The Doctor Is In!: Dr. Charming

Originaltitel: St. Luke's Docuseries 1: Dr. OB
Übersetzer: Joy Fraser

Erscheint: 05/2018
Serie: The Doctor Is In!
Teil der Serie: 1

Genre: Contemporary Romance, Romantic Comedy
Zusätzlich: Arzt-Roman, Reality-Show

Location: New York, USA


Erhältlich als:
paperback & ebook

ISBN:
Print: 978-3-86495-356-9
ebook: 978-3-86495-357-6

Preis:
Print: 13,90 €[D]
ebook: 6,99 €[D]

Erhältlich bei u.a.:

und allen gängigen Onlinehändlern und im Buchhandel

The Doctor Is In!: Dr. Charming


Inhaltsangabe

„Es ist nur eine Reality-Show über deine Arbeit als Gynäkologe“, sagten sie.
„Dein Leben wird während und nach den Dreharbeiten in keiner Weise beeinflust“, sagten sie.
„Es ist eine Riesenchance für das Krankenhaus und deine Praxis“, sagten sie.

Sie, das sind die Verantwortlichen vom Fernsehen, die anscheinend ganz wild darauf sind, dank künstlerischer Freiheiten meine Karriere und mein Privatleben zu ruinieren. Angelogen haben sie mich, und nun muss ich mit den Folgen meiner Leichtgläubigkeit leben.
Anstatt als Dr. Will Cummings, Leiter der Fachabteilung für Frauenheilkunde und Geburtenhilfe am St. Lukes Krankenhaus, durch die Show "The Doctor is in!" landesweit bekannt zu werden, werde ich nur noch "Dr. Obszön“ genannt!

Wie soll ein Mann der perfektesten Frau, die er jemals im Leben getroffen hat, klarmachen, dass er im wahren Leben nicht so ein Idiot ist, wie er im Fernsehen dargestellt wird?!

Dank all der peinlichen Nebeneffekte der Show kommt ein ganzes Stück Arbeit auf mich zu, wenn ich Melody Marco davon überzeugen will, dass sie mehr als nur meine neue Krankenschwester sein soll.

Ich bekomme sie nicht aus dem Kopf.

Ich will sie.

Zum Glück habe ich noch nie vor einer Herausforderung zurückgescheut … Also mach dich bereit, Melody, denn der Arzt ist da!

Teil 1 der "The Doctor is in!"-Serie des New York Times-Bestseller-Autorenduos Max Monroe. 

 

Über die Autorin

Vor ein paar Jahren schlossen sich zwei Liebesromanautorinnen und langjährige Freundinnen unter dem Pseudonym Max Monroe zusammen, und der Rest ist Geschichte ... Als Max Monroe veröffentlichten sie seitdem mehrere erfolgreiche Contemporary Romances und erklommen die New York Times und...

Weitere Teile der The Doctor Is In! Serie

Leseprobe

Auszug 1

„Kommt schon, kommt schon“, sagte meine Mutter und schob uns alle Richtung Wohnzimmer. „Deine Sendung fängt gleich an. Ich habe Snacks hingestellt.“

„Snacks?“, fragte ich hoffnungsvoll. Ich hatte seit heute Morgen vor der Arbeit nichts mehr gegessen und war am Verhungern. Klines Lachen und das Tätscheln meiner Schulter dämpfte meine Hoffnungen ziemlich schnell. „Was denn, keine Snacks?“, fragte ich.

„Doch“, korrigierte Kline. „Aber wart’s nur ab.“

„Kommt endlich rein, ihr drei!“, rief Savannah.

Die Augen meiner Schwester glühten mit dem Wissen, was da kommen würde.

Ich schielte zur Tür und hatte plötzlich lebhafte innere Bilder der Flucht, aber Georgias Schlag auf meinen Arm holte...

...mich da raus.

„Komm, dein Fernsehdebüt wartet.“

Wie seltsam. Ich im Fernsehen. Das konnte man eine komplette Lebenswendung nennen, wenn man bedachte, dass ich ein Arzt war.

Offiziell geködert, folgte ich meiner Schwester und Kline durch den Flur. Julia kam aus einer Tür und stolperte gegen mich, aber ich konnte mich noch fangen und verhindern, dass ich auf dem Boden landete oder auf sie trat.

„Oha, JuJu. Fast hättest du Onkel Will umgelegt“, sagte Kline neckend, lächelte und nahm das Kind auf den Arm.

„Bumbum, Daddy“, antwortete sie und lachte.

Bumbum, echt jetzt.

Als wir ins Wohnzimmer kamen, warteten Mom und Dad bereits. Aber das hielt nicht lange an.

„Mist, Dick, kannst du mir bitte helfen? Ich habe den Champagner in der Garage vergessen.“

„Champagner?“, protestierte ich. „Das ist nur eine blöde Serie, Mom.“

Sie ignorierte mich, genau wie Dad. Er zögerte nicht, sprang auf und folgte ihr durch den Flur.

Georgia hatte nun das sich ständig bewegende Kind auf dem Schoß, hielt ihm die Ohren zu und sagte etwas, das wir alle wussten, aber nicht aussprechen wollten: „Die werden jetzt garantiert S-e-x haben.“

Ich zuckte bestätigend mit den Schultern. Ich konnte mich kaum erinnern, dass sich Dick und Savannah mal nicht rausgeschlichen hätten, um Sex zu haben. Schön für die beiden, schätzte ich. Ich hätte mir nur gewünscht, nicht so viel darüber zu wissen.

Der Duft von Essen erreichte meine Nase, und ich brauchte nicht lange, um die Quelle zu erfassen. Auf dem Couchtisch.

Ah, Jesus.

„Sind das Hörnchen in Vagina-Form?“, fragte ich, aber ich kannte die Antwort bereits. Verdammt noch mal, meine Eltern sind seltsam.

Kline nickte enthusiastisch. „Ich hab geholfen, sie zu formen.“

„Und das hier? Was ist das?“

„Gefüllte Eier mit ihren Deckeln und aufgespießter Dillgurkengarnitur“, sagte Georgia mit großen, unschuldigen Augen.

„Und?“

Sie prustete und kicherte leicht. „Offenbar ein befruchtetes Ei.“

„Und die Spiralen?“

„Eileiter.“

„Siehst du?“, sagte Kline mit einem Lachen. „Ich hab doch gesagt, es gibt Snacks.“

„Jesus.“ Ich hatte wirklich großen Hunger. Und ich mag schließlich gern Pussys verschlingen. Also nahm ich mir drei Brot-Vaginen, steckte mir die erste in den Mund und hielt Ausschau nach Hot Dogs in Penisform. Ich brauchte definitiv etwas Protein, auch wenn es fragwürdiger Herkunft und in Phallusform war.

„Oh, es fängt an! Seht nur, seht!“, quietschte Georgia aufgeregt. „Mach lauter, Kline.“

Er sprang sofort und tat, worum sie gebeten hatte. Ich setzte mich derweil auf die Couch neben Georgia und Julia. Die Musik begann, begleitet von Aufnahmen für die Schnittbilder vom Krankenhaus, dessen Fluren und den vollen Straßen Manhattans. Der Eindruck war so intensiv, dass er mein Herz schneller schlagen ließ. Die Kamera schwenkte zum Haupteingang der Klinik zur 59. Straße hin, zoomte superschnell durch die Eingangstür, durch Flure, das Treppenhaus und um die Ecke zum Eingang der Gynäkologie, als hätten sie die Kamera an eine Rakete gebunden.

Als sich die Tür zu meinem Büro öffnete, verblasste das Bild, der Titel der Sendung formte sich und mein Name erschien zusammen mit einem Bild von mir: Dr. OB. Wobei das OB eine Abkürzung für die Gynäkologie war.

Gigi quietschte auf, drückte mein Knie, und Kline lächelte mich aufmunternd von dem Sessel neben uns an.

Die Kamera fuhr jetzt den Flur entlang, wo sich rechts und links Untersuchungsräume befanden, bis sie am Ende an meinem Büro ankam. Sobald mein Gesicht den Bildschirm ausfüllte, bekam ich einen Knoten im Bauch. Ich hatte keine Ahnung, warum, denn bisher hatte ich nur Aufregung verspürt, doch in diesem Moment packte mich ein seltsames Gefühl der Vorahnung. Ich wusste nicht, ob es an meinem Gesichtsausdruck lag oder einfach an der allgemeinen Unsicherheit bezüglich dieser Sache. Aber es dauerte nicht lange, und dann wusste ich, warum.

Auf dem Bildschirm stellte ich mich und meine Praxis vor und erklärte, dass ich es nicht abwarten konnte, den Zuschauern meine Welt zu zeigen. Es wirkte alles völlig harmlos.

Doch plötzlich fror das Bild meines Gesichtes ein und ein flirtendes Lächeln erschien auf meinen Zügen. Megaschnell, sodass man kaum die Worte lesen konnte, die aufblitzten, ratterte eine Liste meines Lebens herunter – oder des Lebens, das sie darstellen wollten.

Ein Punkt war zu erwarten gewesen – das Medizinische.

Einen hatte ich angeregt – Innovation.

Und dann erschien eine ganze Litanei von Substantiven, die mich mein ganzes Leben verfolgen würden.

Sex.

Skandale.

Intrigen.

Geheimnisse.

Lügen.

Ich erstarrte.

Das Logo der Sendung erschien erneut, und der Hinweis auf meinen Part darin: Dr. OB.

Dr. OBszön. Dr. Obszön.

Damit meinten sie mich. Mich!

Eine ganze Weile folgte mir die Kamera durch das Krankenhaus, aber ich nahm es nicht richtig wahr. Zu mir drang nur durch, dass Kline vom Sessel aufsprang und Georgia mit meiner Nichte den Raum verließ. Dick und Savannah waren irgendwann wieder reingekommen, doch sie hätten auch brüllen können, für mich herrschte Totenstille.

Mein komplettes Leben lief vor meinen Augen ab.

Die Kamera folgte mir in den Umkleideraum. Ich hatte keine Ahnung gehabt, dass sie dafür überhaupt eine Genehmigung hatten. Dem wackeligen Bild und der nur halb offenen Tür nach zu urteilen, ignorierten sie das einfach und filmten weiter, wie ich mein Hemd auszog und die weiße Arzthose. Im Laufe dieser Szene wurde eine meiner Arschbacken fast vollständig entblößt gezeigt.

Das Grey’s-Anatomy-Szenario, in dem sie filmen, wie man sich auszieht und Sex im Bereitschaftsdienstraum hat, war im wahren Leben bei Weitem nicht so ansprechend. Ich hatte gedacht, sie folgten mir in der Klinik, um den Zuschauern meine Kompetenz zu zeigen und wie ich meinen Patienten mit einer anderen Herangehensweise helfen konnte. Aber nicht, dass sie mich demütigten, indem sie das Filmmaterial kreativ zusammenschnitten und zeigten, wie ich mich nackt auszog, anstatt den Not-Kaiserschnitt, den ich keine Stunde vorher gemacht hatte. Es bestand ein Unterschied zwischen heiß und kompetent aussehen und unanständig. Und dieser beschissene Film stellte mich definitiv als Letzteres dar.

Jesus, meine Karriere stand auf dem Spiel.

Noch ehe ich wusste, was ich tat, hatte ich mein Handy hervorgeholt und suchte nach der Nummer einer Person, die mir Rede und Antwort stehen konnte, und ich hatte nur eine einzige Frage.

Was zum Geier sollte das?

Ich entschied mich für Tammy Schuler, ein Vorstandsmitglied der Klinik und eine der größten Verteidigerinnen all des Positiven, das die Sendung uns bringen sollte. Ich drückte auf Anrufen und presste das Handy an mein rotes, heißes Ohr.

Sie antwortete beim zweiten Klingeln mit vorsichtiger, gedämpfter Stimme. „Will, beruhige dich.“

Ich hatte noch nicht einmal etwas gesagt, aber wahrscheinlich drang allein schon die Kraft meiner Wut durch das Telefon. „Beruhigen?“, fragte ich tödlich leise. „Du willst, dass ich mich beruhige?“

„Hör zu …“

„Sie haben mich beim Ausziehen gefilmt, Tammy!“, explodierte ich. „Wieso zum Henker durften die überhaupt in den Umkleideraum? Wo ist die Erlaubnis?“

„Im Vertrag stand nicht direkt, dass sie vorhaben, dich beim Ausziehen zu filmen, Will.“

„Dann zeigen wir sie an! Das ist ein Angriff auf meine Privatsphäre und der Film ist eine komplette Falschdarstellung.“

„Will.“ Sie machte eine Pause. „Gott, Will.“

„Was?“

„Sie hatten nicht festgelegt, dass sie das vorhatten, aber wir haben auch nicht festgelegt, dass sie es nicht dürfen. Es tut mir leid.“

„Und jetzt? Soll ich einfach nur dasitzen und mir das die nächsten zwölf Wochen ansehen? Ich dachte, das wäre eine gottverdammte Dokuserie, und nicht eine Arschbacke entfernt von einem Porno!“

„Uns sind die nächsten sechsunddreißig Tage die Hände gebunden, Will. Wir haben mit den Anwälten gesprochen, das kann ich dir versichern, aber es gibt keinen rechtlichen Weg. Jede einzelne geplante Folge, deine, Scotts und Nicks, wird gesendet werden.“

„Verfickte Scheiße!“

„Will.“

„Ja, ja, ich weiß. Das ist nicht gerade ein professioneller Ausdruck.“

Sie lachte tatsächlich ein bisschen, und ich überlegte, welche Art Technik vonnöten wäre, um durch das Telefon zu greifen und sie zu erwürgen.

Wurde das schon erfunden? Kann mein Schwager es sich leisten? Er ist verdammt reich, also bin ich sicher, dass er das kann.

„Nein, aber es ist schon gut. Ich wollte dir gerade etwas Positives berichten.“

„Ich kann mir nicht vorstellen, wie du das ins Positive drehen könntest, Tammy.“

„Wie wäre es mit 500.000 Klicks in einer Stunde?“

„Was?“

„So oft wurde die Webseite der Klinik in der letzten Stunde angeklickt.“

Ich rollte mit den Augen. „Na und? Ich dachte immer, Krankenhäuser verkaufen sich von allein. Leute werden krank oder verletzen sich und gehen hin. Es ist ja keine Wellnessklinik.“

„Das glaubst du, aber du irrst dich. Die Leute suchen sich ihre Krankenhäuser aus, Will, und auch wenn es dir nicht gefällt, die Leute wählen unsere Klinik wegen dieser Sendung.“

„Und melden sich gleich in der Psychiatrischen an?“ Tief in mir wusste ich, dass sie recht hatte. Die Leute suchten sich wirklich ihr Krankenhaus aus. Das hatte ich als Arzt oft genug erlebt, aber dennoch … jetzt ging es um mich, und ich war sauer. Emotionen verhindern manchmal rationales Denken.

„Will.“

Ich seufzte. Gottverdammt! „Na gut. Es ist nun mal, wie es ist.“

„Genau.“

„Hoffentlich bezahlt ihr mich dann wenigstens bis zu meinem Tod oder bis ich für irgendein Verbrechen verurteilt werde.“

Nun war es an ihr, zu seufzen. „Das Krankenhaus kann dir keine ewige Anstellung versprechen, aber ich kann dir garantieren, dass man sich die Umstände notiert hat.“

„Mein Opfer wurde notiert.“

„Jetzt wirst du ziemlich dramatisch.“

Vielleicht hatte sie recht. Möglicherweise war das zu dramatisch. Oder aber es war das Ende meines Lebens, wie ich es bisher kannte.

Ich beendete das Gespräch und zwang mich dazu, ins Wohnzimmer zurückzugehen und mir den Rest der Sendung anzutun.

So sauer ich auch auf Tammy und den Vorstand und so wütend ich auf die Produktionsfirma war, in Wahrheit war nichts so schlimm wie meine Selbstverachtung. Ich war so aufgeregt gewesen, hatte so naiv gedacht, die Serie würde mein Privatleben verbessern, verdammt noch mal. Ich dachte, Frauen würden zu mir sagen: Oh, Sie sind so beeindruckend, Doktor.

Doch die Sendung ging in eine völlig andere Richtung von dem, was ursprünglich vereinbart war. Es war ein furchtbarer Bericht über St. Luke’s Eliteärzte, eine leichtherzige Darstellung von allem Ethischen und Professionellen. Dummerweise hatte ich meine Vorsicht abgelegt und ihnen das Material geliefert. Ich war der Mann vor der Kamera und konnte niemand anderem als mir selbst die Schuld dafür geben.

Gottverdammt!

Von meinem Platz aus sah ich angewidert zu, wie der Mann auf dem Bildschirm – augenscheinlich ich – während einer Herztonüberwachung bei einer harmlosen Schwangeren etwas sagte, das an Beleidigung grenzte, und dabei zwinkerte. Dann wurde die Sendung von einer Werbepause unterbrochen.

Gut. Oh Gott.

Ich konnte mich nicht einmal daran erinnern, in die Kamera gezwinkert zu haben, und schon gar nicht mit der Hand in einer Frau. Die Kamera befand sich hinter ihrem Kopf und ein Tuch bedeckte ihre Beine, aber um Himmels willen, es war unter keinen Umständen angebracht, einer Frau während einer so intimen Untersuchung zuzuzwinkern. Ich fragte mich, ob sie sich dabei sehr unwohl gefühlt hatte. Ob sie dachte, ich zwinkerte ihr zu.

Obwohl ich wusste, dass ich mich ohne eine pseudo-begründete Erklärung niemals so benehmen würde, kreisten Panik und Hysterie in mir, bis der Unglaube nachließ und alles in mir explodierte. „Ich komme wie ein Sextäter rüber!“

Keine Frau würde sich mir je wieder nähern. Nicht in medizinischen und ganz sicher nicht in sexuellen Angelegenheiten. Ich würde aufs Land ziehen müssen. Ohne Fernseher. In einer Hütte leben oder so. Oh mein Gott. Nie mehr würde mir jemand einen blasen. Ich würde die männliche Version einer alten Jungfer werden, und anstatt jeder Menge Katzen hätte ich eine Sammlung von Taschen-Vaginen.

Lieber Gott, gleich werde ich kotzen.

Mein Dad merkte an: „Mach dir keine Sorgen, Willy. Im Gegenteil, wahrscheinlich wird es dein Liebesleben aufpeppen. Frauen sind dafür bekannt, sich Dingen zuzuwenden, die schlecht für sie sind.“

Kline pfiff leise, und Georgia, die inzwischen ohne ihre Tochter wiedergekommen war, stand beleidigt auf.

„Wie bitte?“

„Dick“, sagte Mom. Aber da sie meine Mutter war, sagte sie es mit einem verdammten Glucksen.

Da ich der Grund für diese Unstimmigkeit war, dachte ich, es wäre meine Familienpflicht, einzuspringen. Außerdem musste ich etwas sagen, bevor ich mich in etwas wie aus Men in Black verwandelte. „Nein, Dad. Verrückte Frauen suchen nach dem, was schlecht für sie ist. Intelligente Frauen rennen in die entgegengesetzte Richtung.“ Meine Stimme wurde zu einem deprimierten Murmeln. „Was genau das ist, was sie nun machen werden. Jesus.“

„Ich wette, das sieht sich eh kaum jemand an“, sagte Georgia hoffnungsvoll und versuchte, mir durch die versteckte Beleidigung ein besseres Gefühl zu geben.

In diesem Moment wünschte ich mir nichts mehr, als dass meine Schwester recht hatte.

Mein Handy, dieses opportunistische Ding, klingelte spöttisch in meiner Tasche. Ich überlegte, die Textnachricht nicht zu lesen, aber auf lange Sicht würde Ignorieren das Problem nicht aus der Welt schaffen. Wahrscheinlich würde es mich nur noch blöder aussehen lassen.

Meine Familie diskutierte im Hintergrund weiter über meinen jetzt fragwürdigen Begehrter-Jung­geselle-Status, als ich das Handy herausholte und die Nachricht las, ohne genau hinzuschauen, von wem sie kam. Im Nachhinein betrachtet, hätte ich mir die Zeit wohl nehmen sollen.

Thatch: Verdammt, Alter! Du warst echt gut im Verbergen deiner merkwürdigen Seite all die Jahre. Cassie hat rund um die Uhr die Beine in der Luft, um wieder schwanger zu werden, aber falls das nicht klappt, bist du offiziell unser neuer Arzt. Ach was, auch wenn es klappt. Ihre Pussy lässt alle anderen, die du regelmäßig siehst, wie Amateure aussehen.

Da fing es schon an. Eine Bestätigung von Thatcher Kelly, Klines bestem Freund und einem der albernsten menschlichen Wesen, die je geboren wurden. Ein ewig Jugendlicher im Körper eines Riesen. Er mochte nichts, was keine große Titten hatte, die nur darauf warteten, gesaugt zu werden. Er war der schlechteste Beurteiler von allem Normalen und das genaue Gegenteil von den Zuschauern, die ich ansprechen wollte, und er mochte die Sendung.

Ich war erledigt. Wahrlich und ehrlich gefickt.

Ich neigte den Kopf nach hinten, als mich meine innere Stimme mit der Wahrheit ärgerte. Du bist nicht gefickt, Will Cummings. Sondern du wirst nie wieder gefickt werden.

Auszug 2

Innere Unruhe kratzte an meinen Nerven wie ein frisch geschliffenes Messer, als ich heute Morgen die Tür zur St. Luke’s Gynäkologie-Station öffnete. Ich hatte die Praxis erst vor knapp zwei Jahren übernommen, aber inzwischen so viele Patienten gehabt und so vielen Kindern auf die Welt geholfen, dass es sich anfühlte, als wäre ich schon eine Ewigkeit hier. Ins Büro zu kommen erhöhte normalerweise nicht meinen Blutdruck.

Aber normalerweise – vor dieser gottverdammten Sendung – fühlte ich mich auch nicht wie ein gesellschaftlich Ausgestoßener, den Tod meines Sexlebens mit einer geistig gesunden Frau vor Augen, und ich wusste nicht, dass mein Personal Informationen hatte, die nur darauf warteten, gegen mich verwendet zu werden.

Jetzt allerdings war es mir klar. Guter Gott, die erste Folge der Sendung war ein Desaster gewesen. Wie ein Albtraum, aus dem man nicht erwachen konnte. Ich hatte mir eine Woche Urlaub genommen, in meine Eiscreme geheult und meine Karriere betrauert sowie all meine Lieblingsstellen, in die ich so gern meinen Schwanz steckte. Aber das hatte nicht viel geholfen. Mit den sozialen Medien als Mitbewohner und der virtuellen Fußspur, der ich nicht entkommen konnte, war nicht arbeiten genauso schlimm wie arbeiten.

Laut Twitter waren Frauen immer noch an mir interessiert, doch es war eine Art Interesse, von der mir übel wurde. Sexuelle Anspielungen auf die Doktor-Patient-Beziehung. Angebote, mich ein Mal flachzulegen, um sagen zu können, dass man es geschafft hatte. Eine Frau bot mir sogar eine kinky Prostata-Untersuchung an.

Ich bezweifelte jedoch, dass das Büro mir eine Atempause gewähren würde. Es war Jacke wie Hose. Besonders, weil ich Idiot mit der Rückkehr so lange gewartet hatte, bis die zweite Folge gesendet wurde.

Ein Mal darfst du raten, wie das gelaufen ist, aber wenn deine Antwort nicht gottverdammt furchtbar oder noch viel schlimmer ist, hast du verloren.

„Guten Morgen, Dr. Cummings“, sagte Marlene sofort fröhlich, als sie mich durch die Milchglastür erkannte. Sie war die älteste Arzthelferin in meinem Team, ein Überbleibsel aus der alten Praxis. „Schön, dass Sie wieder bei uns sind.“

Bei ihr hatte ich die meisten Befürchtungen, denn sie war durch und durch eine geistreiche Klugscheißerin. Sie wusste alles, hatte schon alles gesehen, und wenn nicht, dann war es besser, so zu tun, als hätte sie – aus Angst vor ihrer Rache.

„Morgen, Marlene“, rief ich so locker wie möglich.

Sie leckte sich die Lippen und schaltete ihren bösen Blick an, wie ich es sonst nur beim Kater meines Schwagers gesehen hatte. Und glaubt mir, Walter war ein Kater, den man niemals kennen oder treffen wollte, ja nicht einmal seinen Namen denken.

Scheiße.

Ich nahm an, die Kacke war schon am Dampfen, ehe ich meinen ersten Kaffee hatte. Und danach würde ich wohl auch keinen bekommen. Ich wollte bestimmt ohnehin keinen mehr trinken, nachdem ich mit Dreck beworfen worden war.

Vollgekackt und Kaffeeentzug. Das konnte ja ein interessanter Tag voller Patientenuntersuchungen werden.

Doch sie sagte nichts über die Sendungen, während ich zu meinem Schreibtisch ging und unterwegs mein Hallo an alle verteilte: Melissa und Beth und einer medizinischen Assistentin, die half, Patienten aufzunehmen und zu entlassen, wenn mal wieder die Hölle los war.

Statt der befürchteten Kacke schockierte mich Marlene mit der harmlosen Frage, ob ich etwas Schönes im Urlaub erlebt hätte, und dann fragte sie noch nach einem Foto von Julia. Sie hatten an der Geburt des Babys meiner Schwester nicht mehr Anteil als ich, besaßen aber eine verdrehte Vorstellung von erweiterter Familie. Alle Babys waren ihre Babys, egal wem sie eigentlich gehörten.

„Hier“, sagte ich und legte ein kleines Taschenalbum auf den Tresen, in dem alle blättern konnten. „Das eine Bild ist vom letzten Samstag.“

„Oh! Wie süüüß!“ Marlene seufzte. „Als ich klein war, spielte ich auch immer nackt unter dem Rasensprenger.“

Ich versuchte, mir das nicht vorzustellen, und versagte. Allerdings sah ich Marlene nicht als Kleinkind vor meinem innere Auge. Oh Gott.

Ich zwang meine Gedanken zurück zu meiner Nichte. „Ja. Ehrlich gesagt ist es schwer, ein Bild von Julie zu machen, auf dem sie nicht nackt ist. Kline und Gigi schaffen es nicht, dass sie bekleidet bleibt. Sie zieht sich sogar beim Mittagsschlaf die Windel selbst aus.“

Melissa und Beth waren stiller als sonst. Normalerweise kam ich kaum dazwischen, wenn sie sich unterhielten. Doch jetzt lächelten sie immer noch und betrachteten das Bild von Julia, als wären sie tatsächlich daran interessiert, also hörte ich auf, mir darüber Gedanken zu machen.

Als sie mir das Album zurückgaben, ging ich durch den Flur zu meinem Büro. Okay. Das war gar nicht so schlecht gelaufen. Ich fühlte mich etwas leichter und zum ersten Mal seit Tagen wurde der Druck hinter meinen Augen weniger. Vielleicht würde der Arbeitstag doch nicht so furchtbar werden. Die Dokumentation war schrecklich, aber womöglich schauten wirklich nicht viele Leute zu, oder sie war in den Augen derer, die sich nicht selbst als Vollidiot dort sahen, gar nicht so übel. Ich war nicht sicher, wollte jedoch nichts Dummes tun, wie einem geschenkten Gaul ins Maul sehen.

Ich wollte meinen Job nicht hassen. Ich könnte nicht sagen, was ich geantwortet hätte, wenn man mich im Studium gefragt hätte, worauf ich mich spezialisieren wollte. Aber ich wusste, dass nichts mit Vaginen zu tun gehabt hätte, was nicht in den Freizeitbereich gefallen wäre.

Trotzdem passte es zu mir und ich hatte das Gefühl, etwas beizutragen. Man konnte das Leben aus irgendeinem Grund nicht bis ins Detail planen. Ich glaubte, Frauen verstehen zu können, und sosehr ich manchmal über sie nörgelte, musste ich doch meiner Mutter dafür danken. Sie war immer offen und geradeheraus gewesen in Sachen Menstruation und Sexualität, sodass ich hinter dem Fortpflanzungssystem noch den Menschen sehen konnte.

Mir lag etwas an diesen Frauen – meinen Patientinnen. Und ich wollte keine erfundene Dokumentation über mich und das, was ich zu erreichen versuchte, die alles ruinierte und den Unterschied, den ich machen wollte, negierte.

„Scheiße“, murmelte ich vor mich hin. Ich hatte meinen Kaffeebecher im Pausenraum hinter dem Empfangsbereich vergessen. Ich war so damit beschäftigt gewesen, dem drohenden Shitstorm und den vorausgeahnten Konsequenzen zu entkommen, dass ich vergessen hatte, ihn mitzunehmen. Und ich brauchte jetzt dringend einen Kaffee.

Ich legte die Aktentasche und das Fotoalbum auf dem Schreibtisch ab und ging wieder nach vorn. Die ausgelassenen Stimmen von Melissa und Beth erregten meine Aufmerksamkeit, als ich in den Pausenraum gehen wollte.

„Ja, genau!“, stimmte Beth irgendetwas zu.

Aus einem irren Grund, den ich später wünschte, ignoriert zu haben, hielt ich inne und hörte dem Gespräch zu.

„So gut, wie er im Flirten ist, bin ich froh, dass er es nie mit mir probiert hat. Ich hätte schneller mein Höschen runter und die Beine breit gehabt als …“

Mein Köper ging ganz von allein aus der Tür heraus und um eine Ecke hinter ihren Stühlen. Ich bewegte mich lautlos, und ehrlich, ich fühlte mich nicht mehr Herr meines Körpers. Es war, als ob beim leisesten Hinweis, dass sie über mich sprechen könnten, meine Instinkte die Kontrolle übernahmen.

„Oh mein Gott. Wo wir gerade über gespreizte Beine sprechen … Hast du mitgekriegt, wie er gesagt hat, eine Vagina sei ein Leuchtfeuer …“

Ich räusperte mich schockiert und um mich bemerkbar zu machen, denn ich hatte ja nicht gewusst, dass sie tatsächlich über mich sprachen. Beth fiel fast vom Stuhl bei dem Versuch, Melissa zum Schweigen zu bringen.

„Pscht!“ Melissas Gesicht wurde feuerrot. Sie sah auf den Teppich unter ihren Füßen, als sie mich ansprach. „Oh, hi, Dr. Cummings.“

Na super. Das Büro war also doch kein sicherer Ort.

„Hi noch mal, Ladys. Habe nur meinen Kaffeebecher vergessen. Ich hoffe, Sie haben einen schönen Tag.“ Ich hatte die Zähne zusammengebissen, denn verfickte Scheiße, es würde nichts helfen, sie zusammenzustauchen. Mental schon, aber nicht auf professioneller Ebene. Ich musste mit diesen Leuten täglich zusammenarbeiten. So gern ich das auch gehabt hätte, ich bestand nicht aus Geld.

Sie kicherten ein bisschen, nicht nur von meinem plötzlichen Auftauchen, sondern außerdem von meiner lockeren und netten Art, darüber hinwegzugehen, überrascht. Das wissende Tratsch-Grinsen in ihren Gesichtern wurde zu Verlegenheit.

„Äh, Sie auch, Dr. Cummings“, murmelte Melissa.

Beth war wieder verstummt.

„In ungefähr zehn Minuten bin ich bereit für die erste Patientin.“

Melissa nickte.

„Marlene“, rief ich und sie sprang von ihren Platz in der Ecke hoch. Sie hatte an dem Gespräch nicht teilgenommen, zumindest nicht in diesem Moment, aber sie hatte genau zugehört. Sie hatte bloß nicht gedacht, dass ich sie in unser kleines Tête-à-tête mit einbeziehen würde. „Bereiten Sie bitte den Raum vor.“

„Natürlich, Dr. Cummings.“

Lächelnd nickte ich und wollte gehen. Und erst dann drehte ich mich noch einmal um und sagte mit butterweicher Stimme. „Nur zur Information …“ Alle zuckten beim Klang meiner Stimme zusammen. „Ich habe nicht gesagt, eine Vagina sei das Leuchtfeuer von irgendwas. Es handelte sich um ein Gespräch über Fruchtbarkeit, das zu einer Fünfzehn-Sekunden-Aussage von Blödsinn zusammengeschnitten wurde. Und jetzt wieder an die Arbeit, okay?“

Wütend darüber, dass ich mich vor Leuten rechtfertigen musste, mit denen ich schon jahrelang zusammenarbeitete, stürmte ich in mein Büro, hielt unterwegs kurz an, um den verfluchten Becher zu holen, schaltete die Kaffeemaschine ein und hörte in Gedanken versunken beim Aufbrühen zu. Ich brauchte zehn Minuten, um den Kaffee zu trinken und mich zu beruhigen, ehe ich Patienten empfangen konnte. Einen Arzt zu haben, der nicht bei der Sache war, war das Letzte, was sie brauchen konnten. Ihre Gesundheit war meine Priorität. Basta.

Ich steckte das herausgenommene Foto von Julia ins Album zurück und dieses in die Aktentasche und checkte mein Handy ein letztes Mal, bevor ich es stumm schaltete und in die Schreibtischschublade legte. Ich hatte nur eine Nachricht von Thatch bekommen und beschloss, dass jetzt kein guter Zeitpunkt war, sie zu lesen. Nicht, wenn ich noch dabei war, mich zu beruhigen.

Thatcher Kelly war ein gottverdammter Brandbeschleuniger.

Ich zog mein Jackett aus und hängte es an den Haken in der Ecke. Dann setzte ich mich und sah die Patientenakten durch. Es war meine Angewohnheit, mich über die Patienten zu informieren, ehe sie in der Tür erschienen. Wenn der Tag erst mal richtig losging, hatte ich keine Zeit mehr dazu, und die richtige Behandlung der Patienten bestand zu fünfzig Prozent aus Bescheidwissen. Jede Person brauchte und erwartete verschiedene Dinge, und ich tat mein Bestes, darauf zu achten.

Es dauerte nicht lange, bis ich meine persönlichen Angelegenheiten hinten anstellen und mich in die gesundheitlichen Sorgen meiner Patienten hineinversetzen konnte. Ob es um Fruchtbarkeit ging, Krebsangst oder Endometriose, jede dieser Frauen brauchte Rat und Hilfe. Entweder konnte ich heilen oder den Zustand verbessern und erträglicher machen oder nur beraten.

Ein Klopfen am Türrahmen lenkte meine Aufmerksamkeit von der Akte ab und ich blickte zu Marlene. Fragend hob ich die Augenbrauen.

„Ich habe gerade die erste Patientin aufgerufen, Dr. Cummings.“

„Okay, danke.“

Sie nickte kurz und drehte sich um, aber ich rief sie zurück. „Oh, und Marlene …“

Sie trat zurück in die Tür und hörte zu.

„Ich erwarte mehr von Ihnen. Sie sind jetzt lange genug hier und haben genug miterlebt, um zu wissen, dass jemand allem standhalten, die Gerüchteküche unter Kontrolle bringen und dafür sorgen muss, dass die Patienten immer Priorität haben. Dieser Jemand sollten Sie sein. Eigentlich betrifft das das gesamte Personal, aber Sie sollten es auf jeden Fall besser wissen.“

Sie biss die Zähne zusammen, widersprach jedoch nicht. Wahrscheinlich das erste Mal für Marlene.

„Ist das alles?“

Ich lächelte in dem Versuch, die Wogen zwischen uns zu glätten, aber als sie sich umdrehte und ging, ohne meine Antwort abzuwarten, wusste ich, dass ich diese kleine Ansprache sicherlich für eine Weile bezahlen würde. Offiziell war ich der Boss, im Leben von Marlene Donahue war allerdings niemand der Boss außer ihr selbst. Ich hoffte, jemand hatte meine Rettungsweste eingepackt.

Dreimal Anklopfen an der Tür des Untersuchungsraumes eins später rief mich die erste Patientin herein. Ich ging in den Raum und an den Tresen, auf dem Marlene bereits eine Urinanalyse abgelegt hatte, die anzeigte, dass die mit nichts als einem Papierhemd bekleidete Patientin auf meiner Untersuchungsliege weiterhin ihren bevorzugten Status nicht schwanger behielt.

„Hallo, Alyssa“, grüßte ich, öffnete ihre Akte auf dem Tresen und blätterte noch einmal die Details durch, ehe ich mich umdrehte und sie ansah.

„Hi, Dr. Cummings.“

„Wie geht es Ihnen heute?“

„Gut, danke.“

„Irgendwelche Probleme, über die wir sprechen müssten, oder ist es nur eine Routineuntersuchung?“

„Keine Probleme.“

Ihre kurzen und knappen Antworten waren keine Überraschung. Es war normal für Frauen, die unbekleidet und verletzlich dalagen. Nachdem sie wieder angezogen waren, fiel den meisten Patientinnen das Plaudern leichter.

„Okay, gut. Dann machen wir schnell die Brustabtastung und danach den Rest?“, fragte ich und ging auf sie zu.

„Okay.“

Ich schob das Papierhemd zur Seite und überprüfte mit sanftem Druck die Brust. Kein verhärtetes Gewebe oder keine verdächtige Hautstruktur sprang mich an, also zog ich das Hemd wieder darüber und wandte mich der anderen Brust zu. Dort war ebenfalls alles in Ordnung. Ich bedeckte auch diese Brust wieder.

„Sieht alles gut aus, Alyssa. Vergessen Sie aber nicht, sich monatlich selbst abzutasten, okay?“

Sie nickte.

„Sie sind jung und gesund, aber es ist nie zu früh für Eigeninitiative.“

Sie lächelte leicht.

„Okay, machen wir jetzt die Unterleibsuntersuchung, und dann können Sie wieder an den regelmäßigen Terminen kommen.“

Ihre Augen weiteten sich etwas und ihr Blick schien entschlossener zu werden. Ich gab dem Drang, erschrocken zusammenzuzucken, nicht nach.

„Ich habe gestern Ihre Sendung gesehen, Dr. Cummings.“

Gibt es jemanden, der diese verfluchte Sendung nicht gesehen hat?

Ich bemühte mich schwer um ein Lächeln, nickte kurz und unterdrückte den Reflex, verzweifelt die Augen zu schließen. Doch innerlich blubberte meine Erniedrigung so heiß und flüssig wie geschmolzene Schokolade.

„Oh ja?“, fragte ich wie nebenbei, zog ein Paar Handschuhe aus der Schachtel, setzte mich auf meinen Hocker und rollte näher. Sie nickte und in ihren Augen glänzte etwas, das mir nicht gefiel, was ich aber nicht genau benennen konnte. Machte sie sich lustig? War es Ablehnung? Oder Verurteilung?

„Ja, Sie waren …“

Oh Jesus, jetzt kommt es.

„Anders als erwartet“, sagte sie.

In ihrer Stimme schwang etwas mit, das mir bekannt vorkam, aber ich konnte es nicht glauben, bevor ich es mit eigenen Augen gesehen hatte. Ich blickte hoch, zwischen den mit einem Papierlaken bedeckten Beinen hindurch, und zuckte fast zurück angesichts dessen, was ich sah. Lust, pur und ungebeten, strahlte aus allen Facetten ihres Daseins.

Na super. Von kurz angebunden zu Flirten in einer Sekunde. Mit Ersterem hätte ich umgehen können.

„Na ja, zurechtgeschnittene Szenen, das Fernsehen, Schall und Rauch, Blendwerk und all das“, murmelte ich unbeholfen.

Sie kaute auf ihrer Unterlippe herum, lächelte und neigte den Kopf näher an ihre Schulter.

„Äh, okay, also gut, jetzt geht’s aber weiter mit der Untersuchung“, sagte ich stolpernd, um zu verhindern, dass diese Frau, die auf die Untersuchung ihres Unterleibes durch mich wartete, auf die Idee kommen könnte, mich um etwas zu bitten, das viel zu unangebracht für eine medizinische Einrichtung wäre.

„Lehnen Sie sich zurück, rutschen Sie ein Stück vor und legen Sie die Beine bitte in die Halterungen, dann können wir anfangen.“

Sie tat, wie ihr geheißen, öffnete die Beine und zog das Papiertuch hoch, um sich vor mir zu entblößen.

„Sind Sie sexuell aktiv?“

„Manchmal“, sagte sie, hob den Kopf und zwinkerte mir zu.

Ich räusperte mich heftig. Dieses verfluchte Zwinkern für die Kamera in der Sendung! Ich wusste, das würde schlimme Folgen haben. Ich hatte immer wieder darüber nachgedacht und vorgestern war es mir endlich eingefallen. Der Kameramann hatte mir eine Frage gestellt. Etwas, das nichts mit der Szene zu tun hatte, und ich war davon ausgegangen, dass es später rausgeschnitten würde oder die Kamera in dem Moment nicht liefe. Offensichtlich hatte ich aber die Arschkarte gezogen.

„Okay. Irgendwelche Beschwerden dabei?“

„Nicht auf schlimme Weise. Ein bisschen Schmerz macht mir nichts aus …“

Heiliger Jesus!

„Okay, okay“, sagte ich und zwang mich zu einem Lachen. Nächste Frage. Was nun? Oh, Menstruation. Reichlich unsexy. Gut! „Wie ist es mit Ihrem Menstruationszyklus? Irgendwelche Unregelmäßigkeiten?“ Ich führte das Stäbchen ein und machte schnell einen Abstrich.

„Nein … ah!“ Sie zuckte zusammen.

„Tut mir leid.“ Egal wie unangenehm dieser Termin wegen ihrer Flirterei für mich war, dieser Teil war sicherlich unangenehmer für sie. Und es war mein Job, es gut zu machen. „Schon fertig“, sagte ich und zog das Spekulum wieder aus ihr heraus. „Jetzt taste ich Sie noch ab, um sicherzugehen, dass sich alles anfühlt, wie es sollte.“

„Klopf, klopf, Dr. Cummings“, rief eine weibliche Stimme vor der Tür. „Marlene hat mich hergeschickt“, fügte sie hinzu.

Ich war so damit beschäftigt, der düsteren Wolke im Raum zu entkommen, dass ich nicht daran dachte, dass es das unangenehme Gefühl zusätzlich steigern könnte, wenn ich so enthusiastisch auf das Klopfen einging. „Ja, mein Gott, bitte kommen Sie rein.“

Peinliche Verlegenheit war nur noch eine Erinnerung, als sie durch die Tür kam und ihre verführerischen haselnussbraunen Augen mich ansahen.

Ein Gummiband der Intensität verband uns, als ich die weiche Locke betrachtete, die ungebändigt über ihrer Stirn und Wange lag. Ich hatte Mühe, dem Drang zu widerstehen, alles an ihr unterhalb des Halses erkunden zu wollen.

Sie war neu hier, das war mir klar, und sie machte den besten ersten Eindruck, den ich je miterleben durfte. Aber ihre Augen lächelten nicht in der Weise, die sagte, dass sie in diesem perfekten Moment dabei war, sich in mich zu verlieben, und sie strahlten auch nicht aus, dass ich einen guten ersten Eindruck auf sie machte. Als sich die Vagina, in der ich meine Finger hatte – und die nicht ihre war –, merklich zusammenzog, verstand ich das auf peinvolle Weise.

Oh Jesus.

Ich könnte nicht behaupten, alles über die weibliche Psyche zu wissen, aber ich war ganz sicher, dass es nicht der beste Moment war, jemanden mit Smalltalk und Komplimenten für sich zu gewinnen, während man mitten in der Untersuchung einer anderen Frau war.

Frag sie, was sie hier will, befahl mein Verstand.

„Kann ich Ihnen helfen?“, fragte ich und bemühte mich, meine zerstreuten Gedanken zu sammeln.

Sie blickte auf die Patientin, meine Hand, die immer noch in der anderen Frau steckte, und wieder in mein Gesicht. „Ich bin die Neue.“ Sie schüttelte leicht den Kopf und korrigierte sich. „Ihre neue Arzthelferin.“

Erfreut, dass dies keine zufällige Begegnung war und ich die Gelegenheit bekommen würde, diese Frau näher kennenzulernen, war meine Reaktion mal wieder schneller als mein Verstand.

„Oh, wow“, flötete ich. Ja, ich flötete, verdammt noch mal. „Wie schön, Sie kennenzulernen.“

Und dann …

Oh Gott. Und dann … zog ich meine Hand aus dem Körper der anderen Frau und hielt sie der Arzthelferin zum Schütteln hin.

Sie war entsetzt.

Beide Frauen waren entsetzt.

„Äh, hallo?“, rief die jetzt ärgerliche Patientin.

Ich wusste nicht, ob sie mehr darüber entsetzt war, dass ich etwas furchtbar Widerliches getan hatte, oder dass ich nicht länger auf sie allein konzentriert war, jedenfalls konnte ich es ihr nicht verdenken.

Meine neue Arzthelferin machte große Augen, und dann spielte sie es herunter, indem sie meine Schulter tätschelte. Drei Mal, jedes Mal etwas ungeschickter. Allerdings schüttelte sie nicht meine kontaminierte Hand.

Verflucht noch mal, Will, reiß dich zusammen.

Ich riss mir den Handschuh herunter und warf ihn in den Mülleimer. Dann ging ich zum Waschbecken und drehte den Wasserhahn auf, um mir die Hände zu waschen. „Sieht alles gut aus, das Ergebnis des Abstriches wird ein paar Tage dauern. Wir rufen Sie an, falls ein Befund kommt.“ Ich sprach schnell und nutzte den Vorteil, keiner der Frauen in die Augen blicken zu müssen. „Ms. … äh …“

„Melody“, antwortete sie.

„Melody, ja.“ Verfluchte Scheiße. „Lassen Sie uns rausgehen.“

Bitte, bitte, lasst mich hier raus.