Federzirkel: Bittersüße Verführung, Bitterzarte Bestrafung

Erschienen: 05/2016
Buchtyp: Novelle
Serie: Federzirkel
Teil der Serie: 9

Genre: Soft-SM / BDSM

Location: England

Seitenanzahl: 200


Erhältlich als:
paperback & ebook

ISBN:
Print: 978-3-86495-235-7
ebook: 978-3-86495-236-4

Preis:
Print: 9,90 €[D]
ebook: 3,99 €[D]

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Federzirkel: Bittersüße Verführung, Bitterzarte Bestrafung


Inhaltsangabe

Viola hat den perfekten Mann, den perfekten Maestro in John Sullivan gefunden. Das glaubt sie zumindest, bis ihr Leben aus den Fugen gerät. Nach der Geburt ihrer Tochter Violett ist nichts mehr wie vorher. John ist fast nie zu Hause, und sie befürchtet, dass er eine Affäre hat.

John erfährt auf eine äußerst schmerzhafte Weise, wie sehr sich Viola von ihm distanziert hat, und er zweifelt an ihren devoten Neigungen. Obendrein taucht ihre Jugendliebe Clark auf und erweist sich in vielerlei Hinsicht als gefährlich.

Doch John wäre nicht der oberste Maestro des Federzirkels, wenn er nicht zu allen Mitteln greifen würde, um seine geliebte Frau und Schiava zurückzubekommen. Dabei geht er an ihre gemeinsamen Grenzen und darüber hinaus. Denn Viola zeigt sich unerwartet resistent …

Über die Autorin

Linda Mignani wurde in Kirkcaldy (Schottland) geboren und lebt glücklich verheiratet im Ruhrgebiet. Schreiben und Malen zählen zu ihren Leidenschaften und beides hat erstaunlich viel gemeinsam. Frauenuntypisch besitzt sie nur eine Handtasche aber unzählige Turnschuhe und noch mehr Wanderschuhe, die...

Weitere Teile der Federzirkel Serie

Leseprobe

Irgendjemand starrte sie an! Viola öffnete die Augen und blickte direkt in die von Violett, deren kleine Faust in ihrem Mund steckte, sodass sie sabbernd neben ihr lag. Sie streckte den Arm aus und fühlte, dass Johns Kissen noch warm war. Viola blinzelte mehrmals, bis sie die Ziffern auf der Uhr erkennen konnte, die auf Johns Seite des Betts stand.
Fünf Uhr!
Trotzdem fühlte sie sich ausgeruht, weil sie gut sechs Stunden geschlafen hatte, zwar mit Unterbrechungen, aber sie hatte nicht aufstehen müssen. „Guten Morgen, mein Engel. Du warst richtig lieb.“
Sie brauchte eine Dusche, Violett eine frische Windel und...

...etwas zu essen. Aber am allermeisten brauchte sie John. Vielleicht erwischte sie ihn noch, ehe er zur Baustelle fuhr. Sie könnte ihn überreden, heute ausnahmsweise eher nach Hause zu kommen, damit sie reden konnten. Ein klärendes Gespräch war überfällig und sie hatte es viel zu lange vor sich hergeschoben. Ein paarmal war sie in der Nacht wach geworden und hatte gründlich darüber nachgedacht, nicht zum ersten Mal. Aber irgendwie war nie der richtige Zeitpunkt gewesen und weder John noch sie hatten die Nerven dafür gehabt. Wenn sie bedachte, dass sie früher keine Geheimnisse voreinander gehabt hatten und John sie immer dazu ermuntert oder vielmehr auf seine unnachahmliche Art gezwungen hatte ihm zu sagen, wenn Sorgen sie belasteten. Mittlerweile tat er das nicht mehr.
Allerdings saß Viola der Schock über ihr gestriges Verhalten tief in den Knochen. Das Safeword war eine Waffe gewesen und nicht ein Ausdruck von Vertrauen zwischen Maestro und Schiava. Sie hatte das Safeword missbräuchlich behandelt, wenn auch unabsichtlich. Das tilgte jedoch nicht ihre Schuld. John verdiente eine Frau, eine Schiava, eine Partnerin, eine Geliebte, die ihm auf Augenhöhe begegnete, so wie es früher bei ihnen der Fall gewesen war. Leichtsinnigerweise gewöhnte man sich an das Schöne und erachtete es als selbstverständlich. Doch sie durfte nicht mehr länger die Augen davor verschließen, dass sie dabei war, John zu verlieren.
Vielleicht könnte sie die Zähne zusammenbeißen, sich ihm hingeben und ihm einen Orgasmus vorspielen. Sie waren so weit voneinander entfernt, dass die Chancen gut für eine Täuschung standen. Damit könnte sie ihn ein wenig zu sich heranziehen und möglicherweise wäre es der erste Schritt in die richtige Richtung. In ihrem jetzigen Zustand glaubte sie nicht, dass sie Sex genießen könnte, weil sie sich selbst so hasste, egal, wie geschickt und einfühlsam der Liebhaber sich anstellte.
Sie stand auf, wickelte und fütterte Violett und beschloss, die Dusche auf später zu verschieben. Das Gespräch mit John war wichtiger.
Giotto lag vor der Schlafzimmertür und blinzelte sie schlaftrunken an. Auch er vermisste die Joggingeinheiten mit ihr. Das war früher ihr gemeinsames Ritual gewesen.
„Sollen wir nachher einen Spaziergang machen?“ John hatte ihr einen geländetauglichen Kinderwagen gekauft und das Wetter versprach heute schön zu werden. Giotto wedelte mit der Rute, stand auf und sah sie verliebt an, auf eine Weise, wie es nur ein Wauzi zustande brachte. Sie kraulte ihn hinter den dunklen Ohren. Der Hund kam zum Glück nie zu kurz, weil sich alle um ihn kümmerten. Hazel kam oft mit Vino, Giottos Bruder, vorbei und ging mit beiden zusammen spazieren. Hazel war die Frau von Sean, dem sadistischen Schaf und Eigentümer des Sadasias. Hazel nannte ihn oft so, und es war auf Shaun das Schaf bezogen. Auch wenn sie an Hazel dachte, überkam sie ein schlechtes Gewissen. Sie hatte ihre Freundschaften mehr als nur vernachlässigt. Aber woher die Energie dazu nehmen? Viola lief mit Violett auf dem Arm Richtung Küche, verharrte allerdings im dunklen Foyer, als sie Johns Stimme hörte. Warum sie das tat, konnte sie sich nicht erklären. Leider verstand sie nicht, was er gesagt hatte.
„Bist du dir ganz sicher?“, fragte Dean.
„Ich habe es mir die letzten Monate gründlich überlegt. Sie ist so unzuverlässig geworden. Und das gestern hat mir den Rest gegeben. Ich habe kein Vertrauen mehr zu ihr und das kann jederzeit wieder passieren.“
Viola schlug sich die Hand vor den Mund. Das Gesagte bestätigte ihre schlimmsten Befürchtungen.
„Ich weiß nicht. Du hast sie doch so geliebt“, sagte Miles.
„Das stimmt. Wir haben schöne Stunden zusammen erlebt. Aber jetzt ist es Zeit für ein windschnittigeres und sparsameres Model. Sie frisst zu viel. Bergauf habe ich jedes Mal das Gefühl, dass sie gleich röchelnd ihren letzten Atemzug nimmt. Ist ja auch kein Wunder, wenn man ihr Alter und ihr Gewicht berücksichtigt.“
Frisst zu viel! Dieser Arsch! Windschnittiger! Dieser Quadroarsch! ALT! Megaarsch!
„Sie hat ihre besten Zeiten hinter sich und ich habe lange genug die Augen vor ihrem zickigen Verhalten verschlossen. Mir reicht’s.“
Ihr auch! Ein Energieboost schoss durch ihren Körper, und sie wäre am liebsten in die Küche gestürmt, um ihm die nächstbeste Bratpfanne auf seinen scheiß Schädel zu schlagen.
Zorn, Entsetzen und das Gefühl, dass John sie aufs Tiefste verriet, kämpften um die Vorherrschaft in ihrem emotionalen Chaos.
„Ich habe mir schon was Neues ausgesucht. Sie kommt nachher auf der Baustelle vorbei. So gegen zwölf Uhr. Sie ist ein Traum und reagiert auf die leiseste Berührung schnurrend und zuverlässig, genauso wie ich es erwarte und wie ich es viel zu lange vermisst habe.“
Man konnte vor Entsetzen wirklich rot sehen! Aber jetzt in die Küche zu stürmen, wäre fatal. Sie musste sich einen Plan zurechtlegen, einen, den sie ihm vor den Kopf knallen konnte mit der Wucht eines außer Kontrolle geratenen angepissten Flusspferds, das sein Junges verteidigte. Viola schlich sich zurück ins Appartement. So war das also! Miles und Dean waren seine Komplizen und hatten nicht einmal widersprochen, nachdem er ihnen seinen Plan mitteilte, dass er ihnen seine neue windschnittige, schlanke und dankbare Geliebte vorstellen wollte! Diese widerlichen Schleimkröten!
Eisern biss sie die Lippen aufeinander. Es war Zeit, den Stimmungswechseln, Depressionen und vor allem den Tränen den Kampf anzusagen. Und wenn dieser Scheißkerl dachte, dass sie einer neuen Sub einfach das Feld überlassen würde, dann irrte er sich gewaltig. Sie legte Violett ins Kinderbett und schaltete das Babyfon ein. Natürlich wusste sie von Paaren, bei denen eine Hälfte keine dominanten oder devoten Neigungen besaß. Manche holten sich das, was sie brauchten, bei jemand anderem, manchmal mit Wissen des Partners, manchmal ohne. Beides kam für Viola nicht infrage. Für John bisher auch nicht.
Wie hatte sie sich in John nur so täuschen können?
Da bist du selbst schuld! Welcher Mann möchte mit einer Frau zusammen sein, die nichts außer Geheule, Depressionen und einem Flusspferd-Image zu bieten hat? Aber dass er ihre Unzulänglichkeiten in derart harte Worte packte, war mehr als schockierend. Dass Miles und Dean davon wussten, war ein weiterer Dolchstoß mitten in ihr Herz. Doch diese Schlacht konnte sie nicht allein bestreiten, sie brauchte Verbündete. Kim und Sally waren nachher in Kims Romantikhotel, aber vielleicht hatte Hazel Zeit. Sie würde sich bestimmt nicht auf Johns Seite schlagen. Außerdem konnte sie es am ehesten verstehen, wie man sich fühlte, wenn man nicht Größe XS trug und es im Hochsommer als grauenhaft empfand, einen einengenden BH zu tragen. Wie schlimm es war, überall nur dünne Frauen im Fernsehen, in Magazinen und auf Plakaten zu sehen. Und auch in echt! Sie selbst fand Hazel wunderschön, aber jetzt trennten sie gut sieben oder – wenn sie ehrlich war – zehn Kilogramm von Hazel. Früher konnten sie ihre Kleidung untereinander tauschen.
Nach der Dusche vermied sie es, sich im Spiegel anzusehen, der schonungslos jeden ungeliebten Zentimeter von ihr zeigte. Dazu war sie in ihrem jetzigen Zustand nicht bereit. Sie zog sich an, legte etwas Make-up auf, das erste Mal seit Monaten, und band ihre Haare zu einem hohen Zopf zusammen. Ihre Haare waren das Einzige, was sie momentan an sich mochte. Sie waren dick und reichten ihr bis zur Mitte ihres Rückens. Zudem war Honigblond keine schlechte Farbe. Danach suchte sie sich ein schwarzes Ensemble heraus, die passende Farbe für ihre Mission. Ob Alexis auf Violett aufpassen konnte? Sie nahm sich im Moment eine Auszeit, weil sie sich von einer Lungenentzündung erholte und Keith sie dazu überredet hatte, sich für ein paar Monate freizunehmen, um endlich einmal nur das zu tun, was sie schon immer gewollt hatte: nämlich einen Thriller zu schreiben. Alexis arbeitete sonst als freie Lektorin und Übersetzerin. Von daher was es kein Problem gewesen, sich ihren Herzenswunsch zu erfüllen. Zudem liebte sie Violett, wie eigentlich jeder, der ihre Tochter ansah. Wie könnte man das auch nicht!
Zwischendurch hörte sie, dass die Brüder zu der Baustelle aufbrachen. Brüder des Verrates!