Federzirkel: Vertrauen und Unterwerfung

Erschienen: 07/2012
Serie: Federzirkel
Teil der Serie: 5

Genre: Soft-SM / BDSM

Location: England

Seitenanzahl: 204 (Übergröße)


Erhältlich als:
paperback & ebook

ISBN:
Print: 978-3-86495-022-3
ebook: 978-3-86495-023-0

Preis:
Print: 14,90 €[D]
ebook: 6,99 €[D]

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Federzirkel: Vertrauen und Unterwerfung


Inhaltsangabe

Der Federzirkel rettet Sally aus den Klauen eines skrupellosen Doms. Von Anfang an fühlt sich Miles Sullivan von Sally mehr als nur angezogen. Zuerst spricht sie nur seinen Beschützerinstinkt an, doch das ändert sich schnell, denn er findet heraus, dass Sally lange nicht so zerbrochen ist, wie er vermutet hat. Doch darf er ihr seine dominante Seite zumuten?
Als ob dies nicht bereits kompliziert genug wäre, taucht Deborah - Miles' alte Liebe aus der Vergangenheit - auf, die es sich in den Kopf gesetzt hat, Miles zurückzuerobern. Bei Deborah hat Miles damals schmerzvoll gelernt, dass eine reine Vanillabeziehung für ihn nicht funktioniert.
Sally setzt alles daran, Miles für sich zu gewinnen. Aber vertraut sie ihm genug, um sich ihm ganz zu unterwerfen?

Der dritte Band aus Linda Mignanis Reihe rund um den "Federzirkel".

Über die Autorin

Linda Mignani wurde in Kirkcaldy (Schottland) geboren und lebt glücklich verheiratet im Ruhrgebiet. Schreiben und Malen zählen zu ihren Leidenschaften und beides hat erstaunlich viel gemeinsam. Frauenuntypisch besitzt sie nur eine Handtasche aber unzählige Turnschuhe und noch mehr Wanderschuhe, die...

Weitere Teile der Federzirkel Serie

Leseprobe

Bei jedem Atemzug zerbarst Sallys Körper von innen heraus und vermischte sich peinigend mit dem Flammenmeer auf ihrem Rücken. Séamus hatte das getan, sie gepeitscht, bis sie zusammengebrochen war.
Kräftige Arme trugen sie, und eine Stimme spülte über sie hinweg wie ein milder Regen an einem Frühlingstag. Sie versuchte, die Lider zu öffnen, doch es erwies sich als unvorstellbar schwer.
„Ganz ruhig, Kleines. Du befindest dich jetzt in Sicherheit. Niemand fügt dir jemals wieder Leid zu.“
Sie musste ihn ansehen, erfüllt von dem Bedürfnis zu wissen, wer sie rettete, von Angst gepackt, dass sie ihn nie wiedersehen würde. Grüne Augen...

...blickten auf sie herab, in denen sie Halt fand.
Sie wimmerte, als er sie ablegte, und tastete verzweifelt nach seiner Hand, nicht gewillt, die Stärke seiner Anwesenheit aufzugeben.
„Ich bleibe bei dir.“ Sanft schlossen sich seine Finger um ihre. „Sei vorsichtig!“
Bedrohlich lagen die Worte in der Luft, verunsicherten den Arzt, der verharrte, bevor er die Infusion anlegte, sodass Erlösung in ihre Vene tropfte.

Mit Mühe konzentrierte sich Miles auf die kleine ungehorsame Devote, die vor ihm auf dem Strafbock lag. Ihr Körper lockte mit Rundungen, genau wie er es bevorzugte. Jedoch, der Zauber sprang einfach nicht auf ihn über. Shirleys unerfahrener Dom sah verzweifelt zu ihm. Miles verstand ihn gut. Robert versprach ein guter Dom zu werden, besaß die nötigen Eigenschaften, die der Federzirkel verlangte, sogar voraussetzte, damit ein Dominanter überhaupt einen Schritt in den BDSM-Club setzen durfte. Robert war umsichtig, behandelte die Subs respektvoll und liebte es, das Meiste sowohl für den dominanten als auch für den devoten Part herauszuholen. Doch ihm fehlte es an Erfahrung, was die kleine Shirley wusste, schlussendlich gnadenlos ausnutzte. Es war Zeit ihr eine Lehre zu erteilen: dass es ihr schlecht bekommen würde, von unten herauf zu dominieren.
Miles packte ihr in das Haar, um ihren Kopf grob in den Nacken zu ziehen. Ihm gewährte sie den Respekt, den sie Robert versagte, dies zeigte ihm der Ausdruck in ihren Augen glasklar. Miles schenkte ihr die geballte Ladung des Maestros. Es entlockte ihr einen Schweißausbruch, während sie ängstlich nach Luft schnappte.
Er ließ sie los und trat hinter sie. Ihren Versuch sich zu drehen, verhinderten die Manschetten und der Lederriemen, der ihre Taille an dem Bock befestigte. Miles schlug ihr mit dem schmalen Lederpaddel hart auf den Arsch, so fest, dass rote Abdrücke deutlich auf der hellen Haut verblieben.
„Du weißt, wofür das war!“
Shirley holte tief Luft, schluckte die freche Bemerkung herunter, die ihr mit Sicherheit auf der Zunge lag.
„Robert, versehe sie mit dem Analplug.“
Der junge Dom nahm begierig den mittelgroßen Plug, doch Verunsicherung stand klar auf seinem Gesicht.
„Ich will das nicht!“ Shirley zog an den Fesseln, nicht dass ihr das etwas genutzt hätte.
Miles nickte Robert zu. Der dunkelhaarige Dom trat vor seine Devote, die Lippen entschlossen zusammengepresst.
Er packte sie nachdrücklich um den Nacken. Überrascht verspannte sie den Körper. Robert hatte bis jetzt gezögert, sie fester anzupacken. Es war höchste Zeit, das zu ändern.
„Es geht nicht darum, was du willst, Sub. Ruf dein Safeword und die Session ist vorbei, ansonsten erträgst du, was ich dir anzutun gedenke.“
Roberts Stimme sank zu einem drohenden Hauch, ganz so, wie Miles es ihm vorgeführt hatte. Miles verkniff sich ein Lächeln, denn Shirley reagierte auf die ungewohnte Schärfe des Doms, erkannte langsam, dass es ihr heute nicht gelingen würde, ihren Dom zu übervorteilen. Eine Gänsehaut lief ihr über den Rücken, während ein hübsches Rot die Haut ergriff.
Robert nahm Miles das Paddel aus der Hand, verabreichte Shirley ein paar zischende, ausgewogene Schläge, die diese sichtlich erregten.
Miles packte die Arschbacken und spreizte sie, sodass Robert das Gleitgel auf die Rosette tropfen konnte. Shirley war bis jetzt niemals anal stimuliert worden, vermochte nicht zu begründen, wieso sie es angeblich verabscheute. Sie spannte den Körper an, doch das hielt Robert nicht auf.
„Wehr dich ruhig, ich presse ihn dennoch hinein.“
Der Dom dehnte sie zuerst vorsichtig mit den Fingern. Shirley holte überrascht Luft, während ihr ein lüsternes Stöhnen entwich.
Robert setzte ihr den Eindringling an den Anus. Miles fasste unter sie, streichelte ihre Klitoris, um es ihr wenigstens zu erleichtern. Normalerweise wählte er einen kleineren Plug für das erste Mal, doch bei Shirley war er gewillt, eine Ausnahme zu machen.
Sie verdiente es.
Sie konnte ihn aufnehmen und sie würde ihn aufnehmen, da konnte sie noch so viel kreischen.
Robert schob ihn langsam hinein, so wie Miles es ihm gesagt hatte. Ein Schaudern lief über die Wirbelsäule der Sub, während ein Schwall Feuchtigkeit ihre süße Pussy benetzte.
Robert grinste ihn an. „Es scheint dir ja sehr zu gefallen, auch wenn dein Gejammer uns etwas anderes vorzumachen versucht.“ Die gesamte Haltung des Doms änderte sich, er war jetzt der Herr der Szene.
Sadistisch blickend griff er nach der Dressurgerte. In schneller Reihenfolge prasselten acht Schläge auf den hübschen Po, jeweils vier auf jeder Seite.
Shirley brach in Tränen aus. Sofort war Robert bei ihr, kniete vor ihr und streichelte ihr beruhigend über die Schulterblätter.
„Es tut mir leid, Herr.“
Und das tat es ihr wirklich. Miles nickte ihm zu. Sie lösten gemeinsam die Manschetten und den Riemen. Der Plug verblieb in ihrem Anus. Sie sank vor Robert auf die Knie, senkte ergeben den Kopf. Eine Geste, die sie ihm bis jetzt versagt hatte.
Robert plante, sie gleich hart zu ficken, ihr vielleicht sogar den Orgasmus zu versagen. Sie würde es nächstes Mal nicht wagen, sich dermaßen respektlos zu zeigen.
Erleichtert atmete Miles aus, seine Arbeit war getan. Endlich konnte er Sally aufsuchen. Die ganze Zeit spukte sie ihm im Kopf herum. Er wollte unbedingt dabei sein, wenn sie aufwachte.

Sally verspürte Furcht, die Lider zu öffnen, weil die Schwere der Schuld sie erstickte. Öffnete sie die Augen, war sie gezwungen anzuerkennen, was mit ihr geschehen war. Durch ihre Feigheit hatte sie ihre Cousine Kim und deren Freundin Viola in Gefahr gebracht.
„Sally, es ist alles in Ordnung. Atme gleichmäßig.“ Eine sichere Hand stützte ihren Nacken, und die Stimme klang vertraut. „Trink.“
Sie tat es, ohne nachzudenken, denn sie war es gewohnt, zu gehorchen, jedem Befehl Folge zu leisten, immer und frei von Widerspruch.
„Langsam.“
Das Wasser lief lindernd ihre Kehle hinab. Endlich nahmen die Formen um sie herum Gestalt an. Das dämmrige Licht war eine Wohltat, nicht wie die letzten Male, als sie zwischen Bewusstlosigkeit und Wachsein schwebte, während grelle Helligkeit ihr in die Pupillen hämmerte.
Erneut diese grünen Augen, die sie verunsicherten, gleichzeitig aber faszinierten.
Ihr Retter.
Vorsichtig ließ er ihren Nacken los und lächelte sie an.
„Ist dir schlecht?“ Er legte ein kühles Tuch auf ihre Stirn. „Ich bin Miles.“
Sehr lange hatte sie niemand auf diese Weise angesehen; besorgt und liebevoll. Sehr lange hatte sich Sally den Luxus von lindernden Tränen untersagt.
War er ein Arzt oder ein Cop? Sie erinnerte sich an ein Krankenzimmer, jedoch befand sie sich nicht in diesem Raum. Die dunkelrote Bettwäsche und das Doppelbett passten nicht in ein Krankenhaus. Weiße Vorhänge verhüllten die offen stehenden bodentiefen Fenster, und frische Luft wehte hinein. Sie hörte das Rascheln von Blättern, keinen Verkehrslärm, nicht die unzähligen Geräusche, die Kliniken anhafteten.
Ihren Versuch sich aufzurichten, unterband er mit leichtem Druck auf ihre Schultern. „Warte einen Augenblick, ehe du dich aufrichtest, und lass dir von mir helfen.“
Sally traute ihrer Stimme nicht, begnügte sich daher mit einem Nicken.
„Du bleibst in unserem Haus, bis es dir besser geht.“
Erneute Furcht drohte sie zu verschlucken.
„Kim und Viola wohnen hier. Deine Cousine ist mit meinem Bruder Dean liiert. Es gibt keinen Grund, dass du Angst verspürst.“
Seine sanft gesprochenen Worte beruhigten ihren Herzschlag.
Gott sei Dank, sie lebten und waren nicht verschleppt worden. Die Eisklumpen in ihren Adern lösten sich auf.
Sie erinnerte sich an die Namen, Dean, John und Miles. Viola war sich sicher gewesen, dass die Sullivan-Brüder sie retten würden. Sie selbst hatte zu diesem Zeitpunkt schon mit ihrem erbärmlichen Leben abgeschlossen.
Miles haftete eine natürliche Autorität an, die sich in der Körperhaltung spiegelte. Dieser Mann brauchte nicht die Stimme zu erheben, um sich durchzusetzen.
„Musst du auf die Toilette?“
Sie spielte mit dem Gedanken, zu verneinen. Séamus liebte es, sie auf diese Weise zu quälen, indem er sie zwang, literweise Wasser zu trinken, nur um ihr den Toilettengang zu untersagen. Wenn sie sich endlich erleichtern durfte, weidete er sich an ihrer Scham, prügelte auf sie ein, bis sie emotionslos auf dem Boden lag, nicht einmal mehr fähig, zu weinen.
Miles wartete ihre Antwort nicht ab, er schlug die Decke zurück, fasste unter ihre Kniekehlen und half ihr auf die Bettkante.
Sie biss sich fest auf die Unterlippe, um den Schmerzenslaut zu ersticken. Darin war sie eine Meisterin –falls der Herr es nicht gestattete, verschluckte sie die Schreie.
Miles ging vor ihr in die Hocke und sah sie intensiv an. Sie fixierte einen Punkt über seiner Schulter, verspürte das eigenartige Verlangen, ihn anzusehen, jedoch war es verboten.
„Sieh mich an, Sally.“
Als sie seinen Blick traf, wären ihr beinahe Tränen in die Augen geschossen. Verzweifelt blinzelte sie, um es zu unterdrücken, denn Weinen zog eine Strafe nach sich.
„Die Striemen auf deinem Rücken und Po verheilen hervorragend. Auch dein Gesicht sieht besser aus.“ Er umfasste ihre Hände. Ein Anker in der rauschenden Gischt. „Wir hatten befürchtet, deine Rippen seien gebrochen. Zum Glück hat sich diese Sorge nicht bestätigt.“
Er richtete sich auf, und seine Größe ließ sie schlucken. Er sah attraktiv aus, mit den blonden kurzen Haaren und den Lachfältchen, die seine Augenwinkel zierten.
„Ich helfe dir ins Badezimmer. Falls du nicht laufen kannst, trage ich dich.“
Erneut traf sie dieses Lächeln, das sich in den Augen widerspiegelte.
Der Herr lächelte anders, erinnerte an ein Reptil, das starr darauf lauerte, die Maus zu verschlingen, mit Pupillen, die hart wie Eissplitter glänzten. Wenn er grinste, war es ein bedrohliches Anzeichen, denn dann verletzten seine Züchtigungen sie besonders grausam.
Verunsichert sah sie zu Boden. Zu Beginn ihrer Beziehung zu Séamus hatte auch er freundlich ausgesehen, bis er anfing, sie zu zerbrechen, zu zerstören und abzurichten.
Als sie endlich die Bösartigkeit in ihm erkannte, es gepeinigt vor sich selbst zugab und endlich bereit war, ihn zu verlassen, hatte Bill sie kontaktiert. Seine Schwester Kathy war als Sklavin verkauft worden, und Séamus fungierte als Kopf des Mädchenhandelrings.
Zuerst hatte sie es nicht glauben wollen, doch die Beweise drückten zu schwer, daher willigte sie ein, Bill zu helfen, den Aufenthaltsort von Kathy herauszufinden.
Das Vorhaben lief schief. Séamus hatte den Plan von Anfang an durchschaut, und Sally musste die Konsequenzen tragen.
Sie erinnerte sich noch daran, dass er sie erneut ausgepeitscht hatte, nachdem sie bei Kim und Viola in der Zelle im Keller gewesen war. Die weiteren Ereignisse schwebten gleich einer grauen abscheulichen Masse in ihrem Bewusstsein.
„Ich erkläre dir später alles. Zunächst solltest du das Wichtigste erledigen.“ Ein Arm lag sicher um ihre Schultern, der andere umschlang ihre Taille, und er trug sie halb in das Badezimmer. „Ich lasse die Tür angelehnt, falls dir schlecht wird, während ich im Schlafzimmer warte.“
Er hob die Hand, und sie zuckte automatisch zurück, erwartete, dass er sie schlug.
„Kleines.“ Die Betroffenheit in seiner Mimik verunsicherte sie. Vorsichtig strich er ihr ein paar Haare aus der Stirn. „Niemand schlägt dich mehr ins Gesicht.“
Er legte ihr die Handfläche unter das Kinn und sah sie beschwörend an. „Nachher finden wir heraus, ob du sprechen kannst.“
Miles ließ sie allein. Sie hörte, dass er das Bett frisch bezog.
Sally war durcheinander, wusste nicht, was sie tun sollte. Sie besaß weder ein Zuhause noch die Möglichkeit einer Zuflucht. Alles in ihr sträubte sich, Empfindungen zuzulassen. Kim, ihre Cousine, hatte ihr vorgeworfen, dass sie ein trainierter Zombie sei, und so fühlte sie sich auch - gefühllos, kalt, tot. Die Zuneigung, die Miles zeigte, tat weh, weil sie lang verschlossene Wunden, die nicht richtig verheilt waren, öffnete, als ob wulstige Narben aufplatzten.
Sie umklammerte das Waschbecken, da sie drohte, zu Boden zu sinken. Die unterernährte bleiche Frau, die ihr aus dem Spiegel entgegenstarrte, war ihr fremd. Wozu blieb sie auf den Füßen?
Sie sank auf die Fliesen, rollte sich zusammen, und zu ihrer Bestürzung brach sie in Tränen aus, die schmerzten, da sie mitleidslos an ihrer Seele rissen.

Miles hörte das unterdrückte Schluchzen und ließ das Kopfkissen auf das Bett fallen. Sally lag zusammengekauert in der Ecke und versuchte wimmernd, von ihm wegzurutschen, schrie, als er sie an sich zog. Das verzweifelte Geräusch trieb ihm fast Tränen in die Augen, weil es ihn an sich selbst erinnerte und zudem die Verzweiflung und Hilflosigkeit eines misshandelten Opfers verdeutlichte. Diese Art Schreie lösten sich nur aus gebrochenen Menschen. Sallys Nachthemd rutschte nach oben und entblößte die Narben auf ihren Oberschenkeln. Die Ratte hatte sich mit Zigaretten an ihr ausgetobt. Das entsetzliche Zittern traf ihn heftig. Miles hob sie hoch, und der ausgezehrte Körper erweckte in ihm den Wunsch, dem Schwein, das aus dem tiefsten Loch gekrochen war, die Haut abzuziehen. Miles war in der letzten Zeit kaum von ihrer Seite gewichen, und heute war das erste Mal, dass sie richtig das Bewusstsein erlangte. Sie hatten sie vor ein paar Tagen in den Federzirkel gebracht und die Medikation verringert. Zwei Krankenschwestern hatten bis gestern gemeinsam mit ihnen über sie gewacht.
Es herrschte Einigkeit, dass Sally im Federzirkel bleiben musste, bis sie genesen war. Die körperlichen Verletzungen würden verheilen, allerdings weitere Narben hinterlassen. Doch bei den psychischen Wunden verspürte er Unsicherheit.
Sie kamen nicht umhin, viel Fingerspitzengefühl zu beweisen, um Sally ins Leben zurückzuholen, und nicht immer durften sie sanft vorgehen. Das wusste er aus eigener Erfahrung.
Er setzte sich auf die Bettkante, löste jedoch nicht die Hände von ihr. Sie musste sich daran gewöhnen, dass Berührungen nicht Schmerz bedeuteten. Sally lag halb auf seinem Schoß, geschüttelt von harten Schluchzern, die ihn schmerzten, bis sie erschöpft die Glieder entspannte. Ihr Kopf ruhte an seinem Brustkorb, und er streichelte ihre Stirn, hörte erst auf, als sie einen tiefen Atemzug nahm und die Lider öffnete.
Sie traute sich nicht, ihn anzusehen. Auch das wollte er schnellstmöglich ändern. Er liebte es, in den Augen von Frauen zu versinken, egal, was er mit ihnen anstellte. Die Maestros des Federzirkels legten viel Wert auf die Reaktionen der Schiavas, die sich vertrauensvoll in ihre Hände begaben.
Halbherzig versuchte Sally, sich aus der Umarmung zu lösen, doch er gedachte nicht, es zuzulassen.
„Lass mich dich noch einen Augenblick halten.“
Scheu sah sie ihn an, gleichzeitig stand Verwunderung klar auf dem schmalen Gesicht.
„Ich brauche den Trost.“
Für einen Sekundenbruchteil versteifte sie sich, als ob sie damit rechnete, dass er sie verhöhnte, in Sicherheit wiegen wollte, nur um ihr anschließend härter zu schaden.
Dann presste sie ihre Wange erneut gegen seinen Brustkorb. Es entlockte ihm ein Lächeln. Der erste Faden eines zerbrechlichen Vertrauensverhältnisses, umso kostbarer, weil ihre Furcht es jederzeit zu verschlucken drohte.
„Kim möchte dich sehen.“
Sie schüttelte den Kopf. „Nein, ich kann das nicht.“
Ihre Stimme klang rau. Er hielt den Becher an ihre Lippen, und sie schluckte gehorsam. Vorsichtig legte er sie auf das Bett und sah ihr tief in die Augen, die von einem wunderschönen graublau waren und in dem schmalen Gesicht übergroß wirkten. Einzelne Sommersprossen zierten ihre Wangen. Kim hatte ihm ein Foto von Sally gezeigt, wie sie ausgesehen hatte, bevor sie Séamus kennenlernte. Ihre rotgoldenen Haare hatten einer wilden Mähne geglichen, jetzt hingen sie leblos bis zu ihrem Kinn. Auf dem Bild warf sie lachend den Kopf zurück. Wortlos hatte Kim es ihm geschenkt. Er wusste nicht wieso, doch er trug es immer bei sich.
Verunsichert starrte sie ihn an. Er nahm den Waschlappen, um die Tränenspuren fortzuwischen. Tapfer unterdrückte sie das Zurückweichen. Er plante, sie ständig zu berühren, bis sie keinen Gedanken mehr daran verschwendete, dass sie Angst vor seinen Händen verspürte.
Sie brauchte eine Vanilla-Beziehung. Er wollte sie darauf vorbereiten, denn sie benötigte einen starken Mann an ihrer Seite, der sie auffing. Bliebe sie allein, würden die Erlebnisse sie langsam umbringen.
„Möchtest du ein Schmerzmittel?“
Erneut setzte sie an, den Kopf zu schütteln.
„Sag es mir, Sally.“
„Nein. Wie geht es Kim und Viola?“
Sally verabscheute es offensichtlich, im Mittelpunkt zu stehen und versuchte, seine Aufmerksamkeit von sich abzulenken.
Ein klägliches Unterfangen, weil sie die Aufmerksamkeit des Federzirkels besaß. Sie bestimmten, wann Sally ihrer Hilfe nicht mehr bedurfte.
Sie sprach schnell, von der Angst getrieben, den Gedanken Freiraum zu gewähren. Sie zog ihn an, nicht nur ein wenig. Sämtliche seiner Beschützerinstinkte als Maestro und Mann erwachten nicht nur, sie loderten lichterloh.
Sean, der Besitzer des Sadasias, hatte ihm erzählt, was sie Séamus angetan hatten, um ihn zum Reden zu bringen, und es befriedigte Miles tief. Wären die Cops nicht anwesend gewesen, hätte auch der Federzirkel die Worte aus ihm herausgepresst, aber es hätte Spuren hinterlassen. Sean und Keith schafften es zu foltern, ohne deutliche Beweise zu verursachen. Zudem hielten sie den Zeitrahmen ein, den der Einsatzleiter, den Sean persönlich kannte, ihnen zugestand. Dort hörte sein Netzwerk jedoch nicht auf. Der Ratte stand eine Zeit bevor, die er sich in den kühnsten Träumen nicht ausmalen konnte. Sean Carrigan war ein gefährlicher Mann, der nichts so sehr verachtete wie Typen, die Frauen verprügelten.
„Den Beiden geht es viel besser im Vergleich zu dir. Dean und John kümmern sich den ganzen Tag um sie.“
Vor allem um Viola sorgte sich Miles, doch unter Johns kundigen Händen verarbeitete sie das Erlebnis. John zwang sie, ihre Ängste auszusprechen, bis sie Viola nicht mehr bedrohten. Reden und Ehrlichkeit waren die Grundbausteine einer Maestro-Schiava-Beziehung und sollten es ebenfalls bei Vanilla-Beziehungen sein. Zum Glück hatte das Würgen von Séamus keine erneuten Spuren auf Violas Seele hinterlassen. Dean redete viel mit Kim, auch wenn sie noch Schwierigkeiten hatte, die Schrecken in Worte zu fassen.
Bis Sally diesen Punkt erreichte, lag ein langer Weg vor ihr. Sie ging gerade zögerlich den ersten Schritt, bereit, jederzeit in die entgegengesetzte Richtung zu flüchten. Doch Miles gedachte nicht, es zuzulassen. Für ihn bedeutete Sally eine verdammt persönliche Angelegenheit – und nicht nur für ihn. John und Dean, seine Adoptivbrüder, hatten fassungslos an Sallys Seite gestanden.
„Wir sind verpflichtet, sie in Ordnung zu bringen.“
John sagte es mit diesem Tonfall, der keine Widerrede duldete. Er hatte sich jede Verletzung angesehen, und die Erschütterung auf seiner Miene spiegelte Miles’ eigenes Empfinden. Dean hatte im Fitnessraum auf den Sandsack eingeprügelt, bis Kim ihm weinend um den Hals gefallen war.
Ein Tumult an der Tür kündigte Giotto an, und schon stürmte Violas Hund, der in Wahrheit ein Bär war, in das Zimmer.
Perfektes Timing.
Er sah interessiert und besorgt zum Bett, kam langsam näher, setzte sich und stupste Sally an. Die Augen von Sally leuchteten auf, endlich zeigte sie eine freudige Reaktion.
„Darf ich dir Giotto vorstellen?“
Giotto positionierte sein Haupt behutsam auf ihrem Brustkorb, bevor er ihr ins Gesicht schnaufte.
Ein zaghaftes Lächeln breitete sich aus, und Sally legte die Hand auf den braunen Kopf des Vierbeiners, dessen Körper zum größten Teil honigblondes Fell zierte. Giotto konnte niemand widerstehen.
„Soll er bei dir bleiben, Kleines? Er hat öfters in den letzten Tagen nach dir gesehen.“
Giotto stellte die Ohren auf, was ihm das Aussehen eines Gremlins gab. Zudem verstand er sich darauf, die Stirn krauszuziehen. Miles argwöhnte, dass er vor dem Spiegel übte, um möglichst unschuldig und niedlich auszusehen. Es verfehlte nicht die Wirkung. Selbst die Doms aus dem Sadasia waren ihm auf Anhieb verfallen. Sean brachte ihm ständig Spielzeug und Leckereien mit. Keith hatte ihm ein dunkelrotes Halsband geschenkt, an dem ein Herz mit dem eingravierten Namen und Giottos Adresse hing.
Obendrein hatte die arme Viola, mit Sean und Keith, zwei weitere Kerle gefunden, die danach lechzten, ihr den prachtvollen Po zu versohlen. Viola war so süß – meistens, bis sie den Mund aufmachte, um eines ihrer Schimpfwörter in die Welt zu posaunen.
„Ich erwarte eine Gegenleistung von dir.“
Sallys Ausdruck erkaltete, außerdem versuchte sie, sich mental zurückzuziehen.
„Dean hat eine köstliche Suppe für dich zubereitet. Ich möchte, dass du versuchst, sie zu essen.“
Sally wirkte, als ob sie im Wunderland aufgewacht wäre, und begutachtete ihn wie Alice das Kaninchen.
Sie erstarrte, sowohl innerlich als auch äußerlich, bei Deans Eintreten. Ihre Hand, die auf Giottos Kopf lag, zitterte deutlich. Dean stellte das Tablett auf dem kleinen Tisch neben dem Bett ab.
Er ließ sich nicht dadurch beirren, dass sie ihn beäugte, als ob der Teufel persönlich vor ihr stand, mit schwarzen Haaren und grauen Augen. Er legte ihr eine Hand auf die Stirn, wartete geduldig, bis sie wieder atmete.
„So ist es gut, Cara. Ich bin Dean.“
Er lächelte sie auf diese unnachahmliche Weise an, die die Sullivan-Brüder John und Dean gemeinsam hatten. Bei diesem Lächeln zerschmolz jede Frau, sogar mancher Mann.
Vor seinem inneren Auge sah er John und Dean neben Giotto vor dem Spiegel stehen, und er wäre beinahe in Lachen ausgebrochen bei der Vorstellung, dass sie gemeinsam an ihren Hundeblicken arbeiteten. Sally reagierte mit Unsicherheit, sie betrachtete intensiv Deans hellgraues T-Shirt.
Dean umfasste ihr Kinn. Mit sanftem Druck erreichte er es, dass sie ihn ansah. „Tapfere Kleine. Ich hoffe, die Rindfleischsuppe schmeckt dir. Die Temperatur ist genau richtig.“ Er zwinkerte ihr zu, ehe er den Raum verließ.

Sally hatte das Gefühl, ihr Brustkorb würde explodieren, so schnell schlug ihr Herz. Giotto schien zu ahnen, dass sie sich so fühlte, da er mitfühlend winselte, bevor er ihr erneut ins Gesicht schnaufte. Der Hund hatte keine zwei Sekunden benötigt, bis sie ihm verfallen war.
Mit ruhigen Händen half Miles ihr, sich aufzusetzen, deponierte mehrere Kissen in ihrem Rücken und ließ sich auf der Bettkante nieder.
Sie ahnte, was er vorhatte, und ehe sie protestieren konnte, berührte der Löffel ihren Mund. Er fütterte sie wie ein kleines Kind mit der köstlichen Suppe.
„Aufessen, Honey.“
Die Wärme in seiner Stimme beschwichtigte sie, ebenso die Besonnenheit, die er ausstrahlte. Er wirkte so gefasst, sämtliche Bewegungen konzentriert, und seine ganze Aufmerksamkeit galt ihr. Er könnte ihr immens wehtun, wenn er es wollte, schließlich strotzte sein Körper vor Kraft. Ein sicheres Indiz, dass er nicht hinter dem Schreibtisch arbeitete. Seine Hände besaßen Schwielen und waren es gewohnt, zuzupacken.
„Welches ist deine Lieblingseissorte?“
Sie starrte ihn an, unfähig zu antworten. Erneut spürte sie Tränen, die drohten zu fließen, denn die Frage erinnerte sie daran, dass sie lange nicht entscheiden durfte, was sie begehrte.
„Ich liebe Schokoladeneis“, sagte Miles. Amüsement tränkte seine Stimme. Irgendwie trug es zu der sexy Ausstrahlung bei, intensivierte die gefährliche Wirkung, sodass sie den Wunsch verspürte, zu flüchten.
„Joghurteis“, flüsterte sie.
„Dann soll es so sein. Giotto, pass auf, dass sie brav im Bett bleibt.“ Er küsste sie zart auf die Stirn. „Ich komme gleich zurück, Cara.“
Die Schwäche ihres Körpers verhinderte ein Entkommen. Darüber hinaus, wo sollte sie hin? Der einzige Ort, der ihr einfiel, war Kims Heim, jedoch befand sich Kim hier im Haus, und wahrscheinlich verachtete sie Sally. Sally hatte jegliche Hoffnung verloren, dass Kim ihr jemals zu verzeihen vermochte.
Sie besaß weder Job noch Geld, blickte in eine unsichere Zukunft. Ihre Gedanken kehrten zurück zu Miles. Was wollte er von ihr?
Er behandelte sie, als ob sie ihm wichtig wäre und … kostbar. Auch Dean war überaus freundlich gewesen. Wie konnte das sein? Er müsste sie hassen für das, was mit Kim und Viola geschehen war. Sie trug die Schuld, die sie zu erdrücken drohte.
Miles kam mit einem Lächeln, einer Schüssel Eis und einem großen dunklen Kerl, der John sein musste, zurück. Er sah Dean ähnlich und war der Ältere von beiden. John strahlte Autorität aus, die sogar noch stärker hervortrat als bei Miles und Dean.
Gott, was aßen diese Typen? Saft- und Kraftfutter mit einer Prise Dominanz, gesprenkelt mit Anziehungskraft?
Sie presste sich in die Kissen, wimmerte, weil die Striemen auf ihrem Rücken aufflammten. Ihre Selbstbeherrschung war im Eimer. Die Männer sahen sie mit einem Ausdruck purer Zuneigung an, und doch ahnte sie instinktiv, dass sie sich durchzusetzen wussten.
„Ich bin John und möchte mir deine Verletzungen ansehen.“ John blieb neben dem Bett stehen. „Du befindest dich bei mir in guten Händen. Dreh dich auf den Bauch, Liebes.“
Sally tat es ohne nachzudenken, schließlich war es ein Befehl, auch wenn John es in einem besänftigenden Tonfall gesagt hatte.
Sie hatte vor langer Zeit aufgehört, sich ihres Körpers zu schämen. Was immer sie ihr antun wollten, sie würde sich einfach an den Ort zurückziehen, der sie vor allen Empfindungen beschützte, es sei denn, der Schmerz entwickelte sich zu stark.
John legte ihr seine warmen Handflächen auf die Schulterblätter, wusste anscheinend genau, an welchen Stellen er sie berühren konnte, dort wo keine Striemen brannten.
„Ich schieb das Nachthemd hoch. In Ordnung, Sally?“
Die Frage holte sie ins Hier und Jetzt zurück noch bevor sie an ihrem Ort eintraf.
Er fragte sie um Erlaubnis!
„Ja“, flüsterte sie.
Miles streichelte beruhigend über ihr Haar und umfasste ihre Hand, was sie dankbar akzeptierte.
„Du brauchst dich nicht zu ängstigen, ich tue dir nicht weh.“ John sprach in einem weichen Tonfall.
Erneut wollte sie an ihren Ort flüchten.
„Sieh mich an, Sally.“
Ein Befehl!
Sie öffnete die Augen, und Miles lächelte sie an.
„Bleib bei uns, Kleines.“
Woher wusste er es?
Mit ruhigen Bewegungen schob John das Nachthemd hoch, bis er ihre Rückseite entblößte. Kalte Luft traf ihren Po, sodass sie erschrocken Atem holte. Er hatte ihr Höschen nach unten geschoben.