Aphrodites Söhne: Unsterbliche Sehnsucht
von Ivy Paul

Erschienen: 03/2015
Serie: Aphrodites Söhne
Teil der Serie: 2

Genre: Contemporary Romance, Fantasy Romance
Zusätzlich: Fantasy

Location: Schottland

Seitenanzahl: 308

Buchtrailer: Ansehen

Erhältlich als:
paperback & ebook

ISBN:
Print: 978-3-86495-151-0
ebook: 978-3-86495-139-8

Preis:
Print: 12,90 €[D]
ebook: 6,99 €[D]

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Aphrodites Söhne: Unsterbliche Sehnsucht


Inhaltsangabe

Das verwahrloste Kind Maddy weckt den Beschützerinstinkt des Unsterblichen Coinneach MacScott. Er wird zu ihrem väterlichen Freund. Um sein Geheimnis zu wahren, taucht er unter und hält die folgenden Jahre nur Briefkontakt.
Ein One-Night-Stand führt einige Jahre später Maddy und Coinneach zusammen. Schockiert über das Erkennen von Maddys wahrer Identität und seine Gefühle flieht er erneut.
Doch die Liebe lässt sich nicht betrügen, und so treffen sie wieder aufeinander. Während die wahrheitsliebende Maddy sich über ihre Gefühle im Klaren ist, versucht Coinneach der verzehrenden Sehnsucht nach ihr zu widerstehen.
Kann die Liebe siegen, wenn ein Geheimnis zwischen Coinneach und Maddy steht, und außerdem ein Freund mit undurchsichtigen Motiven Coinneach zu manipulieren versucht?

Teil 2 der "Aphrodites Söhne"-Trilogie.

Über die Autorin

Ivy Paul wurde 1975 in der schönen Patrizierstadt Augsburg geboren und lebt dort mit ihrer Familie.
Neben ihrer großen Leidenschaft dem Schreiben begeistert sie sich fürs Seife sieden, dem Anrühren duftender Cremes und der veganen Ernährung. Sie schätzt Whiskey, die...

Weitere Teile der Aphrodites Söhne Serie

Leseprobe

Florida, Madeleines 21. Geburtstag

Coinneach saß mit seinem neuen Freund Esra in einer schummrigen Rockerbar, die Coinneach vorgab nicht zu kennen, da er nie zuvor in Florida gewesen wäre. Esra hatte Wort gehalten und Coinneach durch sämtliche verrufenen Lokale und Spelunken geführt, die er kannte.
Esras breites Gesicht glühte, und er war unverkennbar alkoholisiert. Seine gedrungenen Schultern und die tätowierten Arme fielen hier nicht weiter auf, doch seine Trunkenheit sorgte dafür, dass die anderen Barbesucher einen Bogen um ihn machten, selbst wenn er den einen oder anderen mit dummen Kommentaren bedachte. In Coinneach keimte der Verdacht auf, dass es dem Rocker...

...Spaß bereitete, andere bis aufs Blut zu reizen.
„He, guck mal, da kommen zwei süße Schnecken“, grölte Esra.
Coinneach wollte nur einen flüchtigen Blick auf die Neuankömmlinge werfen, da Esra dieses Spiel schon seit dem letzten Bier trieb und die meisten der Kneipenbesucherinnen Coinneach eher dazu veranlasst hätten, die nächsten fünfzig Jahre als Mönch zu leben.
Wider Erwarten weckten die beiden jungen Frauen jedoch sein Interesse. Beide mochten die einundzwanzig gerade eben erst erreicht oder überschritten haben. Die eine war ein hageres, langes Ding mit einem kurzen Lockenkopf, die andere ein niedliches Mädchen mit Grübchen und schulterlangem, strohblondem Haar. Sie sah sich unsicher in der Runde um und als ihr Blick auf Coinneach fiel, sah er, dass sie wunderschöne hellblaue Augen hatte. Für den Bruchteil einer Sekunde schien die Zeit stillzustehen. Es existierte niemand sonst als die junge Frau und Coinneach. Der Blickkontakt mit ihr ging Coinneach durch und durch. Wärme breitete sich in seinem Körper aus und ein Kribbeln wanderte über seine Haut. Ihm war, als würden sich die Blicke der jungen Frau mit seinen verflechten. Coinneach verlor jedes Zeitgefühl. Er wollte seine Augen nicht von ihr lösen, doch sie wandte sich ab und der Eindruck der Vertrautheit schwand sofort. Enttäuscht drehte Coinneach sich um, schüttelte verwirrt den Kopf und trank einen Schluck Bier, sah dann auf sein Glas und entschied, es für diesen Tag bei diesem Bier zu belassen. Alkohol hatte bei ihm ohnehin nicht denselben Effekt wie bei anderen Menschen. Er berauschte ihn nur für eine kurze Zeit und verschwand binnen Minuten vollständig aus seinem Organismus. Für jemanden, dessen Körper Schusswunden, Detonationen und Grubenunglücke unbeschadet überstand, stellte Nervengift nur eine unbedeutende Störung in den Körpervorgängen dar. Um einen Rausch zu erleben, wie ihn Sterbliche kannten, benötigte Coinneach mindestens zwei große Flaschen Hochprozentiges.
Die zwei Mädchen setzten sich in eine Nische und lachten, ehe sie ihre Köpfe zusammensteckten und tuschelten.
Coinneach wandte seine Aufmerksamkeit Esra zu.
„Nicht meine Kragenweite, ich steh mehr auf scharfe Luder wie die da hinten!“, erklärte Esra gerade. Er zwinkerte einer vollbusigen Schwarzen in hautenger Lederkluft zu, die ihn mit hochgezogenen Augenbrauen und nicht uninteressiert in Augenschein nahm.
Coinneach trank einen weiteren Schluck Bier und starrte im Schutz seiner ins Gesicht hängenden Haare zu der süßen Blondine in der Ecke.

„Jody, hältst du das wirklich für eine gute Idee?“ Madeleine blickte sich nervös in der dunklen Kaschemme um. Überall standen wild aussehende, in Leder gekleidete Kerle herum, die qualmten wie Fabrikschlote und Bier tranken, als wäre ab morgen die Prohibition wieder in Kraft.
Madeleine bereute es nun, ihrer Freundin erzählt zu haben, dass sie Motorradfahrer, besonders Rocker, anziehend fand. Dieses leichtfertige Geständnis hatte Jody zum Anlass genommen, sie in diese Bar zu schleppen.
„Schau dich um! Ist irgendwas Leckeres dabei?“, fragte Jody kichernd. Sie hielt das Ganze für einen riesigen Spaß und eigentlich könnte es das auch sein, wenn Madeleine nicht von der Umgebung und den Leuten so eingeschüchtert gewesen wäre. Madeleine wünschte sich ein bisschen mehr von der Lockerheit und der Abenteuerlust ihrer Busenfreundin. Dennoch blickte sie sich nun um und durchforschte die anwesenden Bargäste.
„Ich glaube nicht“, entgegnete sie. An der Theke entdeckte sie einen blonden Mann, der nicht nur in ihrem Alter zu sein schien, sondern auch noch nett und ungefährlich aussah. Er sah zu ihr hin und prostete ihr zu.

Coinneach zwang sich, wieder zu Esra zu sehen. In der vergangenen Stunde hatte er ständig zu der niedlichen Blonden gucken müssen. Wie sie lächelte! Ihre Nase zog sich in diesen Momenten auf reizende Weise kraus.
Der intensive Duft nach Rosen schwebte mit einem Mal in der Luft und überdeckte die Geruchsmischung von Nikotin, Bier, Schweiß und Leder, die im Raum vorherrschte. Coinneach sah sich um, doch es war keine Frau in der Nähe, die ihre Umgebung mit Parfüm in die Knie zwingen wollte.
„Junge, die Kleine ist nichts für dich! Viel zu jung!“, meinte Esra plötzlich.
Coinneach zog die Augenbraue hoch und seufzte. Esra hatte keine Ahnung. Keine Frau auf der Welt war im passenden Alter für ihn! Er sah nicht älter aus als Ende zwanzig, doch in ein paar Monaten feierte er seinen zweihundertachtundsiebzigsten Geburtstag.
Er sah erneut zu der süßen Blondine hinüber. Ihre Figur war weich gerundet, sie war keins dieser mageren Modelpüppchen, war aber auch nicht drall, sondern weiblich, mit Rundungen an den richtigen Stellen, und als sie aufblickte, erkannte er Sommersprossen auf ihrem hinreißenden Näschen. Sie hatte Ähnlichkeit mit Maddy, seinem Patenkind. Er war ganz verrückt nach der Kleinen.
„Oh nein“, stöhnte er auf.
„Was ist los? Ist dir ein Malheur passiert?“ fragte Esra grinsend und tat, als hielte er nach einer Pfütze unter Coinneachs Platz Ausschau.
„Meine Patentochter hat heute Geburtstag! Ich hab’s vergessen“, gestand Coinneach.
„Kauf der Kleinen eine Puppe, Kinder sind bestechlich.“
Eine Puppe, reizende Idee! Coinneach verdrehte die Augen. Madeleine war inzwischen zwanzig – oder einundzwanzig? Er konnte es sich nicht merken. Ihr Faible für Spielzeug hatte sie mit elf abgelegt, als er ihr die heiß ersehnte Stereoanlage geschenkt hatte. Nie würde er ihre Freude vergessen, als sie das Paket ausgepackt hatte. Überhaupt hatte sie sich über jedes Geschenk mit einer Begeisterung gefreut, dass Coinneach sie bald mit einer Maßlosigkeit verwöhnte, die ihm den Tadel von Maddys Pflegeeltern einbrachte. Aber er konnte es sich selten verkneifen und Maddy genoss jede Freundlichkeit, jedes Präsent mit einer Art, die ihm zeigte, wie bedürftig sie in dieser Hinsicht war. Sie musste die ersten neun Jahre ihres Lebens aufholen.
Dennoch war Maddys elfter Geburtstag der letzte, an dem er bei ihr gewesen war. Danach hatte er sie nicht mehr besucht, sondern den Kontakt auf Briefe und Geschenke beschränkt. Sie war ein schlaues kleines Ding und hätte bald gemerkt, dass mit ihm etwas nicht stimmte. Auch wäre es ihm unangenehm gewesen, Maddys Pflegeeltern in das Geheimnis seiner Unsterblichkeit einzuweihen. Sie waren freundliche, patente Personen, doch das hieß nicht automatisch, dass sie sich mit einer Absonderlichkeit wie Coinneach abfinden konnten.
Er hatte Maddy erzählt, er hätte einen Job, bei dem er durch die Welt reisen würde. Er hatte ihr Postkarten und Geschenke aus aller Herren Länder geschickt und ihre Briefe an seinen alten Freund Sean in Inverness adressieren lassen.
Sean kannte seine Geschichte, seit sie gemeinsam als Soldaten im Kuwait-Krieg stationiert gewesen waren und Coinneach vor Seans Augen wiederauferstanden war. Sean hatte Coinneachs Geheimnis bewahrt und Stillschweigen geschworen. Seitdem waren die beiden Freunde und Sean kümmerte sich um die Weiterleitung von Maddys Post an Coinneach.
Coinneach blies seine Haarsträhnen aus dem Gesicht und sah noch einmal nach der Süßen in der Nische.

„Schau mal“, quietschte Jody und deutete verstohlen auf den gut gebauten Mann mit den schulterlangen Haaren am Ende der Theke.
Madeleine warf nur einen kurzen Blick auf ihn. Er war ihr bereits beim Betreten der Bar aufgefallen und dann noch einmal, als sie die Anwesenden gemustert hatte. Für den Bruchteil einer Sekunde hatte sie das starke Gefühl gehabt, jemandem zu begegnen, den sie bereits ewig kannte. Am liebsten wäre sie zu ihm gegangen und hätte sich von ihm in den Sonnenuntergang entführen lassen.
Doch seine Gesellschaft, ein grobschlächtiger, übermäßig tätowierter Rocker in engen Lederhosen und einer Lederweste, unter der er nackt war, missfiel ihr und so hatte sie den Blickkontakt abgebrochen. Aber der Anblick des langhaarigen Mannes bei dem Tätowierten rief ihr spontan ihren Onkel Lee in Erinnerung. Sie hatte Lee nie mit mehr als nackten Armen gesehen. Jetzt fragte sie sich, ob er wohl tätowiert war. Ihr Patenonkel hatte ein riesiges Motorrad gefahren, ein röhrendes Ungetüm, das man schon beim Abbiegen vom Highway hinunter in die Siedlung deutlich hörte.
„Zu viele Tattoos“, murmelte sie mit einem Blick auf den unsympathisch wirkenden Rocker.
„Doch nicht der! Der daneben. Er guckt immer wieder zu dir herüber! Der sieht doch süß aus!“, quietschte Jody begeistert.
Madeleine riskierte einen weiteren Blick. Sie hatte ihn immer wieder verstohlen beobachtet. Erfolgreich, wenn Jody das nicht bemerkt hatte.
„Na ja, er ist schon schnuckelig“, gab sie zu.
Sein hellbraunes Haar war lang wie das der meisten Männer in der Bar, doch im Gegensatz zu den anderen Kerlen fiel es ihm offen auf seine Schultern und ins Gesicht. Unter dem Haar blitzten grüne Augen hervor, die von geschwungenen Wimpern umrahmt wurden.
Seine Wangenknochen waren hoch und die Wangen von einem Bartschatten verdunkelt. Die Mundwinkel seiner vollen Lippen deuteten himmelwärts, und obwohl er ein markantes Kinn mit Grübchen hatte, was ihn beunruhigend männlich wirken ließ, strahlte er etwas Freundliches und Sanftes aus.
Sein enges T-Shirt unterstrich die breiten Schultern und ließ trainierte Armmuskeln sehen. Unter den Jeans zeichnete sich ein knackiger Po ab und seine Füße steckten in Boots, sodass Madeleine folgerte, er müsse wie die meisten anderen hier in der Bar mit dem Motorrad unterwegs sein.
Ein hellhaariger Typ von der Bartheke bahnte sich durch eine Reihe von Rockern den Weg zu ihnen.

„Fuck, guck mal, wer die beiden Schnecken aufreißen will!“ Esra zeigte mit einer flüchtigen Kopfbewegung auf einen aalglatten Burschen, der Coinneach bereits aufgefallen war. Er wunderte sich, was dieses Babyface in einer Rocker-Kneipe suchte.
„Wer ist das?“, fragte Coinneach, nun neugierig geworden.
„Das ist Willy.“ Esra wackelte mit den Augenbrauen, machte eine unanständige Hüftbewegung und griff sich in den Schritt. „Ist sein Spitzname. Wenn der eine Tussi ansteuert, dann nur, um seinen Willy auf Tauchgang zu schicken, und dabei ist er nicht zimperlich, wenn du verstehst, was ich meine.“
Blitzartig durchquerte Coinneach die Kneipe und setzte sich neben die Blondine.
Er reichte dem Lockenkopf die Hand. „Hallo, ich bin Coinneach.“
„Jody“, erwiderte sie überrascht. Ihre Augen funkelten.
Er ergriff die Hand der Blondine und küsste ihren Handrücken. „Und wer bist du, meine Schöne?“
Sie errötete schüchtern und schlug ihre Augen nieder. Am Nebentisch erhob sich großes Hallo, und die Blondine nuschelte etwas. Er verstand „Lynn“. Ein passender Name für die hübsche Frau. Aus den Augenwinkeln sah er Willy abdrehen. Konkurrenzkampf war wohl etwas, auf das Willy sich nicht einlassen wollte.
Coinneach rückte näher an Lynn heran und konnte ihr Parfüm wahrnehmen. Irgendetwas zitroniges mit süßem Nachklang. Er schenkte ihr ein Lächeln.

Madeleine rutschte nervös auf ihrem Platz herum.
Der junge Mann, der sie so verführerisch anlächelte, hatte sich mit einem rollenden Akzent vorgestellt, der sie an ihren schottischen Ziehonkel Lee erinnerte. Sein Name Coinneach war auf jeden Fall nicht englisch, auch wenn er so ähnlich klang wie Kenneth.
„Kommst du aus Schottland?“, erkundigte sie sich neugierig.
Er sah sie erfreut an. „Hört man das?“
Sie nickte. „Und dein Name klingt irgendwie gälisch.“ Sie lächelte und wusste, dass jetzt ihre Grübchen zu sehen sein würden.
„Stimmt, Coinneach ist die gälische Variante von Kenneth“, erzählte er und an seiner Reaktion merkte sie, dass ihn ihre Kenntnisse freuten.

Coinneach war kein gleichaltriger Mitschüler, sondern älter und wirkte um Welten erfahrener als ihre Freunde und bisherigen Dates. Aber der Small Talk sorgte dafür, dass Madeleine sich entspannte. Coinneach erwies sich als unbeschwert, humorvoll und charmant. Nach einer Weile wandte er sich um und orderte einen Krug Bier für sie alle.
„Ihr seid doch schon alt genug für Bier?“, fragte er dann.
Jody setzte ihr Flirt-Gesicht auf. „Klar doch“, entgegnete sie keck und deutete auf Madeleine. „Sie hat heute Geburtstag.“
Coinneach drehte sich zu ihr um. „Alles Gute zum Geburtstag, Lynn!“ Warum er sie Lynn nannte, verstand sie nicht, aber es gefiel ihr. Vor allem, weil er es mit diesem schottischen Akzent sagte, der in ihr eine unbestimmte Sehnsucht hervorrief.

Coinneach beugte sich vor und drückte ihr einen sanften Kuss auf die Lippen. Es hatte nur ein kurzes Aufeinandertreffen der Münder werden sollen, doch ihre Lippen waren weich und Lynn roch gut und lehnte sich gegen ihn, sodass er sie an sich zog und den Kuss vertiefte. Sein Mund teilte den ihren und er glitt mit seiner Zungenspitze über ihre Lippen, ehe er in ihre Mundhöhle eindrang. Ihr Kuss verriet, dass sie noch nicht oft und schon gar nicht von erfahrenen Männern geküsst worden war. Doch gerade diese Unerfahrenheit machte ihre Berührung so unwiderstehlich für Coinneach. Ihr Oberkörper presste sich gegen seinen und der süße Druck ihrer Brüste erregte ihn.
„He, vielleicht solltet ihr euch ein Zimmer nehmen!“
Coinneach zuckte zurück und wurde von einer mächtigen Hand auf die Schulter geschlagen.
„Esra“, seufzte er. Sein neuer bester Freund hatte wahrlich ein Gespür für den falschen Moment.
Der grobschlächtige Rocker setzte sich neben Jody und wackelte mit den Augenbrauen.
„Na, Süße, wie wär’s? Wollen wir auch den Zungen-Mambo tanzen?“
Das arme Mädchen wurde blass und wich auf die äußerste Ecke der Bank aus.
Esra lachte dröhnend.

Madeleine war noch immer ganz benommen von dem Kuss. Erst hatte sie gedacht, Coinneach würde nur einen brüderlichen Kuss auf ihren Lippen platzieren, doch plötzlich hatten sie sich umarmt und die Zungen gekreuzt.
Es war toll gewesen. Madeleine hatte schon einige Male die Zungen ihrer Freunde im Mund gehabt, aber das waren durchweg wenig anregende Erfahrungen gewesen.
Bis eben hatte sie nicht gewusst, dass Zungenküsse ein so fantastisches, erotisches Erlebnis sein konnten.
Sie berührte ihre Lippen und sah Coinneach durch ihren blondierten Haarvorhang an.
Jody hatte recht. Er war wirklich süß. Er war älter als sie, doch nicht so viel, dass es unanständig geworden wäre. Aber vielleicht blieb es auch bei dem Kuss. Sie sollte nicht jetzt schon darüber nachdenken, was ihre Eltern von Coinneach halten würden, nur weil der Geburtstagskuss ein wenig aus dem Ruder gelaufen war.
Coinneach strich ihr das Haar aus dem Gesicht.
„Besser“, sagte er lächelnd. „So ein hübsches Gesicht sollte nicht verdeckt werden.“
Unter dem Tisch fasste er nach ihrer Hand und die warme, feste Berührung löste Wonneschauer in Madeleine aus.

Coinneachs Herz pochte.
Lynn war genau sein Typ, wenn man von den Haaren mal absah. Das Blond wirkte nicht echt und zeigte ihm, dass sie noch jung und in ihrer Selbstfindungsphase steckte. Unter dem Tisch nach ihrer Hand zu greifen, erschien ihm nach dem Kuss nur natürlich, vor allem, da ihm ihre Reaktion verraten hatte, dass sie wenig erfahren war.

Sie hatten den restlichen Abend geredet, gelacht und Bier getrunken. Irgendwann war Esra auf der Suche nach erwachseneren Vergnügungen verschwunden, vielleicht schlief er auch nur seinen Rausch aus.
„Jody hat ein bisschen zu viel, fürchte ich“, meinte Lynn eine Weile später.
Coinneach sah zu Jody, deren Kopf auf die Arme gesunken war. Sie schlief friedlich, ohne sich von dem Geräuschpegel um sie herum stören zu lassen.
„Sieht so aus“, bestätigte Coinneach schmunzelnd.
„Ich bringe sie wohl besser nach Hause“, bestimmte Lynn.
Coinneach hielt sie zurück. „Du kannst nicht fahren, du hast getrunken.“
„Sorry, du kannst dir die Chauffeurdienste sparen, denn du bist ebenfalls nicht mehr nüchtern.“ Lynn zog die Augenbrauen hoch. „Ich rufe Jodys Verlobten an, damit er uns abholt.“
Eine Viertelstunde später standen sie vor der Kneipe und warteten auf Jodys Zukünftigen. Jody hatten sie auf eine Bank an der Außenfassade der Bar gesetzt, wo sie ungerührt weiterschnarchte, nachdem ihr Kopf erst an der Wand lehnte und dann nach vorn auf die Brust gesunken war.
Coinneach bedauerte es, dass der Abend schon zu Ende sein sollte. Er hatte die Gesellschaft Lynns genossen und hätte den Moment des Abschieds gerne hinausgezögert. Es schien ihm, als kenne er sie schon viel länger. Wie sie redete, was sie erzählte, wie sie sich bewegte, alles an ihr reizte und faszinierte ihn. Sie war nicht nur ein süßes Ding, sondern obendrein intelligent und warmherzig. Und wenn sie ihn ansah, gab sie ihm das Gefühl, ein besserer Mann zu sein, als er tatsächlich war.
Ein alter Mustang mit Rostflecken rollte heran und Lynn stöhnte auf.
„Mann, Ryan, du Idiot! Wo soll ich sitzen?“
Coinneach sah ins Wageninnere und verstand Lynns Frust. Der Mustang besaß keine Rückbank.
„Schmeiß dich einfach hier auf die Fläche!“, schlug der junge Mann mit schleppendem Tonfall vor.
„Niemals! Meine Eltern killen mich, wenn sie das erfahren.“
Sie half Coinneach, die betrunkene Jody auf den Beifahrersitz zu hieven, und schnallte sie an. Jodys Kopf sank nach hinten und sie begann erneut, leise zu schnarchen.
„Wie kommste dann heim? Willste mit dem da fahren? Kennste den überhaupt?“ Ryan deutete mit seinem vorspringenden Kinn auf Coinneach und musterte ihn aufmerksam.
„Ich lass mir ein Taxi kommen“, meinte sie seufzend.
Im Davonfahren rief ihr Ryan noch einen Abschiedsgruß zu.
Sie sah dem Wagen nach und auf ihrer Miene zeichneten sich Frustration und Unglauben ab. Doch ihre Mundwinkel zeigten sich schmunzelnd.
Coinneach stand neben ihr und sie drehte sich zu ihm um.
Anscheinend hatte sie etwas sagen wollen, doch mit einem Mal lag sie in seinen Armen, ohne dass er so recht begriff, wie das geschehen war. Seine Lippen fanden die ihren und er konnte und wollte nichts weiter tun, als sie heißblütig zu küssen.
Seine Hände wanderten über ihren Rücken, die eine nach oben in ihren Nacken, dort wo die Haut fein und zart war und ihr Genick sie so zerbrechlich machte. Er liebkoste sie dort, während er Lynn schmeckte und inhalierte. Seine zweite Hand glitt auf ihren Po. Seine Handfläche wölbte sich über der prächtigen Rundung. Begehren entflammte ihn, am liebsten hätte er ihr die Hose heruntergezogen und ihre nackte Haut gefühlt und liebkost. Sie erwiderte seine Zuwendungen nicht minder leidenschaftlich, küsste ihn temperamentvoll und kroch mit ihrer Hand unter sein T-Shirt, streichelte seine heiße Haut. Überall, wo sie ihn berührte, prickelte seine Haut, schrie sein Körper nach mehr. Er wollte ihre Nacktheit fühlen, wollte sie umarmen, umschlingen, eins mit ihr sein, sich in ihr und an ihr verlieren und wusste zugleich, dass es ihn eigentlich über die Maßen erschrecken sollte, ihr nach einem Abend schon so sehr verfallen zu sein. Es war, als kannten und vertrauten sie sich schon ewig.
Grölen ließ beide wieder zur Besinnung kommen. Coinneach unterdrückte einen Fluch und sah in Lynns Augen und an ihren schamroten Wangen, dass ihr die Situation peinlich war.
Ein paar Rocker standen feixend bei ihren Bikes. Als einer zu klatschen begann, fielen die anderen unter zotigen Scherzen mit ein.

Coinneach ergriff Madeleines Hand und zog sie in die Seitengasse bei der Kneipe. Dort war es düster, Gerümpel und große Kartons lagen herum. Sie waren allein, bis auf einen roten Straßenkater, der übel gelaunt maunzte, als sie und Coinneach um die Ecke kamen.
Coinneachs Daumen strich über ihren Handrücken. Dort, wo er seine Hand entlanggleiten ließ, brannte ihre Haut. Noch immer schienen seine Hände ihren Nacken, ihren Po zu umfassen und sein Geschmack auf ihrer Zunge zu liegen. In ihrem Körper machte sich ein ungewohnt neues, gutes Gefühl breit. Sie wollte mehr. Viel mehr. Hitze dehnte sich in ihrem Unterleib aus. Zwischen ihren Beinen pochte und brannte ihre Pussy vor unerfüllter Lust.
„Besser“, flüsterte Coinneach. „Keine Zuschauer.“
Er küsste sie ein weiteres Mal. Er schmeckte verführerisch, ein Hauch bitteren Biergeschmacks lag in seinem Kuss. Die Lippen streiften sanft, fast zögernd über die ihren, und erst als er ihre Zustimmung erkannte, glitt seine Zunge in ihren Mund.
Es erregte Madeleine mehr als alles, was sie bisher erlebt hatte.
Seine Hände streichelten ihre Seiten. Ihr Busen drückte gegen seinen Brustkorb, sie verzehrte sich danach, dass er ihre nackten Brüste knetete. Als seine Hand unter ihre bauchfreie, schwarze Bluse glitt, seufzte sie erlöst.
Sie keuchte, als seine Hand ihre Brust umfasste, denn sie trug, wie so oft, keinen BH. Sie reckte sich ihm entgegen und er wurde mutiger, schob ihr die Bluse hoch und beugte sich über ihren Busen. Sie zitterte, als seine Zungenspitze ihren Nippel anstupste. Sein Mund umschloss ihren Nippel, sog sacht daran, umspielte dann mit der Zungenspitze die kecke Kirsche, leckte mit dem Zungenrücken darüber und saugte erneut. Die erotischen Empfindungen, die er damit auslöste, schossen direkt hinunter in ihren Unterleib und lösten dort ein angenehmes Beben aus.
Sein Mund ließ von ihrer Brust ab und seine Lippen legten sich wieder über die ihren.
Ihre Hand fand den Weg unter sein T-Shirt und sie tastete über seinen flachen Bauch und dessen Muskelwölbungen.
Begierde kochte in Madeleine hoch und sie glaubte, noch nie ein so großes Verlangen verspürt zu haben wie nach Coinneach.
Er drängte sie an die Hauswand, hob sie hoch, sodass sie auf dem schmalen Vorsprung einen wackligen Halt fand. Seine Lippen liebkosten die empfindsame Haut an ihrer Halsschlagader, knabberten an ihrem Ohrläppchen, fuhren den Rand ihres Ohres behutsam nach.
Sie seufzte sehnsüchtig, wollte mehr, viel mehr. In ihrem Seufzen lag all das Verlangen, das Coinneach in ihr ausgelöst hatte. Sie schlang ihre Beine um seine Hüften und genoss, dass er so stark und muskulös war, um sie zu halten. Sie zog ihn entflammt an ihren Unterleib, und das Gefühl seines harten Schwanzes an ihrer Pussy war berauschend. Plötzlich wurde die Lust in ihr so stark, so drängend, dass sie sich nichts mehr ersehnte, als ihn in sich zu spüren.
Dennoch erstarrte Madeleine für einen Moment, als seine Hand unter ihren Rock wanderte. Sie war nicht gänzlich unerfahren. Sie war mit gleichaltrigen Jungs ausgegangen und mit ihrem letzten Freund wäre es vielleicht irgendwann zu mehr als leidenschaftlichen Berührungen auf der Rückbank seines Autos gekommen. Aber mehr als wilde Knutschereien und Hände unter den Shirts hatte sie noch nie zugelassen. Letztendlich hatte sie immer etwas vor dem entscheidenden Schritt zurückschrecken lassen. Doch diesmal war es anders. Sie wollte von Coinneach berührt werden. Sie wollte sich endlich als Frau fühlen. Durch Coinneach. Obwohl sie ihn erst an diesem Abend kennengelernt hatte. So verrückt es ihr morgen auch erscheinen würde, heute Abend war es richtig. Keine Laune, kein kindisches Verlangen, es war ihr tiefster Wunsch, sich ihm zu schenken.
Coinneach war anders als die Jungs vor ihm, seine Küsse entflammten sie und seine zärtlichen Berührungen machten sie trunken vor Begehren.
Sie hatte Vertrauen zu Coinneach und aus irgendeinem Grund war er ihr mit seinem herzlichen Lachen, dem rollenden Akzent und den zarten Berührungen vertrauter als ihre bisherigen, unschuldigen Verehrer.
Seine Finger fanden den Weg unter ihren Slip, schoben den Stoff beiseite, den ihre Lust bereits mit Feuchtigkeit getränkt hatte, und dann glitten seine Finger in sie.
Sie wimmerte überrascht und klammerte sich doch enger an ihn.
„Sag mir, ob ich aufhören soll“, raunte er an ihrem Ohr. „Sag mir, was du willst.“
Madeleine brauchte einen Moment, ehe sie antworten konnte. Sie genoss, was er mit ihrem Körper anstellte, das ungewohnte Tasten und Streicheln seiner Finger löste einen erotischen Schauer in ihr aus und sie wollte mehr.
„Niemals, Coinneach“, gestand sie, dann nahm sie ihren ganzen Mut zusammen und griff in ihre Rocktasche, froh, dass sie zu Hause aus einem Impuls heraus das Kondom eingesteckt hatte. Sie hielt es ihm hin und er griff verdutzt und fast mechanisch danach.