Miami High Flyers: Counted Love

Erschienen: 07/2021
Serie: Miami High Flyers
Teil der Serie: 1

Genre: Sport Romance
Zusätzlich: Contemporary

Location: USA, Florida, Miami


Erhältlich als:
paperback & ebook

ISBN:
Print: 978-3-86495-510-5
ebook: 978-3-86495-511-2

Preis:
Print: 13,90 €[D]
ebook: 6,99 €[D]

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Miami High Flyers: Counted Love


Inhaltsangabe

Seitdem die angehende junge Ärztin Kayla Lee denken kann, hat sie aufgrund ihrer Hautfarbe mit Vorurteilen zu kämpfen. In der Schule wurde sie von ihren Mitschülern gemobbt, im Studium benachteiligt und auch im Beruf muss sie doppelt so hart schuften wie ihre Kollegen. Lediglich von ihren Freunden fühlt sie sich vollends akzeptiert.

Aiden Turner, der charismatische Center des Basketballclubs der Miami High Flyers, hat schon lange ein Auge auf Kayla geworfen. Als er sie zum ersten Mal sah, war es um ihn geschehen. Da er jedoch glaubt, chancenlos bei der dunkelhäutigen Schönheit zu sein, bleibt er defensiv.

Allerdings hält das Schicksal eine böse Überraschung für Kayla und Aiden bereit, die das Leben der jungen Menschen unweigerlich miteinander verknüpft. Dieses Ereignis schweißt die beiden zu einer festen Einheit zusammen, sodass Kayla sich nur noch in Aidens Nähe sicher fühlt.
Der aufstrebende Sportler ist für Kayla nicht nur ihr Schutzengel, sondern berührt zudem auch ihr Herz. Als sie sich Hals über Kopf in Aiden verliebt, ahnt sie nicht, dass er ein dunkles Geheimnis hütet, das ihre junge Liebe für immer vernichten könnte.

Über die Autorin

Arizona Moore ist das Pseudonym einer deutschsprachigen Autorin und steht für Liebe, Herzschmerz, Drama und einen Hauch erotischem Prickeln.
Bücher sind und waren schon immer ihre größte Leidenschaft. Anfänglich hat sie ihre Geschichten nur für sich selbst zu Papier...

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Leseprobe

 

Ich sitze in Aidens Mustang und schaue aus dem Seitenfenster. Mir klopft das Herz bis zum Hals, ich habe feuchte Hände, mein Magen zieht sich schmerzhaft zusammen und mir bricht der Schweiß aus jeder Pore, weil wir jeden Moment an dem Park vorbeifahren werden, in dem ich das Widerwärtigste erlebt habe, das mir je widerfahren ist. Mit dummen Sprüchen, kleineren Mobbereien und Sticheleien anderer Menschen in Bezug auf meine Hautfarbe konnte ich in der Vergangenheit ziemlich gut umgehen, indem ich sie weglächelte. Doch dass man mir körperliche Gewalt angetan und mich gedemütigt hat, daran werde ich wohl noch eine Weile...

...zu knabbern haben.
Ich versuche, die Bilder und die Erinnerungen an den Überfall, die immer wieder an meinem inneren Auge vorbeirauschen, aus dem Kopf zu bekommen, doch das gelingt mir einfach nicht. Im Krankenhaus habe ich eine Methode gefunden, die mir zumindest zeitweise bei der Bewältigung half. Sobald mich das Durchlebte zu übermannen drohte, summte ich ein Lied vor mich hin, konzentrierte mich auf meine Atmung und dachte an meine Patienten auf der Onkologie. Ich rief mir ins Gedächtnis, dass es Menschen gibt, die wesentlich schlechter dran sind als ich. Leider funktioniert diese Technik gerade nicht. Ich höre immer wieder das gehässige Gelächter der Angreifer in meinen Ohren und spüre, wie ein ohnmachtsähnlicher Zustand Besitz von mir ergreift. Genau dieselbe Machtlosigkeit fühlte ich, als ich am Boden lag, man auf mich eintrat und eingeprügelte, mich anpinkelte und ich keine Chance zur Flucht hatte.
In den letzten Tagen habe ich mir immer wieder die Frage nach dem Warum gestellt. Hatten die Typen es gezielt auf mich abgesehen? Oder war ich nur ein zufälliges Opfer, das bloß zur falschen Zeit am falschen Ort war? Beide Fragen können mir nur die Täter beantworten, und ich hoffe inständig, dass ich die Antworten darauf noch erhalten werden. Ich kann einfach nicht verstehen, wie man so brutal mit einem anderen Menschen umgehen kann. Gab es den Mistkerlen den ultimativen Kick, auf mich einzuschlagen? Hat es sie erregt, mich fertigzumachen? Oder bin ich auf Rassisten getroffen, die einfach nur ihre Macht demonstrieren und ihre Ausländerfeindlichkeit ausleben wollten? Ganz gleich, welche Gesinnung auf die Kerle zutrifft, ich werde wohl nie verstehen, wie man einem Menschen psychische oder physische Gewalt antun kann.
Ich fühle mich wie eine Versagerin, wie ein Schwächling, weil ich mich nicht gewehrt habe und die Angreifer einfach machen ließ. Aber bin ich das wirklich? Ist Gewalt nicht eine Form der Schwäche? Wie oft kann man im Alltag beobachten, dass Menschen beleidigend, aggressiv oder eben gewalttätig werden, wenn ihnen die Argumente ausgehen. Sind diese Leute, die Schläge und Beschimpfungen zur Verteidigung nutzen, nicht die wahren Feiglinge? Ich denke, dass es viel stärker und mutiger ist, sachlich und konstruktiv zu bleiben, statt gleich die Fäuste sprechen zu lassen.
Also nein, ich bin weder schwach noch eine Versagerin. Ich bin stark, weil ich nicht zulasse, dass diese widerlichen Menschen, die mich im Park erniedrigt und gedemütigt haben, mich kleinbekommen. Vielleicht habe ich noch eine Weile an dem Erlebten zu knabbern, aber ich werde mich davon nicht unterkriegen lassen, meine Krone richten und weiterhin mit Stolz und hocherhobenem Haupt durchs Leben gehen.
„Kayla? Wir sind da“, höre ich Aiden sagen und werde so aus den Gedanken gerissen. „Ist alles okay?“
„Ja, klar. Sicher. Alles bestens“, antworte ich wie aus der Pistole geschossen. Die Worte kommen, wie in den letzten Tagen auch, ganz automatisch über meine Lippen, weil ich mich niemandem anvertrauen wollte und es auch immer noch nicht will.
Natürlich geht es mir nicht gut, aber ich bin weder gut darin, über meine Gefühle zu sprechen, noch Hilfe anzunehmen. Bis jetzt musste ich das auch nicht. Für mich ist es Neuland, dass sich andere Menschen so intensiv Gedanken über mich und mein Wohlergehen machen.
Meine Mom verstarb vor etwas mehr als vier Jahren an den Folgen eines aggressiven Gehirntumors, meinen Erzeuger habe ich nie kennengelernt. Er hat meine Mutter zu Beginn der Schwangerschaft sitzen gelassen. Da ich ein Einzelkind bin, war ich nach ihrem Verlust auf mich allein gestellt. Auf der einen Seite war meine Mom mein großes Vorbild, das mir die richtigen Werte und Normen beibrachte, und auf der anderen Seite meine allerbeste Freundin. Sie wusste genau, wie ich mich fühlte, wenn ich weinend von der Schule nach Hause kam, weil man mich mal wieder als Mischling beschimpft oder mit anderen Gemeinheiten verletzt hatte. Wenn sich jemand in mich, meine Gedanken- und Gefühlswelt hineinversetzen konnte und wusste, wie sehr mich die Hänseleien meiner Mitschüler mitnahmen, dann sie. Schließlich hatte sie genau dasselbe durchgemacht. Ich vermisse sie schrecklich. Ganz besonders jetzt.
Natürlich hatte ich meine Freundinnen, die mich nach dem Tod meiner Mutter auffingen, für mich da waren und mir tröstend zur Seite standen, doch konnten sie trotz ihrer unermüdlichen Bemühungen meinen Verlust nicht kompensieren oder weniger schlimm erscheinen lassen. Auch wenn sie alles gaben, um mich aufzuheitern, mir zuzuhören oder einfach mit mir still waren, fehlte mir meine Mom in jeder Sekunde.
Meine Mädels hatten noch nie mit Alltagsrassismus zu tun. Wie auch? Sie sind allesamt weiß, weshalb die unterschwelligen Anfeindungen, die mir regelmäßig entgegengebracht werden, böhmische Dörfer für sie sind. Daher fällt es mir schwer, mich ihnen in Bezug auf meine Gefühle, die der Hass anderer in mir auslöst, zu öffnen.
Als Aiden die Beifahrertür öffnet, werde ich in meinen Gedanken unterbrochen. Ich war so mit mir selbst beschäftigt, dass ich überhaupt nicht bemerkt habe, dass das Auto angehalten hat.
Er ist mir beim Aussteigen behilflich, reicht mir seine Hand, zieht mich auf die Beine und legt einen Arm um meine Hüften, um mich zum Haus zu begleiten.
Von ihm gehalten zu werden, fühlt sich himmlisch an. Er ist so stark, aber gleichzeitig auch irgendwie einfühlsam und sanft. Sein männlich herber Duft, nach Ambra und Moschus, tut sein Übriges, dass ich mich von ihm vollkommen berauscht fühle. Ich bin ihm so nah, dass ich seinen kräftigen Herzschlag hören kann. Wenn es nach mir ginge, bräuchte er mich nie wieder loszulassen.
Bereits als ich ihn das erste Mal sah, in einem ärmellosen Trikot auf dem Spielfeld in der High-Flyers-Arena, die breiten Oberarme von einem Schweißfilm überzogen und die Wadenmuskulatur bis auf das Äußerste angespannt, habe ich mir vorgestellt, wie es sich wohl anfühlen würde, in seinen starken Armen zu liegen. Dabei malte ich mir aus, wie er meine Haut streichelt und jeden Zentimeter davon liebkost. Er hat ab der ersten Sekunde Gefühle der Zuneigung in mir heraufbeschworen.
Meine große Leidenschaft ist das Lesen von Liebesromanen. Sobald ich in ein Buch abtauche und miterleben darf, wie die Protagonistin ihrem männlichen Pendant verfällt, zaubert mir das ein schmachtendes Lächeln ins Gesicht. Nichtsdestotrotz habe ich immer über die romantischen Ideologien der Autoren schmunzeln müssen. Meines Erachtens hat der Liebe-auf-den-ersten-Blick-Effekt nur eine systematische Relevanz für den Verlauf der Geschichte. Das wahre Leben ist normalerweise anders. Deswegen war es für mich einfach nie nachvollziehbar, dass man sich vom Fleck weg in einen Mann verlieben kann. Bis ich auf Aiden traf.
Als ich Aiden im Laufe der Zeit besser kennenlernte und feststellte, dass er nicht nur unverschämt gut aussieht, sondern auch einen messerscharfen Verstand, ein unbestechliches Urteilsvermögen und einen sympathischen Sinn für Humor besitzt, gab es kein Zurück mehr. Ich verfiel ihm hoffnungslos.
Jede Faser meines Seins verzehrt sich nach ihm, immer häufiger dominiert er meine Gedanken. Wenn ich einschlafe, sehe ich sein Gesicht vor mir, in meinen Träumen spielt er die Hauptrolle, und auch während des Tages, auf der Arbeit oder beim Kaffeetrinken mit den Mädels, erwische ich mich regelmäßig dabei, wie ich mich der Vorstellung hingebe, ihn küssen, spüren, berühren und lieben zu wollen.
Ich kann es nur schwer erklären, aber alles an ihm zieht mich an. Die Art, wie er meinen Namen ausspricht, sein Zahnpasta-Lächeln, sein männlicher Geruch, seine positive Ausstrahlung, seine Persönlichkeit und seine Optik. Wenn ich mir meinen Traummann schnitzen könnte, würde ich Aiden als Vorlage nehmen. Er ist und hat alles, was ich zum Glücklichsein brauche.
Aiden fühlt, wenn ich schlechte Laune habe, und weiß instinktiv, wie er mich dann aufheitern und zum Lachen bringen kann. In ihm schlummert noch der kleine Junge, der für jeden Spaß zu haben ist, das Leben nicht zu ernst nimmt, und das finde ich super. Ich glaube, dass selbst ein Montagmorgen mit ihm schön ist. Wann immer ich ein Problem habe, ist er zur Stelle und hat ein offenes Ohr für mich. Er hört mir zu, nimmt mich in den Arm und gibt mir Ratschläge. Wenn es sein muss, schneidet er sogar Grimassen, damit ich mich besser fühle.
Und seine kleinen Macken machen ihn noch liebenswerter. Wenn er zum Beispiel einen Milchkaffee trinkt, läuft er minutenlang mit einem Milchschaumbart durch die Gegend, ständig trägt er zwei verschiedene Socken und die Pointen von Witzen kann er sich einfach nicht merken.
„Gibst du mir bitte den Hausschlüssel?“, fragt Aiden, als wir vor der Eingangstür stehen.
Ich atme einmal tief durch, um wieder Herrin meiner Sinne zu werden, und versuche, die Schwärmereien bleiben zu lassen. Ich öffne den Reißverschluss meiner Handtasche und reiche ihm den Schlüssel.
Er sperrt auf, führt mich durch den Korridor des Mehrparteienhauses, öffnet meine Wohnungstür und begleitet mich durch den Flur ins Wohnzimmer, wo ich mich auf die Couch setze, um mir die Sneakers von den Füßen zu streifen. Aiden nimmt neben mir Platz und beobachtet mich von der Seite. Seine Blicke brennen auf meiner Haut, und als sich unsere Blicke treffen, schauen wir einander tief in die Augen.
Sofort durchflutet mich ein kribbelndes und prickelndes Hochgefühl. Es schießt wie flüssige Lava durch meine Adern, mein Herz beginnt wie verrückt zu rasen und der Puls beschleunigt sich. Ich beiße mir auf die Unterlippe, um ein Stöhnen zu unterdrücken, denn obwohl er mich nicht berührt, mich nur mit seinen Augen fixiert, kommt es mir dennoch so vor, als würde er mich überall liebkosen. Die Anziehungskraft, die er permanent auf mich ausübt, ist so stark, dass ich mich ihr beim besten Willen nicht entziehen kann. Deswegen sehe ich mich gezwungen, den Blickkontakt zu beenden, bevor ich noch die Kontrolle verliere, über ihn herfalle und mir das nehme, wonach ich mich schon seit einer gefühlten Ewigkeit sehne: seine Lippen.
„Ist alles in Ordnung, Kayla?“, will er wissen.
Wieso fragt er das andauernd? Mich würde viel brennender interessieren, ob er das heiße Knistern zwischen uns auch gespürt hat.
„Wenn du mich das noch einmal fragst, schmeiße ich dich raus“, sage ich lachend. „Es geht mir gut, ich habe kaum noch Schmerzen und werde in ein paar Tagen wieder ganz die Alte sein. Wenn ich etwas brauche, melde ich mich. Versprochen, Aiden.“
„Sorry wegen der ständigen Fragerei, aber ich hatte echt Angst um dich. Fuck, es war die Hölle, dich blutend auf dem Boden liegen zu sehen. Das hat mir einen ziemlichen Schrecken eingejagt.“ Er rutscht näher an mich heran und legt seine Hand über meine.
„Ich wünschte, du hättest mich nie so gesehen. Es tut mir leid.“
Mir ist bis jetzt noch nicht ein Mal der Gedanke gekommen, dass die Situation auch ihn belasten könnte. Im weitesten Sinne ist auch er ein Opfer, da ihn das Geschehene emotional mitgenommen hat. Wäre ich an seiner Stelle gewesen und hätte miterleben müssen, wie die Kerle ihn zu Brei schlagen, wäre ich vor Sorge um ihn vermutlich gestorben.
Zärtlich lässt er den Daumen über meinen Handrücken kreisen. „Dir muss überhaupt nichts leidtun, Kleines. Diesen elenden Wichsern müsste es leidtun.“
Aidens Worte gehen völlig an mir vorbei, weil er mir viel zu nah ist. In seiner Gegenwart bin ich nicht dazu imstande, mich zu konzentrieren, die gewechselten Worte zu verinnerlichen oder einen klaren Gedanken zu fassen. Er sitzt so dicht neben mir, dass ich bloß meine Hand ein Stück ausstrecken müsste, um sein markantes Gesicht zu berühren. Wie gern würde ich mit meinen Fingerspitzen die Kontur seiner perfekt geschwungenen Oberlippe nachziehen oder die feinen Bartstoppeln an seinem Kinn spüren. Nur ein einziges Mal möchte ich ihm ganz nahe sein, ihn fühlen und berühren. Vielleicht würde mir das schon ausreichen, um ihn aus dem Kopf zu bekommen. Das werde ich aber erst wissen, wenn meine Fantasien Realität geworden sind.
Ich muss mich zusammenreißen und sollte diese Wünsche nicht länger zulassen. Wir sind Freunde. Nicht mehr und nicht weniger. Doch gegen mein Verlangen komme ich nicht mehr lange an. Dieser Mann kann mich allein mit seinen Blicken in Brand stecken. Wieder und wieder jagen wohlige Schauer über meinen Rücken, während ich mir vorstelle, was Aiden wohl noch alles mit seiner Hand anstellen kann, die im Augenblick zärtlich meinen Handrücken streichelt. Eine Gänsehaut bildet sich auf meinen Oberarmen, während sich meine Gedanken zunehmend in einen Sündenpfuhl verwandeln. Am liebsten würde ich erst ihm und dann mir die Klamotten vom Leib reißen, damit wir uns leidenschaftlich lieben können.
„Ähm … Ich … Ich … Ich habe Durst. Magst du mir vielleicht ein Glas Wasser aus der Küche holen?“, stammele ich.
Meine Kehle ist wirklich so trocken wie eine Wüste, was aber ganz gewiss nicht daran liegt, dass ich durstig bin. Aiden ist der Grund dafür, dass mir die Spucke wegbleibt. Dass ich ihn um ein Glas Wasser gebeten habe, war der einzige Ausweg, um wieder zu Atem zu kommen, denn seit er in meinem Wohnzimmer ist, herrscht eine sexuelle Spannung zwischen uns, die ich kaum noch ertragen kann. Ob es ihm ähnlich ergeht, weiß ich nicht. Für mich ist es schwer, ihn zu durchschauen.
„Sicher. Ich bin sofort wieder da.“ Er lässt meine Hand los, steht auf und geht aus dem Wohnzimmer.
Kaum dass er weg ist, vermisse ich seine Nähe. Nun bereue ich es, ihn in die Küche geschickt zu haben. Es ist zum Verrücktwerden. Ich glaube, dass die kommenden Tage die wohl härtesten meines Lebens werden. Aiden ständig um mich zu haben, stellt mich auf eine ganz schön harte Probe. Irgendwie muss es mir gelingen, meine Gefühle für ihn zu unterdrücken.
Als er wieder zurück ist, stellt er das Wasserglas auf dem Couchtisch ab und nimmt wieder Platz. Dieses Mal jedoch am anderen Ende des Sofas. Weit weg von mir. Seine plötzliche Distanziertheit tut weh und versetzt meinem Herzen einen fiesen Stich. Es kommt mir vor, als hätte er eine unüberwindbare Brücke zwischen uns geschaffen. Was ist in den letzten Sekunden passiert, dass er sich mit einem Mal so merkwürdig verhält?
Ich presse die Lippen fest aufeinander und beobachte ihn verstohlen von der Seite. Aiden hält die Arme vor der Brust verschränkt, seine Mundwinkel zeigen nach unten und er wirkt ziemlich angespannt. Seine Körpersprache signalisiert eine eindeutige Abwehrhaltung.
Was ist mit ihm los? Vor ein paar Augenblicken war doch noch alles in Ordnung, und nun kommt es mir so vor, als säße ein völlig anderer Aiden in meinem Wohnzimmer. Wohin ist mein Freund verschwunden?
Als er nach langen Augenblicken des Schweigens, die sich für mich wie eine kleine Ewigkeit angefühlt haben, den Kopf in meine Richtung dreht und sich unsere Blicke treffen, stelle ich kurzzeitig das Atmen ein. Seine Augen wirken traurig, sein Gesichtsausdruck ist von Mitleid gezeichnet. Ich ertrage es nicht, dass er mich so ansieht.
Der magische Zauber zwischen uns, der vorhin förmlich die Luft zum Knistern gebracht hat, ist verpufft. Bis zu diesem Moment habe ich sogar den Grund für seine Anwesenheit in meiner Wohnung vergessen. Mir war entfallen, dass er bloß hier ist, um auf mich aufzupassen. Doch nun werde ich wieder daran erinnert, dass er nur hier sitzt, weil ich überfallen wurde und seiner Meinung nach Schutz benötige.
„Lass das bitte sein“, flehe ich ihn an, woraufhin er eine Augenbraue in die Höhe zieht. „Ich will dein Mitleid nicht. Es tut weh, dass du in mir das arme, hilflose Opfer siehst, denn das bin ich nicht. Ich bin immer noch dieselbe Person, die ich vor der Sache im Park war. Behandele mich bitte nicht anders als vorher, denn das macht es nicht leichter für mich.“
„Oh Gott, nein … nein … Fuck, so ist das nicht. Du verstehst das völlig falsch“, stammelt er und schüttelt den Kopf. „Ich sehe vieles in dir, aber ganz bestimmt nicht das Opfer, Kayla. Es ist eher so, dass … dass ich mich im Moment selbst nicht ausstehen kann.“
Jetzt verstehe ich absolut gar nichts mehr. „Warum?“ Ich starre ihn an.
Er seufzt, öffnet den Mund, holt Luft, setzt zum Sprechen an und atmet, ohne etwas zu sagen, wieder aus.
„Verdammt, Aiden, rede mit mir. Dein Schweigen macht mich wahnsinnig.“
„Weil … Weil … Ach, verdammt!“ Er rauft sich die Haare und errötet.
Ist Aiden etwa verlegen? Das habe ich ja noch nie erlebt. Er ist doch sonst der coolste Mensch, den ich kenne. Es ist noch nie vorgekommen, dass ihm die Worte fehlten, er herumgedruckst hat oder um einen Spruch verlegen war. Das hier ist eine Premiere.
„Weil ich hier sitze und an nichts anderes denken kann als daran, dich unbedingt küssen zu wollen, deine Haut auf meiner zu spüren, dich überall zu berühren und mit dir zu schlafen. Und das ist so was von falsch.“ Er seufzt und zieht die Luft durch die spaltbreit geöffneten Lippen ein. „Du hast etwas echt Krasses durchlitten, musst dich schonen und brauchst Ruhe, um dich von deinen Verletzungen zu erholen. Und was mache ich? Ich habe nichts anderes im Sinn, als mir vorzustellen, wie du wohl ohne Klamotten aussiehst und wie du dich nackt unter mir auf einem Bettlaken rekelst. Das ist doch nicht normal. Entschuldige, dass ich so unverblümt mit der Tür ins Haus falle, aber es tut verflucht gut, endlich die Karten auf den Tisch zu legen. Willst du … Willst du, dass ich jetzt gehe?“
Heilige Scheiße, damit habe ich jetzt absolut nicht gerechnet. Das Geständnis erwischt mich eiskalt und unvorbereitet.
Dass es ihm genauso geht wie mir, lässt mein Herz Purzelbäume schlagen. Endlich weiß ich, dass ich mich nicht geirrt habe und dass da etwas zwischen uns ist. Zwischenzeitlich habe ich gedacht, dass ich einen Sprung in der Schüssel habe und Gespenster sehe, weil ich sein Heiß-kalt-Spiel nicht zu deuten wusste. Ein schöneres Geschenk, als dass er mich begehrt, hätte er mir gar nicht machen können. Trotz der Millionen Glückshormone, die sich von meiner Brust bis hinunter in den Magen ausbreiten, brauche ich einen Moment, um die Worte sacken zu lassen und mich zu sortieren.
„Dann sind wir wohl beide nicht normal. Ich wünsche mir nämlich genau dasselbe, Aiden. Eigentlich will ich dich schon eine ganze Weile.“ Ich rutsche näher an ihn heran und lege ihm eine Hand auf den Oberschenkel. „Bitte geh nicht, bleib bei mir. Ich möchte mit dir schlafen.“
Abermals schüttelt er den Kopf. „Das geht nicht, Kayla. Nicht jetzt, nicht heute.“
„Warum nicht?“ Ich verstehe ihn nicht. Was spricht dagegen, dass wir unsere Wünsche ausleben? Wir sind zwei erwachsene Menschen, die sich nacheinander verzehren.
Ich bin so verdammt scharf auf ihn, dass ich dafür sogar unsere Freundschaft riskieren würde, auch wenn ich das hinterher sicherlich bereue. Deswegen ist es vermutlich ganz gut, dass zumindest einer von uns einen kühlen Kopf bewahrt, auch wenn ich das vorhin noch ganz anders sah. Allerdings verwundert es mich nun doch, dass ich diejenige bin, die aktuell nur mit ihrem Geschlechtsteil denkt. Sind es nicht normalerweise die Männer, die ihren Schwanz über die Vernunft stellen?
Da er stumm bleibt, nehme ich all meinen Mut zusammen, setze mich auf seinen Schoß und ignoriere dabei, dass meine Rippen schmerzen. Mein Wunsch nach Nähe ist größer. Ich weiß selbst nicht, warum ich das tue, denn vor wenigen Momenten bin ich noch froh darüber gewesen, dass er mich ausgebremst hat. Manchmal verstehe ich mich selbst nicht.
Vielleicht hat mein Kopf nach der Gehirnerschütterung einen Schaden zurückbehalten, den man auf dem CT noch nicht sehen konnte. Zumindest scheint mir das die einzig plausible Erklärung für mein Verhalten. Ich erkenne mich gerade selbst nicht wieder.
Indem ich den Kopf senke und seinen Mund mit meinen Lippen versiegele, gebe ich Aiden gar nicht erst die Chance, einen Einwand zu äußern. Eine Hand lege ich an seine Wange, um endlich seine Grübchen berühren zu können.
Er versteift sich für einen kurzen Moment, erwidert aber kurz darauf den Kuss. Als seine Zungenspitze gegen meine Lippen tippt und nach Einlass verlangt, versinke ich in einem rauschenden Strom der Gefühle. Sofort öffne ich den Mund und lasse seine Zunge in mich eintauchen. Zärtlich umspielt er mit ihr meine Zunge, neckt mich und fordert mich heraus, den Kuss zu intensivieren. Es ist, als würden wir einen Tango miteinander tanzen, bei dem wir beide intuitiv die Schrittreihenfolge kennen.
Als Aiden an meiner Unterlippe saugt, lege ich die Arme um seinen Hals, um ihm noch näher sein zu können. Ich spüre seine harte, muskelbepackte Brust an meiner, und das, was ich fühlen darf, ist äußerst vielversprechend. Eine große, harte Beule drängt sich gegen meine Mitte. Ich habe mich mit einem Mann noch nie so verbunden gefühlt, und wenn es irgendwie ginge, würde ich am liebsten in ihn hineinkriechen, um mit ihm zu einer Einheit zu verschmelzen.
Der Drang, seinen Schwanz in mir spüren zu wollen, steigert sich ins Unermessliche. Er lässt sich weder ignorieren noch zur Seite schieben, auch wenn es gute Gründe dafür gibt, warum wir nicht miteinander schlafen sollten. An erster Stelle wegen unserer Freundschaft. Doch auch das ist mir im Moment egal, kein Argument würde mich von leidenschaftlichem Sex mit ihm abhalten können. Ich will in seinen Armen liegen, möchte von ihm gehalten werden, will, dass er mich den Schmerz vergessen lässt, den die Männer mir im Park zugefügt haben, und dass er die Erinnerungen an den Überfall auslöscht. Der Kuss, der wild und zärtlich zugleich ist, bringt meine Gedanken zum Verstummen. Der unangenehme Druck in meiner Brust, der mich seit Tagen aufgrund der Vorkommnisse begleitet, schwindet und ich gebe mich bereitwillig der Leichtigkeit des Momentes hin. Aidens Lippen nach all den Monaten des heimlichen Begehrens endlich zu spüren, fühlt sich an, als würden sie genau dort hingehören. Auf meinen Mund. Nirgendwo anders.
Wie eine Ertrinkende klammere ich mich an seinen Schultern fest, während seine Zunge meine massiert. Binnen Sekunden hat der Kuss an Dynamik und Intensität gewonnen. Er ist berauschend und Sinne vernebelnd, wie eine alles verzehrende Droge.
Ich presse meine Oberschenkel fest gegen seine. Es macht mir beinahe ein wenig Angst, wie gut Aiden sich anfühlt, denn nun bin ich mir hundertprozentig sicher, dass ich niemals genug von ihm bekommen werde. Wie kann etwas, das sich so verdammt gut anfühlt, falsch sein?
Wie frisch verliebte Teenager knutschen wir miteinander, bis ich spüre, dass meine Lippen leicht geschwollen sind. Doch das stört mich nicht. Ich liebe es, wie er mir mit den Zähnen in die Unterlippe beißt, an ihr saugt und anschließend wieder die Zunge in meinen Mund gleiten lässt, um sie an meiner zu reiben.
„Heilige Scheiße, Kayla. Du machst dir keine Vorstellung davon, wie sehr ich mir das hier gewünscht habe“, stöhnt er heiser gegen meine Lippen. Seine Stirn ist gegen meine gelehnt und er streicht mir eine lose Haarsträhne aus der Stirn.
„Oh doch, denn es ging mir nicht anders. Ich will dich, Aiden.“
„Ich dich auch, Honey, aber nicht so. Wir sollten aufhören“, sagt er und beendet endgültig den Kuss.
Was heißt, nicht so? Will er wegen des Überfalls nicht mit mir schlafen? Findet er mich deswegen weniger begehrenswert? Verübeln könnte ich es ihm nicht. Ich meine, welcher Mann findet schon eine Frau sexy und begehrenswert, auf die eingeprügelt und uriniert wurde? Die blau-grünen Flecken auf meiner Haut sowie das breite Pflaster über der Augenbraue sind auch kaum zu übersehen. Mein Selbstwertgefühl hat unter dem Angriff sehr gelitten, doch seine Abfuhr versetzt ihm den Todesstoß.
Seine Worte wirken wir ein Kübel Eiswasser, den man mir unvorbereitet über den Kopf kippt. Sie haben mich getroffen und verletzt, weswegen ich von seinem Schoß steige und von ihm abrücke. Ein dicker Kloß bildet sich in meinem Hals, und Tränen schießen mir in die Augen. Ich drehe schnell den Kopf zur Seite, weil ich nicht will, dass er die Enttäuschung in ihnen sieht.
„Hey, sieh mich an.“ Seine Hand legt sich um mein Kinn, um meinen Kopf mit sanftem Druck wieder in seine Richtung zu drehen. „Du hast mich völlig falsch verstanden. Ich will dich, Kayla, aber ich kann vorerst keinen Schritt weitergehen.“
Ich schaue ihn an, bin aber nicht dazu in der Lage, auf seine Worte zu reagieren. In meinem Kopf geht es drunter und drüber.

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