Colors of Beauty: Colors of Beauty - Teil 1
von Ivy Paul

Erschienen: 08/2016
Serie: Colors of Beauty
Teil der Serie: 1

Genre: Contemporary Romance, New Adult

Location: New England, USA


Erhältlich als:
paperback & ebook

ISBN:
Print: 978-3-86495-237-1
ebook: 978-3-86495-238-8

Preis:
Print: 12,90 €[D]
ebook: 2,99 €[D]

Erhältlich bei u.a.:

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Colors of Beauty: Colors of Beauty - Teil 1


Inhaltsangabe

Wer bist du, wenn alles, was dich ausmacht, verloren ist?

Seelisch und körperlich am Ende nimmt der Filmstar und Playboy Lance P. Cavan eine neue Identität an und lässt sich in einem Küstenort New Englands nieder.

Als Liam Nessuno arbeitet er auf einem Fischkutter und freundet sich mit seinen Nachbarn, der kühlen, zurückhaltenden Pauline Quinn und ihrem am Down Syndrom leidenden Onkel Frederic an.

Eine zarte Liebesgeschichte entspinnt sich zwischen Pauline und Lance, doch beide tragen schwer an den Narben, die sie für das Leben zeichneten…

Teil 1 des "Colors of Beauty"-Zweiteilers.

Über die Autorin

Ivy Paul wurde 1975 in der schönen Patrizierstadt Augsburg geboren und lebt dort mit ihrer Familie.
Neben ihrer großen Leidenschaft dem Schreiben begeistert sie sich fürs Seife sieden, dem Anrühren duftender Cremes und der veganen Ernährung. Sie schätzt Whiskey, die...

Weitere Teile der Colors of Beauty Serie

Leseprobe

Zum zweiten Mal innerhalb von achtundvierzig Stunden stand Liam im Supermarkt. Er hatte einen Einkaufswagen genommen, weil er feststellen musste, dass er viel, viel mehr einkaufen musste als beim letzten Mal.
Zuvor hatte er nebenan im Secondhandladen ein Hand- und Badetuch erstanden und erneut auf Boxershorts gehofft, obwohl der Mann ja deren Verkauf verneint hatte. Also musste er die Unterhosen tatsächlich hier mitnehmen, zusammen mit Lebensmitteln, die ihm für eine Woche reichen sollten. Zu seinem Bedauern hatte er dafür jedoch einen schlechten Moment ausgewählt, denn beim Abbiegen auf den Parkplatz hatte er feststellen müssen, dass sich viele Bewohner aus...

...Peaconville und Umgebung dasselbe überlegt hatten. Irritiert und mit nervös klopfendem Herzen lenkte er den Rollwagen durch die Gassen des Marktes. Als er nun den Einkaufswagen in den Laden schob, glich sein Weg einem Spießrutenlauf, immer wieder kreuzten andere Käufer seinen Weg und mehr als einmal wurde er angestarrt, doch – auch das war eine neue Erfahrung für ihn – niemand stürmte auf ihn zu, keiner wollte Autogramme, nicht eine einzige Handykamera klickte und blitzte. Je länger er sich im Supermarkt aufhielt und niemand ihn zu erkennen schien, umso mehr entspannte er sich.
Er legte seine Besorgungen in den Wagen, während er im Kopf bereits addierte, was er an der Kasse zu bezahlen hätte. Gelegentlich sah er die anderen Supermarktbesucher an und überlegte, ob sie sein altes Ich in ihm erkannten. Doch es existierte keine Ähnlichkeit mehr zwischen dem adretten, teuer gekleideten Schauspieler und Lebemann, der mit selbstsicherer Großkotzigkeit über die roten Teppiche dieser Welt marschiert war, und dem narbigen, bärtigen Typen, der leicht verwahrlost und unsicher durch die Supermarktgänge schlurfte. Wie hätten sie also ahnen sollen, dass er nicht schon immer Liam Nessuno gewesen war?
Trotz allem war er erleichtert, als er seinen Einkauf erfolgreich beendet hatte und so weit war, wieder in sein Haus zurückzukehren.
Als er seine Einkäufe in das Auto eingeladen hatte und einsteigen wollte, fiel ihm eine junge Frau auf, die mit ihrem Einkaufswagen kämpfte, den sie so voll geladen hatte, dass sie ihn kaum fortbewegen konnte. Liam zögerte einen Moment und stieg dann aus, um ihr zu helfen.
Sie bemerkte ihn offenbar überhaupt nicht, starrte nur mit zornig gerunzelter Stirn und zusammengebissenen Zähnen auf ihre Einkäufe. Ihr kupferrot leuchtendes Haar schmiegte sich um ein zartes Gesicht mit Alabasterhaut und dunkelgrünen Katzenaugen. Sie war schlank, fast schon dürr, aber trotzdem kräftig, denn sie mühte sich unerbittlich mit ihren Einkaufswagen ab.
„Warten Sie, ich helfe Ihnen!“ Liam packte den Rollwagen hinten und brachte beide, Wagen und Frau, zum Stehen.
„Das kann ich allein!“, fauchte sie und Liam erstarrte für einen Moment.
Er musterte sie nachdenklich und grübelte, ob sie das ernst gemeint hatte. Eine Weile fixierten sie einander, und als er gerade klein beigeben wollte, nickte sie zustimmend.
„Sie dürfen mir zu meinem Wagen helfen.“ Sie machte eine Kopfbewegung zu einem dunkelgrünen Kombi.
Liam nickte stumm und überlegte, ob er sich vorstellen sollte und Konversation betreiben wollte. Sie wirkte nicht so, als legte sie Wert darauf, also hielt er den Mund.
Er zog, sie schob und nun erkannte er das Problem: Die Rollen blockierten und drehten sich nicht mehr. Die Frau ächzte und Liam verdoppelte seine Anstrengungen. Gemeinsam schoben und zerrten sie das schwere Gefährt an den Kombi der Frau.
„Danke“, sagte sie, als sie den Kofferraum erreichten. Sie zückte ihren Schlüssel, drückte auf den Knopf und die Autotüren fiepten. Sie fasste an den Kofferraumdeckel, und Liam, der daneben stand, fasste im selben Moment wie sie nach Griff. Ihre Hände berührten sich und beide zogen ihre Arme erschrocken zurück.
Sie sah ihn nur kurz an und öffnete dann den Kofferraum.
Liam zögerte einen Moment lang. Obwohl sie wirklich nicht so wirkte, als benötigte oder erwartete sie Hilfe, wollte er sie wenigstens fragen. „Kann ich Ihnen noch irgendwie helfen?“
Sie hob ihren Kopf und ihre Blicke trafen sich. Etwas in ihren Augen ließ Liam vermuten, dass sie gar nicht so abweisend war, wie sie erschien. Oder vielleicht war es nur Tarnung, vielleicht hatte auch sie Erfahrungen gesammelt, die ihr das Leben weniger bunt, weniger glücklich erscheinen ließen.
Liam schluckte und war sich sicher, eine Abfuhr zu erhalten. Er hatte sich schon in Bewegung gesetzt, als sie ihn bat: „Können Sie mir die Getränke ins Auto heben?“
Ohne etwas zu sagen, hob er die Pakete, die sich tatsächlich als zu schwer für so eine zarte Frau erwiesen, in den Kofferraum.
„Danke“, sagte sie, und bei jeder anderen Frau hätte es vielleicht schüchtern gewirkt, doch Liam merkte ihr an, dass es nicht diese Art Unsicherheit war. Vielleicht hatte sie ein Problem mit Männern oder tat sich schwer damit, um Hilfe zu bitten.
Es ging ihn nichts an, also nickte er und wollte zu seinem Auto zurückkehren, doch in diesem Moment wurde die Beifahrertür aufgerissen.
„Mr. Liam!“, jubelte Frederic. Er sprang aus dem Auto und stürmte auf Liam zu. Der trat einen Schritt zurück und streckte ihm die Hand entgegen. Irritiert schüttelte Frederic die angebotene Hand und Liam nickte ihm lächelnd zu.
„Hallo Frederic“, sagte er und überlegte, wie alt der Mann sein mochte. Die grauen Strähnen, die Falten im Gesicht ließen ihn vermuten, dass Frederic so um die sechzig Jahre alt sein musste.
„Pauline, das ist Mr. Liam, unser neuer Nachbar. Er kümmert sich um Mr. Scottys Haus“, erzählte Frederic gut gelaunt.
„Wie schön, Onkel Frederic.“ Die Stimme der Frau klang sanft.
Liam sah zu ihr und erkannte den liebevollen Ausdruck in ihrem Gesicht, der ihre Miene komplett verwandelte. Das war also die ominöse Nichte Pauline Quinn. Liam ging auf, dass er sie schon am Vorabend am Fenster gesehen hatte, als sie dabei gewesen war, die Blumen zu gießen.
Frederic trat zu Pauline und zerrte aufgeregt an ihrem Arm. „Du musst dich bei Mr. Liam bedanken!“, verlangte er energisch.
Sie schenkte ihrem Onkel ein zärtliches Lächeln, ehe sie Liam anblickte. Ihr Gesichtsausdruck wirkte nun unverbindlicher und sie schüttelte ihm ebenfalls die Hand. Ihre Hand, klein und doch erstaunlich kräftig, war nicht weich und manikürt, so wie Liam es bisher von Frauen gekannt hatte. Es war die Hand einer Frau, die sich pflegte, aber ihre Hände zum Arbeiten benutzte.
„Hallo, ich bin Pauline Quinn“, stellte sie sich vor und Frederic klatschte juchzend in die Hände.
„Liam Nessuno, man nennt mich Liam.“ Der Name fühlte sich absolut richtig an und ging ihm wie Öl über die Zunge, erkannte er fasziniert.
„Du musst dich bedanken, Pauline. Lad Mr. Liam zum Essen ein!“, forderte der ältere Mann.
Pauline entzog Liam ihre Hand und sah zu ihrem Onkel. „Onkel Frederic, bestimmt hat Mr. Liam andere Pläne und außerdem …“
Das Gesicht des Mannes wurde rot, zornesrot, und schlug förmlich Falten. Er stieß ein paar schnaubende Laute aus.
Pauline sah mit einem verzweifelten Blick auf Liam, dann zu ihrem Onkel und zurück zu Liam. Ihre Lippen formten ein „Entschuldigung“.
„Na gut, Onkel Frederic! Aber du musst mir dann beim Zubereiten des Essens helfen!“
Sofort glättete sich die Gesichtshaut Frederics und er strahlte. „Natürlich, Pauline!“ Begeistert wie ein kleines Kind hüpfte er von einem Bein aufs andere.
„Sie sind damit also zum Essen eingeladen, Liam. Vielleicht Sonnabend? Passt Ihnen das?“ Liam las die flehentliche Bitte in ihren Augen, er möge absagen. Doch ein Blick auf Frederic, der außer sich vor Freude herumzappelte, und sein eigener Wunsch und die Neugier, einmal zu erleben, wie es sein würde, als normaler Mann in ein Haus eingeladen zu sein, ließen ihn nicht darauf reagieren. „Sonnabend ist perfekt!“
Fasziniert beobachtete er Paulines Mienenspiel. Sie blinzelte und wollte anscheinend einen weiteren Versuch unternehmen, ihn zu einer Absage zu bewegen, oder wollte sie ihm nur eine Gelegenheit geben, die Einladung auszuschlagen? Ein selbstbewusster Mann, ein Frauenheld, hätte Pauline mit Charme und Humor aus der Reserve gelockt. Liam lag es jedoch nicht, sie mit einem flotten Spruch für sich einzunehmen, sie vielleicht daran zu hindern, ihm erneut die Vorlage für eine Absage zu bieten.
„Aber Sie müssen nicht ausgerechnet an einem Samstagabend zu uns kommen. Bestimmt haben Sie Besseres vor. Vielleicht eine Kneipentour mit Ihren Freunden?“ Sie blickte ihn erwartungsvoll an, fast hatte Liam das Gefühl, sie erwartete genau so etwas von ihm.
Er schüttelte den Kopf, nun neugierig, warum sie ihn unbedingt davon abhalten wollte, zum Essen zu kommen.
„Ich bin neu in der Stadt und kenne hier noch niemanden. Ich komme also sehr gern zu Ihnen rüber“, erklärte er. Um ihr keine weiteren Chancen zu geben, ihn wieder auszuladen, streckte er ihr die Hand zum Abschied entgegen. Sie erwiderte seinen Gruß automatisch.
Als er sich später auf den Fahrersitz seines Wagens sinken ließ, hatte er als Erfolg zu verbuchen, eine Essenseinladung erhalten zu haben und von Frederic nicht in den Knuddelgriff genommen worden zu sein. Er stieß erleichtert die Luft aus und startete den Motor.
Obwohl es noch fast eine ganze Woche dauerte, ehe er zum Dinner bei Quinns geladen war, und Pauline jederzeit zu ihm rüberkommen und ihn wieder ausladen könnte, fühlte er Vorfreude auf das kommende Wochenende. Er spürte der Empfindung nach und gestand sich ein, dass es ein echtes, gutes Gefühl war.
In diesem Moment glaubte er sicher, dass es das absolut Beste gewesen war, seinen Chevy nach Peaconville gelenkt zu haben.