Die dunkle Loge: Gläserne Mauern

Erschienen: 03/2018
Serie: Die dunkle Loge
Teil der Serie: 1

Genre: Dark Erotica, Soft-SM / BDSM
Zusätzlich: Millionärsromanze
Seitenanzahl: 308


Erhältlich als:
paperback & ebook

ISBN:
Print: 978-3-86495-336-1
ebook: 978-3-86495-337-8

Preis:
Print: 13,90 €[D]
ebook: 6,99 €[D]

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Die dunkle Loge: Gläserne Mauern


Inhaltsangabe

Evelin ist gerade ihrer persönlichen Hölle entkommen. Von Folterung, Misshandlung und dem Verlust ihrer Schwester gepeinigt, begegnet sie ausgerechnet in dem Moment, als sie sich das Leben nehmen will, dem attraktiven Millionär Adrian Lorain - und dieser hat andere Pläne mit ihr.

Der dominante Master Adrian ist fasziniert von Evelin und auch sie spürt eine starke Anziehungskraft zu ihm. Aber ihre Zerrissenheit und Angst machen es ihr schwer, wieder Vertrauen zu fassen und sich devot fallen zu lassen. Adrian gelingt es, trotz ihres Misstrauens hinter Evelins Fassade zu blicken und ihre süße Unterwerfung hervorzulocken.  

Doch während ihre Gefühle im Chaos versinken, hat der Schatten der Vergangenheit sie bereits wieder eingeholt …

Teil 1 der romantischen BDSM-Reihe „Die dunkle Loge“.

Über die Autorin

Mina Miller lebt mit ihrem Lebensgefährten und ihren zwei Katzen im grünen Ruhrgebiet. Sie ist eine absolute Frühaufsteherin und liebt es, im Garten zu sitzen und zu schreiben. Ideen sammelt sie, wenn sie die Wolken beobachtet oder in ihre Musik...

Weitere Teile der Die dunkle Loge Serie

Leseprobe

 

XXL-Leseprobe bei Book2Look

Eine Bewegung neben ihr riss sie aus ihren schauerlichen Gedanken. „Miaaauuu.“ 

Eine dicke Katze mit rotem, langem Fell und zuckendem Schwanz saß am offenen Fenster und schaute sie aus schmalen, bernsteinfarbenen Augen an. Blinzelnd versuchte Evelin, ins Hier und Jetzt zurückzukehren und ihren schnellen Herzschlag zu beruhigen. Eine Panikattacke würde ihr jetzt auch nicht weiterhelfen.
Der kleine Löwe hatte Ähnlichkeit mit der Katze ihrer Oma. Clara war jedoch um einiges schmaler gewesen. Sie hatte es sogar ein paarmal geschafft, dem Besuch das Essen vom Teller zu...

...stibitzen. Mit einem Lächeln im Gesicht streckte sie dem Fellknäuel ihre Hand entgegen.
„Hallo meine Kleine, du bist aber eine Hübsche.“
Das Tier zuckte mit den Ohren, ließ sich genüsslich das angenehm weiche, flauschige Fell am Kinn kraulen und fing an zu schnurren. Bei einem Bellen von draußen drehte sie sich trotz ihrer Leibesfülle behände um, sprang schnell mehrere Fensterbänke herunter und landete mit einem geräuschvollen Plumpsen in einem Strauch. Mit hochgezogenem Schwanz, als wäre es das natürlichste der Welt für sie, so laut zu landen wie ein Düsenjet, stolzierte sie heraus und war im nächsten Moment hinter einer Trauerweide verschwunden.
Umringt wurde die Weide von wunderschönen Blumen und Sträuchern. Sie alle waren ordentlich um sie herum gepflanzt, und doch gab es überall geheime Bereiche, die die Fantasie anregten. Ein kleiner Brunnen, versteckt unter tiefgrünem Efeu, plätscherte unter ihrem Fenster vor sich hin. Sie hätte sich nicht gewundert, wenn der Froschkönig persönlich aus seinen Tiefen emporgekrochen wäre, so märchenhaft war die Ausstrahlung des kleinen Gärtchens. Hinter den hohen Hecken, die es eingrenzten, konnte man den weiteren Garten nur erahnen.
Wo in aller Welt war sie gelandet?
Sie drehte sich um, ging in das Zimmer zurück, und sofort sprang ihr das edle Gemälde wieder ins Auge, welches die komplette Wand über dem Sofa einnahm. Vorsichtig trat sie näher und berührte den verzierten goldenen Rahmen. Er fühlte sich kalt und rau unter ihrer Hand an. Was für ein wunderschönes, anmutiges Kunstwerk.
Das Bild stellte eine verwunschene, traumhafte Szene auf einer Lichtung im Wald dar. Junge Frauen, in kurze, weit flatternde Gewänder gekleidet, tanzten um fünf Männer herum. Jede schien förmlich zu schweben, und der Ausdruck in ihren Gesichtern war sowohl verschmitzt als auch keck. Ein Mann streckte den Arm nach einem der Mädchen aus, aber dieses tanzte geschwind aus seiner Reichweite heraus. Ein anderer hatte ein Mädchen um die Hüfte gepackt und versuchte, sie sich über die Schulter zu werfen. Das feenartige Wesen schien zu lachen, und ein lüsternes Funkeln lag in ihren Augen. Die Männer hatten allesamt ihre begehrlichen, hungrigen Blicke auf die Frauen gerichtet.
Evelin bekam eine Gänsehaut. Das Bild war so friedlich und doch voller Verheißung.
Ein zartes Klopfen an der Tür riss sie aus ihren Gedanken und ließ das Blut schneller durch ihre Venen rauschen.
Plötzlich wurde die Tür geöffnet und eine junge Frau kam herein. Ihre langer Pferdeschwanz leuchtete rot wie Mohnblumen.
„Hallo! Ich hoffe, ich habe dich nicht erschreckt? Dr. Wessler sagte, du würdest bestimmt bis in den Nachmittag hinein schlafen. Wie geht es dir? Ich habe hier ein paar Kleider für dich und hoffe, sie passen, sie sind nämlich von mir.“ Die Frau tippte sich mit dem Finger an das Kinn und begutachtete Evelin einmal von oben bis unten. „Ja, die Sachen müssten dir passen. Nur an der Länge müssen wir noch etwas machen. Adrian wird dir sicherlich bald eigene Anziehsachen besorgen.“
Evelin starrte die Frau mit offenem Mund an. Sofort fiel ihr der Mann mit dem durchdringenden Blick auf dem Dach wieder ein. Fröstelnd rieb sie sich die Arme.
Als hätte die andere Frau ihren emotionalen Wandel mitbekommen, klatschte sie einmal schnell in die Hände. „Tut mir leid. Ich bin eine Plaudertasche.“ Sie warf Evelin ein entschuldigendes Lächeln zu. „Sei unbesorgt, du bist hier in Sicherheit. Adrian ist ein fürsorglicher Mensch. Übrigens heiße ich Liz und freue mich sehr, dich kennenzulernen. Eine weitere weibliche Seele in diesem verruchten Haus ist mir immer willkommen, und ich hoffe, die Blumen gefallen dir. Endlich kann ich in diesem Haus mal Blumenvasen aufstellen. Ich glaube, außer Adrian wissen die anderen Männer die schönen Blüten gar nicht zu schätzen.“
Sie streckte Evelin ihre Hand entgegen, doch diese zögerte. Liz machte einen fröhlichen Eindruck, wie konnte so etwas möglich sein? Sie lebte in einem Haus voller Männer, und mindestens einer von ihnen hatte eine dominante Ader, das wusste Evelin seit dem Zusammentreffen auf dem Dach des Museums.
Evelin schüttelte den Kopf. Komisch, sie schien in diesem Haus zu leben, sie musste wissen, was es bedeutete, aber trotzdem … Sie schien nett und auf eine schusselige Art sympathisch, auch wenn sie redete wie ein Wasserfall. Liz hatte den Kopf leicht zur Seite geneigt und schaute sie mit großen Augen an.
Was soll’s! Vielleicht machte Liz es ihr einfacher zu erfahren, wie sie von hier verschwinden konnte.
Evelin ergriff ihre Hand, und Liz strahlte über das ganze Gesicht. „Es freut mich auch, dich kennenzulernen. Ich heiße Evelin, aber nenn mich ruhig Evi.“
Sollte Liz noch etwas mehr anfangen zu leuchten, befürchtete Evelin, eine Sonnenbrille zu benötigen. Es würde sie nicht wundern, wenn Liz gleich einen Purzelbaum schlagen und einen Freudentanz aufführen würde. Ein Lächeln stahl sich auf Evelins Lippen. Sie hatte diese unbeschwerte Liz schon jetzt lieb gewonnen. Umso schwerer würde es ihr fallen, sie hier zurücklassen zu müssen.
Liz drückte ihr die Anziehsachen in die Arme und beförderte sie zu der anderen Tür in dem Zimmer. Schneller als Evelin es begreifen konnte, hatte Liz sie schon in ein edles Badezimmer geschoben. Helle Marmorwände und eine große runde Badewanne in der Mitte des Zimmers nahmen ihren Blick gefangen.
„Du kannst alles benutzen, was du siehst. Bestimmt möchtest du dich etwas frisch machen. Aber pass bitte auf die Verbände auf. Adrian sagte, sie helfen beim Heilungsprozess und sollen noch draufbleiben.“
Liz wollte gerade die Tür schließen, da drehte sie sich mit einem schelmischen Grinsen auf den Lippen noch einmal um. „Ach, bevor ich es vergesse: Du wirst von Adrian schon erwartet, und er mag es gar nicht gerne, lange warten zu müssen. Es wäre also besser, du sputest dich etwas, denn glaube mir, du möchtest nicht, dass er dich holen kommt.“
Sie zwinkerte Evelin zu und schloss mit einem Ruck die Badezimmertür.
Sofort lief Evelins Fantasie auf Hochtouren. Sein Name war Adrian. Sie sah einen männlichen Schatten, der in das Badezimmer stürmte und sie mit seinen Blicken, die ein Feuer der Begierde in ihr entfachten, an Ort und Stelle festnagelte. Seltsamerweise spürte sie bei dem Gedanken nicht nur Grauen, sondern auch ein leichtes Prickeln zwischen den Beinen. Etwas, das sie schon seit langer Zeit nicht mehr gespürt hatte.
Evelin entglitten die Anziehsachen, die nun auf dem schwarzen Fliesenboden landeten.
Das durfte doch alles nicht wahr sein.
Sie vergrub das Gesicht in ihren Händen.
Womit in aller Welt hatte sie das verdient? Sie hatte doch mit all dem abschließen wollen.
Evelin ging müde zum Spiegel über dem elfenbeinfarbenen Waschbecken. Sie sah schrecklich verwahrlost aus und hatte dunkle Ringe unter den Augen. Nachdenklich schaute sie auf ihre Handgelenke und fing an, die Verbände abzuziehen. Die aufgeschürfte Haut schimmerte rosa und die Striemen an den Handgelenken waren verblasst.
Das letzte Stück des Verbandes fiel ins Waschbecken. Sie fuhr mit einem Finger die Striemen an ihrem Handgelenk nach. Nur ungern dachte sie an die aufgeschürfte, blutige Haut, die unter dem unbarmherzigen Griff der eisernen Handschellen entstanden war. Die Striemen waren inzwischen fast verheilt, und wenn sie Glück hatte, würden keine Narben bleiben. Es schüttelte sie, und sie wollte nichts sehnlicher, als ihre Vergangenheit zu vergessen.
Ein Klopfen war an der Tür zu hören. „Evi, ist alles in Ordnung da drinnen?“ In Liz’ Stimme schwang ein besorgter Unterton mit.
Evelin richtete sich am Waschbecken auf und zog die Schultern zurück. „Ja, alles gut. Ich komme gleich.“
Kampfeslustig schaute sie sich im Spiegel an. Sie versuchte, das angenehme Kribbeln in ihrem Magen zu unterdrücken, das sie empfand, wenn sie an Adrians intensiven Blick dachte. Schnell machte sie ihre Katzenwäsche und zog sich an. Liz hatte ihr eine lockere Bluse und eine weite Leinenhose mitgebracht. Beim Anziehen der Bluse bemerkte sie, dass diese so weit geschnitten war, dass sie den Verband auf ihrem Rücken problemlos verdeckte, ohne sie in ihrer Bewegung einzuschränken. Sie kämmte sich schnell das zerzauste Haar, besah sich noch einmal im Spiegel und ging zufrieden zur Tür.
Evelin würde sich höflich für die Rettung bedanken und sich dann verabschieden. Sie wollte ganz neu anfangen. Weit weg von hier.
Allerdings gab es eine Stimme tief in ihrem Innern, die die Hoffnung nicht aufgeben wollte, dass es vielleicht doch noch ein Happy End für sie geben würde. Aber konnte sie Adrian wirklich trauen? Er war ein dominanter Mann, und sie hatte sich geschworen, sich nie wieder auf einen solchen einzulassen. Allein der Gedanke, ihm gleich gegenüberzustehen, ließ sie ängstlich zittern.

Liz führte sie durch einen großen Altbau. Überall sah man dunkle Holzbalken, die Böden wurden von dicken Teppichen bedeckt und an den Wänden hingen prachtvolle Gemälde. Evelin schaute sie neugierig an, konnte aber keines entdecken, das so wunderbar war wie das in ihrem Zimmer. Ein wenig enttäuscht folgte sie Liz eine Treppe hinunter in eine große Eingangshalle, an deren Decke ein riesiger Kronleuchter hing, wie sie ihn bisher nur im Film Titanic gesehen hatte. Sie bogen in einen der vielen Flure ab. Selbst mit einem Wegweiser würde sie sich im Innern dieses Hauses verlaufen.
Liz stoppte abrupt und blieb vor einer großen Doppeltür stehen. „Du musst allein reingehen. Er erwartet dich. Viel Glück!“
Sie drückte Evelins kalte Hände, um ihr ein wenig Mut zuzusprechen. Mit roten Wangen wandte sie sich danach um und ging wiegenden Schrittes in die entgegengesetzte Richtung weiter.
Evelin spürte, wie ihr die Hitze den Nacken emporkroch und ihre Handflächen zu schwitzen anfingen. Das Herz klopfte ihr bis zum Hals. Was sollte sie nur machen, wenn er genauso schrecklich war wie ihr wahnsinniger Entführer? Evelin wurde plötzlich schlecht. Sie konnte das nicht noch einmal durchmachen!
Im nächsten Augenblick wurde die Doppeltür geöffnet und Evelin sprang erschrocken zurück, wobei sie über ihre eigenen Füße stolperte und mühsam um ihr Gleichgewicht kämpfte. Nebenbei nahm sie den Schatten eines großen Mannes wahr, der sie überragte.
„Was zum …! Wieso stehen Sie vor meiner Tür wie ein festgefrorener Eiszapfen?“
Evelin erkannte die Stimme wieder.
Sie konnte die Balance nicht mehr halten und landete unsanft auf dem Hosenboden. Fluchend rieb sie sich den schmerzenden Hintern und zog dabei eine Grimasse, die einem kauenden Lama alle Ehre gemacht hätte.

Verdammt was für einen köstlichen Anblick sie bot.
Adrian musste sich schwer zusammenreißen, um nicht in schallendes Gelächter auszubrechen. Wie die junge Frau dort vor ihm auf dem Boden saß, mit zerknirschtem Gesicht und der viel zu großen Hose, war sie ein Bild für die Götter. Seine Blicke glitten wissend über ihre hübschen Kurven und die üppigen Brüste, die sich ihm unter der Bluse verführerisch und neckend entgegenstreckten. Ihr Arsch hatte nun schon ungewollt einen Vorgeschmack seiner zukünftigen Erlebnisse erfahren. Adrian würde es lieben, ihren Hintern erst in einen zarten Rosaton und dann in ein dunkleres Rot zu färben. Bei dem Gedanken juckte es ihn in den Fingern, denn eines war klar, so schnell würde er seine Amazone nicht mehr gehen lassen.
Wann hatte er das letzte Mal so über eine Frau nachgedacht? Die kleine Amazone war nicht nur wie ein Tornado in seinen Verstand gefegt, sondern auch auf direktem Wege in seinen Schwanz.
Schnell sammelte er sich und half der jungen Frau auf die Beine. Zögernd legte sie ihre Hand in seine.
„Das tut mir wirklich leid, ma chérie. Hätte ich gewusst, dass Sie wie eine Biene am Honig an meiner Tür festkleben würden, hätte ich mich natürlich erst bemerkbar gemacht, bevor ich die Tür öffnete.“
Evelin warf ihm einen vernichtenden Blick zu.
Oh, wenn Blicke töten könnten.
Wenn alles nach Plan verlief, würde sie es sich schon bald zweimal überlegen, ihn so anzufunkeln.

Er stand dicht vor ihr und sie nahm einen feinen Geruch nach Moschus und Blumen wahr. Evelin konnte ihn nun das erste Mal richtig in Augenschein nehmen. Er war einen Kopf größer als sie und hatte schwarze Haare, die im Nacken von einem Zopf gebändigt wurden. Sein dunkelblaues Hemd hatte er lässig über seiner Jeans hängen. Die obersten Knöpfe waren geöffnet und gaben ein Stück gebräunter Haut frei. Da er sie fast mühelos den Dachvorsprung hochgezogen hatte, wusste sie, dass er einen durchtrainierten Körper hatte. Als sie in sein markantes Gesicht sah, wurde ihr Blick von den sturmgrauen Augen gefangen genommen, die sie schon auf dem Dach in ihren Bann gezogen hatten. Evelin schluckte mühsam und merkte, wie ihr die Röte ins Gesicht stieg. Sie fühlte sich ertappt. Schnell senkte sie den Kopf, spürte seine Aufmerksamkeit aber immer noch auf sich gerichtet.
„Nun, nachdem Sie mich augenscheinlich bis ins kleinste Detail begutachtet haben, würden Sie bitte eintreten?“ Galant hielt er ihr eine der mit Schnörkeln verzierten Türen auf.
Schnell umrundete sie ihn, um aus seiner Reichweite zu kommen. Wie ein verschreckter Hase, der versuchte, vor dem Fuchs zu fliehen, schlug sie einen Haken und verschwand in seinem Büro, nicht ahnend, dass sie gerade die Fuchshöhle betreten hatte. Sie saß in der Falle.
Evelin meinte, den Mann amüsiert lächeln zu sehen, doch im nächsten Moment hatte er seinen durchdringenden Blick auf sie gerichtet. Seine Mimik gab keines seiner Gefühle preis. Somit hatte sie keine Möglichkeit, ihr Gegenüber einzuschätzen.
Evelin wischte sich unauffällig die schweißnassen Hände an der Hose ab. Sie versuchte, ihrem Herzen zu befehlen, endlich ruhiger zu schlagen. Ein auswegloses, zum Scheitern verurteiltes Unterfangen.
Sie musste jetzt unbedingt einen klaren Kopf behalten. Nur nebenbei nahm sie die hohen Bücherregale wahr, die zu beiden Seiten die Wände einnahmen. Ihr Fokus lag auf dem Mann, der, ihr den Rücken zugekehrt, am Fenster stand und scheinbar gelassen in den großen Garten dahinter blickte. Seine breiten Schultern luden zum Anlehnen ein. An diese konnte man sich bestimmt anschmiegen und den Rest der Welt vergessen, während man sich sorgsam beschützt fühlte. Es schien ihr wie eine Ewigkeit, in der ihr das Blut in den Ohren rauschte, bis er endlich zu sprechen anfing. Sie war so in Gedanken versunken, dass sie es beinahe nicht mitbekommen hätte.
Blinzelnd richtete sie sich ein wenig mehr auf. „W… wie bitte?“
Verdammt, sie musste sich unbedingt konzentrieren. Warum fiel es ihr nur so schwer, ihre Gedanken zu ordnen?
Er drehte sich um und sah sie mit einem strengen Blick an. „Ich hatte Sie gefragt, wie es Ihren Verletzungen geht. Meine Ärztin hat Sie untersucht und behandelt, als Sie bewusstlos waren. Durch den abgefangenen Sturz haben Sie im linken Arm eine Muskelzerrung davongetragen. Was die anderen Verletzungen auf Ihrem Rücken und an den Handgelenken angeht, würde ich gerne von Ihnen hören, woher sie stammen.“
Er ließ sie keinen Augenblick aus den Augen.
Evelin schluckte hart. Ein bitterer Geschmack lag ihr auf der Zunge. Sie vertraute diesem Mann nicht. Wie sollte sie ihm da von dem grauenhaften Albtraum erzählen, den sie durchgemacht hatte?
Sie hob entschlossen den Kopf und sah ihm ins Gesicht. „Das geht Sie nichts an!“
Bevor sie einem unbekannten Mann von ihrem Martyrium erzählte, sollte sich der Boden unter ihren Füßen auftun und sie im Ganzen verschlingen. Sie würde nicht noch einmal so leichtgläubig sein und einem fremden Kerl vertrauen.
Sie registrierte, wie sich eine seiner Augenbrauen nach oben wölbte. Evelins Mund fühlte sich wie ausgedörrt an und sie befeuchtete ihre trockenen Lippen mit der Zunge.
Sein Adlerblick folgte jeder ihrer Bewegungen.
Als hätte jemand einen Schalter umgelegt, war plötzlich eine elektrische Spannung im Raum zu spüren. Ihr war, als wenn sie über einem lodernden Vulkan stehen würde, der jeden Moment ausbrechen konnte, um sie mit seinem Feuer zu verschlingen.
Evelin setzte ein gezwungenes Lächeln auf und fokussierte den Schreibtisch. Sie wusste nicht, ob sie seinem Blick standhalten konnte. „Verstehen Sie mich bitte nicht falsch. Ich danke Ihnen für meine Rettung, aber nun möchte ich mich von Ihnen verabschieden. Ich habe nicht vor, Ihre Zeit weiter in Anspruch zu nehmen.“
Nervös blinzelnd schaute sie ihn an. Adrian beobachtete sie eine Weile schweigend. Sein Blick reichte tief und brannte sich in ihr Innerstes. Evelin spürte, wie sich diese verdammte Hitze zwischen ihren Brüsten und in ihrem Geschlecht ausbreitete. Sie konnte fühlen, wie die Feuchtigkeit zwischen ihren Schenkeln zunahm.
Warum reagierte ihr Körper immer noch so auf Dominanz?
Wie konnte er sie so hintergehen?
Sie hoffte sehnlichst, ihr Gegenüber würde es nicht merken, wusste jedoch, dass diese Hoffnung nur das bleiben würde, was sie war, nämlich eine Illusion. Wenn er wirklich aufmerksam war, würde er ihr jede Gefühlsregung an der Nasenspitze ablesen können.
Der Gedanke, dass jeder in ihr lesen konnte wie in einem offenen Buch, behagte ihr gar nicht. Nervös kaute sie auf ihrer Lippe herum und begann, ihre Hände zu kneten.
Der Mann stützte sich mit den Armen auf seinem Schreibtisch ab und beugte sich zu ihr vor. Sein Hemd spannte sich über zwei muskulösen Armen, und seine Augen glitzerten gefährlich.
„Und was genau bringt Sie zu der Annahme, dass ich Sie nach der ganzen Geschichte einfach gehen lasse? Sie wollten sich vom Dach stürzen und haben sich aufgeführt wie eine Verrückte. Mal abgesehen davon, dass Sie noch verletzt sind.“
Mit einem langsamen, fast schleichenden Gang kam er um den Tisch herum und lehnte sich mit verschränkten Armen ihr gegenüber an den Schreibtisch.
Sie biss sich unbewusst auf die Lippen. Stand ihr jetzt etwa eine Moralpredigt bevor? Evelin musste an ihre Schulzeit zurückdenken, denn er verhielt sich wie ein Lehrer, der gleich mit seiner Strafpredigt anfangen würde. Seltsamerweise entlockte ihr der Gedanke ein Schmunzeln. Ihr ehemaliger Lehrer, Herr Jackson, hatte sich mehr als einmal die Zähne an ihr ausgebissen. Er hätte ihrem jetzigen Gegenüber in Sachen Attraktivität und Ausstrahlung jedoch keinerlei Konkurrenz machen können.
„Ich sage Ihnen, wie es weitergehen wird.“ Damit unterbrach er ihren erheiternden Gedankengang. „Sie bleiben so lange mein Gast, bis Ihre Verletzungen verheilt sind und Sie mir erzählt haben, was Ihnen widerfahren ist.“
„Nein!“
Es fehlte nicht viel und sie hätte wie ein trotziges Kind mit den Füßen gestampft. Was bildete sich dieser Lackaffe eigentlich ein? Er konnte sie doch nicht gegen ihren Willen festhalten. Der Kerl hatte ihr Leben gerettet und glaubte jetzt, über sie bestimmen zu können? Wenn er sich da mal nicht täuschte!

***

Adrian konnte in der Frau lesen wie in einem offenen Buch. Ein großer Vorteil und ein Muss, wenn man sich, wie er, Master nennen wollte.
Er ging langsam auf sie zu.
Evelin wich wie ein erschrockenes Reh vor ihm zurück und stieß irgendwann mit dem Rücken an eines der Bücherregale. Sie konnte nicht weiter.
Mit unbewegter Miene stützte er sich mit den Händen links und rechts neben ihrem Kopf ab. Sein Gesicht war nur noch wenige Zentimeter von ihrem entfernt.
Evelin hielt die Luft an. Sie hatte keine Möglichkeit, sich ihm zu entziehen.
„Sie werden in meinem Haus als Gast bleiben, solange ich es will. Ich glaube kaum, dass sie ansonsten der Polizei erklären wollen, warum sie von einem Dach springen wollten. Die würden sie schneller, als sie Nein sagen könnten, in die Psychiatrie einweisen lassen, was sicherlich nicht in Ihrem Sinne wäre.“
Er hatte leise gesprochen, nahezu gefährlich leise. Sein Blick glitt über ihr Gesicht. Große grüne Augen blickten ihn unsicher an.
Er schaute tiefer und seine Augen blieben an ihren Lippen hängen. Adrian konnte den Blick nicht von ihnen lösen. Sie sahen so unendlich weich aus, und er konnte es kaum erwarten, dass sie sich um seinen Schwanz legten.

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