Kriegsbeute

Erschienen: 04/2013

Genre: Fantasy Romance
Zusätzlich: Dominanz & Unterwerfung
Seitenanzahl: 196


Erhältlich als:
paperback & ebook

ISBN:
Print: 978-3-86495-035-3
ebook: 978-3-86495-036-0

Preis:
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ebook: 6,99 €[D]

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Kriegsbeute


Inhaltsangabe

Fia gerät zwischen die Fronten eines Krieges, der seit unzähligen Sonnendämmerungen Sumapask heimsucht. Der Warlord Diego zwingt Fia, sich in das Feindesland der Sumarier zu begeben, um ein Artefakt aus einer verfallenen Tempelanlage zu stehlen. Die Mission läuft schief und sie fällt dem Feind geradewegs in die Arme!
Rasul ist von Anfang an mehr als fasziniert von seiner Kriegsbeute. Er zeigt Fia mit harter, aber zugleich schrecklich sanfter Hand, was es bedeutet, seine Sklavin zu sein. Er verlangt ihre vollkommene Unterwerfung und Hingabe. Fia verfällt den Verführungskünsten des dunklen Prinzen, der sich nimmt, was er begehrt. Doch kann sie sich mit ihrem Schicksal abfinden?
Zudem bedroht der Schattentod Rasuls gesamtes Volk. Fia spielt eine wichtige Rolle in dem Kampf der Mächte um das Artefakt, denn sie trägt die Magie der alten Welt in sich, und somit den Schlüssel, um die Sumarier zu retten ...

Über die Autorin

Linda Mignani wurde in Kirkcaldy (Schottland) geboren und lebt glücklich verheiratet im Ruhrgebiet. Schreiben und Malen zählen zu ihren Leidenschaften und beides hat erstaunlich viel gemeinsam. Frauenuntypisch besitzt sie nur eine Handtasche aber unzählige Turnschuhe und noch mehr Wanderschuhe, die...

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Leseprobe

Mit einem Schrei auf den Lippen schreckte Fia aus dem unruhigen Schlaf. Sie wünschte sich, sie wäre nicht aufgewacht. Der Gleiter bockte und schlitterte, während gleißendes Licht um ihn herumzuckte, begleitet von lautem Donner. Sie warf sich in den Pilotensitz, legte den Gurt um und starrte auf Baumwipfel, die auf sie zurasten. Ein Blitz traf das Shuttle, das auf eine Baumlinie zuschlingerte und sich dem Ufer eines Sees näherte. Fia krallte ihre Finger in das Polster, betete, dass der Flieger nicht ins Wasser krachte, sondern auf dem schmalen Streifen Sand stoppte. Sie konnte nicht schwimmen. Der Gleiter knallte auf den...

...Boden und kam schlitternd zum Stillstand. Dicke Baumstämme ragten vor seiner Nase auf. Einen halben Meter weiter und ihr Herz würde nicht mehr versuchen, aus ihrer Brust zu springen.
Reiß dich zusammen. Zeit ist kostbar.
Nach einigen Anläufen gelang es ihr endlich, ihre zitternden Hände dazu zu bewegen, den Gurt zu lösen. Tief atmete Fia durch. Das Gesicht von Jos schwebte so lebendig vor ihren Augen, als ob sie sich gerade von ihm verabschiedet hätte. Ruhe erfasste sie, als ob er bei ihr wäre. Der Luxus von Furcht war ihr nicht vergönnt und könnte ihren Tod bedeuten, dem sie eben so knapp entgangen war. Sie umschlang ihren Kopf mit dem Kilta, das, obwohl es aus einem leichten Material bestand, doch undurchdringlich wie grosamischer Stahl war. So sehr es ihr missfiel, die Tracht des Feindes zu tragen, war sie froh, denn es würde sie vor dem starken Regen schützen.
Auf den ersten Blick könnte man sie für eine Sumarierin halten. Mit einem Seufzer richtete sie sich auf, versuchte, nicht auf den Schmerz zu achten, der noch immer in ihrem Hals wütete. Diego hatte ihr nicht den Komfort eines kleineren, modernen Senders zugestanden.
Sadistischer Bastard.
Zudem war sie so gut wie waffenlos, nicht einmal eine Energiepistole hatte er ihr gelassen. Das erschien seltsam, wenn sie die Männer in Betracht zog, die die Tempelanlage angeblich bewachten. Mit Energiepistolen war es möglich, den Gegner außer Gefecht zu setzen, ohne ihn zu töten. Fia verdrehte die Augen. Ihre einzigen Waffen waren ein karylischer Dolch und ihr Körper. Ihr verblieb nur zu hoffen, dass sie nicht verlernt hatte, mit den Schatten zu verschmelzen. Anders, als Diego dachte, war diese Fähigkeit auf Übung zurückzuführen.
Bevor sie den Feinden in die Hände fiel, besaß sie die Option, sich das Messer in die Kehle zu rammen. Aktiv ausgetragene Schlachten waren zwar lange vorbei, doch Feindseligkeit war tief in den Völkern verwurzelt. Soweit sie wusste, fanden nur Scharmützel in den Grenzgebieten statt, jedoch reichte es, um den stillen Konflikt aufrechtzuerhalten. Es war eine besondere Art von Krieg. Eine unüberwindliche Schallmauer trennte beide Welten voneinander. Davor und dahinter lag die Todeszone. Sie vermochte nur zu raten, wie es Diego gelungen war, an einen sumarischen Gleiter zu kommen, der keinen Alarm auslöste. Auf ihrer Hälfte von Sumapask gab es kaum noch Technologie, die für den größten Teil der Bevölkerung zugänglich war. Es sei denn, man war reich und mächtig, gehörte den Behörden an und bezahlte für die Annehmlichkeiten. Auf Sumaria sah es anders aus, hatte sie gehört. All das war den Paskaniern vor Jahrzehnten von den Sumariern geraubt worden. Sie hatten das Bewässerungssystem vernichtet. Seitdem versandete Paskania immer mehr. Und was die Sumarier an Zerstörung nicht geschafft hatten, erledigten die Paskanier selbst, indem sie sich gegenseitig unterdrückten und sich bestahlen.
Fia öffnete die Luke und drückte ihre Schultern durch. Es machte wenig Sinn, den ersten Schritt aufzuschieben. Wenn sie hier herumlungerte, könnten Wachen des Außenpostens sie entdecken und sich nicht mit einem flüchtigen Blick aus der Ferne begnügen. Mit einem Seufzer trat sie in den Sturm, und Regen prasselte auf sie nieder. Kostbares Wasser, das sie auf paskanischer Seite begrüßt hätte. Fia schulterte den Wetterrucksack, der Werkzeug enthielt, das besser geschützt war als sie, und rannte in den dichten Wald hinein. Sie blickte auf das Ortungsgerät an ihrem Handgelenk und schlug die angezeigte Richtung ein, so wie Diego es ihr erklärt hatte. Nach einigen Metern war alles außer ihrem Kopf durchnässt. Dieses Kiltading erschien ihr doch nicht so verkehrt.
Ihre nasse Kleidung war jedoch nicht das einzige unangenehme Gefühl, das sie plagte. Fia verharrte hinter einem dicken Baumstamm. Jemand verfolgte sie, jagte sie, und sie bezweifelte, dass es ein Mensch war. Sie hatte keine Ahnung, was für Kreaturen in Sumaria existierten. Aber was immer es war, es wollte sie bestimmt nicht freundlich begrüßen, höchstens genüsslich fressen. Sie tastete nach dem Dolch. Um sie herum wucherte undurchdringlicher Wald. Unter anderen Umständen hätte sie die goldbraunen Bäume bewundert, die leuchtend rote, gefederte Blätter trugen. Tiefgrüne samtige Farne mit orangefarbenen Spitzen bedeckten hüfthoch den Boden. So sehr sie sich bemühte, durch das Dickicht zu sehen, der Jäger blieb verborgen.
Sie atmete tief ein, um ihren Herzschlag zu beruhigen. Jeder Prädator roch Furcht meilenweit. Was nutzte einem Wissen, wenn man seinem Körper hilflos ausgeliefert gegenüberstand? Einem menschlichen Raubtier vermochte sie zu entkommen, aber nicht einer Kreatur, deren Sinne so viel effektiver waren als ihre. Die glatten Stämme boten keinen Halt. Die Äste ragten zu hoch über den Waldboden. Ein gleißender Blitz erhellte den Wald, und sie glaubte, für einen Sekundenbruchteil etwas zu erkennen, was kein Tier war. Ein Sumarier? Hatten sie ihre Spur bereits aufgenommen, bevor ihre Mission richtig losging? Sie setzte alles auf eine Karte und bewegte sich lautlos aus der Deckung. Um sie herum rauschte der Farn, und der Sturm donnerte durch die Baumwipfel. Mit weit ausholenden Schritten drang sie tiefer in die Wildnis vor.
Und dann hörte sie es hinter sich. Wo immer es herkam, es gab seine Bemühungen auf, sich zu verbergen. Es kam näher, verkürzte mühelos die Distanz zu ihr. Wegrennen erschien sinnlos. Fia zog den Dolch aus der Scheide und drehte sich um, die Bewegung genauso fließend, wie Zorgan es ihr beigebracht hatte, um allein in den Straßen von Ladur zu überleben. Ein Blitz tauchte die Bestie in ein unheimliches Licht. Selbst romantischer Kerzenschein hätte nicht verborgen, was für ein grauenvolles Wesen sie verfolgte. Es lief auf zwei Beinen. Graue Haut überzog einen kräftigen Körper, an dem Fetzen von Kleidung hingen. Überall platzte die Haut auf, sodass eine gelbliche Flüssigkeit aus den Wunden sickerte. Wahnsinn schimmerte in seinen verschleierten Pupillen. Obwohl Fia wusste, dass es aussichtslos war, lösten sich Worte aus ihrer Kehle, flehten das Monster um ihr Leben an. Es stand mit bebenden Nasenflügeln einen Meter von ihr entfernt und stieß einen Laut aus, der gegen sie prallte, dermaßen unmenschlich wirkte er. Die Kreatur ähnelte einem Monster aus den Tiefen eines Albtraums und nicht einer intelligenten Lebensform, deren Dasein auf Logik aufbaute. Instinkte trieben dieses Ding an. Und im Moment war Hunger sein Antrieb.
Fia spannte ihre Muskeln an, bewegte sich aber ansonsten nicht. Die Bestie schnellte nach vorn und riss das Maul auf. Solche Zähne hatte sie höchstens schon einmal bei einem Gatak gesehen. Sie waren nicht dazu gedacht, etwas zu kauen, sondern um zu töten. Fia rammte ihm den Dolch mitten in die Brust und wich in einer fließenden Bewegung nach hinten aus. Doch das stinkende Etwas schien weder den Schmerz zu spüren noch reagierte es auf irgendeine Weise auf die Klinge. Es sprang sie an und stieß sie zu Boden. Sie hielt den Unterarm vor seine Kehle, versuchte es davon abzuhalten, sie in den Hals zu beißen. Denn genau das war seine Absicht. Es war stark, und ihre Kraft schwand. Das Ding packte mit einer Hand ihr Handgelenk, drückte so fest zu, dass sie das Knirschen ihrer Knochen hörte.
Und der Ausdruck in den Augen!
Sie wollte den Tod nicht sehen, und ihre Lider flatterten zu. Es war nur eine Frage von Sekunden, bis es beginnen würde, sie zu fressen. Es zerrte ihr das Kilta vom Kopf, und Fia wappnete sich gegen den Schmerz, obwohl sie wusste, dass es nicht helfen würde. Ihr verblieb nur die Hoffnung, dass es schnell ginge.

Rasul roch Nanghal, bevor er ihn sah. Selbst der Regen vermochte den Gestank nicht zu beseitigen. Das, was von dem stolzen Kämpfer übrig war, lag kreischend und um sich schnappend auf einer Frau.
Verdammter Mist! Hoffentlich hatte er sie nicht verletzt. Vielleicht war es noch nicht zu spät. Drugal stieß einen Schrei aus, doch die Bestie reagierte nicht, zu gefangen war sie in ihrem Fressrausch. Sie konnten ihn nur töten, indem sie ihm den Kopf abschlugen, aber es war zu riskant, solange er auf ihr lag. Sein Blut könnte in ihre Augen spritzen und sie verseuchen.
Drugal sprang mit einem Satz seitlich auf den Infizierten zu, mit einer solchen Wucht, dass er von seinem Opfer flog. Der Krieger rollte sich fließend ab und stand innerhalb eines Wimpernschlages sicher auf den Füßen. Sobald Nanghal sich aufrichtete, köpfte Rasul ihn mit einer geschickten Bewegung.
Drugal packte die Frau an den Armen, die sie anstarrte, als wären Geister vor ihr aufgetaucht. Sie mussten rasch handeln. Der mickrigste Kratzer zog eine Infizierung nach sich. Sie würde sich zwar nicht in eine wahnsinnige Kreatur wie Nanghal verwandeln, doch in einen lebenden Schatten ihrer selbst. Sie konnte die Krankheit übertragen, und ihnen bliebe dann keine andere Wahl, als sie zu töten. Am besten brachte Rasul es schnell hinter sich, ehe die Kleine den Schock überwunden hatte. Tabith fasste ihre Beine. Die Krieger hielten sie in einem eisernen Griff.
Rasul kniete sich zu ihr und streichelte über ihre bronzefarbene Wange. Er weigerte sich, sie näher zu betrachten, sie mental an sich heranzulassen. Dazu war gleich Zeit, wenn sie nackt vor ihnen lag und hoffentlich unversehrt war. Sie hatte die grünsten Augen, die er jemals gesehen hatte. Eine Träne löste sich aus ihren Augenwinkeln.
Reiß dich zusammen.
„Bleib ruhig, Flora. Wir wollen uns nur überzeugen, dass du unverletzt bist.“
Erstaunlicherweise waren an Händen, Armen und Gesicht keine offenen Wunden. Rasul hoffte, dass der Rest ebenso unbeschadet war. Sie atmete schnell und spannte ihren Körper an, presste die Lippen aufeinander in dem vergeblichen Versuch, ihre Angst zu kontrollieren. Ein Zittern lief ihren Leib entlang - über ihren schrecklich verführerischen Leib, sofern er es beurteilen konnte. Rasul zog seinen Energiedolch aus der Scheide, und wimmernd kämpfte sie gegen den Halt der Männer an. Nicht, dass es ihr etwas genutzt hätte. Wenn Drugal und Tabith es nicht wollten, würden sie den Griff nicht einmal um eine Haaresbreite lockern.
„Ich verletze dich nicht.“
Tabith warf ihm einen erstaunten Blick zu. Rasul wusste selbst nicht, wieso er sich die Mühe machte, sie zu beruhigen. Wahrscheinlich musste er sie gleich töten, und es würde ihm nur schwerer fallen, sollte sie um ihr Leben flehen.
Er zerschnitt die Träger des Rucksacks, und sie kniff die Lider zu. Rasul konnte es ihr nicht verdenken. Es war leichter nicht zu sehen, wie man starb. Er zog den Rucksack unter ihr hervor und öffnete den Verschluss der Jacke. Darunter kamen die Konturen ihres äußerst vollen Busens zum Vorschein, der gegen das enge Shirt presste. Sie fror.
Konzentrier dich!
„Rühr dich nicht, ich möchte dich nicht schneiden.“
Er aktivierte die Klinge und führte sie über das dünne Material. Es zerschmolz, sobald er es berührte. Gut, keine offenen Verletzungen, nur Blutergüsse.
Herrliche Nippel! Sie waren von einem goldenen Braun und krönten ihre entzückenden Brüste. Drugal traf seinen Blick und zog die Augenbrauen hoch. Er sah die Bewegung unter dem Kilta, das wie eine zweite Haut auf dem Gesicht lag. Ihre Augen flogen auf, und Zorn ersetzte die Angst.
„Fass mich nicht an, du schleimige Hinterlassenschaft eines Dungkäfers.“
Das kam so überraschend, dass er ebenso schnaubte wie seine Freunde. Sie bäumte sich auf. Eigentlich war es unnötig, ihr die Hose auszuziehen, weil sie im Gegensatz zu Jacke und Hemd unzerrissen war. Aber sie mussten sichergehen. Drugal grinste ihn an, und seine Pupillen funkelten. Die Anspannung wich spürbar. Was für eine verführerische Beute war ihnen ins Netz gegangen! Die ovalen Gesichtszüge sowie die leicht schräg stehenden Augen wiesen auf paskanisches Blut hin. Doch ihre Augenfarbe und ihr Körper deuteten auf eine ganz andere Herkunft hin. Niemals zuvor hatte er eine dermaßen ungewöhnliche Hautfarbe gesehen. Sie ähnelte einer Bronzestatue. Ihr Akzent war paskanisch, jedoch waren ihre üppigen Brüste und die verflucht weiblichen Hüften eindeutig nicht auf diese Gataks zurückzuführen. Ob ihr Arsch ebenso einladend war? Dazu gemacht, die feste Hand ihres Sires zu spüren? Er beugte sich zu ihr herab, und sie schnellte mit dem Kopf nach oben, in dem Versuch, ihm die Nase zu brechen. Es wäre ihr auch gelungen, wenn er nicht durch das Kilta geschützt gewesen wäre.
Sie hatte ihn überrumpelt! So ein verführerisches Biest!

Schmerz durchfuhr ihre Stirn an der Stelle, wo sie ihn getroffen hatte. Er packte ihr Kinn und hielt es in einem unerbittlichen Griff. In seinen Augen glitzerte … Belustigung. Fia hatte damit gerechnet, dass er sie ins Gesicht schlagen würde. Sie war dem Feind in die Arme gelaufen, der offenbar plante, sie im strömenden Regen zu vergewaltigen. Die Männer hatten die Kreatur getötet, mit einer Schnelligkeit und Effizienz, die ihr klar aufzeigten, mit wem sie es zu tun hatte. Ob sie unter den Kiltas genauso grauenvoll aussahen wie das Monster? Wenigstens stanken sie nicht. Auch waren die intensiven blauen Augen, die sie zu durchbohren schienen, nicht verschleiert.
„Das hättest du nicht tun sollen, kleine Sklavin.“
Seine fließende Stimme erinnerte Fia an das Fell einer Samtkatze, und sie wirkte ebenso tödlich wie die Katzen der Nacht. Das Opfer bemerkte die Gefahr erst, wenn das Raubtier es aus dem Hinterhalt ansprang.
„Ich bin keine Sklavin!“, würgte sie hervor. Lieber würde sie sterben, als dieses unwürdige Schicksal zu erleiden. Am besten provozierte sie die herzlosen Bastarde, damit Fia es schnell hinter sich brachte und die Sumarier ihr in Rage einen gnädigen Tod schenkten.
„Rasul, anscheinend hast du endlich den Wildfang gefunden, nach dem du dich sehnst“, sagte der Kerl, der ihre Arme hielt.
„Meinst du, Drugal? Mal sehen, ob der Rest von der Sklavin hält, was die Brüste versprechen. Ob ihr Arsch meine Hand aushalten kann, wenn ich sie züchtige?“
Was? Er wollte sie erst schlagen und dann vergewaltigen. Ihr Leid hinausziehen, bis sie innerlich starb.
Er fasste nach dem Bund ihrer Hose und öffnete einen Knopf nach dem anderen, obwohl sie sich aufbäumte. Der Griff der Mistkerle lockerte sich nicht.
„Bitte, tötet mich. Bitte. Bitte.“ Sie stieß die Worte hervor und bemühte sich, nicht in Tränen auszubrechen. Für Tränen war jetzt kein Platz. Er zog sich die Handschuhe aus. Aberwitzigerweise empfand sie die Geste als bedrohlich.
Die azurblauen Augen sahen sie schockiert an. Alles in ihr verlangte danach, Rasuls Gesicht zu sehen. Ein Gesichtsloser sollte sie nicht töten und mit ihr die letzten Sekunden verbringen. Seine Knöchel fühlten sich heiß auf ihrer kalten Haut an. Er nahm das Messer in die Hand, und sie dachte, er würde ihr Flehen erhören. Doch er tat etwas viel Schlimmeres. Er zertrennte ihre Hose, und ihr verblieb lediglich ein weißes Höschen, das durch den strömenden Regen nichts mehr verbarg. Sie spürte förmlich seinen flammenden Blick auf ihrem Geschlecht. Rasul legte seine Handfläche auf den dünnen Stoff, die wie glühende Kohlen wirkte.
„Ein höchst verführerischer Anblick, Sklavin. Ich freue mich bereits darauf, deine Knospe zu stimulieren, bis deine Säfte fließen.“ Er setzte die Klinge unter den Bund, und Fia verharrte stocksteif.
Was, wenn er sie dort schnitt und sie anschließend missbrauchte? Ihr unglaubliche Schmerzen zufügte, die den Tod wie eine Liebkosung aussehen ließ? Ein Beben lief ihren Körper entlang. Niemals zuvor war sie von einer dermaßen intensiven Furcht befallen worden. Nicht einmal, als Jos sie in der Arrestzelle verhört und sie nicht gewusst hatte, dass er ihr nichts antun wollte.
Plötzlich sprangen die Männer auf, die Bewegungen synchron, als sie ihre Schwerter zogen. Fia lag einen Augenblick zu erstarrt da, um sich zu rühren. Dann richtete sie sich langsam auf. Vier Gestalten taumelten auf sie zu. Sie sahen zwar nicht so grauenvoll aus wie die Kreatur, die sie angefallen hatte. Doch auch sie wirkten nicht gesund. Die Sumarier griffen gleichzeitig an. Fia löste sich endlich aus der Starre, schnappte sich ihren Rucksack und rannte so schnell sie ihre Stiefel trugen in das Dickicht hinein. Wenn sie es schaffte, genügend Distanz zwischen sich und die Feinde zu bringen, könnte es ihr gelingen, zu entkommen.
Bereits nach wenigen Schritten hörte sie ihn hinter sich. Sie hatte keine Zeit mehr sich zu verbergen, dazu reichte die Entfernung nicht, und ihr Körper befand sich in Aufruhr. Sie atmete dermaßen laut, dass selbst ein halbtauber Molch sie mühelos aufspüren könnte.
Shitak! Das waren durchtrainierte, kampferprobte Krieger, und im freien Lauf würde sie ihn niemals abschütteln. Ihre Instinkte sagten ihr, dass es Rasul war, der sie verfolgte. Er hatte sie mit einer Lust angesehen, die ihr noch immer Hitze in das Geschlecht jagte, bei der leisesten Vorstellung, was er für sie im Sinn hatte. Sie würde nicht als Küchensklavin enden, so viel war sicher. Obendrein war er nicht auf ein kurzweiliges Vergnügen aus, vielmehr würde er dafür sorgen, dass sie auf seine Bemühungen reagierte, auf welche Weise er sie auch ausführte. Das hatte sie in seinen Augen gesehen. Was für eine Wirkung besäße er, wenn sie das gesamte Paket zu Gesicht bekam? Er wollte erst mit ihr spielen, bevor er sie tötete. Erneut überwältigten sie die Gerüchte über die Sumarier, dass sie sich darauf verstanden, Qual in Begierde zu verwandeln.
Die Baumkronen wuchsen hier tiefer. Zweige peitschten gegen ihre ungeschützte Haut.
Der verdammte Sender in ihrem Hals sandte Schmerzwellen durch ihren Körper. Sie könnte die mörderische Geschwindigkeit nicht mehr lange halten. Wozu das Unausweichliche aufschieben? Sie blieb abrupt stehen, bückte sich nach einem Ast und wirbelte herum. Rasul war bereits bei ihr, umklammerte mit einer starken Hand die nutzlose Waffe, drehte sie, sodass sie den Ast loslassen musste, weil er ihr sonst das Handgelenk gebrochen hätte, das ohnehin schmerzte. Fia verlagerte das Gewicht gleichmäßig auf beide Füße, schnellte mit einem Bein vor und visierte sein Knie an. Nur Idioten zielten auf den Schritt eines dermaßen überlegenen Kämpfers, zu groß war die Gefahr, dass er ihren Knöchel packte. Doch Rasul sah es voraus, wich lässig zur Seite aus, und plötzlich lag sie unter ihm auf dem Boden. Er stützte ihren Nacken, bewahrte ihren Kopf davor, aufzuschlagen. Rasul griff in ihr Haar und beugte sich zu ihr herab. Diesmal konnte sie nichts tun, denn niemals wäre sie in der Lage, sich aus seinem Halt zu befreien. Seine Augen leuchteten unglaublich blau und starrten sie mit einer Mischung aus Belustigung und Begierde an. Sie wirkten ganz anders, als sie es sich vorgestellt hatte. In ihnen glitzerten weder Wahnsinn noch Hass, nicht einmal Wut. Wie sah er ohne die Kopfbedeckung aus? Sie glaubte nicht, dass diese wunderschönen Augen zu einer Fratze des Grauens gehörten. Die Konturen, die sie sah, ließen Besseres erahnen. Erst jetzt spürte sie die Kälte des nassen Waldes, weil Rasuls Hitze in ihren Körper drang, besonders an der Stelle, die zwischen ihren Beinen lag. Dort war er nicht nur heiß, sondern auch hart. Wenn er wollte, könnte er sie schänden, so mühelos, wie man eine Fliege erschlug. Mit einer Hand löste er das Kilta, und sie schluckte spürbar, als er es sich vom Kopf zog. An ihm war nichts Grauenvolles. Er besaß überaus maskuline Gesichtszüge, mit einer starken Nase und schmalen Lippen. Unglaublich schwarze, lange Wimpern umrahmten seine Augen. Nachtschwarzes Haar, das sein Gesicht umgab – so sah der Feind aus.
Sanft berührte sein warmer Mund ihren. Die überraschend zärtliche Geste raubte ihr den restlichen Atem, über den sie noch verfügte. Um mit der Zunge einzudringen, war er zu schlau, doch sie wünschte sich, er würde es tun.
War sie von Sinnen?! Sie versuchte, den Kopf wegzudrehen, und er grinste sie an.
„Das gehört sich für eine Sklavin nicht.“
„Ich bin keine Sklavin, du nichtsnutziger Bolok.“
Rasuls schwarze Augenbrauen schossen nach oben, und sein Blick wurde lustvoller. Er richtete sich auf und legte eine starke Handfläche auf ihren rechten Busen, massierte ihn gekonnt und zwickte die geschwollene Knospe. Sie musste ihre Lippen zusammenpressen, um das Stöhnen zurückzuhalten. Wieso nur reagierte die verräterische Spitze mit Begierde, die direkt in ihr Geschlecht raste? Bei Diegos Berührung hatte ihre Haut gekribbelt, als ob sie den ekelhaften Fingerkuppen ausweichen wollte. Bei Rasul spürte sie genau das Gegenteil. Unbewusst drängte Fia sich ihm entgegen. Seine Mundwinkel verzogen sich spöttisch, bevor er den Kopf senkte und den Nippel in seinen heißen Mund saugte, geschickt mit der Zunge die pochende Brustwarze umkreiste und dann leicht hineinbiss.
Diesmal entwich ihr ein Keuchen, das sich sogar in den eigenen Ohren lustvoll anhörte. Er ließ von ihr ab und grinste sie an. Kälte umfloss die sensible Knospe, zeigte ihr deutlich, wie sehr Rasuls Bemühungen sie erregten.
„Ein höchst empfindsamer Körper. Wie geschaffen für mich, Sklavin.“
Bei den verlorenen, vergessenen Heiligen! Fia schrie empört auf und kniff ihm in die Seite, derweil sie nach Luft schnappte; zu intensiv fühlte sie es noch immer. Er zuckte nicht einmal zusammen.
„Dich zu erziehen wird mir eine besondere Freude sein, Sklavin“, wisperte er an ihrem Ohr. „Dich zu nehmen, während ich dich zähme, wird dir ebenso gefallen wie mir. Ich freue mich bereits jetzt auf deine Schreie, nicht alle werden ihren Ursprung im Schmerz haben.“ Unvermittelt löste er sich von ihr und zog sie auf die Füße. „Tabith, hast du ein Halsband dabei?“
Was für ein arroganter Arsch!
Und doch ahnte sie, dass er mit Leichtigkeit seine Versprechungen in die Tat umsetzen würde. Rasuls Arroganz war verdient.
„Selbstverständlich, mein Prinz.“
Mein Prinz? Natürlich musste es ein Prinz sein, der über genug Ressourcen verfügte, um sie zu unterwerfen.
Die Männer vermochten sich ebenso lautlos zu bewegen wie sie. Sie hatte weder Tabith gehört, als er sich genähert hatte, noch Drugal.
Tabith holte ein ledernes Exemplar aus der Innenseite seiner Jackentasche. Ein Ring war an der Vorderseite angebracht.
Oh, bitte nicht.
„Bitte tötet mich.“ Sie wich zurück.
Rasuls Blick bohrte sich in sie. Er packte ihre Handgelenke und hielt sie so, dass Tabith das Halsband befestigen konnte. Sie wimmerte vor Schmerz auf, als es ihren Hals berührte und mit dem Sender in Kontakt kam. Zu ihrem Erstaunen löste der Krieger die Schnalle und betastete leicht ihre Haut.
„Was hast du da?“ Selbst Tabiths Fingerkuppen schmerzten, während er sanft über die Stelle strich. „Sie trägt einen altmodischen Sender. Wir müssen ihn schnellstmöglich entfernen. Das Ding könnte sie umbringen.“
Fias Beine gaben beinahe nach. Die Sumarier würden sie aufschneiden, sich an ihr rächen und sie langsam töten.
„Wir erledigen es im Shuttle.“ Rasul sah sie intensiv an. „Schwöre mir, dass du keinen Fluchtversuch unternimmst, Sklavin. Dann erlasse ich dir das Halsband und fessele dich nicht.“
Sie würde nichts gewinnen, nur verlieren, wenn sie stur bliebe. „Ich schwöre es“, würgte sie hasserfüllt hervor.
Ein flammender Hieb traf sie auf die Rückseite ihrer Oberschenkel.
„Ein weiterer solcher Tonfall aus deinem Mund, Sklavin, und ich sorge dafür, dass du dir wünschst, du hättest niemals sprechen gelernt. Entschuldige dich bei Rasul. Auf den Knien“, wisperte Drugal an ihrem Ohr. Der Kerl besaß eine Stimme wie Glassplitter.
Als sie nicht sofort gehorchte, zwang Drugal sie so mühelos, als wäre sie ein Kind, in die gewünschte Haltung, indem er mit dem Knie gegen ihre Wirbelsäule presste und ihren Kopf an den Haaren in den Nacken zog. „Tu es, oder ich ziehe dir das Höschen aus und bearbeite deinen Arsch, bis er glüht.“
Glasklar hörte sie, dass er es nur zu gern machen würde.
„Es tut mir leid.“ Fia erstickte fast an den Worten.
Zu ihrem Erstaunen zog Rasul seine Jacke aus, legte sie ihr um die Schultern und half ihr hinein. Mit ruhigen Händen knöpfte er sie zu. Das Kleidungsstück reichte ihr bis zu den Knien. Aber es war kein Wunder, weil die Kerle sie deutlich überragten. Drugal lief vor ihr, Tabith hinter ihr, und Rasul blieb an ihrer Seite.
Ihr schlimmster Albtraum war wahr geworden, sie war dem Feind als Kriegsbeute in die Hände gefallen, um ihr restliches Dasein als Sklavin zu erleiden, die misshandelt, vergewaltigt und schlussendlich getötet wurde. Nicht nur sie war verdammt, auch Suno war bereits so gut wie tot. Diego würde ihn umbringen, sobald der Sender kein Signal mehr aussandte. Die Sumarier würden ihr Fleisch unbetäubt aufschneiden, um das Gerät zu entfernen. Wenn sie Glück hatte, überlebte sie die Prozedur nicht. Sie stolperte, und Rasul fing sie auf, hielt sie mit starken Händen, die ihr gleich unglaubliche Schmerzen zufügen würden.
Gegen die Tränen, die hinter ihren Lidern lauerten, konnte sie ebenso wenig tun wie gegen den Regen, der unerbittlich auf sie niederprasselte.
„Habt ihr die Überreste der Infizierten verbrannt?“, fragte Rasul.
„Ja, und die Erde desinfiziert“, antwortete Tabith. „Eine Einheit ist bereits unterwegs, um das Gebiet zu durchkämmen.“
Infizierte?
Viel zu schnell erreichten sie eine kleine Lichtung, auf der ein sumarischer Gleiter stand. Im Gegensatz zu ihrem Gefährt war dieses ein neues Modell. Alles in ihr zerbrach bei dem Gedanken, es zu betreten, sich mit ihrem Schicksal abzufinden. Fia blieb abrupt stehen, weil intensiver Schwindel sie befiel.
Was für eine Ironie!
Lebensspendendes Nass prasselte auf sie nieder, und sie war zum Sterben verurteilt. Nicht einmal ein rascher Tod war ihr vergönnt. Rasul hob sie auf die Arme, mit einer Leichtigkeit, als ob sie nichts wiegen würde. Er trug sie in das Shuttle und stellte sie auf die Füße. Tabith hielt sie an den Schultern, während Rasul die Jacke aufknöpfte. Rasul setzte Fia auf eine Liege und hockte sich vor sie, um ihre Stiefel auszuziehen. Sanft umfasste er ihre Waden und löste die Schnüre. Was sollte das? Wollte er sie erst verwirren, bevor er sie folterte?
„Wie ist dein Name?“
„Möchtest du wissen, wen genau du foltern und töten wirst?“
Und vergewaltigen.
Er schnaubte amüsiert. „Schmerzen, die du durch meine Hände erleidest, Sklavin, sind lustvoller Natur. Es sei denn, ich muss dich bestrafen. Deinen Tod habe ich nicht geplant, er würde meinen Tag verderben.“ Belustigt zuckten seine Mundwinkel. „Soll ich deinen Namen aus dir … rauskitzeln?“ Er richtete sich auf, legte die Handfläche unter ihr Kinn und zwang sie, ihn anzusehen. Warum schlug er ihr nicht einfach ins Gesicht, schändete sie und schnitt danach ihren Hals auf, um das Gerät zu entfernen? Dass er dermaßen liebevoll war, ängstigte sie bis in ihr Innerstes. Falls sie ihn nur ein wenig an sich heranließ, für eine Sekunde vergaß, ihn als das zu betrachten, was er war, würde er ihr weitaus mehr schaden, als sie sich vorzustellen vermochte. Er war der Feind, ein Sklavenhändler, und sonst nichts. Aber sollten sie den Sender zerstören, würde Diego es sofort erfahren. Um Sunos Willen musste sie betteln. Vielleicht war noch nicht alles verloren.
„Fia.“
„Die Feurige, ein passender Name für so ein wildes Ding.“ Er presste sie auf die Liege. „Entspann dich.“ Das Letzte, was sie spürte, war ein leichtes Kribbeln auf ihrem rechten Arm.

Rasul steckte seine Hände in den Schalldesinfizierer. Tabith bedeckte Fia mit einem Laken und bog ihren Hals vorsichtig zur Seite. Das Gerät musste ihr unglaubliche Schmerzen zufügen. Wenn Rasul sie später in seine Gemächer gebracht hatte, plante er sie zu verhören, um herauszufinden, wer ihr das angetan hatte. Der Laser zertrennte ihre zarte Haut mühelos. Rasul entfernte das Utensil. Er fluchte, als er erkannte, was genau er zwischen den Fingern hielt. An der Unterseite war ein Sprengsatz angebracht, winzig und tödlich. Der Sprengstoff war, im Gegensatz zu dem Sender, das Neueste, was es zurzeit auf dem Markt gab. Er wurde durch einen Fernzünder aktiviert. Wer immer ihr das Teil verpasst hatte, wollte sie töten, sobald ihr Auftrag erfüllt war.
„Die Kleine hat Glück, dass sie auf uns gestoßen ist. Welcher Dilettant hat es ihr eingesetzt? Wenn es weitergewandert wäre …“ Tabith nahm ihm das Gerät vorsichtig ab und deaktivierte den Sprengsatz mit ruhigen Händen, indem er Flüssigeis auf die Kontakte tropfte. Den Übertragungschip ließen sie intakt.
„Du hast nicht vor, sie Malik zu übergeben.“
Malik trainierte die Sklaven, brachte ihnen Grundgehorsam bei, sodass sie ihr Schicksal leichter annahmen. Rasuls Haare standen zu Berge bei dem Gedanken, Fia an ihn auszuhändigen. Irgendwas war mit Malik geschehen. Der ehemals besonnene Mann hatte sich in einen uneinschätzbaren Mistkerl verwandelt.
Tabith schenkte ihm sein strahlendstes Lächeln. „Pass auf, worauf du dich da einlässt … mein Prinz. Hinter der Süßen steckt mehr, als ihr verführerischer Körper erahnen lässt.“
Rasul reinigte die Wunde, bevor er sie versiegelte. Es würde nicht einmal eine Narbe zurückbleiben. „Sie wird schlafen, bis wir Sumaria erreichen.“ Er fasste nach ihrem Handgelenk, entfernte das altmodische Ortungsgerät und warf es Tabith zu. „Finde heraus, wo unsere kleine Sklavin dermaßen verzweifelt hin wollte, sodass sie selbst den eigenen Tod in Kauf genommen hätte.“ Dann behandelte er ihr Handgelenk, das der Schattentote verletzt hatte. Er streichelte Fia über die Wange, ehe ihm bewusst wurde, was er tat. In seinen Augen war sie eine Schönheit, mit der schimmernden, beinahe bronzefarbenen Haut und dem schulterlangen weißen Haar. Sie war an den passenden Stellen verflucht hübsch gerundet. Ein perfekter Arsch, nicht nur für seine Handfläche. Ein Merkmal, das nicht nur ihm gefiel. Tabith wackelte mit den Augenbrauen. „Scan die Tätowierung auf ihrem Oberschenkel, sie ist recht ungewöhnlich, Rasul.“
„Wie meinst du das?“
„Sie sieht nicht so aus, als ob sie durch die Hände von irgendjemandem gestochen wurde. Sie wirkt fast lebendig.“
Tabith war abergläubisch und zweifelte die Zauberei aus der alten Welt nicht an, die angeblich lange vor den Sumariern auf Sumapask geherrscht hatte. Rasul ersparte sich einen Kommentar, denn zu oft lag Tabith richtig mit seinen Vermutungen und hatte ihnen mit seiner Gabe bereits mehrmals den Arsch gerettet. Er sah Ereignisse, ehe sie eintraten, hatte ein Gespür für Bedrohungen.
„Hältst du Fia für gefährlich?“
„Nein, aber sie ist in Gefahr.“ Tabith sagte es mit einer Vehemenz, die Rasul einen Schauder über den Rücken jagte.
Rasul zog das Laken herunter und betrachtete zuerst die verschnörkelte Eisrose, die in strahlendem Weiß ihren linken Oberschenkel zierte. Er kniff die Augen zusammen, weil er der Illusion erlag, sie hätte sich bewegt, als ob die Blütenblätter sich in einer leichten Brise wiegen würden. Das Keuchen von Tabith bewies, dass es keine optische Täuschung darstellte. Rasul führte den Scanner an Fias Haut entlang. Er sah seinem Freund an, dass es ihn nicht erstaunte, dass das Gerät kein Pigment anzeigte. Stattdessen prangte die Meldung auf dem Display: DNA unbekannter Herkunft.
„Wer bist du, Feuerblume?“ Rasul bedeckte sie und strich ihr die Haare aus der Stirn.
Tabith öffnete ihren Wetterrucksack, und zum Vorschein kamen Kletterseile mit Haken, ein altmodisches Set Türöffner und zwei Abbildungen. Die Kleine war eine Diebin, die sich allein auf Feindesland gewagt hatte. Rasul bezweifelte, dass sie sich freiwillig dieser Gefahr aussetzte. Nachdenklich betrachtete er die Fotos. Das erste zeigte einen paskanischen Kerl mit der typischen hellen Hautfarbe und den lavendelfarbenen Augen.
Ihr Gefährte? Ein völlig unerwarteter Stich Eifersucht durchfuhr ihn. Das Schnauben von Tabith verdeutlichte ihm, dass er es bemerkt hatte. Das zweite Bildnis entlockte ihnen beiden einen schnellen Atemzug, denn auf ihm prangte ein Pferd, das nicht nur die gleiche Fellfarbe wie Fias Haut besaß, sondern es hatte eine weiße Mähne, die ihrem Haarton entsprach. Seinen Kopf zierte eine Eisrose. Fia verfügte über ein Seelentier, etwas, das er bis jetzt für ein Gerücht gehalten hatte.
„Wer bist du?“
„Du solltest eher fragen: Was bist du?“ Aus der Mimik von Tabith wich jegliche Heiterkeit. „Hinter der Kleinen steckt mehr als eine gewöhnliche Diebin und Sklavin.“
Tabith fand noch eine Zeichnung und betrachtete sie mit gerunzelter Stirn. „Irgendeine Ahnung, was das darstellt?“
Rasul studierte die gemalte Schatulle, auf der eine Schlange eingeschnitzt war, die sich selbst in den Schwanz biss, ebenso ratlos wie Tabith.
Das Shuttle bockte, und Drugal fluchte, weil ein Blitz in die Hülle krachte. Rasul sicherte seine verführerische Sklavin mit Riemen, und es widerstrebte ihm, sie auch nur für eine Sekunde alleinzulassen. Doch Drugal knurrte ihm zu, dass er seinen Hintern gefälligst in den Sitz neben ihm bewegen sollte. Mit einem unterdrückten Seufzen schloss Rasul den Gurt und krampfte seine Hände um das Polster.
„Ein wenig ängstlich, mein Prinz?“ Aus dem Mund von Drugal hörte es sich beinahe obszön an.
Das hatte man davon, wenn man mit seinen Männern ein freundschaftliches Verhältnis pflegte. Die zynische Erwiderung erstarb ihm auf den Lippen, weil das Shuttle in ein Luftloch geriet und mehrere Meter nach unten sackte.
Beide Gataks brachen in Lachen aus.
Mistkerle!