mehr geschädigt, als sie zugeben wollte. Schon als Kind hatte sie die beiden nicht als Vater und Mutter angesehen, sondern als Bob und Eve. Ständig stritten sie, waren so mit sich beschäftigt, dass für ihre Tochter keine Liebe übrig blieb. Bis sie Richard traf, bestand ihr Dasein aus Einsamkeit. Sie war so ausgehungert nach Zärtlichkeit gewesen, dass sie jedes Mal geweint hatte, wenn er sie abends in das grauenvolle triste Elternhaus brachte.
Die Erinnerung an ihre Kindheit brach über sie herein, überwand einfach den Wall, den sie um diese schreckliche Zeit errichtet hatte. Wie hatte sie ihre Freundinnen beneidet! Um jeden Kuss, jede Umarmung, jedes Lächeln, das sie von ihren Eltern erhielten.
Am Anfang hatte sie die Berührungen von Richard aufgesogen wie ein ausgetrockneter See, auf den eine Sintflut niederprasselte. Sie war schlichtweg mit Sinneseindrücken überschwemmt worden, ehe sie sich in der Lage sah, die Zärtlichkeiten zu speichern. Es war ihr egal gewesen, dass sie selten einen Orgasmus erreichte, die Liebkosungen hatten ihr früher genügt. Die Mühe, die Richard sich beim Liebesspiel gab, nahm von Jahr zu Jahr ab. Die Gewissheit, dass sie es zu verantworten hatte, verursachte Übelkeit in Carolina. Richard hatte es gespürt, und sein Gespür wandelte sich in Erkenntnis. Zuerst versuchte sie dagegenzusteuern, verführte ihn, auch wenn sie unbefriedigt blieb. Sie liebte es, ihn oral zu verwöhnen, doch die wenigen Male, die Richard es bei ihr probiert hatte, konnte sie sich nicht entspannen.
Gott, verdammt.
Es widerstrebte ihm, aus einem Glas mit ihr zu trinken. Die Vorstellung, was ihm durch den Kopf ging, während er sie dort leckte, zerstörte die Hingabe.
Er hatte ihr ein paarmal leicht auf den Po geschlagen, nie zu fest, obwohl es sie anmachte und sie sich innerlich danach verzehrte, dass er sie ans Bett fesselte, sie auf den Hintern schlug, bis sie nur noch spürte. Das würde die grauenvolle Leere in ihrem Herzen und ihrer Seele vertreiben.
Richard war ihre große Liebe, und die Verbundenheit erstreckte sich tief. Sie wusste nicht, ob es für die Zukunft reichte. Wollte sie den Rest ihres Daseins auf diese Weise verbringen? Es war ernüchternd, dass sie trotz der Zuneigung dieses grauenvolle Gefühl der Isolation einfach nicht loswurde. Sie vermochte sich kein Leben ohne Richard vorzustellen. Äußerlich fand sie ihn genauso attraktiv wie das erste Mal, als er sie vor all den Jahren ansprach. Sie hatte auf einer Decke im Park gelegen, vertieft in einen Highlander-Liebesroman. Ein Schatten war über sie gefallen, und seine dunkle Stimme jagte ihr einen angenehmen Schauder den Rücken entlang, bevor sie ihn angesehen hatte.
„Ich finde, ich gleiche dem Kerl auf dem Cover, jedoch fehlt mir der dümmliche Ausdruck.“ Er hatte die Pose des lüsternen Schotten auf dem Titel eingenommen, die Beine gespreizt, die Hände in die Hüften gestemmt und den Kopf nach hinten geworfen, mit leicht geöffneten Lippen.
Sie war rot angelaufen und in Lachen ausgebrochen. Das Titelbild prangte grässlich kitschig auf dem Buch, der Roman war herrlich schnulzig, und sie verschlang zu der Zeit einen nach dem anderen.
Sie hatte sich auf der Stelle verliebt in den dunkelhaarigen Typ mit den blauen Augen. Daran hatte sich bis zum heutigen Tag wenig geändert.
Ungefragt hatte er sich neben sie gesetzt und sie bewundernd angesehen. Sie erinnerte sich noch genau, dass sie ein rot getupftes Bikinioberteil trug, kombiniert mit roten Shorts. Mit reinem Hunger starrte er auf ihre Brüste, ein Verlangen, das sie ewig nicht auf seinem Gesicht gesehen hatte. Er hatte ihr ein paar Haare aus der Stirn gestrichen, und sie war erstarrt unter der Liebkosung, die ihr dermaßen guttat. Ihr Herz schlug wie eine Trommel, zudem lief ihr ein Prickeln über den Körper, als ob Richard elektrische Impulse ausstrahlte. Ganz zart küsste er sie später, während er sie an sich drückte. Er musste gespürt haben, wie einsam sie gewesen war. Auch er verliebte sich auf der Stelle in sie.
Doch die Begierde verblasste im Laufe der Jahre zur Routine, und sie wusste nicht, wie sie es ändern konnte.

Richard drehte das Wasser der Dusche auf und betrachte Carolina durch den Türspalt, erwartete, dass sie sich selbst Erlösung verschaffte. Doch sie legte sich auf die Seite. Die Tränen blieben nicht unbemerkt von ihm.
Verdammt!
Er wusste nicht, was er noch tun sollte. Sie verkrampfte sich jedes Mal beim Sex. Manchmal fühlte er sich, als würde er sie vergewaltigen. Sie zuckte zusammen, sobald er sie berührte, verschloss sich nicht nur physisch vor ihm, sondern vor allem mental. Er musste diese Mauer einreißen, die ihn aussperrte. Seine Versuche, mit ihr über diese Situation zu reden, hatte sie abgeblockt. Carolina ließ ihn nicht an sich heran, als sei sie von Angst erfüllt, er würde das Wissen missbrauchen, um ihr zu schaden, so wie ihre Eltern es getan hatten. Vielleicht sah sie keinen Sinn darin, sich ihm anzuvertrauen. Er könnte vor Zorn gegen die Wand treten, wenn er daran dachte, was diese kalten Kreaturen ihr angetan hatten. Sie hatten ihre Tochter wie einen Gegenstand behandelt, sie weder geliebt noch umsorgt, ihre Schwächen gnadenlos zur Schau gestellt. Er hatte es in Carolinas Augen gesehen, als er das erste Mal in ihrem Blick versank. Eine Einsamkeit und Traurigkeit, die eine junge Frau nicht kennen sollte. Er erinnerte sich genau an den Moment, als er sie berührt hatte; eine harmlose Geste war es gewesen. Ein paar dunkle Haarsträhnen hatten sich aus ihrem Zopf gelöst, und er wollte sie ihr aus der Stirn streichen. Sobald seine Hand ihre Haut erreichte, erstarrte sie, sah ihn mit einer Sehnsucht an, dass es augenblicklich um ihn geschehen war. Carolina war ausgehungert nach Zärtlichkeit gewesen, aber mit den Jahren verschloss sie sich vor ihm. Zuerst hatte er nicht bemerkt, dass sie die meisten Orgasmen vortäuschte. Er war nicht gerade ein erfahrener Liebhaber gewesen. Doch irgendwann blieb es ihm nicht mehr verborgen.
Richard liebte seine Frau sogar nach all der Zeit noch dermaßen stark, dass es schmerzte. Auf diese Weise durfte es nicht zu Ende gehen. Er mochte ihren kurvigen Körper, an dem sie ständig herummäkelte. Sobald sie den Arsch rausstreckte, übermannte ihn das Verlangen, sie zu züchtigen, sie zu vögeln und in Besitz zu nehmen.
Er traute sich nicht, die Wunschvorstellungen umzusetzen, ihre Verachtung wäre ihm gewiss. Es gab keine schlimmere Vorstellung als einen Kerl, der seine Frau schlug. Der Anblick seines Vaters, der seine Mutter verprügelte, als Richard zu klein gewesen war, um ihr zu helfen, hatte sich auf immer in sein Gedächtnis eingebrannt.
Hilfloser Zorn kochte in ihm hoch wie ein heißer Schwall aus Lava. Er wusste nicht, ob er mehr auf sich wütend war oder auf Carolina. Wer trug Schuld an der Situation, in der sie jetzt steckten?
Wollte er den Rest seiner Tage mit unerfüllter Sexualität verleben? Zuerst hatte er gedacht, sie hätte einen Liebhaber, setzte sogar einen Detektiv auf sie an, jedoch war Carolina zu ehrlich, um ihn zu betrügen, außer mit vorgetäuschten Orgasmen. Richard empfand diese Heuchelei fast schlimmer als die Vorstellung eines Lovers.
Und ihr Wesen faszinierte ihn. Er wünschte sich, er könnte sie hassen. Aber da gab es nichts, selbst als er gezielt suchte, sie passte perfekt zu ihm. Sie unterdrückten offensichtlich die eigenen Wünsche, die tief in ihnen schlummerten, und beide trauten sich nicht, den ersten, verdammt schweren Schritt zu gehen.
Es reichte ihm, er hatte genug von diesem schlechten Schauspiel. Es war Zeit, dass er die Regie übernahm. Er hatte Carolina zu lange gewähren lassen, und er kam nicht mehr an sie heran. Richard musste seine Vorgehensweise drastisch ändern, die Gewissheit verknotete seinen Magen. Er zog die Tür leise ins Schloss und drückte auf die Kurzwahltaste seines Mobiltelefons. Er lächelte zynisch, weil er es vorhin im Bad deponiert hatte, obwohl es ihm zu dem Zeitpunkt nicht bewusst gewesen war, dass er seine Entscheidung bereits getroffen hatte. Sein Chef und Freund David meldete sich nach dem zweiten Klingeln.
Richard schluckte den Klumpen in seiner Kehle hinunter. Er setzte einen Plan in Gang, der unumkehrbar war, wenn er mit Carol bei David eintraf. Sie würde ihn nicht nur verachten, sondern hassen, während ihre gewohnte Welt um sie herum zerbrach, bis sie von selbst aus den Trümmern stieg. Es war ein riskantes Unterfangen, doch diese Kälte konnte er nicht mehr ertragen, sonst würde er noch etwas Unüberlegtes tun.
„Richard, alles in Ordnung?“
David verfügte über ein unglaubliches Einfühlungsvermögen. Richard hatte ihn sofort gemocht, als er vor zwei Jahren in seinem Architekturbüro angefangen hatte. David war entschlossen, hatte ein Gespür für Menschen und war ein Master, der eine ganz besondere Insel sein Eigentum nannte. Er hatte von Anfang an behauptet, dass in Richard ein Master steckte, und dass das den Grund darstellte, weshalb Carolina von der ersten Sekunde an unwiderstehlich auf Richard gewirkt hatte. Dominante Männer besaßen angeblich einen starken Beschützerinstinkt, wurden von Demut und Verletzlichkeit angezogen und waren ihren Instinkten ausgeliefert. Richard erachtete die Aussage zuerst als widersprüchlich, doch umso länger er darüber nachdachte, desto logischer erschien sie ihm. Er hatte begonnen, das eigene Verhalten zu analysieren, entdeckte weitere Hinweise in sich, dass David mit seiner Einschätzung verflucht richtig lag. Richard mochte schüchterne Frauen, die nicht gern im Mittelpunkt standen. Es erfreute ihn, wenn eine Frau die Lider niederschlug, weil sie von seinem Blick verunsichert war. Carolina wandte sich ihm instinktiv zu, sobald sie sich unsicher fühlte. Sie blieb auf Partys am liebsten an seiner Seite.
Er hatte den Domblick an seiner neuen Assistentin ausprobiert, und die Kleine hatte gewirkt, als wollte sie sich ihm vor die Füße werfen. Mit der Zeit fand Richard heraus, dass David ausschließlich dominante Kerle und devote Ladys einstellte. Richard jedoch weigerte sich, die Veranlagung auszuleben – bis jetzt. Hitze jagte ihm ins Geschlecht bei der Fantasie, Carolina über seinen Schoß zu drapieren und ihr so lange den Arsch zu versohlen, bis er glühend unter seiner Handfläche lag und er sie zum Orgasmus zwang. Eigentlich sollte ihm bei der Vorstellung übel werden, stattdessen bekämpfte er seine Erektion.
Jetzt war der Moment gekommen, endlich zu seinen Neigungen zu stehen und auch Carolinas an die Oberfläche zu zerren.
„Ich möchte auf dein Angebot zurückgreifen.“
David verblieb eine Weile stumm, während Richards Herz raste.
„Komm mit Carolina morgen Abend zu mir. Ich will ihr in die Augen sehen und mich restlos davon überzeugen, dass ich mit meiner Einschätzung richtig liege. Dann bringe ich sie auf die Insel, und es gibt für euch beide kein Zurück.“
„Du hast mir die Bedingungen erläutert, mein Freund. Es bedeutet unsere finale Chance. Wenn wir noch länger auf diese grauenvolle Weise zusammenleben, zerbrechen wir.“
„Melde sie für vier Wochen bei ihrer Arbeit ab.“
Das stellte kein Problem dar. Als sie nach Pasadena gezogen waren, hatte sie ihren Job als Verkaufsleiterin aufgegeben. Die Tätigkeit befriedigte sie nicht mehr, und sie war das ewige Mobbing in der Firma leid. Inzwischen arbeitete sie freiberuflich als Übersetzerin. Ihren letzten Auftrag hatte sie erledigt und gönnte sich eine Pause. Ein besseres Timing gab es nicht. Carolina war lieber allein oder verbrachte ihre Zeit mit Richard, anstatt einen Freundeskreis zu pflegen. Sie fühlte sich immer unwohl zwischen Fremden. Richard hatte es auf ihre Kindheit zurückgeschoben. Laut David ging es vielen Devoten so. Falls sie Freunde hatten, dann nur wenige. Sie vertrauten anderen Menschen nur schwer, doch verdiente man sich ihr Vertrauen, war ihre Hingabe grenzenlos. Missbrauchte man es, war der Bruch meistens endgültig.
Carolina war anfangs eine ausgeglichene zufriedene Frau gewesen, die ihn aus ganzem Herzen geliebt hatte und ausgehungert nach Liebe war. Die Veränderungen traten leise in ihr Leben, wie eine heimtückische Krankheit, die sich ihrer im Verborgenen bemächtigte, um dann zuzuschlagen, wenn es fast zu spät war. Zuerst lief es nur im Bett nicht, und allmählich griff dieser Zustand auf das restliche Zusammensein über. Sein Herz krampfte sich zusammen bei dem Gedanken, wie nah er daran war, sie zu verlieren. Ein großer Teil von ihr hatte sich bereits von ihm fortbewegt.
„Richard, mach dir keine Sorgen. Ich versichere dir, dass meine Entscheidung die richtige sein wird. Vertrau mir.“
Als David ihm das erste Mal von der Insel erzählt hatte, hatte Richard ihn für verrückt erklärt. David weihte ihn theoretisch in die Geheimnisse von Dominanz und Unterwerfung ein, nachdem Richard sich ihm eines Abends hinsichtlich Carolinas anvertraut hatte. Das Gespräch lag gut ein Jahr zurück. Seitdem hatten sie viele Diskussionen über dieses Thema geführt.
„Bis morgen, David.“ Richard unterbrach die Verbindung. Der tief greifende Entschluss, den er gerade in Gang gesetzt hatte, schlummerte seit Monaten in ihm. Er hatte nur gezögert, ihn endlich auszuführen. Es war nicht unüberlegt, was er in die Tat umsetzte, dennoch wirkte es im Moment auf ihn wie eine Verzweiflungstat. Konnte er Carolina das wirklich antun? Doch die Erinnerung an ihr Liebesspiel verjagte die Bedenken. Sie hatte unter ihm gelegen wie eine Puppe, hatte seine Hände weggeschoben, als er sie stimulieren wollte. Sie hatte die Lider geschlossen, damit er nicht zu erkunden vermochte, was in ihr vorging. Als ob er dazu in ihre wunderschönen grünbraunen Augen sehen müsste. Ihr ganzer Körper spiegelte ihre Verfassung wider. Ihre Seele weinte, während ihr Leib hasste, dass er in ihr war. Er hätte diesen unerträglichen Zustand vor Monaten beenden sollen. Richard war erleichtert, dass er sich endlich traute.
Er duschte ausgiebig, wünschte sich, sie käme zu ihm und sie würden sich gegenseitig waschen, wie sie es früher getan hatten. Dann könnte er sie streicheln, bis sie zuckend kam.
Richard unterdrückte den Wunsch, sie in seine Arme zu ziehen, als er sich neben sie legte. Vorhin hatte sie ihm zum letzten Mal einen Orgasmus vorgespielt. Wenn sie das jemals wieder versuchte, würde er ihr den Arsch versohlen, bis sie eine Woche lang nicht mehr sitzen konnte. David würde dafür sorgen, dass er dazu imstande war.

Der verführerische Duft von Kaffee, der durchs Haus zog, weckte Carolina auf. Sie mochte Samstage, denn sie beide brauchten nicht zu arbeiten. Schnell wusch sie sich und zog einen azurblauen Morgenmantel über, der ein Geschenk von Richard war. Sie kuschelte sich in das weiche Material. Richard erwartete sie in der Küche mit einem Lächeln, das ihr Tränen in die Augen trieb. Sie liebte ihn, warum nur fühlte sie sich dermaßen einsam?
Für eine Sekunde spielte sie mit dem Gedanken, ihm zu gestehen, was sie empfand. Doch es würde die friedliche Atmosphäre zerstören, und womöglich stritten sie dann den restlichen Tag. David wirkte müde und benötigte die Ruhe. Er zog sie in die Arme. Sie lehnte den Kopf an seinen Brustkorb, atmete seinen Duft ein, von dem Wunsch erfüllt, alles wäre wie früher. Er roch gut; nach Sonne und Richard.
Sie zuckte zusammen, als die Brotscheiben fast aus dem Toaster sprangen und den innigen Moment zerstörten. Es war sowieso nur eine Fassade. Richard hatte sich viel Mühe mit dem Frühstück gemacht: Erdbeeren, Weintrauben, die heiß geliebte Himbeermarmelade und der schaumige Milchkaffee; nichts fehlte.
Carolina fühlte sich schlecht, wie eine Betrügerin, die eine Scharade spielte, aus der es kein Entkommen gab. Richard rückte ihr den Stuhl zurecht und lächelte sie unergründlich an, als er sich gegenüber von ihr an den Lacktisch setzte. Sie hatten die Küche erst letztes Jahr neu eingerichtet. Die burgunderroten Polsterungen sowie zwei Bilder mit verträumten Cottages in warmen Farben unterbrachen das Weiß der glänzenden Oberflächen. Eine Wand strahlte in Weinrot. Wenn sie nur überall so gut harmonieren würden wie bei der Auswahl des Stils der Einrichtung. Sie beide mochten es modern, aber auch gemütlich. Vielleicht waren sie nie füreinander bestimmt gewesen und hatten es nicht bemerkt, weil sie zu jung zueinanderfanden. Carolina stellte sich oft vor, in einem der Gemälde zu verschwinden, in einen Ort der perfekten Harmonie einzutauchen, um endlich glücklich zu sein.
Was war sie nur für ein schrecklicher Mensch! Sie besaß doch alles, was sie sich erträumt hatte.
Carolina steckte sich eine Erdbeere in den Mund. Der Geschmack nach Sommer traf ihre Zunge, und sie schloss für einen Moment die Lider. Die Fantasie, wie Richard ihr Sahnetupfer auf die Brustwarzen strich, die Köstlichkeit ableckte und ihr in die Nippel biss, jagte einen Schauder über ihren Körper.
„David hat uns heute Abend zum Essen eingeladen.“
Sie verspürte keine Lust, irgendwo hinzugehen. Es fiel ihr immer schwerer, vor anderen das Lügengespinst aufrechtzuerhalten. Richard sah sie direkt an, und sie erkannte eine Entschlossenheit in seinem Blick, die ihr klar aufzeigte, dass er eine Absage nicht duldete.
Diesmal nicht.
Sie kannte David nicht persönlich, wusste aber, dass Richard äußerst angetan von seinem Boss war und sie ein freundschaftliches Verhältnis hegten. David war Ende vierzig, zudem ein sehr erfolgreicher Architekt. Richard verdiente so viel wie noch nie. Sie wohnten in Pasadena, mit endloser Natur vor der Nase. Carolina liebte das zweistöckige pastellgelbe Haus mit den weißen Fensterläden und dem kleinen Pool im Garten. Vor fünf Jahren hatte sie gehofft, dass es ihrer Ehe guttun würde, endlich von New York wegzukommen. Sie hasste diese laute Stadt und war froh, auch dem ungeliebten stressigen Job den Rücken zuzukehren. Das Big Business hatte sie beinahe verschlungen. Sie hatte es nicht für eine Sekunde bereut, dass sie keiner Karriere mehr hinterherhechelte. Sprachen fielen ihr leicht. Die Tätigkeit als Übersetzerin war perfekt für sie. Sie musste nicht an Besprechungen teilnehmen, brauchte sich nicht den Klatsch über andere anzuhören und litt nicht unter dem Getuschel, das hinter ihrem Rücken stattfand, weil sie sich nicht an den Lästereien beteiligte. Richard hatte sie bei allem unterstützt.
Sie war eine grauenvolle Ehefrau. Carolina schluckte die Erdbeere mühselig hinunter, denn die Tatsache trommelte auf sie ein, dass ihre Ehe jahrelang brachlag, gleich einer Oase, die jeglichen Bemühungen zum Trotz beharrlich austrocknete.
„Wann?“
„Gegen sechs Uhr sollen wir da sein. Die Fahrt dauert neunzig Minuten. Sei um vier bereit.“ Er fasste nach ihrer Hand und drückte sie. „Ziehst du das schwarze Jerseykleid an?“
Sie wusste, welches er meinte, es schmeichelte ihren Kurven und betonte ihren Busen. Am Oberteil lag es eng an und wurde weiter zum Saum hin. Carolina bevorzugte Hosen, doch sie nickte, froh, Richard einen Wunsch zu erfüllen.
Richard beobachtete sie intensiv. Irgendwas war anders an ihm, als ob er eine lang vor sich hergeschobene Aufgabe in Angriff nahm, die ihm endlich die Last von den Schultern entfernte. Vielleicht hatte er einen neuen Auftrag an Land gezogen.
Nach dem Frühstück schlüpfte sie in bequeme Shorts und ein Top, ging in den Garten und betrachtete die Zitronenbäume. Sie mochte den Duft ihrer Blüten. Letztes Jahr hatte sie Limoncello hergestellt. Sie beschloss, eine Flasche als Gastgeschenk mitzunehmen und nachher Zitronenkekse zu backen.
Der Himmel leuchtete blau; ein typischer Tag in Kalifornien. Sie begann sich auf den Abend zu freuen, an dem sie Richards geheimnisvollen Boss kennenlernen würde. Bis jetzt war sie einem Treffen mit ihm immer ausgewichen. Richard hatte es respektiert, er wusste, wie ungern sie unter Fremden war. Das Verhalten resultierte aus ihrer Kindheit, und sie vermochte nicht, es abzuschütteln. Richard liebte sie, wie sie war. Warum nur konnte sie sich beim Sex nicht entspannen und sich ihm hingeben?
Carolina schnappte sich den Rasenmäher. Sie hatte Richard verboten, einen Gärtner einzustellen, weil sie es liebte, im Garten zu arbeiten. Diesmal fühlte sie Zorn in sich aufsteigen, und sie kämpfte mit dem Reiz, ihn an dem Grundstück auszulassen. Am liebsten hätte sie die Lupinen geköpft, obendrein den Rasen mit den Händen rausgerissen.
Sie sah zur Terrasse und bemerkte Richard, der sie nicht nur beobachtete, sondern intensiv betrachtete. Was war nur los mit ihm? Dermaßen viel Aufmerksamkeit hatte er ihr seit Ewigkeiten nicht mehr geschenkt.
Er deutete ihr an, sich auf eine der beiden Sonnenliegen zu setzen, die im Schatten auf der Veranda standen, und reichte ihr ein Glas Zitronenlimonade. Sie trank mit großen Schlucken. Dies war ihr Lieblingsplatz. Rankgitter mit Oleander und Wisteria, Pflanzgefäße und ein Sprudelbrunnen verwandelten ihn in ihren Garten Eden.
„Du bist ganz rot, ruh dich aus. Es wird ein anstrengender Abend, und du brauchst Kraft.“
Eine seltsame Wortwahl. Plante er, erst sehr spät zurückzufahren? Sie sah ihn fragend an, doch er lächelte sie herausfordernd an und verblieb stumm.
In der Nacht hatte sie kaum geschlafen, und erschöpft legte sie sich zurück. Er zeigte grinsend auf den Tisch, auf dem zwei Bücher sowie eine schwarze Schachtel lagen.
Wenn es irgendwie möglich war, fühlte Carolina sich noch schlechter. Er gab sich solche Mühe, und sie hatte Angst, dass er Sex von ihr wollte. Sie griff nach dem Karton. Zum Vorschein kamen ein bordeauxfarbener BH mit passendem Panty aus feiner Spitze.
„Ich möchte, dass du es nachher trägst.“
Es hörte sich beinahe wie ein Befehl an, dem sie zu gerne nachkam. Das weiche Material lag angenehm auf ihrem Handrücken, das Höschen besaß den richtigen Schnitt, und der BH würde ihren Busen perfekt zur Geltung bringen. Sie streichelte den zarten Stoff, sprang auf und umarmte Richard.
„Danke.“
Er schob die Hände in ihre Shorts und umfasste ihren Po. Unbewusst verkrampfte sie sich. Sie spürte es deutlich: Noch ein Erlebnis wie gestern würde sie nicht verkraften. Richard ignorierte ihr Verhalten, küsste sie auf die Nasenspitze, während er ziemlich entschlossen aussah. Er wirkte, als verfolgte er einen Plan.
„Ruh dich aus, und lies ein wenig. Ich muss eine Präsentation für Montag vorbereiten.“
Eigenartig, dass er heute arbeitete.
Erleichtert atmete sie auf, sobald er im Haus verschwand.
Was war nur los mit ihr? Jede andere Frau hätte sich gewünscht, dass ihr Mann sie auf die Liege presste, sie verführte und sie den Samstagnachmittag mit Sex verbrachten. Doch alles in ihr verabscheute den Gedanken an den Frust.
Richard hatte ihr niemals zuvor Bücher gekauft. Sie runzelte die Stirn, denn sie handelten von BDSM, das zeigten Cover und Titel eindeutig. Welcher Teufel hatte ihn geritten? Sie las die Klappentexte und vertiefte sich in den ersten Roman.
Als der Held die Heldin übers Knie legte und ihr den Arsch versohlte, bis sie heulte, spürte sie, dass ihr Höschen nass an ihrer Scham klebte.
Wenn das nicht armselig wirkte. Aber allein die Vorstellung, dass Richard sie so behandeln würde, jagte Impulse durch ihren Körper, die sie belebten. Doch das waren Wunschvorstellungen und Fantasien, die genauso abwegig erschienen wie die romantische Idee eines Vampirs. Echte Paare lebten nicht auf diese Weise. Echte Paare gingen respektvoll miteinander um, nicht mit Zwang und Schmerz. Die Wahrheit, dass sie Richard belog, respektlos behandelte mit den vorgespielten Orgasmen, der glücklichen Fassade, die sie ihm vorgaukelte, wog schwer. Sie packte sie ganz tief in ihr Inneres.
Sie musste sich beeilen, falls sie noch Kekse backen wollte. Die Stunden waren bei der scharfen Lektüre wie im Flug vergangen.
In der Terrassentür prallte sie mit Richard zusammen. Er umfasste ihre Oberarme mit mehr Kraft, als nötig gewesen wäre. Sie konnte es ihm nicht verdenken, wahrscheinlich brodelte eine stille Wut in ihm, an der sie die Schuld trug, und die ein Ventil brauchte.
„Alles in Ordnung, Carol?“
Sie wusste nicht, was er dachte, wünschte sich, er würde sie packen, sie auf den Küchentisch werfen und genau das mit ihr anstellen, was in dem Roman passiert war. Er sollte sie bestrafen für ihr Vergehen. Es war ein sinnloser Wunsch. Richard würde so etwas niemals tun, und sie brachte es nicht über die Lippen, ihn darum zu bitten, obwohl sie ziemlich erregt war.
„Ich brauche eine Dusche.“
Eine eiskalte.
Er sah sie an, mit einer unergründlichen Mimik, trat näher und drängte sie gegen die Arbeitsplatte.
Ihre Hoffnung, dass er sich nach den Büchern erkundigte, erfüllte sich nicht, stattdessen strich er ihr eine Haarsträhne aus dem Gesicht, die sich aus dem Gummi gelöst hatte. Richard mochte ihr schulterlanges dunkles Haar und wickelte sich eine Strähne um den Zeigefinger. Wieso packte er ihr nicht ins Haar und riss ihren Kopf in den Nacken?
„Ich gehe für eine Stunde aufs Laufband.“ Er umspannte mit einer Hand ihren Hinterkopf und küsste sie fest auf den Mund. Er verschwand und ließ sie atemlos zurück.
Die Geschichte der entführten Sklavin übte einen aufwühlenden Effekt auf sie aus, den sie noch immer spürte.
War es normal, auf diese Weise zu fühlen?
Sie holte die Zutaten aus den Schränken, und das Backen beruhigte ihre aufgebrachten Nerven. Vielleicht besaß sie später genug Mut ihn zu fragen, warum er ihr diese Bücher geschenkt hatte.

Carolina genoss die Dusche, die den Schweiß und die konfusen Gefühle in den Abguss spülte. Sie duftete nach Zitronen, und sie schmunzelte, weil Richard sie oft neckte wegen ihrer Besessenheit für Geschmack und Geruch. Citronella, so nannte er sie manchmal liebevoll.
Sie legte ein leichtes Make-up auf, froh, dass ihre Haut eine zarte nahtlose Bräune besaß, dank ihres uneinsehbaren Grundstücks. Roter Lipgloss vervollständigte den Look. Sie steckte die Haare hoch und wählte eine goldene Kette mit einem Stein, der in der Farbe zu den verführerischen Dessous passte. David würde nicht wissen, wieso sie diesen Schmuck gewählt hatte. Ob Richard es bemerken würde, es ihn erregte?
Richard wartete im Wohnzimmer auf sie. Er saß auf seinem dunkelroten Lieblingssessel, wirkte nachdenklich, als ob er mit sich haderte. Seine Mimik änderte sich bei ihrem Eintreten. Stahlharte Entschlossenheit blickte ihr entgegen. War es wirklich ein Dinner? Vielleicht gab es Ärger in der Firma. Richard erzählte wenig über seine Arbeit. Er gehörte nicht zu den Männern, die sich durch ihren Job identifizierten. Sie hatten ewig nicht richtig geredet. Sogar das teilten sie nicht mehr. Carolina realisierte, dass sie nicht wusste, wie Richard sich fühlte. Dass sie keine Ahnung hatte, ob Sorgen ihn plagten oder er glücklich war.
Sie war eine Egoistin, die sich ausschließlich für sich selbst interessierte. Kein Wunder, dass Bob und Eve sie niemals geliebt hatten. Carolina verdiente Zuneigung nicht, denn sie verschwendete sie und trampelte alles in den Staub. Sie war eine herzlose Person, schlimmer als ihre Eltern.
Richard trug eine schwarze Anzughose, kombiniert mit einem fliederfarbenen Hemd, das seinen dunklen Teint und die blauen Augen betonte. Ihr Ehemann könnte mühelos eine neue Frau finden, die ihn zu schätzen wüsste, die ihn liebte und sich ihm hingab, genau wie es ihm zustand.
„Du siehst bezaubernd aus, Carol.“ Er sagte ihren Namen so zärtlich, dass der Kloß in ihrer Kehle anschwoll.
Impulsiv warf sie ihm die Arme um den Hals. Richard drückte sie an sich, und sie fühlte, dass er angespannt war. Er umfasste ihre Schultern und führte sie zu seinem schwarzen Geländewagen. Auf der Fahrt hing sie ihren Gedanken nach, erleichtert, dass Richard genauso schweigsam war wie sie. Sie musste sich zusammenreißen und einen guten Eindruck bei David hinterlassen. Was würde Richards Boss von ihr denken, wenn sie mit roten Augen in seinem Haus auftauchte, womöglich Richard mit offener Verzweiflung ansah? Nicht einmal das schaffte sie; ihre Emotionen standen immer wie Leuchtreklamen auf ihrer Stirn. Sie lauschte den Klängen der Popsongs aus den Achtzigern, die nie an Popularität verloren. Erneut überfiel sie diese grauenvolle Isolation, die sich auf sie legte wie eine klebrige Schicht, die sie langsam erstickte.
Sie wusste nicht viel Privates von David, nur, dass er unverheiratet war. Richard hatte ihr erzählt, dass seine Frau vor ein paar Jahren gestorben war. Er war gerecht zu seinen Angestellten, verlangte im Gegenzug eine Menge, doch ließ ihnen auch Freiraum. David wohnte einsam gelegen hinter den Randbezirken von Pasadena. Sie hielten vor einem schmiedeeisernen Tor. Die Torflügel schwangen wie von Geisterhand auf. Orangenbäume zierten die Einfahrt und lockten ihr ein Lächeln auf das Gesicht.
Richard stoppte vor dem zweistöckigen weißen Haus im italienischen Stil. Die Fensterrahmen waren sonnengelb, genau wie die Fensterläden aus Holz. Was für ein romantischer Anblick! Sie hatte eher mit einem kühlen Anwesen gerechnet, viel Glas und Beton. Ob David ebenso eine Überraschung darstellte? In ihrer Vorstellung war er von mittlerer Statur, hatte Geheimratsecken, trug eine dunkle Hornbrille und war so sexy wie ein Laib Brot. Ein Hüne öffnete die Tür, der so gar keine Ähnlichkeit mit einem Hausangestellten besaß.
War der Kahlköpfige etwa David? Nein, das war unmöglich.
„Alexander, darf ich dir meine Frau Carolina vorstellen?“
Merkwürdig, dass Richard sie nicht mit Carol vorstellte, wie er es sonst tat.
„Das ist Alexander, der persönliche … Assistent von David.“
Alexander musterte sie mit unbeweglicher Miene. Sie spürte, dass ihr Herzschlag beschleunigte. Da war etwas an ihm, das ihr Angst einjagte. Nein, nicht Angst, sondern er weckte einen Instinkt in ihr, den sie nicht näher zu definieren vermochte.
Er trug eine Hose und ein langärmliges T-Shirt, das seine Kraft betonte; beides in Schwarz. Alexander beugte sich vor und küsste sie leicht auf die Wange. Seine Augen waren grau, intensiv, und sie hätte sich am liebsten hinter Richard versteckt. Alexander traf ihren Blick, hielt ihn, bis sie sich fast mit Gewalt davon losriss.
„Es ist mir eine Freude. Master David erwartet euch.“
Master David?
Seine Mundwinkel zuckten belustigt, es stahl ihm jedoch nichts von dieser unglaublich gefährlichen Ausstrahlung. Er nahm Richard die Tüte mit den Keksen und dem Limoncello ab, und die Tür fiel mit einem Geräusch der Endgültigkeit ins Schloss. Ohne sie um Erlaubnis zu fragen, entwand er ihr die Handtasche, verschwand, ehe sie es schaffte zu protestieren. Carolina spürte, dass Nervosität Besitz von ihr ergriff, von der sie keine Ahnung hatte, wo sie herkam.
David war nur der Boss von Richard und nicht Don Corleone. Sie unterdrückte mühsam ein Kichern. Was würde David von ihr denken, falls sie die Nerven verlor, einen Lachanfall bekam, sodass die lang aufgestauten Emotionen wie ein Vulkanausbruch an die Oberfläche schossen? Wenn sie sich mit Richard während des Essens stritt? Wann hatten sie das letzte Mal gestritten?
Richard erfasste ihre Hand, als befürchtete er, sie plane eine Flucht. Er hielt sie nicht schmerzhaft, aber nachdrücklich. Aus dem Griff könnte sie sich nur mit Anstrengung befreien.
Was für unsinnige Gedanken sie verfolgte! Richard kannte sich in dem Haus aus, lief zielsicher auf eine Flügeltür zu ihrer Linken zu. Die Absätze ihrer Sandalen klickten auf den Bruchsteinfliesen.
David stand an einem bodentiefen Fenster des Esszimmers und drehte sich bei ihrem Eintreten um. Seine Präsenz packte sie augenblicklich. Das, was sie bei Alexander unbewusst gespürt hatte, war bei ihm stärker ausgeprägt. Sie wäre zurückgewichen, doch Richard verhinderte es mit Leichtigkeit und umfasste ihre Taille. Sie hatte ganz vergessen, wie kräftig Richard war. David kam lächelnd auf sie zu, geschmeidig wie Seide, die einem über die Haut floss. Sie wünschte sich ihre Handtasche zurück, denn dann hätte sie einen Halt besessen, an dem sie sich festklammern könnte.
Er konnte seine spanischen Vorfahren nicht verleugnen. David war gute 1,95 Meter. Richard war ein paar Zentimeter kleiner. Davids dunkle Haare waren etwas länger als Richards. Silber durchzog sie an den Schläfen. Sie war im Heim des Paten gelandet, der ein dunkelrotes Hemd und eine schwarze Hose trug, obendrein eine verdammt sexy Ausstrahlung besaß.
Im Heim des Masters korrigierte sie sich. Der Typ aus dem Roman führte auch den Titel Master. Ehe sie sich zu verhelfen vermochte, sah sie gebannt auf seinen Gürtel, erwartete fast, dort eine zusammengerollte Peitsche vorzufinden oder Handschellen.
Oh Mann, Carolina, reiß dich endlich zusammen.
David umfasste sie an den Schultern, ignorierte ihr Zusammenzucken und küsste sie auf beide Wangen. „Sie ist bezaubernd, Richard.“ Er nahm die Hände nicht fort, und die Hitze seiner Berührung sickerte durch den Jersey, verunsicherte sie, als ob er plante, ihr das Kleid vom Leib zu zerren.
Da sie zu Boden sah, legte er ihr die Handfläche unter das Kinn und zwang sie, in seine braunen Augen zu sehen. Jetzt wusste sie, was es war, das sie dermaßen verwirrte; es war pure, reine Dominanz.
Er lächelte, als hätte er sich gerade ein Urteil über sie gebildet. David presste sie auf einen der hochlehnigen hell gepolsterten Stühle, die an dem dunklen Esstisch standen. Weiße Vorhänge spielten im Wind und ermöglichten die Sicht auf einen blühenden Garten. Er ließ die Hände einen Augenblick auf ihren Schultern ruhen, beugte sich dann hinunter und atmete tief ein. Überdeutlich spürte sie die Kraft in der simplen Geste. Sie reagierte vollkommen unangemessen, da er einen Instinkt in ihr weckte, der ihr den Körper entlanglief wie ein Strom aus Hitze und Kälte. Ihre Nippel richteten sich auf. Die zarte Spitze und der Jersey verhüllten es nicht. Ihr war, als würde David sie überall berühren, nur so konnte sie die Fieberglut erklären, die ihre Haut erfasste. David verunsicherte sie dermaßen, dass sie keinen Ton hervorbrachte. Der Mann entsprach keinem Laib Brot, sondern gerösteten Croûtons, die eine fade Suppe in ein Fest der Sinne verwandelten, weil sie Chilipulver enthielten.
„Sie riecht genauso gut, wie sie aussieht.“ David lachte leise. „Kann sie auch sprechen?“
Das brach den Zauber, und sie schmunzelte erleichtert. Wahrscheinlich bildete sie sich alles über David ein, da sie vorhin das Buch gelesen hatte. David war mit Sicherheit kein Master, der sich Sklavinnen im Keller hielt und sie für sein sexuelles Vergnügen abrichtete.
Wenn sie später nach Hause fuhren, könnte sie Richard von ihren unsinnigen Fantasien erzählen, und sie würden gemeinsam darüber lachen. Und sie würde ihren Mut zusammennehmen und ihn nach den Romanen fragen. Vielleicht stellte es einen Einstieg dar, um zu erfahren, was er über das Thema BDSM dachte.
„Richard hat mir nie erzählt, dass sein Freund und Boss ein verdammt gut aussehender Kerl ist, dessen Duft seiner Ausstrahlung in nichts nachsteht.“ David roch nach Mann. Sie wusste nicht, wieso ihr dieser Vergleich einfiel, aber es entsprach der Wahrheit. Sein Geruch war maskulin und verführerisch.
Es erstaunte sie, dass ihr die Worte so leicht über die Lippen gingen, denn geflirtet hatte sie seit Ewigkeiten nicht mehr. Beide Männer lachten. Zu ihrer Verwunderung setzte sich Richard nicht neben sie an den großen dunklen Holztisch, sondern neben David. Sie griff nach dem Weinglas und war versucht, den Inhalt hinunterzuschütten. Doch sie hatte kaum etwas gegessen und war aufgeregt genug. Sie begnügte sich mit einem kleinen Schluck, packte den dünnen Stiel fester, weil sie das Zittern ihrer Hände nicht zu kontrollieren vermochte.
Entspann dich!
Nur mit Mühe gelang es ihr, den Besenstiel, der sich ihrer Wirbelsäule bemächtigt hatte, zu entfernen. Ihre Muskeln befanden sich in stählernen Klauen. Sie konzentrierte sich auf ihre Zehen, die sie in den edlen Sandalen hin und her bewegte. Es half, und allmählich lockerte sich der Rest ihres Körpers. Aber ihre dämlichen Nippel weigerten sich, ihren Befehlen zu gehorchen.
David starrte sie an, versuchte erst gar nicht, es subtil aussehen zu lassen. Er analysierte sie. Es missfiel ihr, sich wie ein Versuchsobjekt zu fühlen. Sie traf seinen Blick und spürte die Macht, die dahintersteckte. Verunsichert sah sie zu Richard, jedoch blieb sein Mienenspiel unergründlich. Sie fühlte sich im Stich gelassen. Dieses Abendessen entwickelte sich merkwürdig, irgendwie angsteinflößend. Richard benahm sich nicht wie Richard, sondern er wirkte fremd auf sie. Wie sollte sie diesen Abend überstehen? Am liebsten wäre sie aus dem Gebäude gerannt, hätte sich in den Wagen geflüchtet, um mit Höchstgeschwindigkeit nach Hause zu rasen. Ihre Instinkte warnten sie vor einer Gefahr, von der sie nicht wusste, was sie genau darstellte. Ihre Ängste entlockten Carolina ein Schmunzeln, denn sie waren unbegründet. Richard und sein Boss waren Architekten und keine Menschenhändler. Sie bezweifelte, dass ihr Ehemann über eine geheime Identität verfügte.
Richards Blick rammte in sie wie eine Handvoll Messer, die sich in sie bohrten. David dagegen drang tiefer vor. Sein Ausdruck zerschnitt sie, bis er ihr Inneres freigelegt hatte.
Vielleicht war sie zu viel allein, und ihr Verhalten wurde seltsam. Welche normale Frau hegte solch konfuse Fantasien bei einem Abendessen?
Alexander servierte die Vorspeise, berührte mit seinem Arm ihren, als er den Teller vor sie hinstellte. Nur mit Anstrengung zuckte sie nicht zurück. Es gab eine leichte Basilikumsuppe mit Croûtons. Ein Kichern drohte hochzublubbern. Zum Teufel damit, die Blicke von David und Richard steigerten ihre Nervosität dermaßen, dass sie das Glas leerte und sich beinahe an dem Weißwein verschluckte. David und Richard tranken Wasser. Richards Augen hatten einen Ausdruck angenommen, den sie nur als Begierde bezeichnen konnte. Was war nur los mit ihm? Schwerer wog die Frage, was war los mit ihr? Carolinas Unbehagen nahm zu, und sie wusste nicht wieso. Das Essen schmeckte köstlich, das Ambiente war einladend, und doch fühlte sie sich, als ob sie nackt auf einem Steintisch lag, auf dem sie das Mahl darstellte.
Sie merkte den Alkohol deutlich. Zum Glück brachte Alexander die Hauptspeise; Pasta mit Scampi und Spinat. Diesmal berührten seine Fingerspitzen ihren Nacken. Es ging so schnell, dass sie es als Einbildung abtat. Die Männer unterhielten sich über das laufende Projekt, und Carolina nutzte die Gelegenheit, sie zu betrachten.
Wie David wohl im Bett war? Ihm traute sie zu, sich zu nehmen, wonach ihm der Sinn stand. Sie unterdrückte ein Kichern, schob die verruchten Gedanken auf die Bücher zurück.
„Haben dir die Romane gefallen?“ Die tiefe Stimme von David drang in ihr Bewusstsein.
Sie schluckte die Nudeln hinunter. „Was?“ Dabei wusste sie ganz genau, was er meinte. Sie warf Richard einen vorwurfsvollen Blick zu.
„Ich mag es nicht, wenn man um den heißen Brei herumredet oder mich anlügt.“
Was bildete der Kerl sich ein!
Da war etwas in Davids Tonfall, das sie gerader sitzen ließ. Sie sah ihm direkt in die Augen, obwohl sie lieber ihren Teller betrachtet hätte.
„Ich habe nur reingelesen und kann mir kein Urteil erlauben.“
Außerdem geht dich das einen Scheißdreck an.
Ob er ihr ansah, wie sehr die Texte sie noch immer erregten? Dass sich ihre Gedanken darum drehten, auf diese Weise Lust zu erfahren? Dass Richard sich ruchlos nahm, was sie ihm dermaßen lange vorenthalten hatte.
David lächelte sie an; es war ein gefährliches Lächeln. Auch auf Richards Miene lag ein bedrohlicher, irgendwie sinnlicher Ausdruck, den sie niemals zuvor bei ihm gesehen hatte.
„Du spielst Richard deine Orgasmen vor.“
Ihre Gabel landete klirrend auf dem Teller. Sie war zu perplex, um zu antworten, und sie wollte nur noch eins: nach Hause.
Wo war ihre Tasche?
Sie setzte an, aufzuspringen.
„Sitzen bleiben!“ David brüllte die Worte nicht, sondern es tropfte von seinen Lippen, zeigte ihr deutlich, dass Ungehorsam Konsequenzen nach sich ziehen würde. Als ob ihr jemand die Muskeln geraubt hätte, sank sie zurück. Richard verzog spöttisch die Mundwinkel.
Es reichte ihr endgültig. Sie konnte nicht glauben, dass Richard sich wie ein Idiot benahm und sie so hinterhältig verraten hatte.
„Du verdammter Arsch!“
Richard zuckte zusammen, denn sie fluchte selten. Dann sah sie es in seinem Blick: eine unverfälschte Gier nach ihr. Noch nicht einmal in ihrer Anfangszeit hatte er sie mit diesem Hunger angesehen. Es erregte und verunsicherte sie zugleich. Doch Davids Ausdruck stellte Richards in den Schatten.
Sie musste fort von diesem Ort, sprang so heftig vom Stuhl, dass er umfiel. Carolina drehte sich um und prallte gegen Alexander, der wie aus dem Nichts aufgetaucht war. Sie wäre hingefallen, wenn er nicht ihre Schultern mit einem harten Griff umfasst hätte, der ebenso stählern war wie seine Augen. Er drückte sie mit dem Bauch nach unten auf den Tisch, umklammerte mit einer Hand ihren Nacken, schob das Kleid hoch, und seine Handfläche klatschte auf ihren Po, mit einer Wucht, die ihr Tränen in die Augen trieb. Das Höschen dämpfte die Qual kaum.
Sie kämpfte gegen seinen Halt an, doch er kontrollierte sie mühelos. Kein vernünftiges Wort kam über ihre Lippen, stattdessen kreischte Carolina vor Schmerz und Schock.
„Das war das letzte Mal, dass du deinen Ehemann und Master auf diese Weise bloßstellst.“ Bei jeder Silbe landete neue Pein auf ihrem Hintern. Das Ganze war dermaßen schnell und mit einer Effizienz geschehen, dass es ihr schlichtweg die Fähigkeit raubte, einen logischen Gedanken zu fassen. Sie registrierte den Schmerz nicht als einzelnen Reiz, sondern er bildete eine Mischung mit der grotesken Situation, die sie gründlich überforderte.
Carolina wusste nicht, wie sie reagieren sollte. Nichts und niemand hatte sie auf ein derartiges Szenario vorbereitet.
„Richard, in der obersten Schublade des Sideboards findest du Handschellen“, sagte David weich.
Das hier geschah nicht wirklich. Sie presste ihre Hände auf die Tischplatte und versuchte, sich hochzudrücken. Alexander nutzte es aus und riss Carolina hoch.
Er lachte, der Dreckskerl.